Journal Samstag, 20. April 2024 – Kein Theresienwiesenflohmarkt

Sonntag, 21. April 2024 um 8:06

Gut und tief geschlafen, bis mich das Sieben-Uhr-Läuten von St. Matthäus weckte.

Vorteil des Herbstwetters: Ich kann die wunderschönen neuen Islandsocken von Freundinnennadeln tragen (ihre Wärme ist sehr nötig).

Das Draußen kalt, grau und regnerisch – es sah schlecht aus für den Theresienwiesenflohmarkt, auf den ich mich sehr gefreut hatte, weil ich dort einen (echten) Übergangsmantel und eine Garderobenbank suchen wollte, Herr Kaltmamsell hoffte auf ein Telefontischerl. Eine Weile überlegte ich hin und her, doch gerade die privaten Speicher- und Kellerausräumer, die diesen riesigen Flohmarkt so besonders machten, würden bei Regen daheim bleiben, die professionellen Anbieter, deren Wagen ich schon am Freitag am Rand der Theresienwiese gesehen hatte, bekam ich auch auf anderen Flohmärkten. Ach Männo.

Sowohl der Bauch von Herrn Kaltmamsell als auch meiner hatten nachts mit dem Topinambur des Vorabends gekämpft, also mit dem darin enthaltenen Inulin. Das überraschte uns, denn nach Schwierigkeiten damals beim ersten Topinamburessen vor vielen Jahren hatten wir beide keine mehr, zudem hatten wir erst vor wenigen Wochen Topinambur aus Ernteanteil ohne Folgen gegessen.

Als ich kurz nach zehn Richtung Olympiabad vors Haus trat, war es trocken, die Sonne versuchte rauszukommen – ich fürchtete, die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Doch beim Schwimmen bekam ich mit, wie sich Regenschauer, Wind und Sonne abwechselten: Ich war am richtigen Ort. An dem ich den neuen Badeanzug zum ersten Mal trug: Er saß ganz schön stramm, und ich sorgte mich auf den ersten Bahnen, dass ich ihn zu klein gekauft haben könnte, beim Anprobieren hatte ich ein wenig Nachdehnen im nassen Zustand einkalkuliert. Doch das gab sich, am Ende meiner 3.000 Meter fühlte er sich genau richtig an.

Auf der Rückfahrt stieg ich schon am Marienplatz aus für Lebensmittel-Einkäufe: Beim Zöttl Semmeln, im Eataly in der Schrannenhalle Grana Padano, Schinken, entkoffeinierten Espresso, im Hofstatt-Edeka (dort übrigens immer sehr viel sehr junges Volk, wahrscheinlich ein guter Ort für Menschen auf Partnerschaftssuche) Dinge fürs Wochenende – unter anderem doch nochmal Tulpen, die ich den ganzen Nachmittag bei jedem Passieren verliebt ansah.

Frühstück gegen zwei: Seele mit Käse und Vinschgauer mit Butter und Honig. Den Nachmittag verbrachte ich mit Wäschewaschen, Zeitunglesen und Brotteigkneten für ein Auffrischbrot.

Das Draußen entschieden winterlich. Herr Kaltmamsell, der das Wochenende durcharbeitete, kam irgendwann aus seinem Zimmer: “Ist hier irgendein Fenster auf oder ist es wirklich so kalt?”

Den zweiten strech & fold des Weizenmischteigs machte ich zu Schneetreiben. Heute las ich in der Süddeutschen, dass auf dem Theresienwiesenflohmarkt nur halb so viele Anbieter wie 2023 gestanden hätten, und die Matschfotos lassen mich meine Entscheidung nicht bereuen.

Eine Einheit Yoga-Gymnastik. Sie war als schweißtreibend angesagt, doch der Schweiß kam dann vor allem durch einen Kreislauf-Schwindelanfall zur Unzeit, sehr ärgerlich.

Zum Nachtmahl probierte Herr Kaltmamsell ein Gnocchi-Auflauf-Rezept aus dem Guardian aus, mit gelben Paprika, Tomätchen und viel geriebenem Mozzarella, ich öffnete dazu einen Rosé von Paul Achs.

Gedeckter Holztisch, im Vordergrund ein weißer tiefer Teller, darin mit Käse überbackene Gnicchi und gelbe Paprika, dahinter die Aufflaufform mit dem Rest, rechts daneben eine Weinflasche mit Rosé, daneben ein gefülltes Weinglas

Der Aufflauf schmeckte ok, doch die Zutaten (gewürzt mit Chiliflocken und Fenchelsamen) verbanden sich nicht recht zu einem Geschmack, der Käse schmeckte eher nach nix. Warm und sättigend, wird es aber wahrscheinlich nicht nochmal geben.

§

Ich frage mich ja schon seit geraumer Weile, wie es dazu kommen konnte, dass die Winzelpartei FDP uns die gesamte Zukunft versaut (über die Antwort “weil sie für eine mehrheitsfähige Regierungskoalition nötig war” hinaus). Allerdings ist mein Menschenbild ein so fundamental anderes als das, das die FDP voraussetzt, dass ich bereit war, mir selbst massiven Bias zu unterstellen.

Jetzt schrieb in der FAZ (ausgerechnet) die Professorin für Neuere und Neueste Geschichte Hedwig Richter einen Essay, der meine Beobachtungen einordnet und kausale Zusammenhänge beleuchtet:
“Die Suppenkasper sind über uns”.

Auch wenn die Umfrageergebnisse das nicht hergeben: Die FDP steht für so viel mehr als für ihre drei bis vier Prozent Wähler. Sie ist das hässliche Unterbewusstsein der Deutschen, das permanent das vernünftige Über-Ich torpediert. Und Olaf Scholz ist ganz dabei: Er lässt die li­berale Regierungspartei so umfassend gewähren und schubst dafür immer wieder die Grünen unter den Bus (wie oft kann man eigentlich unter den Bus geschubst werden, bis man tot ist oder Schluss macht?). Das nährt den Verdacht, der Kanzler nutze die FDP als Bauchsprechpuppe: Sie redet das, was er, der Schwarze-Null-Hardliner und Null-Zumutungen-Kanzler, in dieser verblüffenden Plattheit nicht sagen kann.

(…)

Dafür gibt es eine Erklärung: die Po­pulisten, deren Kernkompetenz dieses Down­grading ist, die Abwärtsspirale der niedrigen Instinkte. Sie behaupten immer lauter, dass Demokratie ihre Legitimität aus einem plebiszitärvulgären Volkswillen bezieht – das Volk sei ein launischer Souverän, jederzeit zu Wutausbrüchen be­reit. Die Regierungen müssten liefern und das Volk bei Laune halten.

(…)

Freiheit, so (…) der Populismus, sei die Freiheit, Egoismus möglichst ungestört ausleben zu können (und, ja, warum eigentlich nicht dafür auch noch vom Staat unterstützt zu werden mit Steuergeschenken, Pendlerpauschalen, Dienst­wagenprivilegien, Tankrabatten, E-Fuel-Subventionen für alle Porsches aller Christians). Selbstverständlich hat diese Ego-Freiheit nichts mit der Freiheit des anderen zu tun. Ich impfe mich nicht, nein, meine Impfung mach ich nicht. Auf Autofahrten und Flüge verzichten, nur weil deswegen andere eine saubere Luft und eine ruhige Wohnung haben, auf CO2-Ausstoß gar, weil die Kinder auch mal ein gutes Leben führen wollen, Waffen liefern, obwohl die Öldiktaturen (scheinbar) nur den andern wehtun?

(…)

Dabei hat beispielsweise die Corona-Pandemie ein ganz anderes Volk gezeigt: Es war die Hochzeit der informierten Bürgerin, in Scharen hörten die Menschen Podcasts, sahen Informationssendungen, diskutierten, und sie nahmen bereitwillig die Zumutungen der Politik in Kauf. Nur zweimal war eine Mehrheit mit der Politik unzufrieden, und zwar weil die Pandemie­maß­nahmen in ihren Augen nicht streng genug waren.

§

Dann wieder sammelt Alexander Brutscher für den Bayerischen Rundfunk:
“Weniger Autos, mehr Fußgängerzonen: Streit in vielen Städten”.

Ein typisches Beispiel:

In Landshut wollten viele Bürgerinnen und Bürger keine zusätzliche Verkehrsberuhigung. Bei einem Bürgerentscheid sprachen sich 62 Prozent gegen die Ausweisung einer weiteren Fußgängerzone aus. Die Initiatoren wollten einen 350 Meter langen Teil der Neustadt autofrei machen. Ohne Lärm und Abgase, dafür mit mehr Lebensqualität. Anders sahen das viele Autofahrer und auch Geschäftsleute in der Neustadt. Sie hatten Sorge, dass mit den wegfallenden Parkplätzen auch Kunden ausbleiben und die Neustadt veröden könnte.

Und das obwohl alle (ALLE) solche Projekte gezeigt haben, dass autofreie Bereiche mehr Menschen anziehen und den Umsatz der Geschäftsleute erhöhen. Ist es dann doch mein Menschenbild, das nicht stimmt?

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 19. April 2024 – Herbst im April

Samstag, 20. April 2024 um 8:22

Interessant geträumt: Erst war ich in England und genoss das, sprach im Traum auch Englisch. Dann war irgendwas mit niedlichen, puppenartigen Service-Robotern, in diesem Traum war ich allerdings schon so bewusst, dass ich sie ziemlich schlecht gemacht fand.

Wetter weiter grau und saukalt, zumindest kam ich trocken in die Arbeit. Dort gleich mal Start mit Turbo, zwei Stunden später kam ich dazu mich umzugucken, was sonst noch war.

Mittags raus durch heftigen Wind auf einen Cappuccino: Der erste angesteuerte Ort war während Öffnungszeiten geschlossen (hier wieder die Frage, wovon die Inhaber*innen dieser Winzel-Cafés eigentlich leben), der andere völlig überfüllt. Ich trank meinen Cappuccino aus der Hand, weil kein Platz war zum Abstellen.

Cafészene, im Vordergrund große eine Tasse mit Cappuccino,  gleich dahinter Wasserglas, im Hintergrund eine Theke und in einem kleinen Raum ein halbes Stockwerk darüber Cafétische mit Menschen

Auf dem Rückweg bekam ich Regentropfen ins Gesicht geworfen, Licht und Witterung tendierten deutlich stärker Richtung Herbst als Frühling.

Der heftige Wind blieb und machte das Jalousien-Ballett vorm Bürofenster noch bescheuerter: Eigentlich kenne ich es, dass bei starkem Wind die Jalousine aus Sicherheitsgründen zwangshochgezogen werden, egal wie heftig die Sonne scheint (zum Glück gibt es auch noch Innen-Rollos). Gestern aber wollten sie zwangsweise runter. Das konnte ich in meinem Büro immer wieder verhindern, vor den unbesetzten Nebenbüros aber schlugen die Jalousien-Lamellen ständig mit Schmackes gegen die Verstrebung – das kann dem Material doch nicht gut tun?

Recht pünktlicher Feierabend, unterm Schirm in Saukälte ging ich zu Wir2liebenWein, um zwei von den Favoriten des vorsamstäglichen Probierens einzukaufen. Aus dem Ratsch mit den 2 weiß ich jetzt auch die Ursache der Spezialisierung auf Pannobile-Winzereien: Eine von den beiden ist gebürtige Golserin. (Österreichische Vetter*innenwirtschaft, kennen wir eh.)

Daheim Yoga-Gymnastik, eine schmerzhafte Dehn-Einheit mit Mady: Wo die Durchschnitts-Yogi beim Vorbeugen im Sitzen bis zu flach auf dem Boden liegt, gehen bei mir nur wenige Zentimeter (solange ich die Anweisung “gerader Rücken” einhalte).

Konzertkarten gekauft – gell, da staunen Sie. Ein Freund hatte mich darauf hingewisen, dass das Ukulele Orchestra of Great Britain nächsten Februar in der Isarphilharmonie spielt, dafür sicherte ich ihm, seinem Mann, Herrn Kaltmamsell und mir vier Tickets. Ich kramte gleich mal eins meiner Lieblingsstücke von den Ukes raus, ihre Version von “Wutherin Heights” – und merkte, wie lange ich die Band schon kenne und gucke: Hester Goodman, das ist die auf der Bühne mit den längeren Haaren, sah ich einst auch mal deutlich schwanger spielen, und Kitty Lux, die mit den kurzen, starb schon 2017. Mein erster Konzertbesuch 2009 in Bad Aibling und wie ich die Ukes entdeckte, steht bereits hier im Blog (ja: im Gasteig sah ich sie später auch mal).

Jetzt war aber wirklich Wochenende, angestoßen wurde mit dem eben gekauften und schnell noch gekühlten PetNat Heinrich Oh when the Saints.

Hier können Sie nachlesen, was PetNat eigentlich ist. #Serviceblog

Zum Abendessen verarbeitete Herr Kaltmamsell Topinambur, Kartoffeln und Petersilie aus Ernteanteil zu einem Ofengericht mit ganzen Zitronen, Knoblauch, Tomätchen, Oliven und Estragon (weil vorhanden) statt Salbei nach Ottolenghi.

Eine blaue Reine auf einer schwarzen Kochplatte mit dem oben aufgezählten Gemüse.

Schmeckte gut, doch das Tahini, das ich auf meine zweite Portion träufelte, machte es noch besser.

Zum Nachtisch mixte ich uns aus dem Saft einer Crowdfarming-Orange Green Monkeys, außerdem gab es Süßigkeiten.

Als Abendunterhaltung ließ Herr Kaltmamsell im Fernsehen “Let’s dance” laufen – und ich sah mich am meisten beeindruckt von der Teilnehmerin, die ganz offensichtlich überhaupt nicht tanzen konnte, nicht mal Rhythmusgefühl zu haben schien: Deren Durchhalten und Leistung fand ich (in solch einer Show, die nun wirklich nichts mit Leistungssport zu tun hat) beachtlicher als die der Begabten.

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Eine schon immer aus dem Internet vertraute Bloggerin der ersten Stunde ist in Rente gegangen und baut ihr bisheriges Leben ab, um es an einem Ort mit niedrigeren Lebenshaltungskosten wieder aufzubauen – nicht der erste Neuanfang, den ich über ihre Texte und Bilder mitverfolgen darf. Kein Link, denn aus sehr nachvollziehbaren Gründen findet das diesmal nicht im öffentlichen Web der Blogs statt, sondern auf einer schützbaren Plattform. Doch der Effekt bleibt für mich derselbe: Ich bin berührt, dass ich dieses Kapitel begleiten darf, und sei es aus dieser Ferne.

Gleichzeitig liegt ein nur wenige Jahre weniger begleiteter, ebenfalls sehr lieber Internetmensch im Krankenhaus mit schlimmen Dingen, weiß immer noch nicht genau, was eigentlich los ist, und ich sorge mich arg. (Und habe null Energie für Leute, die “Digital Detox” huldigen, weil man sich damit wieder mit dem “echten Leben” befasst. Auch dAS iNtERneT ist wie jede Basistechnik, was man damit macht. In meinem und dem Fall vieler anderer Menschen wichtiger Teil des echten Lebens.)

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Auch Antje Schrupp ist erkrankt – oder doch nicht? – und macht sich Gedanken über immer schwierigere Abgrenzungen (auch hier spielt das Internet eine Rolle):
“Umgang mit dem Unentschiedenen”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 18. April 2024 – Reichlich Schnee

Freitag, 19. April 2024 um 6:20

Mittelgute Nacht, aber ich litt nicht. Kurz vorm Weckerklingeln aufgewacht.

Ich stand zu nasskaltem Wetter auf, laut allen Vorhersagen bleibt das mindestens noch eine Woche so. Ganz kurz überlegte ich, ob ich mich einfach mit dem 62er Bus zum Heimeranplatz schaukeln lassen sollte, doch das Bedürfnis nach Bewegung überwog. Auf dem Weg brauchte ich meinen Schirm auf dem letzten Drittel. Vorher noch entdeckte ich, dass offensichtlich für Stockenten Raum auch in der kleinsten Pfütze ist.

Große freie Fläche im grauen Regen, im Hintergrund Bäume und die Ruhmeshalle, im Vordergrund ein Stockenetenpaar schlafend auf einer Pfütze

Im Büro fühlte ich mich benommen und kämpfte mit Konzentrationsschwierigkeiten. Für alles brauchte ich Anlauf, musste dazwischen immer wieder aufstehen und ein paar Schritte gehen. Irgendwann kam ich doch durch.

Schneetreiben vor grauem flachen Bürogebäude und dahinter liegendem Büroturm

Erstmal aber schneite es ernsthaft.

Mittags in einer Regenpause auf einen Cappuccino zu Nachbars, dann auf den Markt für ein wenig Käse und Butter. Dieser Spaziergang tat richtig gut, anschließend schaffte ich auch größere Brocken weg.

Mittagessen war das für den Vortag vorbereitete: Sahnequark mit Joghurt, Orangen.

Nachmittag mit gewohnter Emsigkeit, jetzt fühlte ich mich endlich wirklich wiederhergestellt. Für Bewegung sorgte die Jalousien-Automatik: Immer wieder fuhren von selbst die Jalousien vorm Fenster herunter, ich sprang auf, um sie manuell hoch zu fahren (der Schalter liegt neben dem Schreibtisch gegenüber). Außerdem half ich in mehreren Belangen – sogar besonders gerne, weil diese Belange bald viel auf mich zukommen werden und ich möglichst schnell Routine darin erlangen möchte.

Zu Feierabend fing es wieder heftiger an zu regnen und schneezugrieseln. Ich ging unterm Schirm auf diverse Lebensmitteleinkäufe: Edeka, Balkanbäckerei, Vollcorner. Heim kam ich mit gründlich nassen Schuhen.

Dort wartete ein Packerl auf mich: Die beiden Sommerkleider waren eingetroffen.

Frau mit kurzen weißen Haare und nackten Füßen, mit mittellangem ärmellosen Sommerkleid im großen Spiegel

Frau mit kurzen weißen Haare und nackten Füßen, mit mittellangem buntenn Sommerkleid im großen Spiegel

Passen, behalte ich beide. Dann gebe ich halt zwei über zehn Jahre alte weg, die eigentlich nicht mehr passen.

Yoga-Gymnastik: Ich begann eine Playlist von Mady Morrison und geriet gleich mal an eine stramme Folge aus Warrior-Variationen, die mich sogar ins Schwitzen brachte.

Zum Nachtmahl bereitete ich den Ernteanteilsalat (Eichblatt und Schittknoblauch) mit Orangen-Haselnussmus-Dressing zu. Außerdem gab es Käse und Balkan-Fladenbrot.

Gedeckter Abendbrottisch von oben, in der MItte eine große Schüssel Salat, außerdem ein Brotkorb, ein Teller mit Käse

Links wunderbare Butter vom Käsehändler – ohne Vernunftsteuerung hätte ich einfach Brot und Butter bis zum Abwinken gegessen. So aber aß ich neben Salat auch besonders großartigen Schafskäse aus Friesland und sonstigen. Nachtisch Schokolade.

§

Dem, was sich bei Trainigsratschlägen “Sportmedizin” nennt, misstraue ich zu weiten Teilen, weil es sich allzu oft um theoretische Konstrukte ohne Überprüfung durch Evidenz handelt. Doch bei dieser Überschrift spitzte ich die Ohren (Augen?):
“Wie zyklusbasiertes Training funktioniert”.

Trainingspläne im Sport basieren häufig auf Studien mit Männern. Die sind aber nur zum Teil auf Frauen anwendbar. Viele Athletinnen trainieren inzwischen nach ihrem Menstruationszyklus.

Spoiler: Man weiß es nicht genau.
Aber mich freut, dass es inzwischen zumindest Forschung dazu gibt. (Wer war nochmal die Leistungssportlerin, die ihr überraschend schlechtes Abschneiden in einem Spitzenwettbewerb nüchtern auf Englisch mit ihrer Menstruation erklärte und einen Übersetzer damit überforderte?)

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Falls wieder jemand behauptet, der U-Bahnhof Sendlinger Tor sei fertig renoviert: Ist er nicht.

via Neffe2

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Und dann waren da noch die E-Auto fahrenden Ratten.
via @_dieliebenessy (die Vorschläge zur Meerschweinchendressur in diese Richtung mit der Diffamierung abwehrt, “dass das ihre intellektuellen Kapazitäten übersteigt”)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 17. April 2024 – Arbeitliches Angestelle

Donnerstag, 18. April 2024 um 6:22

Guter und tiefer Schlaf, doch als ich nach Klogang um vier wieder ins Bett ging, fiel mich die Angst-Dogge an (das war mein inneres Bild: ein großer, aggressiver Hund, der mit gefletschten Zähnen auf meine Kehle zusprang und sich in sie verbiss). Das hatte ich vor dem Hintergrund der Arbeitstermine am Mittwoch erwartet (das wird ab Anfang Mai noch lustig), begrüßte ihn also lächelnd, suchte dann in mir nach freundlichen Erinnerungen – und schlief tatsächlich fast nochmal ein.

Der Wecker klingelte zu Regenrauschen. Bis ich fertig für den Aufbruch in die Arbeit war, hatten sich Schneeflocken in den Regen gemischt, unterwegs wurde ernsthafter, nasser Schneefall daraus.

Arbeit wie erwartet vom ersten Moment an turbulent (stimmt nicht ganz: ich hatte gerade so noch Gelegenheit, eine Kanne Kräutertee zu kochen). Anstrengungs-/Angstkopfweh, gegen das auch kein Ibu half – meine Güte, ich würde in der Zombie-Apokalypse komplett versagen, FRESST MICH ZUERST!

Ich versuchte in den ungewohnten Dynamiken, novemberregen in ihrer beruflichen Rolle zu channeln, das half aber nur dabei, nicht zu ätzen. Das wird nie eine Art Situation, in die ich mich werfe, ich will einfach nur nicht da sein. Gerne fände ich heraus, wie ich es schaffe, mich nicht so anzustellen, denn fast nichts an meinen paralysierenden Ängsten hat ein realistisches Fundament.

An diesem von mir geplanten Tag ging erst etwas unerwartet schief, dann aber ging etwas unerwartet glatt.

Appetit war natürlich komplett weg, erst am späten Nachmittag, nachdem alles rum war, zwang ich mir einen Eiweißriegel rein – was lediglich ein Gefühl von Klebrigkeit hinterließ. (Meine eine Fertigkeit in der Zombie-Apokalype: Hungern.)

Als ich dann endlich Schluss machte und loskam, hoffte ich auf die berühmte Wirkung von frischer Luft, zum Glück regnete es gerade nicht. Doch auf dem Weg wurde mein Kopfweh stärker, ich gähnte, das fühlte sich fast wie Migräne an. Ich wollte nur noch ins Bett.

Na gut, auch in diesem Zustand habe ich das Bedürfnis, Anblicke als Foto festzuhalten.

Aber daheim legte ich mich nach kurzem Hallo an Herr Kaltmamsell tatsächlich ins Bett zum Zweck der Reizreduktion. Das tat gut, ich schlief sogar kurz ein. Das tat so gut, dass ich sogar Lust auf Yoga-Gymnastik verspürte, ich hatte mir eine Folge Flow mit Mady Morrison zurechtgelegt. Auch die beruhigte mich.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell frisch gekochte Ernteanteil-Kartoffeln mit dem Rest Szegediner Gulasch aus der Gefriere, ich aß mit Appetit. Dann gab’s noch Schokolade.

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Der Mastodon-Account “Mirabilia” wurde aktiviert, der allerlei Museen besucht. Gestern war er in der nach acht Jahren Generalsanierung wiedereröffneten Archäologischen Staatssammlung in München, hier können Sie den Besuch begleiten.
Und hier die Pressemitteilung zur Wiedereröffnung.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 16. April 2024 – Reinhard Kaiser-Mühlecker, Wilderer – sehr kein Heimatroman

Mittwoch, 17. April 2024 um 6:20

Eigentlich gut geschlafen, nach fünf allerdings nicht mehr, statt dessen mit steigender Unruhe Arbeitsdinge gewälzt (dass München im Juni und Juli voller Megakonzerte und Zuguck-Fußball ist, die Übernachtungpreise damit etwa auf Oktoberfest-Niveau steigen, erschwert meinen Job massiv), innere Joblisten erweitert – das taucht mal wieder in keiner Arbeitszeiterfassung auf.

Draußen Düsterkeit, die sich auch noch als regnerisch und nur wenig über Gefrierpunkt kalt erwies, ich musste umplanen: Zwar hatte ich beim Rauslegen der Kleidung für den Tag niedrigere Temperaturen einkalkuliert, aber keine Saukälte. Alles zurückgehängt/-gelegt, statt dessen Kaschmir-Hoodie zu schwarzer Hose und dicken Schuhen.

Auf dem Weg in die Arbeit brauchte ich meinen Schirm. Unter den Bäumen lagen Zweige und Äste, der Sturm war nachts wohl heftiger gewesen. (Und ich wunderte mich, dass nach dem Schneeburch und den Stürmen des Winters noch so viel Runterzuwehendes übrig war.) In den Nachrichten war sogar von “Unwetter” die Rede.

Nach emsigem Bürovormittag marschierte ich auf einen Mittagscappuccino im Westend. Auf dem Weg regnete es nicht mehr, aus dem Himmel aller Farben schien sogar manchmal die Sonne. Doch es windete sehr heftig, ich fürchtete um meine Ohrringe.

Wie erleichtert ich immer bin, wenn ich mein Mittagessen wirklich nur noch löffeln, gabeln, beißen brauche – und nicht erst noch schälen, schneiden, zubereiten. Den Gefallen tue ich mir am Vorabend echt gern. Diesmal: Ein Stück selbstgebackenes Brot, Orange und Mango mit Sojajoghurt.

Am Nachmittag stürmte es weiter, der Himmel durchlief alle Farben. Nach Feierabend genoss ich aber den Marsch nach Hause, bei dem mir der Wind die Haare zerzauste. Kurzer Einkaufsstopp im Drogeriemarkt, dann steuerte ich die Standl in der Sendlinger Straße an: Fürs Abendessen hatte ich mit Herrn Kaltmamsell Spargel vereinbart, von mir zubereitet.

Ich machte den Spargel wieder auf die Art, die mir in den vergangenen Jahren besser geschmeckt hatte als in Wasser gekocht: In Alufolie im eigenen Saft gegart, und mit Eierhacksauce, ich schrieb das Rezept diesmal auf.

Da ich am Standl zwischen Sendlinger- und Rosenstraße zwei Kilo im Angebot bekommen hatte, gab es sehr reichlich davon. Schokolade zum Nachtisch ging trotzdem.

Im Bett die nächste Lektüre begonnen, diesmal wieder auf Papier, weil Herr Kaltmamsell das Buch besitzt: Ruth Klüger, Katastrophen. Über deutsche Literatur.

§

Reinhard Kaiser-Mühlecker, Wilderer

Das Buch, veröffentlicht 2022, packte mich vom unvermittelten Anfang an, der mich erstmal auf eine falsche Fährte lockte.

Doch dann bekam ich einen Landlebenroman in sehr unromantischer Form. Ich fand viel wieder, was ich vom Alltag in der Landwirtschaft weiß, von der Lebenswirklichkeit auf dem Dorf – die halt auch wie alles Individuelle nicht eine Lebenswirklichkeit ist. Es überraschte mich nicht zu erfahren, dass Reinhard Kaiser-Mühlecker selbst aus der Landwirtschaft kommt. Die Geschichte nimmt uns mit nach Österreich, das prägt die Art der Landwirtschaft mit Höfen, die ein Dorf bilden (seit Ein Hof und elf Geschwister weiß ich erst, wie anders Landwirtschaft im deutschsprachigen Raum auch sein kann). Die nächst gelegene Großstadt ist Salzburg.

Der junge Jakob bewirtschaftet den Hof seines Vaters, der in seinen Augen und auch belegbar ein Taugenichts ist, fast seinen ganzen Grund verkauft hat. Der Großvater, ein tüchtiger Landwirt, ist schon länger gestorben, die greise und abweisende Großmutter lebt im Obergeschoß des Hofs. Der Roman erzählt, wie Jakob versucht, diese Landwirtschaft am Leben zu halten, seinen Lebensunterhalt und den der Familie damit zu verdienen, mals mit Fischzucht, mal mit Milchwirtschaft. Es gelingt ihm erst, als Katja in sein Leben tritt, aus unerwarteter Richtung und auf überraschende Weise. Wir lernen auch Jakobs Geschwister kennen, Bruder und Schwester, manche Nachbarn, Hilfsarbeiter.

Das Besondere: Die Erzählstimme nimmt konsequent die Perspektive der Hauptfigur Jakob ein, nahezu als Gedankenstrom. (Dennoch sind Dialoge markiert, wird auch äußere Handlung beschrieben, der Roman ist also nicht schwierig zu lesen). Und Jakob ist ein sehr eigenwilliger Charakter, zerrissen, von Affekten getrieben, oft mit sich selbst überfordert, gleichzeitig ehrgeizig und verloren, zuwendungsbedürftig und hoffnungslos.

Und die Erzähltechnik macht sichtbar, wie Jakob bestimmten Erinnerungen ausweicht, manchen immer wieder, bis sie sich kurz vor Ende dann doch nach vorn ins Bewusstsein schieben, wir sie erfahren. Und dann eigentlich lieber nicht hätten wissen wollen. Nicht nur hier ist das Buch verstörend mit seinem Blick in Abgründe.

Jakob vertritt durchaus (meine) bäuerlichen Stereotypen: Misstrauen gegenüber Leuten aus der Stadt, Misstrauen gegenüber formaler Bildung, ständiges Misstrauen, übers Ohr gehauen zu werden. Und weiß halt doch, was getan werden muss. Seine Zerrissenheit war mir im Gedankenstrom sehr nachvollziehbar, sie ist es auch, die für mich Spannung erzeugte: Wird er ein bisschen Glück finden? Einmal nicht enttäuscht werden? Das hält sich die Waage mit intensiven Umgebungsbeschreibungen: Der Lärm der nahen Autobahn, die Sinnlichkeit einer Schneeschicht, die Betäubung der vierten Flasche Bier, das Animalische an Menschen – was in dieser Verbindung fast unweigerlich symbolische Bedeutungen herbeiassoziieren lässt.

Lese-Empfehlung – nur vielleicht nicht, wenn Sie Hunde sehr gern mögen.

Und für nach der Lektüre, weil sie die Handlung und alle Wendungen verrät, empfehle ich die Besprechung von Christoph Schröder in der Süddeutschen:
“Warten auf das Ende”.

Realismus also, eingebettet in ein ästhetisches Konzept, das auf Kargheit wie auf Klarheit basiert. Kaiser-Mühleckers Bücher zu lesen fühlt sich an, als würde man auf eine zu fest eingespannte Glasscheibe starren, auf das Knistern und Knacken hören und doch wissen, dass der Autor uns nicht die Last abnimmt, den erlösenden Knall herbeizuführen. Das ist menschlich erschreckend und literarisch bestechend.

§

Die Süddeutsche hatte gestern eine Seite Drei über Prof. Bruno Burger, der am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg Zahlen und Daten zur Energieerzeugung in Europa erhebt und damit unter anderem Falschbehauptungen in der Politik widerlegt, immer wieder und möglichst auf den Plattformen, auf denen sie erscheinen (€, aber einen Tagespass wert):
“Zahlen, bitte”.

“Die Lüge ist immer schnell draußen”, sagt er. Aber die Korrektur der Lüge, das macht richtig Arbeit.”

Die Energy Charts des Freiburger ISE stehen im Web und sind öffentlich, Sie könnten auch selbst bei der nächsten Politiker*innen-Behauptung nachsehen:1
Energy-Charts.

Allerdings macht sich selbst Prof. Burger keine Illusionen:

„Heutzutage ist es völlig egal, ob man lügt oder nicht”, sagt Bruno Burger. „Es hat keine Konsequenzen.”

  1. Disclosure: Ich arbeite für denselben Arbeitgeber. []
die Kaltmamsell

Journal Montag, 15. April 2024 – Nicht ganz die gewünschte Zukunft des Zähneputzens

Dienstag, 16. April 2024 um 6:26

Gute Nacht, nur die zweite Hälfte ein wenig unruhig.

Wie angekündigt startete der Tag mild, aber düster, der eingesteckte Regenschirm erwies sich auf dem Weg in die Arbeit als sehr nützlich.

Leuchtbuchstaben auf Lkw-Anhänger "verschärft!"

Ach.

Besprechungsreicher Vormittag, schneller Mittagscappuccino bei Nachbars, ich geriet auf dem kurzen Hinweg in einen überraschend nässenden Regenschauer. Das Mittagessen verschob sich weit nach hinten, weil es sich plötzlich vor der Ein-Uhr-Besprechung auch nicht mehr lohnte. Dann gab es Mango und Orange mit Sojajoghurt, was mir gestern besonders gut schmeckte.

Der Nachmittag war weiter emsig, langsam verändern sich die Schwerpunkte meiner Aufgaben in die langfristig zukünftige Richtung.

Zu Feierabend hatte der Regen aufgehört, ich kam trocken los. Noch war die Temperatur nicht richtig in die Tiefe gestürzt, es roch herrlich. Auf dem Heimweg Einkäufe beim Vollcorner.

An einer überwachsenen Mauer ein schlichtes gespraytes Männchen

An der Heimeranstraße.

Über einem schmiedeeisernen Zaun vor einem Sandstein-Altbau lila Blütentrauben und grüne Blätter im Sonnenlicht.

Nußbaumstraße

Zu Hause Yoga-Gymnastik, nochmal die abwechslungsreiche Folge 29 von Adrienes “Flow”. Brotzeitvorbereitungen, dann servierte Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Lauch als Lauch-Käse-Suppe.

Weißer Teller mit heller Suppe

Sehr gut.

Abendunterhaltung: Die Vorstände unseres Kartoffelkombinats, Jana und Daniel, waren im Bayerischen Fernsehen, als Gäste in der Sendung “Wir in Bayern” – Herr Schwieger hatte uns darauf hingewiesen. (Ich hatte diese Art Journalfernsehen ganz vergessen, kann mir auch nicht recht vorstellen, dass Publikum dafür nachwächst.)

Im Bett las ich Reinhard Kaiser-Mühlecker, Wilderer aus, gefiel mir gut.

Technische Scheiterungen: Mit meiner neuen elektrischen Zahnbürste bin ich sehr zufrieden, der runde Bürstenkopf vermittelt mir das Gefühl, wirklich um jeden Zahn rum zu putzen. Allerdings hatte ich in der Gebrauchsanleitung gelesen (ich bin das, ich lese Gebrauchsanweisungen), dass es verschiedene Putz-Programme gab, der Knopf zur Auswahl war leicht zu finden (der eine Knopf, der nicht an- und ausschaltet). Nur konnte ich nicht erkennen, welches Programm gerade aktiv war, anscheinend brauchte ich dazu die App auf dem Smartphone, die per Blutooth mit der Zahnbürste verbunden werden konnte.

Die App installiert hatte ich schnell, auch mittelschnell die Zahnbürste damit gekoppelt – doch als ich noch darin rumklickte auf der Suche nach den Putz-Programmen, wollte die App neue Firmware für die Zahnbürste herunterladen und installieren. Na von mir aus, das kenne ich ja von Apps. Nur dass das nicht funktionierte, drei Versuche wurden von der App abgebrochen.

Die vier Programme fand ich dann zwar in der App (die vor allem auf Gamification abzielt, Zahnputzziele erreichen lässt, dafür Fleißbildchen verleiht – aus dem Alter, in dem man mir Anreize fürs Zähneputzen bieten musste, fühle ich mich aber seit einigen Jahrzehnten raus), doch keinen Hinweis darauf, welches denn gerade auf meiner Zahnbürste aktiv war: Ich konnte lediglich die Reihenfolge der Anwählbarkeit über den Knopf auf dem Gerät ändern. Letztendlich nutzte ich die Funktion “auf Werkseinstellungen zurücksetzen”, denn die Gebrauchsanweisung nannte die Default-Einstellung bei Kauf (tägliches Putzen).
Das war nicht ganz die Zukunft, die ich bestellt hatte.

§

Weltberühmter US-amerikanischer Schriftsteller wird von einer großen US-amerikanischen Zeitung auf einen Urlaub geschickt, den er nicht ausstehen kann, damit er darüber sehr ausführlich Abfälliges schreibt – das ist ein eigenartiges Genre. Hiermit erweitert um eine Bloggerin, die das eigenartig findet und dennoch in ihrem Blog verlinkt:
“Crying Myself to Sleep on the Biggest Cruise Ship Ever
Seven agonizing nights aboard the Icon of the Seas”

§

Ich lass mal ein schönes Foto von britischen Schauspielern Anfang der 1980er hier.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 14. April 2024 – Sommersonntagserholung

Montag, 15. April 2024 um 6:21

Mit herabgelassenem Rollladen schlief ich gut bis nach sieben.

Blick aus Obergeschoss auf Park und modernen Kirchturm, sonnenbeschienen.

Gemütliches und ausgiebiges Bloggen mit Milchkaffee, Wasser, Tee. Am späteren Vormittag machte ich mich fertig für einen Isarlauf, entschied mich wieder für die Strecke ab Thalkirchen nach Süden: Durch den nördlichen Englischen Garten war mir die Passierbarkeit des Abschnitts bei Unterföhring zu unsicher.

Es waren sehr viel Menschen auf Fahrrädern unterwegs. Wirklich verunsichernd wirkten auf mich lediglich die vielköpfigen Familienrotten, in denen ganz kleine Kinder auf Spielzeugradeln eierten, die in keiner Hinsicht verkehrstüchtig schienen, das Anfängertum der Kinder bestätigt durch die anfeuernden Rufe der Erwachsenen: “Guuuut machst du das!” Niemand in diesen Gruppen kümmerte sich um andere Verkehrsteilnehmende, gab gar Richtungssignale – ich fühlte mich höchst unwohl beim Überholen oder wenn sie mir entgegen kamen. (Gestern zumindest nur auf Fahrradwegen, ich habe solche Konstellationen durchaus schon auf belebten Kreuzungen gesehen.)

Das Fahrrad ließ ich wieder am Tierpark stehen und lief exakt dieselbe Strecke wie vor einer Woche, in den sieben Tagen waren spürbar mehr Schatten spendende Blätter gewachsen.

Fußweg zwischen sonnenbeschienen Bäumen

Fußweg zwischen FLuss und sonnenbeschienen Bäumen

Zwei FLussarme von oben, dazwischen ein Weg, der auf ein Schleusenhäuschen zuführt.

Blick von der Großhesseloher Brücke nach Süden.

Fußweg zwischen Bäumen

Holzbank im Wald, auf der Betonseite ein schwarzer Tag

Technikhäuschen mit buntem Graffiti bemalt, links fährt ein radelnder Mensch vorbei

Ein schöner Lauf: Es war nur warm mit ständiger angenehmer Brise, der Körper spielte gut mit (15 Minuten weniger wären besser gewesen), es duftete nach Frühling. Auch das Rückradeln genoss ich, zwang mich zu äußerst defensivem Fahren unter den vielen Radelnden, von denen manche Nebeneinanderradeln mit fröhlichem Ratschen für eine gute Idee hielten.

Frühstück um zwei auf dem Balkon (!): Selbstgebackenes Brot vom Vortag mit Butter und Honig, Orangen. Das schöne an Fresskoma am Sonntag: Siesta!

Danach nach Wochen der Disziplin selbige doch fahren lassen und zwei Sommerkleider bei Boden bestellt. Nein, brauchen tue ich sie nicht, zudem weiß ich doch, wie selten ich Sommerkleider dann tatsächlich tragen kann. Doch sie müssen ja auch erstmal passen. Bei dieser Gelegenheit stellte ich fest, dass das britische Unternehmen wohl eine Tochter in den Niederlanden gegründet hat, wahrscheinlich um mit EU-Staaten nach dem Brexit einfacher Handel zu treiben.

Bügeln vor der offenen Balkontür mit dem Podcast Hopeful News mit Nicole Diekmann, die Folge mit Aurel Mertz interessierte mich. War dann auch recht kurzweilig: Aus jedem Tag der Vorwoche pickt Nicole Diekmann eine Nachricht, die Hoffnung macht, und bespricht sie mit ihrem Studiogast.

Lesen auf dem Balkon – ich stellte anhand meiner schwarzen Tastatur und des Bildschirms schnell fest, wie viel Blütenstaub gerade so unterwegs ist. Blaumeise beobachtet, die johlend (auf Meisisch) ein wildes Vollbad in der Wasserschüssel auf dem Balkonsims nahm.

Weiterhin Muskelzucken im linken Unterarm (Anconeus?), das mich in den Wahnsinn treiben will. Dann doch mal “Tremor” gegooglet: Nee.

Herr Kaltmamsell hatte den Nachmittag bei seinen Eltern bei Augsburg verbracht, kam jetzt heim, um sofort die Zubereitung des Nachtmahls anzupacken: Das Weißkraut aus Ernteanteil wurde Krautstrudel mit Mürbteig.

Glasteller auf grünem Set, darauf von neun Uhr: Zucchinischeiben, ein Stück Krautstrudel, weiße Sauce, rote Sauce.

Serviert mit Kräuterrahm, eingelegten Zucchini aus dem Kartoffelkombinat (sehr raffiniert gewürzt), Ajvar. Nachtisch Schokolade.

In der letzten Dämmerung hielt ich auf dem Balkon Ausschau nach Fledermäusen, wurde sehr bald mit dem Anblick der ersten der Saison belohnt.

Ich fühlte mich richtig ausgeruht und alert, das war ein schönes Wochenende.

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Derzeit wird über die strafrechtliche Regelung von Abtreibung in Deutschland diskutiert, und ich bin sehr froh darüber: Meiner Ansicht nach war es viel zu lang still um dieses Thema.

Lesenwerte Gedanken zu unterdiskutierten Aspekten hat Antje Schrupp aufgeschrieben, und zwar zu einer für viele Kernfrage:
“Was ist mit dem Ungeborenen?”

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Ich finde ja geradezu lustig, dass Computer ziemlich lange eine typische Frauensache waren, weil halt unwichtiges operatives Kleinzeugs (siehe die Geschichte meiner Schwiegermutter in den 1960ern). Und sobald sie wichtig wurden, selbstverständlich schon immer typisch Männersache.

Vielleicht mögen Sie die Geschichte von Lore Harp MacGovern aus den 1970ern nachlesen?
“She Built a Microcomputer Empire From Her Suburban Home”.

This is the story of Lore Harp McGovern, founder of Vector Graphic. With her friend Carole Ely, she launched a multimillion-dollar computer company from her suburban home and became one of the most important founders of the microcomputer age.

die Kaltmamsell