Essen & Trinken

Journal Samstag, 21. März 2026 – Isarlauf plus mit Besuch Isarspaziergang

Sonntag, 22. März 2026

Gut geschlafen trotz viel Alkohol am Abend zuvor, aber nicht lang genug für Ausnüchterung.
Bloggen und Bettwäschewaschen gingen trotzdem gut.

Am Freitag eingetroffen: Die Uhr mit Ziffernblatt für mein Nachtkastl, damit ich im Schlafzimmer immer schnell weiß, wie spät es ist. Dann doch bei ebay gekauft.

Ab Mittag war ich mit dem Besuch aus Oldenburg verabredet, davor war nach Resträumen und -spülen vom Vorabend (Herr Kaltmamsell hatte das meiste bereits erledigt) noch Zeit für eine Laufrunde.

Ich startete von der Haustür über Alten Südfriedhof am Westermühlbach entlang – und entdeckte auf einer kleinen Grünfläche keine drei Meter von mir entfernt einen Grünspecht! Ich höre sie ja sonst immer nur und hatte mich damit abgefunden, dass sie in Wirklichkeit nur ein erfundender Vogel sind, aber da saß wirklich einer und versenkte seinen Schnabel gerade in dem Moos vor ihm – das exakt die Farbe seines Gefieders hatte. Ich blieb bewundernd stehen, doch das reichte bereits, um ihn hoch in den nächstgelegenen Baum zu scheuchen.

Das Wetter war grau und kalt, der März kehrte von versuchtem Frühling zurück zu entsättigten Farben.

Spannend aber die Pferde, die die Isar kurz hinter Thalkirchen kreuzten.

Der Körper spielte trotz Restalkohol gut mit, allerdings wurde der Rückweg mit Gegenwind überraschend anstrengend.

Daheim aß ich nach Duschen und Frischmachen von dem Laucheintopf vom Vorabend, dann holte ich den Besuch vom Hotel ab: Sie interessierte sich für meine Laufstrecke, also spazierten wir diese nochmal. Vorher aber herzte und küsste ich das befreundete Hotel-Personal, das überraschend gerade mit eigenem Besuch vor Ort war.

Am Tierpark Hellabrunn bogen wir ab zum Auer Mühlbach. Auch wenn der Tag ein wenig heller geworden war, mussten wir uns für Farben schon sehr auf die Frühlingsblümelein konzentrieren – von denen wir aber eine große Vielfalt entdeckten. Wir spazierten vertieft ins Gespräch, und ich genoss die viele Zeit mit der Besucherin, die Gelegenheit für Plaudern auch über Alltägliches und Nebensächlichkeiten bot.

Einkehren an der Krämer’schen Kunstmühle im Caffe Fausto – das ich noch nie so voll gesehen hatte. Nach Cappuccino und Aufwärmen gingen wir weiter den Auer Mühlbach entlang bis zum Müller’schen Volksbad. Tramfahrt zum Sendlinger Tor, damit vor der Abendessen-Reservierung noch ein wenig Zeit zum Ausruhen blieb.

Diesmal kam Herr Kaltmamsell mit, der den Tag daheim arbeitend verbracht hatte. Zu dritt spazierten wir ein weiteres Mal, jetzt bis zum Restaurant Schmock im Volkstheater.

Wir starteten mit Drinks, wegen des frühen Wahlhilfeeinsatzes am Folgetag beließ ich es lieber bei diesem Alkohol. Wir bestellten gemischte Vorspeisen für drei. Noch bevor wir Luft holen konnten für die Bestellung von Hauptgerichten, erklärte die (hinreißende) Bedienung mit Augsburger Akzent (ich fragte später, ob ich mit meiner Einschätzung nach ihrem ersten Satz richtig lag): “Des war’s dann!” Auf unseren vorsichtigen Protest, schlug sie energisch vor, wir sollten uns erstmal das Bestellte schmecken lassen, dann werde sie nach weiteren Wünschen fragen.

Kluge Bedienung, nach diesen reichhaltigen Vorspeisen hätten wir weder Tscholent noch Königsberger Klopse wie eigentlich geplant geschafft.

Weiteres Plaudern in viele Richtungen, ich erfreute mich unter anderem an dem gelehrten Austausch der beiden Sprachwissenschaftler*innen, erfuhr mehr über die Vielfalt und Entwicklung der Sprachvermittlung an Universitäten.

Heim spazierte ich mit den beiden ungewöhnlich erledigt, war unterwegs überrascht, dass die öffentlichen Uhren erst 21 Uhr anzeigten. Doch ich musste wirklich ins Bett – und verabschiedete mich vom Besuch ja nur bis Juni, wenn ich mit Herrn Kaltmamsell in den Norden fahren würde.

§

Sie erinnern sich an den großen Stromausfall in Spanien und Portugal vergangenes Jahr? Jetzt zeigt ein Bericht, wie es dazu kommen konnte:
“Wie auf der Iberischen Halbinsel das Stromnetz kollabierte”.

Journal Freitag, 20. März 2026 – Wahlhilfevorbereitung, Abendgast

Samstag, 21. März 2026

Gut geschlafen, das war schön. Und dann wurde es auch noch zu blauem Himmel hell, wunderbar.

Sonniger Arbeitsweg.

Kurzes Stutzen an der Ganghoferstraße:

Ist das die Münchner Variante von Grün statt Parkplatz? (Zur Sicherheit: Besser als nix, mühsam ernährt sich etc.) Böser Vergleich: Wien mit seinem Stadtplanungsprojekt “Raus aus dem Asphalt”. Medial herumgereicht werden ja gerne die Vorher-Nachher Fotos aus Paris. Lebensnäher und übertragbarer scheinen mir diese aus Wien, Straßen wie die Neubaugasse kenne ich auch in München.

Das Wahlamt reagierte schnell: Noch vor neun hatte ich mein Berufungsschreiben im Postfach. Auf der Liste des Wahlhilfeteams neben mir nur drei bisherige, die drei neuen versuchte ich umgehend zu kontaktieren. Der erste, den ich erwischte, erklärte mir gleich mal, dass er aber nur vormittags könne und nicht beim Auszählen. Ich bat ihn um Meldung der Verhinderung bei der Bezirksinspektion. Weitere Telefonate ergaben, dass die neuen Leute auf meiner Liste in ihrem ursprünglichen Berufungsschreiben explizit informiert worden waren, dass sie NICHT für die Stichwahl berufen seien. Dass sie auch kein Berufungsschreiben erhalten hatten und durch meinen Anruf zum ersten Mal von ihrem Einsatz hörten. Das machte das Ehrenamt als Wahlvorsteherin schlagartig deutlich aufregender, als ich es mir bei der Stichwahl vorgestellt hatte – ich hatte erwartet, dass die überhaupt keine Aufregung wert sein würde. Zefix.

Sonstige Arbeit im Büro gut machbar, ich konnte gelassen auf meinen Mittagscappuccino ins Westend gehen. Unterwegs geriet ich an einem Zebrastreifen unter Kinder, die gerade verkehrserzogen wurden. Brav reihte ich mich ein und machte das koordinierte Gucken und Gehen mit. Wie hieß es in der Tanzschule gern: Grundschritte zu üben schadet nie.

Bevor ich zurück am Schreibtisch saß, hatte ich mein Wahlhilfe-Team für Sonntag vollständig und informiert – vorerst, ich bin vorsichtig geworden. Währenddessen trafen zwei weitere Berufungsschreiben für mich in meinem privaten E-Mail-Postfach ein, eines mit leichter Variation – das Wahlamt macht gerade echt nicht bella figura. Na gut, dann wiederum: Die jüngste reguläre OB-Stichwahl ist zwölf Jahre her. Vor sechs Jahren war Pandemie; damals wurden zur Wahlhilfe bei der Stichwahl Lehrer*innen rekrutiert, weil die Schulen eh gerade dicht waren (fiel mir ein, als ich dachte, “als wäre das ihre erste OB-Stichwahl”: ist es wahrscheinlich tatsächlich für die allermeisten Mitarbeitenden im Wahlamt).

Jetzt aber noch überraschend aufgelaufene Aufträge abgearbeitet. Dadurch wurde das Mittagessen eher spät: Köstliche Birne, Hüttenkäse mit Leinsamenschrot.

Danach mehr abgearbeitet, darunter sehr Interessantes.

Pünktlicher Feierabend, auf dem Heimweg Besorgungen. Zu Hause Abendgastvorbereitungswirbeln, auch wenn das eigentliche Kochen wieder Herr Kaltmamsell erledigt hatte.

Klingeln an der Haustür, große Freude: Wir hatten den Oldenburger Besuch seit zwei Jahren nicht gesehen. Es gab ausführliche Vorspeisen, damit niemand länger in der Küche verschwinden musste, dazu Luxemburger Cremant. Warme Hauptspeise war dann der beste Lauch-Eintopf aus Ernteanteil: Der Besuch hatte nach einer Dienstreisewoche mit viel Fleisch um eher etwas ohne gebeten. Dazu bot ich erstmal den Gemischten Satz von Marie Adler an – da der recht ungewöhnlich schmeckt, hatte ich aber einen konventionelleren Weißwein in der Hinterhand. Wir blieben beim Gemischten Satz, auch über den Nachtisch hinweg: Auf meinen Wunsch hatte Herr Kaltmamsell Sticky Toffee Pudding vorbereitet.

Vor allem aber Gespräch und Austausch, das war sehr schön. Zumal beides am heutigen Samstag fortgesetzt werden kann.

§

Faktencheck von Sarah Bosetti zum Sozialstaat – ichweißichweißichweiß, mit Fakten macht man keine Politik (die Grünen sind beim Versuch fast unterm Bus gelandet), aber bei Sarah Bosetti gibt’s wenigstens was zu lachen.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=lYoYdTHuBn0

§

UND JETZT ABER ZU DEN GUTEN NACHRICHTEN!
“King opens world’s longest coastal path around England”.

Ich könnte sagen, dass ich im September 2025 an genau derselben Stelle stand wie König Karl auf dem ersten Foto, wenn ich nicht auf der gegenüberliegenden Seite der Cuckmere-Mündung auf den Coastal Path eingebogen wäre.

Aber dann halt auch:

For the first time in English law there is provision for the route to be moved inland – “rolled back”, Natural England calls it – if the coastline erodes or shifts.
This allows the trail to adapt to the changing shoreline and aims to ensure that the coastal walk remains continuous and practical for generations to come.

Journal Donnerstag, 19. März 2026 – Schöner erster Lerchenlauf

Freitag, 20. März 2026

Vor dem besonders frühen Weckerklingeln einen besonders schönen Traum geträumt, der in England spielte und in dem Herr Kaltmamsell eine zentrale Rolle hatte.

Wie fast immer war ich bereits weit in meinem Morgenhandlungen, bevor in meinem Bewusstsein ankam: Früh! Zu wenig Schlaf! Doch wie berechnet war es beim Verlassen des Hauses um Viertel nach sechs hell genug fürs Stolperrisiko-arme Laufen. UND KALT! Über der Isar hing eisiger Nebel.

Doch mit angemessener Kleidung (Handschuhe!) und Bewegung war mir warm genug, der Körper spielte gut mit (nach Kreuz- und Achillessehnenschmerzen beim Aufstehen allerdings mit präventiver Ibu), ich bekam so richtig was geboten.
Unter anderem sehr viele Eichkätzchen auf dem Alten Südfriedhof.

Vor der Haustür.

Von der Wittelsbacherbrücke aus.

Unter der Wittelsbacherbrücke.

Nach disziplinierten 70 Minuten war ich zurück daheim.

Zum Vergleich: Der erste Lerchenlauf 2025, dieser am 18. März.
(Warum so ein Tagebuchblog praktisch sein kann.)

Nach dem Frischmachen: Auftritt neue Bürobluse.

In der Arbeit stempelte ich 35 Minuten später als sonstiger Durchschnitt ein, Öffnen des E-Mail-Postfachs zeigte: Ich hatte nichts verpasst.

Unzufrieden war ich mit dem Wetter: Seit Tagen hatte man mir strahlenden Sonnenschein angekündigt, doch jetzt sah ich vorm Büro nur Wolkenhimmel.

Mittagscappuccino im Westend, auf dem Weg fühlte ich mich sehr müde. Hatte aber die endlich schlüssige Idee fürs Freitagabendessen, zu dem Herr Kaltmamsell und ich einen sehr angefreuten Gast haben werden.

Zu Mittag gab es eine überraschend gut Birne (ich LIEBE überraschend gutes Obst), dann eingeweichtes Muesli mit Joghurt. Aber Kopfweh und müde – hoffentlich nur wegen des arg frühen Aufstehens.

Gut machbarer Arbeitsnachmittag. Auf dem Heimweg Einkäufe für Freitagabend, das Wetter weiterhin eher kühl, aber deutlich trocken. Zu Hause nochmal die stretchige Yoga-Folge vom Mittwochabend, diesmal konnte ich sie wirklich genießen.

Als Nachtmahl kombinierte Herr Kaltmamsell einige Bestandteile des eben geholten Ernteanteils:

Von oben im Uhrzeigersinn: Kohlröschen, Ruccola, Einkorn (Ernteanteil der vergangenen Woche), Steckrübenpüree – ganz erstaunlich gut, weil fruchtig. Nachtisch Schokolade.

E-Mail vom Wahlamt mit Entschuldigung, dass die Wahlhilfe-Berufungschreiben für Sonntag so spät rausgegangen sind. Wenn man am gestrigen Donnerstag noch keines bekommen habe, solle man sich telefonisch oder per E-Mail für eine digitale Zusendung melden. Netterweise stand gleich drin, dass die Zusammensetzung der Teams NICHT auf dem Wahlhilfeportal stehe, sondern nur in dem Berufungsschreiben – das ersparte mir das geplante ultra-komplizierte Einloggen am Abend, mit dem ich mich über genau dieses hatte informieren wollen. Statt dessen antwortete ich dem Wahlamt mit Bitte um Berufung per E-Mail: Sie war nicht in der Post gewesen.

Endlich eine Wander-Anfrage zur diesjährigen Oktoberfestflucht losgeschickt – dann doch Wandern im Schwarzwald statt Sprachurlaub in Italien (oder Istanbul? der Theaterabend in Ingolstadt hatte mir mal wieder unter die Nase gerieben, wie super es wäre, das viele Türkisch in München wenigsten ein bisserl zu verstehen), aus purer Recherche-Faulheit.

§

Münchens grüner Bürgermeisterkandidat Dominik Krause wird sehr konkret, was er machen will, wenn er gewinnt:
“7 Punkte, die ich als OB anders machen werde”.

Meiner Ansicht nach liest sich darin sehr deutlich die Erfahrung von Dominik Krause aus seinen Jahren als 2. Bürgermeister Münchens: Er ist in keiner Weise naiv, sondern kennt die ganz konkreten Stellschrauben.
(Womit ich als Grünen-Parteimitglied endlich etwas zum Wahlkampf beigesteuert habe.)

§

Vielleicht mögen Sie auch zur re:publica? Und haben noch kein Ticket?
Joël hat eines zum Early-Bird-Preis abzugeben.

Journal Samstag, 14. März 2026 – Endlich wieder gut geschwommen

Sonntag, 15. März 2026

Mittelgute Nacht, die zu früh endete, mittendrinn nach Langem mal wieder von einem Krampf im Bein geweckt worden: Aufstehen und Yoga-Vorbeuge halfen.

Aufgestanden mit der schönen Aussicht, den ganzen Samstag nichts zu müssen (außer Nusszopfbacken und Schwimmen, weil mein Hirn das geplant hatte) – das brauchte ich so dringend, dass ich dafür sogar die Geburtstagsfeier eines lieben Menschen drangegeben hatte. Das Wetter sah gemischt aus, morgens Tendenz zu Sonne.

Erstmal kümmerte ich mich um den Nusszopf. Da ich eine faule Einkäuferin bin, hatte ich statt gemahlenen Haselnüssen gehackte verwendet – es hatte am einen Einkaufsort weder ganze, noch gemahlene Haselnüsse gegeben, selbst die eine Packung gehackter fand ich nur durch Zufall. Stellte sich als keine ideale Wahl heraus: Die Flüssigkeit der Füllung trat beim Backen aus.

Ansonsten gelang er aber gut.

Nach dem frühen Aufstehen war ich besonders früh startklar für meine Schwimmrunde. Mein Fahrrad ist immer noch platt, also nahm ich trotz attraktivem Wetter die U-Bahn zum Olympiabad.

Nach der vorherigen Schwimmschwäche und dem nächtlichen Krampf war ich etwas angespannt, wie es diesmal laufen würde. Doch ich wurde beschenkt: Der Körper machte problemlos mit, schon nach einigen Bahnen war klar, dass ich eine Freude haben würde. Meine gut 3.000 Meter waren schön und besänftigten mich, zumal ich immer wieder begleitet von Sonnenschein schwamm. Die innere Schwärze lichtete sich deutlich.

Zurück daheim gab es kurz nach eins nach einem Äpfelchen zum Frühstück reichlich Nusszopf.

Wenn man vernünftig rechtzeitig mit Essen aufhören könnte, wäre er ja nicht gelungen.

Ich spazierte nochmal raus: In der Innenstadt wollte ich nach einer Bürobluse suchen – in diesen Übergangswochen ohne Kälte oder Hitze mag ich in der Arbeit Baumwoll- oder Seidenblusen. Wichtiges Kriterium, das ein Anprobieren erforderte: Sie sollte Abnäher haben, um gut zu sitzen. Gerade geschnittene Hemden mag ich an mir nicht besonders, sie sehen leider nicht lässig, sondern unförmig aus, ich habe vorne unlässige Anatomie.

Nach einigem Umsehen in Einzelhersteller-Läden ohne Erfolg landete ich im Kaufhaus, im Kaufhof am Marienplatz. Hier konnte ich mir das Angebot zahlreicher Hersteller an einem Ort ansehen (Kaufhaus-Liebe), und tatsächlich fand ich eine Bluse, die mir gefiel und die passte. Auf dem Heimweg Lebensmittel-Einkäufe fürs Wochenende. Der Himmel war immer dunkler geworden, bei ersten Regentropfen kam ich nach Hause.

Nachmittag mit Zeitung- und Internetlesen, Blogger-Bücher-Übergabe an Besuch, eine letzte Folge Pilates.

Zum Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell nach einigem Hin- und Herplanen aus Ernteanteil-Karotten und -Kartoffeln eine Gemüsepfanne plus Zwiebel und Champignons, dazu gab es Dinkelkörner. Vorher gab es Jamón vom ganzen Bein, und ich holte das Glas Weißwein vom Freitagabend nach, einen verlässlichen Verdejo.

Nachtisch Schokolade, Herr Kaltmamsell taufte die Schachtel mit Süßigkeiten unsere “E-Kiste” – nach dem dort vorherrschenden Nutri-Score.

Im frühen Bett Start der Manuskript-Lektüre.

§

Mal wieder ein Selfie-Rückblick.

Vor zehn Jahren:

Ich vermisse diese Brille.
Vor 20 Jahren:

Hier ging es mir vor allem um den lustigen Pony, den ich mir vom Friseur genau so gewünscht hatte.

§

Der Wiener Oberarzt Wolfgang Hagen erinnert sich:
“Am 13. März 2020 wurde der erste COVID-Kranke auf meiner Station aufgenommen.
Drei Tage später ging Österreich in den Lockdown.”

Gefragt wurde niemand von uns, ob wir überhaupt bereit wären, in einer Zeit, als das öffentliche Leben durch Panik und Lockdowns zum Stillstand kam, uns dem Virus beruflich auszusetzen. Trotzdem erschienen alle weiterhin zum Dienst. Vom medizinischen Personal und der Pflege bis zur Reinigungsbrigade machten alle einfach weiter, nur eben unter völlig anderen Bedingungen als zuvor. Der Weg ins Spital führte durch menschenleere Straßen, den Nachweis der „systemerhaltenden Tätigkeit“ in der Tasche.

Und vor allem, was mir am meisten bei der so genannten “Aufarbeitung” der Pandemie fehlt: Er gedenkt einiger der Tausende Toten.

Erst vergangenen Sonntag erfuhr ich, dass eine Mitwahlhelferin der Kommunalwahl 2020 am 15. März 2020 und damit am Anfang der Pandemie in den Tagen darauf an Corona erkrankte, Wahrscheinlichkeit der Ansteckung beim Wahlhelfen sehr hoch. Wir erinnern uns, dass es keine Masken gab? Dass noch nicht mal der Nutzen von Masken entdeckt war? Zum Glück kam diese Kollegin ohne schwere Symptome durch die Erkrankung und leidet unter keinen Folgen.

§

Ein wunderschönes Interview mit Siri Hustvedt über den Tod ihres Manns Paul Auster und ihre Trauer (€):
“Das Paradoxe an Trauer ist, dass man weiterhin liebt”.

Sie sagt darin so viele kluge Dinge, dass ich jetzt mehr von ihr lesen möchte (bislang nur einen ihrer Romane), eher sogar ihre Sachbücher.

Journal Freitag, 13. März 2026 – Im Schwarzen

Samstag, 14. März 2026

Kurz vor Wecker nach eigentlich reichlich Schlaf erschlagen aufgewacht. Wunderschöne Mondsichel hinter den kahlen Bäumen des benachbarten Parks, es tagte zu klarem Himmel.

Deshalb eigentlich schöner Marsch in die Arbeit durch überraschend kalte Luft: Am Boden glitzerte Frost.

Kaiser-Ludwig-Platz.

Ein Blick nach oben erwies: Einige Kastanienknospen sind schon ziemlich weit.

Doch ich fühlte mich erschöpft, elend und müde, außerdem lagen mir die Sardinen vom Vorabend immer noch quer im Magen.

Die Blüten im Büro-Atrium, morgens noch stumm, doch im Lauf des Nachmittags immer lauter.

Im Büro entdeckte ich die Morgenaufgaben, die ich mir am Vortag-Feierabend zurecht gelegt hatte – und sofort vergessen.

Ausufernde Korrekturarbeiten – wer nicht weiß, auf wie viele Details auch in Typografie bei Publikationen (dazu gehört auch PPT) zu achten ist, kann auch nicht den Aufwand des Überprüfens einschätzen. Wahrscheinlich (eigentlich hoffentlich) stirbt mit meiner Generation dieser Aufwand aus – weil’s eh niemand mehr merkt.

Die innere Schwärze so dominant, dass ich auf beiläufige Befindensfragen ehrlich “mir geht’s grad nicht so gut” antwortete – dafür muss erfahrungsgmäß einiges zusammenkommen (sagt der innere Beobachter, der nicht immer praktisch ist).

Kurzer Schwärze-Exkurs: Beim Postwestfalen sah ich kürzlich ein Stöckchen (“Blogparade”) zum eigenen Vornamen – und ich merkte, dass ich derzeit nicht mal so weit in mich schauen will. (Kurzantwort: Inés passt schon. Konnte ja niemand die polnische Oma auf dem Schirm haben, die daraus “de Jinnes” machen würde.)
Eine üblicher Reflex auf Klage über dominante Düsternis ohne nachvollziehbaren Anlass ist ja: “Nimm dich halt selbst nicht so wichtig.” Glauben Sie mir: Nichts täte unsereine lieber, als sich selbst nicht so wichtig nehmen zu müssen, als sich endlich unbeschwert von sich selbt um alles andere zu kümmern zu können.

Stress-Kopfweh vom schieren Existierenmüssen. Weitergeackert, allerdings plus Angst, in diesem Zustand Fehler zu machen.

Wenn Sie sich vielleicht solche Schwarzstimmungsattacken vorstellen wie eine aufziehende schwere Erkältung: Ich spüre die massiven Symptome, bin aber nahezu hilflos. Raus an die Sonne? Schlafen? Fotos von niedlichen Tieren anschauen? (Also die Entsprechung zu Vitamin-C-Tabletten, Echinacea-Tropfen, Hühnerbrühe.)

Mittags ging ich auf einen echten Spaziergang raus in die weiterhin wolkenlose Frühlingssonne, also nicht auf einen Marsch um die Blöcke, sondern mit Zeit zum Gucken und Schnaufen. Ich steuerte den Bavariapark an. Das war schön und kam tatsächlich ein wenig an mich ran.

Die Bezeichnung “Brüllwürfel” kenne ich seit den 1990ern (hat tip zur legendären Wortschöpferin Gisi), doch in Wahrheit hat das Wort auf das Baustellenradio von Makita gewartet. Daraus ertönte auch ordnungsgemäß Speed Metal.

Mittagessen klappte: Äpfelchen aus Ernteanteil, geradezu Konfekt-artig köstlich, außerdem Mango mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot.

Nachmittags musste ich mich zu Konzentration zwingen, um nicht nächste Woche von zu viel Liegengebliebenem überschwemmt zu werden. Zum Glück beruhigte sich die schwarze Flut ein wenig. Was blieb, war eine ungeheure Müdigkeit.

Nahezu pünktlicher Feierabend. Auf dem Heimweg wollte ich eigentlich noch Blumen einkaufen (Entsprechung Zinktabletten), doch ich war zu erschöpft, schaffte kein Aufraffen mehr. Eher stellte ich mir vor, wie ich mich einfach auf den Boden setzen würde und da bleiben. Daheim nach kurzer Begrüßung Herrn Kaltmamsells (der bereits fürs Abendessen in der Küche stand) und Erklärung (einen lieben Menschen mit der Schwärze belasten zu müssen, hilft auch nicht) ging ich einfach ins Bett.

Ein wenig konnte ich schlafen (blöd halt, dass genau zwischen halb sechs und halb sieben die Glocken der Kirche St. Matthäus ihre große Show haben), beim Aufstehen nach einer Stunde ging es mir besser.

Genug Energie für Freitagabendfeiern: Ich mixte uns Drinks (Rosita, Herr Kaltmamsell hatte etwas mit Campari bestellt), säbelt dazu am spanischen Schinken herum, holte die restlichen Antep-Pistazien aus dem Schrank. Erstmal gab es französische halbgetrocknete Pflaumen mit Speck gebraten (meine Bestellung), dann aus Ernteanteil-Kartoffeln Gnocchi (wieder wunderbar flaumig) mit Tomatensauce – sehr gut. Eine schlechte Überraschung war der Weißwein, den ich dazu rausgesucht hatt: Der Les Cigales blanc vom Château Duvivier schmeckte chemisch sprittig mit Lakritznoten, keine Spur von der Ankündigung “Bukett nach gelben, exotischen Früchten, grüne Banane, florale Noten nach Apfelblüten”. War er vielleicht einfach verdorben? Ich ließ ihn stehen.

Mehr Alkohol gab es zum Dessert: Gekaufter Schokopudding mit selbst eingemachten Armagnac-Zwetschgen. Dann noch ein Rollgriff in die Schokoladenkiste. Früh ins Bett zum Lesen, ich beendete Helga Schubert, Luft zum Leben (hm, hm).

§

Eine seltene Meldung von Lila aus Israel mit einem kleinen Ausschnitt Kriegs-Alltag:
“Die abenteuerliche Fahrt eines Landeis in die Großstadt und zurück”.

§

Interview aus der Serie Meisterstunde, geführt im Münchner Stadtteil Nymphenburg:
“Vergolderin Elke Gleim über’s Loslegen:
»Und dann fängst du an und merkst: Die Probleme, vor denen du Angst hattest, sind keine«”.

Journal Mittwoch, 11. März 2026 – Nichts, was eine Überschrift hergäbe

Donnerstag, 12. März 2026

Mittelgute Nacht, etwas zerstückelt, unter anderem von Brüllamseln.

Auf dem Weg in die Arbeit in milder Luft ein paar Regentropfen abgekriegt (es braucht dringend deutlich mehr Wasser von oben), an der Theresienwiese mit Regenbogen belohnt worden.

Wegen angekündigtem Trubel in meinem Büro zog ich Jobs mit Konzentrationsbedarf gleich mal vor.

Trubel stellte sich ein – blöderweise war aber ein weiterer Hochkonzentrations-Job dazugekommen. Ich musste kurz fauchen. Was allerdings nicht half, als ein Online-System ausstieg und ich den Job vorerst nicht abschließen konnte.

Der Himmel vorm Büro jetzt blau mit Schäfchenwolken, die Sonne herrlich – ich genoss meinen Marsch auf einen Mittagscappuccino im Westend.

Highlight des Tages: Meine Quittenfee überreichte mir vom imkernden Herrn Papa ein riesiges Glas Münchner Honig.

Zu Mittag gab es Quark mit Blutorange und Leinsamenschrot.

Emsiger Nachmittag, vorm Fenster gemischter Himmel, oft dramatisch, manchmal mit Regenschauern.

Heimweg über Besorgungen: Herpes-Salben-Nachschub in der Apotheke, Roggenvollkornbrot beim Bäcker Wimmer, Check beim Gebrauchtwarenhaus nach Tischuhren (nichts Ansprechendes), beim Aldi wollte ich vor allem die kleinen Billig-Schokoeier im Netz – gab es nicht (aber genug anderen Süßkram). Unterwegs sichtete ich die nächste Zündstufe Frühling: Blausterne. Es müsste kurz vor Schlüsselblumen sein.

Zu Hause packte ich nur schnell aus, ich war mit Herrn Kaltmamsell zum aushäusigen Abendessen verabredet: Wir gingen nochmal zu Honghong Ramen in der Müllerstraße.

Ich bestellte nochmal die hausgemachten Superbreitnudeln mit Auberginen und Tomate (die Nudeln liegen unter all dem Zeug), Herr Kaltmamsell hatte würziges Rind mit Tofu, wir waren beide zufrieden. Dazu je ein großes Glas Aloe-Vera-Drink, der mir wieder sehr gut schmeckte – doch daheim habe ich nie Lust darauf und kaufe es deshalb nie flaschenweise.

Schokolade zum Dessert gab es dann daheim. Im Fernsehen ließen wir My Big Fat Greek Wedding laufen, mit einer der besten Make-over-Episode der Filmgeschichte und meiner liebsten Kennenlernszene. (Der kann unmöglich SCHON 24 JAHRE ALT sein!)

§

Ich weiß ich weiß ich weiß, politische Aussagen sollen sich in erster Linie gut anhören und irgendwas emotional bewirken, die Faktenbasis ist nahezu irrelevant.
Doch gemäß dem Leitspruch “Aber man muss es doch wenigstens versuchen”: Bereits vor einem halben Jahr hat eines laut eigener Website “der größten integrierten Energieunternehmen in Deutschland und Europa”, nämlich EnBW, durchgerechnet:
“Mehr Kosten als Nutzen: Drei Gründe, warum Atomkraft keine wirtschaftliche Alternative ist”.

via @astielau

Journal Dienstag, 10. März 2026 – Langsames Runterkommen, irgendwie

Mittwoch, 11. März 2026

Gut geschlafen bis Weckerklingeln. Dennoch fühlte ich mich auf dem Weg in die Arbeit (knackig frisch, aber immer noch zu mild für die Jahrezeit) erschöpft und müde. Sofort grätschte die Gefühlspolizei ein: Aber jetzt ist doch das schlimme Wahlhelfen mit seiner Anspannung vorbei, außerdem hast du neun Stunden geschlafen, du darfst dich nicht erschöpft fühlen!

Es wurde Tag mit etwas Sonnenschein, der sich über die nächsten Stunden durchsetzte.

Im Büro schaffte ich es, mich ohne Hektik zu sortieren und die E-Mails vom Wochenende plus denen vom Montag geordnet und nach Priorität abzuarbeiten. Dazwischen Besprechung in größter Runde, ich konnte einen kurzen Hinweis auf Naturgesetze loswerden (was passiert, wenn man Dinge irgendwohin stellt – und was nicht). Ebenfalls dazwischen Teilnahme an Geselligkeit mit Gelegenheit zur Bestätigung, wie nicht ich das kann (intensiven Austausch von 0 auf 100 hingegen schon).

Dann wollte ich dringend raus ins sehr attraktive Wetter, ich marschierte durch echte Frühlingsluft ins Westend auf einen Mittagscappuccino.

Und mit offenem Mantel (aber Halstuch) zurück.

Später erkundigte ich mich nach dem vorläufigen Ergebnis der Münchner Stadtratswahl: Besonders freute ich mich, dass die Rosa Liste weiterhin mit einem Stadtrat vertreten ist, ich halte das weiterhin für wichtig – Glückwunsch, Bernd!

Am frühen Nachmittag und nach erfolgreichem Wegarbeiten der Dinge von oben stellte sich endlich sowas wie Euphorie über die geschaffte Wahlhilfe ein. Gleichzeitig erreichte ich den Punkt, an dem ich meine Nagelhäute nach Langem mal wieder bis aufs Blut gefieselt hatte. (Mittlerweile Verdacht, dass das bei mir die Funktion von Stimming hat, so wie früher Haaredrehen, das ich mir vor Jahren eisern abgewöhnte – bei kurzen Haaren tat ich das nämlich mit Stirnfransen und dafür sehr schiefem Kopf, was zu massiven Nackenschmerzen führte.)

Nach Feierabend ging ich in angenehmer Luft über Lebensmitteleinkäufe nach Hause. Dort eine halbe Stunde Pilates, anstrengend und gut.

Herr Kaltmamsell setzte ein Rezept um, das ich ihm als eine Möglichkeit zum Aufbrauchen der Ernteanteil-Karotten zugesteckt hatte (roh knabbern geht ja leider nicht -> Bauchweh):


Dinkel-Karotten-Salat. Er schmeckte ganz ausgezeichnet (die letzte Pastinake wurde mitverwertet), wird wieder gemacht. Nachtisch Schokolade.

Das Geld für den irre teuren Käse habe ich von Crowdfarming zurückbekommen, sie akzeptierten die Stornierung meiner Adoption aus eigener Initiative rückwirkend. Demnächst gehe ich also zum Tölzer Kasladen und haue die über hundert Euro dort auf den Kopf (“Ham’S net no an teiernen?”).

§

Mal wieder Daniel Middle mit seinem Hula Hoop gefällig?
Ton bitte an!