Journal Freitag, 5. Juni 2026 – #WMDEDGT: St. Brück mit Reise weit nach Norden

Samstag, 6. Juni 2026 um 8:58

Wie an jedem 5. des Monats fragt Frau Brüllen wieder “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” und sammelt die Antworten unter #WMDEDGT? in ihrem Blog.

Auch diesmal nahm mein Körper die Chance auf reichlich Schlaf nicht an: Lang nicht eingeschlafen, oft aufgewacht, und die Nacht war zu Arbeitstagszeit zu Ende – da hatte auch das als beruhigend geltende Regenrauschen vorm Fenster nicht geholfen.

Kalt war es, ich brauchte dicke Socken beim Morgenkaffee. Nach frühem Aufstehen und Bloggen tritschelte ich herum, denn der Ausflug mit Herrn Kaltmamsell nach Oldenburg war bereits gut vorbereitet, ich brauchte keine zusätzliche Zeit. Die Abfahrt um die Mittagszeit verschaffte mir die Möglichkeit eines Isarlaufs, der Regen war mir egal.

In Regenlaufjacke und mit Schirmmütze nahm ich eine U-Bahn zum Hofgarten.

Der Regen hatte gerade aufgehört, setzte auch nicht mehr ein.

Ich lernte: Nasser Lindenblütenduft ist besonders fein.

Oben am Monopteros war mir die Jacke bereits zu warm: Ich rollte sie zusammen und wickelte sie um den Bauch, lief in Kurzarmshirt weiter. Auf leeren Wegen trabte ich an die Isar, lief nach Norden. Doch weder Körper noch Geist wollten in Selbstvergessenheit finden, das Laufen fühlte sich wie Arbeit an. Kein Grund irgendwas abzukürzen, wenn ich schon mal unterwegs war, dann halt als Sport.

Zurück daheim war ich rechtzeitig für gemütliches Packen und gemütlichen Spaziergang zum Münchner Gleisende, holte mir wie geplant einen Mittagscappuccino. Pünktliche Abfahrt.

Hopfen-Check in der Holledau. Auch dieses Jahr viele unbestellte Hopfengärten.

Ereignislose Reise bis Hannover, ich las Zeitung, auch liegengebliebene Teile von Vortagen, und um halb drei brotzeitete ich Apfel und Hüttenkäse. Langes Sitzen aber ist für mein Kreuz und meine Hüften einfach gar nichts.

Wenn man in Hannover umsteigt, noch dazu mit so viel Zeit wie wir sie hatten, dann – so hat man mir beigebracht – holt man sich ein Mettbrötchen. Ich denke sonst nie an Mettbrötchen, aber auf dieses freute ich mich seit Tagen.

Außerdem habe ich gelernt: Knappe Anschlüsse bei Verspätung immer dennoch versuchen. Das bewährte sich bei der verzögerten Ankunft in Bremen: Die App hatte ein Erreichen des Anschlusszugs bereits als unmöglich deklariert, wir schafften ihn dennoch. Allerdings beherzigten diesen Rat so viele Menschen aus nicht nur unserem verspäteten Zug, dass die Abfahrt sich um fünf Minuten verzögerte: “Wegen hohem Fahrgastaufkommen.” Der Zug war bummvoll, noch voller als die Regionalbahn von Hannover hierher gewesen war.

Auch das hatte ein Ende, nur wenige Minuten später als im Reiseplan trafen wir in Oldenburg ein – wo es nach einigem Regenprasseln an die Zugfenster in der vorherigen Stunde sogar trocken war. Diesmal hatte ich aus einem Impuls heraus Herrn Kaltmamsell die Reiseplanung und -buchung zugeschoben, er hatte als Unterkunft ein Ferienapartment in Bahnhofsnähe gebucht.

Fürs Abendessen hatten wir die Zutaten eingesteckt, Herr Kaltmamsell machte sich umgehend an die Zubereitung.

Und so standen keine 45 Minuten nach unserer Ankunft am Bahnhof noch vor halb zehn Orecchiette mit Ernteanteil-Brokkoli auf dem Tisch, eine große Freude. Zum Nachtisch hatte ich bei Ankunft noch schnell zwei Schokoriegel besorgt, alles hatte seine Ordnung. Zwar vorhergesehen, dennoch erstaunlich: Wie viel länger hell es hier oben im Norden ist, das wird am Samstag eine wunderbare Gartenparty.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 4. Juni 2026 – Fronleichnam mit Wackelwetter

Freitag, 5. Juni 2026 um 6:42

Die Nacht auf den bizarrsten katholischen Feiertag1 war mittelgut, nach dem dritten Aufwachen zu Arbeitsweckerzeit legte ich mich energisch nochmal hin und schaffte eine zusätzliche Stunde.

Aufgestanden zu sonnigem Wetter, aber kühler Luft – viel zu kühl für Balkonkaffee. Was dennoch ging: Eine Schwimmrunde im Dantebad mit Option auf anschließendes Sonnenbad, Hinradeln über die Nymphenburgerstraße mit der Hoffnung, auf eine Prozession zu treffen – vergeblich.

Wenn ich mich richtig erinnere, hatte mein Kommionkleid (von meiner Mutter genäht, allerdings im Jahr zuvor für die Tochter einer Freundin, in diesem Jahr an mich weitergereicht) auf der Fronleichnamsprozession meines Erstkommionsjahrs seinen letzten Einsatz, der jeweilige Jahrgang war zur Teilnahme beordert.

Für die kühlen Temperaturen war das warme 50-Meter-Becken des Dantebads überraschend dicht beschwommen (im Sommer gibt es ein weiteres, weniger geheiztes). Ging schon, ich fühlte mich aber nicht sehr fit und die Strecke zog sich. Am Ende meiner 3.100 Meter war der Himmel geschlossen bewölkt, es ging ein kühler Wind – also gründliche Reinigung, Eincremen und Umziehen fürs Heimradeln.

Dass es auf dem Rückweg doch nochmal richtig sonnig wurde, war halt dann so, zu spät.

Zum Frühstück kurz vor zwei gab es Pfirsich mit Joghurt sowie zwei unterwegs besorgte Körnersemmeln mit Butter und Marmelade. Davon fühlte ich mich völlig überfressen, als hätte ich nach einem italienischen Menü mit allem auch noch das Minzblättchen genommen – so viel war das doch nicht?

Kleine Siesta, Zeitunglesen auf dem Balkon, Bügeln auch in Vorbereitung auf unsere Geburtstagsfeierreise am freien Freitag (einmal Pfingstferien, einmal St. Brück) nach Oldenburg – aktuell ließ die Wettervorhersage für ein Gartenfest eher robuste Kleidung ratsam erscheinen, wenn auch nicht Mütze und Schal.

Zum Abendessen eine Variante des Nachtmahls vom Vorabend, allerdings nur für eine, denn Herr Kaltmamsell war aushäusig: Eine Artischocke aus Crowdfarming (die Lieferung enthielt diesmal fünf Stück – versuchen die, einen Keil zwischen die Kundschaft zu treiben?) mit Knoblauch-Joghurt, den restlichen Salat mit Zitronen-Tahini-Dressing. Nachtisch Erdbeeren und Schokolade. Draußen wurde das Wetter so richtig regnerisch.

Im Fernsehen ließ ich auf 3sat Die Witwe Clicquot laufen: Interessant erzählter Plot, allerdings fand ich die Bilder und Perspektiven enttäuschend vorhersehbar, Schublade Kostümfilm, ich hätte mir mehr Mut und weniger Konvention gewünscht, auch in der Regie – mehr wie die Musik von Bryce Dessner.

  1. Interessant, dass er in dem verlinkten Artikel als mögliche “‘Machtdemonstration’ der Katholiken” bezeichnet wird: Genau das war meine Vermutung, da ja ein Kern des Protestantismus ist, die Transsubstantiation zu verneinen, mit der an Fronleichnam extrig rumgewedelt wird. []
die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 3. Juni 2026 – Ende der Drei-Tage-Arbeitswoche mit Regen

Donnerstag, 4. Juni 2026 um 8:04

Ein Mittwoch mit Aussicht auf langes Wochenende, also ein Freitag ehrenhalber – ich wurde in Unwilligkeit geweckt und freute mich auf die Aussicht Ausschlafen am Folgetag.

Das Draußen stimmte jetzt mit der Vorhersage überein: Es war sehr kühl, und der gemischt dunkelgraue Himmel machte die angekündigten Regenschauer wahrscheinlich. In die Arbeit kam ich fast trocken, erst auf den letzten 50 Metern erwischten mich Tropfen.

Sehr emsiges, aber geordnetes Losarbeiten – bis ein Querschuss mich in Hektik versetzte. Scharfsinn, Festbeißen und freigebige Kolleginnenhilfe führten unerwartet zügig zu einer Lösung: tiefe Erleichterung, zu oft brauche ich sowas echt nicht.

Marsch zu Mittagscappuccino in einer Regenpause – fast: Auf dem Hinweg bewarf mich der Himmel mit einigen dicken Regentropfen, auf dem Rückweg wurde ich kurz angesprüht.

Eher spätes Mittagessen: Apfel, Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot – von mehreren Querschüssen unterbrochen, zum Glück erst, als ich schon beim Skyr war, der sich schnell runterschlucken ließ, um ans Telefon zu gehen (ja, ich habe einen Job mit Telefonieren – und mich mittlerweile daran gewöhnt). Der Arbeitsnachmittag zog sich unangenehm.

Eher früher Heimweg, auf dem ich zunächst einen Regenschirm benötigte. Erstmal machte ich an der Änderungsschneiderei Halt: Man hatte einen Weg gefunden, den zu engen neuen Rock passend zu machen.

Ganz wunderbar, jetzt kann ich ihn endlich tragen – den jetzt besonders teuren Rock, der mich hoffentlich lehrt, im Zweifel immer eine Nummer größer zu bestellen (nein: gleich eine Auswahl an Größen zu bestellen und immer eine Rücksendung zu verursachen, ist für mich aus Umstands- und Umweltgründen keine Option).

Dann Einkauf im Weinladen (wieder eine Empfehlung eingefangen und umgesetzt – aber wenn sie doch bislang immer so super waren!) und in der Balkanbäckerei. Jetzt war die Regenphase wirklich vorbei, ich steckte den Schirm ein.

Daheim Yoga-Turnen, dann machte ich mich an die Zubereitung des Abendessens zur Feier des langen Wochenendes. Herr Kaltmamsell reichte als Aperitif Pimm’s an, dessen Existenz wir vorübergehend vergessen hatten, während ich zwei große Crowdfarming-Artischocken fürs Kochen zurichtete, Knoblauch-Majo anrichtete, Ernteanteil-Salat wusch, für den zweiten Gang damit ein Orangen-Haselnussmusdressing rührte.

Zur Artischocke öffnete ich unsere letzte Flasche Pouilly Fumé Elisa Jonathan Didier Pabiot 2022 – der mit seiner Mineralizität und Unblumigkeit ganz hervorragend zu den legendär schwer zu kombinierenden Artischocken passte. Auch der Salat schmeckte gut. Ich schaffte sogar noch Schokolade zum Nachtisch, war dann aber überfressen.

Ins Bett mit großer Freude auf Feiertag und Ausschlafen.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 2. Juni 2026 – Arbeitsdienstag mit “KI”-Komik

Mittwoch, 3. Juni 2026 um 6:20

Guter Nachtschlaf, ich hatte halt die Fenster geschlossen gegen Lärmstörungen.

Kühler Morgen, erstmal Wäsche aus der programmierten Maschine aufgehängt.

Für den Marsch in die Arbeit weiterhin nur leichte Jacke notwendig.

Emsiges, aber geordnetes Losarbeiten. Allerdings machen meine Haare mich derzeit wahnsinnig, ich bin wieder kurz vor Corona-Frise und kramte nach Haarklammern in meiner Büroschublade (noch zwei Wochen bis Schnitt).

Interne Pflicht-Schulung zu “KI” (aufgezeichnet), natürlich mit (weiblicher) KI-Stimme erklärt. Die “KI” meist wie “Kai” aussprach (“Kai lässt sich nicht ignorieren”). Kai wird sich für viel verantworten müssen.
Sie sagte auch: “Maßstäbe für eine essenziehle Zukunftstechnologie” – tihihihi.
Einerseits: Damit wird transparent gemacht, dass hier kein echter Mensch spricht.
Andererseits: Ich war völlig abgelenkt vom Schulungsinhalt, weil ich auf weitere Fehler lauerte.

Aus Termingründen Mittagscappuccino aus der Cafeteria, später nahm ich mir aber die Zeit für einen Marsch um die Blöcke – entgegen der Vorhersage war es wieder deutlich über 20 Grad warm geworden.

Mittagessen: Apfel, Mango mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot.

Mittel unruhiger Arbeitsnachmittag.

Heimweg unter immer dunklerem Himmel, nur wenige Besorgungen.

Daheim eine neue Folge Pilates mit Gabi Fastner geturnt: Anstrengend (aber anders anstrengend als Kraftübungs-Wiederholungen – eher wie körperliche Betätigung), wieder interessante neue Übungen. Kurz darauf begann es zu regnen, hurra! Hielt aber wieder nicht lange an.

Ernteanteilreste zum Nachtmahl: Kartoffelbrei, Karottensticks aus dem Ofen, dazu Kräuterdip – und dazu hatte ich mir Lamm gewünscht, das ich in Form von gebratenen Lammbeinscheiben bekam. Gut! Nachtisch Lidl-Eiscreme.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Schöner Artikel über unser Kartoffelkombinat, der die Genossenschaft auch in die Bewegung Solidarische Landwirtschaft einordnet – bei dieser Gelegenheit habe ich gelernt, dass wir die größte in Deutschland sind und dass sie in Japan heute Millionen Menschen mit ökologischem Obst und Gemüse versorgt.
“Großer Betrieb, große Visionen”.

§

Der Berliner Fotograf Rainer Christian Kurzeder porträtiert queere Söhne und ihre Väter. Die taz hat mit ihm über sein Projekt gesprochen:
“‘Sollen wir uns umarmen?'”

Ich glaube, dass die Themen Intimität und Männlichkeit bei queeren Söhnen noch einmal eine andere Dimension haben. Natürlich gibt es Nähe und Distanz in vielen Vater-Sohn-Beziehungen. Aber wenn ein Sohn sich outet, stellen sich oft zusätzliche Fragen. Manche Väter fragen sich vielleicht, ob sie ihr eigenes Verständnis von Männlichkeit oder ihre Erwartungen an einen Sohn neu betrachten müssen.

§

100. Geburtstag von Marilyn Monroe, der ikonischsten weiblichen Ikone direkt nach Maria Muttergottes.
Mir imponiert sie, seit ich von ihrem Bürgerrechts-Engagement lernte (das auf Wirkung zielte, nicht auf PR).
Erst in Artikeln zu ihrem 100. Geburtstag erfuhr ich, dass Monroe es auch mit dem Hollywood-Studiosystem aufnahm, genauer: mit Twentieth Century Fox.
“Marilyn Monroe, the Hollywood studio system, and the law of contract”.

This exercise in autonomy and agency does not accord with common views of Monroe as not being in control, but it does accord with the facts of 1953-56.

After her victory, Monroe went about setting up her own production company and entering into negotiations with the likes of Laurence Olivier and Terrence Rattigan.

In diesem Blogpost auch die Geschichte, wie sie Ella Fitzgerald den Rücken stärkte. (Und der Hinweis, dass Marilyn Monroe derselbe Jahrgang ist wie Mel Brooks – ab sofort stelle ich mir die beiden in einem Film vor.)
Mit ihrer speziellen Art von Artifizialität kann ich allerdings immer noch nichts anfangen – auch wenn ich Monroes Kreativität daran bewundere.

via @daszeiserl

die Kaltmamsell

Journal Montag, 1. Juni 2026 – Abgekühlter Arbeitsmontag

Dienstag, 2. Juni 2026 um 6:17

Eigentlich tief geschlafen, rausgerissen worden von Gebrüll im Park, zu erfreulichem Regenrauschen aber schnell wieder eingeschlafen.

Beim Aufstehen war es draußen sehr frisch, endlich wieder Jäckchen über Frühlingskleid für den Weg in die Arbeit. Schirm brauchte ich keinen, aber der nächtliche Regen war noch gut auf den Wegen und Straßen zu sehen. Erste Ahnungen von Lindenblütenduft, GO! GO! GO!

Dieses Jahr schaffe ich es wohl nicht zu einer Oktoberfestflucht. Nach einer ersten Rechercherunde Wandern im Schwarzwald (vielen Dank für Ihre Tipps!) konnte ich mich zu keiner Feinrecherche aufraffen und merkte: Dieser Sommer ist so voll, dass sich eine weitere Reise Ende September / Anfang Oktober wie Anstrengung anfühlt. Die Urlaubstage, so die derzeitige Idee, verwende lieber für einen Ausflug mit Herrn Kaltmamsell in den Allerheiligenferien und für die Weihnachtsferien. Freuen Sie sich also schon auf wiederholtes und detailliertes Fluchen über den alles überlagernden Oktoberfest-Scheiß in meiner Ecke Münchens.

Wieder mal so viel Unbehagen in Hüfte, LWS, Unterleib, dass ich häufig zwischen sitzendem und stehendem Arbeiten wechselte, ohne wirklich Erleichterung dadurch zu erzielen. Emsiger Arbeitsvormittag.

Marsch zu Mittagscappuccino in frischer Luft, ich wäre gerne viel weiter gegangen.

Spätes Mittagessen, verschoben wegen einer Besprechung: Ein Lagerapfel aus Ernteanteil – der immer noch mehr Geschmack lieferte als die bisherigen Aprikosen und Pfirsiche. Außerdem Rote-Bete-Salat, dem der untergemischte frische Majoran (war halt auch im Ernteanteil) ausgezeichnet stand.

Emsiger Nachmittag, aber auch der hatte ein Ende. Suchmaschine in Arbeit und daheim auf DuckDuckGo umgestellt, denn ich brauche eine WEB! SEARCH!, nicht die sprachliche Höchstwahrscheinlichkeit von Assoziation mit meinen Suchbegriffen, auf die Google umgestellt hat. (Und wenn man das in Zukunft trennte? Hier Suchmaschine, dort Antwortmaschine?)

Auf dem milden Heimweg ohne Jacke und mit stellenweise Lindenblütenduft kaufte ich gründlich Schokolade nach (darauf hatte ich mich seit Stunden gefreut), dann unverarbeitete Lebensmittel beim Vollcorner.

Daheim eine Runde Yoga – viel Schnaufens war gestern durchaus passend. Aber ich ließ mir von Herrn Kaltmamsell eine ganze Reihe Gabi-Fastner-Pilates runterladen, ich möchte häufiger wechseln.

Für Nachtmahl nahm sich Herr Kaltmamsell die beiden großen Pakchoi aus Ernteanteil vor und servierte sie mit asiatischen Kräutern, Ingwer, restlichem Kimchi, Udon-Nudeln, Räuchertofu, Ernüssen – und weiterem Zeuch.

Großer Genuss. Nachtisch Nr. 1 Erdbeeren (sie werden immer besser), Nachtisch 2 Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen. In Louise Erdrich The Sentence bricht Mitte des Romans die Corona-Pandemie herein, mit all dem Nicht-Wissen, der Unsicherheit, dem Rumprobieren und der Mögliches-Weltende-Stimmung, nur halt in den USA. Einerseits ganz nah, ich war schließlich dabei, andererseits ganz weit weg, eine andere Welt.

§

Weil der Inhalt ja nicht von mir ist, verlinke ich mich mal selbts:
Die Twitter-Lieblinge von vor zehn Jahren waren wirklich gut.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 31. Mai 2026 – Sommerhitze unvermutet

Montag, 1. Juni 2026 um 6:22

Ok geschlafen, nur leicht verkatert nach der Feier eines 60. Geburtstags am Vorabend aufgewacht.

Der Morgen draußen sonniger und wärmer als angekündigt, auch ein Gewitter und Regen hatte es nachts nicht gegeben.

Balkonkaffee, die beiden neuen Wasserschüsselchen auf der Brüstung wurden zumindest von einer Amsel und einem Amslerich bereits besucht – beide besonders hübsch und mit einer besonders gekrümmten Oberschnabelspitze, ich bildete mir ein, sie individuell zu erkennen.

Ein Isarlauf würde in Hitze stattfinden, aber ich hatte großen Bedarf an Kopffreikriegen nach dem Vorabend mit Reizüberflutung und innerer Blockade. Schon beim Radeln zum Friedensengel fühlte sich jeder Sonnenstrahl wie ein Fausthieb an, ich nutzte beim Laufen alles, was ich an Schatten kriegen konnte. Ohnehin lief ich so benebelt, dass ich erst nach über einer Stunde den ersten fotografierenswerten Anblick wahrnahm.

Unter der Leinthalerbrücke.

Der Trampelpfad unten an der Isar versprach mehr Schatten als der Schotterweg weiter oben.

Und tatsächlich hatte sich hier sogar Matsch gehalten. Das Laufen strengte mich an und ich war sehr durstig, genehmigte mir ein paar Handvoll Wasser von einem sprudelnden und eingefassten Zufluss. Das waren am Ende ein paar mehr als die geplanten 100 Minuten, doch das Wechseln zum Gehen, das ich meinem Körper mehrfach angeboten hatte, wurde nicht angenommen. Heimradeln in Hitze mit heimischem Wasserhahn vor Augen, es waren gar nicht mal so viele Leute unterwegs (verreist wegen Pfingstferien?).

Die Müncher Robinien sind allen Ernstes duftlos verblüht, in mir regt sich leichte Empörung. Jetzt müssen die Linden aber echt hinmachen.

Zu Hause Wassertrinken, Körperpflege inklusive Pediküre, auch eine große Tasse lösliche Gemüsebrühe trank ich für Salznachschub. Frühstück um halb drei: Etwas Rote-Bete-Salat aus Ernteanteil mit frischem Ernteanteil-Majoran (was halt nicht in das Schraubglas für die Montagsbrotzeit passte), überreife Mango (überraschend, denn die Schale war grün geblieben) mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot. Der Himmel hatte zugezogen, donnernd gegrollt, aber nur ein paar Tropfen Regen gespendet.

Ausführliches Brudertelefonat. Beim anschließenden Internetlesen fühlte ich mich so abgrundtief müde, dass ich mich trotz fortgeschrittenem Nachmittag ein wenig hinlegte.

Eine Yoga-Folge 6, nach einem sonnigen Abschnitt war es draußen wieder düster geworden, erneute Hoffnung auf Regen.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Agretti aus Ernteanteil als Pastagericht, ganz wunderbar. Nachtisch Marzipan und Schokolade. Jetzt regnete es wirklich, Hoffnung auf Ausdauer.

Früh ins Bett zum Lesen. Die Aussicht auf eine Drei-Tage-Woche deutlich weniger belastend als auf fünf Tage, schau an.

§

Manches ist immer noch wie früher. Leider GANZ früher.
Im österreichischen Bezirk Neusiedl warnte die Polizei ganz offiziell vor “fahrendem Volk”.

“Schließen Sie keine ‘Haustürgeschäfte’ ab”, heißt es darin: “Lassen Sie keine fremden Personen in ihr Haus oder ihre Wohnung. Notieren Sie sich, wenn möglich, eventuelle Fahrzeugkennzeichen und Personenbeschreibungen!”

Irene Brickner im Standard:
“Besuch bei durchreisenden Roma in Parndorf: Sie sind zu Recht misstrauisch”.

via crocodylus

Beim selber Hinschauen und Nachhaken (wie sich das für Journalismus gehört) stellt sich dann sogar sehr Interessantes heraus:

Die Gruppe gehöre zum Umfeld der Evangelischen Mission “Vie et Lumière”, die in der 1950er-Jahren in Frankreich entstanden ist, sagt er: einer evangelikalen, stark an der Bibel orientierten Glaubensgemeinschaft, deren Mitglieder nicht nur Sinti und Roma sind, sondern auch Menschen aus vielen anderen Gruppen: Kalderasch, Lovara, Kalé und andere. Allein in Frankreich haben sich rund 100.000 Personen diesem Glauben angeschlossen.

(…)

Evangelikale Glaubensrichtungen ziehen derzeit europaweit auch unter Roma und Sinti viele Menschen an. Das habe wohl mit den weniger hierarchischen Strukturen der Freikirchen zu tun, die das Predigen in der eigenen Sprache und das Singen traditioneller Volkslieder erleichtern, sagt Mirjam Karoly, Politologin und Mitglied des Volksgruppenbeirats für Roma und Sinti in Österreich. In der Regel haben Roma und Sinti die Religionen ihrer Heimatländer übernommen: katholisch in Österreich, orthodox in Serbien, muslimisch in der Türkei. Der Trend zu den Freikirchen sei insofern etwas anderes, auch wenn es dazu keine Forschungsdaten gebe.

§

Mit dem Werk von James Krüss bin ich groß geworden: Sein Buch der sieben Sachen zum Staunen und zum Lachen hat bislang alle Aussortieraktionen überstanden, und die Verfilmung von Tim Thaler hat mich tief geprägt. Auch über den Autor hatte ich einiges gelesen – doch ein zentrales Detail seines Lebens ging auch in den Artikeln zu seinem 100. Geburtstag unter: James Krüss liebte Männer und musste mit den gesellschaftlichen Folgen kämpfen.
“James Krüss zum Hundertsten: Queerness zwischen den Zeilen”.

(Allein schon, dass sein langjähriger Lebenspartner verschwiegen wird, zeigt in meinen Augen, dass Krüss’ Schwulsein sehr wohl relevant ist.)

die Kaltmamsell

Lieblings-Breviloquia* Mai 2026

Sonntag, 31. Mai 2026 um 17:28

Durch meine Berlin-Reise habe ich möglicherweise nicht alle Leckerbissen mitbekommen, aber hier sind schonmal die gefundenen auf Mastodon:

Mein Favorit der Mai-Favoriten:

Immer wieder SO! große taz-Überschriften-Liebe:

Auch auf Bluesky gab’s was:

*siehe

die Kaltmamsell