{"id":991,"date":"2005-08-25T12:47:15","date_gmt":"2005-08-25T10:47:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=991"},"modified":"2005-08-25T12:48:00","modified_gmt":"2005-08-25T10:48:00","slug":"von-praktikanten-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/08\/von-praktikanten-lernen.htm","title":{"rendered":"Von Praktikanten lernen"},"content":{"rendered":"<p>In meinem Arbeitsleben m\u00f6chte ich Praktikanten und Praktikantinnen nicht missen. Dass ich von der Unterst\u00fctzung der jungen Leute profitiere, zudem \u00fcber Praktika schon so manche erstklassige Mitarbeiterin gewonnen habe \u2013 das ist nur oberfl\u00e4chlicher Nutzen. Aber was bin ich da schon Typen begegnet! Zum Beispiel<\/p>\n<p>&#8211; Das reiche T\u00f6chterchen, das schon 1997 ihr eigenes Handy hatte, und von der ich die Bezeichnung \u201ePornosocken\u201c f\u00fcr Nylon-F\u00fc\u00dflinge \u00fcbernahm.<\/p>\n<p>&#8211; Der kleine, untersetzte dunkelhaarige Bursche, der unter <a href=\"http:\/\/www.neurohelp.ch\/narkolepsie_definition.htm\" target=_new>Schlafkrankheit<\/a> litt. Der nur unter Medikamenten arbeitsf\u00e4hig war, unter deren Nebenwirkungen aber konstant zitterte. Trotzdem immer fr\u00f6hlich und offen. Der Gedichte schrieb, nein, eher Gedichte baute, schmiedete.<\/p>\n<p>&#8211; Der Kolumbianer, der auf eine deutsche Schule gegangen war und seinen MBA von einer mexikanischen Uni hatte. Von seiner alleinstehenden Mutter so klassisch wohl erzogen, dass er sich sichtlich unbehaglich f\u00fchlte, wenn ich ihm keine M\u00f6glichkeit dazu einr\u00e4umte. So lernete ich, in seiner Begleitung vor T\u00fcren unauff\u00e4llig langsamer zu gehen, um ihm die Chance zu geben, mir diese T\u00fcre aufzuhalten. Der so belesen und kulturell interessiert war, dass ich mit ihm das Bildungsspiel spielen konnte. Unaufdringlich, souver\u00e4n, f\u00e4hig und zuverl\u00e4ssig, so dass ich ihm nach kurzer Zeit ein ganzes Projekt r\u00fcberschob und lediglich supervisionierte.<br \/>\nDer am Ende seines halben Praktikumsjahres erz\u00e4hlte, er habe bei uns zum ersten Mal an einem Fotokopierger\u00e4t gestanden. Wie er dann bitte durchs Studium gekommen sei, fragte ich. Woraufhin er sachlich erkl\u00e4rte, f\u00fcr ihn als \u201ereiches S\u00f6hnchen\u201c (sein Ausdruck) h\u00e4tten das w\u00e4hrend seines Studiums entsprechende Dienstleister erledigt.<br \/>\nVon ihm habe ich auch gelernt, dass man mittelamerikanische Mangos knackig isst, weil sie dann erfrischend schmecken (gerne auch mit einer Prise Salz bestreut), nicht reif, weich, klebrig und s\u00fc\u00df.<br \/>\nZudem war er Tr\u00e4ger des schwarzen Excel-G\u00fcrtels und brachte mir einige einfache aber unbezahlbare Kniffe f\u00fcr das Schlachtfeld der digitalen Tabellenkalkulation bei.<\/p>\n<p>&#8211; Der blondgelockte Enkel eines ber\u00fchmten deutschen Schauspielers, der ein psychisches und soziales Wrack war, den Kopf voller Flausen, Aufmerksamkeitsspanne unter 60 Sekunden. Der blieb nicht lange, weil ich von ihm verlangte, dass er den vorher vereinbarten Arbeitsbeginn einhielt.<\/p>\n<p>&#8211; Die Abiturientin mit Wespen im Arsch, die mich sehr an mich selbst in diesem Alter erinnerte. Mit tonnenweise Energie und supermotiviert erledigte sie alle Auftr\u00e4ge in Windeseile. Hastunichgesehn \u2013 schon stand sie wieder an meinem Schreibtisch: \u201eUnd was kann ich jetzt tun?\u201c Die eingefahrene Prozesse und Handlungsweisen in Frage stellte und gleich mal mit etwas Neuem und Effektiveren als Vorschlag ankam. Neben der ich mich schlagartig uralt, ausgelaugt und tr\u00e4ge f\u00fchlte.<\/p>\n<p>&#8211; Die zierliche, langhaarige polnischst\u00e4mmige Studentin mit heiserer Stimme und der K\u00f6rpersprache eines Holzf\u00e4llers, die dem Backoffice der Agentur zur Hand ging. Die sich als Naturgenie in Preisverhandlungen herausstellte und bald den gesamten Einkauf \u00fcbernahm (ich war zugegen, wie sie bei der Bestellung des w\u00f6chentlichen Blumenstrau\u00dfes am Telefon sogar unseren langj\u00e4hrigen Blumenlieferanten dauerhaft runterhandelte).<\/p>\n<p>Ich bin schon gespannt auf die n\u00e4chsten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem Arbeitsleben m\u00f6chte ich Praktikanten und Praktikantinnen nicht missen. Dass ich von der Unterst\u00fctzung der jungen Leute profitiere, zudem \u00fcber Praktika schon so manche erstklassige Mitarbeiterin gewonnen habe \u2013 das ist nur oberfl\u00e4chlicher Nutzen. Aber was bin ich da schon Typen begegnet! Zum Beispiel &#8211; Das reiche T\u00f6chterchen, das schon 1997 ihr eigenes Handy [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-991","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-general"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/991","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=991"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/991\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=991"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=991"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=991"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}