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Journal Pfingstsonntag, 24. Mai 2026 – Der erste heiße Sommertag / Theaterwechsel

Montag, 25. Mai 2026

Weckerwecken, um genug Zeit für mein Tagesgrogramm zu haben, aufgestanden nach einer eher unruhigen Nacht mit teils hochspannenden Träumen (leider keine Erinnerung daran, nur ans interessierte und positive Gefühl dabei).

TOP 1: Bloggen – am Samstag hatte ich mich lediglich zu Bilder-Download und Stichpunkten aufgerafft, musste also schreiben, Bilder auswählen und bearbeiten, gegenlesen.

TOP 2: Pflanzengießen. Der zweite Feigen-Versuch auf dem Küchenbalkon nach Süden scheint zu klappen, aber brutaldirekte Sonne mögen wohl wirklich nur Kakteen so richtig.

TOP 3: Isarlauf, aus Vernunftgründen (und weil ich mich danach nicht vor Abfahrt zur Mittagesseneinladung hetzen wollte) nur 90 Minuten. Mit abschließendem Brotkauf fürs Abendessen.

PFINGSTrosen auf dem Alten Südfriedhof.

Nachwuchs-Robinie beim Tierpark Hellabrunn – genauso wenig duftend wie ihre Verwandtschaft, was ist los? Das Laufen war schön und angenehm, es täte meinem Körper so viel besser, könnte ich zwei- bis dreimal wöchentlich 80 bis 90 Minuten laufen statt einmal fast zwei Stunden. Und vor zehn war die Luft auch lediglich angenehm warm, noch nicht heiß.

TOP 4: Wasserwechsel für die Rosentagsrosen.

TOP 5: Fahrt mit Herrn Kaltmamsell nach Augsburg, der gekühlte Regionalzug war bereits angenehm. Die lieben Schwiegers luden uns in ein italienisches Restaurant am Rand von Haunstetten ein, ich aß auf der schattigen Terrasse gute Penne mit Spargel und Tomate. Den abschließenden Espresso gab’s bei Schwiegers, dazu Plauderei, das war schön.

Zurück in München fühlte sich die Hitze gerade noch erträglich an, die Aussicht auf weiter steigende Temperaturen allerdings bedrückend. Auf dem Heimweg kam uns in der Schillerstraße ein Mann mit Vogelkäfig entgegen (Kopf intonierte umgehend Zauberflöte), darin saß auf einer Sittich-Schaukel schaukelnd eine Kohlmeise, die einen fröhlichen Eindruck machte. Wir Großstädterinnen wundern uns ja eher selten.

In der Woche zuvor hatte ich gelesen, dass das Residenztheater sein Programm für die neue Spielzeit vorgestellt hatte – JETZT müsste doch endlich der Kauf eines Abos möglich sein (in den Monaten davor hatte ich mehrfach vergeblich danach gesucht). Und tatsächlich war es das. Also kündigte ich mein Kammerspiele-Abo, ab Spielzeit 2026/2027 bin ich Resi-Abonnentin. Ich nutzte den Wechsel gleich für einen Wechsel von Mittwoch auf Sonntag: Früherer Beginn der Vorstellungen, kein Arbeitstag davor, und an Sonntagabenden habe ich wirklich praktisch nie etwas vor. Aufregende Neuerungen nach 17 Jahren Kammerspiel-Abo! (Ich erinnerte mich, wie es zur Entscheidung für ein Mittwochs-Abo gekommen war: Damals machte ich noch viel Sport im Sportstudio, und an Mittwochfeierabenden gab es dort NIE etwas für mich Interessantes.)

Jetzt Gymnastik, Start eines 30-Tage-Programms von Adriene, diesmal wieder “Flow”. Nochmal stelle ich mir vor, dass ich ab und zu Pilates mit Gabi Fastner einschiebe – der ich jetzt endlich auch regelmäßig ein wenig Geld überweise, das fühlte sich anständig an.

Fürs Abendessen hatte ich mich verantwortlich gemacht: Ein Rest Meatballs aus der Gefriere ergab Meatball Sandwiches, dazu Asiasalat aus Ernteanteil. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zu langem Lesen, Louise Erdrich, The Sentence findet einen weiteren überraschenden Umgang mit dem Thema native Americans im weitesten Sinn und ist lustig. Wohlige Aussicht auf einen weiteren freien Tag.

Journal Donnerstag, 21. Mai 2026 – 33. Rosentag japanisch

Freitag, 22. Mai 2026

Gut- und ausgeschlafen, sehr angenehm. Erster Handgriff morgens am Rechner: Ausfüllen des Fahrgastrechteformulars der Deutschen Bahn, ein wenig Rückerstattung des (ohnehin niedrigen Superspar-) Fahrpreises sollte drin sein.

Bloggen an Milchkaffee und Wasser, dann stieg ich in Laufkleidung. Mein erster Weg führte aber zum Nachbarschafts-Blumenladen, denn 21. Mai ist Rosentag (seine Geschichte, meine Geschichte).

Nein, dieses Vase funktioniert nicht mehr.

Später vaste ich um (der Rand der idealen Vase wäre allerdings sieben Zentimeter niedriger).

Keine Lust auf Radeln, zumal das bedingt, dass ich meinen Lauf an derselben Stelle beenden muss, an der ich ihn starte. Also zwei Stationen U-Bahn bis Odeonsplatz. Am Marienplatz stiegen zwei Polizisten zu, über und über mit Ausstattung behängt, die in meinen Augen nach Kampfausstattung aussah. Da half auch das Lächeln des einen nicht: In solcher Gegenwart fühle ich mich nicht sicherer, sondern bedroht. Der gute alte bayerische Polizist in klar erkennbarer grüner Uniform, diese aber als einzige sichtbare Waffe, hatte da ganz andere Wirkung. Selbst wenn er grantelte. Der neue Phänotyp strahlt auf mich nur Gewalt aus.

Auf Mastodon meinte dazu jemand aber:

Daran halte ich mich künftig fest.
Interessanterweise äußerten sich auf Mastodon aber auch viele, die sich durch diese Präsenz tatsächlich beschützt und sicherer fühlen, die die Polizisten in den vorherigen Uniformen als schwach, wenn nicht sogar lächerlich empfanden. Jetzt muss ich nachdenken, worin die Unterschiede, wahrscheinlich in der Selbstdefinition bestehen.

Schöner Lauf durch den touristischsten Teil des Englischen Gartens an die Isar, von dort nach Norden und zurück bis Tivoli. Nachts hatte es genug geregnet, um den Boden ein wenig federnder zu machen – doch der niedrige Wasserstand ist weiterhin besorgniserregend. Der Körper spielte gut mit, signalisierte lediglich jenseits der 90 Minuten Laufdauer (diesmal sah ich auf die Uhr), dass jetzt gut war, vor allem die Waden.

Was ich bei meinen Wochenend-Läufen nie zu sehen bekomme: Im Hofgarten wurde gegeärtnert.

Robinienblüte startklar, aber noch ohne Duft.

Unterwegs hatte ich Spaß mit der Pflanzenbestimmungs-App Flora Incognita und ließ mir Blümchen am Wegesrand bestimmen:

Wiesen-Salbei (hatte ich bislang Rittersporn genannt)

Akeleiblättrige Wiesenraute (fiel mir zum ersten Mal auf)

Pyrenäen-Storchschnabel (vertrauter Anblick, aber was macht ein Pyrenäen-Kraut an der Isar?)

Zottiger Klappertopf (sehr vertraut, auch in Parkanlagen – aber mit dem Namen nehmen die mich auf den Arm, oder?)

Diesmal guckte ich auch Blumen nach, die ich gut kenne. Zum Beispiel die gute alte Butterblume.

Um zu lernen, dass Profis sie Scharfer Hahnenfuß nennen. Kann man wenigstens sagen: “Die Butterblume ist die Blüte des Scharfen Hahnenfußes”?

Eine Tram brachte mich nach Hause, ich stieg aber einen Halt früher aus, um Frühstückssemmeln zu besorgen. Meine Lieblingssorte sah ich schon von fern als noch vorrätig, doch dann wurde meine Bestellung abgewürgt: Keine Kartenzahlung möglich, technische Probleme. Enttäuschend, dann folgte ich halt meinem anderen Frühstücksgelüst Erdbeeren. Die ich im Supermarkt ebenfalls ins Regal zurückstellen musste: Nur Barzahlung möglich, technische Probleme. Beim Laufen habe ich halt nur mein Handy dabei, empfinde es als sehr bequem, dass ich damit auch bezahlen kann. Eigentlich. Nun war ich sehr enttäuscht, fürs Frühstück um halb drei (nach Duschen eh schon spät, deswegen kein neuer Einkaufsversuch mit Bargeld) griff ich auf Kühlschrankvorräte zurück. Gab es halt wieder Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot – schmeckt mir schon, ist aber in erster Linie funktionale Hungerbekämpfung.

Herr Kaltmamsell hatte auf meine Bitte eine Plastikhülle von Hemdenreinigung aufbewahrt: In die hängte ich Wintermantel und -jacke, beides kam in den Keller – jetzt habe ich ausreichend Platz im Schrank für meine (zu vielen) Sommerklamotten.

Beim Ankleiden für den festlichen Abend musste ich mir eine Dummheit gestehen: Der blaue Sommerrock, den ich mir aus Spanien habe schicken lassen, ist einfach zu eng. Die Rumrechnerei mit den Größen (EU/Deutschland) war geraten gewesen, und als der Rock ankam, kniff sein Bund. Doch Zurückschicken/Umtausch war mir zu umständlich, also redete ich mir ein, dass er halt lediglich nicht ganz bequem sein würde und bügelte ihn auf. Gestern erwies sich beim ersten Tragen: Nein, geht nicht. Letzte Chance Änderungsschneiderin, vielleicht hat sie einen Erweiterungstrick auf Lager.

Zur Feier des gestrigen Rosentages hatte ich in einem japanisch(ischen) Restaurant im Westend reserviert: Koji in der Parkstraße. Dorthin geführt hatte mich meine (vergebliche) Suche nach einem japanischen Restaurant in München, dessen Karte nicht um Sushi herum gebaut war: Vor Jahrzehnten hatte es in Augsburg einen edlen Japaner gegeben, dessen Menü an einem Küchen-Karree vor den Augen der Gäste zubereitet wurde, fein abgestimmt von Gang zu Gang in Texturen, Zutaten, Geschmäckern, optischer Komposition – wie es auch seither Japan-Reisende von Menüs im Land selbst berichten. Den gibt es auch in Augsburg nicht mehr, und in München fand ich nichts Derartiges. Also wurde es “Fusion” im Koji, hier wurde zumindest ein Menü des Hauses und aus dem Moment ohne Sushi angeboten.

Besonders freute ich mich über die Begleitung mit Sake, ausführlich erklärt. Hier als Aperitif Sparkling Sake mit Eiswürfeln, gut und überraschend.

Wir aßen Fisch-lastig und sehr gut. Die verschiedenen Sakes waren sehr interessant und schmeckten mir alle, als mein Sake-Liebling erwies sich Takasago Junmai Daiginjo Omachi: Er war uns als ein traditioneller vorgestellt worden, und als ich dem (freundlichen und aufmerksamen) Keller meine Begeisterung kundtat, wies er fein lächelnd darauf hin, dass das auch sein hochwertigster sei – sofort fühlte ich mich als Sake-Obercheckerin.

Nicht zu später Heimweg in letztem Tageslicht und unter Mauersegler-Schrillen, der tapfere und sehr erschöpfte Herr Kaltmamsell hatte sehr gut durchgehalten.

Ich war sogar noch munter genug (Sake macht deutlich weniger betrunken als Wein-Begleitung) für Start einer neuen Lektüre: Louise Erdrich, The Sentence.

Journal Dienstag, 12. Mai 2026 – Schöne Füße, ganz kurz

Mittwoch, 13. Mai 2026

Unwilliges Aufstehen, aber vor allem wegen der unerquicklichen Aussicht auf einen weiteren Arbeitstag. Draußen regnerisch und düster, ebenfalls kein Laune-Aufheller. Auf dem Marsch in die Arbeit stellte sich das Nieseln auch noch als kaltwindig heraus.

Geordnetes Arbeiten, ich fand sogar Zeit für eine Online-Schulung – die sich als deutlich besser herausstellte als (wegen schlimmer Erfahrungen) befürchtet, ich hatte sogar Spaß!

Möglicherweise ist mein Zahnweh-Problem ins rechte Kiefergelenk gerutscht, das mich schmerzhaft an weitem Öffnen des Mundes hindert, noch sehen Sie mich amüsiert. Nach zwei unbeschwerten Tagen wollte Kauen wieder bedacht sein.

Raus ins Westend auf einen Mittagscappuccino: Ich blieb zwar trocken, aber es war scheißkalt, Menschen trugen Winterjacken.

Später zu Mittag gab es eingeweichtes Muesli mit Joghurt und eine Birne.

Anstrengender Arbeitsnachmittag, zumindest mit klarem Ende: Ich hatte einen Termin bei der Fußkosmetikerin.

Zu diesem marschierte ich noch mit warmen Füßen; für den Heimweg mit frisch lackierten Zehen hatte ich Sandalen dabei, um den Lack nicht gleich wieder zu ruinieren. Und so ging ich danach in ausgesprochen frischen Temperaturen über Drogeriemarkteinkäufe in nackten Füßen heim. War gar nicht so schlimm.

Den Lack am rechten großen Zehen ruinierte ich mir trotzdem: Eine Yogamatte, lassen Sie sich warnen, tut das bei Gymnastikübungen auf allen vieren, die ein Abstützen mit dem Fußrücken erfordern (z.B. bei Katze-Kuh), recht gründlich. Zefix. Aber das eigentliche Pilates war super.

Auf und um den Sessel in meinem Schlafzimmer begannen sich Kleidung und Dinge zu sammeln: Erste Pack-Schritte für meine Berlin-Reise ab Donnerstag.

Der Ernteanteil hatte rote Zwiebeln gebracht, da denke ich immer automatisch an Flammkuchen nach Nicky Stich. Herr Kaltmamsell war so freundlich sie umzusetzen.

Sehr gut. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen. Joachim Meyerhoffs Alle Toten fliegen hoch: Amerika liest sich schon gut, ist mir aber in vielen Passagen deutlich zu detailliert erzählt; es hat viel mehr von persönlichen Erinnerungen (bei denen man sich meist darüber freut, wie viele Kleinigkeiten man noch von vor 30 Jahren weiß und in denen die gut erzählte Geschichte weniger wichtig ist) als das spätere Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke.

In mir arbeitete der kürzlich gehörte Bericht über einen Arztbesuch: Der komplett unbekannte Herr Doktor hatte die erzählende Patientin geduzt, war auch mit “Der Peter kommt gleich” von seiner Mitarbeiterin angekündigt worden. Das machte mir bewusst, wie gern ich sieze. Das deutsche Duzen/Siezen wird ja manchmal zu Hierarchisierung erklärt: Wer sieze, erhebe sich bei Duzen über das Gegenüber, Beweis Duzen von Kindern. Sollte das je mehrheitlich so empfunden werden, entschiede ich mich in Konsequenz für Durchsiezen. Ja, auch meine Eltern und meinen Partner, ja, auch den zweijährigen Kollegensohn. Den sogar ganz besonders gern.

§

Genau wie Claudia es beschreibt, ersehne ich die Zeit nach dem Erwerbsleben:
“Wertvolles”.

Journal Dienstag, 5. Mai 2026 – #WMDEDGT mit aufregendem Kuchentransport

Mittwoch, 6. Mai 2026

Frau Brüllen sammelt wieder am 5. des Monats Tagebuchblogposts unter #WMDEDGT (“Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?”).

Eine gute Nacht, beim Weckerklingeln hatte die Morgenhelligkeit einen großen Sprung gemacht.

Nach Kaffeekochen erstmal den Bürokuchen geschnitten und transportabel gemacht – mit der Erkenntnis, dass ich mich völlig verschätzt hatte, wie viel Plattenplatz ein Bleck Kuchen einnahm, nämlich dreimal so viel (für nächstes Mal Transport auf Blech und Zerteilen vor Ort einkalkulieren). Zwar fiel mir eine Lösung ein, doch ich wurde gestresst und hektisch.

Die Lösung: Zum ersten Mal war der Zwischenboden der Torten-Box nützlich und ich bekam zwei Teller unter, die Servierplatte oben hielt, wenn ich die Box am unteren Rand griff.

Zusätzlicher Stressfaktor: Der Haupt-Weh-Zahn brüllte bei Kontakt mit jeder Flüssigkeit, auch dem Morgenmilchkaffee in Körpertemperatur, ich musste ein wenig auf den Esstisch trommeln und (eher innerlich) gegenbrüllen.

Wie geplant nahm ich für Kuchentransport einen Bus in die Arbeit: Der 62er braucht mit seinem ausgiebigen Mäandern zwar fast so lang dorthin wie ich zu Fuß in Luftlinie, fährt aber nahezu von Tür zu Tür und eignete sich für diesen Transport deutlich besser als Fußmarsch. Es ging alles gut; ob die Zittrigkeit bei Ankunft von Kaffee (morgens sonst ohne Folgen), Schmerz-Management, Aufregung oder schwerem Tragen kam, ließ sich nicht ergründen.

Die energiefressenden Schmerzen zwangen mich zur bewussten Einteilung meiner Arbeitskraft (und jeder Schluck Getränk wollte wohlüberlegt sein – wenn der erste keinen Schmerzalarm auslöste, trank ich lieber gleich auf Vorrat).

Kuchenservierung klappte, er wurde auch gegessen.
Dazu wirklich lustige Gespräche, darunter: Neben meinem Bewegungstracker hätte ich ja gerne einen Kulturtracker, der mich erinnert, wenn ich nicht genug Kunst bekomme. Gestern erweiterten wir das um einen Social Tracker, der zum Beispiel mitzählt, ob man sich auch beziehungserhaltend genug mit Partner/Partnerin austauscht (amerikanische Wissenschaftler haben wohl ein Minimum von 8 Minuten täglich ermittelt).

Wieder mehr Lust auf Mittagsmarsch als auf Mittagscappuccino, die über 20 Grad fühlten sich unangemessen warm an. Hoffnung auf dringend nötigen Regen wenigstens ab Abend.

Mittagessen Apfel sowie Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Heftiger Arbeitsnachmittag, vor lauter Erledigtsein schier den Absprung nicht geschafft. Hatte aber als Motivation eine begrenzte Öffnungszeit im Nacken, das half.

Kurz vor Feierabend regnete es tatsächlich ein paar Tropfen, aber nicht ernsthaft. Ich spazierte zur Hausarztpraxis für eine neue Neurologie-Überweisung inklusive Vermittlunscode.

Das Frühlingsfest dauert dieses Jahr zum 60. Geburtstag drei Wochen statt sonst zwei.

Ich genoss das Gehen in Mailuft, holte kurz vor Wittelsbacherbrücke die Überweisung ab.

Über den Alten Südfriedhof nach Hause.

Ich kam gleichzeitig mit Herr Kaltmamsell an. Er kümmerte sich ums Nachtmahl, ich machte Pilates (wieder sehr erfreulich). Und dann gab es erstmal Karotten-Fritten mit Labne und arabischem Fladenbrot, dann Ingolstädter Bauernwürscht.

Und zum Nachtisch eröffneten wir die Erdbeersaison (mit flüssiger Sahne) – bis zu wirklich guten Erdbeeren werden wir allerdings noch die echte Saison abwarten müssen. Danach ein wenig Schokolade.

Im Bett Maggie O’Farrell, Hamnet ausgelesen, gut unterhalten.

§

Ich bin der Häme über die aktuelle Regierung müde (u.a. weil es mir mittlerweile schwer fällt, fundierte Kritik und glaubwürdige Einschätzungen zu finden) – aber dieser Merz-Cartoon von Heiko Sakurai trifft meiner Ansicht nach den Nagel etc.
(via @formschub)

Journal Dienstag, 28. April 2026 – Lerche läuft vor Arbeit

Mittwoch, 29. April 2026

Unruhige letzte Nachstunden mit Angstwellen, ich beendete sie noch vor für Lerchenlauf extrafrühem Wecker.

Herr Kaltmamsell hatte seinen Morgenmilchkaffee abbestellt: Er musste gestern das Haus bereits um halb sechs verlassen, um das diesjährige Deutsch-Abitur an seiner Schule vorzubereiten. Um diese Zeit trank ich noch meinen Kaffee, machte mich aber auch früh lauffertig. Ein paar Grad mehr hatte es als von einer Woche, ich verzichtete auf Mütze und Handschuhe, war mit langärmligem Lauf-Hoodie und langen Hosen diesmal richtig ausgestattet.

Der Lauf selbst war ok, Schmerzen halt um die Hüftgegend, von anfangs linke LWS ins linke Knie bis rechter Sitzbeinhöcker in die ganze rechte Beinrückseite am Ende meiner 80 Minuten (die ich mir durch besonders frühen Start gönnen konnte). Deutlich stärker störten Zahn- und Gesichtsschmerzen rechts, beim Atmen durch offenen Mund schmerzte selbst die Luft am derzeitigen Haupt-Wehzahn. (Mir sollte nach vier Monaten Schmerzen eigentlich klar sein, dass die nicht von allein weggehen werden.)

Apropos Atmen: Herrliche Frühlingdüfte inklusive Morgenfeuchte.

Zurück daheim zackiges Duschen und Fertigmachen, unwesentlich verlängert, als ich dazwischen eine Brummwespe (Wohnungssuchverdacht) rausschaffen musste.

Wieder war ich nach zügigem Marsch in die Arbeit ca. 40 Minuten später als sonst am Schreibtisch.

Arbeitsvormittag ein wenig turbulent, aber nicht wirklich unangenehm. Für Mittagscappuccino reichte die Zeit nur in der Cafeteria, ich stürzte kurz raus auf Obsteinkauf.

Und so gab es zu Mittag neben Hüttenkäse mit Leinsamenschrot auch mal Kulturheidelbeeren (schmeckten ok, wenn ich den Geschmack von August-Blaubeeren aus dem Wald vergaß) und eine Banane. Plus dann doch eine Ibu, mir fiel ein, dass es keinen Grund gab, die Zahn-Gesichts-Schmerzen zu erleiden. Half zum Glück schnell.

Heimweg in milder, aber nicht unangemessen warmer Luft über die Theresienwiese, auf die wie derzeit jeden Abend zum Frühlingsfest Bayern-Cosplayer*innen strömten, vor allem junge.

Zu Hause Häuslichkeiten, dann nochmal die angenehme Yoga-Folge vom Vortag.

Herr Kaltmamsell verarbeitete die letzten Bestandteile des Ernteanteils, nämlich Lauch, Kartoffeln, Korianderblätter, zu einem Curry mit Kokosmilch.

Leichte Schärfe, ganz hervorragend. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen und zu O’Farrells Hamnet, der als historischer Roman eher ungewöhnlich ist.

§

Ein Bäcker, der von den chemischen Prozessen her denkt – und nicht Lutz Geißler ist. Aber der in solchen Formulierungen spricht:

Ich bin hier extrem wirksam, ich lasse keine Energie auf einer Strecke, ich kann immer rasch in die Umsetzung gehen.

Die Meisterstunde interviewt einen höchst eigenwilligen Handwerker, der auch sonst viele meiner Vorstellungen über den Haufen wirft:
“Bäcker Arnd Erbel über den Wert der täglichen Reproduktion: ‘Die wahre Meisterschaft entsteht im Wissen um die Toleranzen'”.

Journal Samstag, 18. April 2026 – Frühlings-Sonnenwanderung um die Loisach-Kochelsee-Moore

Sonntag, 19. April 2026

Früh aufgewacht, nicht ganz ausgeschlafen aufgestanden. Doch die frühe Stunde passte ganz gut: Herr Kaltmamsell und ich wollten das angekündigte schöne Wetter für einen Wandertag am Kochelsee nutzen. Da wir annahmen, dass auch sehr, sehr viele andere Menschen aus München das wollten, hofften wir auf leichtere Sitzplatzjagd in einem Zug schon um neun (Deutschlandticket ist super).

Die Tour ab Benediktbeuern scheint bei uns ein April-Ding zu sein: Beide Male, die wir hier schon gewandert sind (2019 und andersrum 2023) waren wir in derselben Jahreszeit auf die Idee gekommen. Wir ließen uns wieder von diesem GPS-Track leiten.

Die Hoffnung auf einfachere Sitzplatzjagd ging schonmal nicht auf: Zwar kann ich mit späteren Zügen nicht abgleichen, doch die Verbindung um neun war knallvoll, nur unser Einsteigen fast 15 Minuten vor Abfahrt verschaffte uns zwei Plätze in einem Vierersitz (den zwei andere Reisende etwas unwillig von ihren Wanderrucksäcken und -stöcken freiräumten). Kurz darauf waren auch die Stehplätze belegt. Zu Gleis 28, also zum Starnberger Bahnhof, waren wir außenrum an der Arnulfstraße geleitet worden: Die Bauarbeiten belegen jetzt den Bahnsteig im Inneren der Halle.

Einstündige und recht pünktliche Bahnfahrt nach Benediktbeuern; bis dahin hatte sich der Zug nur wenig geleert, die meisten wollten offensichtlich zum Zielbahnhof Kochel. Nach Wettererfühlen am Bahnsteig entschied ich mich, die Jacke wegzulassen: Bei dem herrlichen Wetter und in angenehmen Temperaturen brauchte ich sie den ganzen Tag nicht.

Im Hintergrund die Türme des Klosters Benediktbeuern, wo immer noch an den Schäden durch Sturm und Hagel Ende August 2023 gearbeitet wird. Im Vordergrund die historische Glashütte Joseph von Fraunhofers, die bereits fertigrepariert ist und wieder besichtigt werden kann.

Schon bald wurde mein erster Wunsch für die Wanderung erfüllt: Schwalben am Himmel und auf Stromleitungen, herzlich willkommen! Zwischen knallig ergrünenden Bäumen wanderten wir auf schönen Pfaden und landwirtschaftlichen Wegen Anhöhen hinauf, bekamen wunderbare Ansichten, dann steile Waldpfade hinab. Wie schon bei den vergangenen beiden Malen freute ich mich an den besonders hübschen Sumpfdotterblumen. Auf etwa der Hälfte der Strecke kreuzten wir wieder eine bewirtschaftete Kuhweide, diesmal hörten wir die Tiere lang vorher an ihren Glocken, sahen sie diesmal zwischen den hohen Bäumen eines Nadelwalds – Waldkühe.

Körperlich fühlten wir uns beide gelassen und fit, dennoch machten wir brav nach zwei Stunden Pause. Und kurz darauf nochmal, als wir nach Kochel reinkamen: Ich erinnerte mich an das Café im Schusterhaus und wollte dort gerne einen Cappuccino. Zwar hatte genau dieses Café mittlerweile geschlossen, doch gleich gegenüber gab es ein neues, Tiny Soul. Setzten wir uns halt dort auf einen Cappuccino.

Zurück ging es erst die Loisach entlang, von dort der sehr besondere Blick über die Loisach-Kochelsee-Moore. Gut vorbereitet waren wir auf das letzte Stück, das sehr, sehr lang über eine riesige, ebene Wiesenfläche führt, und auf dem es uns beim ersten Mal fad geworden war. Diesmal wappneten wir uns gegen die gefühlte Endlosigkeit – und schon war das Stück gar nicht mehr so lang. Zumal wir immer wieder riesige Milane am Himmel präsentiert bekamen.

Den Lainbach entlang gemächlich hoch.

Sumpfdotterblumen mit Aussicht. Sehr angenehm die ganze Wanderung entlang: kaum andere Menschen. Erst auf der zweiten Hälfte kamen uns andere Wandersleut entgegen, die Loisach entlang wurde vor allem Elektro-geradelt.

Blick aufs Moor.

Cappuccino in Kochel.

Offensichtlich schon sehr lang verbotene Durchfahrt.

Wunderschöne Blindschleiche, ca. 40 Zentimeter lang, die Herr Kaltmamsell entdeckte und deren Zeichnung mit Längsstreifen ich bewunderte.

Rückweg die Loisach entlang.

Das waren dann gut fünf Stunden mit zwei Pausen für knapp 19 Kilometer. Deutlich nach drei Uhr hatte auch ich Brotzeit-Appetit entwickelt: Auf einem Bankerl am Bahnhof aß ich meinen Apfel und löffelte das Glas Skyr mit Leinsamenschrot.

Unterwegs hatte ich beim Anblick besonderer Blumen endlich mal konsequenter die App Flora Incognita genutzt und folgende Blümchen kennengelernt:

Weiße Pestwurz

Kalk-Glocken-Enzian (im Loisach-Moor)

Rote Lichtnelke

Auch zurück war die Bahn voll, es standen allerdings deutlich weniger Menschen in den Gängen.

Beim Wandern hatte ich meine Kappe nicht gebraucht, doch jetzt blendete mich die Sonne beim Zeitunglesen und ich nutzte ihren Schirm.

In München kauften wir auf dem Heimweg im Rewe Kleinigkeiten für aktuelle Ess-Ideen ein, trafen körperlich noch recht frisch zu Hause ein.

Ich setzte meine Körperpflegepläne um (Epilieren, Pediküre), entdeckte einen Hauch von Rot auf Nacken und Dekolleté – trotz LSF 50, aber es gab halt noch fast keinen Schattenschutz durch Blätter.

Zeit für Aperitiv:

Ich mixte uns Green Monkeys (wegen Sahnerest im Kühlschrank). Herr Kaltmamsell kochte als Nachtmahl die Ernteanteil-Karotten mit Einkorn, Feta und den vorhandenen Kräutern Dill sowie Korianer zu einer köstlichen Karottenpfanne. Dazu das Restl Rotwein vom Vorabend. Nachtisch Osterschokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich schloss Leon Engler, Botanik des Wahnsinns ab – bis zuletzt gern gelesen, aber bis zum Schluss mit konstantem Schreibwerkstattverdacht.

Journal Dienstag, 14. April 2026 – Harte Arbeit

Mittwoch, 15. April 2026

Ein sehr düsterer Morgen mit nassen Wegen und Straßen. Ich marschierte unterm Schirm in die Arbeit, obwohl die Nieseltröpfchen so winzig waren, dass ich sie nicht mal auf dem Schirm hörte. Doch ich wusste, dass sie ohne Schirm meine Brille blind sprühen würden und ich nach der guten halben Stunde Weg durchfeuchtet ankommen würde.

Geordneter Arbeitsbeginn, es kündigte sich sogar eine besonders spannende Aufgabe für den weiteren Verlauf des Tages an. Nach einer Abstimmung zog das Tempo allerding massiv an: Mittagscappuccino nur schnell aus der Cafeteria, das weiterhin greisliche Wetter ließ mich das Ausfallen eines Marsches um die Blöcke verschmerzen.

Offizielle Geselligkeit verschob mein Mittagessen weit: Erst nach halb zwei kam ich zu Apfel, Orange, Hüttenkäse mit Leinsamenschrot – und das auch nur schnell reingeschaufelt, weil der nächste Termin anstand. Dem schloss sich ein Hochdruck-Arbeitsnachmittag an, nicht besonders spaßig. Dafür traf die spannende Aufgabe nicht ein – anscheinend auf Mittwochmorgen verschoben.

Aber auch dieser Tag hatte einen Feierabend. Weil ich mit Herrn Kaltmamsell zum aushäusigen Abendessen verabredet war, marschierte ich fast direkt nach Hause, mit nur einem kurzen Drogerie-Abstecher für Putzmittel.

Blütenpracht auch um die Anatomische Anstalt.

Mit Herrn Kaltmamsell ging ich wieder zum nahegelegenen Honghong Ramen, ich wünschte mir schon wieder die Nudeln mit Auberginen und Tomaten. Es ist sehr ungewöhnlich für mich, dass ich dasselbe Gericht mehrfach bestelle, doch beim zweiten Mal hatte es halt mindestens so gut geschmeckt wie beim ersten.

Heute mal bereits durchgemischt fotografiert. Gegenüber hatte Herr Kaltmamsell ebenfalls breite Ramen-Nudeln, diese aber mit geschmortem Rindfleisch. Außerdem bestellte ich chinesischen Gurkensalat. Alles schmeckte wieder ganz hervorragend – mal sehen, ob ich beim nächsten Besuch etwas anderes bestellen möchte.

Nachtisch gab es daheim: Osterschokolade.

Früh ins Bett zum Lesen: Leon Engler nahm mich in Botanik des Wahnsinns in eine Familie mit, die über Generationen von schwere psychische Erkrankungen und Süchten gezeichnet ist.

§

Menschen, denen vorgeworfen wird, sich in den Vordergrund zu drängen: Vielleicht, so der Verdacht nach einem Gruppenfoto-Termin mit Slapstick-Note, stehen manche vor allem deshalb oft im Vordergrund, weil alle anderen einen Schritt nach hinten machen? (Und bleiben dann trotzdem stehen, weil sie sich nicht so anstellen wollen wie die anderen.)

§

Maximilian Buddenbohm benennt in einem eigenen, nahezu monothematischen Blogpost das eigentliche Problem beim aufgeladenen Thema Barzahlung vs. Kartenzahlung: Es lässt sich auch für noch so Service-orientierte Kundinnen beim besten Willen nicht abschätzen, wo im Live-Einzelhandel was erwünscht ist.
“Anmerkungen zum Zahlungsverkehr”.

Nächtsten Samstag ist wieder Theresienwiesen-Flohmarkt, und bislang waren Flohmärkte für mich die allerbefestigtste Bastion der Barzahlung, möglichst passend, dafür sammelte ich üblicherweise bereits Wochen vorher Kleingeld. Noch ist offen, ob ich diesmal hingehe, aber die Recherche der aktuellen Zahlungsmöglichkeiten ist durchaus eine Motivation.