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Journal Mittwoch, 5. August 2026 – Brighton 5 mit Abkühlung und Kino

Donnerstag, 6. August 2026

Wir haben’s angesichts der Hitzewelle in Deutschland und Österreich gerade wirklich gut: Ich erwachte nach einer besonders guten Nacht zu frischem Wind, nasser Straße und dem Ende eines Regenschauers. Angekündigte Höchsttemperaturen der nächsten Tage für Brighton: 22 bis 23 Grad.

Gestern traute ich mich also, wieder erst zu bloggen, bevor ich mich auf meine Laufrunde machte. Diesmal ging meine Berechnung auf: Der Wind kräuselte Schaumkronen aufs schilfgrüne bis türkise Meer, ich wurde ordentlich durchgepustet, manchmal sogar von Wolken beschattet. Das Laufen war leicht und ein Genuss.

Das Betreten des Palace Pier kostet mittlerweile Eintrittsgeld.

Herrn Kaltmamsell hatte ich währenddessen zum Friseur geschickt: Er brauchte dringend einen Haarschnitt, war vor dem Urlaub aber nicht dazu gekommen – Urlaubsabenteuer! Zwar hatte er erst im vierten Salon einen Walk-in-Termin bekommen, war aber zufrieden.

Für Frühstück wollte ich endlich mal in die legendäre Hellenic Bakery ums Eck bei Seven Dials, wir spazierten hin. Die Theke bot Patisserie-Werk, griechisch waren die Feinkost in den Regalen und eine Vitrine mit Baklava.

Es gab also an einem der Tischchen an der lebhaft befahrenen Straße Cappuccino, für Herrn Kaltmamsell eine Gyros-Tasche (Hefeteig drumrum), für mich ein Stück Walnuss-Baklava. Dann weiteres spazierendes Erkunden der schönen historischen Gegend, Einkäufe fürs Abendessen (u.a. im orientalischen Supermarkt Taj, der mit seinem ersten Ableger in Kemptown seinerzeit eine Offenbarung gewesen war – jetzt aber mit seinen leeren Gängen und Regalen nicht wirkte, als würde es ihn noch lange geben).

Diesmal gab sich mein Körper nicht mit diesem halbscharigen Frühstücksangebot zufrieden: Zurück in der Ferienwohnung schob ich Skyr mit Joghurt hinterher.

Gemütliches Lesen, bis wir zum Nachmittagsprogramm aufbrachen: Kino. Aus dem Angebot des Odeon (Gebäude noch so eingerüstet wie vergangenes Jahr) nahmen wir den Film Minions and Monsters.

Selfie-Training in für mich typisch englischem Kino-Foyer.

Der Film war gute Unterhaltung, wieder bekamen die Kinder etwas (alberne Minions), aber auch die Erwachsenen (komplexe Konstruktion mit Film im Film im Film und ganz viele Anspielungen auf die Filmgeschichte).

Auf dem Rückweg war es immer noch sonnig, frisch und windig, Mitgefühl für die Hitze-Ächzer aus der Heimat.

In der Ferienwohnung richtete ich als Abendessen die große englische Käsetafel an:

Großer Teller oben ab 11 Uhr im Uhrzeigersinn: Englischer Pecorino, Cornish Yarg (mein Favorit), Sparkenhoe Red Leister (so alt, dass er Salzkörnchen enthielt), St Cera.
Kleiner Teller oben Sparkenhoe Blue (trotz Reife milder als Stilton), Ducketts Caerphilly.

Dazu gab’s Trauben und Tomaten, ein Körnerbrot (“gesunde” Brote werden hier nicht über Vollkorn-Gehalt verkauft, sondern über Beimischung ganzer Körner wie Leinsamen und Sonnenblumenkerne), Ploughman’s Pickle (Waitrose-Eigenmarke, super). Das war ein sehr gutes Abendessen. Nachtisch Süßigkeiten.

§

Das mit dem British Museum ließ mich nicht los. Unter anderem weil ich weiß, wie weit und spannend die Forschung zum Thema Museum ist und mich verwundert, dass davon hier nichts in die Museums-Praxis schwappt. Zum Beispiel gab es kürzlich einen ERC Advanced Grant1 für das Projekt von Kunsthistorikerin Prof. Bénédicte Savoy von der Technischen Universität Berlin: “REMAPP – Afrikanische Museumsgeschichte neu erzählen”.

REMAPP stellt eine bis heute wirkmächtige Grundannahme der Museumsgeschichte infrage: dass das Museum eine genuin europäische Institution sei, die erst mit dem Kolonialismus nach Afrika gelangte. Das Projekt setzt stattdessen bei afrikanischen Wissensordnungen, Orten und Praktiken an, die lange vor oder neben kolonialen Institutionen bestanden. Sie entsprachen nicht eins zu eins den westlichen Definitionen des Museums als öffentlicher Einrichtung mit Sammlung, Ausstellung und wissenschaftlicher Ordnung. Dennoch erfüllten sie zentrale museale Funktionen: Sie bewahrten Objekte, machten materielle Kultur sichtbar, stifteten soziale Zugehörigkeit, verankerten Erinnerung und verbanden Dinge mit rituellen, politischen oder historischen Bedeutungen.

§

In der Süddeutschen nochmal ein umfassender Artikel über den Forschungsstand zu Wechseljahren (€):
“Nicht ohne meine Hormone”.
(Superbescheuerte Überschrift.)

Mittlerweile wirkt es ja, als sei kaum noch eine Frau neutral, wenn es um das Thema Hormone in den Wechseljahren geht, nicht einmal beim Thema Wechseljahre selbst. Da sind auf der einen Seite die Sheila-de-Liz-Fans, die die geschäftstüchtige Gynäkologin und ihr Buch „Woman on Fire“ verehren; und die es kaum erwarten können, Hormone gegen den in den Wechseljahren beginnenden Hormonschwund zu nehmen, weil sie meinen, damit quasi jeder Zumutung im Alter entkommen zu können, vielleicht sogar dem Alter selbst.

Was ist denn so schwierig daran? MENSCHEN SIND VERSCHIEDEN! Auch Frauen, auch bei den Auswirkungen, die die Wechseljahre auf sie haben. Frauen, die ohne Beschwerden durchsegeln – warum sollten die Hormone nehmen? Wer geringe Beschwerden spürt, kann sich’s überlegen. Und Frauen mit schweren Beschwerden wie ich können sich mit einer Hormonersatztherapie Linderung verschaffen – müssen sie aber nicht, genausowenig wie sie bei großem Leid “da halt durch müssen”.

Wenn man an die Gräben denkt, die das Thema Wechseljahre in der öffentlichen Meinung zuletzt aufgerissen hat, könnte man meinen, Seifert-Klauss musste sehr jonglieren, um mit ihrer Leitlinien-Gruppe überhaupt zu einem Konsens zu kommen. „Aber das war nicht so“, sagt die Medizinerin in ihrem Kellerbüro, das bis unter die Decke vollgestopft ist mit Fachliteratur. „Es gab nicht viel Dissens bei der Leitlinienarbeit.“ In den allermeisten Punkten sei man sich sehr einig gewesen. Denn anders als noch vor einigen Jahren sei die Studienlage zu Nutzen und Risiken der Hormone inzwischen gut, die Daten seien ziemlich klar.

Die Faustregel lautet jetzt: Hormone sollten nur so wenig und so kurz wie nötig gegeben werden. Aber wenn Frauen sie brauchen, wäre es ein Fehler, sie nicht zu verschreiben. Denn die Risiken sind deutlich kleiner, als man früher annahm.

Na also.

  1. ERC Grant ist die renommierteste und am höchsten dotierte Forschungsförderung der EU. []

Journal Mittwoch, 8. Juli 2026 – Lerchenlauf und Listenabhaken

Donnerstag, 9. Juli 2026

Ich wachte wenige Minuten vor extrafrühem Weckerklingeln auf, das passte wunderbar.

Draußen war es nicht nur wie angekündigt bedeckt, beim Zähneputzen hörte ich im Innenhof auch Regentropfen – und der Regenradar kündigte genau für die Zeit meiner Laufrunde Niederschläge an. Letztendlich entschied ich mich dennoch gegen die Regenjacke: In der schwülen Luft fürchtete ich Schweißflüsse und Stickigkeit mehr als Durchnässung. Und gegen Verblindung meiner Brille setzte ich eine Schirmmütze auf.

Erwies sich als die richtige Entscheidung: Es tröpfelte lediglich hin und wieder, während der etwas ernsthafteren Regenphase lief ich unter Thalkirchner Blätterdach.

Wieder achtete ich fast durchgehend auf den Weg und aufs Füßeheben, ich will wirklich nicht nochmal stürzen (unterm strammen Brustgurt des Jogging-BHs erinnerten mich die linken Rippen auch zwei Wochen danach noch an den jüngsten Sturz). Die Luft war bei aller Düsternis herrlich, ich lief leicht auf nahezu menschenleeren Isarwegen.

München ist so reich, dass abgelegte Jackson Pollocks in Zu-verschenken-Kisten landen.

Daheim zackige Säuberung, vor Verlassen der Wohnung entschied ich mich bei dem angekündigt fortdauernden düsteren Wetter für hochgezogene Rollläden und Fenstern auf Kipp.

Beschleunigter Arbeitsweg durch zwei Stationen U-Bahn-Fahrt.

Schnellstart in einen emsigem Vormittag. Auf dem Weg zum nahegelegenen Mittagscappuccino fand ich es dann doch ganz schön kühl, zumindest bekam ich keine Regentropfen ab.

Zu Mittag gab es Aprikose, Bananen Quark/Joghurt/Leinsamenschrot.

Auch den Nachmittag rumgebracht. Nach Hause auf direktem Weg, ich war mit Herrn Kaltmamsell verabredet: Wir wollten einen Punkt auf unserer Auswärtsessensliste abhaken. Vor vielen Monaten war ich auf die Idee gekommen: Die nächste Pizza essen wir bei Dr Drooly – der kleine Laden, der nur vegane Pizza verkauft, hat einen sehr guten Ruf und sah beim Vorbeispazieren urig aus mit immer viel jungem Volk drumrum. Allerdings hatten wir seither nie Lust auf Pizza. Aber nun stand dieser Posten halt auf der (von Herrn Kaltmamsell sorgsam geführten) Liste und würde nicht eher von dort gestrichen, bis wir dort gegessen hatten, das System ist nicht perfekt.

Gestern stellte ich nur mein Zeug in der Wohnung ab und spazierte dann gleich mit Herrn Kaltmamsell nach hinter dem völlig verbaustellten Goetheplatz zu Dr Drooly und bestellte Pizza.

Pizza Marinara gegenüber, eine Pizza Cheezy für mich – sehr gute Tomatensauce, der vegane Käse-Ersatz schmeckte halt salzig. Aber! Der Teig war für meinen Geschmack perfekt, genau so brotig und großporig mag ich ihn.

Auf dem Heimweg holten wir uns als Nachtisch beim McDonald’s je einen McFlurry mit ordentlich pappsüßen Saucen.

Nach der 20-Uhr-Tagesschau (viel über den NATO-Gipfel samt irrlichterndem US-Präsidenten Trump; ich möchte hier festhalten, dass auch hier alle seine Aussagen und Zusagen immer Momentaufnahmen sind und keine davon verlässlich – in einem Militärbündnis besonders unbehaglich) bald den Fernseher ausgeschaltet. Früh ins Bett zum Lesen.

§

Nochmal zu sexualisierter Gewalt, weil sich hier endlich etwas tun muss. Die Zeit interviewt die Anwältin Christina Clemm, die unter anderem die Moderatorin Collien Fernandes und die Autorin Claudia Wuttke vertritt, die kürzlich öffentlich Vorwürfe gegen ihre Ex-Partner erhoben haben:
“‘Nicht nur die Scham, sondern die Angst muss die Seite wechseln'”.

ZEIT: Die meisten Frauen, auch viele, die zu Ihnen kommen, erstatten keine Anzeige. Was hält sie ab?

Clemm: Viele tun es nicht, weil sie sich nichts davon erwarten. Sie haben Angst, dass man ihnen nicht glaubt. Dass sie jahrelang in einem Gerichtsverfahren hängen, an dessen Ende eh keine Verurteilung steht. Andere befürchten, dass es durch eine Anzeige noch mal zu Gewalt durch den Täter kommt. Und manche haben Angst vor Gegenanzeigen, vor Verleumdungen, auch in der Öffentlichkeit. Das Problem beginnt aber schon früher. Die allermeisten Gewaltbetroffenen sprechen gar nicht darüber, was sie erlebt haben, oder nur bruchstückhaft. Ihre Sorge ist zu groß, dafür verurteilt zu werden.

ZEIT: Ist es nicht verwunderlich, dass sich viele auch dem engsten Umfeld nicht anvertrauen, nicht mal der besten Freundin?

Clemm: Ich finde das gar nicht so erstaunlich. Wir tun oft so, als seien wir eine aufgeklärte Gesellschaft, aber wir haben nicht gelernt, offen über Sex und Partnerschaft zu sprechen. Männer tun es noch seltener als Frauen. Davon zu erzählen, wie es wirklich in einer Beziehung läuft, ist ein großes Tabu. Vor allem wenn es Gewalt und Grenzüberschreitungen gegeben hat. Viele der Betroffenen geben sich dafür selbst die Schuld. Nach dem ersten Vorfall ist es noch leichter möglich, sich zu öffnen. Aber wenn die Frau danach bei ihrem Partner bleibt, ist sie schnell isoliert. Dann heißt es: Wie blöd bist du denn, nicht zu gehen.

§

Lisa Rank schreibt über ihren Körper:
“Mein Bauch ist ein Kopfkissen
Ich war der festen Überzeugung, ich hätte in meiner Jugend keine Essstörung gehabt. Bis ich meine Tagebücher von damals gelesen habe.”

Ach, wenn wir nur alle dorthin kommen könnten:

Es ist mittlerweile auch ein Leichtes was Schönes zu finden in jedem Foto. Keine Filter mehr zu benutzen. Immer wieder zu lachen bei dem Satz, den meine beste Freundin und ich uns schon seit Jahren sagen: „So sieht man halt aus“. Alle sehen irgendwie aus. Und das Leben ist zu kurz, um bei Hitze die weichen Beine in lange Hosen zu stecken. Lasst mich in Ruhe. Wenn jemand ein Problem mit meinen Beinen hat, dann ist es seins.

§

Kino-Vorfreude:

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https://youtu.be/zrcg8YHSys8?si=KANS2nXzl636ednb

1. Kate McKinnon
2. Geena Davis
3. Kristen Stewart IN EINER KOMISCHEN ROLLE
4. SO VIELE FRAUEN!!!

Journal Donnerstag, 4. Juni 2026 – Fronleichnam mit Wackelwetter

Freitag, 5. Juni 2026

Die Nacht auf den bizarrsten katholischen Feiertag1 war mittelgut, nach dem dritten Aufwachen zu Arbeitsweckerzeit legte ich mich energisch nochmal hin und schaffte eine zusätzliche Stunde.

Aufgestanden zu sonnigem Wetter, aber kühler Luft – viel zu kühl für Balkonkaffee. Was dennoch ging: Eine Schwimmrunde im Dantebad mit Option auf anschließendes Sonnenbad, Hinradeln über die Nymphenburgerstraße mit der Hoffnung, auf eine Prozession zu treffen – vergeblich.

Wenn ich mich richtig erinnere, hatte mein Kommionkleid (von meiner Mutter genäht, allerdings im Jahr zuvor für die Tochter einer Freundin, in diesem Jahr an mich weitergereicht) auf der Fronleichnamsprozession meines Erstkommionsjahrs seinen letzten Einsatz, der jeweilige Jahrgang war zur Teilnahme beordert.

Für die kühlen Temperaturen war das warme 50-Meter-Becken des Dantebads überraschend dicht beschwommen (im Sommer gibt es ein weiteres, weniger geheiztes). Ging schon, ich fühlte mich aber nicht sehr fit und die Strecke zog sich. Am Ende meiner 3.100 Meter war der Himmel geschlossen bewölkt, es ging ein kühler Wind – also gründliche Reinigung, Eincremen und Umziehen fürs Heimradeln.

Dass es auf dem Rückweg doch nochmal richtig sonnig wurde, war halt dann so, zu spät.

Zum Frühstück kurz vor zwei gab es Pfirsich mit Joghurt sowie zwei unterwegs besorgte Körnersemmeln mit Butter und Marmelade. Davon fühlte ich mich völlig überfressen, als hätte ich nach einem italienischen Menü mit allem auch noch das Minzblättchen genommen – so viel war das doch nicht?

Kleine Siesta, Zeitunglesen auf dem Balkon, Bügeln auch in Vorbereitung auf unsere Geburtstagsfeierreise am freien Freitag (einmal Pfingstferien, einmal St. Brück) nach Oldenburg – aktuell ließ die Wettervorhersage für ein Gartenfest eher robuste Kleidung ratsam erscheinen, wenn auch nicht Mütze und Schal.

Zum Abendessen eine Variante des Nachtmahls vom Vorabend, allerdings nur für eine, denn Herr Kaltmamsell war aushäusig: Eine Artischocke aus Crowdfarming (die Lieferung enthielt diesmal fünf Stück – versuchen die, einen Keil zwischen die Kundschaft zu treiben?) mit Knoblauch-Joghurt, den restlichen Salat mit Zitronen-Tahini-Dressing. Nachtisch Erdbeeren und Schokolade. Draußen wurde das Wetter so richtig regnerisch.

Im Fernsehen ließ ich auf 3sat Die Witwe Clicquot laufen: Interessant erzählter Plot, allerdings fand ich die Bilder und Perspektiven enttäuschend vorhersehbar, Schublade Kostümfilm, ich hätte mir mehr Mut und weniger Konvention gewünscht, auch in der Regie – mehr wie die Musik von Bryce Dessner.

  1. Interessant, dass er in dem verlinkten Artikel als mögliche “‘Machtdemonstration’ der Katholiken” bezeichnet wird: Genau das war meine Vermutung, da ja ein Kern des Protestantismus ist, die Transsubstantiation zu verneinen, mit der an Fronleichnam extrig rumgewedelt wird. []

Journal Sonntag, 29. März 2026 – Genervtes Schwimmen und Project Hail Mary

Montag, 30. März 2026

Gut und lang geschlafen, den Rollladen des Schlafzimmers zu Schneefall hochgezogen.

Auch diesmal startete ich die Sommerzeit mit manuellem Verstellen der Uhren im Haushalt. Mein Tipp für die Uhren an Microwelle und Backofen: Regelmäßig für rausfliegende Sicherungen sorgen, dann bleibt man in Übung und muss bei Sommerzeit-/Winterzeitumstellungen nicht lange nachdenken.

Ich freute mich auf endlich mal wieder Gelegenheit zum Schwimmen. Bei diesem Wetter war klar, dass ich die U-Bahn zum Olympiabad nahm.

Doch das Schwimmen wurde leider sehr unentspannt. Als ich an den Beckenrand trat, freute ich mich zunächst über eine Neuerung: Zwei Bahnen waren für “Schnellschwimmen”, “Fast Lane” reserviert – ich hoffte dort auf Konzentration der Spielzeugschwimmer*innen und Wildsäue. Doch mit der gestrigen Besetzung meiner Normal Lane kam ich nicht zurecht (allerdings war ich gestern auch bereit mich zu ärgern). Obwohl mein Schwimmtempo dem Durchschnitt ensprach, dotzten mehrfach hinter mir schwimmend in meine Füße, bis ich zweimal abrupt stoppte und die Herrschaften vorbei bat. Wurde Unterwegsüberholen abgeschafft? Bei einem weiteren Dotzen strampelte ich heftig mit den Beinen in der Hoffnung auf Zurückdotzen. Doch auch sonst fühlte sich das Schwimmen als Belastung an statt wie Erleichterung. Dass der Blick durch die Glaswand auf dunkeldüsteres Draußen fiel, half nicht.

Immerhin! Lernte ich durch das Umkleidengespräch anderer Leute, was „stille Reserve“ betriebswirtschaftlich bedeutet. Sport macht nicht nur schön, sondern auch schlau!

Erstes Essen des Tages um halb drei: Birnen, außerdem selbstgebackenes Brot mit Butter und Zuckerrübensirup/Orangenmarmelade. Dass ich wirklich eine zweite Scheibe wollte und nicht nur gerade nicht mit Essen aufhören konnte, fand ich heraus, indem ich nach die erste Scheibe zwei Flickarbeiten legte: 1) Zehenloch schließen in grauer, sehr gemochter Wollstrumpfhose, 2) U-Boot-Ausschnitt des Chartreuse-gelben Baumwollpullis verkleinern, den ich bereits zweimal verkleinert hatte, der aber schon wieder so weit geworden war, dass er beide Schultern durchließ. Danach wusste ich, dass ich noch nicht satt war und strich eine zweite Scheibe Brot.

Sonntagsunterhaltung: Project Hail Mary im Cinema. An sich hatte ich einen Spaziergang zum Kino geplant, aber das düstergraue kalte Wetter mit wiederholten Schneeschauern trieb mir den Gedanken aus. Also nahm ich mit Herrn Kaltmamsell eine U-Bahn zum Stieglmeyerplatz. Beim Warten auf den Start des Vorporgramms (hier nur Trailer, keine Werbung) sah ich mich um: Seit 35 Jahren schaue ich Filme in diesem Kino an, ich weiß nicht auf den wievielten ausgewechselten Sitzen. Und ich freue mich noch immer wie beim ersten Mal, wenn sie durch Vorführen mit ihrem Dolby-Sound-System der jeweils neues Generation angeben. (Noch länger gehe ich allerdings in die Museum Lichtspiele, ich erinnere mich ans erste Mal kurz vorm Abitur und angereist aus Ingolstadt, also seit 40 Jahren.)

Der Film selbst gefiel mir, ich war gut unterhalten und versuchte erst gar nicht, die wissenschaftlichen Prämissen und Argumentationen mitzudenken. Das Drehbuch mochte ich unter anderem, weil der Held nicht als Genie geschildert wird, wegen der trockenen projektleitenden Figur, die von der wundervollen Sandra Hüller gespielt wird (allerdings Verwunderung über die Maske, die ihr dieses wächserne Make-up und diese superkünstlich aussehenden Haare verpasste), wegen des Fehlens einer Liebesgeschichte. Im Set Design fielen mir die Tiffany-Lampen-Behausungen des Aliens positiv auf. Aber zu lang war der Film, von den mehreren Enden hätte man zwei weglassen können.
Joël verlinkt hier ein kurzes Interview mit Hüller auf NBC. (Und ja: Sie singt sehr gut.)

Daheim gab’s als Abendessen Kartoffelsuppe: Herr Kaltmamsell hatte Samstagabend Müllsuppe auf den gesammelten Gemüseresten gekocht, darin Kartoffeln – aber etwas zu wenig, sodass ich gestern früh noch ein paar weiße Bohnen dazu kochte. Nachtisch reichlich Schokolade. Gezielt ins Bett zur üblichen Zeit und unter Unterdrückung aller Umrechnungen.

Journal Sonntag, 15. März 2026 – Heimische und häusliche Flora und Fauna

Montag, 16. März 2026

Wecker gestellt, weil ich verabredet war und vorher noch Laufen gehen wollte.

Geordnetes Bloggen, Wäscheabhängen, Katzenwaschen…

Wie wunderbar diese Socken aus Freundinnenhand zu meinem aktuellen Lieblings-Schlumpfanzug passen!
… Sportkleidunganziehen (bei angesagten 3 Grad griff ich doch lieber zu leichter Mütze und Handschuhen – erwies sich als gute Idee), dann noch Morgengymnastik, und um halb neun war ich auf der Laufpiste ab Haustür Richtung Thalkirchen.

Der Körper spielte gut mit, ich hoffe, dass mein Formtief nun hinter mir liegt. 1 Stunde 50 Minuten waren nur ca. 15 Minuten zu viel, aber voraussichtlich komme ich erst in zwei Wochen wieder zu einer Runde.

Am Flaucher.

Hinter Maria Einsiedel. Düster war es und kalt, aber ohne Eisschicht auf dem Weg läuft es sich hier SO viel beschwingter als mit!

Wenn sie einer die Fotomotive schon direkt an die Laufstrecke stellen (Seidelbast).

Stockente auf – Stock?

Auf dem Alten Südfriedhof dominierten die Blausterne, aber der Bärlauch ist schon ganz stark im Kommen.

Kurz vor der Haustür sah ich ein Plakat, das Auftritte von Josef Hader in München ankündigte. Ich notierte sie, checkte daheim Kartenverfügbarkeit, fragte Herrn Kaltmamsell nach Begleitlust – und jetzt haben wir Tickets für sein Programm “Hader on Ice” am 8. Mai in den Kammerspielen. Bis dahin fließt viel Wasser die Isar hinab, und die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich kurz vorher frage, warum ich mir bitte einen der kostbaren Freitagabende mit sowas verplane, ist nicht gering. Aber jetzt freute ich mich erstmal darauf.

Eine große Tasse Zitrone-Ingwer-Pfeffer-Tee gekocht, um damit die kristallinen Reste in einem Honigglas zu lösen. War dann mehr Honigrest als erwartet, und spätestens jetzt weiß ich, dass ich Tee derzeit wirklich am liebsten ungesüßt mag (Ausnahme Englischer Schwarztee mit Milch).

Die mittägliche Verabredung war ein Kurzbesuch meiner Eltern: Sie brachten das Feigenbäumchen, das mir das Christkind geschenkt hatte, aber erst jetzt in einer Gärtnerei zu haben war. Und trafen deutlich später als geplant ein, weil sie wegen der PRÜF-Demo große Umwege fahren mussten.

Neue Mitbewohnerin unseres Küchenbalkons nach Süden: Violetta, die Bayernfeige.

Frühstück um halb zwei: Apfel, Roggenvollkornbrot mit Käse.

Internet gelesen. Nachmittags holte ich den Film Perfect Days von Wim Wenders nach, die ARD-Mediathek machte es möglich (ein Hoch auf die Öffentlich-Rechtlichen).

Wirklich schöner Film, ich mochte ihn von Anfang bis Ende. Zunächst störte ich mich daran, dass ich keine Originalversion mit Untertiteln auswählen konnte (keine Untertitel im Angebot), denn je weiter weg vom Deutschen, desto alberner empfinde ich Synchronisierung. Doch der Film enthält so wenig gesprochenen Text, dass das nichts ausmachte.

Typisch Wim Wenders waren für mich der fehlende Spannungsbogen, der Mensch im Mittelpunkt, der deutsche Blick auf Exotik, ohne zu Exotisieren – all das mochte ich wieder sehr. Wundervoller Hauptdarsteller Kōji Yakusho (beim Rumrecherchieren um den Film entdeckt, dass ich ihn aus Shall we dansu? von 1996 kenne).

Guter Sonntagnachmittag mit Wenigtun, erkennbar an der Länge meiner Blicke aus dem Fenster: Die Kastanien vor Herrn Kaltmamsells Fenster fangen JETZT an mit Pfötchengeben, aber noch sieht man beleuchtete Fenster jenseits des Parks, weil die Bäume kahl sind.

Ich startete nochmal das 30-Tage-Programm “True” von Adriene, ich freue mich schon darauf.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell das Ernteanteil-Blaukraut als Ofen-Steaks nach Herrn Grün. Schmeckte gut, aber als Beilagen-Blaukraut oder Salat mag ich es lieber. Nachtisch Schokolade.

Seit fast einer Woche wohnt eine zarte, langbeinige Spinne auf unserer Klotüre, unteres Fünftel, Seite zum Gang, nah an der Türkante. Wenn man die Tür nutzt, wackelt sie ein bisschen mit mindestens zwei Beinen, sitzt ansonsten ruhig. Uns fällt wirklich nicht ein, warum sie a) so ausdauernd, b) genau da sitzt. Aber wir bemerken sie, öffnen und schließen die Tür etwas sachter als sonst. Möglicherweise eine Zitterspinne.

Früh ins Bett zum Lesen, die Oscarverleihung würde ich verpassen und nachlesen müssen – doch vom vergangenen Filmjahr habe ich eh so gut wie nichts mitbekommen.

§

Alterserscheinung: Früher trug ich in Gesprächen unbefangen eigene Erlebnisse bei, flink herbeiassoziiert. Mittlerweile schlucke ich sie immer öfter unerzählt: Zweifel an Interessantheit, weil wahrscheinlich zu weit weg / Bewusstsein, wie viel Hintergrund ich erklären müsste.
(Zum Glück habe ich ein Blog.)

§

Wer die Fotos von Lisette Model sehen will, muss gar nicht wie ich in Wien in die Albertina:
Ab 18. März sind sie im Münchner Kunstfoyer ausgestellt.

§

Ich würde ja gerne LLMs ausprobieren, doch ich finde einfach keine Anwendungen (und meine wenigen, etwas an den Haaren herbeigezogenen Versuche gingen schlecht aus). Für Chat-Bots fallen mir noch weniger Einsätze ein. Bis gestern, als ich GRÜNESCHULD entdeckte.

Grüneschuld ist ein satirischer KI-Chatbot, der die beliebte deutsche Politikstrategie parodiert, für jedes erdenkliche Problem die Grünen verantwortlich zu machen.

Er funktioniert wirklich! Nenn ein beliebiges Problem und erfahre die wahre Ursache!

Journal Freitag, 6. März 2026 – Hechtsprung* ins Wochenende

Samstag, 7. März 2026

Gut geschlafen, mit nur einem Aufstehen bis Weckerklingeln.

Wieder eine Styling-Idee gehabt, ausgehend von diesen Turnschuhen. Und ich freute mich, dass das extrem selten getragene Karneol-Collier so gut dazu passte.

Es wurde sonnig Tag, allerdings bis kurz vor frostig frisch beim Marsch in die Arbeit.

Überraschend zackiger Arbeitsvormittag, zum einen mit unerwarteter Freundlichkeit und Hilfe, zum anderen mit Ärger: Mit “Ist halt a bissl blöd” kann ich meinen Beißreflex unterdrücken, bei “Ist a bissl blöd UND achtlos/egoistisch” schaffe ich das nicht immer, gestern nur ganz knapp. Dazu kommt allerdings eine Grundgereiztheit bei Menschen, die gleich “kaputt!” oder “geht nicht!” rufen, ohne auch nur einen Versuch von Analyse oder Lösung unternommen zu haben.

Mitten im Schreiben einer E-Mail entdeckte ich, dass meine Tastatur auf Englisch umgestellt war (also unter anderem Y und Z vertauscht). Ich nahm an, dass ich ungeschickt irgendeine Tastenkombination erwischt hatte, mir fehlten Zeit und Neugier, Genaueres herauszufinden: Neustart des Computers brachte das in Ordnung.
Als im Lauf des Tages aber zwei der gestern spärlich vor Ort arbeitenden Kolleg*innen unvermittelt mit demselben Problem kämpften, war ich bereit, auch dafür den scheiß Copilot verantwortich zu machen.

Mittagscappuccino holte ich mir aus Zeitgründen in der Cafeteria, aber etwas später gönnte ich mir einen Marsch um ein paar Westend-Blöcke, in jetzt doch mildem Sonnenschein (offene Jacke!).

Mittagessen wurde spät, weil ein dringender Job dazwischengeflogen kam: Apfel, eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Danach ging’s grad so zackig weiter – unter anderem weil ich ja am Montag wegen Wahlhilfe, Teil 2 Urlaub habe und vorarbeiten musste. Ich erinnerte alle relevanten Stellen an meine Abwesenheit, mal sehen, ob das hängen bleibt.

Die Zusammenfassung der Schichteinteilung ans Wahlhilfeteam geschickt – per SMS (ich habe nur Telefonnummern). Vielleicht komme ich ja doch um Whatsapp herum. Meine Panik allerdings bereits im Stadium Ohrenrauschen.

Dennoch fast pünktlicher Feierabend, Heimweg wegen einer Erledigung über eine seltene Theresienwiesen-Kreuzung – die weite Fläche wurde ausgiebig besportelt und -spaziert.

Zu Hause eine halbe Stunde Pilates, die Kreuz- und Hüftschmerzen derzeit nur wenig über Durchschnitt.

Zum Nachtmahl hatte ich mir von Herrn Kaltmamsell ein mächtiges Stück Rindfleisch aus der Pfanne gewünscht, dazu die Ernteanteil-Pastinaken. Als Aperitif rührte ich uns vorher Martinis – wir feierten das einzige Stückchen freies Wochenende.

Dazu arabische Nüsschen.

Ich bekam mein riesiges Rind in Form von T-Bone-Steak, die Pastinaken als Püree mit drüber Ernteanteil-Kresse – alles ganz wunderbar und befriedigend. Im Glas ein roter Côtes du Rhône. Nachtisch Schokolade, im Fernsehen ließen wir Fantomas von 1964 laufen (am stärksten verwurzelten ihn in meiner Wahrnehmung die deutschen Synchronstimmen in seiner Zeit) und recherchierten ein wenig der damaligen riesigen Welle von Geheimagentengeschichten hinterher (u.a. James Bond oder Mortadelo y Filemón).

Besonders früh ins Bett zum Lesen, schließlich ist Wochenende, und ich wollte rechtzeitig die einzige Ausschlaf-Möglichkeit beginnen.

*Wieso eigentlich ausgerechnet Hecht?

Journal Sonntag, 22. Februar 2026 – Digitalisierung aus der Hölle, Sport in Wolle, Anatomie eines Falls

Montag, 23. Februar 2026

Schlecht geschlafen, weil meine Nase trotz Spray immer wieder zuschwoll, kurz nach sechs ließ ich es gut sein.

Aufgestanden zu Regen mit Wind. Ich bloggte gemütlich und las ausführlich Internet, denn ich wollte sehr gerne raus zu einem Lauf und hoffte auf ein Nachlassen des Regens.

Im dritten Anlauf (über Monate, zweimal aufgegeben) schaffte ich es, an meinen persönlichen Online-Bereich der Audi BKK ranzukommen. UX aus der Hölle, am schlimmsten: Dieselben Dinge werden verschieden bezeichnet, also z.B. mal als “PIN”, mal als “Sicherheitsnummer”. Zudem brauchte ich zwei Web- und zwei Handy-Apps, die aufeinander verwiesen.

Los ging es im November 2025 mit der Papier-Info, dass der Name der “Service-App” geändert werde (nu? Glückwunsch?), “Ihre bisherigen Zugangsdaten zur Service-App verlieren ihre Gültigkeit” – WTF?!

Wie sich gestern herausstellte, spielte beim Neu-Anlegen/Verifizieren/Mit-Funktionen-verknüpfen meines Bereichs ein Papier-Schreiben der Krankenkasse vom vergangenen August eine zentrale Rolle: Mit dem Betreff “PIN für Ihre elektronische Gesundheitskarte (eGK)” hatte ich eine PIN und eine PUK zum Freirubbeln bekommen. No na, ich nahm mir vor, das Schreiben zum nächsten Einsatz der Kassenkarte mitzunehmen, vielleicht musste ich ab jetzt eine PIN zum Einlesen angeben. (Musste ich nicht.)

Gestern erwies sich, dass die wohl überhaupt nichts mit irgendeiner Karte zu tun hat. DAS war nämlich die Nummer, auf die ich seit dem zweiten Versuch im Dezember wartete, als ich im Prozess bis an einen Punkt gekommen war, an dem es hieß: Jetzt fehlte nur noch die Bestätigung per Geheimzahl, die mir innerhalb der folgenden zwei Wochen zugeschickt würde. Doch dann kam nichts. Es war eine dieser Zahlen vom August, die an zwei Stellen des Online-Registrierprozesses eingegeben werden muss, einmal eben als “PIN”, einmal als “Sicherheitsnummer”. Erstmal hatte hatte ich natürlich andere Ziffern ausprobiert (die auch nicht “Sicherheitsnummer” hießen), auf der Kassenkarte stehen ja fünf verschiedenen Zahlenfolgen, zwei davon waren ebenfalls für den Registrier-Prozess relevant – unter anderen Bezeichnungen als auf der Karte, ich folgerte aus der Anzahl der Stellen.

Wenn mal wieder fehlende digitale Prozesse in deutschen Verwaltungsabläufen angeprangert werden, verweise ich neben Bayern-ID auf diesen der Audi BKK, der offensichtlich der aktiven Abschreckung dient. (Mittlerweile weiß ich, dass Barmer und Techniker ähnlich abschrecken, it’s not a bug, it’s a feature).

Jetzt war ich so geladen, dass ich wirklich Bewegung brauchte. Draußen war es mild, ich schlüpfte zum ersten Mal in ein neues Lauf-Shirt: Nachdem mir monatelang Online-Werbung leichte Woll-Shirts als körperfreundlich und geruchsarm für Sport angepriesen hatte (für eine Starkschwitzerin wie mich sehr attraktive Verkaufsargumente), nahm ich eine perönliche Empfehlung und ein Sonderangebot zum Anlass, ein solches zu bestellen. Drüber die Regenjacke.

Ich nehme vorweg: Bei meiner Rückkehr warf ich das Shirt also nicht in die Wäsche (waschen soll man das Woll-Shirt möglichst selten), sondern hängte es zum Trocknen auf. Und tatsächlich roch es abends nicht nach Schweiß.

Der Regen erwischte mich trotzdem, nur im Mittelteil meiner Runde hatte ich 45 Minuten ohne Kapuze. Meine Strecke legte ich über möglichst viele asphaltierte Wege in der Innenstadt, ich rechnete gestern mit Matsch und Pfützen. Der Körper spielte recht gut mit, aber bei dem Wetter war das Vergnügen überschaubar. Ich versuchte, mich auf den Genuss der Bewegung an der frischen Luft zu konzentrieren.

Na also, endlich Winterlinge (die Krokanten waren noch geschlossen).

Nu, besser als kein Lauf.

Nach dem Duschen lackierte ich meine Zehennägel – zum einen, weil ich sie dann lieber ansehe (Altern verändert auch Zehennägel, und nicht zum Schöneren), zum anderen weil mich Frau Pediküre Ende Dezember darauf hinwies, dass der rechte Zehennagel sich ablöst und eine neue Version nachwächst, mich warnte, dass ein vorzeitiges Wegfallen des alten das mögliche und schmerzhafte Einwachsen des neuen begünstigt; der Nagellack soll als Klebstoff fungieren.

Frühstück um zwei: Äpfelchen (aus jüngstem Ernteanteil und ganz besonders gut), zwei dicke Scheiben selbstgebackenes Brot.

Das Wetter blieb regnerisch, statt ins Kino zu gehen, sah ich mir einen Kinofilm von 2023 in der ARD-Mediathek an (Tab seit Wochen offen):
Anatomie eines Falls.
Obwohl ich praktisch alles über Film und Handlung wusste (ich hatte die Award-Saison 2024 mit Sandra Hüller sehr eng verfolgt), waren Drehbuch und Darsteller*innen so gut, dass er mich fesselte, das ist ein wirklich guter Film. Und ich konnte ihn unsynchronisiert mit Untertiteln ansehen: Dass in ihm Französisch und Englisch gesprochen wird, zu fast gleichen Teilen, spielt in vielen Szenen eine Rolle (die deutsche Version übersetzt beide Sprachen gleich, das finde ich schlecht).

Als Nachtmahl verwendete Herr Kaltmamsell einige Crowdfarming-Orangen für das Orangen-Schwein, das uns beim ersten Versuch sehr gut geschmeckt hatte.

Auch diesmal sehr gut.

Und zum Nachtisch servierte er gebackene Riesen-Marshmallows mit geschmolzener Schokolade zwischen Vollkorn-Keksen – davon hatte er lange geträumt. Ergab beim Essen eine rechte Sauerei. Dann noch etwas Schokolade.