Wandern

Journal Samstag, 8. August 2026 – Brighton 8 mit Southdowns-Wanderung und Ginger Pig

Sonntag, 9. August 2026

Ein weiteres Mal gut und lang geschlafen (nur einmal Klogang), davon verspreche ich mir am meisten Erholung in diesem Urlaub. Wieder zu ausgesprochen frischer Luft aufgestanden.

Tagesplan war eine Wanderung in den Southdowns, davor Wäschewaschen, abends feines Essen im örtlichen Restaurant Ginger Pig – für das wir bei den vorherigen Versuchen nie einen Tisch bekommen hatten.

Herr Kaltmamsell hatte aus dem von vieler Nutzung bereits zerfledderten Wanderbüchl, das unsere Southdowns-Wanderungen inspiriert hatte, die Strecke vorgeschlagen, die meiner (höchst unzuverlässigen) Erinnerung nach vor gut 20 Jahren unsere allererste gewesen ist: Von Falmer über Stanmer, ein Stück Southdowns Way bis Ditchling Beacon und die Runde zurück. Das machten wir.

Das kurze Stück rauf nach Falmer ließen wir uns vom Zug bringen, Bus hätte es auch gegeben. Dort wollte sich Herr Kaltmamsell erstmal umsehen: In Falmer liegt die University of Sussex – nicht zu verwechseln mit der University of Brighton -, in der er 1990/91 sein Auslandsstudienjahr verbracht hatte. Natürlich hatte sich viel verändert, unter anderem hat jetzt auch die University of Brighton in Falmer Gebäude, allerdings auf der anderen Seite der Bahnlinie. Aber Herr Kaltmamsell erkannte Vieles wieder.

Alumnus mit Alma Mater.
“Red Brick” University ernst genommen.

Jetzt wanderten wir rüber nach Stanmer durch Stanmer Park – wie auch den Rest des Tages in perfektem Wanderwetter mit Sonne, frischem Wind, keinerlei Hitze. Und ich merkte schnell, wie gut mir Wandern tut, auf einer richtigen Wanderstrecke mit Auf und Ab, Aussichten und Abwechslung.

In Stanmer, einem hübschen und touristisch gut erschlossenen Örtchen, nutzten wir die Gelegenheit für Mittagscappuccino.

Das mittlere Drittel der Strecke führte den Southdowns Way entlang – und erinnerte mich an meine Wanderung vergangenen September, als das die (geistig) eher ermüdenden Abschnitte waren.

Ab Ditchling Beacon wurden die Ansichten und Aussichten wieder reizvoller.

Die Brombeerbüsche hingen voller reifer Früchte, nach zwei Stunden hatte ich auch Appetit darauf.

Auf einem kruden Bankerl (lehnenlose Holzplatte) mit dieser Aussicht machten wir nach zweieinhalb Stunden Brotzeitpause, ich aß gemischte Röstnüsse und eine Nektarine.

Nach gut dreieinhalb Stunden Wanderung erreichten wir den Bahnhof von Falmer, wo wenige Minuten später ein Zug nach Brighton eintraf.

Bei Rückkehr in die Ferienwohnung trank ich erstmal ein großes Glas Wasser – und sah beim Schuhe-Ausziehen, wie dreckig ich auf der Wanderung geworden war. Also zog ich das Frischmachen fürs abendliche Ausgehen vor, duschte und zog mich um – seltener Fall von Ganzkörper-Einseifen.

Gemütlicher Lesenachmittag, bis wir uns auf den längeren Fußweg raus nach Hove und zum Abendessen machten.

Im Ginger Pig verbrachten wir einen schönen Abend mit angenehmen Speisen und Getränken.

Aperitif ein Kirsch-Manhattan und ein Yuzu-Wodka-Drink, beide sehr gut.

Vorspeisen: Für mich eine Schnitte Panisse mit Babaghanoush, Tahini, Chillis (schon gut, nur schmeckte ich leider nichts vom Panisse), Herr Kaltmamsell hatte eine ausgezeichnet abgeschmeckte Makrelen-Paté.

Als Wein wählte ich aus der interessanten Karte mit vielen glasweisen Angeboten einen ungarischen Furmint (die Rebsorte habe ich mehrfach im Münchner Broeding getrunken):

Voll und kräftig, leicht animalisch und mineralisch, ein guter Begleiter.

Hauptspeisen: Für mich Meerbrasse (wunderbar) mit gebratenen Trauben und Gnocchi (letztere hätten für meinen Geschmack lieber frisch gekochte Frühkartoffeln sein dürfen), für Herrn Kaltmamsell ein Pie mit Füllung aus Pökelschwein und Räucherkäse, er schmeckte ihm sehr gut.

Als Dessert teilten wir uns eine frisch gemachte Tarte tatin.

Satt und angetrunken schlenderten wir durch die warme Samstagnacht und viel Ausgeh-Volk auf den Straßen, in der Außengastronomie und in den Lokalen die Dreiviertelstunde zurück in die Ferienwohnung.

Journal Donnerstag, 6. August 2026 – Brighton 6 mit Wanderung nach Worthing und Food for friends

Freitag, 7. August 2026

Lang geschlafen, das war schön.

Das Programm für gestern: Brightons Nachbarstadt Worthing kennenlernen, und da ich gesehen hatte, dass es dorthin nur 16 Kilometer sind, es sogar einen ausgeschilderten Wanderweg “England Coast Path” gibt, gingen wir zu Fuß.

Der Tag begann ausgesprochen frisch, ich bloggte mit Jacke. Doch die angekündigten Sonne und Wolken bei 21 Grad Höchsttemperatur versprachen ideales Wanderwetter, wir starteten fröhlich um zehn mit der ersten Teilstrecke hinunter ans Meer, ich trug auch hier gegen die Frische unter 20 Grad Jeansjacke. Unsere Recherchen hatten bereits ergeben, dass wir ein gutes Stück stark befahrene Straßen entlang gehen würden – egal, Abenteuer.

Und so wurden das auch vier anregende Stunden Wanderung – ja, darunter eine Stunde durch das Hafenindustrieviertel von Shoreham und seine Hauptstraße entlang, aber hey, alles anders als bei uns in Bayern. Danach gingen wir noch anderser, nämlich einen Uferweg vorbei an wunderbar vielfältigen Ferienhäusern und Strandhütten. Wir blickten immer wieder hinter uns, und schnell war klar, warum diese Wanderung im Web fast ausschließlich in die Gegenrichtung Worthing-Brighton auftaucht: Dabei hat man die ganze Zeit das malerische Brighton und die markanten Kreidefelsen der Küste östlich davon im Blick, inklusive Seven Sisters.

Startfoto muss immer der West Pier sein.

Hove.

Auch Industrieviertel bieten Fotomotive.

Am Ende der Hafenanlage von Shoreham-by-Sea führte der Fußweg über zahlreiche Schleusen.

An einem Trockendock vorbei.

Das lange Stück die Straße entlang endete an einer viel genutzten Fußgängerbrücke zum Kiesstrand:

Selfie Time! (Ich vermisse meine Sonnenbrille sehr, und weil fehlsichtig, kann ich mir nicht einfach eine kaufen.)

Nach gut zwei Stunden machten wir Pause auf einem Bankerl, ich aß ein paar Aprikosen.

An einem Eiswagen holte sich Herr Kaltmamsell ein 99 Flake – seit Jahren Gegenstand von Diskussionen über steigende Preise, in der Juli-Hitzewelle berichtete die Daily Mail von 6 Pfund für ein Softeis mit kleinem Schokoriegel. Herr Kaltmamsell kam mit 3,50 Pfund noch gut weg.

Ankunft in Worthing nach vier Stunden, andere Städte haben auch Amusement Piers! Dieser hier sogar besonders gut gepflegt.

Blick zurück nach Brighton.

Jetzt brauchte ich aber doch etwas zu essen. In den hübschen Sträßchen von Worthing setzten wir uns kurz vor drei in ein Café.

Vor mir ein ausgezeichneter Mushroom Melt, in der weichen Käseschicht aromatische Senfkörner.

Zurück nach Brighton nahmen wir einen Bummelzug, der uns mit einer Vielzahl von Zwischenhalten überraschte – die Strecke kam uns viel länger vor als zu Fuß.

Ausruhen und lesen in der Ferienwohnung, bis wir uns fürs Abendessen fertig machten: Ich hatte in unserem Lieblingsrestaurant Food for friends reserviert.

Wir aßen wieder sehr gut, gestern gab es nur ein Durcheinander im Service – wir vermuteten Personalknappheit (Vorspeisen serviert vor dem Aperitif, lange Wartezeiten, Dessert-Karte angeboten vor dem Hauptgang, andere Gäste mussten Besteck von Nebentischen mopsen, weil sie zum nächsten Gang keines bekamen). Da wir sonst alles unverändert vorfanden, inklusive der Freundlichkeit, war das sicher eine Ausnahme.

Vorspeisen: Herr Kaltmamsell hatte Preserved Lemon Butterbeans (mit einer Salzzitronen-Pinien-Sauce), ich gegrillte Feigen auf Ziegenfrischkäse und Sauerteigtoast, zwischen uns der Favorit knuspirger Tofu mit einem sensationellen Dip. Dazu trank Herr Kaltmamsell einen Cocktail mit Rum, Campari, Ananassaft, ich hatte einen Sussex Spritz, der sich nur durch Ingwer von unserem Hugo unterschied.

Hauptspeisen zu einem Glas leichten italienischen Chardonnay: Bei Herrn Kaltmamsell gefüllt Champignons mit Kartoffelgratin und Brokkoli, ich hatte einen Auberginen-Parmigiana.

Als Nachtisch Ananas-Tarte-tatin gegenüber, für mich baskischer Käsekuchen mit Pistaziensauce.

Und trotz der Wartezeiten wurde uns nicht langweilig: Von unserem Fensterplatz aus sahen wir reichlich Menschen in immer abendlicherem Outfit.

§

In Brighton spazierte ich dieser Tage an einer Frau vorbei, die einen Kinderwagen schob, darin ein Kind von ungefähr einem Jahr. Das Besondere: Diese Frau interagierte intensiv mit dem Kind, das zu ihr gerichtet in dem Wagen saß. Sie sang ihm ein Lied vor, animierte es zum Mitsingen, stellte ihm Fragen (in normalem, interessierten Tonfall, nicht in singender Mit-kleinen-Kindern-sprech-Stimme), erklärte ihm Dinge. Das war für mich so ungewohnt, dass mir nur einfiel: Muss eine Kinderbetreuerin sein, die sowas von Berufs wegen macht, eine Nanny. Denn ich kenne Kinderschiebfrauen, die ich für Mütter des geschobenen Kindes halte, nur entweder schweigend in Gedanken versunken, oder meistens telefonierend respektive bei anderer Beschäftigung mit ihrem Handy.

§

Es weist alles darauf hin, dass es nach 20 Jahren nochmal eine Bloglesung in München geben wird:
“It Ain’t Over Till it’s Over”.

Also dann: 24. Oktober im Münchner Boxwerk.
(Gerüchte besagen, dass Frau Klugscheißer diese Cyd-Charisse-Nummer nachtanzen wird – WENN sie genug sangesfreudige Boxer zusammenkriegt.)

Journal Sonntag, 19. Juli 2026 – Tatsächlich gewandert von Kirchseeon nach Ebersberg

Montag, 20. Juli 2026

Genügend und recht gut geschlafen, früh aufgewacht.

Das Wetter gab nochmal Balkonkaffee her (warm angezogen), aber der Himmel dräute sichtlich. Die Aussichten für unsere Wanderung waren entsprechend durchwachsen, aber wir hielten an unseren Plänen fest. Und wenn es wieder so schüttete wie vor einem Jahr am Starnberger See – würden wir halt wieder die Wanderung abbrechen.

Die Routenwahl fiel in Anbetracht von Wetteraussichten und einem leicht angeschlagenen Herrn Kaltmamsell (am Freitag Fuß umgeknickt) auf die kurze Strecke Kirchseeon-Ebersberg mit Option auf Erweiterung über Aussichtsturm zurück nach Kirchseeon. Lange Wanderhose, Schirmmütze, die Superduper-Wanderregenjacke gleich angezogen.

Der Regen setzte wenige Sekunden vor unserer Ankunft am S-Bahnhof Kirchseeon ein. Und prasselte erstmal so abschreckend, dass wir unterm Bahnsteigdach warteten. Doch zum Glück ging’s dann: Während der ersten Stunde regnete es immer wieder, aber nichts, was Schirmmütze und Wanderjacke nicht in den Griff bekommen hätten. Danach riss der Himmel sogar auf, kein Abbruch nötig.

Sie sehen vor allem altbekannten Motive, hier waren wir (und ich allein) schön öfter.

St. Coloman am Rand von Kirchseeon.

Entdeckung auf dem Spielplatz neben dem Kirchseeoner Feuerwehrhaus: Ein Spielzeug-Feuerwehrauto!

Wie absolut großartig! Ich dachte sofort an die Dampflokomotive auf einem nahen Spielplatz meiner Kindheit, die uns zu zahllosen Spielen inspirierte. Es handelte sich um eine ausrangierte echte Lokomotive, die lediglich ein wenig verletzungsgesichert worden und bunt angemalt worden war. Abgesehen davon, dass sie heutigen Sicherheitsstandards als Spielgerät ganz gewiss nicht genügen würde (zurecht): Ihre Originalgröße schränkte unsere Spielmöglichkeiten auch ein, wir waren zu klein für das Riesending.

Ganz anders dieses runterdimensionierte Feuerwehrauto: Es muss sensationell sein, damit Feuerwehr zu spielen!

Hinter Forstseeon regnete es wieder ein wenig. Aussicht hätte es eh nicht gegeben, weil Mais-Monokultur.

Egglburger See mit viel Wassergeflügel.

Weiherkette Ebersberg

Herr Kaltmamsell fand eine kurze Alternative zur großen Erweiterung: Lediglich Abstecher zum Aussichtsturm Ebersberg, auch die Allee mit Gedenkplaketten für örtliche Gefallene im Ersten Weltkrieg konnte ich ihm so zeigen.

Er entdeckte ein Radfahr-Bataillon.

Ich eine Eisenbahnbetriebs-Kompanie.

Im Aussichtsturm.

Blick vom Aussichtsturm nach Ebersberg.

In Ebersberg kehrten wir wie geplant im Eiscafé am Marktplatz ein um zu frühstücken.

Um halb drei gab es den legendären Mozartbecher (links mit geviertelten Mozartkugeln und Rohmarzipanwürfeln), mittlerweile neumodisch in einer Schüssel statt im angemessenen Glaspokal. Und einmal drei Kugeln mit Sahne. Gut und sättigend (und sicher voller Eiweiß sowie Vitaminen).

Die Rückfahrt verzögerte sich wegen S-Bahn-Problemen (von Ebersberg aus nicht zum ersten Mal), aber wir kamen dann doch nicht zu spät zurück nach München.

Blumen-Ausbeute des Tages, bestimmt wieder dank der App Flora Incognita.

Von links oben im Uhrzeigersinn: Arznei-Thymian, Kohl-Kratzdistel, Mittlerer Wegerich, Vogel-Wicke.

Gewöhnliches Leinkraut (nicht zu verwechseln, wie ich es verwirrt zunächst beim Lesen getan hatte, mit LeiMkraut), Ästige Graslilie, Gewöhnlicher Hornklee, Acker-Kratzdistel.

Zurück daheim bügelte ich (letzte bequeme Gelegenheit vor Urlaub) bei offener Balkontür, durch die es gerade mal nicht zu kühl hereinkam. Dann eine wohltuende Runde Yoga.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Pasta mit Pesto, das er aus dem Grün der jungen Ernteanteil-Karotten hergestellt hatte – sehr gut. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Von Nils Markwardt in der Zeit interessante Gedanken zur Causa Jens Spahn und warum nach all den Schweinereien, die er angerichtet hat, ausgerechnet die Leihmutterschaft seines Kinds wirksamen Protest selbst in der CDU/CSU auslöste:
“Es ging nicht nur um Doppelmoral”.

Dass die Reaktionen im Falle der Leihmutterschaftsdebatte anders ausfielen, markiert einen zentralen Unterschied zwischen konservativen und rechtspopulistischen Parteien. An letztere werden nämlich kaum noch moralische Konsistenzerwartungen gestellt. Die permanente Produktion von politischen Widersprüchen sowie der kaum verhohlene Gebrauch von Doppelstandards erscheint vielen Wählern der Rechtspopulisten nicht als Makel, sondern firmiert als probates Mittel zur Grenzübertretung. Geht es vielen Maga- und AfD-Anhängern um eine lustvolle Zerstörung des Bestehenden, wird die Doppelmoral als eine Art des analogen Trollings begriffen. Und selbst den Gegnern der AfD fällt es schwer, deren Widersprüche zu skandalisieren. Denn dort, wo man überhaupt keine Moral mehr erwartet, lässt sich keine Doppelmoral attestieren.

Darin auch hilfreiche Informationen zur Entwicklung des deutschen Nachkriegskonservatismus.

Journal Sonntag, 28. Juni 2026 – Kocherl-Wandern

Montag, 29. Juni 2026

Nein, “Kocherl-” passt eigentlich gar nicht, war nur das erste, was mir gleichzeitig mit der Idee für diesen Sonntag einfiel. Die Idee: Um die Zeit, um die im Juli der Münchner Kocherball beginnt, eine Wanderung zu beginnen. Nur halt nicht, weil die Kocherl (= Hausangestellten) nur um diese Zeit frei hatten zum Tanzen, also vor der Arbeit, sondern weil es nur um diese Zeit kühl genug für eine Wanderung sein würde.

Also Wecker auf fünf, der mich nach recht guter Nacht aus tiefem Schlaf riss.

Balkonkaffee für Herrn Kaltmamsell und mich, danach genügte mir Katzenwäsche: Ausgiebiges Duschen samt Körperpflege verschob ich auf den späteren Tag. Als Wanderstrecke hatte ich mal wieder den Auer Mühlbach gewählt, erweitert um Anmarsch von daheim nach Thalkirchen, also die Heilig-Abend-Wanderstrecke. Um sechs Uhr verließen wir das Haus.

Die Morgen-Abkühlung nutzten nicht nur wir: Es waren viele Jogger*innen und Hundespazierende unterwegs, nach sieben umgaben uns schlagartig auch Sportradler*innen. Es wurde ein schönes Gehen in Morgenluft. Das mitgeführte Wasser reichte, zu wenig waren aber überraschen die Toiletten am Weg: Dass das Klohäusl bei Maria Einsiedel außer Betrieb war, brachte mich in Umstände.

An vielen Stellen sahen wir Badende, auch schon hier kurz nach sechs an der Wittelsbacherbrücke.

Wir passierten zahlreiche Flaschensammlungen – am Vorabend und in der Vornacht war offensichtlich reichlich gefeiert worden.

In Thalkirchen ging’s hoch.

In Siebenbrunn bei den Schrebergärten wurde reichlich im Auer Mühlbach gebadet.

Streetart in Giesing

Unterm Nockherberg

An Untergiesinger Altbauten auffallend viele Fenster mit Tüchern verhängt oder gleich mit Rettungsfolie versiegelt: keine Rollläden vorhanden.

Nach ein wenig Warten an der Haltestelle Deutsches Museum brachte uns eine klimatisierte Tram kurz nach neun nach Hause. Dort schnelles Versperren und Abdunkeln der Wohnung, ich ging nochmal raus für Frühstückssemmeln.

Das Feigenbäumchen (Foto vom Samstag) auf unserem Südbalkon hat nicht funktioniert: Das ärmste verbrennt dort, in den vergangenen Tagen warf es immer mehr Blätter ab. Ich rettete es auf den Westbalkon. Nächster Versuch Olivenbäumchen?

Eine weitere Hitzeanpassung: Ich muss Obst im Kühlschrank lagern, wie in Spanien, sonst verdirbt es innerhalb eines Tages.

Kurz nach 11 Uhr wurde ich schlagartig sehr, sehr müde – ich legte mich einfach hin und schlief über eine Stunde. So richtig munter wurde ich danach nicht mehr, das mag aber auch an der Hitze gelegen haben.

Zum Frühstück gab es kurz nach eins Salzgürkchen und zwei Körnersemmeln.

Nachmittag mit Lesen von allem möglichen, unter anderem nach Langem mal wieder einige Stunden am Stück Roman: Ich las Vivian Gornick, Fierce Attachments aus – durchaus interessiert, aber der dominante Duktus einer Psychoanalyse-Sitzung befremdete mich. Draußen zog der Himmel mit Wolken zu, im Westen sogar so dunkel, dass ich auf abkühlendes Gewitter zu hoffen begann. Vergeblich.

Die schmerzenden Rippen waren viel besser geworden, ich gab meinem Bewegungsdrang nach und turnte eine Folge Pilates – große Freude.

Zum Nachtmahl taute Herr Kaltmamsell die eingfrorenen restlichen Rinderippen vom Montag auf, rührte dazu Polenta – richtiges Sonntagsessen. Nachtisch Schokolade.

Eher spät ins Bett, weil ich nicht müde war, zudem weil das zu warme Schlafzimmer mit geschlossenen Fenstern nicht recht lockte.

§

Catatonic schreibt über das japanische Konzept/Werkzeug/Zeichen
“Sekimori Ishi”.

Und tut das so abgewägt, dass eine Zusammenfassung oder ein Ausschnitt das Ergebnis verfälschten, lesen Sie bitte selbst. (Mein Erwerbsleben besteht mittlerweile zu 80 Prozent aus solchen Zeichen; ich muss aufpassen, dass sie in meinem echten Leben nicht überhand nehmen.)

Journal Samstag, 13. Juni 2026 – Wanderung ab Geltendorf, Sankt Ottilien mit Missions- und jüdischer Geschichte

Sonntag, 14. Juni 2026

Gut und ausgeschlafen, aufgestanden zu gemischten Wolken, aber deutlichem Temperaturanstieg. Alles wies darauf hin, dass das ein hervorragender Wandertag würde, das stellte sich später auch als richtig heraus.

Zu dieser Wanderung war ich um zehn am Münchner Gleisende verabredete, genug Zeit für einen gemütlichen Morgen mit Bloggen und Mastodon-Lesen. Länger als bei jeder Wanderung zuvor dachte ich über angemessene Wanderkleidung nach: Zwar war der sichtbare Wetterumschwung angekündigt gewesen, doch die vorherigen sehr kalten und dann auch noch regnerischen Tage musste ich erstmal aus dem Kopf bringen. Schließlich entschied ich mich für kurze Wanderhose und kurzärmliges Oberteil, schlüpfte aber in meinen leichten Windbreaker.

Münchner Nicht-Hauptbahnhof.

Die Windjacke zog ich gleich bei Ankunft am Gleis aus: Es war viel zu warm dafür.

Die Mitwanderin hatte als Ziel unserer Tour Sankt Ottilien bei Geltendorf vorgeschlagen, dessen ungewöhnliche Geschichte im 20. Jahrhundert ich bereits von ihr kannte: In der Nachkriegszeit diente das Benediktinerkloster als Krankenhaus für jüdische Häftlinge aus dem KZ Dachau. Außerdem interessierten wir uns für das dortige Missionsmuseum. Ich fand eine Wanderung drumrum, die uns einige Stunden in Bewegung halten sollte.

Es wurden schöne Stunden, auch wenn die erste Hälfte über Kaltenberg fast ausschließlich auf asphaltierten Wegen führte. Doch es ging ein angenehmer Wind, meist schien die Sonne, mit kurzen Ärmeln und Sonnenkappe war ich genau richtig ausgestattet.

Zwischen Geltendorf und Kaltenberg bewunderten wir die Wellen, die der Wind in die grünen Kornfelder blies: Nur in dieser Phase zeigten sie ihren ganzen Zauber, weil die Blätter der Halme verschiedene Grüntöne trugen; bei weiterer Reife der Pflanzen ins Gelbe verschwindet der Effekt.

Bilderbuch-Bayern

Zwar wird es auch dieses Jahr das Kaltenberger Ritterturnier geben (das ich vor 38 Jahren auch mal besuchte – das erste Mal wurde es schon 1980 veranstaltet), doch jetzt lagen die Anlagen noch ruhig da.

Ebenfalls Bilderbuch – mit starkem Verdacht, dass erst das Bilderbuch da war, und die Anlagen diesem Wunschbild angepasst wurden. Diesmal hatte ich sogar eine Kunsthistorikerin bei der Hand, die das bestätigen konnte.

Nach einer Schleife zurück und hinter dem Ort Kaltenberg ging es endlich auf Feldwege und in den Wald. Wo ich bereits nach wenigen Metern zum Mückenspray griff, das seinen festen Wohnsitz in meinem Wanderrucksack hat: Das malerische Sonnenlicht durchs Grün der Bäume machte Mückenschwärme sichtbar, mit denen ich nichts Engeres zu tun haben wollte. Ansonsten waren die Wege aber nach den Regenfällen der Vortage überraschend wenig matschig.

Nach etwa zweieinhalb Stunden Gehen setzten wir uns auf ein passendes Bankerl und machten Pause, ich frühstückte Apfel und Hüttenkäse. Vor uns mal ein Falke, mal ein Rotmilan (den wir noch an zwei weiteren Stellen am Himmel sahen – vielleicht waren es natürlich auch drei verschiedene). Vorher hatten wir bereits recht nah zwei Hirschtiere im Wald gesehen, die ich früher Rehe genannt hätte, bevor ich lernte, dass Rehe genau genommen nur eine ganz kleine und eher seltene Gruppe Hirsch bilden. (Noch verbinde ich mit “Hirsch” zu sehr Geweih, als dass ich die Bezeichnung unbefangen verwenden könnte.)

In einem großen Bogen (und zwei Extra-Abstechern, weil der GPS-Pfad auf meinem Handy-Display nicht ganz mit der Gegend übereinstimmte) gingen wir nach Eresing, das wir in diesem Bogen immer im Blick hatten. Auf die dortige Kirche war ich gespannt, denn je näher wir kamen, desto mehr sah sie in Details untypisch für eine Bilderbuch-Barockdorfkirche aus.

Der Eingang zu dieser Kirche St. Ulrich lag erhöht auf der Rückseite. Innen schöne Rokoko-Gestaltung mit überraschend gut gemalten Fresken (erst vor wenigen Jahren renoviert), der Hauptbau sichtlich von einem ursprünglichen gotischen Bau übernommen. Wir fanden auch die Treppe hinunter ins Erdgeschoß mit einer Kapelle.

Nicht viel später gelangten wir bereits nach Sankt Ottilien – ich war überrascht, wie weitläufig die Anlage ist.

Eingang zum Missionsmuseum.

In dem mir wie immer beim Thema christliche Mission ausgesprochen unwohl war (Kolonialismus, Machtmissbrauch, Gewalt, Unterdrückung, Rassismus). Diese Ausstellung ist allerdings in vielerlei Hinsicht vorbildlich in Reflexion und Transparenz, unter anderem zieht sich der Aspekt Restitution der Exponate durch die gesamte Ausstellung.

Wir durchstreiften das Gelände, meine Begleiterin kaufte im Automatenladen der Gärtnerei Gemüse, wir besuchten den jüdischen Friedhof als einen Teil des Rundgangs zur jüdischen Geschichte Sankt Ottiliens.

Mit dem ich mich bei einem eigenen Besuch ausführlich beschäftigen möchte, jetzt weiß ich ja, wie schnell ich vom Bahnhof Geltendorf hier bin.

Zu diesem spazierten wir abschließend und ließen uns von einer Regionalbahn mit Umstieg in Pasing zurück nach München fahren. Das waren gut 20 Kilometer in knapp fünf Stunden gewesen, die immer wieder schöne Aussichten geboten hatten.

Auch über München blauer Himmel, darin Wind und angenehme Temperaturen. Ich ruhte mich ein wenig auf dem Balkon aus, bevor ich meinen Anteil zum Abendessen aus Resten beitrug: Kohlrabigemüse aus Ernteanteil, restlichen Salat angemacht. Dazu servierte Herr Kaltmamsell ein wenig Fleisch und Kartoffelbrei vom Vorabend. Ich bekam das restliche Glas Rosé.

Nachtisch Vin Santo (hervorragend) und Cantuccini, außerdem Schokolade. Wieder sehr früh ins Bett zum Lesen, ich war dann doch vom Wandern müde.

Journal Samstag, 23. Mai 2026 – Sommerwanderung von Starnberg nach Herrsching

Sonntag, 24. Mai 2026

Wunderbar lang und gut geschlafen, aufgestanden zu dem angekündigten Sommertag – allerdings noch zu kühl für Balkonkaffee.

Als Tagesprogramm war eine Wanderung mit Herrn Kaltmamsell geplant: Auch wenn er seine Pfingstferien für Arbeit benötigt, bieten sie ihm genug freie Zeit für solch einen Ausflug. Die Routenwahl fiel auf Starnberg nach Herrsching, also vom Starnberger See zum Ammersee über Andechs.

Weder Tageslänge noch Wetter beschränkten uns, wir ließen uns Zeit für den Aufbruch. Meine Vorbereitungen schlossen gründliches Einsprühen mit Insektenspray ein: Nach Regen in der Vorwoche und bei den angekündigten warmen Temperaturen wollte ich kein Mückenrisiko eingehen.

Beim Verlassen des Hauses trafen wir die 91-jährige (sie nennt ihr Alter bei jeder Begegnung) Nachbarin am Rollator, sehr edel zurechtgemacht. Ihre Reaktion auf das Kompliment für ihr Outfit:
„Die Konkurrenz ist groß!“

Und dann erklärte sie, sie trage ihre viele schöne Kleidung und ihren großen Schmuck jetzt einfach im Alltag: Worauf solle sie warten?
Großartige Einstellung – die Geburtstagseinlader*innen dieses Sommers können sich auf was gefasst machen.

Wie ich bereits befürchtet hatte, war die Anfahrt etwas umständlich: Schulferien plus Wochenende bedeuten gewöhnlich verstärkte Bauarbeiten. Also U-Bahn zum Heimeranplatz, umgeleitete (und verspätete) S-Bahn nach Starnberg.

Schon beim Aussteigen sperrte ich Mund und Augen auf: Die HATTEN aber auch ein Panorama aufgehängt!
Erstmal Mittagscappucino an der Promenade.

Dann über die Maisinger Schlucht und den Maisinger See Richtung Westen. Es wurde schnell ziemlich warm, wärmer braucht es beim Wandern für mich nicht werden. Angenehmes Gehen, allerdings ist das einstündige Fehlen von Bankerln zwischen Aschering und JVA Rothenfeld ein Mangel – zumal wir hier nach zweieinhalb Stunden gerne Brotzeitpause gemacht hätten. Wir mussten bis fast drei Stunden warten.

Hochwillkommener letzte Trinkwasserstopp an den Starnberger Wasserwerken.

Maisinger See

Nach unserer Pause (Apfel, Nussschnecke) bei Rothenfeld. Wir waren nicht die einzigen mit Bankerl-Sehnsucht: Ein weiteres Wanderpaar fragte, ob es sich für Brotzeit zu uns setzen dürfe, es gebe ja wirklich wenig Gelegenheit.

Sonst hatten wir mit Samstag wieder den besseren Wandertag am Pfingswochenende erwischt: Es war sehr wenig los auf den Wegen, allerdings wurde alles berennradelt, was ging, einzeln bis in großen Gruppen und durchaus aggressiv. Nachdem ein Wortgefecht bis “AUF’S MAUL?!” eskaliert war, musste ich mich damit aufmuntern, dass die Kunststoff-versiegelten Rennradler Kilometerzahlen und Laktatwerte heimbrachten, ich aber Anblicke, Milansichtung, Blümchenfotos und Erinnerungen.

Den Aufstieg nach Kloster Andechs ließen wir aus (genossen aber über eine halbe Stunde lang herbeiwehende Blasmusik – zum ersten Mal fiel mir auf, dass manche bayerischen Märsche durchaus was von Pasodoble hatten), genossen statt dessen ein Stündchen Uferweg am Ammersee.

In Herrsching fanden wir nach gut fünf Stunden und gut 20 Kilometern einen noch geöffneten Supermarkt, große Freude über die Möglichkeit zum Wassernachkauf – und ich entdeckte heimischen Wein, über den ich schon gelesen hatte: Gleich mal ein Fläschchen mitgenommen.

Unterwegs hatte ich wieder Spaß mit Flora incognita: Das Fotografieren und schnelle Bestimmen mit der App fühlte sich an wie Einstecken der Pflanze in einen Tornister – genauer beschäftigen würde ich mich damit daheim.

Von links oben im Uhrzeigersinn: Wolfsmilch kannte ich schon, die App sagte Zypressen-Wolfsmilch / Mausohr-Habichtskräuter – ein Knaller, der mir beim Wandern immer besonders aufgefallen war / Glockenblume (Wiesen-Glockenblume) und Margarite (Wiesen-Margarite) wollte ich lediglich bestätigt sehen.

Wiesen-Bocksbart / Kriechender Günsel (gnihihi) / Schlangen-Knöterich / Kuckucks-Lichtnelke – ich lernte Nelken-Varianten.

Auch der Rückweg von Herrsching war durch die S-Bahn-Bauarbeiten etwas umständlich: Wir kamen erstmal nur nach Pasing, eine völlig überfüllte Regionalbahn brachte uns dann zur Haltestelle Hauptbahnhof.

Beim Ausräumen daheim wurde ich erinnert: Sommerliche Temperaturen bedeuten offene Fenster bedeuten Splatter-Sound aus dem Kreisssaal der Klinik gegenüber frei Haus!

Ich hatte mich sehr auf ein reiningendes Vollbad gefreut (große Seltenheit) und genoss es. Dadurch später als sonst servierte Herr Kaltmamsell das Nachtmahl: Aus Ernteanteil Mangold und Kräutersaitlinge gebraten, dazu Wildreis. Ich hatte wieder Lust auf Alkohol und öffnete einen am Vortag gekauften Pittnauer Rosé by Nature – hefig und mit Rhabarbernoten sehr erfrischend, gefiel mir gut, wird als möglicher Aperitif vermerkt.

Nachtrag: Nachtisch Erdbeeren, Berliner Marzipan, Schokolade.

§

Für die taz berichtet Reiner Wandler aus Madrid:
“Jobwunder dank Migration
Spanien feiert zweiundzwanzig Millionen!”

Dazu gehört aber auch die Kehrseite “niedrige Durchschnittslöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse in vielen Branchen” – und dass die meisten Einwander*innen aus Südamerika stammen, somit bereits die Landessprache können, ist ein nicht auf andere Länder übertragbarerer Faktor.

Journal Samstag, 2. Mai 2026 – Sonniges Wandern am Tegernsee und überraschendes Theater-Erlebnis

Sonntag, 3. Mai 2026

Gute Nacht, unterm Strich, auch schön lang ausgeschlafen.

Draußen wieder der angekündigte strahlende Sonnenschein, das passte hervorragend zu den Wanderplänen mit Herrn Kaltmamsell (der entschied, dass das auch zwischen Abiturkorrigieren möglich sein muss). Und es ließ sich einrichten, dass wir trotz Ausschlafen den Zug um zehn erwischten – sehr rechtzeitig am Bahnhof, um Sitzplätze zu sichern. Dabei war der Zug diesmal gar nicht überfüllt, ich sah nur einen Steher.

Zur Auswahl hatte ich bekannte Strecken am Starnberger See (Wanderung linksrum über Berg), Tegernsee (Höhenweg ab Gmund) und Chiemsee (Obst- und Kulturwanderweg) angeboten, die Wahl fiel auf den Tegernsee.

Die Überraschung in Gmund: Es war sehr warm, nach einer Woche trügerischer Sonne entsprachen gestern die Temperaturen dem Anschein. Am Bahnhof packte ich also gleich mal meine Jacke weg, dass ich zu den kurzen Ärmeln auch kurze Hosen hätte tragen können (wie sehr viele andere Wander*innen, denen wir begegneten), hatte ich wirklich nicht erwartet.

Gefasst wiederum war ich auf den Hochbetrieb zwischen Gmund und dem Ort Tegernsee: Diese gute Stunde Strecke ist auch als Spaziergang und mit Kindern angenehm.

(Verschmierte Handy-Linse, bitte um Entschuldigung.)

Einkäufe im Käseautomaten über Gmund (ein Grund für die Wahl dieser Wanderung, ich hatte extra meine Bargeld-Bestände gecheckt), ich nahm von der Naturkäserei Tegernseer Land einen Weissacher mit (auch als Grillkäse geeignet) und einen Weichkäse mit grünem Pfeffer.

Am Kiosk des Bahnhofs Tegernsee gab es Mittagscappuccino, dann gingen wir den längeren und steileren Teil des Tegernseer Höhenwegs nach Rottach-Egern an.

Diesmal aber mit einer Variante, hier bogen wir nach links die Trappen hoch: Die Abzweigung nach Galaun war uns jedesmal aufgefallen, jetzt recherchierte Herr Kaltmamsell den GPS-Track und wir machten den Umweg hoch. Davor lagen Verhandlungen und Überlegungen, ob sich Herr Kaltmamsell wirklich, wirklich fit genug dafür fühlte und ob seine in letzter Zeit zickenden Knie darunter leiden würden. Ich schaffte es, mich diesmal an meinen Vorsatz zu halten, auf Steigungen immer Herrn Kaltmamsell vorgehen zu lassen, damit er das Tempo bestimmen konnte.

Das war eine wirklich schöne Zusatzstrecke mit bequemer Steigung zum Berggasthaus Riederstein am Galaun, an und um das gerade reichlich Mittag gemacht wurde. Wir zogen weiter.

Die Kapelle auf dem Riederstein ließen wir aber aus – unter anderem weil sie dicht von Menschen umzingelt war.

Blick auf Rottach-Egern.

Auf einem langen, steilen Weg stiegen wir ab, Ausschilderung brachte uns zurück zum Tegernseer Höhenweg.
Unterwegs kurz vor halb drei Brotzeit: Ich hatte rote Paprika dabei, einen Apfel (aus Ernteanteil von einem unserer Partnerbetriebe und wieder köstlich – warum schmecken die Lageräpfel vom Biosupermarkt nicht halb so gut?), ein Stück Marmorkuchen.

Das letzte Stück Höhenweg nach Rottach-Egern brachte uns trotz schattigem Wald nochmal ins Schwitzen: Es ging noch zweimal ordentlich rauf und runter.

Blühendes Rottach-Egern. Nicht im Bild: Viele Paragliding-Schirme um den Wallberg.

Ganz hinten der Riederstein, an dem wir vorbeigekommen waren.

Rottach-Egern-Selfie kurz vor dem Ort Tegernsee.

Nach fast fünfeinhalb Stunden kamen wir zurück zum Bahnhof. Mein Bewegungs-Tracker zeigte am Ende 17 Kilometer Wanderung an – das schien mir arg wenig, andererseits ging es halt schon sehr rauf und runter (über 100 Stockwerke). Mein Körper hatte sich durchgehend superfit gefühlt, das Treppentraining zahlt sich vielleicht doch aus.

Allerdings überfiel meine Zähne rechts zweimal Brutalschmerz in einer heftigen Welle, ohne irgendeinen erkennbaren Auslöser, zum Glück saß ich beide Male gerade (Mittagscappuccino, Heimfahrt). Es ist WIKRLICH schön, wenn der Schmerz nachlässt, außerdem interessant, wie viel Energie solch eine Schmerzwelle kostet, ich war anschließend richtig erschöpft. Sollte sich nicht schlagartig Besserung einstellen, werde ich nächste Woche dann doch die Kassenärztliche Vereinigung um Terminvermittlung zur Neurologie bitten müssen, auch wenn’s an meinem Stolz kratzt, der sich nicht vordrängeln möchte.

Wir waren so rechtzeitig am Zug nach München, dass wir uns einen Sitzplatz sogar aussuchen konnten; diesmal mussten auf der Fahrt viele stehen. Ich las die Wochenend-Süddeutsche aus, fühlte mich nach dem vielen Staub auf der ausgedörrten Wanderstrecke dreckig und klebrig, freute mich auf eine Dusche.

In München schickte ich den deutlich erschöpfteren Herrn Kaltmamsell direkt nach Hause, erledigte selbst noch letzte Einkäufe für jüngste Sonntagseinfälle. Daheim nahm ich die ersehnte Dusche, das war schön.

Die Zubereitung des Abendessens hatte ich an mich gerissen. Es gab aus Ernteanteil: Ringelbete (auch instagram-Bete genannt), mit Emmernudeln, Schnittknoblauch, zugekauften gerösteten Walnüssen, abgeschmeckt mit Frischkäse.

Dazu ein Glas abgefahrenen Weißwein von Marie Adler. Nachtisch Marmorkuchen.

Abendunterhaltung: Beim Rumklicken durch die Fernsehprogramme stolperten wir auf 3sat über die Inszenierung des Wiener Volkstheaters Fräulein Else nach Arthur Schnitzler, aufgezeichnet an den Münchner Kammerspielen. Co-Autorin und Hauptdarstellerin Julia Riedler spielt in diesem Ein-Personen-Stück vom ersten Moment an so fesselnd (kein Wunder für diese Rolle mit Preisen ausgezeichnet), dass sogar Theater-Skeptiker Herr Kaltmamsell gebannt hängen blieb. Der zudem Schnitzlers gleichnamige Novelle gut kennt.

Große Empfehlung: Allein schon der Kunstgriff, den wunderschönen Jugendstil-Vorhang der Kammerspiele als Spielzeit-gemäße Kulisse zu verwenden, außerdem erlebte ich einmal eine Publikumsbeteiligung (die ich sonst fürchte, ich habe für Zuschauen gezahlt, nicht fürs Mitspielen), die tatsächlich für die Aussage des Stücks unabdingbar war. Ein vorbildliches Beispiel, wie man einen 100 Jahre alten Text über die Gegenwart sprechen lassen kann.

Hier bei 3sat zum Hinterhersehen.