Eine weitere Nacht mit gutem Schlaf, ich hätte ihn gern noch länger gehabt.
Das nebelig trübe Wetter hielt an, keine Aussicht auf einen Sonnenstrahl diese Woche – vielleicht gibt es wenigstens ein paar Flocken Schnee.
Arbeitsweg im fast komplett Dunklen, auch das bleibt noch für ein paar Wochen so. Aber hey! Im Büro konnte ich um die Mittagszeit fast zwei Stunden lang auf künstliches Deckenlicht verzichten!
Mittagessen Pumpernickel mit Butter, zwei Orangen.
Emsiger Nachmittag, manches musste ich nochmal von vorn anfangen, weil moving target.
Nach Feierabend zog ich zu ein paar Einkäufen los: Ich genoss den Marsch, auch wenn es beim Verlassen des Bürohauses zu regnen begann, erst mal nicht mehr aufhörte und ich langsam durchfeuchtete.
Besorgungen beim Vollcorner, dann marschierte ich zum Kaufhof am Stachus, also zur verbliebenen Hälfte des Hertie am Bahnhof, das andere Kaufhaus direkt an der Sonnenstraße wurde mittlerweile komplett geschlossen (nur der große Asia-Supermarkt im Keller ist weiter in Betrieb). Ich brauchte Strumpfhosen und weiß erstmal nicht, wo ich die außerhalb der Socken- und Strumpfabteilung eines Kaufhauses offline bekomme; das immer glaubwürdiger angekündigte Aussterben von Kaufhäusern stellt mich vor echte Probleme.
Daheim freute ich mich sehr auf eine Runde Yoga; sie war ok, ohne Adrienes Geschnatter hätte sie mir noch besser getan. In der Post eine herzerwärmende Postkarte: Ich hatte mir eine von diesem Foto gewünscht – und der bezaubernde Wiener Fotograf hatte tatsächlich eine gedruckt und geschickt.
Herr Kaltmamsell servierte wieder das Nachtmahl.
Im Zentrum Kimchi (inzwischen sauer fermentiert und weiterhin köstlich) mit Udon – die fleischreiche Woche hatte somit ein Ende. Ich möchte jetzt bitte eine Weile kein Fleisch mehr, aus Umweltgründen, aber auch aus Gemüse-Gelüsten. (Was problemlos mit dem Wunsch nach einer Bratwurst vom Christkindlmarkt zusammengeht.) Auf dem Teller gestern zudem gebratener Seidentofu und Gyoza.
Und Herr Kaltmamsell hatte eine gemeinsame Idee umgesetzt:
Wackelpudding aus selbstgemachtem Waldmeistersirup, Gelatine und Lebensmittelfarbe. Schmeckte halt nach echtem Waldmeister und nicht nach künstlichem, aber gut! (Mit flüssiger Schlagsahne.) Danach noch reichlich Weihnachtsplätzchen.
Am Nachmittag war ein Paket eingetroffen:
(Die Bluse habe ich extra fürs Foto angezogen.)
EINMAL hatte die Online-Werbung exakt meinen Bedarf getroffen und einen schlichten, grauen Giesswein-Janker in gewünschter Größe angeboten, noch dazu von Best Secret und damit für die Hälfte des Original-Preises.
Echt ist für mich ein Janker, wenn er in Grau- oder Brauntönen kommt, aus Walk gemacht ist, mit Knöpfen geschlossen wird, kragen- und kapuzenlos. Außerdem muss es ein Herren-Modell sein, denn in dem Moment, in dem jemand versucht, Abnäher für Brüste einzunähen, verfärbt sich der Stoff in Pastell-Töne, die Einfassungen bekommen neckische Muster und/oder es erscheinen Stickblümchen auf dem Walkstoff. In Extremfällen formieren sich sogar Schößchen an der Rückseite. Der Zusammenhang ist noch nicht abschließend wissenschaftlich geklärt.
Mein neuer auf dem Foto ist ein eher leichter, nicht so richtig wintertauglich.
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Lesenswerte Gedanken von Katharina Riehl in der Süddeutschen zur Frage, ob der Aktivismus von “Letzte Generation” der Klimabewegung nutzt (€):
“Der Ärger gehört dazu”.
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Endlich eine inhaltlich-feministische Auseinandersetzung mit Alice Schwarzer zu ihrem 80. Geburtstag und zwar von Antje Schrupp.
“Zum 80. Geburtstag von Alice Schwarzer”.
Sie hat nicht verstanden, dass die Gleichberechtigung im Westen die weißen bürgerlichen, einheimischen cis Frauen zu einem stärkenden Faktor der weißen bürgerlichen antimigrantischen symbolischen Ordnung macht und damit die Grenzen, die das Patriarchat zwischen Männern und Frauen zieht, einfach nur anderswo hin verlagert. Sie hat nicht verstanden, dass die eurozentrischste patriarchale koloniale Norm durch die Emanzipation der Frauen nicht etwa untergraben wird, sondern glaubwürdiger! Und dass aus genau diesem Grund sie NIEMALS von einer Kritik anderer Diskriminierungsformen getrennt werden darf.
In den späten 80ern und frühen 90ern holte ich Schwarzers Feminismus nach, indem ich mehrere Jahrgänge Emma hinterherlas, die es bei Zweitausendeins billig als Sammelbände gab – hochinteressant und lehrreich. Doch eine wirkliche Identifikationsmöglichkeit bot mir der third wave feminism, den ich um die Jahrtausendwende zunächst in US-amerikanischen Blogs entdeckte, allen voran Jessica Valenti und das mittlerweile eingestellte Blog feministing.com (das aber weiterhin zum Nachlesen online steht).
Gleichzeitig kam ich immer weniger mit Alice Schwarzers Dogmatik zurecht, mit ihrem absoluten Anspruch auf die einzig wahre und akzeptable Haltung: Sie beteiligte sich nicht am feministischen Diskurs, verkündete lediglich weiterhin ihre apodiktischen Aussagen, alles war und ist in Stein gemeißelt. Ich kann mich an keinen einzigen Aspekt erinnern, in dem sie ihre Haltung weiterentwickelt hätte – im Gegenteil: Ihr Tonfall wurde immer menschenfeindlicher und ausgrenzender. Und das, wo ich den Feminismus in den vergangenen 30 Jahren gerade wegen seiner Veränderungen und Weiterentwicklungen so spannend fand, wo ich immer weitere unterschiedliche Perspektiven kennenlernte und nachvollziehen konnte.


