Wandern

Journal Montag, 2. November – #Uralub Tag 2 mit Abwandern am Tegernsee

Dienstag, 3. November 2026

Noch vor Weckerklingeln nach guter Nacht von Krähen-Geplärr aufgeweckt worden. Wecker weil Wanderpläne: Ich wollte herausfinden, wie sich der Tegernseer Höhenweg, beide Teile, in die Gegenrichtung der bisherigen anfühlte, also vom Ort Tegernsee aus am See entlang und dann das doofe Stück an der vielbefahrenen Straße am Anfang der Wanderung, ab Rottach-Egern hoch zum Höhenweg und über Galaun zum Tegernseer Bahnhof, von dort den nördlichen Teil des Höhenwegs nach Gmund.

Fast hätte ich mich in der Zeit bis Aufbruch vor neun verrechnet; zum Glück bemerkte ich meinen Irrtum beim Aufgießen einer großen Tasse Grüntee – ich goss ihn um in meine Thermoskanne und steckte ihn in den Wanderrucksack. Erwies sich bei der gestrigen Kälte als willkommene Wärmequelle.

Wander-Funktionskleidung unterwegs sendet vielleicht das gegenteilige Signal von “Tracht” auf Volksfesten. Statt gewünschter Zugehörigkeit zu Ortsansässigen sagt sie: “Ich bin hier fremd und nur zu Besuch, gehöre nicht dazu und will einfach nur hier wandern.”

Draußen war es novemberlich und kalt, das Tegernseer Land liegt noch höher und würde noch das eine oder andere Grad kälter sein, nur wenig über null. Also wärmere Mütze und Halstuch, Handschuhe und warme Fleecejacke überm Shirt und unter der Wanderjacke eh.

Der Zug nach Tegernsee war wie erhofft trotz Schulferien nur locker genutzt, höchstens ein Viertel erkennbare Wandersleut.

Bei Ankunft bekam ich sogar noch ein wenig blauen Himmel und kalte Sonne, ab dann verdüsterte sich der Himmel immer mehr.

Es wurde eine schöne Wanderung, diese Richtung möchte ich auf jeden Fall nochmal bei schönem und wärmerem Wetter machen. Bei aller Freude an der Wanderung war mir (!) nämlich zu kalt: Ich genoss jede Steigung, die mich wärmte, wenn sie mich zu sehr wärmte und ich ins Schwitzen kam, fröstelte ich beim nächsten Abstieg und sorgte mich gleich. Außerdem schränkt Kälte für mich (!) die Ausruh- und Brotzeitbequemlichkeit ein: Hinsetzen ist eigentlich nicht möglich.

Doch ich habe möglicherweise endlich die ideale Nutzung meiner neuen Wanderstiefel gefunden: Dünne (!) Einlagen zu dicken Wandersocken, jetzt fühlte sich das Wandern darin superbequem ohne jedes Drücken an. Bevor ich das als echte Erkenntnis akzeptiere, ist aber noch Wiederholung nötig.

Das größte Vergnügen breitete mir schlicht meine Körpertüchtigkeit: Dass ich mal wieder einfach so lange wie ich wollte hoch und runter wandern konnte. Nur zu gut sind mir die Zeiten in Erinnerung, als ich das wegen kaputter Hüfte nicht konnte – und aktuell dachte ich an Herrn Kaltmamsell, dem das körperlich verwehrt ist. Oder an meine wander-begeisterten Eltern, denen das Alter irgendwann dieses Vergnügen genommen hat. Wird mir nie selbstverständlich sein.

Der Schnee war schon da, man sieht ihn hier auf dem Wallberg hinter Rottach-Egern.

Jetzt aber rauf. Die nächsten beiden Stunden hatte ich den Weg so gut wie ganz für mich, nur zweimal kamen mir andere Wandersleute entgegen.

Damit ich nach einer Weile runter auf Rottach-Egern schauen konnte.

Schnee am Galaun.

Hinunter nach Tegernsee über die Sonnleiten – zufällig erwischte ich unter den unerwartet zahlreichen ausgeschilderten Wegen von Galaun hinunter den, auf dem ich die vergangenen beiden Male hochgewandert war.

Brotzeit machte ich um zwei in der Wartehalle des Tegernseer Bahnhofs – die nicht nur beheizt ist, sondern ebenso wie die am Bahnhof Gmund über ein öffentliches, kostenlose Klo verfügt (Tipp!). Es gab zwei Äpfel, die mir die liebe Schwägerin mit meinen Eltern mitgeschickt hatte (herrlich sauer-aromatisch – kann es sein, dass richtig absichtlich saure Äpfel immer weniger werden?), Trockenfeigen und Mischnüsse. Weniger als geplant, weil ich mich nach den beiden Äpfeln unerwartet schnell voll fühlte.

Weiter Richtung Norden, jetzt begegneten mir immer wieder Spaziergänger*innen, viele mit Hund.

Schon um drei wurde es Dämmerungs-düster.

Zu meiner Überraschung war der Käse-Verkaufautomat über Gmund (Ortsteil Gasse) noch in Betrieb, ich hatte mit Winterpause gerechnet. Also kaufte ich dort Almkäse, Camembert, Butter – und suchte nicht nach dem Rewe in Gmund, den mir die Betreiberin des Automaten bei einer Begegnung vergangenes Jahr als weitere Verkaufsstelle der Käserei Tegernseer Land genannt hatte.

Ankunft am Bahnhof Gmund kurz nach Abfahrt eines Zugs nach München, ich sah noch die Rücklichter. Machte nichts, auch in diesem Bahnhof konnte ich mich in einen beheizten Wartesaal setzen, und schon eine halbe Stunde später kam der nächste Zug nach München.

Gut 5 Stunden war ich unterwegs gewesen, hatte dabei 19 Kilometer und 170 Stockwerke (mein Schrittzähler kann keine Höhenmeter) zurückgelegt, gähnte auf der Heimfahrt immer wieder recht herzhaft. Ich rechnete damit, dass sich beim Aussteigen am Münchner Gleisende meine Beine schwer anfühlen würden und ich den letzten Kilometer nach Hause eher humpeln müsste. Aber nein: Ich marschierte zu meiner Überraschung federleichten Schrittes, tätigte unterwegs noch ein paar Lebensmitteleinkäufe, fühlte mich weiterhin fit.

Daheim hatte bereits Herr Kaltmamsell die Wohnung beheizt: Er war vom Rollenspielen zurück, hatte den Tag über seine Eltern bei der Zubereitung von Quittengelee unterstützt.

Nach einer Runde Rückengymnastik gab es Alkohol. Leider erwies sich auch die dritte Flasche des 6er-Kistls Ziereisen Grauburgunder als oxidiert und verdorben, ich werden den Händler anschreiben müssen. Doch es gab eine Alternative.

Griechischer Malagousia Vourvoukeli 2024, der genau richtig eigen und komplex schmeckte.

Zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell Ernteanteil zu Sellerie-Schnitzeln, ich machte den restlichen Zuckerhut nochmal mit Orangen-Haselnussmus-Dressing an.

Nachtisch Schokolade. Merke: Es sind nicht zu viele Süßigkeiten im Haus, wenn man sie in einem Gang von der Küche auf den Esstisch tragen kann.

Früh ins Bett zum Lesen – vor lauter Müdigkeit dann aber gleich Lichtaus ohne Lesen.

Journal Freitag, 30. Oktober 2026 – #Uralub Tag 1 mit Wanderung über der Pupplinger Au

Samstag, 31. Oktober 2026

Rückblickend war das ein ganz schön voller Tag – das hatte sich aber echt ehrlich nur so ergeben, Programm war eigentlich nur eine Wanderung.

Wieder wurde ich aus tiefem Schlaf geweckt – allerdings war mir im Traum gerade mein Handy gestohlen worden, auf dem Weg zum Schwimmen, und ich steckte in angestrengtem Nachdenken über das weitere Vorgehen: Diese Unterbrechung war willkommen. Wecker, weil ich einen letzten Morgenkaffee mit Herrn Kaltmamsell trinken wollte und weil um halb acht der Heizungshandwerker angekündigt war, der sich um den seit drei Wochen tropfenden Heizkörper kümmern sollte.

Der Tag startete mit Hochnebel; ich war schon sehr gespannt, wie das Wetter in der Wolfratshauser Gegend aussehen würde, in der ich wandern wollte.

Der Heizungshandwerker kam (mit einem niedlichem Praktikanten), fröhlich – und erstaunt, mich statt Herrn Kaltmamsell anzutreffen: Schraube an Leitung neben Ventil festgezogen – kein Tropfen mehr. Er testete dann auch gleich das Ventil, diesmal wurde die Heizung NICHT warm. Also nahm er die Abdeckung ab, klopfte auf dem Ventil herum (mit Erklärungen an den Praktikanten), jetzt funktioniert auch die Heizung.

Gefrotzel beim Gang durch unseren Flur:
Praktikant: “Sie haben aber viele Bücher.”
Ich: “Ja, wir lesen halt gern.”
Heizungshandwerker: “Hab ich mal probiert, aber wieder aufgehört.”
Ich: “Ist wie’s Fahrradfahren: Das verlernt man nicht. Können Sie jederzeit wieder anfangen.”

Wenig nach neun fuhr meine S-Bahn nach Icking, nachdem ich herausgefunden hatte, dass sie am Starnberger Flügelbahnhof stand und nicht unterirdisch die Stammstecke fuhr, saß ich auch drin (Deutschlandticket ist super!). Unterwegs wurde der Himmel immer düsterer.

Erster Ausblick. Egal, das ist ja das Großartige an Herbstwanderungen: Das bunte Laub bringt Farbe selbst in den grauesten Tag.

Doch das änderte sich immer wieder. Kalt war und blieb es, ich wanderte die erste Hälfte mit leichter Mütze und Handschuhen. Doch der Himmel veränderte sich ständig – und ließ immer wieder Sonne durch. Es folgen sehr viele Bilder: Ich sammelte Farben für den grauen langen Winter.

Blick durch den Garten eines der großzügigen Anwesen in Schlederloh aufs Loisachtal.

Die Pupplinger Au von Schlederloh aus – immer wieder schön, ich hatte mich sehr darauf gefreut.

Aussicht auf die Loisach in Wolfratshausen.

Die Durchfahrt Dorfen war gesperrt: Dort wurde die Hauptstraße gerade neu asphaltiert. Ich spazierte an beeindruckenden Geräten und Fahrzeugen vorbei, traute mich aber nicht zu fotografieren.

Kurz vor Wolfratshausen wurde es sehr katholisch.

Im Wolfrathshausen kam ich zur perfekten Zeit für Mittagscappuccino an: halb zwölf.

Jetzt kam die Sonne immer häufiger raus, ich legte Mütze und Handschuhe ab.

Hinauf zum Riemerschmid-Park.

Und wieder hinunter zur Loisach.

Überraschung nach Einbiegen auf das letzte Wegstück nach Ebenausen: Ein riesiges ungeerntetes Sonnenblumenfeld, das im Sonnenlicht wie ein Tupfenmuster wirkte.

Auf diesem Feld brachte mir die App Flora incognita bei:

Rainfarn-Phazelie (Gründüngung).

Nach vier Stunden und gut 14 Kilometern gelangte ich an den Bahnhof Ebenhausen. Auf die Rückfahrt wartete ich nur gut zehn Minuten, jetzt um zwei nutzte ich das für Frühstück: Letzter Apfel der Sorte Fräulein aus dem Markt-Einkauf in der Vorwoche, ausgesprochen köstlich. Ein paar Trockenpflaumen, und in der S-Bahn gab es noch ein paar Hände voll Mischnüsse.

Zurück in München erledigte ich auf dem Heimweg die Lebensmitteleinkäufe für den Abend und fürs Wochenende.

Daheim traf ich zu meiner Überraschung noch auf Herrn Kaltmamsell, wir nutzen die Anwesenheitsüberschneidung für Erzählen über die vergangenen Tage. Gleichzeitig bereitete ich mein Abendessen vor: Während ich sonst nur für mich den Ernteanteil ja eher effizient und mit wenig drumrum wegesse, hatten mich die Gelben Bete auf Ideen gebracht. Herr Kaltmamsell beobachtete misstrauisch meine ernährerische Selbständigkeit, versucht er mich doch völlig von seinen Kochkünsten abhängig zu halten.

Dazwischen (und nach Verabschieden von Herrn Kaltmamsell in seine Rollenspiel-Tage) aber noch Friseur-Termin: Ich ließ meine Haare wieder auf Ganzkurz bringen.

Vorher

Nachher
(Ich habe immer noch keinen Selfie-Kurs gemacht.)

Jetzt aber Finalisierung des Abendessens, ich war sehr hungrig.

Belugalinsen mit Gelben Beten, gerösteten Mandelstiften, Ernteanteil-Ruccola, Orange (Schale, Saft), Thymian, dazu Mozzarella. Schmeckte sogar so gut, wie ich mir das vorgestellt hatte! (Mozzarella hätte es nicht mal gebraucht.)

§

Sandro bittet auf instagram: Denkt doch bitte auch mal an die armen Kürbisse.

Journal Samstag, 26. September 2026 – Bayrischzeller Höhenweg mit Regionalbahn-Benimm und ein wenig Slapstick

Sonntag, 27. September 2026

Sehr unruhige Nacht: Alkohol, Draußenlärm, Kreuz- und Hüftschmerzen, Diesdas. Mal wieder fühlte sich die letzte Stunde des Ausschlafens am erholsamsten an.

Angekündigt war nochmal perfektes Wanderwetter mit Sonne, Windstille, milder Luft, das wollte ich nutzen. Nachdem mir vor einer Woche das etwas deutlichere Auf und Ab des Tegernseer Höhenwegs gefallen hatte, erinnerte ich mich an den Bayrischzeller Höhenweg, den ich vor Jahren zweimal mit Herrn Kaltmamsell gegangen war und dessen Profil ich ähnlich im Kopf hatte. Da
– ich mir das vorherige Bloggen ein wenig zu gemütlich gemacht hatte,
– die Fahrt nach Bayrischzell dann doch mit anderthalb Stunden etwas weiter war und
– sich herausstellte, dass diese Verbindung nur stündlich bedient wurde (ländlich Wohnende rollen Augen: das kennen sie von JEDER öffentlichen Verbindung),
– ich zudem bei zu erwartendem Wandervolk-Andrang frühzeitig für einen Sitzplatz am Zug sein wollte,
machte ich mich sehr zackig fertig dafür.

Wieder mit den festen Wanderstiefeln für einfacheres Steigen in unwegsamem Gelände – in meiner normalen Wanderbesockung (zwei Paar alte Baumwollsocken) statt dicken als solche verkauften Wandersocken fühlten sich meine Füße nicht eingesperrt an.

Der dreiteilige Zug nach Tegernsee, Lengries, Bayrischzell war bereits ziemlich voll – und die leeren Plätze wollte man mir nicht überlassen. Auf mein “Ist da noch frei?” hörte ich:

1. “Nein, der/die ist/sind grad auf dem Klo.” Nach dem dritten solchen wunderte ich mich über die ungeahnten Kapazitäten bayerischer Regionalbahn-Klos.

2. „Da kommen noch welche!“

Dieses Sitzplatzbelegen in Regionalbahnen finde ich hiermit eine Unsitte: Dass nur eine*r aus einer verabredeten Gruppe früh am Start-Bahnhof sein muss, der Rest trödelt herbei oder steigt an den späteren Halten zu? Ich lege mich fest: Das ist unfair. Anständig ist es, sich am Start-Gleis frühzeitig zu verabreden und gemeinsam nach Plätzen zu suchen. Oder man sitzt halt nicht als Gruppe zusammen, sondern gruppiert sich erst am Ziel.

Diesmal lohnte sich mein Stehenbleiben: Von vier „reservierten“ Sitzen zweier Vierer-Buchten wurde nur einer (!) bis Abfahrt tatsächlich besetzt – und zwar von einer „ach ich hatte ganz hinten Plätze für uns belegt“.

Der Zug wurde sogar noch sehr voll mit wenigen verbleibenden Stehplätzen, unter den Fahrgästen viele mit Fahrrad oder Hunden, Geräuschkulisse reichhaltig. Ich hatte eine interessante Fahrt, unter anderem durch die Gespräche einiger sehr alter Frauen neben mir.

Kurz vor Ankunft am Endbahnhof Bayrischzell war der Zug leer genug geworden, dass ich bequem zum Klo kam (und diese Zugklo-Variante dokumentierte – Regionalbahnen haben meist Rollstuhl-taugliche Klos als Allgemein-Klos).

In Bayrischzell packte ich gleichmal meine Jacke weg, es war mild genug für kurze Ärmel. Slapstick-Einlage, als ich mich neben einem Bruckerl über den Legerwaldgraben herunterbeugte, um meine Wanderstiefel neu zu binden (fühlten sich zu locker an): Die Wasserflasche rutschte aus der Rucksack-Halterung und purzelte ins Bachbett. Seufzen, erstmal band ich meine Stiefel zu Ende. Blick auf die Gesamtsituation ergab, dass ich von der gegenüberliegenden Seite des schmalen Grabens gut ans Bacherl kam, auf Steinen übers eh sehr niedrige Wasser an meine Flasche. Andere Wanderer hatten mein Malheur gesehen und boten ihre Stöcke als Hilfsmittel ab, doch die brauchte ich gar nicht.

Jetzt aber endlich WANDERN. Es wurde ein angenehme Runde mit den erinnerten schönen schmalen Aufstiegen über Steine und Wurzeln hauptsächlich im Wald, über bequeme Abstiege auf breiten Wirtschaftswegen (so mag ich es, unwegsame Abstiege nicht so sehr), über weite Blicke. Auch andere waren hier unterwegs, allgemeines “Servus!”, auch wenn ich die sonstigen Unterhaltungen in ganz anderen Sprachen hörte, freundliches Aneinander-Vorbeilassen.

Sie haben eine Unterführung zum Kreuzen der vielbefahrenen Bundesstraße zum Wanderanfang gebaut: Herzlichen Dank für die zusätzliche Sicherheit – außerdem hätte die hiesige Jugend ja sonst gar keine Möglichkeit für Streetart, die ihnen nicht ein Donnerwetter der gesamten Nachbarschaft einbrockt.

So ging’s schonmal los, die Ausblicks-Malerizität des Tages war gesetzt.

Als “einfach”, wie in fast allen Wegbeschreibungen, würde ich die Strecke nun nicht bezeichnen: An dieser Stelle hangelte man sich mit einem Seil in der rechten Wand entlang – ich kenne einige geübte Wandersleut, die hier wegen Höhenangst gescheitert wären. Vielleicht gilt das Bewertungssystem aber Bergwanderungen, bei denen alles ohne Klettern “einfach” ist?

Dazwischen eine besonders hübsche Raupe als Filmchen bei instagram.

Von den passierten Almen war eine sogar noch in Betrieb:

Die Niederhofer-Alm war gut platziert für eine Pause und Brotzeit: Danach gab es auf dem Weg über anderthalb Stunden keine Gelegenheit mehr. Als für mich um halb zwei Pausenzeit war, nahm ich in Ermangelung eines Bankerls mit einem bequemen Stein in der Sonne Vorlieb.

Brotzeitstein rechts. Es gab Apfel, Feigen, eine dicke Scheibe französisches Landbrot.

Kurz darauf war der Weg energisch gesperrt, das sperrende Plakat warnte vor Forstarbeiten. Da ich nichts davon hörte und ja Wochenende war, nahm ich es nicht akut ernst und ging trotzdem weiter – ich hätte auch keine Umgehungsstrecke gewusst. Stellte sich heraus: Oh doch, da wurde mit riesigem, schweren Gerät forstgearbeitet, mehr als Wanderweg-breit. Verdutzt sah ich auf meinem Handy nach Ausweichmöglichkeiten (GPS ging, sonst mehrere Stunden kein Mobilfunkempfang), da hupte mich der Mann in der Führerkabine des Riesen-Geräts kurz an. Ich trat heran, grüßte, wurde nach meinem Ziel gefragt: “Bloß der Höhenweg…” Und bekam ein freundliches: “Na geh durch.” Dankeschön – mir ist völlig klar, dass bei solchen Waldarbeiten keine großen Kommunikationskampagnen einberechnet werden, die uns paar Wochenend-Ausflügler*innen berücksichtigen.

Erst nach einer halben Stunde Weg endete die Sperrung – noch energischer als die Gegenseite.

Jetzt ging es konsequent bergab, die letzte gute Stunde im engen Tal nach Bayrischzell.

Schon ein schöner Weg, aber halt auch eine gute Stunde parallel zur lauten Straße.

Insgesamt eine nette Wanderung, ganz hervorragend ausgeschildert – aber ich nahm mir vor, mich in der Gegend Schliersee-Bayrischzell nach Alternativen umzusehen.

Auf diesem letzten Stück hatte ich Lust, das Tempo nochmal anzuziehen, auch um mich im kühlen Tal warm zu gehen (Körper spielte gestern hervorragend mit) – was zufällig dazu führte, dass ich nach knapp fünf Stunden Wanderung genau beim Einfahren des Zugs zurück am Bahnhof eintraf: Ich hatte extra nicht auf den Fahrplan geschaut, sondern mich gezwungen, die Abfahrt halt zu nehmen, wie sie kam, aber mein Wandertempo NICHT davon ablenken zu lassen – dann hätte ich halt bis zu einer Stunde warten müssen.

Pflanzenlernen mit der App Flora Incognita:

Gewöhnlicher Fransenenzian

Deutscher Kranzenzian

Locker besetzte Rückfahrt.

Schliersee.

Ich war sehr müde, nickerte auch ein bisschen ein. Ausstieg wieder am Harras, U-Bahn zum Sendlinger Tor mit Oktoberfest-Cosplayer-Begleitung.

Daheim machte ich mich nach Auspacken an die Zubereitung des Nachtischs: Apple Crumble aus Elstar-Äpfeln vom Markt. Die Backzeit nutzte ich für eine Einheit Yoga: Die Rücken-Folge von Maddy Morrison.

Als Nachtmahl erfüllte mir Herr Kaltmamsell wieder einen Wunsch:

Chinesische Auberginen süß-sauer – köstlich. Nachtisch reichlich Apple Crumble mit flüssiger Sahne.

Journal Samstag, 19. September 2026 – Verschiedene Oktoberfestwunder, vor allem aber Wandern am Tegernsee

Sonntag, 20. September 2026

Ausgeschlafen, parallel zum Bloggen Kuchen gebacken, nämlich Zwetschgenkuchen aus den sauren Früchten vom Markt.

Dem Oktoberfest-Start wollte ich sehr gern durch eine Wanderung ausweichen, und zwar den Tegernseer Höhenweg ab Gmund und über Galaun, wie beim letzten Mal. Doch diesmal wanderte ich die Tour ohne Herrn Kaltmamsell, der weiterhin orthopädisch unpässlich ist.

Mit den festeren, neuen Wanderstiefeln: Zum einen, um sie weiter einzulaufen, zum anderen stellte ich mir gerade für steile Passagen harte Sohlen nützlich vor. (Für Wanderstöcke bin ich ja leider zu blöd.) Es war herrliches Wetter mit Höchsttemperaturen wenig über 20 Grad angekündigt. An sich hatte ich ja kalten Regensturm fürs erste Oktoberfest-Wochenende bestellt, aber wenn ich den nicht kriegte, war perfektes September-Wanderwetter das Nächstbeste.

Allerdings hing bis gestern morgen in der Luft, ob ich statt Wandern nicht eine Kaffee-Verabredung mit einer Durchreisenden haben würde. Doch als WhatsApp still blieb, machte ich mich fertig – sogar besonders zackig, weil ich nach dem Kuchenbacken die Chance sah, einen früheren Zug zu erwischen. Schminken ließ ich einfach weg; nicht dass ich mich ungeschminkt unansehnlich fühle oder so, es gehört lediglich zu meinem Draußen-Ich. (Gerade bei Gesprächen über plastische Chirurgie oder weniger invasive Eingriffe mit Ziel Verjüngung des Äußeren merke ich: Ich bin dermaßen einverstanden damit, wie ich aussehe und dass man mir mein Alter ansieht, dass ich zu zweifeln beginne, ob ich mich in unserer Gesellschaft überhaupt als Frau bezeichnen darf.)

Überraschung über ein weiteres Oktoberfestwunder auf dem Weg zu meinem Zug am Starnberger Flügelbahnhof: Die breite Passage in der Bahnhofshalle wurde wiedereröffnet. Jetzt sorge ich mich weniger um die Oktoberfest-Menschenmassen dort.

Der Zug war voll, aber nicht übervoll, im Zugteil zum Tegernsee musste niemand stehen. Ich bekam eine Auseinandersetzung mit, weil Passagiere Sitze reservierten für Leute, die auf der Strecke zusteigen würden; ein anderer Passagier akzeptierte das nicht und setzte sich auf einen dieser Plätze: In der Regionalbahn gebe es keine Reservierungsmöglichkeit, wer zuerst komme, habe halt einen Sitzplatz. (Ich schwanke in meiner Meinung dazu.)

Ankunft im Idyll Gmund.

So lang vom Bruckerl geschaut, bis ich eine Forelle entdeckte – und was für eine mächtige!

Gelassenes Loswandern, tiefe Atemzüge in herrlicher Luft. Für die Strecke brauche ich inzwischen keine Beschreibung oder Schilder. Es waren viele weitere Wanderer unterwegs, ganze Familien, außerdem reichlich Elektro-Radler*innen.

Hinter Gmund lautes Muhen: Die Rinder rechts von der Straße muhten laut zu den kleineren Rindern links – die allerdings völlig ungerührt waren.

Erstes Ziel: Der Käseautomat. Ich kaufte einen Camembert und ein Stück – *checks Kühlschrank* – Hirschberger.

Mittagscappucino und Klobesuch am Bahnhof Tegernsee.

In ruhigem Tempo wanderte ich weiter, zweigte vom Höhenweg nach links hoch Richtung Galaun.

Dieser Weg war sehr ruhig: Über eine halbe Stunde davon sah und hörte ich keinen anderen Menschen. Jetzt kam ich richtig zur Ruhe und intensiven Wanderfreude, war tief dankbar für die Körpertüchtigkeit, die mir das ermöglichte – ich werde sie nie als selbstverständlich empfinden.

Kleine Eintrübung: In den festen Wanderstiefeln wurden meine Zehen immer wieder taub, fühlten sich beengt an, schmerzten dann auch. Was mir ein Rätsel ist, nachdem ich sie doch vor dem Kauf doch so gründlich getestet hatte.

Das Berggasthaus Riederstein am Galaun war gut besucht, beim Abstieg zurück zum Tegernseer Höhenweg begegnete ich auch regelmäßig anderen Wandersleuten.

Die markante Silhouette des Wallbergs. Zu weit oben, um auf dem Foto sichtbar zu sein: Zwei Dutzend Paraglider, die wie ein Stubenfliegeschwarm den Gipfel umkreisten.

Kurz vor halb drei setzte ich mich auf ein Bankerl zur Brotzeit: ein riesiger, köstlicher Apfel, ein Stück von Herrn Kaltmamsells Geburtstags-Marmorkuchen.

Dooferweise endet diese Wanderung mit einer Stunde die viel befahrene Uferstraße entlang (darauf eine Protzauto-Dichte wie auf der Münchner Leopoldstraße), vor dem nächsten Mal suche ich intensiver nach einer alternativen Strecke. Zwar gibt es außer im Winter auch eine Wasserverbindung per Fähre von Rottach-Egern nach Tegernsee, doch ich wollte halt gehen.

Wallberg, Rottach-Egern, Tegernsee, Kaltmamsell.

Durchaus verstörend diesmal oben auf dem Höhenweg: Zweimal musste ich meine Ohren wegen LALÜ! zuhalten. Auch das der Verkehrssituation zwischen Rottach-Egern und Tegernsee geschuldet: Da gibt es nur die eine Straße, die gerade mal so Platz hat zwischen Berg und See.

Sehr auffällig: Meine LWS muckte überhaupt nicht, an keiner Stelle, bei keiner Bewegung. Gehen -> gut. Aber halt auch Sitzen -> schlecht: Schon nach einer halben Stunde im Zug (wunderbares Timing, er fuhr elf Minuten nach meiner Ankunft am Bahnhof ab, genug Zeit, um noch bequem einen Sitzplatz zu bekommen) stach es wieder böse vom Kreuz bis ins Bein. Hin und wieder muss ich aber sitzen!

Strecken-Statistik: Gut fünf Stunden mit zwei Pausen, laut Schrittzähler gut 17 Kilometer und mehr als 100 Stockwerke.

Angenehme Zugfahrt zurück, gegenüber saßen eine Frau und ein Mann in Wanderkleidung, nur wenig älter als ich, und unterhielten sich freundlich, zugewandt, interessiert, tief und lang verbunden, waren aber ganz klar kein Paar – so dass mir zum einen das Herz aufging, ich sie zum anderen als liebende Geschwister einsortierte. Und gern gewusst hätte, ob ich richtig lag, doch eine Nachfrage wäre viel zu aufdringlich gewesen.

Nächstes Oktoberfestwunder: Die Baustellen-Unterbrechung der U6 war aufgehoben. Ich konnte schon am Harras aussteigen und eine U-Bahn heim zum Sendlinger Tor nehmen (darin überraschend wenig Oktoberfest-Cosplayer*innen, vielleicht hat sich die Wiedereröffnung der U-Bahn-Linie noch nicht rumgesprochen). Ich kam streichfähig entspannt zurück, Ausruhen auf dem sonnigen Balkon.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den Spaghettikürbis aus Ernteanteil, er testete ein Rezept mit Speck-Sahne-Sauce (das ich nie “Carbonara” nennen würde, drohendes Einreiseverbot nach Italien).

Und siehe da: Damit hat der geschmacksneutrale, lediglich als Textur interessante Kürbis meiner Ansicht nach seine Bestimmung gefunden, er ist das perfekte Gegengewicht zur schweren Sauce. Künftig also kein Augenrollen mehr, wenn der Ernteanteil Spaghettikürbis bringt. Als Wein öffnete ich den letzten Rosé im Bestand, Pittnauer Dogma – weiterhin ein Liebling.

Beim Lesen im Bett ließ ich das Fenster noch offen, ließ die Geräusche von Oktoberfest-Passant*innen herein, die Musik-Bedudelung der Rikschas. Zum Schlafen musste ich das Fenster natürlich schließen. Dieses Jahr kann ich ja dann herausfinden, ob Oktoberfest die Brüllerei im Park verstärkt oder mindert. All for science.

Journal Sonntag, 13. September 2026 – Wandern über die Ratzinger Höhe

Montag, 14. September 2026

Weckergeweckt, denn ich hatte Pläne: Wandern mit Freundin auf dem Obst- und Kulturwanderweg Ratzinger Höhe. Und vorher wollte ich gebloggt haben.

Das dauerte dann doch etwas länger als geschätzt, was zu ausgesprochen zackigem Tempo beim Vorbereiten auf die Wanderung führte.

Draußen war es bewölkt, aber halbwegs mild. Schon beim Marsch zum Zug stellte sich heraus, dass ich so genau richtig gekleidet war.

Der Rest in Fotos – weniger als sonst, denn die nächsten Stunden war ich mit anregendsten Gesprächen mit der Freundin beschäftigt: Familie, Lektüren, Kunst, Reisen, Berlin, Erwerbsarbeit, Körper, Altern, Kleidung, Kulinarik in Düsseldorf und München, Aussicht, Neurodivergenz – unter anderem. Tiersichtungen unter anderem: Kühe in Ställen, Kühe auf Weiden, Falken, Bussarde, Gänse, Hühner, Schwalben.

Prien

Einer von vielen, vielen reich behangenen Apfelbäumen (dazu kamen Birnenbäume und Zwetschgenbäume, ein Quittenbaum).

Links der Priener Weinberg.

Inzwischen ja eigentlich eine Serie: Fotos von weggen Dingen. Heute: wegges Wegkreuz.

Blick von der Ratzinger Höhe auf den Chiemsee. Hier machten wir um halb eins Brotzeit; ich hatte Apfel und Zwetschgen dabei.

Diese Apfelsorte sollte Aurora heißen.

Körper völlig problemlos, nach gut viereinhalb Stunden waren wir zurück am Priener Bahnhof. In der Wartezeit auf den Zug zurück wurde ich noch auf einen Cappuccino eingeladen (die Bäckerei am Bahnhof ist auch am Sonntag geöffnet!). Auch diesmal wirkte der Trick, sich in Prien ganz ganz hinten an den Bahnsteig zu stellen: Die letzten Wagen des langen, langen und überfüllten Zugs aus Salzburg hatten noch freie Plätze – nebeneinander!

Die Gesprächsthemen reichten locker noch für die Fahrt nach München – und darüber hinaus.

In München setzte gerade Regen ein, doch ich kam lediglich etwas angefeuchtelt daheim an. Überraschung beim Ausziehen: nach Langem mal wieder Wanderkrätze an den Unterschenkeln.

Telefonat mit meiner Mutter, eine Runde Yoga – die ruhige Folge mit hauptsächlich Dehnungen war gestern genau das Richtige. Vorbereitung des Arbeitsmontags mit vorheriger Schwimmrunde.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell wie angekündigt Ernteanteil-Mangold mit Linsen und Nudeln (aus Familientradition reichte ich eingelegte Peperoni zu den Linsen an). Nachtisch Schokolade.

Journal Samstag, 29. August 2026 – Wie man einmal am Viktualienmarkt richtig nett zu mir war / Wandern von Gauting über Starnberg nach Possenhofen

Sonntag, 30. August 2026

Okaye Nacht, aber müde aufgestanden – zumindest zum versprochenen wolkenlosen Sonnenschein mit kühler Luft, zu kühl für Morgenkaffee auf dem Balkon. Was wiederum wunderbar zu meinen Wanderplänen passte (Herr Kaltmamsell musste wegen doofer körperlicher Unpässlichkeit passen).

Erstmal kümmerte ich mich ums Brotbacken. Der Teig fürs Roggenmischbrot 70/30 entwickelte mords Aktivität, ich befürchtete bereits Übergare und Flachbrote mit Wasserrand.

Ging im Ofen aber nochmal auf –

und erwies sich beim Anschnitt am Abend als sogar besonders fluffig.

Vor Aufbruch zum Wandern ging ich auf eine kurze Einkaufsrunde zum Viktualienmarkt: Ich wünschte mir nach dem Wandern zum Abendessen eine Brettlbrotzeit, dann halt daheim, und für Exotisches wie Presssack zwingt mich das Metzgersterben der vergangenen Jahre in der Innenstadt zur Metzgerzeile.

Aufstieg ans Sendlinger Tor.

In der Metzgerzeile konnte ich meine Einkaufsliste leerkaufen, und wenn ich schonmal da war, schaute ich auch nach einem Gartenblumenstrauß.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich kein gutes Verhältnis zum Münchner Viktualienmarkt habe: In meinen ersten München-Jahren hat man mich einmal zu oft ‘pratzelt (Hochdeutsch: übers Ohr gehauen), und in den vergangenen Jahren gibt es immer weniger interessante Stände, der Markt wird wie seine internationalen Pendants Boqueria in Barcelona und Borough Market in London von der Quelle für gute und saisonale Zutaten immer mehr zur Snackeria für Touristen. Und das zu den legendär absurden Preisen, die auf dem Viktualienmarkt aufgerufen werden (gestern kam ich an Renekloden mit Preisschild 16,99 Euro fürs Kilo vorbei).

Doch ich fand das Standl einer lokalen Gärtnerei (auf der Freifläche ohne hölzerne Hütten – dorthin gehe ich eh noch am ehesten auf der Suche nach saisonalem Obst und Gemüse), daran viele Kübel mit frischen Astern in Rosa- und Lilatönen, hier stellte ich mich hinter die eh nur zwei Kunden vor mir. Und bekam ein so charmantes Viktualienmarkt-Erlebnis wie noch nie. Nach mir kam erstmal niemand, Herr Standler und Frau Standlerin konzentrierten sich ganz auf mich.

Gebunden war erst ein Asternstrauß, weil ich doppelt so viele wollte, band mir Frau Standlerin meinen frisch: “I tua Eana des ganze Grüne glei weg, des is doch sonst immer so a Sauerei in da Küch.” Und wir plauderten, über ihre Freude, hier mit ihrem Onkel zu arbeiten, über die schönen Astern, die dieses Jahr wegen der Hitze nicht so hoch wuchsen wie sonst, über Anbau und Wetter. Während mein Asternstrauß sorgfältig und mit Hingabe gebunden wurde, kam eine greise Kundin hinzu und schaltete sich ein, fragte nach Details der Standl-Arbeit seit Jahrzehnten, bekam gutmütge Antworten, es wurde mit einem Passanten über die Schönheit von Standler*innen und Kundschaft gescherzt.

Resultat: Ich bekam einen mächtigen, wunderschönen Strauß Astern, in den Herr Standler noch eine Karotte steckte, ein paar beim Binden abgefallene Asternköpfe (“Kenna’S in ara Schale tua.”) eigens in Zeitung eingewickelt und den Abschiedsgruß “Beehren’S uns bald wieder!”, der von Herzen klang. Ich war völlig verwirrt. (Und plane tatsächlich einen baldigen gezielten Einkauf dort.)

Als Wanderziel wünschte ich mir die Strecke Gauting-Starnberg, die ich noch nicht aus dem Hochsommer kannte, mit Erweiterung Prinzenweg nach Possenhofen. Zur passenden S-Bahn nach Gauting schaffte ich es nach Abladen meiner Einkäufe nur durch zackigen Marsch; die paar Minuten Verpätung kamen mir grad recht. Merke: Wenn in der MVG-App “München Hauptbahnhof, Gleis 2” angegeben ist, handelt es sich um den S-Bahnhof im Untergeschoß; die Gleise des südlichen Flügels Holzkirchner Bahnhof starten bei Nummer 5.

Das Wanderwetter war perfekt mit Sonne und lediglich milder Temperatur. Dennoch suchte ich auch gut sonnengecremt den Schatten. Der Körper beschwerdefrei, die Landschaft sonnenbunt. Dennoch dauerte es diesmal sehr lange, bis mir das Wandern half runterzukommen, eigentlich spürte ich erst in der letzten Stunde ab Starnberg die ersehnte Leichtig- und Fröhlichkeit.

Dieser GPS-Track führt ja erstmal eine ganze Weile durch Gauting selbst, hat mir ganz bezaubernde Schleichwege verraten.

Man kreuzt ein paarmal die Würm auf Holzbruckerln. Auf einem blieb ich stehen und suchte in der Würm nach Fischen (erfolgreich), als eine andere Bruckerl-Guckerin mir zurief: “Da sitzt ein Eisvogel!” Ich folgte ihrer ausgestreckten Hand und sah ihn von einem Ast auffliegen. Wie wunderbar! Ich dankte herzlich – so macht man das nämlich, man gibt besondere Sichtungen weiter (ich war verunsichert gewesen, weil ich schon mehrfach irritierte Blicke darauf geerntet hatte).

Reismühle

Verzauberter Weg entlang der Würm. Ich sah eine Weile einer Wasseramsel zu, die an einem bemoosten Ast herumpickte, dabei entzückend knickste.

Weg von der Würm Richtung Leutstetten, erster Blick auf den Starnberger See, einst Würmsee.

Nach gut zwei Stunden erstes Ausruhen auf einem Bankerl an der Villa rustica; Appetit hatte ich noch keinen. Über den Wiesen hörte ich erst und sah dann zwei Bussarde Thermik-kreisen.

Unterführung nach Perchta, am Uferweg nach Starnberg.

Hier war reger Besucherverkehr, aber noch weit vor Überlaufenheit. Dennoch bekam ich für meinen verspäteten Mittagscappuccino keinen Platz am Tisch (zugegeben: weil ich mich nirgends dazusetzen wollte).

Hoch zum Prinzenweg, Blick zurück auf Starnberger See im Sommerlicht.

Brotzeitblick, kurz nach drei setzte ich mich zur großen Pause. Die geschenkte Karotte hatte ich gleich eingesteckt; eigentlich vertrage ich seit einiger Zeit rohe Karotten nicht und bekomme Bauchweg davon, doch in meinem Grant beschloss ich, es einfach nochmal zu probieren. Wenn ich davon Bauchweh bekam, geschah es mir gerade recht, und der Hunger wäre trotzdem weg, und wenn nicht – umso besser. Ich greife vor: kein Bauchweh, ich könnte es also mal wieder versuchen. Außerdem aß ich mitgebrachte Mango mit Sojajoghurt.

Prinzenweg

Nach den Birkengeschwistern, die mir vor vielen Jahren beim ersten Vorbeiwandern von der Maisinger Schlucht aufgefallen waren, hielt ich gezielt Ausschau: Sie wirkten sehr krank, wie so viele Birken dieses Jahr. Dabei wirkte die Landschaft, durch die ich gestern wanderte, gar nicht ausgedörrt.

Nach knapp fünf Stunden Wanderung kam ich am S-Bahnhof Possenhofen an. Einige durchgesagte Zug-Ausfälle (Weiche, Stellwerk, Diesdas), doch nach einer halben Stunde Warten fuhr mich eine zurück nach München. Ich fühlte mich gut durchbewegt und angemessen körpermüde.

Zu Hause Räumen, Körperpflege, bis Herr Kaltmamsell von letzten Einkäufen zurück kam. Wir einigten uns als Alkohol des Abends auf Cuba libre, der mich wieder beim ersten Schluck in mein Jugend-Spanien beamte.

Den Abendessenstisch deckte ich mit einem Teller verschiedener Käsen, einem Teller Pressack rot und weiß, Schweinskopfsülze, schwarzgeräuchertem Schinken, frischem Brot, Butter, Tomaten. Sehr gutes German Abendbrot.

Abendunterhaltung: Die Dolly-Parton Doku “Everybody’s Darling” in der arte-Mediathek.

Journal Samstag, 8. August 2026 – Brighton 8 mit Southdowns-Wanderung und Ginger Pig

Sonntag, 9. August 2026

Ein weiteres Mal gut und lang geschlafen (nur einmal Klogang), davon verspreche ich mir am meisten Erholung in diesem Urlaub. Wieder zu ausgesprochen frischer Luft aufgestanden.

Tagesplan war eine Wanderung in den Southdowns, davor Wäschewaschen, abends feines Essen im örtlichen Restaurant Ginger Pig – für das wir bei den vorherigen Versuchen nie einen Tisch bekommen hatten.

Herr Kaltmamsell hatte aus dem von vieler Nutzung bereits zerfledderten Wanderbüchl, das unsere Southdowns-Wanderungen inspiriert hatte, die Strecke vorgeschlagen, die meiner (höchst unzuverlässigen) Erinnerung nach vor gut 20 Jahren unsere allererste gewesen ist: Von Falmer über Stanmer, ein Stück Southdowns Way bis Ditchling Beacon und die Runde zurück. Das machten wir.

Das kurze Stück rauf nach Falmer ließen wir uns vom Zug bringen, Bus hätte es auch gegeben. Dort wollte sich Herr Kaltmamsell erstmal umsehen: In Falmer liegt die University of Sussex – nicht zu verwechseln mit der University of Brighton -, in der er 1990/91 sein Auslandsstudienjahr verbracht hatte. Natürlich hatte sich viel verändert, unter anderem hat jetzt auch die University of Brighton in Falmer Gebäude, allerdings auf der anderen Seite der Bahnlinie. Aber Herr Kaltmamsell erkannte Vieles wieder.

Alumnus mit Alma Mater.
“Red Brick” University ernst genommen.

Jetzt wanderten wir rüber nach Stanmer durch Stanmer Park – wie auch den Rest des Tages in perfektem Wanderwetter mit Sonne, frischem Wind, keinerlei Hitze. Und ich merkte schnell, wie gut mir Wandern tut, auf einer richtigen Wanderstrecke mit Auf und Ab, Aussichten und Abwechslung.

In Stanmer, einem hübschen und touristisch gut erschlossenen Örtchen, nutzten wir die Gelegenheit für Mittagscappuccino.

Das mittlere Drittel der Strecke führte den Southdowns Way entlang – und erinnerte mich an meine Wanderung vergangenen September, als das die (geistig) eher ermüdenden Abschnitte waren.

Ab Ditchling Beacon wurden die Ansichten und Aussichten wieder reizvoller.

Die Brombeerbüsche hingen voller reifer Früchte, nach zwei Stunden hatte ich auch Appetit darauf.

Auf einem kruden Bankerl (lehnenlose Holzplatte) mit dieser Aussicht machten wir nach zweieinhalb Stunden Brotzeitpause, ich aß gemischte Röstnüsse und eine Nektarine.

Nach gut dreieinhalb Stunden Wanderung erreichten wir den Bahnhof von Falmer, wo wenige Minuten später ein Zug nach Brighton eintraf.

Bei Rückkehr in die Ferienwohnung trank ich erstmal ein großes Glas Wasser – und sah beim Schuhe-Ausziehen, wie dreckig ich auf der Wanderung geworden war. Also zog ich das Frischmachen fürs abendliche Ausgehen vor, duschte und zog mich um – seltener Fall von Ganzkörper-Einseifen.

Gemütlicher Lesenachmittag, bis wir uns auf den längeren Fußweg raus nach Hove und zum Abendessen machten.

Im Ginger Pig verbrachten wir einen schönen Abend mit angenehmen Speisen und Getränken.

Aperitif ein Kirsch-Manhattan und ein Yuzu-Wodka-Drink, beide sehr gut.

Vorspeisen: Für mich eine Schnitte Panisse mit Babaghanoush, Tahini, Chillis (schon gut, nur schmeckte ich leider nichts vom Panisse), Herr Kaltmamsell hatte eine ausgezeichnet abgeschmeckte Makrelen-Paté.

Als Wein wählte ich aus der interessanten Karte mit vielen glasweisen Angeboten einen ungarischen Furmint (die Rebsorte habe ich mehrfach im Münchner Broeding getrunken):

Voll und kräftig, leicht animalisch und mineralisch, ein guter Begleiter.

Hauptspeisen: Für mich Meerbrasse (wunderbar) mit gebratenen Trauben und Gnocchi (letztere hätten für meinen Geschmack lieber frisch gekochte Frühkartoffeln sein dürfen), für Herrn Kaltmamsell ein Pie mit Füllung aus Pökelschwein und Räucherkäse, er schmeckte ihm sehr gut.

Als Dessert teilten wir uns eine frisch gemachte Tarte tatin.

Satt und angetrunken schlenderten wir durch die warme Samstagnacht und viel Ausgeh-Volk auf den Straßen, in der Außengastronomie und in den Lokalen die Dreiviertelstunde zurück in die Ferienwohnung.