Bestandaufnahme Spätfolgen der Wanderung:
– Blase an großer Zehe links
– Sonnenbräunung an Hals und Dekolleté
– leichter Muskelkater am Schienbein und hinterem Oberschenkel
§
Immer noch beschäftigt mit Wolfgang Herrndorf und seinem Tod. Solange er lebte, scheute ich mich, Menschen aus seinem Umfeld auf ihn anzusprechen. Jetzt sprechen sie selbst, und es wird immer verständlicher, warum ihm so innige Freunschaft, so viel Liebe, so viel Wertschätzung zuteil wurde.
Holm Friebe in der Berliner Morgenpost: “Das auktoriale Ende hat er sich nicht nehmen lassen.”
§
Alle echten Pläne abgeblasen an diesem kühleren und bewölkten Tag, statt dessen ein Vollbad genommen und den Vögeln am Meisenknödel zugeguckt (nicht gleichzeitig). Gelacht über den doofen Buntspecht, der erst minutenlang breitbeinig auf dem Balkonsims sitzt und sich hektisch und furchtsam umsieht, bis er endlich neben dem Meisenknödel auf dem Führungsdraht für die Markise krallt, dafür aber zu schwer ist und rutscht, endlich verkrampft am Meisenknödel hängt, der sich aber mit ihm dreht, bis er vor Schwindel die Körperspannung verliert, oder bis er über sein eigenes begeistertes TSCHEK! erschrickt und davonstiebt. Durch sein ungeschicktes Verhalten ist dieser Buntspecht leicht zu unterscheiden von einem anderen, der mit kurzem Flügelrascheln direkt an den Knödel fliegt, sich mit dem Schwanz am Markisendraht stabilisiert und große Stücke Futter raushackt.
Die junge Blaumeise mit Rockabilly-Frisur, die eine Rudolfo-Valentino-Meise (zu Erkennen am schmalen schwarzen Streifen überm Kopf bis zum Rücken, wahrscheinlich eine Weidenmeise oder Sumpfmeise) mit Fiepen und Flügelschrägstellen anbettelt. Mir scheint unter den Blaumeisen ein Generationenwechsel stattgefunden zu haben: In den vergangenen Jahren waren das die frechsten und geschicktesten Vögel am Futterplatz, doch die jetzigen Blaumeisen sind wenige, furchtsam, und sie haben die Haltetechniken nicht recht heraus. Anders die selbstsicheren Kohlmeisen: Manche landen mit derart Karacho am Markisenführungsdraht, dass er brummt wie eine angeschlagene Kontrabasssaite.
§
Ein aktueller Check ergab: Die beiden großen Hollerbüsche in Wohnungsnähe, die im Frühjahr prachtvoll blühten, tragen fast keine Beeren. Wo ich doch dieses Jahr Hollergelee kochen wollte! Weiß jemand fruchtreiche Hollerbüsche in der Münchner Innenstadt, an denen ich ernten darf?
§
Walsers Ehen in Philipsburg weitergelesen, weiterhin sehr interessiert und unterhalten. Vor allem wegen des Zeithintergrunds: Er schildert, wie sich in diesen Nachkriegsjahren die Grundlagen für unser heutiges Wirtschafts- und Mediensystem bilden. Für fast alle entstehenden Mechanismen, die Walser beschreibt, gibt es heute ein Management-Fachwort. Außerdem ein höchst komplexer Erzähler.
§
Beschlossen, meinen Schallplattenbestand (Pop und Klassik aus den 80ern und 90ern) loszuwerden, am liebsten zusammen mit der nicht mehr genutzten Stereoanlage bestehend aus einem Harman-Kardon-Verstärker, zwei Heco-Boxen, einem Lenco-Schallplattenspieler, einem Onkyo-Kassettendeck. Gemerkt, dass das Arbeit werden könnte – Plattentitel erfassen, auf irgendeiner Online-Plattform gegen Selbstabholung anbieten. Oder ich trage die Platten kistenweise in einen Second-Hand-Plattenladen.
CDs und Mischkassetten bekommen noch eine Galgenfrist.
§
Abends die Politik-Show mit Merkel und Steinbrück laufen lassen, nichts daraus gelernt, das Format nicht begriffen – außer als angestrengte Nachrichtenerzeugungsmaßnahme der veranstaltenden Medien.
§
Beifang aus dem Netz:
The Bloggess ist eine der erfolgreichsten Bloggerinnen englischer Sprache also der Welt. Und wer, wenn nicht sie, könnte die ultiultimativen Tipps für erfolgreiches Bloggen geben? “15 things you absolutely must know about social media or your face will melt off and get eaten by goats”
Noch ein bisschen very special interest-Musik.
http://youtu.be/oBYVmnMFMtA
(Gucken Sie ruhig genauer hin: In den Röcken stecken keineswegs nur weiße Männer.)