Journal Dienstag, 6. Januar 2026 – Pfännchenessen revisited

Mittwoch, 7. Januar 2026 um 6:19

Keinen Wecker gestellt trotz Plänen und trotz der Idee, durch frühes Wecken schonmal für den ersten Arbeitstag zu üben: Ich erlaubte mir nochmal den Genuss des Ausschlafens.

Dem Zuschwellen der Nasenschleimhäute steuerte ich mit besonders kalter Luft durchs gekippte Fenster gegen, auch wenn das Ohrstöpsel gegen Schlafstörung durch Lärm von außen erforderte. Klappte gut!

Vormittags machten wir uns auf dem Weg zum Bahnhof. Es war scheißkalt geblieben, aber wir bekamen ein wenig blauen Himmel und Sonne.

Schöne Idee am Münchner Bahngleisende: “Lesen, bis der Zug kommt.” mit Ausschnitten aus Thomas Manns Zauberberg für 30 Minuten Lesezeit, 20, 10 und 5. Wir hätten gestern die 20-Minuten-Version wegen ebenso langer Verspätung nehmen können, doch erfuhren wir diese zu scheibchenweise und warteten statt dessen in Eiseskälte am Bahnsteig (“wegen verspäteter Bereitstellung” – wie sagte mal ein Zugchef? “Ham’s wieder den Zug net g’fund’n?”).

Auch im Ankunftsort Ingolstadt Scheißkälte, meine Mutter versuchte sie mit Hinweis auf Winter und Januar zu rechtfertigen. Wenn ich über Scheißhitze im Juli schimpfe, darf ich auch über Scheißkälte im Januar schimpfen.

Rein gar nichts zu schimpfen gab es über den gedeckten Tisch: Pfännchenessen, das hatte ich wahrscheinlich seit Jahrzehnten nicht mehr. Auf der Anreise hatten Herr Kaltmamsell und ich Erinnerungen abgeglichen und festgestellt, dass wir aus komplett verschiedenen Pfänncheness-Kulturen kommen: Er erzählte von Doppelpfännchen auf Rechauds!, ich kenne Überback-Teflon-Pfännchen plus Brat-Dach. Letzteres wurde gestern geboten, dazu reichlich Unterhaltungen mit meinen Eltern, meinem Bruder (leider krankheitsbedingter Ausfall der Schwägerin), Bruders Schwiegermutter. Was ich bereits vergessen hatte: Wie leicht es bei dieser Essform mit reichlich Angebot ist, den Überblick über die bereits gegessenen Mengen zu verlieren. Zum Glück winkte meine Sättigung heftig, bevor ich mich überfraß. Und so ließ ich auch den Nachtisch lieber aus: Zimttorte.

Noch bei Tageslicht nahmen wir einen Zug nach Hause, passierten einige zugefrorene Teiche und Seen, auf denen eisstockgeschossen oder schlittschuhgefahren wurde.

Ich las Joachim Meyerhoffs Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke aus: Gefiel mir gut, er schreibt wirklich anschaulich, in gutem Erzählrhythmus und setzt hervorragend Pointen. Ich wusste aus einem Interview im SZ-Magazin mit Simon Verhoeven und seiner Mutter Senta Berger, dass sie zusammen den Roman gerade verfilmt haben (€ – »Du willst jetzt wirklich darüber reden?« – »Darüber will ich reden«), will ich unbedingt sehen. Senta Berger ist sicher die ideale Besetzung einer alten, wunderschönen Schauspielerin, doch vor allem will ich herausfinden, wie sie das endlose Versagen des Erzählers im Schauspielunterricht und als Schauspieler umsetzen.

Hoffnung auf einfachere Wohnungswärmung: Beim Heimkommen brannte in der Wohnung unter uns Licht!

Kurz vor Ende der Weihnachtsferien schaffte ich noch zwei von den drei Erledigungen, die ich mir für diese Ferien vorgenommen hatte (habe sofort meine Sprüche-liebende Mutter im Ohr: “Am Abend wird der Faule fleißig!”): Loch in der Manteltasche flicken, Inhalt meiner Unterlagenschublade sortieren und abglegen. Dieses Schublädchen enthält in erster Linie Kassenzettel und Rechnungen, Wichtigeres schaffe ich inzwischen sofort nach Erhalt in den entsprechenden Ordner zu heften. Ich legte Aufhebenswertes aus zwei Jahren Einkäufen ab.
Erledigung drei war Abtauen und Reinigen von Kühlschrank und Gefrierteil; das verschob ich mit Herrn Kaltmamsell energisch auf nächstes Wochenende.

Ein lange Einheit Yoga, tat gut. Allerdings merkte ich dabei, dass das Mittagessen noch lang nicht verdaut war. Als Abendbrot aß ich entsprechend lediglich eine Kaki, Christstollen und ein wenig Schokolade (balanced diet or what?).

Und ich guckte nicht in mein Arbeitspostfach sondern glaubte ganz, ganz fest daran, dass andere ihre Weihnachtsferien ebenso frei genommen hatten wie ich.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 5. Januar 2026 – #WMDEDGT

Dienstag, 6. Januar 2026 um 8:09

An jedem 5. des Monats fragt Frau Brüllen: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” und sammelt unter #WMDEDGT die Antworten aus Tagebuchblogs, diesmal hier. Letzter Urlaubstag, ich mache mit.

Seltsame Nacht, in der meine Nasenschleimhäute wieder unerklärlich so stark anschwollen, dass ich mit Nasenspray gegenhalten musste. Aber ausgeschlafen, ich wurde mit dem 7-Uhr-Läuten wach.

Es tagte zu eisigem Hochnebel, mittlerweile der Basso continuo dieses Winters in München. Guter Milchkaffee, ausgiebiges Bloggen.

Vor meinem Isarlauf sandelte ich absichtlich mit Internetlesen rum, um der frostigen Luft Gelegenheit zu dem einen oder anderen Grad nach oben zu geben.

Diesmal lief ich ab Haustür über Alten Südfriedhof nach Süden, stellte mir brav einen Timer, um die Runde nicht wieder zu lang werden zu lassen. Zu sehen gab es wenig im fahlen Winterlicht unter Wolken und auf wenig zusammengetretenem Schnee, zweimal hörte ich Eichelhäherkreischen. Aber ich lief gut und leicht, es war nicht zu kalt mit den paar Grad unter Null. Südlich von Thalkirchen fröstelte ich dann aber, das hatte ich noch nie: Ich legte ein wenig Tempo zu.

Grabstein von Max Rottmanner, Juwelier, an dem ich bereits x-mal vorbeigegangen sein muss, der mir erst diesmal auffiel (oder: warum ich den Alten Südfriedhof so liebe, Folge 776). Ich habe ein Foto von 1905 seines Juweliergeschäfts in der Theatinerstraße gefunden, in einem Auktionskatalog ein von ihm gearbeitetes Collier. Von Alfred Rottmanner (den Lebensdaten nach der Sohn) sieht man hier ein paar Werke, auf ebay steht eines sogar gerade zum Verkauf. Zu Pauline finde ich (auf die Schnelle) leider nichts.

Nach dem Umdrehen hinter Thalkirchen drückte meine Blase – nicht superdringend, aber ich wusste, dass mein Rückweg ohne entspannter sein würde und steuerte das Klohäusl bei Maria Einsiedel an, das mir schon ein paarmal genützt hatte. Doch das war außer Betrieb, wurde der Rückweg halt unentspannt.

Daheim warf ich meine Laufkleidung in die Waschmaschine, die damit voll genug für eine Ladung Dunkles war und die ich einschaltete.

Frühstück kurz nach eins: Apfel, Hüttenkäse, Brotrest. Ich zog los auf eine Lebensmittel-Einkaufsrunde – und schaffte es, das Wichtigste auf der Einkaufsliste zu vergessen: Milch. Doch Herr Kaltmamsell musste eh nochmal raus unter anderem zur Reinigung, er erledigte das Milchholen. (Dabei heißt unsere Einkaufs-App doch RTM für Remember the milk!)

Noch eine Winterbeschwerlichkeit (neben der langen Zeit, die vor jedem Verlassen des Hauses das Ankleiden zur Kälte-Abwehr erfordert): Auch wenn ich beim Heimkommen die Schuhe/Stiefel immer sofort hinter der Wohnungstür ausziehe und auf einem Tuch abstelle, kugelt durch die ganze Wohnung Rollsplitt übers Parkett, dem ich aufsammelnd hinterherrenne.

Weitere Häuslichkeit: Ich putzte ein wenig Bad, unsere Putzherren kommen erst in einer Woche wieder.

Gemütlicher Nachmittag unter anderem mit Lesen, Zeitung und Internet, außerdem bestellte ich ein Kistlein von dem Wein, der mich im Berliner Restaurant MaMi’s so begeistert hatte. Auf instagram bekomme ich bereits jetzt Anfang Januar erste Werbung für Sommerkleidung eingespielt (Lebkuchen im September Dreck dagegen): Die Hersteller behalten das mit dem Gummizug in der Taille, früher “Comfort-Bund” genannt, offensichtlich bei. Soweit bin ich noch nicht.

Gestern durfte ich die Zubereitung des Abendessens übernehmen (Herr Kaltmamsell hatte heftig zu arbeiten): Ich hatte mir Kürbis-Lasagne gewünscht, und statt wie sonst das gewünschte Gericht abends einfach serviert zu bekommen, kochte ich selbst. Als Zeichen von Urlaubsentspannung sehe ich, dass mir das Kochen richtig Spaß machte und ich dabei gelassen war.

Puh, ich kann es noch. UND! Ich servierte pünktlich um die vereinbarten halb acht. Schmeckte dann auch sehr gut. Nachtisch Schokolade.

Wir ließen auf arte Die Dinge des Lebens von 1970 laufen, aus Allgemeinbildungsgründen. Die rauchen in dem Film wirklich so viel, wie es in Mad Men völlig übertrieben wirkt.
Was ihn für mich zu einem typischen französischen Liebesfilm machte: Das Drehbuch versucht in keiner Weise zu erzählen, was das Liebespaar zueinander hinzieht. Oder genauer: Was den Mann für die Frau anziehend macht, denn umgekehrt reicht offensichtlich wie immer, dass sie wunderschön ist (und jung), woraufhin er sie umwirbt, bis sie überzeugt ist / sich ergibt. Dieser Mechanismus befremdet mich.

§

Deutschlandfunk-Redakteurin Ann-Kathrin Büüsker legt ihre Analyse des US-Angriffs auf Venezuela dar – nach der es nur indirekt um Ölreserven, sondern direkt um Klimapolitik geht.
“Venezuelas Öl und die ‘Donroe’-Doktrin”.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 4. Januar 2026 – Berlin-München im tiefen Winter

Montag, 5. Januar 2026 um 8:29

Geweckt von Wecker nach gutem Schlaf und mit angemehm wenig Kater.

Genug Zeit für Fertigmachen und Auschecken, bis wir eine Tram zum Hauptbahnhof nahmen: Die schneeverkrusteten Wege wollten wir dem Rollkoffer nicht antun.

Vollmond (in Echt VIEL größer) über der Oderberger Straße.

Den Hauptbahnhof (Berlin hat wenigstens einen!) erreichten wir so früh, dass wir uns auf einen Cappuccino setzten.

Der uns sogar an den Tisch serviert wurde, von einer freundlichen Servicekraft (seit ich vor zehn Jahren diesen Artikel über McDonalds als Arbeitsplatz las, “What I Learned from Four Years Working at McDonalds”, inklusive Kommentare unter meinem damaligen Blogpost darüber, habe ich einen anderen Blick darauf).

Mangels echten Wartebereichen in diesem Einkaufszentrum mit Gleisanschluss sammelt sich bei McDonalds viel Wartevolk – und andere Menschen, die Sitzmöglichkeit, Wärme, Steckdosen für Handyaufladen nutzen, wir saßen in interessanter Gesellschaft.

Wieder nahezu pünktliche Abfahrt, stabiles WLAN im ICE (es wird nicht ALLES schlechter!), ich verbloggte den Samstag unseres Berlin-Kurztripps.

Kurz vor Halle an der Saale kam aber die Durchsage des Zugchefs: Die Schnellstrecke nach Erfurt war wegen einer Störung nicht befahrbar, der Umweg würde zu reichlich Verspätung führen. Nun, Herr Kaltmamsell und ich hatten gestern eh nichts sonst vor, es war warm, es gab WLAN und Strom. Letzteres auch deshalb erwähnenswert, weil ein Anschlag 45.000 Haushalte im Süden Berlins für Tage vom Stromnetz getrennt hatte – darunter die Berliner Verwandtschaft (die heißt so: “Berliner Verwandtschaft”) von Herrn Kaltmamsell, wie wir über die WhatsApp-Familiengruppe erfuhren: Berichte über Handyaufladen an eigens dafür eingerichteten Stützpunkten, über Polizei, die mit Megaphonen durch die Straßen fuhr (weil kein Handyempfang), Aufwärmen bei Verwandtschaft in anderen Stadtteilen.

Vorm Zugfenster wieder verschiedene Seiten des Winters: Ab Berlin verschneite Flächen, mal mit Sonne, mal mit Schneefall. Hinter Halle eine Weile Schneefreiheit. Die Umleitung führte durch die alte Strecke zwischen Halle und Erfurt, ich hatte gar nichts dagegen, die früheren Ansichten wiederzusehen.

Deutscher Winter in der ICE-Kofferablage (diese Sorte Schlitten fand ich als Kind unpraktisch – kippten zu leicht nach vorne, meiner war ein Hörnerschlitten).

München erreichten wir dann 50 Minuten verspätet, wurden mit Sonne und knackigem Frost empfangen. Also daheim erst wieder Kampf um Wohnungswärme. Frühstückssemmeln hatte ich noch am ehemaligen Hauptbahnhof besorgt, die gab es kurz nach drei mit Butter und Marmelade, außerdem ein Restl Zwetschgenröster.

Wir waren ja gerade mal mehr als 48 Stunden weg gewesen, das reichte nicht für Fremdeln bei Heimkehr. Ich war sehr dennoch froh um zwei weitere freie Tage vor Arbeitsstart am Mittwoch, und an Heilig Drei König sind wir nochmal bei meinen Eltern eingeladen, hurra!

Nachmittag mit Zeitunglesen in der Sonne. Große Yoga-Sehnsucht, ich startete wieder ein 30-Tage-Programm von Adriene: “True” von 2018.

Zum Nachtmahl gab’s Nudeln mit übriger Rouladensauce vom Donnerstag, davor aß ich Kimchi und saures Blaukraut gegen Gemüse-Gieper.

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Bevor wir durch die Gerichtsinstanzen gehen, ergeben wir uns lieber schnell. Einfach aus Geldgründen. Es sei denn, es ist der Papst.

Herrliches Interview in der Süddeutschen mit Gabriele Rittig, seit 40 Jahren die Anwältin des Satiremagazins Titanic (€):
“‘Wenn du den Witz erklären musst, hast du schon verloren'”.

§

Fotograf Jovan Ritopečki (1923-1989) hat ab den 1960ern über viele Jahre das Leben jugoslawischer Einwanderer in Österreich festgehalten. Ein Projekt der Austrian Academy of Sciences Institute for Habsburg and Balkan Studies erforscht seinen Nachlass zu diesem Thema (etwa 19.000 Negative) und stellt hier viele Bilder digitalisiert zur Verfügung:
“Picturing Migrants’ Lives”.
Zum Einstieg empfehle ich diese Fotos zum Thema Wohnen.

via @sauer_lauwarm

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 3. Januar 2026 – Kurztrip Berlin mit Schnee, Grand Show im Friedrichstadtpalast und MaMi’s

Sonntag, 4. Januar 2026 um 10:56

Lang und gut geschlafen, mit Kaffee (löslicher, gestellt vom Hotel, dazu Wasserkocher; für zwei Übernachtungen hatte ich nicht extra die Cafetera eingepackt) und Hotel-Bademantel zurück ins Bett zum Bloggen. Draußen große Winter-Show.

Gebloggt, im Bett Internet gelesen. Das tägliche Aufwachen zu “What’s he done now?” des Trump-Regimes hat in dieser zweiten Runde wirklich neue Dimensionen: Die USA haben Venezuela angegriffen und das Staatsoberhaupt gefangen genommen. Die EU protestiert nicht etwa engerisch, sondern wackelt lediglich besorgt mit dem Kopf.

Morgentoilette und Anziehen, auf dem Bett weitergelesen. Bei Einsetzen von Frühstückshunger aß ich erstmal einen der Äpfel, die das Hotel uns schenkte (sehr willkommene Geste), dann ging ich mit Herrn Kaltmamsell raus in den Schneematsch – Einheimische waren in diesem schneeartigen Zeugs sehr viele unterwegs, Kinder wurden auf Plastikwannenschlitten gezogen.

Nicht weit vom Hotel an der Kastanienallee kehrten wir in eines der vielen Cafés ein. (Habe die blöden Witze so verinnerlicht, dass ich Hemmungen spüre, Bedienungen in Mitte oder Prenzlauer Berg einfach auf Deutsch anzusprechen. Funktionierte aber in diesem Fall.)

Noch vor eins gab es Cappuccino sowie Tomaten-Basilikum-Quiche mit Salat. Auf dem kurzen Weg zurück zum Hotel noch zwei frisch gebackene (warme) Cookies mitgenommen, im Hotel gegessen: Meiner enthielt gebrannte Mandeln und Nougat, mächtig und gut.

Weiteres Lesen im Hotelzimmer, bis wir uns zur Nachmittagsvorstellung im Friedrichstadtpalast fertigmachten: Wir wollten die neue Show “Blinded by Delight” sehen – ich freute mich auf sensationelle Kostüme, schöne Menschen und Tanz, originelle Bühnentechnik, Akrobatik, schmissige Musik und viel, viel Glitzer.

Die schönen Schuhe ließ ich dann doch im Koffer, ich wollte ihnen den Schneematsch zwischen Hotel und Tram nicht antun. Also in Winterstiefeln zur Grand Show.

Und grand war sie wirklich, die Show, wunderschön, ich kam auf meine Kosten. Bühnentechnik: Allein schon auf wie viele Arten und von/nach wie vielen Orten die Darsteller*innen auftauchten oder verschwanden!
Was es an Akrobatik gab, also Einlagen so halb in die (eh nicht so relevante) Handlung eingebaut: Fliegende Männer auf Wippen, eine Verdreh-Frau (contortionist heißt auf Deutsch eigentlich Schlangenmensch, aber der Begriff macht die Erscheinung ja noch grusliger), BMX-Radfahrer (dafür braucht es wirklich diese größte Theaterbühne der Welt; ganz entzückend fand ich auch, dass die Burschen Glitzer-Smokingjacken zu den glänzend schwarzen Helmen trugen), ein Paar an großen Ringen.

Die Reihe, zentrales Element jeder Show im Friedrichstadtpalast, war die schönste, die ich bislang erlebt habe, die Choreografie muss sich ja doch immer wieder was Neues einfallen lassen. Etwa 40 Tänzer*innen mit überraschend diversen Formen (wenn auch selbstverständlich in einem gewissen Norm-Korridor), die in einer Reihe (daher der Name), ihre Beine in Glitzerstiefeln hochschmissen, waren zum Quietschen atemberaubend.

Am Ende der Schlussnummer war Fotografieren explizit erlaubt.

Paradox, aber eine Folge der Schwemme Computer-generierter und -gefälschter Bilder: Während ich mein Staunen über Fotos und Filmchen mittlerweile zurückhalte und erstmal nüchtern checke, ob die überhaupt echt sind, konnte ich mich gestern in diese Show rückhaltlos fallen lassen – die ja eigentlich Illusionen und Traum verkaufen sollte. Aber da standen, tanzten, sangen, wirbelten halt echte Menschen, da blitzte echtes Licht, spritzten Tropfen, glänzten echte Kostüme.

Zurück zu unserem Hotel Oderberger kamen wir so rechtzeitig vor unserer Abendessen-Reservierung, dass Zeit für einen Abstecher in die Hotel-Bar war, deren Coktails ich in besonders guter Erinnerung hatte.

Mein Pflaumen-Drink schmeckte hervorragend, Herr Kaltmamsell war mit seinem sahnigen Cocktail ebenfalls sehr zufrieden.

Einen Tisch reserviert hatte ich in MaMi’s Food&Wine in derselben Straße wie unser Hotel. Auf das feine Keller-Lokal geführt von den Geschwistern Marcel und Miriam hatte mich das Schwärmen einer Berliner Bekanntschaft durch Bilder auf instagram gebracht. Und jetzt schwärme auch ich: Wir aßen ganz ausgezeichnet und lernten so aufregende Weine kennen, dass der Rest des Jahres sich wird anstrengen müssen. Dazu ein wirklich herzlicher und aufmerksamer Service. Das Konzept des Restaurants: Menü aus acht oder zehn Tellern, die in vier oder fünf Gängen serviert und geteilt werden. Die Karte bietet die Gerichte aber auch einzeln an.

Begrüßt wurden wir mit einer Gemüse-Dashi mit Tapioka – super Idee das mit Tapioka als Suppeneinlage.

Links Kopfsalatherzen mit Sauce Café de Paris (besser als die von Herrn Kaltmamsell), außerdem Iberico und Allioli. Im Glas ein wunderbarer Rosé-Sekt aus dem Kamptal (nur bei einem Wein des Abends bemühte ich mich, alle Details festzuhalten, sonst nahm ich mir davon Urlaub).

Links Gelbflossenmakrele mit Koriandercreme und Pastinakenchips, rechts Kürbis als Creme, als Ofenstücke sowie eingelegt, dazu Petersilie und Salzzitrone. Und hier hatten wir den Knaller des Abends im Glas: Eine Cuvée vom Weingut Marie Adler in der Pfalz, angebaut als Gemischter Satz, spontanvergoren – und mit Apfelmus-Düften und Gewürzgeschmäckern ganz großartig.

Jetzt gab es Zwiebelsuppe, aber wie Hot Pot gewürzt, also eine echte Umami-Bombe, dazu knusprig-cremige Kichererbsen-Kroketten. Auf dem Teller links Pimientos de Padron mit Dulce de Leche, Orange und Cheddar – für meinen Geschmack gingen die Pimientos ein wenig unter. Dazu ein blumig-mineralischer El Gratallunes aus dem Penedés.

Als Hauptgericht angekündigt: MaMi´s Bolo mit Chili, dazu Salat mit Creme Fraiche und der Spielanleitung, die Bolo auf die Salatblätter zu löffeln – eine sehr schöne Kombi. Rechts Kartoffelpfannkuchen, Rote Beete, Jalapeño, braune Butter, Meerrettich – alles davon schmeckte in dieser Zusammenstellung unerwartet und aufregend. Weine gab es gleich zwei dazu: Ein sehr typischer Riesling (Bischöfliches Weingut Trier) zur Kartoffel, zur Bolo als Auftragswein des Restaurants einen Lemberger, abgerundet durch 10 Prozent Cabernet Sauvignon. Ich plauderte mit der einschenkenden Wirtin über Lemberger, den ich schätze, aber sonst nicht auf ambitionierten Weinkarten finde.

Zwei Desserts: Einmal weiße Schokoladencreme mit Tahini und Zwetschge, außerdem ein sehr würziger Apple Crumble. Im Glas eine Riesling-Spätlese.

Der Wein war zu viel (aber so gut!), wir spazierten die 200 Meter ins Hotel betrunken. Zumal wir zuvor ja einen Cocktail getrunken hatten (auch wenn das laut Herrn Kaltmamsell nicht zählt, weil es eine extra Cocktail-Leber gibt in Entsprechung zum Dessert-Magen).

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 2. Januar 2026 – Kurztripp Berlin mit Kabarettistischem Jahresrückblick

Samstag, 3. Januar 2026 um 9:41

Nach guter Nacht von Wecker geweckt für den Morgen-Sprinter nach Berlin.

Am Bahnhof stellte sich heraus: Den gebuchten ICE gab es wirklich, unsere reservierten Plätze existierten, und wir fuhren nur zwei Minuten verspätet ab.

Ich las Zeitung, guckte aber immer wieder aus dem Fenster, weil sich das gestern besonders lohnte: Erst beschneite Landschaft, dann Schneefreiheit in der Holledau, in Franken wieder Schnee, Erfurt und Halle schneefrei, bis wir uns Berlin näherten (um halb zwölf holte ich Herrn Kaltmamsell und mir Cappuccino): Eine Stunde vor Ankunft setzte Schneefall ein, der auch bei unserer Ankunft am Berliner Hauptbahnhof (15 Minuten Verspätung zählen wir bei vier Stunden geplanter Fahrzeit ja schon gar nicht mehr) anhielt. Wir setzten dennoch unseren Plan um, zu Fuß zu unserem Hotel in Prenzlauer Berg zu gehen, wozu hatten unsere dicken Winterjacken Kapuzen.
Wurde zwar Regen, aber auch dagegen helfen Kapuzen.

Wir bezogen unser schönes Zimmer, gingen dann aber noch kurz raus auf ein kleines Frühstück für mich, als Überbrückung zum früh geplanten Abendessen: Käsekuchen, ein Hummerschwänzchen (Sfogliatella) mit Vanillefüllung, dazu Basilikum-Zitronen-Limo.

Keine Pläne vor dem Abendtermin, das Wetter reichlich unwirtlich, also machten wir richtig Urlaub und wohnten im Hotelzimmer herum, lasen. Bereits am zweiten Tag des Jahres auf meinem Laptop einen Foto-Unterordner “2601_Berlin” anzulegen, gefiel mir.

Hotelzimmerblick.

Der Abendtermin war der Kabarettistische Jahresrückblick, eine der Vorstellungen im Ernst-Reuter-Saal, Rathaus Reinickendorf. Dorthin brachte uns eine U-Bahn recht früh, damit wir vorher noch abendessen konnte. Das taten wir in einem italienischen Lokal ganz in der Nähe (was in Berlin, das vergesse ich dann doch immer wieder, zehn Minuten Fußweg bedeutet, in München ja höchstens fünf), das wir über den Stadtplan entdeckt und als sympathisch befunden hatten.

Die Überraschung bestand darin, dass das Restaurant bereits vor 18 Uhr fast voll war: In Reinickendorf/Alt-Wittenau wird früh gegessen. Wirklich sympathisches Lokal, wir wurden herzlich umsorgt: Ich bekam gemischten Salat und von der Wochenkarte Ravioli mit Entenfüllung in Sahne-Apfel-Sauce. Flink war man dort ebenfalls, an den Ernst-Reuter-Saal kamen wir weit vor der Vorstellung zurück.

Rathaus Reinickendorf.

Wieder großes Vergnügen, als Moderatorin führte dieses Jahr durch den Abend Heidi Reichinnek. Auftritte hatte aber auch Jogi Löw, Donald Trump und – besonders überzeugend – Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Hier in Berlin ham’s halt keinen Nockherberg mit Starkbierprobe inklusive Fastenrede und Singspiel; der Kabarettistische Jahrerückblick erfüllt ähnliche Funktion. Minus Anwesenheit Politiker*innen. Oder Bier. Oder Bayerischem Rundfunk.

Dieser ist der Abschieds-Jahresrückblick für zwei Herren von den fünfen: Horst Evers und Manfred Maurenbrecher hören nach 28 Jahren auf. Ich bin sehr gespannt, wie die Nachfolge-Zusammensetzung und Show aussieht; angekündigt sind zwei FRAUEN. Und Horst Evers habe ich über die drei Programme, die ich live in Berlin sah, so lieb gewonnen, dass ich bereits die Termine seiner Einzelauftritte recherchierte.

Auf den Heimweg kamen wir recht spät (Verzögerungen bei der Garderobenausgabe) – und standen vor dem Veranstaltungsbau in Schneegewirbel. Doch bis wir eine halbe Stunde später in Prenzlauer Berg waren, hatte das bereits aufgehört.

Knapp vor Mitternacht ins Bett. Programm für Samstag: Show im Friedrichsstadtpalast, feines Abendessen.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 1. Januar 2026 – Sonnenlauf und La storia von Elsa Morante

Freitag, 2. Januar 2026 um 6:47

Gut geschlafen und lang, um Mitternacht dank Ohrstöpseln und geschlossenem Fenster nur wenig gestört von der Knallerei draußen. Lang genug geschlafen, dass der wolkenlose (hurra!) Himmel vorm Fenster bereits ein wenig hell wurde.

Nach dem Bloggen noch die Foto-Ordner auf dem Laptop archiviert/aktualisiert – fürs Sortieren hat der Jahreswechsel also auch für mich Bedeutung.

Eher spät losgekommen zu meinem Isarlauf. Eigentlich hatte ich die Tram zum Tivoli nehmen wollen und besonders weit nach Norden laufen, doch die angekündigte Tram verschwand auf einmal von der Anzeige, es gab Verkehrsstörungen. Also doch eine U-Bahn zum Odeonsplatz und über Hofgarten und Englischen Garten zum Tivoli. Schon nach 20 Minuten kam ich innere Laufruhe und trabte gedankenverloren.

Die sonnigen Uferwege waren bald recht belebt, vor allem von Gruppen, die sehr mit sich selbst beschäftigt waren und denen ich deshalb nur durch Sprünge in die Botanik ausweichen konnte.

Die schlaue Läuferin denkt an Sonnenbrille.

Die Gesamtlaufzeit geriet unbeabsichtigt wieder knapp unter zwei Stunden, mein Körper sagte: 20 Minuten zu viel. Ich werde mir beim nächsten Lauf lieber wieder einen Timer auf 50 Minuten stellen, nach denen ich umkehre.

Zurück erwischte ich gleich eine Tram.

Frühstück um halb drei: Marmeladenbrot, sauer eingelegtes Blaukraut, außerdem Mango und Datteln (wieso vergesse ich immer wieder, dass gute Datteln nach so viel mehr als nur Süß schmecken?) mit Joghurt.

Gemütlicher Nachmittag mit Lesen verschiedener Art. UND Herr Kaltmamsell ließ mich bei der Zubereitung des Abendessens helfen, Rinderrouladen: Ich durfte das Saucengemüse zubereiten.

Elsa Morante, Hannelise Hinderberger (Übers.), La Storia ausgelesen. Die letzten 100 Seiten, die 1947 spielten, waren eher mühsam, weil sie vor allem aus den Schilderungen von Träumen und dem Zitieren agitatorischer, aber wahnsinniger politischer Reden bestanden. Doch bis dahin gefiel mir der Roman sehr gut, der sich um die einfache und meist hilflose Volksschullehrerin Ida und ihre beiden Söhne im Rom der 1940er dreht. Viele Alltagsdetails, liebevolle Beschreibungen von Menschen und ihren inneren Vorgängen, es entsteht ein nachvollziehbares Bild ihres Ausgeliefertseins.
Nachtrag: Diese liebevolle Perspektive zeigt sich unter anderem in dem großen Verständnis für kindliches Verhalten: Sowohl die handelnden Personen als auch die Erzählstimme befassen sich ernsthaft und zugewandt mit kleinen Kindern, die ausrasten, toben, sich sonstwie sozial inkompatibel verhalten; nicht Disziplinierung oder Sanktionierung stehen im Vordergrund, sondern Sorge und das Bemühen herauszufinden, was den oder die Kleine gerade quält. Das hatte ich weder in der Handlungszeit noch in der Entstehungszeit des Romans erwartet.

Jedem der acht Jahreskapitel ist eine Zusammenfassung der Weltereignisse dieses Jahres aus linker Perspektive vorausgestellt (und in meiner Ausgabe in noch winzigerer Schrift), und hin und wieder taucht eine Erzählinstanz als “Ich” auf, die Personen, Orte und Vorfälle aus eigenem Miterleben kennt, aber bis zum Schluss nicht identifiziert wird. Ich kann gut verstehen, dass der Roman Geschichte gemacht hat.

Die lange Laufrunde steckte mir in den Knochen, genauer: in den Gelenken. Ich suchte mir eine halbe Stunde “Runner’s Yoga” von Adriene raus: War einen gute Idee.

Erstes Rauslegen von Kleidung zum Packen für Berlin. Die ICE-Supersparpreis-Tickets hatte ich Mitte Oktober gekauft – und bis jetzt keine Nachricht dazu, keine Änderung. Völlig verunsichert checkte ich, ob die Verbindung am Freitagmorgen überhaupt existierte.

Dann aber: Abendessen!

Rinderrouladen mit Blaukraut und Kartoffelpü, ein Festessen. Nachtisch Schokolade.

Im Bett begann ich die nächste Lektüre: Joachim Meyerhoff, Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke.

§

Oh wie traurig: Der SZ-Lokalredakteur Franz Kotteder ist gestorben.
“Immer echte SZ im besten Sinne”.

In der Schule gab er eine “Art Schülerzeitung” heraus, wie er es selbst einmal genannt hat: ein Heft, das er mit seinem Banknachbarn erstellte und das den Namen “Der kleine Brunnenvergifter” trug.

Ich werde ihn sehr vermissen.

§

Manuela Heim hat für die taz mit Anama Fronhoff gesprochen, die nach einem Hirnstamminfarkt sehr anders kommuniziert als die Mehrheit.
“Locked-In-Syndrom und Kommunikation
‘Manche Leute schreien mich an'”.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 31. Dezember 2025 – Sonnenschwimmen draußen

Donnerstag, 1. Januar 2026 um 9:06

Letzter Auftritt der Jahreszahl 2025 in der Überschrift.

Beim einzigen Aufwachen in der guten Nacht (Klogang) blinkten immer noch Sterne am Himmel, ich begann auf einen Sonnentag an Silvester zu hoffen: Den bekam ich dann auch zu meiner großen Freude und plante meine gestrige Schwimmrunde unter freiem Himmel im Dantebad.

Dazu machte ich mich besonders früh auf den Weg, denn an Silvester schlossen die Münchner Bäder bereits am frühen Nachmittag. Meine Fehleinschätzung: Ich hatte eher weniger Leute auf den Schwimmbahnen erwartet, es waren dann so viele, wie ich möglicherweise noch nie erlebt habe. Aber wir kamen gut miteinander klar, und schon bereiteten mir Sonnenschein, Gleiten durchs warme Wasser und Atemholen in kalter Winterluft so großes Vergnügen, dass ich mein Tagesziel auf 3.300 Meter erhöhte – mühelos erreicht.

In meiner Mastodon-Timeline wurde sich aus konkretem Anlass gerade verstärkt übers Schwimmen ausgetauscht. Auch ich würde ja bei Sehnsucht nach längeren Strecken / besserer Technik Kurse empfehlen, doch dann kam mir der Gedanke: Vielleicht ist Vergnügen am Schwimmen Voraussetzung für Erfolg von, nicht das Ergebnis von Kursen? Ich sehe im Dantebad so oft wiedererkennbare Menschen offensichtlich vergnügt viele Bahnen ziehen, deren Stil allen Regeln widerspricht (oder gibt es eine Schwimmart Rückenfrosch? Sitzschwimmen mit Flossen? Wasserrühren?), dass Spaß und Strecke eventuell nicht von Technik abhängen.

Nach dem herrlichen Schwimmen kam ich in der Umkleide mit gleich zwei anderen Schwimmerinnen ins Geplauder (nacheinander), ich mag die Mini-Vertrautheit in diesem Bad.

Zurück nahm ich eine Tram, um mehr von der Sonne zu sehen. Am Stiglmaierplatz stieg ich für den Kauf von Frühstückssemmeln aus, spazierte von dort zu Fuß nach Hause.

Plakat der Rosa Liste für die Stadtratswahl Anfang März. Ich freue mich bei jeder Sichtung an der Erinnerung, dass 1996 mit Thomas Niederbühl in München europaweit erstmals ein Vertreter einer schwul-lesbischen Wählergruppe in ein Kommunalparlament einzog – und versuche seit meinem Zuzug nach München 1999 bei jeder Stadtrats- und Bezirksausschusswahl mit meiner Stimme sicherzustellen, dass die Rosa Liste in diesen Gremien vertreten ist. Den aktuellen Stadtratskandidaten Bernd Müller (Thomas Niederbühl tritt nicht mehr an) kenne ich sogar persönlich.

Kurzer Halt in der Schillerstraße für Mittagscappuccino in einem Eckcafé, das mir aufgefallen war: Terramoon.

Boah, die Preise im Central Quartier (bitte französisch aussprechen, wenn sie meinem Viertel einen neuen Namen aufdrücken, bestimme ich zumindest, wie er klingt) sind ja ganz schön g’salzn, 4,50 Euro für einen Cappuccino? Sammer in Berlin?

Frühstück kurz nach eins: Körnersemmel mit Crowdfarming-Manchego, Seele mit Butter.

Es blieb sonnig, ich las im Wohnzimmer Zeitung, kuratierte Lieblings-Microbloposts, las Roman – und atmete viel durch den Mund, denn der Preis für das großartige Schwimm-Erlebnis war wieder Chlorschnupfen.

Gestern hatte das Böllerverbot keine Wirkung: Es knallte wie eh und je am 31. Dezember, je später am Tag und Abend, desto mehr.

Der letzte Tag des Jahres verabschiedete sich mit Abendrot.

Den Unsichtbaren Salat zum Nachtmahl bereitete ich zu, tagesaktuelle Abwandlungen: Viel mehr Vogerlsalat (gab’s an der Einkaufsstelle nur in einem größeren Pack), Apfelessig (war halt da), Mandelblätter statt -stiften (weil ebenfalls vorhanden; für den Crunch sorgte der Chicoree, das Aroma von gerösteten Mandeln blieb), und wie schon seit einigen Malen ersetzte ich den Honig durch Ahornsirup, weil sich bei mir der Honig nie in der Marinade auflöst.

Großartiges Essen. Silvesterlich hielten wir das Getränk des Abends:

Der Albet i Noya Espriu Brut Reserva schmeckte mir überdurchschnittlich gut für einen Schaumwein, merken. Nachtisch Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir Die Gräfin von Hongkong laufen, den ich als berühmt abgespeichert hatte, aber noch nie gesehen. Schon nach wenigen Minuten wollte ich wissen, von wem dieses hinkende Drehbuch war: Oh, ich hatte vergessen, dass das 1967 der letzte Film von Charlie Chaplin war, der Regie führte, für das Drehbuch verantwortlich war und auch selbst auftrat. Wirklich kein Meisterwerk.

Mit Ohrstöpseln und bei geschlossenen Fenstern ins Bett zum Lesen. Wünsche einen schönen komplett neuen Kalender.

die Kaltmamsell