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Journal Dienstag, 3. November 2026 – #Uralub Tag 3 mit Schwimmen, Arztpraxen, Pasta-Kochkurs

Mittwoch, 4. November 2026

Sehr lang geschlafen, das fühlte sich sehr urlaubig an.

Das Draußen ließ voll den November raus, inklusive Kälte – das bin ich vom November gar nicht mehr gewohnt.

Tagespläne: Schwimmen, Cordhosen-Check, Rezepte in Arztpraxen holen, Pasta-Kochkurs.

Für die Umsetzung meiner Schwimmpläne ließ ich mich zum Olympiabad fahren, Herr Kaltmamsell kam auf meine Anregung mit.

Es war wirklich unangenehm kalt.

Doch auf den Bahnen war herrlich wenig los (das war meine Hoffnung gewesen: Schulferien geben Bahnen frei, die sonst möglicherweise mit Sportunterricht belegt sind), Schwimmen lief recht gut, bereitete mir aber nur in den mittleren tausend Metern echten Genuss. Schön hingegen Menschliches: Als eine Turboschwimmerin auf der Bahn merkte, dass sie mich mit ihrer Rollwende erschreckt hatte, bat sie von Herzen um Verzeihung – ich lachte und versicherte ihr, dass wir schon miteinander zurecht kommen würden. Als ich sie bei einer späteren Wende vorlassen wollte, erklärte sie: “Ich hab erst noch Pause.” Und überholte mich dann erst auf der nächsten Bahn. So mag ich das, wenn aufeinander geschaut wird.

Schwimmen macht schön.

Ich wünsche mir für diesen Winter eine braune oder grüne Cordhose und hatte einer Bemerkung entnommen, dass Uniqlo solche anbietet, die ja seit einiger Zeit einen echten Laden in München haben. Meine Rückfahrt führte daran vorbei, ich stieg also an der Münchner Freiheit aus und spazierte hin. Das Ladengeschäft erwies sich als vollgestellt mit Ware in engen, hohen Regalen, und wirkte sehr voller Kundschaft (ich kann nicht beurteilen, wie viel dieser Wirkung dem unglücklichen Ladenbau geschuldet war). Cordhosen fand ich der obigen Bemerkung folgend in der Herrenabteilung, doch sie wirkten minderwertig und so billig wie ihr Verkaufspreis, die wollte ich nicht. Ein wenig Umsehen beim Rausgehen verstärkte den Eindruck der Windigkeit aller Ware, die dort angeboten wird. Aber wie praktisch, dass ich das in einem echten Laden herausfinden konnte.

Daheim gab es zum Frühstück kurz vor zwei ein restliches Sellerieschnitzel vom Vorabend, außerdem Skyjolei.

Nächster Programmpunkt: In der Praxis meiner Gynäkologin und in der Hausarztpraxis holte ich mir die Rezepte für meine Dauer-Medikamente – dank Urlaub in aller Ruhe und nicht gehetzt nach Feierabend oder in einer Mittagspause. Beim Heimkommen nahm ich aus dem Keller Wintermantel und -jacke mit, im Ledermantel war es mir auf meinen Wegen zu kalt gewesen.

Vor dem abendlichen Kochkurs mit Abendessen brauchte ich noch Überbrückungsnüsse, ich war schon wieder hungrig. Nämlich: Ich hatte Herrn Kaltmamsell einen Pastakurs für zwei im Eataly geschenkt, in Form von Gutscheinen. Und er war so freundlich, als +1 mich mitzunehmen. Die Umwandlung der Gutscheine in eine Kursanmeldung hatte ihn viel Zeit und Mühen gekostet, online, telefonisch und mit Besuch vor Ort – das scheint nicht wirklich vorgesehen zu sein.

Aber wir schafften es, gestern Abend für den Kurs “Carbonara, Cacio e Pepe & Amatriciana” eingelassen zu werden. Und so ließen wir uns beibringen, wie man Eierpasta auf dem Brett zubereitet (hatten wir bislang immer mit der Küchenmaschine gemacht – ich fand es als durchaus Lebens-abhakend, mal die Pastamach-Fotos aus den Kochbüchern selbst umzusetzen), ließen uns die Arbeitsschritte hinter den Titel-gebenden Zubereitungen erklären und vorführen (Cacio e Pepe: eine Paste aus geriebenem Pecorino, Parmiggiano, Pfeffer mit Pasta-Kochwasser anrühren!).

Das alles in sowas Ähnlichem wie Englisch von den beiden italienischen Vorköchen, so war der Kurs auch angekündigt gewesen. Die drei Reihen mit Arbeitsplätzen für den Kurs waren fast voll besetzt, angenehme Stimmung mit u.a. Freundinnen-Paaren, Lebenspaaren, betagter Vater mit zwei erwachsenen Söhnen, Mutter mit Teenager-Tochter.

Anschließend gab es die Pasta dann zu essen, dazu Wein.

Cacio e Pepe

Carbonara (ebenfalls mit Eigelb und Käse als Paste mit Kochwasser angerührt), und dann noch Amatriciana (OHNE Peperoncino in der Sauce).

Schmeckte sehr gut, allerdings fand ich schon immer Eiernudeln dafür unpassend: Sie werden für meinen Geschmack immer zu dick und hart (ich besaß bereits als Studentin meine eigene Nudel-Walzmaschine). Wenn überhaupt selbstgemachte Pasta, dann bevorzuge ich die ohne Ei aus Hartweizengries – am besten passt meiner Ansicht nach für alle diese drei römischen Klassiker gekaufte, getrocknete.

Abschließend gab es noch italienisches Mürbe-Gebäck, das sehr gut und hausgemacht schmeckte.

Um halb elf waren wir daheim im Bett, ich ließ mich noch eine Weile von Andreu Martíns Don Jesús ins Katalonien der frühen 1990er nehmen (und hatte bereits beim Pasta-Abend Herrn Kaltmamsell vorgeschwärmt, wie darin geschickte Erzähltechniken funktionieren – im Gegensatz zum ärgerlichen Als Großmutter im Regen tanzte).

Journal Sonntag, 1. November 2026 – Monatseinstieg düster und kalt

Montag, 2. November 2026

Gut und lang geschlafen, diesmal ohne Anstrengung. Draußen Düsternis, dazwischen aber immer wieder so heftiger Sonnenschein, dass ich munter Rollladen runter – Rollladen hoch spielte.

Für meine Laufrunde an der Isar zog ich mich zweimal an. Einmal nur gegen die Kälte.

Aber als ich so hinaustrat auf die Straße, regnete es gerade ernsthaft, und der Himmel sah in alle Richtungen dunkelgrau aus.

Also zurück und für Regenschutz umgezogen.

Eine U-Bahn brachte mich zum Odeonsplatz, von dort lief ich in leichtem Regen los – der nach wenigen Minuten versiegte und trotz immer wieder dunkelstgrauen Wolken nicht wieder begann. Besser so als umgekehrt.

Ich lief recht fröhlich, genoss das krachend leuchtende Herbstlaub, und der Körper machte recht gut mit – sogar ohne eine prophylaktische Ibu, die ich schlicht vergessen hatte.

Lausbuben im Anmarsch.

Lausbuben am Ziel.

Unter der Kennedybrücke.

Erste Begegnung des Jahres mit der Schafherde des Nördlichen Englischen Gartens.

Die Laufrunde war mit 1 Stunde 53 unbeabsichtigt länger geworden als geplant, doch der Körper signalisierte keinerlei Schäden.

Mit Bus und U-Bahn zurück, kurz vor daheim Semmelkauf. Frühstück kurz nach eins: Apfel, Körnersemmeln mit den restlichen beiden Avocados (eine immer noch im Gummi-Stadium).

Bald danach klingelte es: Meine Eltern waren eigens aus Ingolstadt angefahren, um die Feigenbäumchen, die sie mir geschenkt hatten, auf dem Balkon mit Schutzumhüllung einzuwintern. Ich nutzte die Gelegenheit, Balkon- und andere Pflanzen neu zu verteilen, jetzt müssen nur noch die Hakenlilien reingetragen werden. Außerdem brachte meine Mutter Tischwäsche aus Familienbestand für unseren Tisch. Testauflegen ergab: Passt perfekt, wir können jetzt mit zwei edlen weißen italienischen Tischdecken gastgeben, beide bestickt und eine mit Klöppel-Einsätzen.

Wieder allein setzte ich meinen nächsten Sonntagsplan um: Bügeln – geht nur gut bei Tageslicht durch die großen Wohnzimmerfenster, das es in der dunklen Jahrezeit recht begrenzt gibt. Dabei hörte ich erstmal ein Deutschlandfunk-Feature über das Ende der Zeitschrift Emma, unter anderem weil Antje Schrupp darin zu Wort kommt – mit einer sehr klugen Einordnung (u.a.: Alice Schwarzer war nie repräsentativ für den deutschsprachigen Feminismus, sie war lediglich die lauteste und sichtbarste), Empfehlung:
“Der Feminismus hatte viele Stimmen – ‘Emma’ war eine davon”.

Zeitunglesen, ein Viertelstündchen Rückengymnastik, dann gab es zum Abendessen Zuckerhut aus Ernteanteil: Als Salat mit Orangen-Haselnussmus-Dressing und für etwas Substanz zwei harten Eiern. Doch es ist immer ein großer Teil Zuckerhut übrig. Nachtisch Lebkuchen und Schokolade.

Neue Lektüre: Andreu Martín, Marion Lütke (Übers.), Don Jesús in der Hölle. Bei einem seltenen Blick in die Bücherregale, spanischsprachige Abteilung, war ich darüber gestolpert: Recht sicher von mir Mitte der 1990er aus einem Remittendenstapel gefischt, keinerlei Erinnerung daran. Mein erster Impuls war Aussortieren, doch der Klappentext machte mir Geschmack auf eine Lektüre vor Aussortieren: Ein Krimi, der in Barcelona zur Zeit der Olympischen Spiele 1992 spielte. Und tatsächlich nahm mich der Roman gleich mal in die Dorfwelt der Provinz Lérida mit, in der es auch Anfang der 1990er nur ein Telefon im ganzen Ort gab, der Protagonist, ein schlecht gelaunter Landwirt mittleren Alters, gerade erst seinen ersten Traktor gekauft hat und bis dahin noch Ochsen vor den Pflug spannte. So war das in Spanien tatsächlich.

§

November also. Pläne:
– Eine Woche Urlaub mit endlich mal Besuch des Restaurants Wielandshöhe in Stuttgart
– Abendessen-Treffen mit Freundin und ihrer Schwester
– Weine von Judith Beck aus Gols bei feinem Essen im Münchner Mokum (schon länger auf meiner Liste)
– Zahn-OP für Implantat mit einer angekündigten Woche Krankschreibung (darin eine zweitägige Fortbildung online, vor vielen Monaten gebucht – die werde ich ja wohl schaffen)
– Klassentreffen – unter Vorbehalt, weil nach meiner Zusage ein Lokal gebucht wurde, das außerhalb der zivilisierten Welt mit Anbindung an öffentlichen Nachverkehr liegt. Meine Eltern haben bereits Fahrdienste angeboten – doch dass sie für eine 59-jährige Tochter noch Party-Shuttle spielen müssen, widerstrebt mir arg.

§

Ich habe ein großes Herz für architektonisches Danebengreifen (solange es nicht mich trifft): Gelegentliche Hässlichkeit hält meiner Überzeugung nach durch Stolpern die Wahrnehmung wach und frisch, während eine Umgebung aus ausschließlich gelungener Architektur die Gefahr des Einlullens in sich trägt.

Deshalb freute ich mich über die Überraschung eines Features im edlen AD-Magazin direkt aus dem München von Kir Royal:
“Zwischen James Bond und Achtziger-Glamour: Münchens wohl extravaganteste Villa steht kurz vor dem Abriss”.

via @sauerlauwarm

Gefühlt wurde ein kompletter italienischer Steinbruch verbaut; gewaltige Marmor­platten paaren sich mit ebensolchen Glasflächen, mit goldglänzendem Messing, verspiegelten Wänden und einem Parabolspiegelsystem als natürlicher Beleuchtung.

(…)

In der Garage gab es eine Drehscheibe zum Autoeinparken. „Bloß war“, erzählt Weiss, „der gepanzerte Rolls-Royce des Bauherrn viel zu schwer für die Mechanik, die daher versagte.“ Im Technikkeller, der mit seinen zwei gewaltigen Kühlräumen (einer davon nur für Wein und Champagner) und einer massiven Abluftanlage aussieht wie die Kommandozentrale für eine Marsmission, wohnt eine Steuerung, die heute selbst gestandene Elektriker vor fast unlösbare Rätsel stellt.

Journal Samstag, 31. November 2026 – Oktoberabschied mit letztem Gold und Kälte

Sonntag, 1. November 2026

Das Ausschlafen brauchte ein wenig Nachdruck: Als ich mich nach Aufwachen kurz nach fünf nochmal hinlegte, überschwemmte mich Unruhe, die ich durch Wiederholen der Wanderung in Gedanken nur mit Mühe in den Griff bekam. Richtig tief schlief ich nicht nochmal ein.

Aufgestanden mit Abknickung in Körpermitte: Diesmal hatte der Zauber von Herrn Kaltmamsells Bett, in dem ich geschlafen hatte, nicht gewirkt. Auch als Vorbereitung auf die Schwimmrunde griff ich zu Ibu.

Die Sonne kam nochmal raus, ich entschied mich fürs Dantebad als Schwimmort.

Allerdings war es weiterhin knackig kalt mit niedrigen einstelligen Temperaturen: Ich schützte meine Öhrchen, die auf Kälte schnell mit Schmerzen reagieren, und nahm eine U-Bahn zum Westfriedhof.

Die Bahnen im Dantebad waren weniger voll als bei dem schönen Wetter befürchtet. Auf den ersten 1000 Metern bekam ich tatsächlich Sonnenschein, dann bedeckte sich der Himmel aber. Gestern zur üblichen Samstagszeit erkannte ich vertraute Co-Schwimmer*innen wieder, darunter im Stil Wassersitz-Rücken mit Flossen sowie Brust-Zucken (Arme und Beine gleichzeitig halbherzig von sich werfen) – Hauptsache Spaß am Schwimmen!

Den Rückweg spazierte ich zum Teil: Zwischen Dantebad und Rotkreuzplatz mäanderte ich durch Gern.

Der Nymphenburg-Biederstein-Kanal hinterm Dantebad.

Es war immer noch einstellig kalt, ich brauchte Stirnband und Handschuhe. Am Rotkreuzplatz ein wenig Schaufensterbummeln.

Schon auf der Heimfahrt per U-Bahn merkte ich, dass ich mir diesmal einen heftigen Chlorschnupfen eingefangen hatte.

Frühstück um halb zwei: Äpfelchen, restliche Orangen-Linsen vom Vorabend (wirklich sehr köstlich – ich habe das Rezept festgehalten), und zwei kleine Avocados – drei Wochen nach Lieferung wurden sie dann doch cremig.

Nachmittag mit Siesta, Zeitunglesen, Internetlesen, Gymnastik.

Weil ich sehr große Lust auf Fleisch hatte, machte ich mir als Abendessen Kuh auf Wiese: Es gab restliche Endivie aus Ernteanteil und zwei Riesenblätter Zuckerhut, außerdem briet ich mir nach vielen Jahren SELBST ein Entrecôte! Schließlich hatte ich den Meister des Kurzgebratenen, Herrn Kaltmamsell, oft genug dabei beobachtet – ich tat es ihm einfach gleich (eiserne Pfanne SEHR heiß). Das Ergebnis wurde ganz wunderbar.

§

Ich las abends Trude Teige, Günther Frauenlob (Übers.), Als Großmutter im Regen tanzte aus und blieb verärgert.

Der Erzähl-Fauxpas “Hans, der, wie du weißt, dein Bruder ist” auf der ersten Seite war dann doch verräterisch: Viel weiter drüber kam die Erzählkunst des Romans nicht, Informationen für die Leserschaft werden gern in unglaubwürdige wörtliche Rede gepackt.

Es geht um eine Frau im Norwegen der Gegenwart (eben vor ihrem gewalttätigen Ehemann geflohen), die der verheimlichten Vergangenheit ihrer norwegischen Großmutter als Frau eines deutschen Wehrmachtsoffizier im Zweiten Weltkrieg auf die Spur kommt. Das Natürlich-eine-alte-Handschrift ist hier die gerne verwendete Handlungsmotivation eines unerwarteten Fotos, das nach Todesfall gefunden wird.

Wie praktisch, dass ein Ferienhaus-Nachbar auftaucht (attraktiv, freundlich, mit dem Ort vertraut, gleichaltrig und frisch geschieden – ZWINKERZWONKER), der Historiker ist und über genau dieses Thema promoviert: Er erklärt der Erzählerin und damit uns, wie das alles damals war und welche Mechanismen hinter Gewalt von Soldaten an Zivilbevölkerung stehen. Da verwendet selbst die Sendung mit der Maus originellere Vermittlungstechniken.

Die zweite Handlungsebene spielt in der Vergangenheit nach dem Zweiten Weltkrieg und wird personal (sowie mit anderer Schriftart, damit wir’s auch wirklich kapieren) aus Sicht der Großmutter erzählt: Zerstörung, Vergewaltigung, Hunger, Elend, Willkür.

Damit auch das untergebracht und in wörtlicher Rede erzählt werden kann, weiß der einstige Wehrmachtsoffizier bereits 1946 alles über KZs, von selbst und obwohl er seit Kriegsende auf seinem ehemaligen Gutshof sitzt, findet das natürlich ganz furchtbar und schimpft auf den bösen Hitler, auf den sie alle reingefallen sind.

Fazit: Wer die Gräuel der letzten Kriegstage des zweiten Weltkriegs und der Zeit direkt danach als unterhaltsame Urlaubslektüre schmökern möchte – das ist was für Sie.

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Mizgîn Bilmen nimmt das “…es kamen Menschen” wörtlich und fordert eine andere Erinnerungskultur an Gastarbeiter*innen:
“65. Jahrestg des Anwerbeabkommens
Hört ihnen zu!”

Eine Erinnerungskultur, die ausschließlich die Arbeitsleistung anerkennt, übernimmt ungewollt Perspektiven aus der Zeit, in der die Anwerbung einst organisiert wurde: Menschen werden nur als Arbeiter, in ihrer Funktion in dem Land, in dem sie arbeiten, wahrgenommen.

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Schönheit zum Sonntag:
Die atemberaubende Steptänzerin Ariel Hyatt stept zu “Tubular Bells” – und zu DER Filmmusik von Bernard Herrmann.
(So sehen übrigens ihre Choreo-Aufzeichnungen aus.)

Journal Mittwoch, 28. Oktober 2026 – Denk-Gestrüpp und Fotogalerie Grabmäler

Donnerstag, 29. Oktober 2026

Vom Wecker aus tiefem Schlaf in tiefe Unwilligkeit gerissen worden. Die Aussicht auf schmerzhaftes Aufstehen half nicht.
Musste halt. Mal wieder.

Auf dem Marsch in die Arbeit Herbst-angemessene Lufttemperatur, jahreszeitlich bedeckter Himmel, nochmal Oktoberbunt.

Seltsamer Arbeitsvormittag. Große Unruhe im Kopf, Gedankenverläufe wie ein Wollknäuel, nachdem eine Katze damit gespielt hat, wie dichtes Schlehenbuschgestrüpp (inklusive dieser bilderreichen Assoziationen ein mögliches Migräne-Symptom). Und dann bestand meine Arbeit auch noch in tausenderlei Kleinscheiß – ich glaube, eine größere Aufgabe, die mich mit Konzentration vereinnahmt hätte, wäre beruhigender gewesen.

Für berufliche Einkäufe nahm ich eine U-Bahn zum Hauptbahnhof. Draußen war es immer noch düsterer geworden, ich hoffte auf den vorhergesagten Regen.

Der prasselte erst, als ich zurück im Büro war, und dann auch nur kurz. Für meine mittägliche Runde um die Blöcke nahm ich zwar einen Schirm mit, benötigte ihn dann bei aller Düsterheit nicht (Talisman-Funktion).

Zu Mittag aß ich eine Banane in perfekter Vorreife sowie Mango mit Sojajoghurt.

Nachmittag mit erneutem Regen. UND! Ich bekam selbst gemachtes Sauerkraut aus Bulgarien geschenkt:

In ganzen Blättern im Glas, dazu Infos für klassische Verwendung in Bulgarien: Krautwickel, Suppe, kleingeschnitten in anderem Gemüse, für Korean Pancakes.

Gestern fand die Bürgerversammlung meines Wahlbezirks statt – und ich war nicht dabei: Als ich die Einladung bekam (dieses Jahr hatte ich vergessen, frühzeitig selbst nach das Datum nachzuschlagen), hatte ich für diesen Feierabend schon vor langer Zeit einen Termin bei meiner Kosmetikerin für Pediküre und Gesichtsbehandlung gebucht. Vor langer Zeit, weil diese Feierabend-Slots natürlich begehrt sind, deshalb auch nicht so einfach zu verschieben.

Statt dessen spazierte ich also zur Kosmetikerin und ließ mich zwei Stunden lang anfassen, freute mich im Gespräch über gute Neuigkeiten.

Daheim wartete Herr Kaltmamsell mit dem Nachtmahl auf mich: Ernteanteil war weggegessen, es gab Spaghetti mit scharfer Tomaten-Oliven-Kapern-Sauce, köstlich. Brotzeitvorbereitung, dann zum Nachtisch Schokolade.

Nach Häuslichkeiten nicht ganz so früh ins Bett zum Lesen. Trude Teiges Roman Als Großmutter im Regen tanzte macht mich einerseits gespannt darauf, wie es weitergeht, erzeugt dabei aber ein schales Gefühl, weil sie ein düsteres Thema schon arg auf Niveau deutscher TV-Mehrteiler inklusive Belehrung verarbeitet. Ich möchte den Empfehlerinnen solcher Bücher immer Ulrike Draesner, Die Verwandelten aufdrängen: SO geht das auch kunstfertig, vielschichtig und gut. (Oder sollte man umgekehrt Leser*innen davor warnen Draesner zu lesen, weil sie für jede oberflächlichere Fiktionalisierung des Stoffs verdorben werden könnten?)

§

Auf Mastodon gibt es das Meme #Fotovorschlag mit einem Thema für jeden Tag. Ich freue mich, wenn Accounts in meiner Timeline daran teilnehmen, weil sie großartige Fotos oder Einblicke posten. Selbst bin ich meist allein schon dadurch verhindert, dass ich meine Fotos nicht bei mir habe, also nicht auf meinem Handy speichere.

Doch gestern lautete das Thema “Besondere Grabmale” – und jetzt profitierte ich von den vielen Friedhofsbildern, die ich bereits hier im Blog gezeigt habe: Ich mag Friedhöfe sehr gern, finde sie hochinteressant und freute mich über das Wiedersehen mit meinen eigenen Fotos. (Ich habe nicht den leisesten Schimmer, wie es sich anfühlt, voll Schmerz trauernd am Grab eines geliebten Menschen zu stehen – möglicherweise ändert das dereinst mein Verhältnis zu Friedhöfen grundlegend. Aber bis dahin.) Deshalb hiermit nochmal gezeigt:

Liegender Grabstein in dichtem Grün, bei aller Verwitterung kann man die große Inschrift lesen: "Georg Simon Ohm"

2024: Auf dem Alten Südfriedhof in München für einen großen Widerstandskämpfer.

2025: Ehrengrab von Hedy Lamarr auf dem Wiener Zentralfriedhof.

2018: Erich Kästner auf dem Friedhof Bogenhausen.

2015: René Goscinny auf dem jüdischen Friedhof hoch über Nizza.

2017: Die Hausmeistermutter Elisabeth Kiermaier auf dem Alten Südfriedhof in München. Grabinschrift:

“Hier ruhen in Gott
Engelbert Kiermaier
25 Jahre Hausmeister im
kath. Zentralgesellenhaus
*30.10.1862 +17.12.1925

und seine Mutter
Elisabeth Kiermaier
*26.10.1821 +21.2.1906“

2021: Ehrengrab von Johannes Heesters (nein, der lebt nicht mehr) auf dem Münchner Nordfriedhof.

2020: Außenmauer des alten jüdischen Friedhofs in Frankfurt.

2022: Alter Südfriedhof in München während Corona.

2023: Grab von Irish Travellern auf dem Brighton Cemetery.

2018: Rainer Werner Fassbinder auf dem Friedhof Bogenhausen.

§

Zugfahrten können das Herz auch wärmen, lesen Sie zum Beispiel aktuell bei Vanessa Giese:
“Noch ein Freibadschwumm, ein Schnittbier und Zug-Erlebnisse”.

Journal Montag, 26. Oktober 2026 – Warum mich die Kommentare in diesem Blog irgendwann zu sehr belasteten

Dienstag, 27. Oktober 2026

Irgendwie kam es dazu, dass zum Blogpost über den Sonntag die Kommentarfunktion freigeschaltet war – was die eigentliche Komplettblockade eine Ebene drüber offensichtlich überstimmte. Und schon landeten wieder ein Tipp darin, ungebeten und ohne Zusammenhang mit dem Blogpost. Und schon war ich geradezu panikartig gestresst. Deshalb hier die Zusammenfassung, warum mir mein Blog kommentarfrei so viel mehr Freude bereitet.

In den ersten vielen Jahren meines Bloggens kannte ich die Kommentator*innen, denn sie hatten eigene Blogs, in denen ich sie kennenlernte. Zudem hatten sie unverwechselbare Namen, nämlich selbst gewählte Nicks (Anke Gröner war die eine große Ausnahme – dadurch aber ebenfalls unverwechselbar).

Doch irgendwann waren die Absender*innen von Kommentaren immer öfter random Christines und Petras, ich hätte bei jeder NinaSabineBeate die E-Mail-Adresse checken müssen, um welche von den verschiedenen es sich bitte handelte – nein. Ich kannte immer weniger von den Menschen, die Kommentare hinterließen, konnte mir mangels Publikationen oder auch nur Spuren an anderem Ort auch kein Bild von ihnen machen. Und sie verwendeten das Kommentarformular für ihre eigenen Posts, die sehr oft in einem eigenen Blog viel besser aufgehoben gewesen wären. Oder sie versuchten durch Kommentare, mein Leben mitzubestimmen.

In diesem Sommer gab es ein wunderbares Beispiel bei Frau Brüllen, hier unten.
Dabei versteht niemand den Mitteilungs-Impuls besser als wir Bloggerinnen – aber deswegen haben wir ja ein Blog. Fürs Bloggen die Kommentarfunktion anderer Leut’ Blogs zu nutzen, hat etwas Schmarotzerhaftes.

Zumal ich das ja alles lesen musste, ob es mich interessierte oder nicht, selbst die Ergüsse irgendwann leider sehr gut erkennbarer Absenderinnen: Als Betreiberin des Blogs bin ich für alle Inhalte verantwortlich, auch für diejenigen, die andere reinschreiben.

Küchenpsychologisch erkläre ich mir viele Mitteilungs- und Beeinflussungsimpulse in den Kommentarfeldern von Tagebuch-Blogs so, dass die Leser*innen Nähe fühlen, sich für den Alltag der Blogger*innen interessieren – daraus aber instinktiv und fälschlich folgern, dass auch die Autor*innen sich für sie und ihren Alltag interessieren, dass also Gegenseitigkeit besteht. Sie projizieren ihr eigenes Erleben.

Wenn ich auf Eigenlebensrecherche bei alten Blogposts lande, bin ich immer wieder bestürzt, wie viel Übergriffigkeit ich mir in den Kommentaren gefallen habe lassen – ALLES wurde beurteilt und bewertet, einst musste ich mich sogar dafür abkanzeln lassen, dass ich Fotos von Speisen veröffentlichte. Und es waren dann genau die Leute, die regelmäßig kompletten Blödsinn kommentierten, den ich zähneknirschend schweigend stehen ließ, die maulten, ich ließe keine anderen Meinungen gelten.

Wichtig auch hier: Not all Kommentator*innen – ich erhielt sehr oft und viele bereichernde Impulse, profitierte von Kommentaren, herzlichen Dank dafür! Zum Beispiel erfuhr ich auf der Bloglesung, dass weitere Menschen über mein Blog auf die Gymnastik von Gabi Fastner gekommen sind: Darauf stieß mich ein Kommentar hier (nachdem ich um Empfehlungen gebeten hatte), wie wundervoll.

Vielleicht mögen Sie es so sehen: Ich erspare Ihnen die Überlegung, ob ihr eigener Gesundheitstipp nicht vielleicht doch so wichtig ist, dass er meine innige, dringliche, ernste gegenteilige Bitte überstimmt. Oder ob das Ignorieren dieser innigen, dringlichen, ernsten gegenteiligen Bitte sie vielleicht zur blöden Kuh macht.

Und vielleicht bringe ich die eine oder den anderen Mitteilungsbedürftige*n ja doch dazu, rüber zu WordPress zu gehen (zum Beispiel) und sich ein eigenes Blog zu erstellen.

Kommentare zu meinen Blogposts bekomme ich immer noch: auf Mastodon. Das fühlt sich ein wenig wie in den ersten Jahren des Bloggens an, denn diese Leute kann ich wieder über ihren eigenen Kanal kennenlernen, nämlich über ihren Mastodon-Account. Den sie im Idealfall auch nicht unter ChristineNinaSabineBeate führen, sondern unter einem wiedererkennbaren Nick.

Und Kontakt zu mir können Sie ja weiterhin aufnehmen: E-Mail an die Adresse Links.

§

Nach recht gutem Nachtschlaf gut in die Arbeit gekommen, die vergessenen Handschuhe beeinträchtigten mich trotz deutlich einstelliger Temperaturen nicht.

Im Büro hob ich mit meinem Outfit nicht nur die eigene Laune, sondern auch die erfreuter Kolleginnen. Allerdings entdeckte ich auch recht früh, dass zu den ohnehin vielen Fingern, auf die ich aktuell genau schauen muss, weitere gekommen waren, die ich für sicher gehalten hatte. Anstrengend.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, nach zwölf ein Marsch um die Blöcke in angenehm frischer Luft und vereinzelten Sonnenstrahlen.

Zu essen gab es später einen großen Apfel sowie Mango mit Sojajoghurt.

Arbeitsnachmittag recht emsig, das Draußen sah freundlich durchs Bürofenster. Doch die Winterzeit mit ihrem helleren Morgen hat ihren Preis: Noch vor 17 Uhr musste ich Kunstlicht zuschalten.

Meinen Heimweg trat ich nach Feierabend also im fast ganz Dunklen an. Unterwegs Einkäufe im Drogeriemarkt und beim Vollcorner, außerdem schlug ich in einem Pop-up Lebkuchen Schmidt zu.

Zu Hause Räumen, Wäscheaufhängen, eine Runde Pilates – fast zu anstrengend.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den Pakchoi aus Ernteanteil chinesisch und mit Reis. Nachtisch Süßigkeiten, unter anderem Dominosteine von Lebkuchen Schmidt – eine ganz andere Nummr als die Supermarkt-Ware.

Früh ins Bett zum Lesen. Ich hatte Naomi Mitchison, Travel Light ausgelesen, wirklich schön und speziell, punktgenau traf die Benachrichtigung der Stadtbibliothek ein, dass das vorgemerkte Als Großmutter im Regen tanzte von Trude Teige, Günther Frauenlob (Übers.) zur Verfügung stand. Das startete ich gestern (und wurde gleich auf der ersten Seite von einer Variante der Informationsvermittlungstechnik “Hans, der, wie du weißt, dein Bruder ist.” rausgerissen – ging aber besser weiter).

§

Gesammelte Blogposts über die Bloglesung am Samstagabend (im Fall ergänze ich in den nächsten Tagen, damit alles an einem Ort ist):
– Organisatorin Frau Klugscheißer
– Mitlesender Markus Pfeifer
– Mitlesende Novemberregen
– Mitlesende Vanessa Giese

– Herzbruch
– Herr Rau
– loosy
– Stadtneurotiker
– Crocodylus

Journal Sonntag, 25. Oktober 2026 – Right now 2026

Montag, 26. Oktober 2026

Kleine Serie, hier begonnen, vom Erfinder ganz anders gemeint, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014 fortgesetzt. 2015 musste ich offline nehmen, 2016 hatte ich keine Lust. 2017 zum ersten Mal abends erfasst, dann wieder 2018 und 2022, 2023, 2024.

Ich lese… die Wochenend-Süddeutsche – erst am Sonntag statt am Samstag, wie auch dieses “Right now” wegen der Bloglesung inklusive Übernachtungsbesuch einen Tag hinterher hinkt. Dann die Mastodon-Timeline von zwei Tagen nach.

Ich trage… meine 501-Jeans und ein über 30 Jahre altes, aber nur wenig abgeschubbertes bretonisches Fischer-Shirt – pragmatische Wochenendkleidung.

Ich habe… derart nichts vor an einem Sonntag wie schon sehr lange nicht mehr.

Ich höre… draußen Regen und Wind, aus der Küche den Dunstabzug, mit dem Herr Kaltmamsell den Geruch des garenden Schwarzkohls fürs Abendessen abtransportiert.

Ich trinke… Leitungswasser.

Ich esse… heute möglicherweise bereits vor dem Abendessen eine Kleinigkeit. Da ich heute schon vor zwölf echten Frühstückshunger hatte und mit Apfel, Semmeln und Käse stillte, rechne ich mit vorzeitigem Bedarf. Ungewöhnlich, weil ich seit einigen Jahren nur zweimal am Tag esse und dazwischen fast nie Lust auf Snacks habe.

Ich stehe… heute endlich wieder etwas leichter auf nach Liegen oder Sitzen als an den Tagen davor, das Aufrichten ist nur noch mit wenigen LWS-Schmerzen verbunden.

Ich gehe… heute ganz sicher nicht mehr raus. Die Sehnsucht nach Luft und Bewegung wird durch Müdigkeit und windigen Regen erstickt.

Ich lache… heute deutlich weniger als gestern – aber da bekam ich ja einen Abend lang viel zu lachen.

Ich sehe… durch zwei großen Fenstern hinaus in bunt herbstbelaubte Bäume, von Wind und Regen geschüttelt. Nach der Zeitumstellung sehe ich sie heute sehr wahrscheinlich nicht mehr lang, bevor die Dunkelheit sie verschluckt.

Ich mag…, wie die vergangenen beiden Tage in mir nachklingen, vor allem die viele Gespräche mit dem Übernachtungsgast.

Ich schreibe… weiterhin sehr viel sehr oft. Jüngst las ich in einem Interview mit Helga Schubert, dass sie zu den Schriftstellerinnen gehört, die ebenfalls unaufhörlich schreiben, schreiben, schreiben. Heutzutage weiß ich, dass das keineswegs in Umkehrung bedeutet, dass solche Dauerschreibenden Schriftstellerinnen sind: Manche schreiben halt einfach so.

Ich weiß… gleichzeitig immer mehr und bekomme dadurch eine immer klarere Vorstellung davon, wie viel es noch zu wissen gäbe. (Dann wieder: Kürzlich wurde ein neuer Kollege durch die Büros geführt. Mich stellte man vor mit: “Die weiß alles.” Der Einfachheit halber und um eines möglichen Lachers willen reagierte ich mit einem schlichten: “Ja.”)

Ich möchte… immer noch nicht, und immer noch belastet mich das manchmal mehr, manchmal weniger. Derzeit ist es erträglich.

Einen Tag hatte ich schon auch. Er begann mit eher unausgeschlafenem (weil vor Aufgekratztheit schwer eingeschlafen) Aufwachen, der Blick aus dem Fenster überraschte mich mit Helligkeit. Es war dann erst eine Bemerkung des Herrn Kaltmamsell neben mir, der mich an die Umstellung auf Winterzeit erinnerte; ich hatte also eine Stunde mehr geschlafen als beim Blick auf die Uhr angenommen. Erste Erledigung des Morgens: Uhren stellen.

Das Draußen war ausgesprochen unwirtlich mit Regen. Nach Morgenkaffee zog ich mich an und ging Semmelholen unterm Schirm. Ich hatte gerade mal den Tisch gedeckt, als die Besucherin aufstand. Zu dritt setzten wir uns an den Frühstückstisch, hatten über Signal ein wenig Kontakt zu den anderen Aktiven des Vorabends, die Besucherin stimmte ihre Rückreise ab. Vermutlich weil ich am Vortag nicht recht viel gegessen hatte, bekam ich noch bei gedecktem Tisch richtig Hunger und frühstückte.

Vor dem Zwölf-Uhr-Läuten verabschiedeten wir uns vom Besuch.

Nachmittag bei prasselndem Regen mit verspätetem Bloggen, dann Räumen, Zeitunglesen, einer guten Stunde Siesta, keinem Bügeln, Internetlesen, einer besonders wohltuenden halben Stunde Pilates.

Zum Nachtmahl (ich brauchte dann doch keinen Snack zuvor) verarbeitete Herr Kaltmamsell den Schwarzkohl aus Ernteanteil auf norddeutsche Art, er hatte dazu beim Vollcorner Kohlwurst gekauft. Schmeckte ganz hervorragend, die Kohlwurst erinnerte an Ingolstädter Bauernwürscht. Nachtisch Schokolade…

… und Leserinnen-Kekse, sehr fein und köstlich.

Früh ins Bett zum Lesen, weiterhin gerne in der nüchtern erzählten magischen Welt von Naomi Mitchison, Travel Light. Wenn es den ganzen Tag nicht richtig hell wird wie gestern, ist es für mich noch einfacher als ohnehin, den Rat zu befolgen: Nach Wechsel zu Winter- oder Sommerzeit überhaupt nicht erst mit Nachrechnen anfangen, sondern sofort in der umgestellten Zeit leben.

Journal Samstag, 17. Oktober 2026 – 1000-Teile-Puzzle-Oktoberfarben

Sonntag, 18. Oktober 2026

Unruhige Nacht, benommenes Aufstehen. Milchkaffee und Ibu 400 richteten das aber schnell.

Wir finden und töten weiterhin Mehlmotten und ihren Nachwuchs in der Wohnung, auch abseits der Küche. Herr Kaltmamsell hat mittlerweile ein kleines Vermögen in schicke Mepal-Plastikdosen investiert, kaufte gestern für weitere Vorräte nach.

Für meinen Isarlauf hatte ich mir etwas Neues ausgedacht, das nur zur Hälfte klappte. Die U-Bahn-Verbindung nach Thalkirchen ist ja jetzt nach Oktoberfest-Magie wieder wegen Bauarbeiten unterbrochen, meine Idee war: Von daheim aus bis Pullach laufen, von dort mit der S-Bahn zurückfahren. Was klappte: Von Haustür über gewohnte Wege an der Isar bis zum S-Bahnhof Pullach lief ich (mit zahlreichen Foto-Stopps) gut 90 Minuten (Selbstbeschränkung, weil ich auch am Sonntag laufen will), das machte selbst unter düsterem Himmel richtig Spaß. Was dann nicht so toll war: 20 Minuten Warten auf S-Bahn, 30 Minuten Fahrt bis – wegen Bauarbeiten Stammstrecke – Endstation Hauptbahnhof, zusätzliche 15 Minuten Fußweg nach Hause. Auf diese Relation Joggen-Heimfahrt werde ich wohl nicht oft Lust haben.

Doch der Körper spielte hervorragend mit, die Ibu mag geholfen haben (anfängliches Zwicken an der linken Kniescheibe durch Quadrizeps-Dehnen wegbekommen), und der Oktober ist gerade in seiner 1000-Teile-Puzzlemotiv-Phase.

Die Flosslände für den Winter abgelassen.

#ÖPNVStarren

Daheim war ich dann doch irgendwann, meine Frühstückssemmeln hatte ich in einer Pullacher Bäckerei während der Wartezeit auf die S-Bahn besorgt. Frühstück noch vor zwei: Trauben, Feigen, Körnersemmeln, eine davon mit einer letzten sensationellen gelben Tomate aus Ernteanteil.

Und dann raffte ich mich zum Backen auf! Das interessanteste Rezept ist ja immer das zuletzt entdeckte, und das war von David Lebovitz: Miso walnut chocolate chip cookies. Las sich am Donnerstag beim Entdecken abgefahren und machbar, ich setzte die Zutaten umgehend auf die Einkaufsliste. Miso, das wusste ich, hat Herr Kaltmamsell eh immer im Haus, allerdings, so lernte ich am Freitag, immer nur eine Farbe, und die ist derzeit braun. Er überzeugte mich, dass auch dunkles Miso für das Rezept taugte, riet allerdings zu einer geringeren Menge.

Die Walnüsse hatte ich schon vor dem Isarlauf mit Miso karamelisiert, jetzt machte ich den Rest. Und stieß dabei auf ein Zeichen der Zeit und ein ganz neues Risiko beim Backen: Ich war auf 80-Gramm-Tafeln Schokolade reingefallen. Im Vollcorner hatte ich zu meiner üblichen 70-Prozent-Backschokolade von Vivani gegriffen und nicht gemerkt, dass diese nicht mehr 100 Gramm schwer sind. Also ab sofort KEINERLEI gewohnte Standard-Größe mehr voraussetzen, merke ich mir für den Zutatenkauf für die Weihnachtsbäckerei. Ich möchte hier @daszeiserl zitieren: “80g Schokotafeln sind ehrlich wahr der Untergang des Abendlandes.”

(“Drei Stücke, Obelix.”)

Nachmittag mit Bloglesungsvorbereitung und Zeitunglesen, draußen versuchte es ein wenig zu regnen.

Eine halbe Stunde Pilates, bevor ich die Drinks des Abends rührte. Herr Kaltmamsell hatte sich Manhattans gewünscht, ich verrechnete mich bei den beiden Wermut-Zugaben – gab es halt doppelte Manhattans.

Aber dann sonst keinen Alkohol mehr. Hicks.

Basis des Nachtmahls war der Mangold aus Ernteanteil, den Herr Kaltmamsell mit Belugalinsen als Spaghgettigericht servierte, sehr gut.

Zum Nachtisch jeder einen der Riesen-Cookies: Waren auch mit 15 Gramm weniger Schokolade wegen Schummel-Tafeln sehr gut geworden, allerdings schmeckte ich nicht viel Unterschied durch das Miso (im Vergleich zu den eh schon sensationellen Chocolate Chip Cookies von David Lebovitz).

Im Bett begann ich die nächste Lektüre, auf die ich durch einen Hinweis in This Is How You Lose the Time War gestoßen war: Naomi Mitchison, Travel Light, veröffentlicht 1952.

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Donnerstagabend hatte ich Siri Hustvedt, What I Loved ausgelesen und bin sehr beeindruckt von dem Roman. Nur: Eigentlich habe ich gelernt und bin stolz darauf, meine Reader Response nachvollziehbar erklären zu können; in diesem Fall fühle ich mich hilflos. Ich weiß nicht recht zu sagen, warum ich dieses Werk so außerordentlich gut finde. Mich beeindruckte, dass Hustvedt aus der Ich-Perspektive eines Mannes schreibt, durchwegs glaubwürdig. Wie ich alle Figuren der Handlung glaubwürdig finde: Seine Frau Erica, das befreundete Paar Bill und Violet.

Ich begleitete diese Menschen durch einige Jahrzehnte ihres Lebens in New York, durch ihre Elternschaft, durch ihre Berufe, die alle mit der einen oder anderen Form des Kunstschaffens zu tun haben. Besonders beeindruckten mich die Beschreibungen vieler, vieler fiktiver Kunstwerke, dazu die der Kunstwelt, in der sie rezipiert werden. Ich lebte beim Lesen Alltag mit und ihre Randfiguren, Körperlichkeit, Trauer und andere tiefen Gefühle. Das tat ich in den Romanen von Sigrid Nunez auch, und doch sind sie völlig anders. Obwohl die Werke beider Frauen verbindet, dass ihre sprachlichen Mittel im Hintergrund bleiben.

Dann gebe ich mein Scheitern bei der Vermittlung meiner Begeisterung halt zu. Wenn Sie sich für Menschen interessieren und für Kunst, hohes literarisches Handwerk mögen – dann ist dieser Roman vielleicht etwas für Sie.

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Leben in hohem Alter – taz-Autorin Laura Catoni recherchiert, wie Menschen ohne Kinder oder sonstige nahe Angehörigen das machen.
“Gemeinschaft im Alter
Was kommt vor dem Tod?”.