Journal Freitag, 1. März 2024 – Kurze Haare und Ursula Krechel, Landgericht

Samstag, 2. März 2024 um 8:41

Bis drei gut geschlafen, nach Klogang dann nicht mehr so.

Das Schlafzimmerfenster schloss ich morgens zu mitteldickem Nebel, keine guten Aussichten aufs Tageswetter.

Bei der Morgentoilette säuberte ich meine Ohren innen und außen besonders sorgfältig: Ich hatte abends einen Friseurtermin, hoffte auf freigeschnittene Ohren und wollte nicht, dass der Friseur sich grausen musste.

Also wieder ein hochneblig kalter Start, Büroarbeit im Wolljanker. Zumindest war der Aufgabendruck nicht mehr so hoch wie in den Tagen zuvor, kein Stress.

Mittagscappuccino im Westend, unterwegs eine unerwartete Begegnung.

Erneute Trauer und Wehmut um das Fräulein. Wie konnte etwas, jemand sich nur so furchtbar verirren. Diese schreckliche Vergeudung von Begabung für so Vieles.

Mittagessen zurück am Schreibtisch: Pumpernickel mit Butter, Orangen.

Pünktlicher Feierabend weil Friseurtermin. Dieser Herr, dem ich freie Hand ließ (“alles außer Farbe”), gab sich besonders viel Mühe, die Haaransätze im Nacken und vor den Ohren verschwinden zu lassen, “da sieht man nicht, wo das Haar anfängt”.

Ich war mit dem Ergebnis zufrieden.

Freitäglich festliches Nachtmahl: Guacamole aus den restlichen Crowdfarming-Avacados (Herr Kaltmamsell), riesige Artischocken mit Knoblauchmajo (von mir), dazu zwei verschiedene Weißbrote aus der Balkanbäckerei (ein besonders schweres, saftiges Fladenbrot sowie ein klassischer heller Laib, ebenfalls besonders saftig – beide sehr gut), als Wein italienischer Pecorino. Wir aßen sehr gut, Nachtisch Süßigkeiten.

Oktoberfestflucht nach Mallorca endgültig gebucht, jetzt geht’s an An- und Abreise.

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Ursula Krechel, Landgericht. Im Mittelpunkt des 2012 erschienen Romans steht Richard Kornitzer. Er kehrt 1947 aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrt, war von den Nazis als Jude von seinem Beruf als Richter in Berlin ausgeschlossen worden. Am Bodensee trifft er sich nach zehn Jahren Trennung mit seiner Frau Claire, sucht nach einem neuen Leben, das ihn zu einem neuen Richteramt in Mainz bringt. Das Buch schildert, wie sehr nichts wiedergutzumachen ist.

Von Anfang an faszinierten mich die Sprache und der Duktus des Romans: Sie lesen sich aus der Zeit gefallen, aber in die Zeit, in der die Handlung spielt. Sehr heutige Perspektiven und Erkenntnisse in einer Sprache, die ich von Romanen der 1920er und 1930er kenne (z.B. von Grete Weil). Diese Mischung gefiel mir ganz ausgezeichnet.

Claire und Richard Kornitzer hatten Meinungen und Vorstellungen ausgetauscht, die sich entwickelt hatten in der Zeit ohne den Ehepartner, sie waren besorgt, wenn diese sich nicht miteinander in Übereeinstimmung bringen ließen. Sie hatten mit Empfindungen und Worten wie mit Schneckenfühlern aufeinander zu getastet, und wenn die Worte sich nicht erreichten, schwiegen sie, um den jeweils anderen nicht zu verletzen.

Als die Handlung sich nach Mainz verlagert, fand ich seltsam, dass ich noch nie eine so detaillierte Schilderung einer zerbombten Stadt gelesen hatte. Die zeitgenössischen Geschichte, ich denke an Heinrich Böll, gingen wohl davon aus, dass jeder eh die Details zerbombter Städte vor Augen hatte.

Nur der Satz “Es sah aus wie die Kulisse eines Filmes, der morgen im hellen Licht gedreht werden würde.” verrät die Sicht der Erzählinstanz aus dem Abstand vieler Jahrzehnte (in denen man solche Szenerien nur aus Filmen kennt).1

Gegen Ende der ersten Buchhälfte wechselt der Roman in eine Außenschilderung des Paares Anfang der 1930er, also vor der Machtergreifung, vor Richards Berufsverbot als Jurist. Und jetzt zieht die Erzählstimme explizite Vergleiche zu späteren Ereignissen, bis in die 1990er. Danach erfahren wir die Geschichte von Kornitzers Exil in Kuba, farbig und lebendig. Was Claire in dieser Zeit in Deutschland widerfahren ist, ergibt sich nur vage und indirekt aus Bruchstücken.

Im letzten Viertel wechselt Krechel dann das Genre: Aus dem Roman wird historisches Feuilleton. Ich ging einem Verdacht nach: Ja, die Geschichte des Buches basiert auf einer realen Akte eines realen Landgerichtsrats, die Krechel gefunden hat (Quelle) – soll sein, soll sein. Doch gegen Ende besteht die Handlung hauptsächlich aus Zitaten schriftlicher Quellen, aus Briefen, Aktenvermerken, Amtsberichten. Diese werden verknüpft durch spekulatives Psychologisieren darüber, was im Protagonisten vorgegangen sein mag, was ihn wohl zu diesen Schriftwechseln motivierte.

Es bleibt das Bild eines Menschen, der sich als junger alles gefallen ließ und jetzt im Alter verbissen und unnachgiebig mit den Waffen der Bürokratie und des Gesetzes kämpft, eine erbärmliche Gestalt.

Insgesamt gefiel mir Krechels Mischung von imagnierter Handlung und staubiger Bürokratie: Sie macht eine bestimmte Zeit deutscher Geschichte auf eigenwillige Weise lebendig.

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Chris Kurbjuhn erinnert sich an seine erste Berühung mit aktiver Politik in den 1970ern und an die Erkenntnisse, die ihn bis heute prägen:
“Kopfwäsche von Herrn Flach”.

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Eine gute Nachricht, die mir fast durchgerutscht wäre:
“Forscher: Dürre hat sich bundesweit aufgelöst”.

  1. Herr Kaltmamsell wies mich auf die Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert hin, für die das Szenario der zerbomten Stadt und der Kriegs- und Nachkriegsnot in Deutschland typisch ist, zum Beispiel “Nachts schlafen die Ratten doch” – mein Eindruck ist wahrscheinlich einfach Unkenntnis geschuldet.[]
die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 29. Februar 2024 – Hauptsächlich Arbeit, aber auch Beifang aus dem Internetz

Freitag, 1. März 2024 um 6:25

Gut geschlafen, hätte aber mehr als die knapp acht Stunden sein dürfen.

Auch dieser Tag zeigte sich erstmal mit kaltem Hochnebel. Im Büro ging es gleich mal volle Pulle los. Nicht nur die reichliche Arbeit diese Woche führte dazu, dass ich mich durch und durch nach Freitag fühlte (was allein schon der Anblick von Kolleginnen auf dem Flur korrigierte, die freitags nie da sind): Diese und nächste Woche bin ich zusätzlich dran mit einem durchwechselnden Angst-Job, zum Glück war noch nichts Stressiges.

Und dann ist wieder mal Frier-Woche im Büro: Auch mit Thermo-Rolli brauchte ich am Schreibtisch meinen Woll-Janker, um bis in die eisigen Finger warm zu werden.

Irgendwann konnte ich mich endlich in einen hochkonzentrierten Job vertiefen. Nach einem Absatz schubste ich mich dennoch nach draußen (musste zum Weiterarbeiten eh etwas recherchieren): Mittagscappuccino bei Nachbars, Käse-Einkauf auf dem Markt.

Später Mittagessen am Schreibtisch (ich brauchte eine Orangenpause): Apfel, Birne (auch zwei Wochen nach Kauf nicht nachgereift, geschmacksneutrales Knurpseln), Pumpernickel mit Butter. Bald darauf wurde es zu meiner großen Freude endlich hell draußen, ich sah blauen Himmel und Sonne.

Nach spätem Feierabend stellte ich allerdings fest, dass die Tageshelle nicht gewärmt hatte, ich war weiterhin froh um Mütze und Handschuhe. Auf dem Heimweg besorgte ich beim Süpermarket Verdi schon mal Artischocken fürs Freitagabendessen. Über der Ecke Goethestraße/Pettenkoferstraße sah ich einen Falken fliegen (immer ein Highlight).

Zu Hause Yoga-Gymnastik, Fingernägelschneiden (gnarf), Brotzeitvorbereitung. Ernteanteilsalat liegt noch in weiter Ferne, zum Nachtmahl briet Herr Kaltmamsell Rösti, dazu gab’s sein selbst gemachtes Kimchi, diesmal aus Weißkraut (SO! SUPER!) und viel Käse. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen. Gegen Ende wird Landgericht von Ursula Krechel leider holprig.

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Danke, İlker Çatak, für den Protest, weil Sie mit Ihrem Namen als Oscar-Nominierter nicht als Vertreter Deutschlands akzeptiert werden.
“‘Ich habe vor Wut geweint'”.

Als wir letztes Jahr beim Deutschen Filmpreis mit “Das Lehrerzimmer” abgeräumt haben, hat sich die Laudatorin Iris Berben auf der Bühne bei meinem Namen versprochen. Gut, kann passieren, muss man nicht überdramatisieren – aber es geht auch anders. Nach der Oscar-Nominierung habe ich von der amerikanischen Filmakademie eine Mail bekommen, in der sie mich gebeten haben, ihnen eine Audiodatei zu schicken, wie man meinen Namen ausspricht, damit sie es richtig machen können. Diese Feinfühligkeit würde ich mir für unser Land auch wünschen.

Wie gut ich sein bisheriges Sich-halt-nicht-anstellen nachvollziehen kann – das er jetzt als schädlich erkannt hat. Erst kürzlich fühlte ich mich wieder zickig, weil ich bei jemandem, mit dem ich seit Jahren beruflich zu tun habe, dann doch mal darauf beharrte, dass er meinen Vornamen korrekt ausspricht.

§

“Terrible news for pedants as Merriam-Webster relaxes the rules of English”.

It’s fine to end a sentence with a preposition, according to a shock ruling from the American dictionary publisher. But is it OK to recklessly split infinitives?

Ganz, ganz entzückende Hinweise. Ich habe mich damit abgefunden, dass deutschsprachige Grammatik- und Rechtschreib-Hausmeister (m/w/d) nie diesen leichten, humorvollen Ton treffen werden. Dafür können wir echt lange Wörter.
Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzschulung.

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Rausschmeißermusik.

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https://youtu.be/lI4fy4XrfvY?si=HXE0FgUNuR85SCMD

via @hannaengelmeier

die Kaltmamsell

Lieblings-Microposts Februar 2024

Donnerstag, 29. Februar 2024 um 18:16

Die Ausbeute aus meiner Mastodon-Timeline:

Best of Bluesky (die übrigen Codes hebe ich mal auf, die bringen in zehn Jahren unter Sammlern sicher ein Vermögen):

Wenn Sie das bei mir vielleicht auch?

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 28. Feburar 2024 – Arbeit in der Alten Kongresshalle

Donnerstag, 29. Februar 2024 um 6:14

Guter Nachtschlaf, hätte ich gern noch länger als bis Weckerklingeln genossen.

Marsch in die Arbeit wieder unter kaltem Hochnebel, trübe Aussichten.

Aber: Die Mangolienknospen sprießen sich warm.

Voller Vormittag im Büro. Als ich endlich rauskam für einen Mittagscappuccino bei Nachbars, war ich zu spät dran: Es standen bereits die Schlangen der postprandialen Espressotrinker*innen an, ich kehrte uncoffeiniert um.

Mittagessen Pumpernickel mit Butter (mmmmhh, endlich wieder), Orangen.

Am Nachmittag war ich im Einsatz bei einer Veranstaltung: Ich schrieb in einer Podiumsdiskussion als Protokollantin mit. Das brachte mich zurück in die Alte Kongresshalle, schöne Erinnerungen ans Rosenfest.

Die Diskussion war hochinteressant, ich lernte eine Menge.

Durch den weiterhin unangenehm kalten Nebel marschierte ich zurück ins Büro, dort hatte ich noch zu tun. Nach spätem Feierabend ging ich über Einkäufe nach Hause.

Für Yoga war ich zu erledigt und hatte keine Lust. Als Abendessen waren Mohnnudeln geplant: Ich hatte im österreichischen Standard von der “Suche nach den perfekten Mohnnudeln” gelesen, und wir hatte noch Ernteanteil-Kartoffeln. Wie den Autor Tobias Müller überraschte mich an der Versuchsreihe am meisten, dass die verwendete Kartoffelsorte nahezu egal ist. Andererseits erinnerte ich mich, dass ich am Anfang meiner Koch-Eigenständigkeit für Kartoffelgerichte immer die nächstbesten genommen hatte – und entsinne mich keiner Fehlschläge.

Zum Glück hatte Herr Kaltmamsell auch gestern Abend genug Energie für eine Stunde in der Küche: Mir fehlte sie komplett, ich war bereit, auf Pellkartoffeln mit Käse und Butter umzuschwenken. Doch so (und ich wuzelte ein wenig mit) kam dieses auf den Tisch:

Mohn streuten wir auf meinen Wunsch noch eine zusätzliche Hand voll nach. Schmeckte sehr gut, doch auch die Variante aus Nicole Stichs Sweets (sehr andere Mengenverhältnisse) habe ich gut in Erinnerung. Danach nur noch ein bisschen Schokolade.

Dramatische Tulpen (sprangen mir im Supermarkt in die Arme).

§

Julius Betschka fasst im Tagesspiegel zusammen, was mich immer fassungloser macht:
“Verfall allgemeiner politischer Sitten: Die Grünen stehen am Pranger der Nation – Schluss damit!”

Man muss sich das vorstellen: Eine Partei, die in fast 75 Jahren Bundesrepublik ganze neun Jahre als Juniorpartner Teil der Bundesregierung war, soll für den Abstieg eines ganzen Landes verantwortlich sein.

Ein grüner Bundeswirtschaftsminister soll in nur zwei Jahren, in denen er vor allem nie gekannte Krisen gemanagt hat, die deutsche Wirtschaft zugrunde gerichtet haben.

(…)

Dahinter steckt mehr: Die Grünen fungieren zurzeit als Blitzableiter für eine allgemeine Politik- und Parteienverachtung. Der irrationale Grünen-Hass ist teils systemfeindlich grundiert. Im Grünen-Politiker kondensieren sich der weit verbreitete deutsche Groll auf die Hauptstadt genauso wie Veränderungsmüdigkeit und Rebellion gegen das demokratische System.

Was selbstverständlich weiterhin sein muss: Kritik an konkreten Vorschlägen und Maßnahmen der Grünen, sowohl auf Partei- als auch auf Regierungspolitiksebene (ich hätte da eine MENGE). Aber darum geht es offensichtlich nicht.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 27. Februar 2024 – Wenig außer Arbeit

Mittwoch, 28. Februar 2024 um 6:18

Wieder schon um fünf aufgewacht, bis zum Weckerklingeln konnte ich zumindest dösen.

Düsteres Draußen, auf dem überraschend kalten Weg in die Arbeit zeigte das steigende Tageslicht am Himmel Hochnebel.

Der Arbeitsvormittag wurde wie erwartet geschäftig (in einem Meeting superspannende Einblicke), in Kombination mit dem unfreundlichen Wetter bewegte mich das zum Auslassen des Mittagscappuccinos. Und der Umstand, dass ich gestern ohnehin gestresst flirrte wie nach drei doppelten Espressos.

Die Mittagspause nahm ich mir aber energisch: Apfel, Laugenzöpferl, Orangen, dazu Zeitungslektüre.

Am Nachmittag ging’s grad so weiter, einiges lappte in die berufliche Zukunft, Absenden mit Unsicherheiten. Am Ende des Arbeitstags war ich so erledigt, dass ich mich schier nicht zum Heimgehen aufraffen konnte, hatte ich schon länger nicht mehr.

Auf dem Heimweg in etwas freundlicherem Licht holte ich die Lebensmitteleinkäufe vom Montagabend nach: Edeka und Vollcorner.

Daheim eine Einheit Yoga-Gymnastik, Brotzeitvorbereitung. Für das Kochen des Nachtmahls nahm sich Herr Kaltmamsell die Zeit: Er verwandelte die restlichen Petersilienwurzeln aus Ernteanteil als gebratene Würfel mit Penne zu einem Pastagericht, schmeckte sehr gut. Nachtisch zu viele Süßigkeiten.

Früh ins Bett zum Lesen.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 26. Februar 2024 – Hetzerei nach Feierabend

Dienstag, 27. Februar 2024 um 6:21

Dann halt wieder eine eher unruhige Nacht, war aber auch schon schlimmer. Doch ich bekam ein wunderschönes Morgenpink.

Innige Verabschiedung Herrn Kaltmamsells in seinen ersten Arbeitstag an neuer Stelle. Ich wiederum marschierte in kühler, aber angenehmer Luft zu meiner bisherigen Arbeitsstelle.

Eine besonders arbeitsreiche Arbeitswoche lag vor mir, doch die meisten Jobs darin interessant und spannend. Entsprechend kurz getaktet verlief der Vormittag, dennoch ging ich auf einen Mittagscappuccino zu Nachbars – und hatte draußen echte Frühlingsgerüche in der Nase!

Mittagessen eingeweichtes Muesli mit Joghurt, Orangen.

Ein freundlicher Tag, aber doch recht frisch, das “für die Jahreszeit zu mild” verursachte mal kein schlechtes Gewissen.

Wegen dringender Dinge gegen Ende wurde der Feierabend später als geplant – besonders doof, da ich zu einem Termin musste: Über unser Kartoffelkombinat hatte ich zusätzliche landwirtschaftliche Produkte bestellt (Projekt “Fairzeugnisse”), diese Polenta, schwarze Bohnen, grüne Linsen, Sonnenblumenöl musste ich an einem Verteilerpunkt nicht zu spät abholen. Ich hastete also direkt zur angegebenen Privatadresse in der Innenstadt, Milch- und Milchprodukteinkauf verschob ich auf danach.

Doch als ich mit bereits gut gefülltem Rucksack am Basitsch in der Müllerstraße ankam, stand ich vor verschlossenen Türen: Es gab hier keinen Basitsch mehr, der Laden wird gerade umgebaut und macht am 1. März als Tegut wieder auf.

Daheim traf ich auf einen erschöpften und gleichzeitig aufgekratzten Herrn Kaltmamsell, der aber schon wieder auf dem Sprung zu einer Infoveranstaltung an der neuen Schule war.

Ich füllte eine Maschine Wäsche, turnte eine Runde Yoga-Gymnastik, holte mir fürs Abendessen eine weitere Dose aus den Vorräten, die wir vor zwei Jahren für den Fall angelegt hatten, dass wir beide gleichzeitig von Corona ans Haus gefesselt würden. Es gab Bohneneintopf (den legendären “Feuertopf”), allerdings würfelte ich eine Ernteanteil-Petersilienwurzel und kochte sie, mischte sie als Frischgemüse unter. Schmeckte, wie ich diesen Doseneintopf in Erinnerung hatte – allerdings vermisste ich die eingelegten Pepperoni, guindillas, die mein Vater in meiner Kindheit immer dazu aß und die wirklich sehr gut passen. Nachtisch Schokolade.

Noch während des ersten Tellers Eintopf kam Herr Kaltmamsell überraschend früh zurück: Er sei auf der Infoveranstaltung derart offensichtlich überflüssig gewesen, dass er gleich wieder eine Tram zurück genommen habe. (Was bei mir vor allem ankam: Die neue Schule liegt so nah, dass er innerhalb einer Stunde hin- und zurückkommt. Das hätte man bislang mal drei nehmen müssen – wenn die S-Bahn funktionierte.)

Oktoberfestflucht nach Mallorca Ende September gebucht. Jetzt muss ich noch auf die Bestätigung der organisierenden Agentur warten, dass meine Routen- und Tagesaufteilungswünsche klappen, dann wird losgefreut.

§

Mögen Sie Geschichten von Paaren, wie sie sich kennengelernt haben? Ich wurde auf einen instagram-Kanal hingewiesen, der sie sammelt:
Meet Cutes NYC.

via @CucinaCasalinga

§

Bleiben wir doch beim Gute-Laune-Thema Alter. Iris Radisch schrieb letztes Jahr ausführlich in der Zeit
“Und plötzlich bin ich alt”.

Wobei ich über den Untertitel stolperte:

Alle träumen von ewiger Jugend, weshalb es für Frauen nur wenige Vorbilder für ein Altern in Würde gibt.

Stolperte zum einen wegen des vorausgesetzten Ideals des ersten Satzteils (nein), zum anderen wegen des implizierten Ideals des zweiten: “Altern in Würde”. Es war mir nie klar, was das überhaupt sein soll, und mittlerweile habe ich den bösen Verdacht, dass damit schlicht Unsichtbarkeit gemeint ist: Eine “würdige” Alte fällt nicht auf, steht nicht im Vordergrund, stört nicht. Zum Glück verläuft der Artikel selbst dann ganz anders.

Die verstorbene Queen, das aktuell unübertroffene Modell weiblicher Alterssouveränität, erlangte ihren legendären Ruf demgegenüber durch das millimetergenaue Verweilen im weiblichen Sicherheitsbereich gut angezogener Wortkargheit.

Die durchgespielte “nervige alte Schreckschraube” hingegen liest sich eigentlich als Vorbild nicht schlecht. Doch von all den alten Frauen, die in Radischs Text auftauchen, wäre ich am liebsten Hannah Arendt. Schon mal hätte ich gerne ihr Hirn und ihre Brillanz – aber ich schaue mir SO gerne das legendäre Gespräch mit Günter Gaus an: Wie laut und sicher sie spricht! Wie weit sie gestikuliert, wie viel Raum sie sich nimmt!

Die eigentliche Errungenschaft wäre in meinen Augen, wenn Frauen auch im Alter vielfältig sein dürften. Dick oder dünn, bunt oder beige, laut oder leise, körperbetont oder vergeistigt, durchgestrafft oder gefältelt – wenn sie sich dabei vor allem nicht dreinreden lassen würden, was für sie “würdig” oder angemessen ist. Und dass diese Vielfalt auch in den Medien abgebildet und ernst genommen würde.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 25. Februar 2024 – Frühlingslauf in ersten Blüten, Familientreffen in Augsburg

Montag, 26. Februar 2024 um 6:21

Guter Nachtschlaf, wenn auch nicht so tief und so lang wie auf Samstag.

Es wurde sonnig hell. Das freute mich besonders, weil ich frühe Laufpläne hatte, vor einer Mittagessenseinladung von Schwiegers in Augsburg. Ich startete schon kurz nach neun in Temperaturen nur wenig über Frost über den Alten Südfriedhof, am Westermühlbach entlang an die Isar bis zum Flaucher und zurück – eine für mich kurze Runde von einer guten Stunde.

Zu meiner Überraschung war schon ziemlich was los: Nicht nur die erwarteten Hundegassigänger*innen, sondern andere Leute beim Joggen, aber auch viele beim Spazierengehen. Ich lief leicht und mit Genuss, praktisch nichts tat weh (kürzer ist halt besser). Ich freute mich über Krokantenmeere, Schneeglöckchen, Winterlingwiesen, sah sogar schon einen Blaustern.

Westermühlbach

An der Brudermühlbrücke.

Flaucher

Zurück am Westermühlbach.

Daheim ein schnelles Glas Wasser, Säuberung und sonstiges Frischmachen, mit Herrn Kaltmamsell Marsch zum Hauptbahnhof. Ereignislose und pünktliche Fahrt bis Augsburg Haunstetter Straße. Wir hatten genug Zeit, um zu unserer Verabredung mit Schwiegers und den Bruderfamilien im vietnamesischen Restaurant zu spazieren.

Alte Hutfabrik (und mein Faible für Fabrikuhren).

Das Lokal kannten wir schon, ich aß eine Glasnudelsuppe mit Tofu und vielen Kräutern. Dazu genoss ich die große Runde, aus der ich einige schon lang nicht mehr gesehen hatte. Und als ich mich über den Schaukasten mit Eisengegenständen und einem historischen Kupferstich wunderte, wurde ich daran erinnert, dass dieses Lokal früher Nagelschmiede hieß; die Schwiegers erzählten, dass hier ihre Hochzeitsfeier stattgefunden hatte.

Wir fuhren noch zu Schwiegers: Mehr Gespräche, Sekt, Kaffeeundkuchen (ich blieb beim Tee, reichlich). Außerdem dachte Herr Schwieger daran, ein Familien-Gruppenfoto zu machen, wir versammelten uns auf dem Eck-Sofa.

Auch die Fahrt zurück nach München ohne Ereignisse. Heimweg in der letzten Abenddämmerung.

Zu Hause nochmal die Yoga-Gymnastik vom Vortag, Brotzeitvorbereitungen.

Fürs Abendessen war ich richtig hungrig. Es gab eine Dose Brathering aus unseren Vorräten und den Rest Maisbrot. Nachtisch Schokolade.

Ich erledigte Erledigungen: Bahnreise zur re:publica gebucht, Zahnreinigungsrechung gezahlt, E-Mail der Stadt München mit Bitte um Unterstützung bei der Europawahl durchgelesen. Kurz aufgelacht: Anmeldung ab jetzt auf einem neuen Wahlhelferportal (ok).
Dafür benötigt man die BayernID (HAHA).
Wie lange geben wir ihnen, bis sie laut schreiend Wahlhelfer*innen suchen, weil sie – im Gegensatz zu den vergangenen vielen Jahren – durch diese Komplikationen viel zu wenige haben?

Ich schaffte dank bereits erkämpfter BayernID sogar die Anmeldung (im zweiten Browser, in Firefox produzierte das Formular nur Fehlermeldungen). Aber was hatte ich gehadert, gezetert, mich zusammen mit Herrn Kaltmamsell durchgebissen, bis ich diese BayernID hatte (viel Papierpost, viele Fehlerquellen) und endlich online meinen Führerscheintausch beantragen konnte.

§

Bisschen herstory: Anscheinend habe nicht nur ich Fußball-Ignorantin nie von der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 1971 gehört.
“‘They stuck two fingers up to Fifa’: the Lost Lionesses and the forgotten 1971 women’s World Cup”.

The 1971 Women’s World Cup was part-miracle, part-powder keg. At the time, the best that female footballers could hope for was to be ignored, as opposed to ridiculed and abused. The FA had only that year lifted the 50-year ban that had barred female players from all its grounds and facilities. Many countries were still copying England’s exclusionary behaviour, and in Brazil it was technically illegal, under martial law, for a woman to kick a ball about.

die Kaltmamsell

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