Journal Samstag, 7. Februar 2026 – Wie ich lernte, dass auch Schwimmbrillen sich auflösen können
Sonntag, 8. Februar 2026Recht lang geschlafen, ich fühlte mich aber nicht ganz ausgeruht.
Meine ersten Handgriffe galten dem Brotteig, für den ich am Vorabend den Sauerteig angesetzt hatte: Es sollte dieses Roggenmischbrot 79/30 geben. Das verzögerte mein Bloggen, der Post über den Vortag ging erst deutlich nach neun online.
Verwunderung beim Nachlesen meiner Mastodon-Timeline: Darin interessierten sich deutlich mehr Menschen für die frisch gestarteten olympischen Winterspiele, als ich prognostiziert hätte. Schnittmenge mit Menschen, die sich für den European Song Contest interessieren? Weil irgendeine Art große, internationale Show?
Wohl geraten.
Pläne für den Tag nach Brotbacken:
– Radeln (!!!) zur
– Schwimmrunde
– Kauf von Kochschinken auf dem Rückweg fürs Frühstück
– aushäusiges Abendessen bei privater Einladung
Nachdem ich mein Radl seit September nicht mehr genutzt hatte, checkte ich es erstmal. Ergebnis: Es wurde nichts mit dem Radeln, denn mein Aufpumpversuch scheiterte, der Vorderreifen ist platt. Also
– U-Bahn zur Schwimmrunde
Die Luft gestern angenehm mild, noch aber ohne Frühling in den Düften.
Geduscht und mit Schwimmbrille in der Hand trat ich an ein sensationell dicht beschwommenes Becken. Ein Grund war vermutlich, dass die äußersten beiden Bahnen für Vereine gesperrt waren – das hatte ich am Wochenende noch nie erlebt. Hier, aber auch an allen anderen Bahnen war der Rand unpassierbar vollgestellt mit Schwimmspielzeug aller Art, ich balancierte dazwischen ins Becken.
Gleich nach dem Abdrücken hatte ich Wasser in der rechten Seite der Schwimmbrille, nach der ersten Bahn setzte ich sie schnell neu an. Doch auch jetzt stand diese rechte Seite voller Wasser. Nach der zweiten Bahn stellte ich mich also fest hin und nahm sie ab – um zu entdecken, dass sich der Dichtungsgummi halb vom der Plastikschale gelöst hatte.
(Foto nach Schwimmrunde)
Völlig entgeistert hielt ich die Brille den fremden beiden Frauen am Rand der Nebenbahn hin (gestern wurde viel am Rand gestanden): “Was mach ich jetzt?!” Sie lachten und wussten natürlich keine Antwort. Außerhalb der Bezahlschranke hätte ich am Kiosk eine Schwimmbrille kaufen können, aber nicht hier.
Also versuchte ich, so zu schwimmen: linkes Auge geschützt, rechtes verkrampft zugekniffen. So schaffte ich 2.000 Meter, die eigentlich sehr gut taten, doch dann sorgte ich mich um mein Auge und brach ab.
Dass ich mit dem armen Auge nur verschwommen sah, legte sich zum Glück bald.
Vor der BMW-Welt wurde fotografiert, eine Gruppe aus fast ausschließlich Frauen. (?)
Eher enttäuscht als verärgert saß ich in der U-Bahn nach Hause. Ich guckte nach E-Mails – und jetzt machte mich traurig, dass ich auf eine künstlich generierte alte Frau reingefallen war. In meinen Augen ist das aktiver Betrug: Der Text unterm Video behauptet zunächst lange und detailreich, es handle sich um einen ganz konkreten Menschen und “Real takeaways. No pretending.” Erst ganz weit unten steht dann: “The person in this video is AI-generated, not a real individual.” Die Kommentare unter dem Video zeigen, dass niemand davon so weit gelesen hat.
Am Sendlinger Tor kaufte ich noch im Alnatura ein, ich wünschte mir aufs frischgebackene Roggenbrot dick Butter und gekochten Schinken. Dieses Frühstück gab es nach einem Apfel um kurz nach zwei.
Nachmittag mit Lesen: Zum einen die Wochenend-Süddeutsche, zum anderen las ich Ursula K. Le Guin: Tehanu: The Fourth Book of Earthsea aus. Es gefiel mir bis zum Ende gut, ich ließ mich in dieser klugen Variante in eine Märchen-Zeit und -Welt mitnehmen mit Zauberern, Hexen, Machtkämpfen. Und mir fiel auf, wie viel dieser 1990 veröffentlichte Roman der sieben Jahre später erschienenen Harry-Potter-Welt vorweg nimmt: Es gibt eine Zauberer-Schule (die in diesem Band allerdings nicht gezeigt, sondern nur erwähnt wird), konstruktive und zerstörerische Zauber-Menschen, eine magische Sprache (allerdings nicht mit Schlangen, sondern Drachen), magische Wesen, und der Graben zwischen verschiedenen Zaubermensch-Herkünften verläuft nicht zwischen Witches und Muggles, sondern zwischen Männern und Frauen.
Vor der Abendeinladung turnte ich noch Yoga: Ich nahm die übernächste, sportliche Folge vorweg, weil ich gestern bei weitem nicht ausgepowert war; die ruhige nächste Folge hob ich für Sonntagabend auf, wenn ich nach einer geplanten Laufrunde dankbar dafür sein würde (für diese Einblicke klicke ich die Folgen vorher durch).
U-Bahn nach Bogenhausen, wo ich mit Herrn Kaltmamsell einen sehr schönen Abend mit zwei interessanten Frauen verbrachte (beruflicher Kontakt über den Herrn), von einer der beiden köstlich italienisch bekocht: Zu einem Glas Ferrari Spumante gab es Antipasti in Form von Wurst, Schinken, Käse, gegrilltem Gemüse, dann als Primo Pasta mit selbstgemachtem Pesto, Wein ab jetzt ein eleganter Roter aus der Maremma, als Secondo Hühnchen cacciatore, und nach einem richtig guten Espresso als abschließende Sensation Mandelkuchen mit Vanille-Orangencreme und karamellisierten Pinienkernen.
Dazu angeregte Unterhaltung, unter anderem über den Alltag einer Orchestermusikerin.
U-Bahn nach Hause, es war immer noch mild. Gegen Mitternacht im Bett.
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Alle medizinischen Diagnosen und Tipps zu meinem Fuß unter dem Post zum Freitag habe ich dann doch gelöscht.
(Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)
steht über dem Kommentarfeld (Serviceblog mit betreutem Lesen).
Sollte mein Hausarzt hier in den Kommentaren damit auftauchen, überlege ich, ob ich eine Ausnahme mache.
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Bei geschichtlichen Meilensteinen lohnt sich immer wieder der feministische Blick. Dieser ist von Barbara Vorsamer:
“Unsichtbare Erfinderinnen: Wie Frauen die Medizin revolutionierten”



























