Wandern

Journal Samstag, 2. Mai 2026 – Sonniges Wandern am Tegernsee und überraschendes Theater-Erlebnis

Sonntag, 3. Mai 2026

Gute Nacht, unterm Strich, auch schön lang ausgeschlafen.

Draußen wieder der angekündigte strahlende Sonnenschein, das passte hervorragend zu den Wanderplänen mit Herrn Kaltmamsell (der entschied, dass das auch zwischen Abiturkorrigieren möglich sein muss). Und es ließ sich einrichten, dass wir trotz Ausschlafen den Zug um zehn erwischten – sehr rechtzeitig am Bahnhof, um Sitzplätze zu sichern. Dabei war der Zug diesmal gar nicht überfüllt, ich sah nur einen Steher.

Zur Auswahl hatte ich bekannte Strecken am Starnberger See (Wanderung linksrum über Berg), Tegernsee (Höhenweg ab Gmund) und Chiemsee (Obst- und Kulturwanderweg) angeboten, die Wahl fiel auf den Tegernsee.

Die Überraschung in Gmund: Es war sehr warm, nach einer Woche trügerischer Sonne entsprachen gestern die Temperaturen dem Anschein. Am Bahnhof packte ich also gleich mal meine Jacke weg, dass ich zu den kurzen Ärmeln auch kurze Hosen hätte tragen können (wie sehr viele andere Wander*innen, denen wir begegneten), hatte ich wirklich nicht erwartet.

Gefasst wiederum war ich auf den Hochbetrieb zwischen Gmund und dem Ort Tegernsee: Diese gute Stunde Strecke ist auch als Spaziergang und mit Kindern angenehm.

(Verschmierte Handy-Linse, bitte um Entschuldigung.)

Einkäufe im Käseautomaten über Gmund (ein Grund für die Wahl dieser Wanderung, ich hatte extra meine Bargeld-Bestände gecheckt), ich nahm von der Naturkäserei Tegernseer Land einen Weissacher mit (auch als Grillkäse geeignet) und einen Weichkäse mit grünem Pfeffer.

Am Kiosk des Bahnhofs Tegernsee gab es Mittagscappuccino, dann gingen wir den längeren und steileren Teil des Tegernseer Höhenwegs nach Rottach-Egern an.

Diesmal aber mit einer Variante, hier bogen wir nach links die Trappen hoch: Die Abzweigung nach Galaun war uns jedesmal aufgefallen, jetzt recherchierte Herr Kaltmamsell den GPS-Track und wir machten den Umweg hoch. Davor lagen Verhandlungen und Überlegungen, ob sich Herr Kaltmamsell wirklich, wirklich fit genug dafür fühlte und ob seine in letzter Zeit zickenden Knie darunter leiden würden. Ich schaffte es, mich diesmal an meinen Vorsatz zu halten, auf Steigungen immer Herrn Kaltmamsell vorgehen zu lassen, damit er das Tempo bestimmen konnte.

Das war eine wirklich schöne Zusatzstrecke mit bequemer Steigung zum Berggasthaus Riederstein am Galaun, an und um das gerade reichlich Mittag gemacht wurde. Wir zogen weiter.

Die Kapelle auf dem Riederstein ließen wir aber aus – unter anderem weil sie dicht von Menschen umzingelt war.

Blick auf Rottach-Egern.

Auf einem langen, steilen Weg stiegen wir ab, Ausschilderung brachte uns zurück zum Tegernseer Höhenweg.
Unterwegs kurz vor halb drei Brotzeit: Ich hatte rote Paprika dabei, einen Apfel (aus Ernteanteil von einem unserer Partnerbetriebe und wieder köstlich – warum schmecken die Lageräpfel vom Biosupermarkt nicht halb so gut?), ein Stück Marmorkuchen.

Das letzte Stück Höhenweg nach Rottach-Egern brachte uns trotz schattigem Wald nochmal ins Schwitzen: Es ging noch zweimal ordentlich rauf und runter.

Blühendes Rottach-Egern. Nicht im Bild: Viele Paragliding-Schirme um den Wallberg.

Ganz hinten der Riederstein, an dem wir vorbeigekommen waren.

Rottach-Egern-Selfie kurz vor dem Ort Tegernsee.

Nach fast fünfeinhalb Stunden kamen wir zurück zum Bahnhof. Mein Bewegungs-Tracker zeigte am Ende 17 Kilometer Wanderung an – das schien mir arg wenig, andererseits ging es halt schon sehr rauf und runter (über 100 Stockwerke). Mein Körper hatte sich durchgehend superfit gefühlt, das Treppentraining zahlt vielleicht doch sich aus.

Allerdings überfiel meine Zähne rechts zweimal Brutalschmerz in einer heftigen Welle, ohne irgendeinen erkennbaren Auslöser, zum Glück saß ich beide Male gerade (Mittagscappuccino, Heimfahrt). Es ist WIKRLICH schön, wenn der Schmerz nachlässt, außerdem interessant, wie viel Energie solch eine Schmerzwelle kostet, ich war anschließend richtig erschöpft. Sollte sich nicht schlagartig Besserung einstellen, werde ich nächste Woche dann doch die Kassenärztliche Vereinigung um Terminvermittlung zur Neurologie bitten müssen, auch wenn’s an meinem Stolz kratzt, der sich nicht vordrängeln möchte.

Wir waren so rechtzeitig am Zug nach München, dass wir uns einen Sitzplatz sogar aussuchen konnten; diesmal mussten auf der Fahrt viele stehen. Ich las die Wochenend-Süddeutsche aus, fühlte mich nach dem vielen Staub auf der ausgedörrten Wanderstrecke dreckig und klebrig, freute mich auf eine Dusche.

In München schickte ich den deutlich erschöpfteren Herrn Kaltmamsell direkt nach Hause, erledigte selbst noch letzte Einkäufe für jüngste Sonntagseinfälle. Daheim nahm ich die ersehnte Dusche, das war schön.

Die Zubereitung des Abendessens hatte ich an mich gerissen. Es gab aus Ernteanteil: Ringelbete (auch instagram-Bete genannt), mit Emmernudeln, Schnittknoblauch, zugekauften gerösteten Walnüssen, abgeschmeckt mit Frischkäse.

Dazu ein Glas abgefahrenen Weißwein von Marie Adler. Nachtisch Marmorkuchen.

Abendunterhaltung: Beim Rumklicken durch die Fernsehprogramme stolperten wir auf 3sat über die Inszenierung des Wiener Volkstheaters Fräulein Else nach Arthur Schnitzler, aufgezeichnet an den Münchner Kammerspielen. Co-Autorin und Hauptdarstellerin Julia Riedler spielt in diesem Ein-Personen-Stück vom ersten Moment an so fesselnd (kein Wunder für diese Rolle mit Preisen ausgezeichnet), dass sogar Theater-Skeptiker Herr Kaltmamsell gebannt hängen blieb. Der zudem Schnitzlers gleichnamige Novelle gut kennt.

Große Empfehlung: Allein schon der Kunstgriff, den wunderschönen Jugendstil-Vorhang der Kammerspiele als Spielzeit-gemäße Kulisse zu verwenden, außerdem erlebte ich einmal eine Publikumsbeteiligung (die ich sonst fürchte, ich habe für Zuschauen gezahlt, nicht fürs Mitspielen), die tatsächlich für die Aussage des Stücks unabdingbar war. Ein vorbildliches Beispiel, wie man einen 100 Jahre alten Text über die Gegenwart sprechen lassen kann.

Hier bei 3sat zum Hinterhersehen.

Journal Samstag, 18. April 2026 – Frühlings-Sonnenwanderung um die Loisach-Kochelsee-Moore

Sonntag, 19. April 2026

Früh aufgewacht, nicht ganz ausgeschlafen aufgestanden. Doch die frühe Stunde passte ganz gut: Herr Kaltmamsell und ich wollten das angekündigte schöne Wetter für einen Wandertag am Kochelsee nutzen. Da wir annahmen, dass auch sehr, sehr viele andere Menschen aus München das wollten, hofften wir auf leichtere Sitzplatzjagd in einem Zug schon um neun (Deutschlandticket ist super).

Die Tour ab Benediktbeuern scheint bei uns ein April-Ding zu sein: Beide Male, die wir hier schon gewandert sind (2019 und andersrum 2023) waren wir in derselben Jahreszeit auf die Idee gekommen. Wir ließen uns wieder von diesem GPS-Track leiten.

Die Hoffnung auf einfachere Sitzplatzjagd ging schonmal nicht auf: Zwar kann ich mit späteren Zügen nicht abgleichen, doch die Verbindung um neun war knallvoll, nur unser Einsteigen fast 15 Minuten vor Abfahrt verschaffte uns zwei Plätze in einem Vierersitz (den zwei andere Reisende etwas unwillig von ihren Wanderrucksäcken und -stöcken freiräumten). Kurz darauf waren auch die Stehplätze belegt. Zu Gleis 28, also zum Starnberger Bahnhof, waren wir außenrum an der Arnulfstraße geleitet worden: Die Bauarbeiten belegen jetzt den Bahnsteig im Inneren der Halle.

Einstündige und recht pünktliche Bahnfahrt nach Benediktbeuern; bis dahin hatte sich der Zug nur wenig geleert, die meisten wollten offensichtlich zum Zielbahnhof Kochel. Nach Wettererfühlen am Bahnsteig entschied ich mich, die Jacke wegzulassen: Bei dem herrlichen Wetter und in angenehmen Temperaturen brauchte ich sie den ganzen Tag nicht.

Im Hintergrund die Türme des Klosters Benediktbeuern, wo immer noch an den Schäden durch Sturm und Hagel Ende August 2023 gearbeitet wird. Im Vordergrund die historische Glashütte Joseph von Fraunhofers, die bereits fertigrepariert ist und wieder besichtigt werden kann.

Schon bald wurde mein erster Wunsch für die Wanderung erfüllt: Schwalben am Himmel und auf Stromleitungen, herzlich willkommen! Zwischen knallig ergrünenden Bäumen wanderten wir auf schönen Pfaden und landwirtschaftlichen Wegen Anhöhen hinauf, bekamen wunderbare Ansichten, dann steile Waldpfade hinab. Wie schon bei den vergangenen beiden Malen freute ich mich an den besonders hübschen Sumpfdotterblumen. Auf etwa der Hälfte der Strecke kreuzten wir wieder eine bewirtschaftete Kuhweide, diesmal hörten wir die Tiere lang vorher an ihren Glocken, sahen sie diesmal zwischen den hohen Bäumen eines Nadelwalds – Waldkühe.

Körperlich fühlten wir uns beide gelassen und fit, dennoch machten wir brav nach zwei Stunden Pause. Und kurz darauf nochmal, als wir nach Kochel reinkamen: Ich erinnerte mich an das Café im Schusterhaus und wollte dort gerne einen Cappuccino. Zwar hatte genau dieses Café mittlerweile geschlossen, doch gleich gegenüber gab es ein neues, Tiny Soul. Setzten wir uns halt dort auf einen Cappuccino.

Zurück ging es erst die Loisach entlang, von dort der sehr besondere Blick über die Loisach-Kochelsee-Moore. Gut vorbereitet waren wir auf das letzte Stück, das sehr, sehr lang über eine riesige, ebene Wiesenfläche führt, und auf dem es uns beim ersten Mal fad geworden war. Diesmal wappneten wir uns gegen die gefühlte Endlosigkeit – und schon war das Stück gar nicht mehr so lang. Zumal wir immer wieder riesige Milane am Himmel präsentiert bekamen.

Den Lainbach entlang gemächlich hoch.

Sumpfdotterblumen mit Aussicht. Sehr angenehm die ganze Wanderung entlang: kaum andere Menschen. Erst auf der zweiten Hälfte kamen uns andere Wandersleut entgegen, die Loisach entlang wurde vor allem Elektro-geradelt.

Blick aufs Moor.

Cappuccino in Kochel.

Offensichtlich schon sehr lang verbotene Durchfahrt.

Wunderschöne Blindschleiche, ca. 40 Zentimeter lang, die Herr Kaltmamsell entdeckte und deren Zeichnung mit Längsstreifen ich bewunderte.

Rückweg die Loisach entlang.

Das waren dann gut fünf Stunden mit zwei Pausen für knapp 19 Kilometer. Deutlich nach drei Uhr hatte auch ich Brotzeit-Appetit entwickelt: Auf einem Bankerl am Bahnhof aß ich meinen Apfel und löffelte das Glas Skyr mit Leinsamenschrot.

Unterwegs hatte ich beim Anblick besonderer Blumen endlich mal konsequenter die App Flora Incognita genutzt und folgende Blümchen kennengelernt:

Weiße Pestwurz

Kalk-Glocken-Enzian (im Loisach-Moor)

Rote Lichtnelke

Auch zurück war die Bahn voll, es standen allerdings deutlich weniger Menschen in den Gängen.

Beim Wandern hatte ich meine Kappe nicht gebraucht, doch jetzt blendete mich die Sonne beim Zeitunglesen und ich nutzte ihren Schirm.

In München kauften wir auf dem Heimweg im Rewe Kleinigkeiten für aktuelle Ess-Ideen ein, trafen körperlich noch recht frisch zu Hause ein.

Ich setzte meine Körperpflegepläne um (Epilieren, Pediküre), entdeckte einen Hauch von Rot auf Nacken und Dekolleté – trotz LSF 50, aber es gab halt noch fast keinen Schattenschutz durch Blätter.

Zeit für Aperitiv:

Ich mixte uns Green Monkeys (wegen Sahnerest im Kühlschrank). Herr Kaltmamsell kochte als Nachtmahl die Ernteanteil-Karotten mit Einkorn, Feta und den vorhandenen Kräutern Dill sowie Korianer zu einer köstlichen Karottenpfanne. Dazu das Restl Rotwein vom Vorabend. Nachtisch Osterschokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich schloss Leon Engler, Botanik des Wahnsinns ab – bis zuletzt gern gelesen, aber bis zum Schluss mit konstantem Schreibwerkstattverdacht.

Journal Samstag, 28. März 2026 – Angewandert im Ampertal

Sonntag, 29. März 2026

Richtig gut und lang geschlafen, das war sehr schön.

Schön war beim Aufstehen auch das Wetter, wie vorhergesagt: Das traf sich gut, denn schon seit Langem war der gestrige Tag fürs Anwandern gebucht, auf Initiative von Herrn Kaltmamsell. Dass der Sonnenschein auf niedrige Temperaturen traf, konnten wir ja durch Kleidung ausgleichen. Wir hatten uns auf eine Strecke entlang der Amper hinter Fürstenfeldbruck geeinigt, die wir bereits kannten, aber schon viele Jahre nicht mehr gegangen waren. Gut 14 Kilometer einen Fluss entlang sollten ein guter Einstieg sein.

Interessant übrigens: Wenn ich oder Herr Kaltmamsell gegenüber Kolleg*innen unser Wandern erwähnen, wird nahezu immer von Bergwandern ausgegangen. So erstaunte ich im Wochenendplan-Smalltalk eine Kollegin: Es liege doch überall noch Schnee? Ist das vielleicht eine speziell Münchner (und Autobesitz-)Erscheinung?

Die Entscheidung für diese eher kurze Strecke ließ uns reichlich Zeit für den Aufbruch. Erstmal kochte ich aus Ernteanteil für den Abend Karottensalat mit Koriander, dann ging ich eine Runde Einkaufen, vor allem Schokolade.

Erst gegen elf machten wir uns wanderfertig, unter die superduper, aber ungefütterten Wanderjacken mehrere Schichten Langärmliges. Ich trug die im Vorjahr erworbenen neuen Wanderschuhe, obwohl die für komplizierteres Gelände gebaut sind, um sie weiter einzulaufen. Irritierenderweise verlor ich beim Gehen diesmal zunächst das Gefühl in den Zehen des linkes Fußes, hatte insgesamt ein Engegefühl bei den Zehen – obwohl ich schon mehrfach sehr bequem in den Stiefeln gelaufen war.

Wir spazierten zur S-Bahn am Stachus, ich holte mir unterwegs einen Mittagscappuccino. Durch sonnige, aber winterkahle Landschaft ließen wir uns nach Schöngeising fahren. Dieser S-Bahn-Halt liegt recht weit außerhalb des Orts, den wir erstmal durchquerten, um dann die Amper entlang rechtsseitig nach Fürstenfeldbruck zu gehen. Die Temperaturen waren gnädig mit uns, wir brauchten weder Mütze noch Handschuhe.

Wir sahen Frühlingsblümelein von Traubenhyazinthen über Veilchen und Buschwindröschen bis Schlüsselblumen, waren uns letztendlich aber einig, dass diese Route als Wanderung uns nicht reizvoll genug war, sich eher als Jogging-Strecke eignete.

Altes Forsthaus Schöngeising.

Auf einem Bankerl beim Kloster Fürstenfeld gab es kurz nach zwei Brotzeit: Birne und selbstgebackenes Brot aus der Gefriere.

Zurück wanderten wir auf der anderen Seite der Amper.

Beide waren wir nicht wirklich auf der Fitness-Höhe: Nicht mal vier Stunden Wanderung einen Fluss entlang machten uns so fertig wie sonst nur Ganztagestouren mit viel Auf und Ab. Wir erreichten den Bahnhalt Schöngeising ordentlich erledigt und mit schweren Füßen.

Zurück in München entschieden wir uns auf dem Heimweg dennoch für ein kleines Abenteuer: Wir gingen endlich mal in der Sonnenstraße in einen Mix Markt. Die Supermärkte dieser Kette fallen mir seit einigen Jahren auf, scheinen auf den ersten Blick osteuropäischen Lebensmittelvorlieben entgegen zu kommen. Aber richtig umgesehen hatte ich mich in noch keinem. Das holten wir gestern nach.

Ergebnis: Ja, sehr interessant, ja, osteurpäische Produkte, vor allem russische und polnische. Hier bekommen wir unter anderem künftig Kwas für Okroschka (mindestens zehn verschiedene im Angebot), außerdem wird Herr Kaltmamsell mindestens ein Abendessen aus dem reichhaltigen Sortiment gefrorener Teigtaschen zusammenstellen, von georgischen Chinkali bis russischen Pelmeni. Auch die Metzgertheke wirkte attraktiv, bereits überwältigend das meterlange Angebot an geräuchertem Fisch. Zudem werde ich dringend die offen und einzelnen bunt eingewickelten Süßigkeiten probieren wollen, gestern nahm ich nur eine Packung gefülltes Kleingebäck mit.

Zu Hause ruhten wir uns ein wenig aus, bevor ich eine Folge Yoga turnte: Gestern war eine halbe Stunde ruhiges Dehnen dran, das passte perfekt. Wir hatten beide sehr große Lust auf Alkohol, ich öffnete eine Flasche roten Côtes du Rhône, sehr entspannend.

Zu Abend gab es neben dem Karottensalat Ingolstädter Bauernwürscht aus der Gefriere mit selbstgebackenem Brot. Nachtisch Schokolade – eventuell ein bisschen zu viel.

Sehr früh ins Bett zum Lesen, frühes Lichtaus wegen Erledigtsein.

§

Die ganz alte Blogwelt trauert um einen weiteren der ihren: Chris Kurbjuhn ist gestorben, die angekündigte Blogpause und raren Posts ließen bereits befürchten, dass seine Krebserkrankung zurückgekehrt war. Ich profitierte immer wieder von seinen Kulinarik-Tipps, und einmal ganz handfest von einem Päckchen Ahle Wurst, das er mir nach Rücksprache zu Demonstrationszwecken schickte, um mich die Bandbreite dieser Spezialität schmecken zu lassen.

Journal Samstag, 1. November 2025 – Abschluss der Wandersaison in neuen Stiefeln von Starnberg über Andechs nach Herrsching

Sonntag, 2. November 2025

Nach guter Nacht von heller werdendem Himmel geweckt, das war besonders schön.

Die drei Zehen junger Knoblauch vom Abendessen brachten sich mit einem Geschmack in Erinnerung, der auf tödlichen Atem hinwies.

Herbstlicher Küchenblick.

Reichlich Zeit für Wäschewaschen und Bloggen vor Aufbruch zur Wanderung. Die Anreise nach Starnberg (ich wollte von dort über Andechs nach Herrsching am Ammersee gehen), soviel hatte ich bereits recherchiert, würde durch Bauarbeiten kompliziert, aber wann sollen sie das machen, wenn nicht an einem Feiertagswochenende.

Nach dem Umsteigen in Pasing hatte ich einen bequemen Sitz, mit genügend Lesestoff bekümmerte mich die verspätete Abfahrt nicht.

In Starnberg hatte ich einen Cappuccino am netten italienischen Kiosk rechts geplant, doch bei Ankunft war mir überhaupt nicht danach. Schade. Steuerte ich also gleich die Masinger Schlucht an.

Neben Abschluss der Wandersaison (und Vergnügen) war ja Zweck der längeren Strecke, die neue Wanderschuhe in den Praxiseinsatz zu bringen. Das war dann seltsam: Schon beim Reinschlüpfen fühlten sich die Stiefel zu klein an, die linke kleine Zehe drückte, bis ins erste Viertel meiner Route mehrmaliges Ausziehen, Sockenrichten, Anziehen, Umschnüren, weil sich immer irgendwas nicht richtig anfühlte – dabei war ich doch schon einen Tag lang in den Stiefeln herumgelaufen. Ich kam zu dem Schluss, dass ich gestern einfach keine Wanderfüße hatte. Und als ich abends schmerzende Stellen untersuchte, nahm ich mir fürs nächste Mal eine andere Verteilung der Schnürfestigkeiten vor (z.B. Schaft lockerer).

Dazu litt ich unter Schwindel – ich hatte die drei mächtigen Zehen Knoblauch vom Vorabend im Verdacht, große Mengen Knoblauch senken meinen Blutdruck massiv. Doch die abwechslungsreiche Strecke bot so viele schöne Ansichten, nach dem Maisinger See auch nur wenig gestört von Mountainbiker*innen, dass ich die Wanderung genießen konnte.

Es blieb sonnig und so mild, dass ich über Mittag eine Stunde lang nur in T-Shirt unterwegs war. Erst auf dem letzten Drittel zog der Himmel zu, am Ammersee wurde es schwül.

Landmarke an dem Wegstück in Starnberg, auf die ich mich immer freue (und auf den Zustand gespannt bin).

Werden und Vergehen – mit Überraschung bei Letzterem.

Maisinger Schlucht.

Maisinger See.

Hinter Aschering Richtung Andechs.

Mittagspause nach knapp drei Stunden: Es gab Äpfel und Roggenvollkornbrot vom Bäcker Wimmer.

Kloster Andechs wie erwartet am Feiertag gut besucht (aber kein Vergleich zu einem Feiertag im Sommer). Von dort stocherte ich in verschiedene Wege: Ich wollte nicht über die kürzeste Strecke durchs Kiental nach Herrsching, sondern noch eine schöne Stunde am Seeufer entlangwandern. Die gewohnte Route fand ich nicht (ich war so überheblich gewesen, keinen GPS-Track runterzuladen – das würde ich doch wohl sehen), kam aber auf einem anderen schönen Weg ans Seeufer.

Und bekam bei einem vergeblichen Versuch einen neuen Blick auf den Turm der Klosterkirche.

Am Ammersee wurde mit Alpenblick gechillt.

In Herrsching dito, aber mit einem Aperitif in der Hand, angeboten von einigen urigen Strandbars.

Am Bahnhof Herrsching hatte der Bewegungs-Tracker meines Handys 22 Kilometer in sechs Stunden gemessen. Und ich hatte gut daran getan, früh aufzubrechen: Um halb fünf wurde es bereits grenzwertig dämmrig zum Wandern.

Die Rückfahrt ebenfalls mit Umsteigen in Pasing und Verzögerungen. Auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause wurde ich angetröpfelt.

Zum Abendessen kochte ich mir Pasta e lenticchie (Linsen!) aus der Lameng, der Ernteanteil lieferte dafür ein paar Karotten und eine halbe Zwiebel.

Während das garte, entkernte ich vier Granatäpfel: Erst hatte Crowdfarming von meinem adoptierten Granatapfelbaum gemeldet, die Ernte davon sei dieses Jahr zu schlecht, ein anderer Landwirt übernehme die Lieferung (sowas passiert in echter Landwirtschaft, und im Gegensatz zu einem Supermarkt bin ich flexibel). Dann war mein Versuch gescheitert, die Lieferung zu terminieren: Hinter dem Link stand die Information, es gebe dieses Jahr gar nichts, ich bekäme den bereits bezahlten Betrag gutgeschrieben. Doch vor zehn Tagen wurde ich nochmal aufgefordert, meine Granatapfellieferung festzulegen – und jetzt gab es nur noch einen Termin für beide 2,5-Kilo-Kisten. Die kamen am Freitag, und nun muss ich fünf Kilo Granatäpfel wegbekommen. Da ich gleichzeitig erstmals sehr viel Crowdfarming-Werbung auf instagram sehe, vermute ich eine grundlegende Änderung im Hintergrund, die ziemlich viel durcheinanderbringt – und das Wohlwollen selbst überzeugter Kundinnen wie mir ganz schön belastet. (Die ich weiterhin bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf Crowdfarming als Quelle hinweise, erst kürzlich jemanden, die Mangos liebt, aber Bedenken wegen der langen Transportwege äußerte. Und die genausowenig wie ich seinerzeit wusste, dass Mangos auch in Europa angebaut werden, gerade Saison haben, und unter anderem wegen billiger Konkurrenz aus Südamerika nicht in unseren Supermärkten auftauchen.)

Sehr gutes Abendessen, ich kann’s doch noch. So gut, dass ich mich nur durch dringliche Ermahnung (du willst doch noch Granatapfel und Schokolade, und dann geht’s dir nicht mehr gut!) von einem dritten Teller voll abhalten konnte. Der Rest war als Sonntagabendessen geplant, darauf freute ich mich schon.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Vielleicht nur interessant für Menschen, die so positiv phasziniert sind von Hazel Brugger wie ich (umschrieb sie ihr Fangirltum): In seiner Show “Missverstehen Sie mich richtig” spricht Gregor Gysi mit ihr auf der Bühne.

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https://www.youtube.com/watch?v=cLjpUvSb3hE

Journal Samstag, 11. Oktober 2025 – Herbstwanderung am Starnberger See

Sonntag, 12. Oktober 2025

Schön lange geschlafen. Wir hatten Wanderpläne, aber keine Eile, also bloggte ich gemütlich, trank Kaffee, Wasser, Tee.

Unser Wanderziel war der Starnberger See, ich wollte nochmal mit Herrn Kaltmamsell die Runde linksrum über Berg und Bismarckturm Assenhausen machen. Das Wetter war wie vorhergesagt trocken und nicht kalt, ich hoffte sogar auf den einen oder anderen Sonnenstrahl.

Erstmal musste ich mich allerdings über die Süddeutsche ärgern:

Deren Anzeigenabteilung verkauft weiterhin diese aufgeklebten Postkarten, die entweder redaktionellen Text auf der Titelseite verdecken oder durch Entfernen redaktionellen Text der ersten beiden Seiten vernichten. Mag eine Juristin vielleicht eine Argumentationslinie finden, mit der das gegen die presserechtliche Trennung von Anzeige und redaktionellem Inhalt verstößt? Ich würde mich sehr freuen. (Und merke mir den Absender dieser konkreten Postkarte, um niemals auch nur versehentlich bei ihm zu kaufen.)

Die zerfetzte Zeitung steckte ich als Reiselektüre in meinen Wanderrucksack, als Jacke sollte die Fleece-Version reichen (tat sie).

Vom Stachus aus brachte uns eine S-Bahn nach Starnberg.

Dort erstmal sehr guten Cappuccino am italienischen Kiosk, Herr Kaltmamsell frühstückte Canolo.

Es wurde eine schöne Wanderung, erstmal anderthalb Stunden am östlichen Ufer entlang bis ans Ende von Leoni.

Dabei vorbei an einer schönen historischen Leuchtreklame.

So wertgeschätzt, dass sie kürzlich gemalt imitiert wurde.

Die Votivkapelle am Todesort Ludwig II.

Schöne Häuser in Leoni.

Wir stiegen hoch zum Bismarckturm, genossen die Kombination von blauem Himmel und herbstbuntem Laub.

Ausblick in die eine Richtung.

Ausblick auf den Starnberger See.

Bismarckturm von hinten.

Kurz vor zwei Pause und Brotzeit (ich hatte zwei Birnen dabei) auf einem Bankerl mit dieser Aussicht; wir sahen zu, wie zwei Pferde Gassi geführt wurden. Ohnehin gibt es in dieser Gegend immer mehr Pferdehöfe, wie überhaupt Pferdezucht und -haltung in Bayern deutlich ansteigen – wohl ein weiterer Versuch, irgendwie von Landwirtschaft zu leben. Kann ich auf eine daraus folgende Wiederbelebung der Pferdemetzgerei hoffen?

Zeitgenössische Volksfrömmigkeit.

Bei Martinsholzen war ich zuletzt falsch abgebogen; diesmal sah ich rechtzeitig auf den GPS-Track.

Zurück am See, nach viereinhalb Stunden Gehen immer noch frisch.

Unser Wanderziel (-> Das Ziel ist das Ziel.) war noch vor halb fünf der Tutzinger Hof in Starnberg mit seinem hervorragenden Brotzeitbrettl.

Wir bestellten diesmal nur eines, dazu aber eine Extraportion Obatzten, der hier mein liebster ist. Dazu gab es dunkles Bier. Alles sehr gut.

Zurück daheim servierte ich abends einige frische Feigen (an der Sonnenstraße am Standl gekauft) und Schokolade zu einer Folge Mad Men, außerdem Schnaps. Den trinken wir eigentlich beide sehr gern, haben (meist als Geschenke) auch eine Auswahl vorrätig, doch Einsatz ergibt sich eigentlich nur, wenn wir Gäste haben und ihn abschließend anbieten. Gestern schnapselten wir einfach allein, ich hatte Heuschnaps, Enzian, Limoncello aus elterlicher Produktion (nicht wirklich Schnaps, ich weiß).

§

Damit’s nicht untergeht: Herr Kaltmamsell war so freundlich, das Rezept für seine hervorragenden Süßkartoffel-Mac-and-Cheese in meinem Rezeptblog zu hinterlegen.

§

In der gestrigen Wochenend-Süddeutschen, dem unzerrissenen Teil, eine schöne Reportage über ein ikonisches Lied meiner Jugend, auch in meinen Kreisen als Geheimtipp durchgereicht: “Am Fenster” von City. Raphael Geier hat Toni Krahl, eines der vier Band-Mitglieder, auf Zypern besucht (€).
“Sieben Minuten für die Ewigkeit”.

Ein Freiheitsliedchen, über die Mauer nach Süden geflogen: Wie vier Typen aus Ostberlin ohne ihr Wissen in Griechenland zu Stars wurden …
… und warum „Am Fenster“ von „City“ dort immer noch ein Radio-Klassiker ist.

Journal Mittwoch, 8. Oktober 2025 – Am Tegernsee kann man auch wandern

Donnerstag, 9. Oktober 2025

Wandertag also. Nach guter Nacht stand ich zu vielversprechendem Himmel auf.

Es wurde richtig sonnig, entgegen der Vorhersage einer geschlossenen Wolkendecke. Und schon wusste ich nicht recht, was ich für meine Wanderung entlang dem Tegernseer Höhenweg anziehen sollte, vorhergesagte Höchsttemperatur 16 Grad. Ich entschied mich für ein langärmliges Sport-Shirt und meine Superduper-Wanderjacke, vorsichtshalber band ich mir noch ein Nickitücherl um den Hals.

Zum Bahnhof brach ich recht früh auf: Herr Kaltmamsell hatte uns fürs Abendessen einen Tisch reserviert, ich wollte mit genügend Sicherheitsabstand zurück daheim sein. (Deutschlandticket ist super.)

Wandertag war es überraschenderweise auch für echte Schulklassen (Herr Kaltmamsell klagt hin und wieder, dass er das mit seinen Klassen schon seit vielen Jahren nicht mehr machen kann): Die Bahn war berstend voll, unter anderem mit mehreren Schulklassen, als weitere Überraschung auch mit weiteren Wandergruppen (durchaus nicht nur im Rentenalter – haben die alle Urlaub?).

Auch in meinem Zielort Gmund schien die Sonne von nahezu wolkenlos blauem Himmel – damit hatte ich anhand der Wettervorhersage wirklich nicht rechnen können. Ich vermisste eine Sonnebrille, öffnete schon bald meine Jacke, auf dem zweiten Teil des Höhenwegs band ich sie mir um den Bauch.

Erstmal steuerte ich den Käse-Automaten an, den wir bei der jünsten Wanderung hier entdeckt hatten, ich wollte Nachschub besorgen.

Der Automat wurde gerade nachgefüllt, ich kam ins Gespräch mit der Nachfüllerin – und erfuhr viel spannenden Hintergrund. Hiermit sei empfohlen: Käse von der Naturkäserei Tegernseer Land aus dem Automaten in Gmund am Anfang des Tegernseer Höhenwegs (solange der Automat noch was hergibt, denn dann haben diese Sorten saisonale Pause – wie jeder handwerklich erstellte Käse), bringen Sie Bargeld mit. Neben dem Weissacher vom letzten Mal (schmeckte besonders gut zu Tomate, die Nachfüllerin empfahl auch Pfannenbraten) ließ ich mir einen Blauberger mit Edelschimmel aus dem Automaten. Diese Käserei, so fand ich daheim heraus, ist eine Genossenschaft – wir mögen Genossenschaften.

Es blieb sonnig, ich wanderte fröhlich – und konnte mein Wetterglück auch diesmal schier nicht fassen.

Nach einer guten Stunde war ich am Ende des nördlichen Tegernseer Höhenwegs in Tegernsee.

Mittagscappuccino am Bahnhof.

Brotzeit machte ich um halb zwei auf einem Bankerl am See am Rand von Rottach-Egern: Ernteanteil-Äpfelchen (super!) und eine Nussschnecke.

Nach knapp viereinhalb Stunden und etwa 16,5 Kilometern war ich wieder am Tegernseer Bahnhof. Erst kurz davor sah ich nach Rückfahrten, ging eh alle halbe Stunde ein Zug. Außer. Außer es fällt einer aus, wie in diesem Fall. Nun, ich hatte genug zu lesen dabei, das Wetter war weiterhin stabil, las ich also bis zur Rückfahrt 50 Minuten auf einer Bank am Bahngleis.

Der reservierte Abenbrottisch stand im Lokal Prygoshin im nördlichen Bahnhofsviertel: Auch wenn der Name es nicht vermuten lässt, hatte Herr Kaltmamsell auf der dortigen Speisekarte Arepas entdeckt, südamerikanische gefüllte Maisfladen. Die hatte er schonmal selbst zubereitet, wollte sie aber professionell gemacht probieren.

Wir tranken beide MargaritasCaipirinhas (sehr gut! und ich hatte mitten unter der Woche Lust auf Alkohol gehabt, wahrscheinlich ein Urlaubs-Symptom), die Arepa von Herrn Kaltmamsell und meine Cachapa (eine andere Art von Maisfladen, eher Pfannkuchen-groß) schmeckten gut und sättigten.

Und ich saß mit Blick aufs legendäre Café Kosmos.

Zurück daheim gab’s zum Nachtisch Trifle und Schokolade.

Ich sah nach, warum ein Lokal mit venezolanischen Spezialitäten solch einen russisch klingenden Namen trug – und stieß auf ein SZ-Interview von 2023 mit dem Wirt Michael Frimpong und die kuriose Geschichte dazu (€):
“Wenn die Bar wie der russische Söldner-Chef heißt”.

Weil hinter Bezahlschranke, hier die Kurzfassung: Namensgeber ist der “belgisch-russische Chemie-Nobelpreisträger, Schriftsteller und Philosoph Ilya Prigogine, gesprochen wie Prigoschin”, weil Frimpong dessen Buch “Order Out of Chaos” so gut gefiel. Der schon vorher Pech mit Namensideen für sein Restaurant hatte:

Wir hatten das Lokal 2017 übernommen, und weil im Freundeskreis einige zu dem Zeitpunkt Onkel geworden waren, hatte ich die Idee, den Namen “Onkelz” zu nehmen.

Die Folgen können Sie sich denken.

§

Morgens nutzte ich eine Gelegenheit, Goggles “KI”-Funktion zu verwenden: Ich wollte herausfinden, worum es sich eigentlich bei dieser Skulptur am Isarwerkkanal in Thalkirchen handelte.

Und so befragte ich Google Lens (das mir bei Produktsuchen, also Schuhen, Kleidung, anhand von Fotos schon nützlich war). Das Ergebnis:

Sie wurde 1987 aufgestellt und zeigt Sisyphos, wie er einen Felsblock den Berg hinaufdrückt.

unweit der Brudermühlbrücke

und

Die Figur besteht aus Bronze und der Fels aus Stein.

waren offensichtlich falsch, den angeblichen Künstler “Peter H. Mette” fand ich nirgends, also ging ich den Quellen nach.

Google hatte sich nach eigenen Angaben auf der Website Stadtgeschichte München bedient. Und hier stand mit Links und Foto, dass es sich um die Skulptur “Die gebändigte Kraft” von Peter Winter-Heidingsfeld handelte, übergeben 1920. Nur falls Sie dazu neigen, bei Google-Suchen die “KI”-Zusammenfassungen, die seit einiger Zeit ganz oben erscheinen, ernst zu nehmen.

Ich zitiere aus dem Interview mit Informatikprofessorin Katharina Zweig, das die Süddeutsche am Montag veröffentlichte (€):

Sprachmodelle wurden mit vielen Texten darauf trainiert, das nächste Wort vorherzusagen, das in einem bestimmten Kontext wahrscheinlich ist. Sie sind nicht so konstruiert worden, dass sie irgendetwas wissen. Wenn sie vorher sehr viele Sätze gelesen haben, die alle korrekt sind, kann die Maschine eine Variante von diesem Satz erschaffen, die inhaltlich korrekt ist. Genauso gut kann der Satz völlig in die Hose gehen.

Beim Abendessen überlegte ich mit Herrn Kaltmamsell, warum Google nicht die Fakten in seiner Quelle genannt hatte. Wir konnten nur raten: Weil sie sich nicht gut lasen? Kein so schöner Text waren wie zusammengesetzte Fragmente viel vagerer und weniger passender Quellen?

Will heißen: Werkzeuge wie ChatGPT sind verlässlich, wenn es um Sprachliches geht (deswegen eine wunderbare Hilfe bei Formulierungen und Zusammenfassungen) – die darin enthaltenen Fakten müssen immer überprüft werden. (Sonst siehe “Deloitte muss Australien Geld zurückgeben, weil Bericht voller KI-Halluzinationen war”.)

Journal Samstag, 27. September 2025 – South Downs Way Tag 7: Von Alfriston nach Eastbourn

Sonntag, 28. September 2025

Das Wichtige vorab: Bin gesund und munter (!) am Ende des South Downs Way angekommen.

Gut im sehr kalten Zimmer geschlafen, es hatte eine Weile gedauert, bis es mir unter dem leicht klammen Bettbezug warm geworden war. Vor Wecker aufgewacht, sehr munter.

Erstmal ans Fenster, eh.

Zum zweiten Mal konnte ich mich an einer luxuriösen Kaffee- und Teeküche bedienen (inklusive einem Mikro-Kühlschrank für mein Kännchen Frischmilch): Mein erster Kaffee aus der French Press (Parameter vorher natürlich online recherchiert: Wie geht das, damit guter Kaffee rauskommt) – ja, schmeckt wie guter Filterkaffee. Dann noch zwei Tassen Schwarztee.

Aber es war so kalt! Bloggen in dicken Socken, Fleecejacke, Janker. Meine letzte Wanderetappe trat ich entsprechend durchgefroren an, so sollte das eigentlich nicht sein. Als ich mich von der Gastgeberin verabschiedete (danke nein, ich nahm lieber doch nichts mit als Brotzeit, das hätte offensichtlich Umstände verursacht), bemerkte ich sehr wohl ihren dicken Wollpulli mit Steppweste drüber, so wohnt man hier halt.

Ich war früh dran und sah mich ein wenig im (übersichtlichen) mittelalterlichen Alfriston um.

Herzstück: Die Kirche St. Andrews aus dem 14. Jahrhundert.

Aus Feuerstein (flint) gebaut.

Eine Runde durch die morgenleeren Gässchen, die ungefähr lediglich doppelt so viel Fläche belegten wie der Touristen-Parkplatz – letzterer aber mit einem sehr willkommenen Klo.

Ich nahm den South Downs Way wieder auf, letzte Etappe, die Küsten-Variante über die Seven Sisters (es gibt auch eine Streckenführung weiter im Inland).

An einem Samstag war ich durchaus auf Ausflüger*innen auf der Strecke gefasst gewesen. Auch dass aus der einen Charity-Wanderung (rosa T-Shirts) zwei geworden waren (grüne T-Shirts, und davon viele, viele Gruppen und einzelne), verarbeitete ich ganz gut. Doch dass es auf den Seven Sisters zuging, wie ich mir Wandern auf dem Nanga Parbat vorstelle (minus Leichen), überraschte mich dann doch. Offensichtlich handelt es sich um eine international abzuhakende Sehenswürdigkeit, ich war von so vielen chinesischen Touristen umgeben wie zuletzt auf dem Jungfraujoch (minus Kurzatmigkeit wegen Höhe). Dafür aber nur ganz wenige Mountainbiker.

Erstmal am River Cuckmere entlang.

Hier in Litlington hatte ich am Vorabend gegessen.

Im ersten Abschnitt der gestrigen Wanderung hörte ich noch regelmäßig Fasane: Die kennen Sie sofort, klingen wie eingerostete Gockel. Mit nahender Küste dominierten immer stärker Möwen.

Beginn des Seven Sisters Country Park an der Mündung des Cuckmere (riesiger Parkplatz, einige Reisebusse); der Weg führt links hinter mir die Klippen entlang.

Die Beschäftigung zweier Rucksack-unterm-Arsch-Trägerinnen (das hat man noch?) erinnerte mich an das Wichtigste beim Besuch von internationalen Attraktionen: Selfies.

Jetzt endlich hatte ich das Meer in der Nase; zu meiner Überraschung roch es nach Meer im Sommer.

In Birling Gap, das derzeit aufwändig vorm Wegbröseln bewahrt wird, bekam ich im großen und rege besuchten Visitor’s Center des National Trust diesmal erst nach drei Stunden Wanderung meinen Mittagsmilchkaffee.

Zurückgeblickt auf Birling Gap.

Leuchtturm unter Beachy Head.

An einem Café dort machte ich in der wärmenden Sonne Brotzeitpause: Restliche Äpfelchen (ich will mehr davon!), Nüsse, Trockenfeigen und -pflaumen.

Wenig später schob sich mein Ziel in den Blick: Eastbourne. In Sonne hatte ich den Küstenort noch nie gesehen, bei den mindestens zwei vorherigen Besuchen mit Herr Kaltmamsell hatte es geregnet. (Der zusätzliche Pfeil am Wegweiser-Pfosten gilt einer der Charity-Wanderungen.)

Fertig!

Weil ich wieder früh dran war, spazierte ich noch ein wenig in Eastbourne (was ich am nächsten Tag ja eher nicht machen würde, weil ich dann meinen großen Koffer selber transportieren musste).

Blick zurück.

Edle Badehäuser – es wurde auch im Meer gebadet! Und auf den Pfählen im Wasser saßen reichlich Kormorane.

Samstags wird geheiratet, im Hintergrund der Pier.

Das waren dann gut sechs Stunden mit zwei langen Pausen für 23 Kilometer (davon gehen aber mindestens zwei auf die Extrarunde in Eastbourne).

Insgesamt bin ich den vergangenen sieben Tagen laut meinem Handy 175 Kilometer gegangen (etwas mehr als die offiziellen 100 Meilen des South Downs Way, die umgerechnet knapp 161 Kilometer sind). Fast schon unheimlich: alles ohne einen Tropfen Regen, die meiste Zeit sogar mit Sonnenschein. Das hatte ich noch bei keinem Wanderurlaub. Vermutlich noch nie habe ich mich so richtig darüber gefreut, eingepackte Kleidungsstücke gar nicht getragen zu haben (superduper Regenjacke, Regenhose).

Mein Körper hat ganz erstaunlich gut mitgemacht, da bin ich schon aus mancher übersichtlichen Tageswanderung kaputter rausgekommen. Und nach dem kleinen Durchhänger an Tag 6 bereitete mir gestern auch das Gehen wieder ausgesprochen Freude, die gleichmäßige, aber durchs Hoch und Runter nicht zu gleichmäßige Bewegung entspannte mich.
Positive Überraschung: Nahezu keine Wanderkrätze, nur am Abend des zweiten Wandertages sah ich ein wenig der typischen gesprenkelten Rötung. Ich würde sagen: Bei mir persönlich kann man “große Anstrengung” als Ursache schonmal ausschließen.

Mein gestriges B&B (die linke Hälfte).

Das Zimmer schön und mit Aussicht (und sonnenwarm), aber zu klein (kein Tisch, kein Stuhl, kein Platz für Koffer). Der Check-in lief per Telefon über Lautsprecher bei Hausklingel, das war ein wenig seltsam.

Sinkendes Herz beim Stiefelausziehen: Jetzt löst sich auch die zweite Sohle von den guten alten Stiefeln. Diesmal muss ich in mich gehen, ob mir nach knapp 30 Jahren eine weitere Neubesohlung (kostet mittlerweile 100 Euro) das Geld wert ist (das ist der aktuelle Nachfolger, hm, hm). Und wenn nicht, ob ich die kaputten Stiefel dann überhaupt zurück nach Hause trage.
Mein anderes Paar von Meindl muss ja auch zur Reparatur eingeschickt werden: Zwei Nähte (nicht mehr nur eine) lösen sich. Ach meia.

Zum Abendessen hatte ich mir den ganzen Tag schon Fish & Chips eingebildet, auf dem Weg zur Unterkunft bereits ein vertrauenswürdiges Etablissement gesehen. Dort saßen dann tatsächlich locals, und ich beobachtete, dass die alten davon Tee zu ihren Fish & Chips bestellten. So weit ging ich nicht.

Am besten schmeckten mir die extra bestellten Mushy Peas, nämlich so richtig nach Erbsen – ich hätte die Mengen zwischen Kartoffeln und Erbsen gerne getauscht. Aber: Hiermit sind Fish & Chips abgehakt, die schmecken halt nie nach viel. Zurück im Zimmer gab’s als Nachtisch Schokolade.

Da ich am heutigen Sonntagmorgen ja eher Zeit rumbringen muss (Bezug Ferienwohnung in Brighton nach 15 Uhr), verschob ich die Bildbearbeitung und Finalisierung des Blogposts darauf – und nutzte die übrige Energie für Lesen.

Vielleicht fällt ja jetzt der Druck ab? Wenn ich es erstmal nach Brighton und in die Wohnung schaffe?

§

Mal wieder Tanz!

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https://youtu.be/7nJRGARveVc?si=YFrr5LGAXsxCvM-m

via @goncourt