Essen gibt’s!

Mittwoch, 24. Januar 2007 um 12:12

(Ich hätte ihn notfalls ungefragt geklaut, fühle mich aber sehr geschmeichelt, dass sowohl Don Dahlmann als auch Herr Mek mich um das Ausfüllen dieses Koch-Fragebogens bitten.)

1) Kannst du kochen? Wenn ja, kochst Du gerne?
Einigermaßen und sehr gerne. Bislang reichte die Kinderstube meiner Gäste immer, dass sich niemand beschwerte. Was mehr für mein Geschick bei der Auswahl der Esser als für meine Kochfertigkeit sprechen mag.

2) Wann isst bei Euch die ganze Familie gemeinsam?
Meist essen wir nur am Wochenende richtig zu zweit, Samstagabend und Sonntagabend.

3) Was isst Du zum Frühstück?
Ich trinke mein Frühstück: Eine große Schale café con leche.

4) Wann, wo und wie esst ihr in der Woche?
Der Mitbewohner holt sich vermutlich hin und wieder beim Hausmeister eine Brotzeit und isst etwas beim Heimkommen zwischen 14 und 17 Uhr (Lehrer). Ich esse mittags in der Kantine und abends entweder, was der Mitbewohner gekocht hat oder Gemüse, das ich zum schnellen Schnippeln mitbringe, oder Käse.

5) Wie oft geht Ihr ins Restaurant?
Alle sechs bis acht Wochen. Und dann edel und sehr ausführlich. Wir haben schon früh in unserem Zusammenleben festgestellt, dass wir bei diesen Gelegenheiten die bereicherndste Zeit zusammen verbringen, uns tief austauschen. Das funktioniert auch immer wieder als Reißleine, wenn wir merken, dass wir zu wenig voneinander mitbekommen.

6) Wie oft bestellt Ihr Euch was?
Vier bis sechs Mal im Jahr, fast immer chinesisch / thailändisch.

7) Zu 5 und 6: Wenn es keine finanziellen Hindernisse gäbe, würdet ihr das gerne öfters tun?
Es gibt keine finanziellen Hindernisse: Wir gehen so oft essen, wie wir wollen. Und weil das immer ein größeres und besonderes Ereignis ist, eben alle sechs bis acht Wochen.
Auch Bestellungen sind keine Geldsache. Wir haben nicht öfter auf diese Art Essen Lust.

8) Gibt es bei Euch so was wie „Standardgerichte”, die regelmäßig auf den Tisch kommen?
Unter der Woche, wenn der Mitbewohner kocht: Kurzgebratenes (weil er weiß, dass ich es liebe, aber selbst nicht kann). Wenn ich koche: geschnipseltes rohes Gemüse als Salat angemacht.

9) Hast Du schon mal für mehr als 6 Personen gekocht?
Zählen Buffets für Partys? In diesem Fall schon oft; es ist mir immer gegen die Ehre gegangen, Gäste meiner Feiern Essen mitbringen zu lassen.
Und dann fällt mir diese Klassensprecherkonferenz ein, für die ich mit 16 oder 17 größenwahnsinnig die Verpflegung übernahm: Spaghetti mit Hackfleischsoße für etwa 60 Leute. Meine Fresse, hatte ich mich da übernommen! Bis allein schon das blöde Nudelwasser in diesem beknackten Riesentopf auf dieser scheißwinzigen Herdplatte kochte. Wenn ich mich recht entsinne, gab es das Mittagessen eineinhalb Stunden später als geplant, eineinhalb Stunden, in denen ich von scheinbar unzähligen Unterstuflern mit „Huuuuungaaaa!“-Schreien umlagert war.

10) Kochst du jeden Tag?
Nein. Ich bin meist zu hungrig, wenn ich heim komme.

11) Hast Du schon mal ein Rezept aus dem Kochblog ausprobiert?
Aus verschiedenen, ja. Das erste war Don Dahlmanns Kürbis-Lasagne (finde ich ohne Suchfunktion in seinem Blog nicht mehr), die mittlerweile einer meiner Standards geworden ist.
Und erst letztes Wochenende habe ich zwei großartige Kuchen gemacht: Orangen-Mohn-Kuchen und Bienenstich ohne Füllung.

12) Wer kocht bei Euch häufiger?
Ich habe einen leichten Vorsprung, glaube ich. Dafür ist der Mitbewohner experimentierfreudiger.

13) Und wer kann besser kochen?
Wir sind beide Dilettanten mit unterschiedlichen Spezialgebieten: Kurzgebratenes aus der Pfanne kann der Mitbewohner besser, Salatdressings wiederum ich.

14) Gibt es schon mal Streit ums Essen?
Wir schaffen das mit dem Streiten nicht, auch nicht ums Essen. Allerdings tun sich in der Liebe zu bestimmten Lebensmitteln tiefe Gräben auf: Der Mitbewohner isst allen Ernstes und mit Genuss Marmite, er wiederum kann es schier nicht mit ansehen, wenn ich aus einer Tüte Schaumerdbeeren futtere.

15) Kochst du heute völlig anders, als Deine Mutter / Deine Eltern?
Nein, eigentlich nicht. Obwohl ich Kochen nicht daheim gelernt habe, sondern mir erst nach dem Auszug von Zuhause mit 18 selbst angeeignet habe, sind wir zu ähnlichen Methoden gekommen. Am ehesten meide ich Fertigprodukte und Halbfertigprodukte konsequenter als meine Mutter (mein Vater kocht nicht).
Einen grundsätzlichen Unterschied gibt es doch: Meine Mutter hasst verkochtes Gemüse so sehr, dass sie, so behaupte ich, zum Beispiel grüne Bohnen dem kochenden Wasser lediglich vorstellt (darf ich bekannt machen: Grüne Bohnen – kochendes Wasser, kochendes Wasser – grüne Bohnen). Ich wiederum mag manche Gemüsegerichte bis zum Brei verkocht, zum Beispiel Pisto oder Blaukraut.

16) Wenn ja, isst Du trotzdem gerne bei Deinen Eltern?
Oh ja, ich esse sehr gern bei meinen Eltern. Sie sind die besten Gastgeber der Welt und tischen jedes Mal internationale Köstlichkeiten auf. Ein Sonntagsessen beginnt immer mit einem Aperitif in Form von Wermut (weiß für Mama, rot für Papa, ich entscheide mich immer spontan) mit Eis und Zitrone. Wir stehen alle im Wohn-/Esszimmer herum, helfen noch ein wenig beim Tischdecken, bedienen uns an den Schälchen mit Oliven, Muscheln und Tintenfisch aus der spanischen Dose. Papa hat da schon einen spanischen Rotwein aufgemacht, nie unter der Kategorie Reserva; später beim Probieren schmeckt er mir sehr gut und mein Vater prahlt damit, wie wenig er dafür bezahlt hat. Es gibt mindestens drei Gänge, den Hauptgang mit zahlreichen Beilagen (diese hohe Kunst, mehrere Bestandteile gleichzeitig servierfertig zu haben, werde ich in diesem Leben nicht mehr meistern). Nach dem Dessert noch Espresso und spanischen Brandy, wahlweise Obstbrände.

Mal sehen, wie oft ich meine Mutter noch damit aufziehen muss, dass sie mich meine ganze Kindheit durch auf Diät gesetzt und mit rohem Gemüse als Brotzeit in die Schule geschickt hat, bis auch sie darüber lachen kann. Noch überwiegen ihre Schuldgefühle.

17) Bist Du Vegetarier oder könntest Du Dir vorstellen vegetarisch zu leben?
Ich liebe vegetarische Küche und habe immer wieder unbeabsichtigt wochenlang kein Fleisch gegessen. Vegetarierin war ich aber nie. Im Moment würde mir komplette Fleischlosigkeit schwer fallen, da ich Kohlenhydrate meide und mein Speiseplan ohne Fleisch oder Fisch arg fad würde. Vorstellen kann ich mir das schon, in diesem Fall bereitet mir die Vorstellung allerdings kein Vergnügen.

18) Was würdest Du gerne mal ausprobieren, an was Du Dich bisher nicht rangewagt hast?
Eine Freundin hat mir letztes Jahr das Buch The Gastronaut geschenkt, darin findet sich eine seitenlange Anleitung, wie man Margarine selbst macht. Das wäre so bescheuert, dass ich es (in einem mehrwöchigen Urlaub) gerne mal machen wollte.

19) Kochst Du lieber oder findest Du Backen spannender?
Backen, eindeutig. Damit habe ich als Kind angefangen, und mir gefällt daran genau das, was die meisten am Backen nicht mögen: exaktes Briefing. Die genauen Mengenangaben geben mir Sicherheit, jede Zwischenstufe bietet Naschmöglichkeiten, die verschiedenen Elemente Boden, Füllung, Guss erleichtern nachträgliches Ausbessern von Patzern.
Es macht mir ohnehin am meisten Spaß, nach Rezept zu kochen (beim ersten Test so genau wie möglich, dann wird je nach Ergebnis variiert).
Den Zenit meiner Backkarriere habe ich allerdings wohl überschritten; Brot selbst backen, Torten mit drei verschiedenen Böden und vier verschiedenen Füllungen reizen mich nicht mehr so sehr wie noch in meiner Jugend.

20) Was war die größte Misere, die Du in der Küche angerichtet hast?
Die Bekochung der Klassensprecherkonferenz war wohl das umfangreichste Desaster (merke: kiloweise Spaghetti in zu wenig nicht wirklich kochendem Wasser gegart ergibt Mehlpampe). Doch erst am Sonntag habe ich einen Kuchen (nämlich den Bienenstich ohne Füllung) im Ofen vergessen. Er war dann sehr, sehr – öhm… – knusprig.

21) Was essen Deine Kinder am liebsten?
Kommen gänzlich ohne Nahrung aus, da nicht existent.

22) Was mögen Deine Kinder überhaupt nicht?
Wenn man ihnen Existenz unterstellt.

23) Was magst Du überhaupt nicht?
Rhabarber, darauf bin ich richtig stolz. Zum einen, dass es überhaupt eine Speise gibt, die ich nicht mag, und dann noch dazu eine so beliebte und gewöhnliche, mit deren Ablehnung ich Verwunderung hervorrufen kann.

Und nun würde mich arg interessieren, was Frau Gröner, der Mittagesser und der Haltungsturner auf diese Fragen antworten.

die Kaltmamsell

10 mal Beifall zu “Essen gibt’s!”

  1. creezy meint:

    Interessant mit der folgenden Argumentation ist Antwort auf Nr. 23. Wenn man nämlich wie ich Rhabarber gerne isst, trifft man nur auf Menschen, die ihn ausgiebig hassen.

  2. blodderdrail meint:

    Ah, wo’s hier grad um’s Essen geht.
    Ich wollte noch Danke für die Idee mit dem Weglassen der Kohlehydrate sagen. Das bekommt mir nämlich außerordentlich gut.

    Im Zuge dessen bin ich auf ein paar schöne Kombinationen gekommen. Z.B. im Büro so nebenbei oder statt Mittag einen Apfel mit ein oder zwei Handvoll Haselnusskernen. Oder aber, ganz köstlich, geräuchterte Forelle mit rohem Fenchel.

    Schöne Grüße in die Münchener Stadt

  3. Mittelbayer meint:

    creezy hat recht.

  4. Mittelbayer meint:

    Haselnüsse zeichnen sich dadurch aus, daß sie zu beinahe gleichen Anteilen Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette enthalten (außerdem in kleineren Mengen viele andere lebenswichtige Stoffe). Damit könnte man sie Vollwertkost im wahren Sinn des Wortes nennen, aber bestimmt nicht kohlenhydratarm.

  5. Sebastian (Mittagesser) meint:

    Oh, das ist das, was man „Stöckchen” nennt, oder? Gut, dass ich’s jetzt fliegen sehe, aber man apportiert nicht, wie ich gelernt habe, sondern bringt es in seine Hütte, nagt dran und dann kriegt’s der nächste Köter. Danke. Also, ich nage da noch bis morgen dran, aber dann gibt’s Essen. Soviel aber schon mal, wenn ich mir manche Kerle anschaue: Frühstück oder Abendbrot vor Bildschirmen, das gibt’s nicht. Dafür sitzen dann bei uns mehr als ein bis zwei am Tisch. Schon deswegen kein TV. (Na ja, nicht immer)

  6. Anke meint:

    Feddich. Jetzt hab ich Hunger.

  7. blodderdrail meint:

    @ middlbayer (hihi, klingt fast wie Middlesborough ;-)

    Wollen wir mal nicht päpstlicher sein als der Essenspapst.
    Ganz auf Colahydrate verzichten bekommt einem eh nicht gut.
    Mir gehts also eher um Reduzierung als um den völligen Auschluss.

    Und es kommt doch auch eher auf die absolute Menge an und nicht darauf, wie so die Anteile in der Nuss so verteilt sind. Und da ist doch in eine Handvoll Haselnuss deutlich sparsamer als z.B. ein Brezl, die noch nicht mal Fett und Eiweiß hat, die arme Monokultur.

    In diesem Sinne: Guten Appetit!
    Ach ja: Was auch gut ist, ist Pecorino mit Stangensellerie.

  8. die Kaltmamsell meint:

    Gutmannsdörfer, liebe Anke, und vielen Dank!

  9. roman libbertz meint:

    Hab dich verlinkt, hoffe es freut, schönen tag

  10. Inga meint:

    Wenn es um die Stabilität in der Lendenwirbelsäulenregion geht, kann es hilfreich sein, die Unterscheidung von lokaler und globaler Muskulatur für diesen Bereich und ihre sehr unterschiedlichen Trainingsvoraussetzungen zu berücksichtigen. Bei üblichem Krafttraining wird vor allem die globale Muskulatur trainiert. Wenn ein Ungleichgewicht von vorneherein besteht, kann sich das noch verstärken. Die lokale Muskulatur, die in diesem Bereich für die Stabilität zuständig ist, wird auf andere Weise trainiert. Noch sind dies relativ neue Erkenntnisse und in Muckibuden wohl nicht sehr verbreitet.
    Dazu könnte folgender Artikel interessant sein:
    http://www.dianelee.ca/published/understandBackPain

    Für die „eingefleischten“ Gewohnheiten vielleicht dieser:
    http://www.martin-busch.de/index.php?option=com_content&task=view&id=47&Itemid=73

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