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Journal Mittwoch, 24. Juni 2026 – Reiher überm Glockenbachviertel

Donnerstag, 25. Juni 2026

Der Reiher, den ich am Anfang meines Lerchenlaufs beim Abbiegen von der Pestalozzistraße an den Westermühlbach am Himmel sah, war zwar nicht das Wichtigste des Tages, gibt aber die schönste Überschrift her.

Nach mittelunruhiger Nacht (dreimal Aufwachen, beim zweiten Mal um halb zwei öffnete ich Fenster und Türen nach draußen, irgenwann brauchte ich sogar eine echte Decke) ließ ich mich extrafrüh wecken: Lust auf einen Isarlauf vor der Arbeit.

Ich kam ein paar Minuten später los als ideal in meiner Tagesplanung, weil ich noch ein paar getrocknete Wäschestücke verräumte und den Geschirrspüler leerte, dennoch meine täglichen Bank- und Seitstützübungen durchzog.

An der Isar war schon jetzt auffallend viel los: Es wurde sportgeradelt, gejoggt, Hund gelüftet. Nach einer kleinen Weile mit störenden Schmerzen um den Hüftgürtel kam ich in einen schönen Fluss, genoss nochmal den Duft von Lindenblüten, das herrlich klare Licht der schrägen Morgensonne.

Den Namen einer alten Bekannten gelernt: Wiesen-Flockenblume.

Wer Streetart festhalten will, muss schnell sein: So sah der Ort vor einer Woche aus, das in dieser Umgebung fast zynisch wirkende “Heimat” ist verschwunden.

Bis ich nach nicht mal der Hälfte meiner Runde auf dem Damm beim Flaucher schon wieder stolperte und stürzte. Diesmal klappte das Abrollen nach links nur im Ansatz, ich musste erstmal sitzenbleiben und mich sammeln. Ein Läufer und eine Läuferin sahen unabhängig voneinander nach mir, bis klar war, dass ich mich nicht verletzt hatte und weiterlaufen konnte. Was ich dann in geplanter Weise tat, jetzt aber dann doch immer wieder innerlich “Scheiße” fluchend.

Am Ende meiner Runde hielten mich auch noch ungnädig rote Fußgängerampeln auf, nach Körperflege und Anziehen hatte ich ebenfalls Pech mit Ampeln und musste lange auf die eigentlich als Abkürzung gedachte U-Bahn warten: Arbeitsanfang stark verzögert.

Die linke Rippenseite und die Schwellung des linken Arms am Ellbogen schmerzten beim Atmen / bei Bewegung (in Ruhe nicht, und ich habe mir ja gemerkt: dann ist nichts kaputt), die Handballen hatten auch etwas abbekommen, weil eben nicht wirklich abgerollt. Vor allem machte mich der erneute Unfall aber niedergeschlagen und bedrückt: Da stimmt doch irgendwas nicht. Und sehr wahrscheinlich irgendwas, was sich weder einfach so diagnostizieren noch beheben lässt. Ich müsste halt besser aufpassen und die Füße beim Joggen mehr heben – aber Selbst- und Körpervergessenheit gehören doch zu den zentralen Attraktionen meiner Lauferei. Zudem verdüsternd: Wenn ich gleich nach dem Sturz die Folgen so deutlich spürte, konnten die nächsten Nächte und Tage ja lustig werden.

Apropos lustig: Die fortgesetzten Schmerzen um LWS und Hüfte wollte mein Körperhirn (oh doch, das gibt es) auch gleich mit dem Sturz verbinden, ich musst ihm in expliziten Gedanken klarmachen, dass ich mit denen bereits aufgestanden war und sie nicht davon herrühren konnten. Außerdem war ich mit schmerzendem linken Daumen aufgestanden, er hatte sich wahrscheinlich im Schlaf unter Kissen/Kopf verkantet. Auch den musste ich meinem Körperhirn als Sturzverletzung ausreden.

Mit dieser Grundlaune arbeitete ich Wegzuarbeitendes weg, ließ mir aber auch von einem London-Urlaub erzählen.

Noch hielt mich die Hitze nicht von Mittagscappuccino im Westend ab, doch angenehm war der Weg nicht.

Zu Mittag gab es auch gestern Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot, außerdem Aprikosen und Flachnektarinen.

Mittel-emsiger Arbeitsnachmittag, körperlich eingeschränkt fühlte ich mich vor allem von der schmerzenden Rippe unter der linken Brust (Prellung? sehr lustig, wie sofort das Nies-Versuche abbricht).

Rumfragen und Rumsuchen nach möglichen Ursachen der Stolperei beim Joggen ergab unerfreuliche Möglichkeiten. Fußheberschwäche würde zu meinen LWS-Problemen passen. Ich brauche eh wieder neue orthopädische Einlagen, also holte ich mir einen Termin in der orthopädischen Sammelpraxis.

Heimweg wieder mit U-Bahnhof-Wegen und über einen Lebensmitteleinkauf schon für Freitag: Das Wochenende soll mit tinto de verano gefeiert werden.

Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig. Ich überredete mich zu Pediküre mit einmal alles.

Es ist übrigens keineswegs so, dass Tampons mit der Menopause ihren Nutzen völlig verlieren.

Ob und wie Pilates oder Yoga mit Sturzbeschwerden funktionierten, würde ich erst Donnerstagabend herausfinden.

Als Abendessen machte ich mir Linsensalat aus Dosenlinsen, Tomaten, Gurke, Paprika. Nachtisch 1 war ein Stückchen restliche Wassermelone, Nachtisch 2 Schokolade und Sirupwaffeln.

Vicki Baum, Zwischenfall in Lohwinckel ausgelesen, wirklich schön und indirekt ausgesprochen informativ für den Zeithintergrund (1930 veröffentlicht). Immer wieder aufregend: Auswahl der nächsten Lektüre (die beiden Romane von meiner Wunschleseliste, die mich aktuell sehr interessieren und die ich auch in der Stadtbibliothek fand, sind erst im Juli verfügbar, konnte ich lediglich vormerkten). Sollte möglichst nicht zu nah an der zuletzt gelesenen sein (sonst komme ich durcheinander) und zu aktuellen Neigungen passen. Es wurde Vivian Gornick, Fierce Attachments.

Schlagartig bleimüde, selbst Zähneputzen kostete Anstrengung. Ob sich der Sturz auf das Bettliegen auswirken würde?

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Die laufende Männerfußball-WM belästigt mich so wenig wie noch kein Fußball-Großereignis zuvor: Keine Leinwände in Biergärten, auf die Spiele übertragen werden, wenn ich gerade gemütlich biergarteln möchte, nachts keine Polonaise hupender Autos in Hörweite (wurde der “Corso” von der Lindwurmstraße wegverlegt?). Danke schön!

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Der Bayerische Rundfunk versucht es hartnäckig mit dem, was menschliche Entscheidungen am wenigsten beeinflusst: Fakten. Zum Glück, denn dafür haben wir ja Journalismus. Genauso blauäugig empfehle ich:
“#Faktenfuchs: Klimawandel oder ‘Sommer wie früher’?”
(Auch wenn ich selbst mittlerweile hilflos einfach das Thema wechsle, wenn selbst wirklich kluge Wissenschaftsredakteurinnen mit “früher gab es auch schon heiße Sommer” daherkommen.)

“Das, was früher seltene Ereignisse waren, sind jetzt gewöhnliche Sommer. Das, was ohne Klimawandel unmöglich gewesen wäre, sind jetzt die neuen Extremereignisse”, sagte die Physikerin Friederike Otto vom Grantham Institute for Climate Change am Imperial College London dem Science Media Center.

Karsten Haustein, Meteorologe und Klimawissenschaftler an der Universität Leipzig, erklärt, woran das liegt: “Erwärmung durch verschwindende Schmutzpartikel und der Treibhauseffekt überlagern sich, das führte dazu, dass sich innerhalb von 50 Jahren die Temperaturen um zwei Grad erhöht haben”, sagte er dem #Faktenfuchs. “Global hat sich Stand 2025 der Planet um 1,4 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmt. Alles menschengemacht, daran gibt es keinen Zweifel mehr.”

In Westeuropa, auch Deutschland, ist der Effekt sogar deutlicher. “Da liegen wir bei 2,5 Grad mehr seit vorindustrieller Zeit”, sagte Haustein. Davon seien knapp über zwei Grad seit Mitte der 1970er dazugekommen – dem gerne zitierten “früher”.

(…)

Stephan Lewandowsky ist Professor für Kognitionspsychologie an der University of Bristol und derzeit an der Universität Potsdam Leiter des Projekts Protecting the Democratic Information Space in Europe. Er beschäftigt sich in seiner Forschung damit, wie Falschinformationen sich verbreiten und was dazu führt, dass Menschen wissenschaftliche Belege akzeptieren oder nicht – auch in Bezug auf den Klimawandel.

Der Vergleich von “Sommer heute” mit “Sommer früher” greife an einer wesentlichen Stelle an, die uns alle betreffe: an der Kluft, die sich auftut zwischen unserem eigenen Erleben und Statistik. Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist, dass Datenauswertung und Statistik für viele Menschen eher etwas Fremdes ist. “Die Menschen wachsen nicht mit dem Wissen über das Messen von Dingen auf. Das ist für die meisten Menschen nicht wirklich wichtig in ihrem Leben”, sagt Lewandowsky. “Und genau das macht es für manipulative Politiker sehr einfach, das auszunutzen. Und andere dazu zu bringen, diese Ideen nachzuplappern.”
Erinnerung ist kein Abbild der Statistik – und auch nicht ihr Ersatz

Gerade beim Klima ist die Auswertung von Daten aber zentral. Beate Ratter ist Expertin für Klimaanpassung und Professorin für Integrative Geographie an der Universität Hamburg und Abteilungsleiterin am Helmholtz Zentrum Hereon. Sie sagt: “Klima ist eine Statistik, Klima ist ein dreißigjähriger Mittelwert.” Aber: “Eine Statistik können Sie nicht fühlen. Was Sie fühlen, sind Einzelereignisse, mit denen Sie etwas verbinden.”

Journal Dienstag, 16. Juni 2026 – Wirklich kurze Haare!

Mittwoch, 17. Juni 2026

Die Arbeitssorgen, die mich beim Zu-Bett-gehen gehörig umgetrieben hatten, störten meinen Schlaf glücklicherweise erst in der letzten Phase. Ab dann aber durchgehend bis zur Verzweiflung auch auf dem Arbeitsweg (kühl, gemischtwolkig, aber eher freundlich) und bei Arbeitsanfang. Am Schreibtisch bestärkte mich ein neues Detail dazu in meinem Postfach zumindest darin, mich auf meine (wirklich echt ehrliche) Nicht-Zuständigkeit zu konzentrieren: Aus Verzweiflung wurde zumindest lediglich Unglück. Meinen komisch turbulenten Bauch konnte ich allerdings nicht so einfach damit erklären, den hatte ich vor einer Woche auch schon ohne dieses Schlamassel.

Und ich hielt mich daran fest, dass ich meinen schönsten Rock mit meinen schönsten Schuhen trug.

Mittagscappuccino inklusive Marschrunde im Westend.

Nachmittag mit mühsamer Arbeit und einem kleinen Ausrutscher in meiner Servicehaltung. (Daran gelernt: Selbst ich habe eine Trivialitätsgrenze bei Aufgaben, nämlich wenn sie sich zu weit unter sogar Kaffeekochen anfühlen.)

Große Freude auf das Wochen-Highlight: Endlich ein Haarschnitt.

Vorher nochmal die Mähne festgehalten. Auf dem Weg aus dem Bürohaus kam ich an einem Besprechungsraum vorbei, in dem Chor gesungen wurde (ca. sechs bis acht Leute) – das war unerwartet.

Der vertraute Familienfriseur hatte wieder Spaß mit meinem dicken Haar (und mit meinem Vergleich, dass ich mich fühlte wie dieses eine Schaf, das für ein paar Jahre in den Bergen verschwunden war und völlig von seiner Wolle eingewachsen gefunden wurde).

Ich war hochzufrieden mit dem Haarschnitt. Auf dem Heimweg noch eine Runde Milchprodukteinkäufe beim Alnatura.

Daheim eine Einheit Yoga mit ein wenig Anstrengung. Zum Nachtmahl setzte Herr Kaltmamsell eine Abmachung um: Nach unserem Besuch im Mix Market mit seinen osteuropäischen Produkten hatten wir ein Abendessen mit verschiedenen gefüllten Teigwaren von dort geplant. Und gestern servierte er: Vareniki (Sauerkrautfüllung) in Brühe, dann Pierogi (Hackfleischfüllung) und Khinkali (Spinat/Mozzarella) mit Butter. Gut und sättigend.

Nachtisch erst der Rest Apricot Crisp, dann Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen. Am Montagabend hatte ich das Granta mit skandinavischer Literatur beendet (interessant, unter anderem: auch woanders gibt es alte weiße Theatermacher mit Entitlement-Problem), die neue Lektüre, Vicki Baums Zwischenfall in Lohwinckel, nahm mich mit in die deutschen 1920er in Form des Haushalts eines nicht mehr jungen Provinz-/Landarztes mit junger Frau, kleiner Tochter und Problemen – deutlicher Gegensatz zum Fernseh-Landarzt-Idyll mit nostalgischer Note.

Journal Montag, 8. Juni 2026 – Post-Trauer

Dienstag, 9. Juni 2026

Start in die erste von acht elenden 5-Tage-Arbeitswochen bis endlich Sommerurlaub. Ich werde mich wieder darauf verlegen müssen, für jede Woche mindestens ein Feierabend-Highlight zu finden.

Schön war schonmal das Sommerwetter, laut Vorhersage wird es ab Dienstag kalt.

Im Büro überfiel mich wie erwartet aus dem Postfach die Arbeit der Leute, die nicht vier Tage frei hatten. Nahmen. Entsprechend wirbelte ich die Arbeit von ca. drei Tagen in einem Vormittag. Bis eine Hälfte gelöst war, der Ball eines Viertels auf der andere Seite lag, ein Viertel zumindest begriffen und geplant war.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, später ein Marsch um die Blöcke – in wunderbarer Sommerluft und umgeben von Lindenblütenduft.

Zu Mittag gab es Banane, ein Kartönchen voll Physalis (ausgezeichnet), Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Auch am Nachmittag schaffte ich einiges weg.

Heimweg über Besorgungen, darunter Abholung eines nicht zugestellten Päckchens bei der Post am Hauptbahnhof. Beim Warten in der Schlange (nicht lange, alle Schalter waren besetzt) sah ich die Ankündigung, dass auch diese Filiale bald schließt.

Wenn’s in der Millionenstadt München nicht mal am Bahnhof mehr eine Post gibt! Ich war wirklich bestürzt. Eine erste Filialsuche führte mich später daheim nur zu “Post Shops”, also Post als Nebendienstleistung in einem eigentlich anderen Geschäft, und mit denen haben wir wohl alle sehr gemischte Erfahrungen gemacht. Mir verweigerte zuletzt einer die Annahme einer Sendung ins Ausland. Die Deutsche Post schließt also ernsthaft alle eigenen Standorte. Die immer so gefragt waren, dass die Schlangen sprichwörtlich wurden? Jajaja, statt dessen Automaten – so fehleranfällig, dass sie definitiv Teil der Enshittification sind, und so kompliziert zu bedienen, dass sie geschätzt 70 Prozent der Kundschaft überfordern. Gestern beobachtete ich wie so oft eine völlig hilflose Kundin, die sehr auf menschliche Beratung angewiesen war: Diese konkrete hatte Päckchen-Inhalt und Verpackung einzeln dabei, ein Postler half ihr (wenn auch unwillig) durch die Schritte Zoll-Unterlagen, Verpacken, wahrscheinlich auch Ausfüllen des Paketscheins und Portoberechnung, aber da war ich bereits draußen.

Entsprechend bedrückt vom Schlechterwerden der Welt fühlte ich mich bei meiner Heimkehr.

Fürs Abendessen bereitete ich die letzten beiden Crowdfarming-Artischocken zu, Herr Kaltmamsell reichte eine Vinaigrette und eine auf meine Bitte Knoblauch-freie (Rücksicht auf Kolleginnen) Joghurt-Majo zum Dippen an. Zum Sattwerden gab’s noch Käse. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, im Granta Scandinavia lernte ich über sechs sehr gute Kurzgeschichten die Autorin Helle Helle kennen, setzte gleich mal einen ihrer Romane auf meine Wunschliste. (Und lernte aus dem deutschen Wikipedia-Eintrag über sie, dass es in Dänemark ein “lebenslanges Künstlereinkommen des Dänischen Kunstfonds” gibt.)

§

Wenn schon Pride Month ist, schaun wir doch mal extrig in die queere Richtung. Und nehmen den Hinweis auf Florencio Pla Meseguer auf, antifaschistischer und intersex Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg – hier der (englischsprachige) Wikipedia-Eintrag. Ich stimme der Fundstelle auf Mastodon zu: “Meinetwegen schlachte jemand das aus für historischen Roman, wär auch ok. Besseres Material gibts kaum.”

Journal Sonntag, 7. Juni 2026 – Rückreisetag aus Oldenburg

Montag, 8. Juni 2026

Ganz gut geschlafen, nur wenig übernächtigt und verkatert vom Wecker geweckt worden. Nach Morgenkaffee geordnetes Räumen des Ferienapartments.

Wir nahmen für das erste Stück den früheren Regionalzug, um ganz, ganz sicher in Bremen nicht in Umsteige-Hetzerei zu geraten. Die viele Zeit im Bahnhof Bremen nutzten wir zum Umherstreifen.

Und zum Nutzen eines verspiegelten Ladenleerstands. Außerdem weiß ich jetzt, dass die vor Jahren auf Dienstreisen geschätzte italienische Espressobar genauso verschwunden ist wie der Ableger des Tee Handelskontors Bremen – was ein Glück, dass es besser erreichbar einen unterm Münchner Stachus gibt (ist eh eine Berliner Firma).

Auf der Regionalbahnfahrt nach Hannover den Blogpost über Samstag geschrieben und die Fotos dafür bearbeitet – offline, den das Handynetz auf dieser Strecke ist löchrig wie eine Netzstrumpfhose.

Die reichliche Umstiegszeit in Hannover nutzte ich für einen Mittagscappuccino im MacDonalds (leider keine Tassen) und für Endbearbeitung sowie Veröffentlichen des Blogposts. Blieb noch genug Zeit für Besorgen von Brotzeit.

Der ICE nach München fuhr pünktlich ab und war so überfüllt wie angekündigt. Zu Mittag gab es um halb zwei eine Kürbiskern-Breze und ein Franzbrötchen.

Endlich Louise Erdrich, The Sentence ausgelesen. Eher unbefriedigende Lektüre, denn mir schien, als sei der Roman als etwas anderes gestartet, als dann rauskam. Eigentlich beginnt er als Geschichte der US-Amerikanerin Tookie, die als Ich spricht und sich nach wilden Lebensjahren und langer Gefängnis-Inhaftierung gerade gefangen hat, in Minneapolis in einem Buchladen für indianische Literatur arbeitet.1 Eine Stammkundin stirbt und sucht den Laden als Geist heim; eigentlich sehr geschickt wird an ihr der immer wieder auftretende Fall von Weißen durchgespielt, die sich mit indianischer Kultur überidentifizieren und lästig werden. Doch dann bricht die Covid-Pandemie aus, kurz darauf wird George Floyd von Polizisten umgebracht, was zusätzlich zu Unruhen und Gewalt führt. Das übernimmt die Romanhandlung quasi in Echtzeit mit vielen Alltagsdetails, die ich aus dem Abstand von sechs Jahren fast schon wieder vergessen hatte – und tut ihr nicht gut.

Dieses Jahr habe ich kein rechtes Glück mit meiner Lektürewahl, es war bislang kaum etwas dabei, was mir so richtig gefiel. Und als nächstes ist erstmal das aktuelle Granta-Magazin dran.

Je weiter wir nach Süden fuhren, desto schöner wurde das Wetter.

Dennoch strengte das Sitzen nach den vielen Stunden ziemlich an, ich war schon arg froh, als wir mit nur wenigen Minuten Verpätung um halb sechs in München eintrafen. Schnelle Abendbroteinkäufe im Untergeschoß des ehemaligen Hauptbahnhofs, auch in München gibt es sonntags diese Möglichkeit.

Kurzes Telefonat mit meiner Mutter, weil meine Eltern am heutigen Montag in den Urlaub fliegen – was mich sehr freut.

Abendessen richtete ich an, im Zentrum der niederländische Käse aus Oldenburg.

Nachtisch Eiscreme und Schokolade.

Im Bett also als neue Lektüre das Granta Scandinavia.

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Liebe ist auf so vielen Ebenen seltsam. Zum Beispiel das Gefühl. Dieses ganz starke Ziehen, bei mir tatsächlich in der Herzgegend, bis zum Nicht-mehr-Denken können. In jüngster Zeit fällt mir auf, dass es sich nicht unterscheidet, ob es beim Gedanken an eine Freundin auftritt, an einen Verwandten, an den Partner.

Oder Liebe in der ganz kleinen Dosierung in Form von Wohlwollen, dem Gegenüber wohl wollen – und das durch ein Lächeln ausdrücken, durch ein vorausschauendes Öffnen einer Bürotür, durch das eine Extra-Detail beim Erfüllen einer Bitte.

Mira hat beruflich damit ganz besondere Erfahrungen gemacht:
“Love Changes Everything”.

Ich möchte das wirklich nicht so kitschig oder pathetisch formuliert haben, aber es ist wahr, es ist überall beobachtbar, nicht nur in Liebesbeziehungen, sondern auch unter Freund*innen und Kolleg*innen, sogar bis in die kleinsten und unbedeutendsten Alltagskontakte hinein. Jedes Lächeln kann ein Schmetterlingsflügelschlag für eine weitreichende Veränderung der Liebeswetterlage sein. Ich glaube nicht, dass uns das bewusst ist oder dass wir diesem Umstand in unserem Leben immer angemessen Rechnung tragen.

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Fotografin Carola Schulze zeigt Fotos – aber die hat ihr Vater gemacht, vor 40 Jahren in Istanbul:
“Reisefotos Istanbul im Frühling 1986”.

Gleich die ersten Aufnahme vom großen Basar ist mein Liebling: Sie wirkt auf mich wie ein Standfoto aus einem damaligen James-Bond-Film, so ausgedacht.

  1. Sich und die Kultur auch als “Indian” bezeichnet, wenn es nicht gerade um ein konkretes Volk und seine Bräuche geht. []

Journal Montag, 1. Juni 2026 – Abgekühlter Arbeitsmontag

Dienstag, 2. Juni 2026

Eigentlich tief geschlafen, rausgerissen worden von Gebrüll im Park, zu erfreulichem Regenrauschen aber schnell wieder eingeschlafen.

Beim Aufstehen war es draußen sehr frisch, endlich wieder Jäckchen über Frühlingskleid für den Weg in die Arbeit. Schirm brauchte ich keinen, aber der nächtliche Regen war noch gut auf den Wegen und Straßen zu sehen. Erste Ahnungen von Lindenblütenduft, GO! GO! GO!

Dieses Jahr schaffe ich es wohl nicht zu einer Oktoberfestflucht. Nach einer ersten Rechercherunde Wandern im Schwarzwald (vielen Dank für Ihre Tipps!) konnte ich mich zu keiner Feinrecherche aufraffen und merkte: Dieser Sommer ist so voll, dass sich eine weitere Reise Ende September / Anfang Oktober wie Anstrengung anfühlt. Die Urlaubstage, so die derzeitige Idee, verwende lieber für einen Ausflug mit Herrn Kaltmamsell in den Allerheiligenferien und für die Weihnachtsferien. Freuen Sie sich also schon auf wiederholtes und detailliertes Fluchen über den alles überlagernden Oktoberfest-Scheiß in meiner Ecke Münchens.

Wieder mal so viel Unbehagen in Hüfte, LWS, Unterleib, dass ich häufig zwischen sitzendem und stehendem Arbeiten wechselte, ohne wirklich Erleichterung dadurch zu erzielen. Emsiger Arbeitsvormittag.

Marsch zu Mittagscappuccino in frischer Luft, ich wäre gerne viel weiter gegangen.

Spätes Mittagessen, verschoben wegen einer Besprechung: Ein Lagerapfel aus Ernteanteil – der immer noch mehr Geschmack lieferte als die bisherigen Aprikosen und Pfirsiche. Außerdem Rote-Bete-Salat, dem der untergemischte frische Majoran (war halt auch im Ernteanteil) ausgezeichnet stand.

Emsiger Nachmittag, aber auch der hatte ein Ende. Suchmaschine in Arbeit und daheim auf DuckDuckGo umgestellt, denn ich brauche eine WEB! SEARCH!, nicht die sprachliche Höchstwahrscheinlichkeit von Assoziation mit meinen Suchbegriffen, auf die Google umgestellt hat. (Und wenn man das in Zukunft trennte? Hier Suchmaschine, dort Antwortmaschine?)

Auf dem milden Heimweg ohne Jacke und mit stellenweise Lindenblütenduft kaufte ich gründlich Schokolade nach (darauf hatte ich mich seit Stunden gefreut), dann unverarbeitete Lebensmittel beim Vollcorner.

Daheim eine Runde Yoga – viel Schnaufens war gestern durchaus passend. Aber ich ließ mir von Herrn Kaltmamsell eine ganze Reihe Gabi-Fastner-Pilates runterladen, ich möchte häufiger wechseln.

Für Nachtmahl nahm sich Herr Kaltmamsell die beiden großen Pakchoi aus Ernteanteil vor und servierte sie mit asiatischen Kräutern, Ingwer, restlichem Kimchi, Udon-Nudeln, Räuchertofu, Ernüssen – und weiterem Zeuch.

Großer Genuss. Nachtisch Nr. 1 Erdbeeren (sie werden immer besser), Nachtisch 2 Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen. In Louise Erdrich The Sentence bricht Mitte des Romans die Corona-Pandemie herein, mit all dem Nicht-Wissen, der Unsicherheit, dem Rumprobieren und der Mögliches-Weltende-Stimmung, nur halt in den USA. Einerseits ganz nah, ich war schließlich dabei, andererseits ganz weit weg, eine andere Welt.

§

Weil der Inhalt ja nicht von mir ist, verlinke ich mich mal selbts:
Die Twitter-Lieblinge von vor zehn Jahren waren wirklich gut.

Journal Pfingstsonntag, 24. Mai 2026 – Der erste heiße Sommertag / Theaterwechsel

Montag, 25. Mai 2026

Weckerwecken, um genug Zeit für mein Tagesgrogramm zu haben, aufgestanden nach einer eher unruhigen Nacht mit teils hochspannenden Träumen (leider keine Erinnerung daran, nur ans interessierte und positive Gefühl dabei).

TOP 1: Bloggen – am Samstag hatte ich mich lediglich zu Bilder-Download und Stichpunkten aufgerafft, musste also schreiben, Bilder auswählen und bearbeiten, gegenlesen.

TOP 2: Pflanzengießen. Der zweite Feigen-Versuch auf dem Küchenbalkon nach Süden scheint zu klappen, aber brutaldirekte Sonne mögen wohl wirklich nur Kakteen so richtig.

TOP 3: Isarlauf, aus Vernunftgründen (und weil ich mich danach nicht vor Abfahrt zur Mittagesseneinladung hetzen wollte) nur 90 Minuten. Mit abschließendem Brotkauf fürs Abendessen.

PFINGSTrosen auf dem Alten Südfriedhof.

Nachwuchs-Robinie beim Tierpark Hellabrunn – genauso wenig duftend wie ihre Verwandtschaft, was ist los? Das Laufen war schön und angenehm, es täte meinem Körper so viel besser, könnte ich zwei- bis dreimal wöchentlich 80 bis 90 Minuten laufen statt einmal fast zwei Stunden. Und vor zehn war die Luft auch lediglich angenehm warm, noch nicht heiß.

TOP 4: Wasserwechsel für die Rosentagsrosen.

TOP 5: Fahrt mit Herrn Kaltmamsell nach Augsburg, der gekühlte Regionalzug war bereits angenehm. Die lieben Schwiegers luden uns in ein italienisches Restaurant am Rand von Haunstetten ein, ich aß auf der schattigen Terrasse gute Penne mit Spargel und Tomate. Den abschließenden Espresso gab’s bei Schwiegers, dazu Plauderei, das war schön.

Zurück in München fühlte sich die Hitze gerade noch erträglich an, die Aussicht auf weiter steigende Temperaturen allerdings bedrückend. Auf dem Heimweg kam uns in der Schillerstraße ein Mann mit Vogelkäfig entgegen (Kopf intonierte umgehend Zauberflöte), darin saß auf einer Sittich-Schaukel schaukelnd eine Kohlmeise, die einen fröhlichen Eindruck machte. Wir Großstädterinnen wundern uns ja eher selten.

In der Woche zuvor hatte ich gelesen, dass das Residenztheater sein Programm für die neue Spielzeit vorgestellt hatte – JETZT müsste doch endlich der Kauf eines Abos möglich sein (in den Monaten davor hatte ich mehrfach vergeblich danach gesucht). Und tatsächlich war es das. Also kündigte ich mein Kammerspiele-Abo, ab Spielzeit 2026/2027 bin ich Resi-Abonnentin. Ich nutzte den Wechsel gleich für einen Wechsel von Mittwoch auf Sonntag: Früherer Beginn der Vorstellungen, kein Arbeitstag davor, und an Sonntagabenden habe ich wirklich praktisch nie etwas vor. Aufregende Neuerungen nach 17 Jahren Kammerspiel-Abo! (Ich erinnerte mich, wie es zur Entscheidung für ein Mittwochs-Abo gekommen war: Damals machte ich noch viel Sport im Sportstudio, und an Mittwochfeierabenden gab es dort NIE etwas für mich Interessantes.)

Jetzt Gymnastik, Start eines 30-Tage-Programms von Adriene, diesmal wieder “Flow”. Nochmal stelle ich mir vor, dass ich ab und zu Pilates mit Gabi Fastner einschiebe – der ich jetzt endlich auch regelmäßig ein wenig Geld überweise, das fühlte sich anständig an.

Fürs Abendessen hatte ich mich verantwortlich gemacht: Ein Rest Meatballs aus der Gefriere ergab Meatball Sandwiches, dazu Asiasalat aus Ernteanteil. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zu langem Lesen, Louise Erdrich, The Sentence findet einen weiteren überraschenden Umgang mit dem Thema native Americans im weitesten Sinn und ist lustig. Wohlige Aussicht auf einen weiteren freien Tag.

Journal Donnerstag, 21. Mai 2026 – 33. Rosentag japanisch

Freitag, 22. Mai 2026

Gut- und ausgeschlafen, sehr angenehm. Erster Handgriff morgens am Rechner: Ausfüllen des Fahrgastrechteformulars der Deutschen Bahn, ein wenig Rückerstattung des (ohnehin niedrigen Superspar-) Fahrpreises sollte drin sein.

Bloggen an Milchkaffee und Wasser, dann stieg ich in Laufkleidung. Mein erster Weg führte aber zum Nachbarschafts-Blumenladen, denn 21. Mai ist Rosentag (seine Geschichte, meine Geschichte).

Nein, dieses Vase funktioniert nicht mehr.

Später vaste ich um (der Rand der idealen Vase wäre allerdings sieben Zentimeter niedriger).

Keine Lust auf Radeln, zumal das bedingt, dass ich meinen Lauf an derselben Stelle beenden muss, an der ich ihn starte. Also zwei Stationen U-Bahn bis Odeonsplatz. Am Marienplatz stiegen zwei Polizisten zu, über und über mit Ausstattung behängt, die in meinen Augen nach Kampfausstattung aussah. Da half auch das Lächeln des einen nicht: In solcher Gegenwart fühle ich mich nicht sicherer, sondern bedroht. Der gute alte bayerische Polizist in klar erkennbarer grüner Uniform, diese aber als einzige sichtbare Waffe, hatte da ganz andere Wirkung. Selbst wenn er grantelte. Der neue Phänotyp strahlt auf mich nur Gewalt aus.

Auf Mastodon meinte dazu jemand aber:

Daran halte ich mich künftig fest.
Interessanterweise äußerten sich auf Mastodon aber auch viele, die sich durch diese Präsenz tatsächlich beschützt und sicherer fühlen, die die Polizisten in den vorherigen Uniformen als schwach, wenn nicht sogar lächerlich empfanden. Jetzt muss ich nachdenken, worin die Unterschiede, wahrscheinlich in der Selbstdefinition bestehen.

Schöner Lauf durch den touristischsten Teil des Englischen Gartens an die Isar, von dort nach Norden und zurück bis Tivoli. Nachts hatte es genug geregnet, um den Boden ein wenig federnder zu machen – doch der niedrige Wasserstand ist weiterhin besorgniserregend. Der Körper spielte gut mit, signalisierte lediglich jenseits der 90 Minuten Laufdauer (diesmal sah ich auf die Uhr), dass jetzt gut war, vor allem die Waden.

Was ich bei meinen Wochenend-Läufen nie zu sehen bekomme: Im Hofgarten wurde gegeärtnert.

Robinienblüte startklar, aber noch ohne Duft.

Unterwegs hatte ich Spaß mit der Pflanzenbestimmungs-App Flora Incognita und ließ mir Blümchen am Wegesrand bestimmen:

Wiesen-Salbei (hatte ich bislang Rittersporn genannt)

Akeleiblättrige Wiesenraute (fiel mir zum ersten Mal auf)

Pyrenäen-Storchschnabel (vertrauter Anblick, aber was macht ein Pyrenäen-Kraut an der Isar?)

Zottiger Klappertopf (sehr vertraut, auch in Parkanlagen – aber mit dem Namen nehmen die mich auf den Arm, oder?)

Diesmal guckte ich auch Blumen nach, die ich gut kenne. Zum Beispiel die gute alte Butterblume.

Um zu lernen, dass Profis sie Scharfer Hahnenfuß nennen. Kann man wenigstens sagen: “Die Butterblume ist die Blüte des Scharfen Hahnenfußes”?

Eine Tram brachte mich nach Hause, ich stieg aber einen Halt früher aus, um Frühstückssemmeln zu besorgen. Meine Lieblingssorte sah ich schon von fern als noch vorrätig, doch dann wurde meine Bestellung abgewürgt: Keine Kartenzahlung möglich, technische Probleme. Enttäuschend, dann folgte ich halt meinem anderen Frühstücksgelüst Erdbeeren. Die ich im Supermarkt ebenfalls ins Regal zurückstellen musste: Nur Barzahlung möglich, technische Probleme. Beim Laufen habe ich halt nur mein Handy dabei, empfinde es als sehr bequem, dass ich damit auch bezahlen kann. Eigentlich. Nun war ich sehr enttäuscht, fürs Frühstück um halb drei (nach Duschen eh schon spät, deswegen kein neuer Einkaufsversuch mit Bargeld) griff ich auf Kühlschrankvorräte zurück. Gab es halt wieder Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot – schmeckt mir schon, ist aber in erster Linie funktionale Hungerbekämpfung.

Herr Kaltmamsell hatte auf meine Bitte eine Plastikhülle von Hemdenreinigung aufbewahrt: In die hängte ich Wintermantel und -jacke, beides kam in den Keller – jetzt habe ich ausreichend Platz im Schrank für meine (zu vielen) Sommerklamotten.

Beim Ankleiden für den festlichen Abend musste ich mir eine Dummheit gestehen: Der blaue Sommerrock, den ich mir aus Spanien habe schicken lassen, ist einfach zu eng. Die Rumrechnerei mit den Größen (EU/Deutschland) war geraten gewesen, und als der Rock ankam, kniff sein Bund. Doch Zurückschicken/Umtausch war mir zu umständlich, also redete ich mir ein, dass er halt lediglich nicht ganz bequem sein würde und bügelte ihn auf. Gestern erwies sich beim ersten Tragen: Nein, geht nicht. Letzte Chance Änderungsschneiderin, vielleicht hat sie einen Erweiterungstrick auf Lager.

Zur Feier des gestrigen Rosentages hatte ich in einem japanisch(ischen) Restaurant im Westend reserviert: Koji in der Parkstraße. Dorthin geführt hatte mich meine (vergebliche) Suche nach einem japanischen Restaurant in München, dessen Karte nicht um Sushi herum gebaut war: Vor Jahrzehnten hatte es in Augsburg einen edlen Japaner gegeben, dessen Menü an einem Küchen-Karree vor den Augen der Gäste zubereitet wurde, fein abgestimmt von Gang zu Gang in Texturen, Zutaten, Geschmäckern, optischer Komposition – wie es auch seither Japan-Reisende von Menüs im Land selbst berichten. Den gibt es auch in Augsburg nicht mehr, und in München fand ich nichts Derartiges. Also wurde es “Fusion” im Koji, hier wurde zumindest ein Menü des Hauses und aus dem Moment ohne Sushi angeboten.

Besonders freute ich mich über die Begleitung mit Sake, ausführlich erklärt. Hier als Aperitif Sparkling Sake mit Eiswürfeln, gut und überraschend.

Wir aßen Fisch-lastig und sehr gut. Die verschiedenen Sakes waren sehr interessant und schmeckten mir alle, als mein Sake-Liebling erwies sich Takasago Junmai Daiginjo Omachi: Er war uns als ein traditioneller vorgestellt worden, und als ich dem (freundlichen und aufmerksamen) Kellner meine Begeisterung kundtat, wies er fein lächelnd darauf hin, dass das auch sein hochwertigster sei – sofort fühlte ich mich als Sake-Obercheckerin.

Nicht zu später Heimweg in letztem Tageslicht und unter Mauersegler-Schrillen, der tapfere und sehr erschöpfte Herr Kaltmamsell hatte sehr gut durchgehalten.

Ich war sogar noch munter genug (Sake macht deutlich weniger betrunken als Wein-Begleitung) für Start einer neuen Lektüre: Louise Erdrich, The Sentence.