Diese Topfempfehlung von Vincent Klink begeisterte mich: Ein Künstlertopf, umwerfend schön, Handarbeit aus Nürnberg – mit Tauglichkeitszertifikat eines Fachmanns. Nur dass sowas ja wohl völlig unerschwinglich für Lieschen Gelegenheitsköchin ist. So seufzte ich meine Bewunderung für einen Bräter von Hoffmann lediglich an den Mitbewohner hin. Der nix Besseres zu tun hatte, als mir einen solchen machen zu lassen und nachträglich zum Geburtstag zu schenken. Ich war niedergebügelt und mit dieser Gabe komplett überfordert. Das äußerte ich genau so und bat um Verarbeitungszeit. Es spricht sehr für den Mitbewohner, dass er mit solchen meinen Reaktionen umgehen kann, sogar gelassen.
Letzte Woche hatte ich mich endlich genug dem Umstand genähert, dass ich dieses Kunstwerk im Haus habe und es mir gehören soll. Ich plante, ganz langsam eine Lammkeule darin zu garen, mit viel Wurzelwerk und Weißwein drumrum. Der Mitbewohner machte mich mit den Anweisung für die Inbetriebnahme des Bräters vertraut: Kartoffelschalen im Wasser darin eine Stunde kochen, die Oberfläche des Gusseisens mag die dabei austretende Stärke. Das machten wir, und anschließend bereitete ich die Lammkeule darin zu. Nachdem ich diese Form, die sich aus dem Wortsinn von Guss-Eisen abzuleiten scheint, andächtig von allen Seiten und in verschiedenem Licht betrachtet hatte.

Der Boden des Bräters wird schnell heiß, so lassen sich Fleisch und Gemüse gut anbraten. Gewürze und Wein dazu.


Deckel drauf. Und dann das Ganze in den Ofen wuchten – der Bräter wiegt ja leer schon elf Kilo, randvoll kommen ca. sechs Kilo dazu. Wieder einmal zahlte sich mein jahrelanges Krafttraining aus.
Das Ergebnis war sehr köstlich. Und an dem Topf sehe ich mich so schnell nicht satt. Ich muss nur noch ein schönes Plätzchen für ihn finden, damit ich ihn auch zwischen Einsätzen bewundern kann.

(Was ich komplett unterschätzt hatte: Eine fünf Stunden garende Lammkeule hat fünf Stunden Zeit, köstliche Gerüche in der Wohnung zu verbreiten. Ausgesprochen appetitanregende Gerüche. Die Wahrscheinlichkeit, dass man in Folge dessen bis zum Ablauf der fünf Stunden jeden essbaren Mist in sich gestopft hat, den Kühlschrank und Küchenschränke hergeben, ist sehr groß.)