Journal Samtag, 20. April 2019 – Karsamstagswanderung um Benediktbeuern mit Kreuzottersichtung

Sonntag, 21. April 2019 um 9:48

Am Karsamstag, so hatte ich mir ausgerechnet, dürften die Wanderwege an diesem langen Osterwochenende noch am wenigsten überlaufen sein, selbst bei dem angekündigten frühsommerlichen Wetter.

Als Startort hatte ich Benediktbeuern ausgesucht. Die Gegend hatte ich mir eh schon länger ansehen wollen, außerdem verhieß sie die Wanderumgebung, die ich am liebsten mag: Hügelig mit Weite und Panoramen. Wir gingen also diese Tour, die mit 20 Kilometern und fünf Stunden Gehzeit beschrieben war.

Meine Kalkulation ging auf: Der Zug nach Benediktbeuern, den wir kurz vor Mittag nahmen, war übersichtlich besetzt, auf unserer Wanderung trafen wir fast keine weiteren Menschen, vor allem nicht auf Fahrrädern. Ausnahme war der Rückweg entlang der Loisach, der fast ausschließlich von Radlerinnen und Radlern genutzt wurde, und das von vielen (ca. 50 Prozent E-Bikes). Die Route war schön, nur die letzte Stunde von der Loisach bis Benediktbeuern auf einem flachen Schotterweg ein wenig eintönig (Herr Kaltmamsell: „Ist ja eine ganz schöne Wiese, aber die hatten wir ja jetzt lang genug.“)

Wir bekamen Aussichten über Frühlingswiesen (darauf immer noch Veilchen, aber vor allem Sumpfdotterblumen, Schlüsselblumen, Buschwindröschen, an der Loisach dann Wiesenenzian), erwachende Mischwälder, Brückerl über schmale Schluchten.

Das Tierangebot war gestern sensationell: Schon am Kloster Benediktbeuern sahen wir vier Störche einfliegen, auf dem Weg bekam ich die ersten Schwalben der Saison, die ich mir so sehr gewünscht hatte, Rauch- und Mehl-. Zudem Stare, Hühner, Meisen, Krähen, Buchfinken, am Himmel Greifvögel und ein Falke. An ungeflügeltem Viehzeug Pferde, Kühe, mehrfach Schlappohrschafe (Tiroler Bergschaf?), eine kleine Eidechse, und, die Sensation des Tages, eine junge Kreuzotter: Wir machten gerade auf einem Bankerl an der Loisach Pause und aßen einen Apfel, als sie direkt vor uns vorbeispazierte.

Die Temperaturen waren angenehm (das Display im Zug zeigte auf Hin- und „Außentempertur 20 Grad“ an), ein leichter Wind tat in Abschnitten mit praller Sonne gut. Diesmal hatte ich mich sorgfältig mit LSF 30 sonnengecremt, das besonders gefährdete Dekolleté sogar zweimal dick. Eingetrübt wurde mein Wandervergnügen etwas durch das schmerzende Bein (immer noch LWS-Bandscheibenvorfall), das immer wieder wegsackte, mich die meiste Zeit recht unrund gehen und verkrampft atmen ließ. Ich halte eine Reha für eine immer bessere Idee.

Gemessen gingen wir 27 Kilometer (darin zwar auch etwa anderthalb zusätzliche Kilometer, weil wir eine Abzweigung übersehen hatten, aber dann doch deutlich mehr als in der Beschreibung angegeben), für die wir mit einer Pause fünfeinhalb Stunden brauchten.

Wir kehrten abschließend in Benediktbeuern im Klosterstüberl ein, dort eher liebloses Essen. Auch im Zug zurück war es ruhig. Auf dem Heimweg vom Bahnhof holten wir uns das erste Eis der Saison als Nachtisch: Unsere nächstgelegene hole-in-the-wall-Eisdiele hatte schick umgebaut, ist jetzt ein etwas geräumigeres hole-in-the-wall; wir beglückwünschten den Gelatero.

Startklar fürs Karwandern. Die Jacke brauchte ich dann gar nicht.

Die Besichtigung der Klosteranlage Benediktbeuern verschoben wir auf einen eigenen Besuch.

Ebenso die der historischen Fraunhofer-Glashütte.

Runter nach Kochel.

Biberspuren an der Loisach.

Kreuzotter!
Links ist vorne, sie war etwa 30 Zentimeter lang.
(Bild: Herr Kaltmamsell)

Reizvoller Kontrast zwischen den entsättigten Farben des Loisacher Moors und der Buntheit der Weiden.

Eine gute Stunde lang dann doch ein etwas eintöniger Anblick.

Zurück nach Benediktbeuern.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 19. April 2019 – Karfreitag mit Sommervorbereitungen

Samstag, 20. April 2019 um 8:41

Erschlagen aufgewacht, weil mich in der Nacht zuvor die Beinschmerzen lange Stunden nicht einschlafen ließen.

Ein strahlender Frühlingstag. Beim Radeln zum Schwimmen im Olympiabad war ich noch froh über meine Strickjacke, beim Heimradeln hätte ich sie nicht mehr gebraucht. Das Becken war überraschend voll (ich hatte damit gerechnet, dass bei diesem Prachtwetter Schwimmen in einer fensterlosen Halle völlig abwegig erscheinen würde), ich blieb nach der schlechten Nacht und wegen Wanderplänen für Samstag brav bei 3000 Metern.

Frühstück daheim: Schnittlauchbrot aus aufgetautem Selbstgebackenem und Ernteanteil, Dickmilch mit Blutorangen und Mohn. Internetlesen.

Aus dem Keller holte ich die Umzugskiste mit Sommerkleidung und tauschte den Inhalt gegen Winterkleidung. Ich stellte fest, dass mein Kleidungsbestand gewachsen ist – dabei soll er doch schrumpfen. Gleich mal die beiden Kataloge (Boden und Poetry) ins Altpapier gelegt, in denen ich bereits Sommerkleidung zur Bestellung markiert hatte: Diese Saison gibt’s nichts Neues.

Währenddessen reinigte Herr Kaltmamsell den Balkon und die Balkonmöbel, wir stellten die Pflanzen vom letzten Jahr raus – hiermit ist der Balkon nutzbar. Auch dieses Jahr in kärglicher Form, ohne externe Hilfe wird in diesem Leben nie die geschmackvolle Pracht daraus, wie ich sie bei Nachbarinnen sehe. (Nicht dass mir etwas fehlen würde.)

Die Balkontür stand offen bis nach Sonnenuntergang, es war mild genug dafür.

Zum Nachtmahl bereitete ich Dampfnudeln zu.

Ich servierte mit Zwetschgenröster und Vanillesoße.

§

Die 20-Uhr-Tagesschau machte gestern auf mit einem Busunglück auf Madeira mit zahlreichen Todesopfern, das bereits am Vorabend vermeldet worden war. Erst an dritter Stelle thematisierte die Redaktion, dass es im noririschen Derry/Londonderry seit Tagen gewalttätige Ausschreitungen gibt (Karfreitag ist ja ein geschichtsträchtiger Anlass).1 Überhaupt in die Tagesschau schaffte es der Wiedergänger der troubles, weil eine junge Journalistin dabei ums Leben gekommen war: Lyra McKee.

Durch das Brexit-Schlamassel wird in letzter Zeit der Bürgerkrieg in Nordirland wieder Thema. McKee schrieb 2016 über ein auf den ersten Blick paradoxes Detail: Nach der Friedensvereinbarungen stieg die Selbstmordrate unter jungen Menschen in Nordirland stark an.
„Suicide of the Ceasefire Babies“.

via @Christiane

  1. Beim Recherchieren stieß ich auf den Umstand, dass die Democratic Unionist Party (DUP) dieses Abkommen nicht unterzeichnet hat. Dieselbe DUP, die derzeit Nordirland im britischen Unterhaus vertritt. /o\ []
die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 18. April 2019 – Migräne-Reboot

Freitag, 19. April 2019 um 8:56

Bäm, dann doch mal wieder eine Migräne in den frühen Morgenstunden. Ich brach sie mit Triptan, schlief ein und war beim Weckerklingeln um sechs fit genug zum Aufstehen. Da ich kein akutes Bedürfnis hatte, bitte jetzt gleich zu sterben, da ich mich aufrecht halten konnte, erklärte ich mich für arbeitsfähig. Den Fußweg in die Arbeit musste ich allerdings sehr langsam absolvieren.

Auf Twitter verglich @FrauZiefle, eine Leidensgenossin, das postmigränale SchbinnWrack-Gefühl mit einem Reboot. Das gefiel mir sehr gut, zum Beispiel war also auf dem Arbeitsweg GEHEN noch nicht ganz hochgefahren.

Bislang war ich gewohnt, dass ich nach einer Migränenacht spätestens gegen drei Uhr nachmittags wiederhergestellt war. Gestern nicht, ich hing bis abends in den Seilen.

Mittagessen: Gelbe Paprika und Almkäse vom Klenzemarkt, nachmittags vorgeschnittene Mango und Blutorange.

„Wegen eines Streiks in der Druckerei“ hängen seit einigen Wochen die Seiten der Süddeutschen nicht wie gewohnt. 1. fällt mir auf, dass ich über diesen Streik sehr wenig lese oder höre, hier ein Artikel vom März. 2. bekam ich diese Woche einige Male die lokalen Aufmacherseiten aus Fürstenfeldbruck, Ebersberg, Wolfratshausen, Freisind, Starnberg, Dachau. Erding – sehr interessant. Themen: Klimawandel, Flüchtlinge vor Ort, heimische Großunternehmer, heimischer Fremdenverkehr, Mikroplastik vom Kunstrasen auf dem Sportplatz, Europawahl, Seelsorge zu Ostern.

Ich machte früh Feierabend und spazierte durchs Westend zum Hertie am Bahnhof. In der Gollierstraße blühte es aufs Schönste.

Im Kaufhaus ersetzte ich eine mittelgroße Glasschüssel, deren Abhandenkommen ein überraschend großes Loch in meinen Alltag geschlagen hatte: Sie war immer so perfekt für Kartoffelsalat und Mousse au Chocolat, dass sich jede andere Schüssel im Haushalt ungenügend anfühlte. Außerdem war vergangene Woche auch die große aus einem zweiteiligen Rührschüsselset zerbrochen (die kleine schon vor Jahren), ich kaufte beide. Die mittlere Standardrührschüssel bleibt seit 33 Jahren dieselbe; ich hatte mir gleich nach dem Auszug aus dem Elternhaus das billigste Exemlar beim Woolworth besorgt.

Daheim ließ ich mich von Herrn Kaltmamsell pflegen und verwöhnen: Er servierte auf meinen Wunsch Carbonara, ich machte dazu aus Ernteanteil einen Salat mit Radieschensprossen an, gleich in der neu erworbenen Glasschüssel (die zudem perfekt ist für kleine Salatportionen).

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„The Oldest Person Living With HIV Turns 100“.

Von Facebook, dort kommentiert mit „Science works!“. Der Esoterikerwitz dazu schreibt sich praktisch von selbst: „Aber mit Homöopathie wäre er schon 110 geworden!“

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Sehr coole Grafik zum Brand in Notre Dame und seinen Folgen im El País auf Twitter.

via @Croco_dylus

Hier der Artikel dazu, mit weiteren Erklärungen und Grafiken:
„Balance de daños de Notre Dame“.

(Castellano ist schon eine arg martialisch klingende Sprache: „Los rosetones“ für die Fensterrosen klingt wirklich nicht wie die filigranen Glaskunstwerke, die es bezeichnet.)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 17. April 2019 – Benommen

Donnerstag, 18. April 2019 um 6:31

Nach dem Wecken wieder sehr benommen, trotz ausreichend Schlaf, das ist für mich ungewohnt. Im Grunde fühlte ich mich verkatert, nur dass kein Alkohol beteiligt war.
Eine Folge: Ich vergaß, dem wenig später aufgestandenen Herrn Kaltmamsell Milchkaffee zu servieren. Bis er sich gespielt schüchtern neben mir am Bücherregal herumdrückte: „Please, Sir…“

Auf der Theresienwiese in München wird ja gerade das Frühlingsfest aufgebaut. Als ich den Aufbau gestern passierte, sah ich dazwischen einen Aufbauarbeiter (Capo?) auf einem Segway umhersausen – hier anweisend, dort grüßend, auch mich. Niedliches Detail am Rande: Ihn begleitete/umhüpfte ein mittelkleiner Hund.

Der Bavariapark hat bereits den Biergarten ausgeklappt.

Ich hatte den Friseur gebeten, meinen Scheitel auf die andere Kopfseite zu verlegen (aus Gründen). Interessant, wie oft mich das den Tag über aus der Routine brachte. (Nachgesehen: Auf die vorherige, eigentlich nicht natürlich fallene Seite hatte ich ihn vor gut Jahren für den Undercut gelegt.)

Zu Mittag restliche Bean Burger Patties vom Vorabend und köstliche Tarocco-Orangen – nachdem ich die ganze Saison keine wirklich guten Zitrusfrüchte bekommen hatte, entschädigen mich an deren Ende die Blutorangen. Als Snack eine Hand voll Mischnüsse.

Auf dem Heimweg Einkaufsrunde beim Vollcorner, Stopp bei meiner Bank.

Herr Kaltmamsell servierte zum Abendbrot Graupotto mit Pastinake, Karotte, Saubohne, (komplett geschmacksneutralem) Sommertrüffel, das meiste davon aus Ernteanteil.

Einen Eintrag fürs Techniktagebuch geschrieben, über den Haarsauger bei meinem Friseur.

Ich lass mal einen Link hier: Eine Techniktagebuchredakteurin ließ fallen, dass es Taschen aus Feuerwehrschläuchen gibt. KRAHAISCH! Einmerker für den nächsten Arbeitstaschenwechsel.

§

Das Feuer in Notre Dame regt viele Menschen an, die Erinnerungen zu erzählen, die sie mit dieser Kirche verbinden. Diese hier finde ich besonders schön:
„Erinnerungen an Notre Dame“.

via @MlleReadOn

§

„Sara Hassan: ‚Wir sehen nie, wo sexuelle Belästigung beginnt'“.

Im Nachhinein wird es vielen Frauen oft klar: die ersten Anzeichen, das erste Unbehagen. Wenn der Chef lieber immer allein – ohne KollegInnen – mit ihr arbeiten wollte, immer wieder Komplimente äußerte, mal sachliche über ihre Arbeit, mal völlig deplatzierte, sexuell eingefärbte. Und irgendwann steckt man so sehr in einem Strudel von zu spät oder nicht reagieren, dass man sich selbst die Schuld gibt, wenn es zu drastischeren Übergriffen kommt.

Die EU-Mitarbeiterinnen Sara Hassan und Juliette Sanchez-Lambert haben ab 2015 zahlreiche Gespräche mit Frauen, die so etwas erlebt haben, geführt und schließlich die Gemeinsamkeiten aus den viele Geschichten über sexuelle Belästigung in einem Guide zusammengefasst. In „It’s Not That Grey“ definieren sie sowohl Kontexte, die Übergriffe begünstigen – zum Beispiel hohe Hierarchien –, wie auch verbreitete Strategien von Belästigern. So solle es Betroffenen ermöglicht werden, übergriffige Situationen früher zu erkennen, um rascher reagieren zu können.

(…)

Hassan: Wir haben den Begriff der „Grauzone“ ganz bewusst gewählt – und unser Guide soll durchaus eine Kampfansage an diese Grauzone sein. Die Grauzone wird gern als etwas schöngeredet, das einer romantischen Anbahnung inhärent ist. Das geht sich aber nur dann aus, wenn man die Perspektive der Betroffenen völlig ausblendet. Wenn man sich die Berichte der von sexueller Belästigung Betroffenen anhört, stellt sich heraus, dass der Graubereich eigentlich nicht besonders grau ist. Unklarheiten und Spannungen gibt es in sozialen Beziehungen natürlich immer – es ist nicht alles eins oder null. Aber wir wissen, dass Belästiger diese „Unklarheiten“ auch ganz gezielt einsetzen, sie nutzen, um zu sehen, wie weit sie gehen können.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag,16. April 2019 – Milde Ergrünung

Mittwoch, 17. April 2019 um 7:03

Der frühe Wecker wegen Sportplänen ließ mich benommen aufstehen. In der Stunde zwischen Aufstehen und Sportbeginn wurde ich aber ausreichend wach: Ich hob mich und Hanteln mit Vergnügen.

Ein schöner, sonniger Tag, langsam wird es wieder milder.

Das Frühlingsfest wird aufgebaut.

Über den Tag immer wieder nachgesehen, wie es Notre Dame in Paris ging: Das große Feuer der Nacht zuvor hatte wohl weniger unwiederbringlich zerstört, als es zunächst ausgesehen hatte. Und erstaunlich viele Leute wusste Erstaunliches an Hintergrund zu berichten, under anderem hatte Twitterer @_theek_ mal in einem Vortrag über Katastrophenpläne gelernt, wie das Vorgehen der Pariser Feuerweher in genau diesem Fall aussah (und dass in Versailles Bäume für den Dachstuhl von Notre Dame wachsen).

Brotzeit: Ofenspargel vom Vorabend mit Manouri, später Nachmittsgssnack Birnen mit Quark.

Nach Feierabend spazierte ich zum Friseur; auf meinem strammen Marsch braucht ich sehr schnell keine Jacke mehr. Nicht nur bekam ich wieder einen ausgezeichneten Haarschnitt, sondern auch wieder hochinteressante Gespräche, diesmal unter anderem über schädliche Dynamiken in Familien (Herr Friseur Frank hat sich mittlerweile über lange Zeit zum Coach ausbilden lassen).

Daheim erwartete mich Herr Kaltmamsell mit sehr wohlschmeckenden Bean Burgers (halt ohne Bun, aber die mochte ich noch nie besonders).

§

Margarete Stokowski berichtet, dass auf ihren Lesungen der letzten Jahre (also aus Untenrum frei und Die letzten Tage des Patriarchats) eine der meistgestellten Fragen war, was Männer für den Feminismus tun können. Sie hat da also mal eine kleine, unvollständige Liste gemacht:
„Wie kann ich als Mann Feminist sein?“

Wenn Sie das eh schon alles machen: Danke für die Unterstützung!

§

Umwelttipp des Tages:
„Warum man Schafe manchmal schubsen muss“.
(Mit Filmanleitung.)

via @franziskript

§

Es heißt ja, gut Geschichten passierten nur Menschen, die sie gut erzählen können. Beweisstück A: Das Blog von novemberregen. Beweisstück B:

Link zur ganzen Geschichte.

via @stephenfry (der sich in den vergangenen Tagen wieder ein bisschen mehr auf Twitter sehen lässt – bitte nicht verschrecken)

die Kaltmamsell

Journal Montag, 15. April 2019 – Von Facebook zu Face to Face

Dienstag, 16. April 2019 um 5:37

Temperaturen weiterhin sehr frisch.

Auf dem Weg in die Arbeit begegnete ich an der Theresienwiese einem alten Bekannten, mit dem ich zufällig am Vorabend per Facebook kommuniziert hatte (nachdem ich voher Monate lang nichts mit ihm zu tun hatte und nur alle paar Monate etwas auf Facebook poste). Er entschuldigte sich, dass er meine jüngste Antwort noch nicht gelesen habe – ich sagte sie ihm mündlich.

Der Tag wurde immer sonniger; als ich das Bürohaus verließ, knallten mich die Frühlingsfarben nur so an.

Auf dem Heimweg Einkauf beim Verdi fürs Abendessen – der Süpermarket war voll, als wäre schon Gründonnerstag.

Alleiniges Abendessen: Grüner Spargel im Ofen gegart, mit roten Paprika aus dem Glas und mit ein wenig Käse überbacken.

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Juna von Irgenwie jüdisch macht sich Gedanken über „Fridays for future“ – aus der Sicht von jemandem, die die DDR-Umweltbewegung miterlebt hat:
„Ein paar ungeordnete Gedanken zu #fridaysforfuture“.

§

Ein Weltspiegel-Bericht:
„Spanien: Pontevedra – ein Paradies für Fußgänger“.
Man hat dort konsequent Autos aus der Innenstadt verbannt.

via @claudine

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Ausführlicher Artikel im spannenden Online-Magazin Low-tech, warum eine traditionelle asiatische Schubkarre ganz anders aussieht als eine westliche und ihr weit überlegen ist.
„How to Downsize a Transport Network: The Chinese Wheelbarrow“.

via @kathrinpassig

Compared to a two-wheeled cart or a four-wheeled wagon, a wheelbarrow was much cheaper to build because wheel construction was a labour-intensive job. Although the wheelbarrow required a road, a very narrow path (about as wide as the wheel) sufficed, and it could be bumpy. The two handles gave an intimacy of control that made the wheelbarrow very manoeuvrable.

Mit vielen historischen Fotos, einem historischer Abriss der Entwicklun von Verkehrswegen – und immer schön mit Einordnung der Beweislage.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 14. April 2019 – 4000 Meter geschwommen und Beifang aus dem Internet

Montag, 15. April 2019 um 6:54

Wieder ausgeschlafen, aber mit Kopfweh aufgewacht. Ich fürchtete schon, dass ich das Glas Rotwein vom Vorabend mit Migräne würde zahlen müssen, doch eine Aspirin vertrieb das Kopfweh.

Meine Kopfkissen gewaschen: Im frischen Sommerüberzug merkte ich erst, wie verschwitzt und versabbert sie müffelten.

Ich freute mich auf eine Schwimmrunde. Es war kalt geblieben, für die Fahrradfahrt zum Olympiabad trug ich Winterjacke, Mütze und Handschuhe.

Ich schwamm leicht und kraftvoll los. Nach 2000 Metern brauchte ich eine Pinkelpause. Als ich zurück ins Becken kam, fühlte sich das Schwimmen an, als sei ich gerade erst warm geworden. Also testete ich, ob der Spaß auch für nochmal 2000 Meter reichte – jederzeit bereit, wegen Schmerzen (Nacken oder Bandscheibenbein), Verschlucken oder Langeweile aufzuhören. Doch die 4000 Meter waren gar kein Problem. So viel war ich noch nie geschwommen.

Das war ein tolles Gefühl, das den ganzen Tag anhielt – auch als ich abends merkte, dass ich wahrscheinlich einen Muskelkater davontragen würde.

So kam ich natürlich noch später nach Hause, mein Frühstück nahm ich erst nach drei.

Nachmittags bei grauem Himmel gelesen, Wäsche gewaschen. Fürs Abendbrot sorgte Herr Kaltmamsell und servierte „Pizza rustica“ nach Rachel Roddy, eher einen Pie.

Schmeckte sehr gut (wenn auch gar nicht italienisch), nachdem Herr Kaltmamsell große Mühe mit dem Teig gehabt hatte.

Im Fernsehen kam Doctor Strange; ich guckte, bis mein Liebling, der cloak of levitation seinen großen Auftritt hatte.

§

Man könnte es nicht schlechter erfinden: Dr. Katie Bouman, die Wissenschaftlerin, die mit ihrem Team hinter dem Algorithmus für die erste Fotografie eines schwarzen Lochs steht, war den Frauenhassern wohl zu sichtbar. Also starteten sie die Verleumdungskampagne, dass der Algorithmus in Wirklichkeit von jemandem anderem stamme (einem Mann).

Mehr dazu.

§

Langer Text im New Yorker, aber ausgezeichnet und nahbar geschrieben. Wenn Sie auch nur das leiseste Interesse an Dinosauriern oder Erdgeschichte haben: Empfehlung.
„The Day the Dinosaurs Died“.

Ich habe daraus sehr viel gelernt: Unter anderem, dass die These, Dinosaurier seien durch den Aufprall eines gigantischen Asteroiden ausgestorben, keineswegs so lange Schulmeinung ist, wie ich es angenommen hatte – das ist sie erst seit 2010. Dass sie immer noch umstritten ist, weshalb, und welche Entdeckung sie jetzt tatsächlich belegen könnte.

§

Verdammt, wieder eine etablierte Annahme gesprengt:
„Your cotton tote is pretty much the worst replacement for a plastic bag“.

via @kriegundfreitag

Dass dünne Plastiktüten umweltfreundlicher sind (über den gesamten Lebenszyklus gerechnet) als Papiertüten, wusste ich (und bin entsprechend ungehalten, dass mancher Biosupermarkt Papiertüten forciert). Das dänische Umweltministerium hat 2018 alle Transporttaschen für Einkäufe auf ihre Umweltbelastung über den gesamten Lebenszyklus durchgerechnet, also von Herstellung (inklusive Rohstoffbezug) bis Vermüllung. Und alle vorherigen Untersuchungen bestätigt, in denen ausgerechnet die beliebten Baumwolltaschen am schlechtesten abschneiden: Wenn sie auch noch aus Biobaumwolle hergestellt wurden, müsste man sie 20.000 Mal verwenden, bis sie die Umweltbelastung einer dünnen Plastiktüte unterschreiten. Biobaumwolle schneidet deshalb am schlechtesten ab, also noch schlechter als konventionell angebaute, weil weniger Ausbeute pro Quadratmeter Fläche und deshalb höherer Aufwand an Ressourcen wie Wasser.

Und jetzt?

The simplest advice for individuals seems to be this: Whatever you have in your house now — be it a pile of cotton totes, or a jumble of plastic bags — don’t throw them out. Keep using them until they fall apart. Whatever the material, use it as a garbage bag once you can’t use it for other purposes any more. And whatever you do, try not to buy new ones.

Übersetzt: Benutzen sie alles, was sie im Moment schon im Haus haben, so lange wie möglich – egal ob Plastik, Papier oder Stoff. Hauptsache Sie holen sich nichts Neues.

die Kaltmamsell

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