{"id":99219,"date":"2024-06-30T08:13:39","date_gmt":"2024-06-30T06:13:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=99219"},"modified":"2024-06-30T09:12:24","modified_gmt":"2024-06-30T07:12:24","slug":"journal-samstag-29-juni-2024-bachmannpreislesen-tag-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2024\/06\/journal-samstag-29-juni-2024-bachmannpreislesen-tag-3.htm","title":{"rendered":"Journal Samstag, 29. Juni 2024 &#8211; Bachmannpreislesen, Tag 3"},"content":{"rendered":"<p>Der Wecker holte mich aus tiefem Schlaf, der die ganze Nacht gut gewesen war. Ich hatte ja noch fertig zu bloggen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240629_02_ORF_Theater.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240629_02_ORF_Theater.jpg\" alt=\"Moderner Hauseingang mit Schiebet\u00fcr, auf der Scheibe &quot;ORF K&quot;, rechts daneben aufgestellt ein Hinweisschild &quot;Zum Bachmannpreis&quot;\" width=\"568\" height=\"391\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p>Wieder war ich rechtzeitig genug im Fernsehstudio f\u00fcr einen Sitzplatz ganz hinten. Ich betrachtete die nackten Nacken in den Reihen vor mir, an deren Kurvigkeit sich fast immer das Alter des Menschen ablesen lie\u00df.<\/p>\n<p>Tag 3, an dem vier Texte vorgelesen und besprochen wurden, begann mit <a href=\"https:\/\/bachmannpreis.orf.at\/stories\/3257388\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Semi Eschmamp und seinem Text &#8220;Ist Realit\u00e4t selbst da, wo sie nicht hingeh\u00f6rt?&#8221;<\/a>: Ein surrealer Text mit verschobener Realit\u00e4t in Kapiteln, die einander die Hand gaben. Ich bemerkte, dass meine Aufmerksamkeit immer wieder abschweifte und ich sie mit Anstrengung zur\u00fcckholen musste.<\/p>\n<p>Erstmals machte Philipp Tingler den Anfang: Ihm hatte der Titel gefallen f\u00fcr das Projekt einer Tour durch Begriffe, Fragen von Mitteilsamkeit und Bedeutung, von einem Begriff zum n\u00e4chsten, mal mehr, mal weniger gelungen. Manche Bilder fand er gut, blieb jedoch zwiesp\u00e4ltig gegen\u00fcber einer &#8220;Sprache manchmal ein bisschen wie vom Lastwagen gefallen&#8221; &#8211; was auch Absicht sein k\u00f6nne. Thomas Str\u00e4ssle sprach von einem phantastischen Text phantastischer Literatur, der eigentlich aus der Zeit gefallen sei: Agierender Blick, Traum, personalisiertes L\u00e4cheln war eigentlich eine Str\u00f6mung des 19. Jahrhunderts. Die philosophischen Exkurse darin seien vor allem Quatsch, k\u00f6nnten aber ebenso Absicht sein wie die regelwidrige Zeichensetzung und die Floskeln. Mithu Sanyal mochte das Arbeiten mit Absurdit\u00e4t, wie die S\u00e4tze verschr\u00e4nkt seien, fand gleichzeitig keine Beziehung der Personen zur Welt.<\/p>\n<p>Klaus Kastberger stimmte den Eindr\u00fccken zu, wies auf sprachimmanente Prozesse hin, fand darin Methoden der 20er-Jahr-Avantgarde. Er hielt es f\u00fcr m\u00f6glich, dass der Text von KI geschrieben wurde (fragte nach den Regeln des Bachmannpreises f\u00fcr solche F\u00e4lle), weil so vieles knapp daneben sei. Er fand gut, dass der Text seinen eigenen Produktionsprozess reflektierte &#8211; war allerdings entt\u00e4uscht \u00fcber das Ergebnis. Mara Delius fand das mit KI einen schlimmen Vorwurf, doch auch sie fragte sich, ob die Reflexion des Produktionsprozesses funktioniere, von der Hinterfragung der Realit\u00e4t lenkten die Bilder ab, und die Verschachtelungen seien zu simpel. Brigitte Schwens-Harrant schloss sich an: Sie mochte den Bl\u00f6dsinn, der Text arbeite reizvoll mit Methoden, die Realit\u00e4t zu durchbrechen, doch wo gehe das hin? Entt\u00e4uscht war sie vor allem, dass der Text mit einer Moral von der Geschicht endet. F\u00fcr Laura de Weck drehte er sich um eine Person, die Leichtigkeit sucht, sie sah die Ratlosigkeit der Jury-Diskussion als Spiegel. Veraltet fand sie ihn nicht, er habe ganz eigene Sprachmittel gefunden. Er erz\u00e4hle den Blick in den Kopf von jemandem, der versuche, sich in den Griff zu bekommen. Kastberger fand ihn dann schon originell, konnte aber keine Figur erkennen.<\/p>\n<p>Str\u00e4ssle kam nochmal auf das Veraltete zur\u00fcck: Das Buch, das sich nicht \u00f6ffnen l\u00e4sst, sei von Novalis, und auch sonst erkannte er &#8220;supertraditionelle Elemente&#8221;. Sanyal \u00fcberlegte noch, dass sie den Text lieber als Film rezipiert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Text war ein echtes Highlight: <a href=\"https:\/\/bachmannpreis.orf.at\/stories\/3257407\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Die Satire &#8220;Das Gurkerl&#8221; von Johanna Sebauer.<\/a> W\u00e4hrend Sebauer las, wurde das Glucksen und Prusten im Zuschauerraum immer h\u00e4ufiger: Perfekt ausgef\u00fchrt schildert die Geschichte, wie aus einem Ungeschick in einer Lokalredaktion mit einem Essiggurkenglas eine riesige Gesellschaftskontroverse um Gurkerl wird &#8211; mit immer neuen wirklich gut gemachten Wendungen und Details. Lesen Sie den verlinkten Text, er ist wirklich vergn\u00fcglich, ich f\u00fchlte mich an den Wahnwitz der besten Satiren von Ephraim Kishon in der \u00dcbersetzung von Friedrich Torberg erinnert.<\/p>\n<p>Sanyal begann mit Begeisterung \u00fcber den &#8220;wahnsinnig gut geschriebenen Text&#8221; von gro\u00dfer Komplexit\u00e4t \u00fcber Aufheizungsmechanismen. Delius \u00e4u\u00dferte Respekt vor dem hochriskanten Unterfangen Humor und Effekt &#8211; das hervorragend und elegant gel\u00f6st worden sei, geschickt komponiert. Gut fand sie, dass die Perspektive sich nicht auf eine Seite schlage. Auch Str\u00e4ssle betonte das Risiko, doch der Text sei nicht gescheitert; er mochte die gut positionierte Erz\u00e4hlerfigur. Allerdings w\u00fcnschte er sich, er h\u00e4tte mehr \u00fcber die Gr\u00fcnde solcher \u00dcberhitzungen erfahren und sei deshalb ein wenig unbefriedigt. (Sp\u00e4ter wiederholte er das, und Delius argumentierte: &#8220;Dann w\u00fcrde der Text zusammenbrechen.&#8221;) Selbst Tingler fand das St\u00fcck \u00fcberraschend gelungen, die sprachliche Gestaltung \u00fcberaus gekonnt, mochte die Schwankhaftigkeit der Sprache auch au\u00dferhalb der Schimpfw\u00f6rter, die Verbindung von rustikalem Ton und feiner Beobachtung.<\/p>\n<p>De Weck erz\u00e4hlte von der gro\u00dfen Freude, mit der sie den Text gelesen habe, mochte die Sprache, die Raum suche. Man wisse ja von Anfang an, was passieren w\u00fcrde, und freue sich auf jede weitere Stufe. Der Text beobachte scharf, wo die Polarisierung gerade stehe. Sie w\u00fcnschte sich allerdings am Schluss zumindest eine Note Dunkelheit. Kastberger war gl\u00fccklich: Er habe es schon ein paar Mal mit Humor in Klagenfurt versucht, fand die Wahl des Gurkerls als Ausl\u00f6ser der Emp\u00f6rungsspirale genial. Schwens-Harrant stimmte ihm zu, weil dadurch deutlich sichtbar werde, wie komplett beliebig der Ausl\u00f6ser sei. Sie fand den Mechanismus Meinung-Gegenmeinung in den Medien super herausgearbeitet und freute sich, dass das Genre Satire hier vertreten sei. Dass alle Fragen beantwortet w\u00fcrden, liege eben an diesem Genre. Sanyal betonte, dass auch Satire gute Literatur sein k\u00f6nne, fand die Stimme komplett glaubw\u00fcrdig, assoziierte N\u00f6stlingers <i>Gurkenk\u00f6nig<\/i>. Ein wenig ratlos waren manche \u00fcber das surreale Kapitel mit wuchernden Gurkenpflanzen &#8211; ich hingegen hatte mich schon mitten im Zuh\u00f6ren gefragt, wie die Autorin ihre Konstruktion wohl zu Ende bringen w\u00fcrde und fand auch das eine originelle und gute L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Fr\u00fchere und k\u00fcrzere Mittagspause, ich traute mich nicht auf einen Mittagscappuccino weg, weil ich auch im zweiten Teil einen Sitz im Studio wollte. Was klappte. Es ging weiter <a href=\"https:\/\/bachmannpreis.orf.at\/stories\/3257400\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">mit Miedya Mahmod und \u201eEs schlechter ausdr\u00fccken wollen. Oder: Ba,Da\u201c.<\/a> Der Text und das Zuh\u00f6ren waren ungemein anstrengende Wortkunst mit Einsprengseln anderer Sprachen, Wortschleifen, flirrenden Bildern, Personen, Verbindungen, das Ganze ohne eine lineare Geschichte &#8211; doch im Gegensatz zum Anfang des Tages litt ich nicht unter Aufmerksamkeitsl\u00f6chern. Mahmod hatte wohl Fans dabei, die sich beim Applaus durch begeisterte Rufe h\u00f6rbar machten.<\/p>\n<p>Sanyal betonte, wie fulminant Form und Inhalt korrespondierten, wie Konsequenzen aus Zersplitterung entst\u00fcnden. Auktorialer und personaler Erz\u00e4hler verschmolzen ihrer Ansicht nach, sie sah eine selbstbewusste Perspektive, mutig, sich ihrer selbst bewusst. Str\u00e4ssler erz\u00e4hlte, wie gespannt er auf den Vortrag gewesen sei, dass er von einer Partitur f\u00fcr eine Text-Performance ausgegangen sein. Der Text wolle nicht sch\u00f6n sein, keine \u00e4sthetischen Kategorien bedienen &#8211; man m\u00fcsse mit ihm anders umgehen als mit den anderen Texten des Bewerbs. Als Themen tauchten auf Sprachkritik, Migration, Kindheit, \u00c4ngste &#8211; radikal auf Sprache gesetzt, die sich vor den Inhalt stelle. De Weck nahm den Partiturgedanken auf, sie habe sich durch den Vortrag Zugang zum Inhalt gew\u00fcnscht: Sie habe viel Zeit mit dem Text verbracht, mochte das Bild des Kindes vor dem K\u00fchlschrank, wies darauf hin, dass die Autorin beim Vortrag Stellen des Textes weggelassen hatte. Schwens-Harrant erz\u00e4hlte, dass sie sich den Text sogar selbst laut vorgelesen habe, im Grunde gescheitert sei ob der Vielzahl fremder W\u00f6rter. Sie unterstrich das Babel des Nicht-Verstehens, war fasziniert von der Suche nach Bedeutungen, dem Drehen um den Kern der Sprache, fand jetzt den Klang wundersch\u00f6n.<\/p>\n<p>Laut Kastberger brach der Text eine Lanze f\u00fcr die Wiederholung, die Performance k\u00f6nne nicht genug bewundert werden: Wortmaterial als Faktor der Koh\u00e4renz. Auch seiner Meinung nach spielte Sch\u00f6nheit sehr wohl eine Rolle. Er verwies auf Ilse Aichingers Argument f\u00fcr &#8220;schlechte W\u00f6rter&#8221;, w\u00fcnschte sich mehr Aufmerksamkeit der Feuilletons f\u00fcr diese Art Wortkunst. Delius griff auf, dass sehr interessant sei, was H\u00f6ren mit einem Text macht; sie habe beim Lesen eher Pseudo-Progressivit\u00e4t gesehen, was sich im Vortrag nicht best\u00e4tigt habe. Sanyal verwies auf die Kategorien Anrufung und Gebet, Literatur komme ja urspr\u00fcnglich aus dem gesprochenen Wort. Tingler \u00e4u\u00dferte sich skeptisch &#8211; wie immer, wenn &#8220;kuratorisches Begleitmaterial im Vordergrund&#8221; stehe. Er habe sich vorher alle m\u00f6glichen schrecklichen Einsch\u00e4tzungen aufgeschrieben, sehe jetzt, dass der Text eine bestimmte Pr\u00e4sentation verlange. Doch er habe den Anspruch, dass die Auseinandersetzung mit Literatur auch im Privaten m\u00f6glich sein m\u00fcsse. Daraus entspann sich eine hitzige Diskussion. An sich ein hochinteressantes Thema, das durch die Form dieses Wettbewerbs regelm\u00e4\u00dfig in den Jury-Diskussionen auftaucht: Ich h\u00e4tte mir einen suchenderen Austausch der Jury gew\u00fcnscht, einen weniger konfrontativen. Kastberger nahm die Publikumsreaktion als Beleg, dass der Text funktioniere, Schwens-Harrant schlug vor, dass die Qualit\u00e4t eines Textes auch Klanglichkeit sein k\u00f6nne, Delius verwies darauf, dass Literaturkritik sehr wohl etwas damit zu tun habe, ob ein Text geschrieben funktioniert.<\/p>\n<p>Str\u00e4ssle sprach von einem \u00fcberfordernden Text, Tingler warf ein: &#8220;Durch Unterkomplexit\u00e4t.&#8221; De Weck versuchte es mit &#8220;\u00dcberflutung&#8221;, wie es sie auch in der Lyrik gebe.<\/p>\n<p><i>Nachtrag: Dieser Blogpost von Tini beleuchtet die Dynamik des Textes beim Bewerb gut. <a href=\"https:\/\/tinierklaertsichdiewelt.wordpress.com\/2024\/06\/29\/tddl-2-versuch-mein-unbehagen-beim-horen-und-lesen-von-es-schlechter-ausdrucken-wollen-oder-bada-besser-zu-verstehen\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;#tddl 2: Versuch mein Unbehagen beim H\u00f6ren und Lesen von \u201eEs schlechter ausdr\u00fccken wollen. Oder: Ba,Da\u201c besser zu verstehen&#8221;.<\/a><\/i><\/p>\n<p>Der letzte Text des Bewerbs kam <a href=\"https:\/\/bachmannpreis.orf.at\/stories\/3257411\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">von Tamara \u0160tanjer: &#8220;Luft nach unten&#8221;.<\/a> Eine erwachsene Tochter spricht ihre abwesende Mutter an, erz\u00e4hlt von deren Flucht ins Fressen, von ihrer eigenen Kindheit, mit regelm\u00e4\u00dfgem Zwangs-Wiegen und Schm\u00e4hungen ihres K\u00f6rpers, &#8220;Ab jetzt gibt&#8217;s nur noch Joghurt!&#8221; (das war mir phasenweise etwas <i>too close to home<\/i>, ich versteinerte), von Erinnerungen an den Gro\u00dfvater. Es riss mich, weil Ingolstadt auftauchte (wegen Viktor Frankenstein), ich war bezaubert, weil die Autorin die Ger\u00e4usche einer MRT vorsang. Die letzten Abs\u00e4tze fielen \u0160tanjer sehr schwer, sie k\u00e4mpfte mit Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p>Delius nannte den Text einen hochkomplexen und interessanten Brief an die Mutter; schon beim Selbstlesen habe sie den Eindruck gehabt, er habe geschrieben werden <i>m\u00fcssen<\/i>. Formal wie inhaltlich sei er ein Versuch, Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten zu verschieben, zu verhindern, dass Traumata nochmal weitergegeben w\u00fcrden. Sie mochte besonders das Bild der P\u00fcnktchen und Punkte, verwies auf die Emp\u00f6rung des Kindes der eigenen Mutter gegen\u00fcber: Diese hatte Schlimmes erlebt und es dennoch weitergeben, offensichtlich alles vergessen. Auch Str\u00e4ssle ging auf die metaphorischen Punkte ein, die Flecken und die Linien. Er fand den Text sehr gut gearbeitet, nahm als Beispiel die Plastizit\u00e4t der Fress-Szene mit schwerem Atem, mit den Wortspielen, die sich daraus ableiteten. Tingler hob als gelungenen Aspekt die Intensivierung und die Dringlichkeit hervor: Die Aufz\u00e4hlung der Therapien am Anfang halte noch auf Distanz, doch dann werde die Sprache immer dringlicher. De Weck war \u00fcberrascht \u00fcber den leichten Tonfall des Vortrags gewesen: Sie habe die Wut und Anklage lauter erwartet. Sie fand aber die Erkl\u00e4rungen zum Verhalten der Mutter \u00fcberfl\u00fcssig &#8211; sp\u00e4ter rechtfertigte Schwens-Harrant sie: Es handle sich doch um die Erkl\u00e4rungsversuche der Tochter-Stimme.<\/p>\n<p>Sanyal hob den Call &#038; Response hervor, dass anfangs die Mutter ein Monster sei, dann beim liebevollen N\u00e4hen der Faschingskost\u00fcme aber W\u00e4rme bekomme. Kastberger referenzierte den Text des 1. Lesetags \u00fcber das Verr\u00fccktwerden der Mutter, in dem der historische Hintergrund eine gr\u00f6\u00dfere Rolle gespielt habe, hier nur in einem Halbsatz. Hier habe man im Gegensatz zum anderen Text die Innenperspektive. Den Titel des Texts fand er besonders super. Schwens-Harrant konzentrierte sich auf Formales: Ansprache der Mutter, aber die Mutter h\u00f6rt das gar nicht. Das habe eine gewisse Tragik, sei aber eine Form des Aufarbeitens. Manche Abschnitte seien w\u00fctend, andere z\u00e4rtlich, auch sprachlich ganz unterschiedlich &#8211; ein imponierender Text. F\u00fcr Tingler gab es manchmal einen Satz zu viel, doch die Erz\u00e4hlhaltung passe stimmig.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend fasst de Weck zusammen, dass es in diesem Jahrgang besonders viele Texte mit Bespiegelung der Eltern gegeben habe. Stimmt.<\/p>\n<p>Ich ging recht z\u00fcgig in fast schon unangenehmer Hitze zur Ferienwohnung, um dort kurz vor drei zu fr\u00fchst\u00fccken: Pumpernickel mit Frischk\u00e4se, Nektarinen mit Joghurt. Dann zackiges, Umziehen, Cremen, Packen: Ich spazierte nochmal zum Strandbad.<\/p>\n<p>Dort reichte es f\u00fcr einmal Schwimmen und ein wenig Sonnenbaden mit Musik, dann wurde ich schon wieder wepsert und spazierte zur\u00fcck. In der Ferienwohnung verbloggte ich den Lesungstag, als Nachtmahl gab&#8217;s die Reste der Lebensmitteleink\u00e4ufe: Tomaten, rote Paprika, K\u00e4se, Nektarinen. Schokolade hatte ich schon auch anfangs gekauft, aber immer noch keine Lust darauf &#8211; werde ich krank?<\/p>\n<p>Den Studenten, den mir die Vermieterin nachmittags als Nachbarn vorgestellt hatte, der abends an mein Zimmer klopfte und fragte, ob er meine Gang-Dusche benutzen d\u00fcrfe, winkte ich dann einfach freundlich durch. (Auch er, so stellte sich heraus, hatte unter falschen Annahmen gemietet.)<\/p>\n<p>Abends nutzte ich die Gelegenheit, ein paar langj\u00e4hrige Klagenfurt-Bekannte zu treffen, die nur f\u00fcr diesen Abend angereist waren: <a href=\"https:\/\/bachmannpreis.orf.at\/stories\/3260997\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Tex Rubinowitz und Maik Novotny bespa\u00dften den Lendhafen mit ihrem Literatur-Pop-Quiz.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240629_08_Lendhafen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240629_08_Lendhafen.jpg\" alt=\"Nacht: Zwischen hohen, steinernen Pfeilern einer Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke ist eine kleine B\u00fchne aufgebaut, darauf ein Tisch mit Laptop, hinter dem Tisch sitzt ein Mann, links daneben steht ein anderer, umgeben ist die B\u00fchne von Sandboden, auf dem Liegest\u00fchlte und St\u00fchle stehen, die meisten mit Menschen besetzt \" width=\"590\" height=\"429\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Nacht war herrlich mild, ich lie\u00df mich zu Mitdenken beim Quiz dr\u00e4ngen (verquaste Bilderr\u00e4tsel, dreimal verdrehte Fragen nach absurden Ecken der Popkulturgeschichte), plauderte, nach Abschluss des Quiz auch mit den Mastern, vor allem \u00fcber die Texte des Bewerbs: Deutlich unterschiedliche Einordnungen, zum Teil auch in die Gesamtgeschichte des Bachmannpreises, und jetzt sind wir so alt, dass es Geschichten \u00fcber Autor*innen gibt: &#8220;Die kannte ich schon, als sie so&#8221; (Handwedeln in Knieh\u00f6he) &#8220;klein war.&#8221; Ungeteilt war zu meiner \u00dcberraschung unsere Begeisterung f\u00fcr die Satire &#8220;Das Gurkerl&#8221;, weil sie einfach genial gemacht wurde.<\/p>\n<p>Erst gegen Mitternacht kam ich ins Bett. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/f47eb324884e4b0eaf799ed37970b12d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wecker holte mich aus tiefem Schlaf, der die ganze Nacht gut gewesen war. 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