Journal Freitag, 25. September 2026 – Einerseits herrliches Wetter, andererseits Oktoberfest
Samstag, 26. September 2026Trotz sehr frühem Start bis Weckerklingeln geschlafen. Freude bei Aussicht auf Freitagabend, bis dahin Zähnezusammenbeißen.
Sonniger, einstellig kalter Morgen. Freude über Outfit-Idee des Tages (außer Socken und Schuhen alles alter bis sehr alter Bestand).
Goldene Morgensonne verschönte meinen Arbeitsweg.
Überraschung am Bavariaring:
Schlange am Okoberfesteingang um 07:30 Uhr, aufgemacht wird um 10 Uhr. Ich begann mich bereits vor meinem Heimweg zu fürchten und beschloss, nächsten Freitag von daheim zu arbeiten.
Selbst einer Radlerin wurde die Durchfahrt den Bavariaring entlang vorm Eingang verweigert. Als sie protesierte, sie arbeite doch aber am Bavariaring, ließ man sie durch, aber mit dem Hinweis: “Auf eigene Gefahr!”
(Darf ich mich daran erheitern, dass die Security-Leute um die Theresienwiese zu 95 Prozent aus PoC bestehen, und zwar muslimisch und nordafrikanisch gelesenen – die bei Polizeikontrollen fast immer als erste rausgezogen werden?)
Der Arbeitstag gestaltete sich machbar, anstrengend war eher die menschliche Seite.
Mittagscappuccino aus der Cafeteria, weil mir Sonnenschein von wolkenlosem Himmel vor allem große Sehnsucht nach einem möglichst ausgedehnten Marsch um die Blöcke machte. Der war dann auch herrlich.
Mittagessen Birnen, Feigen, Hüttenkäse.
Auch am Nachmittag hatte ich noch zu tun, kam aber pünktlich raus.
Einkäufe beim Vollcorner, ab dann wurde der Heimweg nur fast so unangenehm wie befürchtet: Ich achtete natürlich vor allem auf die Leute, die VOM Oktoberfest kamen und außer Selbstkontrolle waren. Einer benötigte die gesamte Gehwegbreite an der Schwanthalerstraße fürs Vorwärtskommen, ich rannte schnell vorbei.
Fürs Abendessen war ich zuständig: Ich erledigte die Kutteln auf römische Art von unserer Kochliste, damit ich mir auch mal wieder spontan etwas anderes wünschen durfte (Herrn Kaltmamsells Augenbrauen sich bei diesen Wünschen nicht mehr sehr weit nach oben bewegten).
Während der letzten Gar-Phase gab’s zum Aperitiv und Wochenendfeiern Negroni mit arabischen Nüsschen.
Die Kutteln wurden leider gar nicht so, wie ich sie mir vorgestellt und in Erinnerung hatte, die Sauce eher gemüsig als sämig, ich hatte ein schlechtes Rezept erwischt.
Schmeckte ok, war halt nicht das, was ich angepeilt hatte. Dazu ein sizilianischer Gallo, dem wohl die Lagerung in unserem Kammerl über den heißen Sommer nicht gut getan hatte: Er schmeckte stark oxidiert und nach Sherry. Mei, hatte trotzdem entspannende Wirkung.
Nachtisch Schokolade, früh ins Bett, das der Vollmond beschien.
§
Wieder jemand nutzt die Bahn mal außerhalb Deutschlands und erkennt dabei die positiven Seiten der Deutschen Bahn:
“Mit Bahn und Bus in Finnland unterwegs”.
(Jajaja, Verlässlichkeit wäre dennoch sehr, sehr schön.)
§
Dafür mag ich Krautreporter und zahle für mein Abo: Dass sich die Redaktion immer wieder blind weitergereichte Medien-Aussagen genauer ansieht und mit verfügbaren aktuellen Daten abgleicht. In diesem Fall die oft erhobene Behauptung: KI verringert die Anzahl von Arbeitsplätzen und vergrößert Arbeitslosigkeit. Für Sie als Geschenk:
“KI klaut dir erst mal nicht den Job”.
(Was sich aber durchaus belegen lässt: KI verändert die Arbeitswelt und vergrößtert gesellschaftliche Ungleichheit.)
§
In der gestrigen Süddeutschen eine großartige Folge “Reden wir über Geld” (jede Antwort Gold): Juristin und Kunst-Bewerterin Sasa Hanten (€).
“‘Eine Kunstsammlung ist keine gute Anlageidee'”.
Es geht los mit:
SZ: Sasa Hanten, reden wir über Geld. In Frankfurt steht das berühmte Euro-Zeichen vor der ehemaligen EZB-Zentrale. Sie haben die Skulptur mal Ihre „Jugendsünde“ genannt. Waren Sie jung und brauchten das Geld?
Sasa Hanten: Ich sage ja immer: Ich war jung und hatte das Geld. Ne, der Künstler der Skulptur, Ottmar Hörl, hatte das Angebot, zur Bargeldeinführung des Euro eine Skulptur zu machen. Ich war jung, in einer Kanzlei angestellt und mein Chef meinte: „Ich habe keine Ahnung von Kunst, ich muss mich da auf dich verlassen.“ Also habe ich Hörl vertreten.
Und was war die Sünde?
Meine Jugendsünde war, dass ich mir dabei eine kleine Unverschämtheit geleistet habe. Die bezog sich auf die Zeit, die das Ding da stehen sollte, 90 Tage. Für Künstler hört es sich nach sehr viel Geld an, wenn sie für ein öffentliches Projekt einen Auftrag erhalten. Aber viele verstehen den Unterschied zwischen brutto und netto nicht. Wenn man die Euro-Skulptur richtig kalkuliert hat, inklusive Handwerker, Auf- und Abbau, war alles sehr aufwendig. Ich habe mir gedacht: Den Abbau sparen wir uns. Und dann habe ich eben gespielt.
Gespielt?
Ja, spielen ist für mich etwas Positives. Ich habe in den Vertrag eine Klausel geschrieben, dass die Stadt nach den 90 Tagen Eigentümerin wird. Die meisten Leute lesen keine Verträge durch und vor allem Männer gehen oft davon aus, dass alles zu ihrem Vorteil ausgeht. Nach 90 Tagen hat jemand von der Stadt angerufen, wir sollen die Skulptur abbauen lassen. Da habe ich gesagt: „Die gehört uns doch gar nicht.“ Das gab mehrere Runden der Empörung, ich hatte Herzklopfen bis zum Hals. Aber ich habe es durchgesetzt.
















































