Oh ja, das glaube ich dem Herrn Teacher gerne, dass Lehrer Spezialisten für Ticks sind: Weil sie täglich viele Stunden in ihrer Gegenwart verbringen. Herr Teacher fragt aber auch nach unseren Ticks.
In meinem Fall (abgesehen vom Kniejuckeln, aber das tut ja wohl jeder) handelt es sich um einen Familientick, den mein Vater an mich und meinen Bruder vererbte. Zumindest von meinem Erstneffen heißt es bereits, dieser Tick sei auch in seine Generation durchgedrungen: Haaredrehen.
Es gab Zeiten, da saßen mein Vater, mein Bruder und ich nebeneinander auf dem Sofa vor dem Fernseher, jeder die Hand am Haupt, um eine Stirnfranse zu zwirbeln. Dazu fasst man zunächst in die Haarreihe am Stirnansatz, greift sich mit Daumen und Zeigefinger eine Strähne und verdreht sie mit zusätzlicher Hilfe des Mittelfingers wie zu einem Wollfaden. Und dreht und dreht und dreht. Ist die Strähne lang genug, bieten sich Varianten an: Festhalten der verzwirbelten Strähne mit Daumen und Zeigefinger, um mit dem Mittelfinger an den Haarenden zu spielen (bevorzugte Technik meines Vaters), Biegen der verzwurbelten Strähne zu einer einfachen Schleife, um mit dem Mittelfinger daran zu spielen (mein Bruder), Durchziehen der Strähne mit dem Zeigefinger, wobei der Daumen den Gegendruck sichert (ich). Wichtig bei all diesen Varianten: Es ist immer nur eine Hand involviert.
Als ich langes Haar hatte, variierte ich die Auswahl der Strähne und griff hauptsächlich an den Haaransatz hinterm Ohr, wo ich dann nach Herzenslust zwirbelte, drehte und durchzog.
Ich habe nie herausgefunden, wodurch die Frequenz des Haaredrehens beeinflusst wird. Die beschriebene Fernsehsituation spricht dagegen, dass Stress der Auslöser ist. Eher kommt aufmerksame Anspannung in Frage, auch beim Lesen oder im Gespräch. Allerdings ging der Tick bei mir nie so weit wie bei einer langhaarigen Arbeitskollegin, die fürs intensive Haarezwirbeln sogar in Kauf nahm, nur mit einer Hand zu tippen.