Filme

Journal Sonntag, 8. Februar 2026 – Langsames Milderwerden, endlich mal wieder Kino

Montag, 9. Februar 2026

Mit Unterstützung herabgelassener Rollläden lang geschlafen, aber ich war lange nicht eingeschlafen (der wunderbare Espresso bei der Samstagabend-Einladung war das wert gewesen) und brauchte nachts gegen zugeschwollene Nasenschleimhäute wieder Spray.

Draußen war es weiter mild, für meine mittägliche Laufrunde reichten Lauf-Hoody und Weste – leichte Mütze und Handschuhe waren aber recht.

U-Bahn zum Odeonsplatz, von dort ab an die Isar.

Ich gönnte mir den Ausblick vom Monopteros.

Recht versunkenes Laufen fast ohne Fotografieren.

Mein Körper machte mittel mit, störte mal mit Fußschmerz rechts, mal mit Schmerzen um den Hüftgürtel und die Lendenwirbel, meldete auch die letzte halbe Stunde Erschöpfung, doch mein Geist hatte noch nicht genug.

Heimweg ab Tivoli mit Bus bis Giselastraße und von dort U-Bahn.

Frühstück kurz nach zwei: Apfel und zwei dicke Scheiben selbstgebackenes Roggenbrot mit Butter und Zuckerrübensirup/ Lemon Curd. In Köln hat’s bereits Brutalstfrühling, in München nicht mal grüne Spitzen von Schneeglöckchen.

Nachmittags ging ich endlich mal wieder ins KINO! (Punkte auf dem Kultur-Tracker.) Im City-Kino ums Eck sah ich Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (und fand es mal wieder cool so zu wohnen, dass ich fast im Bademantel ins Kino gehen könnte; außerdem kaufte ich nach Langem mal wieder die Eintrittskarte vor Ort an der Kinokasse – hatte mich allerdings vorher auf der Website versichert, dass noch reichlich Plätze frei waren). Eine wirklich schöne filmische Umsetzung des Romans, der mir ja gefallen hatte. Senta Berger hinreißend, Bruno Alexander als Hauptdarsteller bezaubernd. Und das Drehbuch ist mehr als in Ordnung: Nachdem ich mich zunächst an sprachlichen historischen Ungenauigkeiten wie “Hey!” als Begrüßung oder “genau” gestoßen hatte, weil man das in den 1980ern ganz sicher nicht sagte, beschloss ich, dass der Film sich ja zeitlich gar nicht explizit festlegt (ein wenig in der Technik mit Telefon und Fernseher, doch Münchner Außenaufnahmen wurden in der Jetztzeit gelassen) und dass das nicht so wichtig ist.

Eine ruhige, kurze Folge Yoga. Zum Abendessen briet Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil-Karoffeln Reiberdatschi.

Klassisch bei uns mit Apfelmus – aber im Ruhrgebiet hatten wir vor anderthalb Jahren gelernt, dass sie dort mit Zuckerrübensirup gegessen werden. Wir kommen beide aus kulinarisch überdurchschnittlich aufgeschlossenen Familien, haben ja bereits vorbehaltlos Exoten wie Grie Soß oder Himmel und Äd in unseren Speiseplan integriert: Wir testeten Zuckerrübensirup, er stellte sich als echte Bereicherung heraus und passt super.

Im Bett die nächste Lektüre: Fatima Daas, Sina de Malafosse (Übers.), Die jüngste Tochter – fragmentarische Schlaglichter auf das Leben einer jungen Einwanderertochter in Paris.

§

Für mich aus persönlichen Gründen interessant (mein Vater, also nicht himmlischer, sondern biologischer Vater, heißt Jesús – und obwohl mit einer gehörigen Portion Schabernack auf die Welt gekommen, scheut er sich meist, auch damit Schabernack zu treiben):
“Warum (fast) niemand Jesus heißt – außer in spanischsprachigen Ländern”.

via @wolfseule

Familien-Details: Außerdem heißt einer meiner spanischen Kusins Jesús, wurde aber in Abgrenzung zu meinem Vater, also seinem Onkel, von Klein auf “Jesusito” gerufen, mit Diminutiv. Was zeitweilig bis zu “Susi” (bitte mit zwei scharfen, also stimmlosen S) verballhornt wurde.

Journal Mittwoch, 21. Januar 2026 – New Chinese kid on the block

Donnerstag, 22. Januar 2026

Nach guter Nacht eine Stunde zu früh aufgewacht. Unruhig liegengeblieben, wild entschlossen, das als “Ausruhen” einzuordnen.

Früh losmarschiert in die Arbeit, Himmel weiterhin klar, Luft weiterhin frostig. Der Revier-Amslerich war deutlich zu hören. Am Schreibtisch arbeitete ich geordnet los.

In einer Pause Basteln an der Wien-Reise über Fasching. Eine Erkenntnis: Dass du selbst ziemlich immun gegen Marketing-Aktionen bist, hilft halt nicht, wenn du für Samstagabend, 14. Februar, einen Restauranttisch buchen möchtest.

Zum späten Mittagscappuccino marschierte ich durch Sonne (schön!) und Kälte (hmpf) ins Westend, Highlight des Arbeitstags.

Zu Mittag gab es Birnen sowie Hüttekäse mit Leinsamenschrot.

Am frühem Nachmittag begann ich Präventiv-Dehnen meiner Beinrückseite: Nach Erkältungspause hatte ich Schwimmzeug dabei und wollte nach pünktlichem Feierabend ins Dantebad. Doch schon in der Mitte dieses Nachmittags merkte ich unter anderem an paar Ganzkörper-Niesern, dass das zu früh nach Erkältung war, das Schwimmen ließ ich lieber bleiben. Dann halt am Samstag.
(Merke: Wenn mich das Aufgeben von Sportplänen fröhlich macht und nicht traurig, war das die richtige Entscheidung.)

Also ging ich zu gewohnter Feierabendzeit nach Hause, unterwegs nur kurze Drogeriemarkt- und Blumeneinkäufe.

Ernteanteil war aufgegessen, ich ging mit Herrn Kaltmamsell fürs Abendessen außer Haus: Ums Eck in der Müllerstraße hatte ich einen Ramen-Laden entdeckt, Honghong Ramen, den probierten wir aus. Interessante Karte, ich bestellte nach scharfem Gurkensalat sehr breite hausgemachte Ramen-Nudeln mit Auberginen und Tomate (sehr gut!), Herr Kaltmamsell pickte das exotischste Gericht heraus: Entenblut und Kutteln. Die freundliche Bedienung musste erst in der Küche fragen, ob es das gestern überhaupt gab (wir hatten bereits damit gerechnet, dass es das nicht immer geben würde).

In duftig-scharf gewürzter Brühe und Öl (werden nicht mitgegessen) schwammen Scheiben Entenblut, Spam, Rindfleisch, dünne Streifen Kutteln, außerdem Champignons und Sprossen, frittierte Chillis, Sechuanpfeffer – ein sehr wohlschmeckendes Textur-Festival (ich durfte probieren). Wir kommen wieder.

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Alan Rickman ist jetzt auch schon wieder zehn Jahre tot. Der Guardian hat Erinnerungen berühmter Leute an ihn gesammelt.
“‘I fell in love with him on the spot’: Alan Rickman remembered, 10 years after his death”.

And when he received an award for his performance as the Sheriff of Nottingham, he remarked that every time he looked at it he would realise “subtlety isn’t everything”.

Seltsamerweise wird auch hier einer meiner Lieblingsfilme mit Alan Rickman ausgelassen: Blow Dry von 2001. (Der nicht mal in seinem englischsprachigen Wikipedia-Eintrag auftaucht? Im deutschsprachigen schon.) Darin spielt er ganz hinreißend einen extrem kompetitiven Friseur (der in Wettbewerben barfuß arbeitet, rrrrrr). Dabei spielen darin auch noch Natasha Richardson, Bill Nighy und Heidi Klum (!) mit! Herr Kaltmamsell wies darauf hin, dass Blow Dry im Grunde ein Sportfilm ist – wir haben ihn, muss ich dringen nochmal gucken.

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Eine besondere Ausgabe der Reihe Meisterstunde. Als ich das Thema “Birkenrinden-Kanubauer” las, hätte ich fast nicht draufgeklickt, klang langweilig. Ein Irrtum, denn der Werdegang von Artem Lemberg aus Sibirien ist sehr besonders:
“Birkenrinden-Kanubauer Artem Lemberg über Autodidaktik: ‘Im Machen verbessert sich die Qualität deiner Gedanken'”.

Wie viele Menschen in Deutschland bauen solche Kanus?
Ich bin, glaube ich, der einzige in ganz Eurasien. Gut drei Kollegen kenne ich, die in den USA und Kanada ähnliche Kanus bauen.

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Mek ist jetzt deutscher Staatsangehöriger!

Journal Dienstag, 6. Januar 2026 – Pfännchenessen revisited

Mittwoch, 7. Januar 2026

Keinen Wecker gestellt trotz Plänen und trotz der Idee, durch frühes Wecken schonmal für den ersten Arbeitstag zu üben: Ich erlaubte mir nochmal den Genuss des Ausschlafens.

Dem Zuschwellen der Nasenschleimhäute steuerte ich mit besonders kalter Luft durchs gekippte Fenster gegen, auch wenn das Ohrstöpsel gegen Schlafstörung durch Lärm von außen erforderte. Klappte gut!

Vormittags machten wir uns auf dem Weg zum Bahnhof. Es war scheißkalt geblieben, aber wir bekamen ein wenig blauen Himmel und Sonne.

Schöne Idee am Münchner Bahngleisende: “Lesen, bis der Zug kommt.” mit Ausschnitten aus Thomas Manns Zauberberg für 30 Minuten Lesezeit, 20, 10 und 5. Wir hätten gestern die 20-Minuten-Version wegen ebenso langer Verspätung nehmen können, doch erfuhren wir diese zu scheibchenweise und warteten statt dessen in Eiseskälte am Bahnsteig (“wegen verspäteter Bereitstellung” – wie sagte mal ein Zugchef? “Ham’s wieder den Zug net g’fund’n?”).

Auch im Ankunftsort Ingolstadt Scheißkälte, meine Mutter versuchte sie mit Hinweis auf Winter und Januar zu rechtfertigen. Wenn ich über Scheißhitze im Juli schimpfe, darf ich auch über Scheißkälte im Januar schimpfen.

Rein gar nichts zu schimpfen gab es über den gedeckten Tisch: Pfännchenessen, das hatte ich wahrscheinlich seit Jahrzehnten nicht mehr. Auf der Anreise hatten Herr Kaltmamsell und ich Erinnerungen abgeglichen und festgestellt, dass wir aus komplett verschiedenen Pfänncheness-Kulturen kommen: Er erzählte von Doppelpfännchen auf Rechauds!, ich kenne Überback-Teflon-Pfännchen plus Brat-Dach. Letzteres wurde gestern geboten, dazu reichlich Unterhaltungen mit meinen Eltern, meinem Bruder (leider krankheitsbedingter Ausfall der Schwägerin), Bruders Schwiegermutter. Was ich bereits vergessen hatte: Wie leicht es bei dieser Essform mit reichlich Angebot ist, den Überblick über die bereits gegessenen Mengen zu verlieren. Zum Glück winkte meine Sättigung heftig, bevor ich mich überfraß. Und so ließ ich auch den Nachtisch lieber aus: Zimttorte.

Noch bei Tageslicht nahmen wir einen Zug nach Hause, passierten einige zugefrorene Teiche und Seen, auf denen eisstockgeschossen oder schlittschuhgefahren wurde.

Ich las Joachim Meyerhoffs Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke aus: Gefiel mir gut, er schreibt wirklich anschaulich, in gutem Erzählrhythmus und setzt hervorragend Pointen. Ich wusste aus einem Interview im SZ-Magazin mit Simon Verhoeven und seiner Mutter Senta Berger, dass sie zusammen den Roman gerade verfilmt haben (€ – »Du willst jetzt wirklich darüber reden?« – »Darüber will ich reden«), will ich unbedingt sehen. Senta Berger ist sicher die ideale Besetzung einer alten, wunderschönen Schauspielerin, doch vor allem will ich herausfinden, wie sie das endlose Versagen des Erzählers im Schauspielunterricht und als Schauspieler umsetzen.

Hoffnung auf einfachere Wohnungswärmung: Beim Heimkommen brannte in der Wohnung unter uns Licht!

Kurz vor Ende der Weihnachtsferien schaffte ich noch zwei von den drei Erledigungen, die ich mir für diese Ferien vorgenommen hatte (habe sofort meine Sprüche-liebende Mutter im Ohr: “Am Abend wird der Faule fleißig!”): Loch in der Manteltasche flicken, Inhalt meiner Unterlagenschublade sortieren und abglegen. Dieses Schublädchen enthält in erster Linie Kassenzettel und Rechnungen, Wichtigeres schaffe ich inzwischen sofort nach Erhalt in den entsprechenden Ordner zu heften. Ich legte Aufhebenswertes aus zwei Jahren Einkäufen ab.
Erledigung drei war Abtauen und Reinigen von Kühlschrank und Gefrierteil; das verschob ich mit Herrn Kaltmamsell energisch auf nächstes Wochenende.

Ein lange Einheit Yoga, tat gut. Allerdings merkte ich dabei, dass das Mittagessen noch lang nicht verdaut war. Als Abendbrot aß ich entsprechend lediglich eine Kaki, Christstollen und ein wenig Schokolade (balanced diet or what?).

Und ich guckte nicht in mein Arbeitspostfach sondern glaubte ganz, ganz fest daran, dass andere ihre Weihnachtsferien ebenso frei genommen hatten wie ich.

Journal Montag, 22. Dezember 2025 – Eisnebellauf, Kosmetik

Dienstag, 23. Dezember 2025

Bis zum 7-Uhr-Läuten von St. Matthäus geschlafen, das war nach recht guter Nacht schön – überrschenderweise stören die auf- und abschwellenden Gesichtsschmerzen meinen Schlaf gar nicht.

Beim Bloggen ertastete meine Zungenspitze einen alten Bekannten, seit ein paar Jahren überhaupt nicht vermisst: ein Herpesbläschen. Hastiges Kramen in der Hausapotheke, doch in dieser Hinsicht kann ich mich wirklich auf mich verlassen: Dort wartete eine frische Tube antivirale Salbe (danke, Big Pharma).

Draußen wurde es zu fortgesetztem Hochnebel Tag. Für meine Laufrunde wählte ich dieselbe Stecke wie am Samstag, bereits gespannt auf die sicher ganz andere Stimmung. Und so war es dann auch.

Ebenfalls anders: Es war deutlich kälter als am Samstag, ich brauchte Mütze und Handschuhe, musste mich erstmal warmbewegen. Dann aber kam ich zu einem erfreulichen Lauf, leicht, mit sehr wenigen Menschen an diesem Werktag und immer wieder ruhig genug, dass meine Gedanken körpervergesssen flossen.

Tänzerin

Niedelich! Und die Schmücker*innen denken sicher daran, die Fremdkörper nach Weihnachten auch wieder zu entfernen.

Kurz nach eins gab es Frühstück: einen Apfel, außerdem Mango und Persimon mit Sojajoghurt, eine Hand voll Mandeln drübergestreut.

Dann zum letzten Termin für dieses Jahr: Bei meiner Kosmetikerin, vor Monaten gebucht, für Pediküre und Gesichtsbehandlung. Mit den derzeitigen Schmerzen freute ich mich vor allem auf die Gesichtsmassage, tat auch besonders gut. Bei der Pediküre zuvor (der Lack trocknete während der Stunde Gesichtsbehandlung) stellte die Fachfrau fest, dass die Nägel meiner großen Zehen sich gerade komplett erneuern, sie machte mich darauf gefasst, dass die alten Nägel darüber, zum Teil bereits verfärbt, in den nächsten Monaten abgestoßen werden. Wohl eine Folge meiner siebentägigen Wanderung im Herbst: Selbst bei allerbequemsten Wanderschuhen, kurzgeschnittenen Zehennägeln (meine wachsen von Natur aus sehr weit vor) und optimalen Wandersocken stößt der Nagel bei fast jedem Schritt ein wenig an die Innenseite der Stiefel. Rundum behandelt und lackiert (ich wählte ein peppiges Mittelgrau) sieht man das jetzt bei mir aber nicht mal.

So entspannt wie mir derzeit überhaupt möglich ging ich anschließend auf Lebensmitteleinkäufe für Weihnachten (das meiste von der gemeinsamen Liste hatte allerdings bereits Herr Kaltmamsell besorgt). Daheim Wäschewaschen, eine Runde Pilates mit Schwerpunkt Mobilisation.

Fürs Nachtmahl holte ich mir als Vorspeise vom selbstgemachten Kimchi, klassisch aus Chinakohl, das Herr Kaltmamsell für essfertig deklariert hatte – köstlich. Und aus den Ernteanteil-Süßkartoffeln hatte er auf meinen Wunsch wieder Mac’n cheese zubereitet – das mir sehr gut schmeckte, ich aber wegen großer Temperatur- und Berührungsempfindlichkeit der Schmerzzähne links nur sehr vorsichtig kauen konnte. Nachtisch Mamas Mohnstollen vom Sonntag (super! hier das Familienrezept), und Schokolade.

Im linearen Fernsehen entdeckten wir Sabrina von 1954 und ließen ihn laufen, ich labte mich am Anblick von Audrey Hepburn, der Verkörperung von Liebreiz.

Journal Sonntag, 21. Dezember 2025 – Adventspaziergang 2025

Montag, 22. Dezember 2025

Geweckt vom Wecker, damit mir vor der Abfahrt nach Ingolstadt zum familiären Adventspaziergang genug Zeit zum Bloggen blieb. So war es auch, aber mehr Zeit blieb mir nicht, bis ich mich fertigmachen musste.

Bepackt mit Geschenken für die Familie und deren Anteil vom samstags gebackenen Brot zogen Herr Kaltmamsell und ich durch mitteldicken kalten Nebel zum Bahnhof. Der Regional-Express brachte uns pünktlich nach Ingolstadt Nord, dort holten meine Eltern uns mit dem Auto ab. Weiterfahrt zur Bruderfamilie und zum Christbaumloben, gleich bei erster Sichtung: “SO EIN SCHÖNER CHRISTBAUM!” Darauf gab es Schnaps – in Form einer reichen Auswahl von nicht-alkoholischen Drinks.

Fahrt zum tatsächlichen Spaziergang nördlich von Wettstetten: Ein Runde am Högnerhäusl (Aussprache “Hengaheisl”) vorbei. In der Familiengruppe fehlte nur Neffe 2: Er wohnt und arbeitet derzeit in Berlin, hat erst nach Dienstag frei. In Gespräche vertieft gingen wir unter Hochnebel durch Wald, sahen Engelshaar, nahmen eine Abzweigung zu früh und gerieten auf rustikale Pfade, passierten das Hengaheisl, kamen zurück zu den Autos.

Die Autos fuhren uns nach Lenting (das ich immer mit einer bestimmten Kaffeeklatsch-Freundin meiner Mutter verbinden werde, und als Kinder wurden wir natürlich zu diesen Einladungen mitgenommen, die ganz anders war als die anderen Kaffeeklatschfreundinnen), zum Mittagessem im Gasthof Hofmark.

Es gab gutes Mittagessen, ich hatte Hirschgulasch und ein Dunkles Winterweißbier, war zufrieden. Dazu mehr Plaudern, ich ließ mir aus einem sehr speziellen Arbeitsleben in Berlin erzählen (dort wohnen derzeit beide Neffen).

Weiter zu meinen Eltern für den Adventskaffee. Ich entdeckte das zentrale Adventbuch meiner Kindheit im Wohnzimmerregal, das ich völlig vergessen hatte: Wir sagen euch an eine fröhliche Zeit, herausgegeben von Karlheinz Schaaf und Erno Seifriz.

Rechts daneben zu Dokumentationszwecken das Heftlein mit Weinhnachtsliedtexten, das jeden Heilig Abend seinen Auftritt hatte.

Den Illustrator Rolf Rettich kenne und schätze ich ja auch aus anderer Kindheitslektüre.

Es gab reichlich Plätzchen und frischen Mohnstollen, allerdings war ich noch so voll vom Mittagessen, dass ich mich an Espresso und Tee hielt. Und wir tauschten Geschenke aus, die an Heilig Abend unterm Baum oder an der Krippe liegen würden.

Heimfahrt ebenfalls pünktlich durch immer noch nebeldüstere Landschaft.

Weihnachtsbeleuchtung an der Donnersbergerbrücke.

Zu Hause war laut Bauch das reichliche Mittagessen immer noch nicht verdaut, also keine Lust auf Gymnastik und keine Lust auf Abendessen. Zur Tagesschau holte ich aber Dessert in Form von Weihnachtsgebäck und Schokolade nach. Im Fernsehen ließen wir Bernd Eichingers Verfilmung von Süßkinds Das Parfum von 2006 laufen – hm, im Grunde lediglich illustrierende Bilder zu einer Kurzform des Romans, den die Off-Stimme erzählt, keine wirkliche Film-Version, die den Inhalt in einer eigenen Bildsprache umsetzt.

Ins Bett mit dem beseelenden Bewusstsein: Ich muss am nächsten Tag nicht in die Arbeit.

Journal Freitag, 19. Dezember 2025 – Abschied vom Arbeitsjahr

Samstag, 20. Dezember 2025

Eigentlich gut geschlafen, aber bei jedem leichten Aufwachen gecheckt, ob ich gerade die Zähne auf die Knirschschiene presse: Nein, nie.

Ich verließ das Haus zu klarem Himmel, war nach der milden Luft am Vorabend aber über das frostige Glitzern überall überrascht.

Büroräume jetzt doch vorweihnachtlich UND freitäglich leer. Dennoch wollte sich das erhoffte Däumchendrehen bis vorzeitigem Feierabend einfach nicht einstellen, ich hatte vormittags sogar einen TERMIN!

Letzter Bürohausblick über München des Jahres.

Die Gesichtsschmerzen hielten an, ich hielt mit Ibu dagegen – die wirkte! Aber der Korridor an Temperatur, mit dem ein Getränk meine diversen Schmerzzähne nicht zum Aufjaulen brachte, war weiterhin unerhört eng, ich vermutete wenige Grad um Körpertemperatur.

Das merkte ich unter anderem an meinem Mittagscappuccino, zu dem ich durch wundervolle Sonne raus ging: Die heiße Flüssigkeit jagte den Schmerz wieder hoch.

Zurück am Schreibtisch wurde es endlich wirklich ruhiger. Noch der eine oder andere Aufreger, zu Mittag Äpfel sowie Mango mit Sojajoghurt, dann konnte ich meinen Schreibtisch systematisch leerarbeiten – was in meinem Fall durchaus physisch zu verstehen ist.

Vorzeitiger Feierabend, ich verließ das Haus nur wenig nach drei, fand davor noch zwei Kolleg*innen, denen ich schöne Weihnachtsferien wünschen konnte.

Mit Genuss spazierte ich durch Tages- und sogar Sonnenlicht zu Besorgungen: Lebensmittel im Vollcorner, dann brachte mich die U-Bahn zum Odeonsplatz, von dort spazierte ich zum Hofbräuhausmühlenladen für Roggenmehl Type 1370, denn ich wollte am Samstag Brot backen. Doch ich merkte, dass mich dieses Jahr zwar spät, aber doch der Dezember einholte (was bei mir bedeutet: Überfall von disparaten Dezember-Erinnerungen inklusive damit verbundenen Gefühlen, heuer im Vordergrund ein tief vermisster lieber Freund meiner Jugend). Ich freute mich sehr auf Alkohol.

Heimweg über den Jakobsplatz und die Chanukkia, die ich immer noch nicht schön finde.

Mit Herrn Kaltmamsell war ich zu einem aushäusigen Abendessen verabredet, aber durch meinen frühen Feierabend blieb davor Zeit für Pilates, Blumengießen, Brotvorbereitungen.

Ich hatte im Blauen Haus auf der Rückseite der Kammerspiele für uns reserviert, im Conviva. Dorthin spazierten wir eher früh am Abend einmal quer durch die innerste Innnenstadt und damit an einem Freitagabend durch Menschenmassen.

Das Lokal war dicht besetzt, erst als sich das um dreiviertel acht schlagartig änderte, wurde mir klar: Viele Theaterbesucher*innen vor Vorstellungsbesuch.

Als Alkohol des Abends folgte ich der Tagesempfehlung mit Kreide auf Tafel an der Wand und bestellte eine Flasche Wiener Gemischten Satz Fuchs-Steinklammer. Schön kräftig, und der Alkohol führte innerhalb von Minuten zur ersehnten Entspannung. Vielleicht sollte ich öfter Alkohol trinken.

Als Vorspeisen gab es für mich Fischsuppe (gut), für Herrn Kaltmamsell Flusskrebs-Sauerrahmterrine mit Rote-Bete-Salat (er freute sich vor allem über die Zubereitung der Bete).

Als Hauptgang hatte ich Kabeljaufilet (wunderbar saftig) auf Belugalinsen, gegenüber gab es Gebackene Blutwurst mit Kartoffel-Feldsalat, wieder waren wir beide sehr zufrieden.

Gleicher Nachtisch: Nougat-Spekulatiusmousse mit pochierten Birnen.

Angenehm beduselt machten wir uns auf den Heimweg (immer noch keine Mütze nötig).

Schau an: Die Eisbachwelle (Zukunft derzeit ungewiss) ist ikonisch genug, dass sie den Bauzaun des Luxusobjekts “Falckenberg-Ensemble” schmückt.

Zu meiner Überraschung war an den Christkindlmärkten auf dem Weg noch Hochbetrieb. Zu Hause machte ich uns noch Espresso (decaf, damit ich danach schlafen konnte), schenkte ein wenig uralten spanischen Brandy ein.

§

Auch ich brauchte lange zu begreifen, dass Glennkill von Leonie Swann ein deutscher Krimi ist, nicht etwa aus dem Englischen übersetzt.1
Jetzt wurde er mit Hugh Jackman (!) und Emma Thompson (!!) verfilmt, hier der Trailer.

  1. Das kann unmöglich SCHON ZWANZIG JAHRE HER SEIN! []

Journal Sonntag, 7. FebruarDezember 2025 – Durchgehangelt

Montag, 8. Dezember 2025

Aufgewacht mit liebevollen Gedanken an einen Geburtstag.

Das Draußen trübselig grau und regnerisch, aber das Wohnzimmer gut geheizt, in dem ich bloggte, Milchkaffee, Wasser, Ingwertee trank.

Morgens das jährliche Christkindlbrief-Telefonat mit meinem Bruder, bei dieser Gelegenheit Austausch von Aktuellem.

Raus auf eine Laufrunde im Trüben, ich startete an der Haustür, lief bis hinter den Hinterbrühler See und zurück. Es regnete dann doch ernsthafter, als der Regenradar prognostiziert hatte – darauf hatte ich für die folgenden beiden Stunden nur vorbeiziehendes Tröpfeln gesehen. Nicht schlimm, nicht mal meine Brille wurde blind, zudem war es mild. Dennoch fühlte ich mich nicht so fit wie auch schon mal, die Körperschwere wollte nicht abfallen.

Danger and excitement: Hinterm Hinterbrühler See nahm ich diese Abzweigung nach oben aufs Isarhochufer, die mich zehn Minuten nach Hinterbrühl und zwischen beeindruckende Häuser brachte – hier will ich definitiv mal spazieren.

DANGER!

Unter der Brudermühlbrücke hatte ich die Dampflok des Bayerischen Eisenbahnmuseums auf ihrer Adventwochenend-Fahrt “Rund um München” pfeifen gehört, doch ich sah sie nicht, dazwischen lag noch eine Kurve.
Kurz vor daheim noch Semmelkauf.

Ausführlichere Körperpflege; die beiden Jahre Wachsenthaaren meiner Beine haben für deutliche Verringerung der Behaarung gesorgt, ich muss seltener rasieren.

Frühstück kurz vor zwei: Körnersemmel mit Avocado, Orangen mit Joghurt, Früchtekuchen.

Aus der zweiten Meyer-Zitrone im Haus kochte ich Lemon Curd, zur Abwechslung mal nach einem andere Rezept ohne Ei.

Funktionierte wunderbar, allerdings hätte ich die Rezepte von Herrn Grün am liebsten in Bündeln: In fast jedem tauchen Zutaten in kleinen Mengen auf, die automatisch einen großen Rest ergeben, im Bündel wären immer Rezepte zum Aufbrauchen enthalten (hier: 50 gr Schlagsahne – was mache ich mit den restlichen 150 gr im Becher? zufällig stand gerade ein angebrochener Becher im Kühlschrank, sonst hätte ich das Rezept nicht verwendet). Und ein Tipp: Erst die Zitronenschale reiben (in ein kleines Schüsselchen, die ätherischen Öle durch Abdecken vom Verflüchtigen abhalten), dann halbieren und auspressen für den Start der Zubereitung. Ausgepresste Zitronenhälften sind nur schwierig zu reiben.

Nachmittag mit Lesen und ein wenig Räumen. Pilates setzte ich aus, nach der Anstrengung der Laufrunde fühlte sich Krafttraining nicht passend an. Statt dessen eine halbe Stunde Strech-betontes Yoga.

Brotzeitvorbereitung, dann servierte Herr Kaltmamsell das Weißkraut aus Ernteanteil geschmort mit Bacon, Beilage Kartoffelpü.

Schmeckte sehr gut, überraschenderweise schmeckte der Frühstücksspeck nach am wenigsten.

Nachtisch Schokolade.

§

Martin Parr ist gestorben – das hatte ich wirklich nicht kommen sehen (mit 73). Der war doch noch gar nicht fertig!

Parr hat als Teil von Magnum zum einen die Sorte Fotografie betrieben, die mir die liebste ist: Foto-Journalismus / Dokumentation. Gleichzeitig machte er sich durch die unerbittliche Verwendung von Blitzlicht bei ALLEM als Fotograf sichtbar, seine Bilder behaupteten den unschuldigen Blick erst gar nicht. Die Bekanntschaft mit dem Werk Martin Parrs ließ mich ab den 1990ern Fotografie neu sehen.

Und in meinen Augen erhoben sich seine Aufnahmen der britischen working class in keiner Weise über die abgebildeten Menschen – auch wenn die Kritik die Bilder in seiner ersten Ausstellung 1986 cruel and voyeuristic schimpfte. Vielleicht mögen Sie hier in sein Frühwerk aus den 1980ern schauen?
Und hier sein Profil bei Magnum mit Links zu weiteren Reihen.

Andrea Diener ist Martin Parr auch persönlich begegnet und schreibt in ihrem aktuellen Newsletter darüber.
“A supposedly fun thing: Über Martin Parr (unter anderem)”.

Ihr ist als Fotografin aufgefallen, wie stark Parr Schule gemacht hat:

Es ist nicht leicht, Menschen in der Freizeit bei diesen typischen Freizeitaktivitäten zu fotografieren, ohne sofort so einen Parr-Blick aufzusetzen.

§

Liebevoller Artikel von David Pfeifer zu 50 Jahre Rocky in der Süddeutschen Zeitung (ohne Paywall!):
“Mythos Rocky
Zum Nachschlagen”.

Schöne Entstehungsgeschichte, die mich Sylvester Stallone erst richtig respektieren lässt. Mir gefiel der Film gut (ich weiß nicht mehr, wann ich ihn sah, vermute, dass mein Filmfreund zu Studienzeiten diese Bildungslücke energisch füllte – er setzte mich vor einige Klassiker in den Sessel vor seinem Fernseher, und ich bin ihm bis heute dankbar dafür), und erst jetzt lernte ich, dass das Drehbuch von Stallone stammt.

Und selbst die Stufen rauf zur Bavaria kann ich nicht laufen, ohne dass in meinem Kopf automatisch dieser Sound dazu angeht.

§

Aus aktuellem Anlass:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=xpWBsHW4uts&t=926s

via @klugscheisser

Ah mei, des is so lang her, des is ja vo Neinzehnzworarachzg, haha, des warat heit GANZ anders!