Archiv für September 2003

Neu auf der Blogroll

Sonntag, 21. September 2003

Während ich halt nur Wörter kann, können andere Leute Kunst. Zum Beispiel Flaccus, der ein elektronisches Skizzenbuch veröffentlicht. Weil er darauf postet, was ihm durch sein Künstlerhirn geht, steht das ab heute unter meinen hoch geschätzten Blogs. Auch wenn es streng technisch genommen kein Blog ist.

Provinz München

Sonntag, 21. September 2003

Ein ganz normaler Donnerstag im September. Auf der Rolltreppe eines Münchner Kaufhauses unterhalten sich zwei Frauen Mitte 40 von der eher hausbackenen Sorte. Im Gespräch greift die blondere der beiden in ihre Handtasche und zieht eine kleine runde Dose heraus. Ohne hinzuschauen streut sie sich etwas vom Inhalt des Döschens auf die Daumenseite des Handrückens. Das wiederum führt sie zur Nase und schnauft es ruckartig ein: Schnupftabak, hierzulande „Schmalzler“ genannt.

Wegen solcher Erlebnisse liebe ich München. All die Erscheinungen, die viele Bewohner dieser Stadt regelmässig zu gehässigen Ausfällen bewegen, gehören für mich genau zu den Dingen, die meine Liebe nur verstärken.

Allein schon mal die elitären und schicken Zirkel. Ich habe ja den Verdacht, dass nur diejenigen über Schicki-Mickis schimpfen, die dazu gehören oder gehörten. Leute wie ich erkennen die einfach nicht: Es kam schon oft genug vor, dass ich Kolleginnen von Restaurant-Entdeckungen vorschwärmte – nur um mich abkanzeln zu lassen „Ach neee, da sitzen doch nur so Schickis rum!“. Ich hatte nur gut gekleidete und wohlerzogene Gäste um mich herum wahrgenommen.

Und wenn Leute wie ich die Schickis erkennen, freue ich mich eher daran. Zum Beispiel an dem Paar in der Feinkost-Abteilung des Kaufhofs am Marienplatz. Er in feinstem Tuch und mit Seidekrawatte, handgenähte Schuhe, regelmäßig geschnittene Haare. Sie zierlich am Rande der Anorexie, streng hochgestecktes Blondhaar, im Edelkostümchen (ich tippe auf Escada), passende Prada-Slingpumps, darauf abgestimmtes Täschchen, dezenter Goldschmuck. Und genau dieses Paar lieferte sich zwischen dem Regal mit Olivenölen und der Fischtheke eine Beziehungsschlacht. Leider konnte ich nicht mithören, was der Streitpunkt war, denn das Paar war wohlerzogen genug sich nicht anzubrüllen, sondern auf schneidenden Flüsterton zu schalten. Aber Körpersprache und Blicke ließen keinen Zweifel daran, dass früher oder später einer von beiden erzürntest den Laden verlassen würde. Welch Schauspiel!

Ich genieße den Anblick aufgestylter Menschen um mich herum. Auch frühmorgens um 8.30 Uhr in der U-Bahn (in München beginnen Bürozeiten im Durchschnitt eine Stunde nach denen in Düsseldorf) ist jede sorgsam hergerichtet – nicht immer mit Erfolg, aber ich sehe, dass Überlegung hinter der Abstimmung von Ohrringen und Haarklammer steht.

Das Nachtleben Münchens kenne ich nur aus Erzählungen – als Queen of Uncool gehe ich eigentlich nur aus, um mich in angenehmer Umgebung mit Menschen zu unterhalten, die ich schon kenne. Aber ich bin Expertin im Frühstücksleben Münchens! Und genieße es, dass ich Sonntags bis spät in den Abend kreative Frühstückskarten vorgesetzt bekomme, dass ich auch um 14 Uhr noch einen Tisch reservieren muss, wenn ich mit mehr als zwei Personen in einem Café aufkreuze. Bis in den Nachmittag sitze ich dann zwischen schönen Menschen in schicker Kleidung, Familien und Studienanfängern.

Die häufigste Klage über München lautet, hier herrsche Provinz. Ach? Da bin ich nun wirklich eine Koryphäe: Ich bin in der Provinz geboren und aufgewachsen, habe in einer weiteren Provinz meine Ausbildung gemacht, in einer dritten Provinz ging ich zur Uni, jetzt habe ich einen Arbeitsplatz in einer weiteren Provinz. Wenn das hier in München Provinz ist, dann ist es eben meine Lieblingsprovinz.

Können wir uns darauf einigen?

Weblog-Umzug

Sonntag, 21. September 2003

Mein Blog-Heinzelmännchen springt aufgeregt zwischen unseren beiden Rechnern hin und her, er vollendet die letzten Schritte im Umzug der Vorspeisenplatte. Ich bin ihm dankbar und schwer beeindruckt, auch wenn er im Bademantel nicht ganz die kompetente Ausstrahlung hat, die ich von einem professionellen IT-Gott gewohnt bin.

Ab jetzt gibt es hier eine Kommentar-Funktion, zudem sind die Rezepte übersichtlicher gestaltet.

Die alten Einträge sind links unter „Speisen (die Anfänge)“ verstaut.

Eine direkte E-Mail an mich ist weiterhin durch Anklicken des Autorennamens „die Kaltmamsell“ möglich.

Musik eher nicht

Sonntag, 21. September 2003

Darf ich mich einfach nicht besonders für Musik interessieren?

Darf ich mich auch dann nicht besonders für Musik interessieren, wenn ich überdurchschnittlich musikalisch bin? Ich habe Block- und Querflöte gelernt, in meiner Jugend in Holzbläser-Quintetten und Orchestern gespielt, in einem international erfolgreichen Jugendchor gesungen. Das hat alles sehr viel Spaß gemacht! Ich habe ein sehr gutes Gehör, dazu Rhythmusgefühl.

Aber ich komme so gut wie nie auf die Idee, Musik anzuschalten oder aufzulegen. Denn meist lese oder schreibe ich. Das kann ich nicht mit Musik; nicht dass mich die Musik dabei stört, ich nehme sie einfach nicht wahr.

Deshalb habe ich keine blasse Ahnung, was gerade in kultivierten Kreisen angesagt ist. Hitparade (na gut, heute heißt das „Charts“) habe ich zumindest mitbekommen, solange ich ins Fitness-Studio gegangen bin. In den Gerätebereichen lief MTV oder VIVA, zu Aerobic bekam man die überarbeiteten Versionen serviert. Ich gehe nicht mehr ins Fitness-Studio, also fehlt mir sogar diese Ahnung. Auf Konzerte gehe ich auch nicht. Früher bin ich noch zu Auftritten von Bands gegangen, deren Mitglieder ich kannte. Aber die sind heute alle Väter und Mütter oder Chefs.

Nur dass ich außer mir niemanden kenne, dem Musik so egal ist. Anybody?

Friday Five

Samstag, 20. September 2003

1. Who is your favorite singer/musician? Why?
Maria Callas, weil sie auf ihrer wunderschönen Stimme spielte wie auf einem Meisterinstrument. Weil klassische Frauenstimmen nur allzu leicht ein bisschen unangenehm klingen, ihre aber süchtig macht.

2. What one singer/musician can you not stand? Why?
Eigentlich alle knödelnden Sänger, von Van Morrison bis Konstantin Wecker. Diese Stimmen drücke bei mir von innen an die Schädelplatte, bäh.

3. If your favorite singer wasn’t in the music business, do you think you would still like him/her as a person?
Nö, Frau Callas riecht mittlerweile vermutlich ziemlich streng.
Und selbst wenn sie noch leben würde: Sopranistinnen sind meiner Erfahrung nach zu anstrengend.

4. Have you been to any concerts? If yes, who put on the best show?
In puncto Konzerte bin ich völlig denaturiert: Ich mag’s lieber auf Platte. Aber seinerzeit fand ich lokale Bands unterhaltsam. Und von denen war die Augsburger Band APRON unschlagbar.

5. What are your thoughts on downloading free music online vs. purchasing albums? Do you feel the RIAA is right in its pursuit to stop people from dowloading free music?
Sorry, das gehört zu den Themen, bei denen mein Hirn umgehend auf Stand-By schaltet. Wenn ich eine Meinung haben muss: Die Downloadbarkeit ist nicht das eigentliche Problem. Also liegt RIAA falsch.