Journal 7. März 2010
Sonntag, 7. März 2010 um 21:32Ausnahmsweise am selben Tag veröffentlicht, damit es kein Durcheinander mit der Oscarnacht gibt.
Requiem auf eine Cafetera

Nun ist wirklich Schluss. Über 30 Jahre hat sie der Familie Kaltmamsell gedient, die alte Alu-Cafetera, die meine Eltern seinerzeit aus Spanien mitbrachten. In dem zentralbayrischen Provinznest, in dem ich großgeworden bin, gab es sowas nicht, doch meine Eltern mochten schon damals nach dem Sonntagsessen gerne einen Espresso. Meine stilbewusste Mutter ersetzte das Arbeitermodell schon bald durch eine elegant designte Variante, so durfte ich das Urmodell 1986 beim Auszug von Daheim mitnehmen. (An der Stelle, an der bei meiner Mutter das ästhetische Empfinden sitzt, sitzt bei mir die Nostalgie.) Seither hat sie getan, was sie sollte, Woche für Woche, wenn auch die Reinigung sowie das Auf- und Zudrehen immer schwerer wurden. Was unmöglich damit zu tun haben kann, dass ich sie vor ein paar Jahren mal versehentlich ohne Wasser mit Espressopulver befüllt und auf die heiße Herdplatte gestellt hatte, ziemlich lange sogar.
Gestern kam ich auf die Idee, mal wieder den Dichtungsgummi zu wechseln; bislang war dies immer einer Rundumerneuerung gleichkommen. Doch da war nichts mehr zu wechseln: Der Gummi war eins mit dem Alu-Gewinde geworden.

Man muss auch loslassen können, ab damit auf den Wertstoffhof. Das namenlose Cafetera-Plagiat, das ich mir zu Studentinnenzeiten als billige Zweitkanne für größere Bewirtungen zugelegt hatte und das nie richtig funktioniert hatte, gleich hinterher.

Das hier ist die neue.
Wir haben sie bereits getestet. Auch wenn die Spielanleitung behauptet, man müsse die ersten Ladungen Espresso wegschütten, haben wir (nach gründlicher Reinigung, das wohl), gleich die erste Portion getrunken. Schmeckte gut, jaja. Aber schauen Sie sich allein schon mal den Henkel an, diesen neumodischen, organisch aerodynamischen! Ich habe ja nichts gegen Weiterentwicklung. Aber diese Weiterentwicklung ist anders als der Vorgänger!
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Im glitzernden Neuschnee Isarjoggen ist wirklich zauberhaft. Ich könnte allerdings damit leben, wenn ich auf das nächste Mal acht Monate warten müsste. Okay? OKAY?


(Es war heute aber zugegebenermaßen ganz besonders hach und wundervoll.)
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Von wegen: Man kann Katzen nicht dressieren. Hier ein Filmchen, 3 Minuten, über einen russischen Katzenzirkus. (via Sixtus’ Getwitter)
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Noch ein letzter Kinobesuch vor den Academy Awards: Ghostwriter. Sehr sauber gemachter Film, vor allem das Drehbuch. Die Geschichte ist nicht epochal oder überraschend, aber gut erzählt und gespielt. Und die Musik ist von Alexandre Desplat, den wir seit Girl with a Pearl Earring eh lieben.
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Zum Abendessen Pollo en pepitoria – Rezept verfeinert, Foto dazugestellt.




7. März 2010 um 22:55
Ich hatte das Glück, letzten Herbst in Italien noch eine mit “normalem” Griff aufgetreiben zu können.
(Im Bialetti-Laden am Brenner gibt es beide Varianten – sollte nochmals Bedarf herrschen.)
8. März 2010 um 7:04
Diese Geräte werden also nicht nur zum aufstellen gebraucht, sondern um richtigen espresso anzubrühen. Mir ist das aus diesen Kännchen noch nie gelungen.
8. März 2010 um 13:49
Keine Katze macht so nen Scheiss freiwillig mit.
Da läuft Tierquälerei im Hintergrund ab, wie im übrigen bei allen Dressuren aller Tiere.
Sehen Sie sich nur nochmal die Szene an, in der die Katzen immer wieder auf den Tisch springen um an den Fressnapf zu kommen.
8. März 2010 um 16:21
Ach, Frau Kaltmamsell, so eine »alte« Cafetera hab ich auch noch aus dem spanischen Haushalt im Küchenbuffeet stehen. Allerdings ohne Henkel. Ist irgendwann beim Öffnen abgebrochen. Das ist unpraktisch. Nicht nur, weil man jetzt die Kanne zum Einschenken immer mit zwei Topflappen in die Händ’ nehmen muss, sondern weil das Öffnen nach Gebrauch schwerer geht als bei selbst eingekochter Marmelade.
Aber ich schweife ab. Wollte erzählen, dass ich mir dann sowas zugelegt habe. Stilbruch hoch zehn. Aber sagenhaft praktisch. Man dreht die Cafetera nämlich nicht mehr auf, sondern hakt sie gegenüber vom Henkel ein, klappt das Oberteil auf das Unterteil und klickt den Henkel lässig zu. Und hinterher wieder auf. — Sensationeller Bedienkomfort, das reinste Kinderspiel, kann ich Ihnen sagen!
8. März 2010 um 21:49
Ich habe ja nichts gegen Weiterentwicklung. Aber diese Weiterentwicklung ist anders als der Vorgänger!
Darf ich vermuten, werte Frau Kaltmamsell, dass einige Ihrer besten Freunde Weiterentwicklungen sind?
14. März 2010 um 11:26
Verdammt, das mit dem eingewachsenen Gummi hätten wir doch mit einem Sandstrahler lösen können!
Ich habe drei von denen, die erste hat mir meine Mum noch geschenkt, als sie auf der Insel lebte – es ist also irgendwie eine mallorquinische. Leider ist bei ihr der Wasserbehälter mittlerweile durch. Aber sie hat ihre letzte Ruhe als Deko-Utensil auf dem Schrank bekommen. Nun habe ich noch zwei – auch alle auf Mallorca gekauft. Aber alle drei sind bei mir Vollmetall, dem Gasherd geschuldet.