Nach reichlich und gutem Schlaf um halb sieben aufgewacht – eine optimale Kombination für diesen Samstag, denn ich hatte Pläne.
Erst mal mein Bett abgezogen, Waschmaschine gestartet. Dann Bloggen über Milchkaffee. Derzeit verwende ich dafür spanischen torrefacto (mezcla 50%), und der haut wieder ganz schön rein. Ein Kaffeebohnenverkäufer in Madrid hatte mir vor Jahren erklärt, dass das Rösten mit Zucker den Koffeingehalt erhöhe: Mir als Chemie-Nullcheckerin ist der Zusammenhang ein Rätsel, doch auch wenn ich das vergesse, merke ich am Puls sehr bald, was in der Cafetera war. Meine anschließende Riesentasse Schwarztee machte ich deshalb lieber vom Entcoffeinierten.
Bettwäsche zum Trocknen über Türen drappiert.
Draußen strahlte der angekündigte wolkenlos blaue Himmel über angekündigtem klirrenden Frost. Zu meiner Schwimmrunde im Olympiabad nahm ich das Rad, denn die Wege sahen frei aus. So war es dann auch, allerdings war die Fahrt ganz schön zapfig, meine Oberschenkel spürte ich bald nicht mehr (egal, Hauptsache warme Füße).
Im Schwimmbecken war viel los, zweimal stießen zu den ohnehin eher vielen Bahnenzieher*innen auch noch Gruppen, die mal am Rand stehend das Wenden erschwerten, mal in hoher Geschwindigkeit Wellen erzeugte. (Mich hätte ehrlich die Motivation zu Schwimmengehen in einer Gruppe interessiert, denn dass andere durch eine Verabredung zum Schwimmen mehr Druck zur tatsächlichen Umsetzung eines Vorsatzen erzeugen, kann ich ja noch nachvollziehen – aber worin liegt der Vorteil, zu siebt ins Becken zu gehen?)
Ich kam gut zu meinen 3.000 Metern, allerdings fühlte sich der Schultergürtel dabei nicht ganz unbeschwert an. Das Heimradeln war deutlich milder: Jetzt wärmte die Sonne, in den geschmolzenen Pfützen blendete sie auch.
Frühstück um halb zwei: Weißbrot mit Butter, Honig, Mandelcreme, Käse (nicht alles auf derselben Scheibe), Granatapfelkerne, Orange.
Nachmittag im sonnendurchfluteten Wohnzimmer mit einer Runde Bügeln, Lesen der Wochenend-Süddeutschen. Ich turnte nochmal die dehnende Yoga-Gymnastik vom Vortag, diesmal ohne dass gleich eingangs alle Zehen in extended child pose schmerzhaft krampften.
Herr Kaltmamsell kehrte von einem Ausflug zu seinen Eltern zurück, wir machten uns fertig zu einer Aperó-Verabredung am Harras mit liebem Besuch aus Goslar. Dorthin spazierten wir um die Theresienwiese herum, unser Ziel war die Bar Seven, die mir als Teil des schönen Postgebäudes aufgefallen war.
Recherche ergab: Wie das Postgebäude am Goetheplatz ist es von der Moderne des damaligen Leiters der Oberpostdirektion München, Robert Vorhoelzer geprägt, in seine Zeit fällt auch der Bau des Postgebäudes an der Fraunhoferstraße und des Paktzustellamts Arnulfstraße. Laut Wikipedia galt Vorhoelzer den Nationalsozialisten als “Baubolschewist” und ging schließlich nach Istanbul ins Exil, der Eintrag listet weitere Bauwerke auf, die er verantwortete.
Die Bar in dem Vorbau am Harras erwies sich als einladend und geprägt von der Tanzschule im Untergeschoß. Wir bestellten Cocktails unserer Jugend.
Angeregte Stunden mit Austausch von Aktuellem, aber auch mit Erinnerungen an Zeiten in Tageszeitungsredaktionen im vorigen Jahrhundert – unsere Geschichten glichen einander auffallend (wie jemand mal ein Volontariat bekam, weil er Koch gelernt hatte und die jährlich für die Redaktion gemästete Sau verarbeiten konnte). Da wir auf die passende U-Bahn zu lange hätten warten müssen, gingen wir zu dritt noch ein Stück zu Fuß bis zur Poccistraße.
Mittlerweile war es neun und ich hatte sehr großen Hunger. So holte ich mir nach vielen, vielen Jahren am Sendlinger Tor mal wieder einen klassischen Döner. Den aß ich aber daheim und auf dem Teller, machte gut satt. Danach Schokolade.
Heute also Demo.
Mal sehen, ob München die geplante Strecke einfach komplett vollstellt. Nein, all die Demos – die 20-Uhr-Tagesschau sprach gestern von insgesamt mehr als 100.000 Teilnehmenden in ganz Deutschland am Samstag (auf tagesschau.de ist sogar von 250.000 die Rede) – können nicht das einzige Mittel sein (hat doch auch niemand behauptet), aber es ist SO wichtig zu zeigen, wo wir stehen. Vor allem in all den kleineren Städten, in denen Tausende auf die Straßen gehen, dabei vor allem in Ostdeutschland (siehe Erfurt, siehe Luckenwalde). Denn die große Mehrheit hier in Deutschland findet unsere liberale Demokratie super und stellt sich gegen diejenigen, die sie gefährden. Wir haben gelernt aus der eigenen Geschichte, aber auch aus der jüngsten in Ungarn, Italien, der Türkei, den Niederlanden. Und jetzt bitte auch die Bundesregierung.
In der taz fasst Sabine am Orde die Argumente für ein Verbotsverfahren gegen die AfD zusammen, die auch meine sind:
“Auf nach Karlsruhe?”
Die AfD würde ein Verbotsverfahren zur Mobilisierung nutzen und sich als Opfer stilisieren.
Darauf kann man wetten. Nur macht die AfD das völlig unabhängig davon, was Demokrat*innen tun. Deshalb eine Gegenmaßnahme zu lassen, ist ein Verzicht ohne Gegengewinn.
* Wortspiel, weil Postmoderne eigentlich was ganz Anderes ist und ich mit meinen versprengten Bildungsbröseln ja irgendwo hin muss.

