Bildungsbürde

Freitag, 27. August 2004 um 9:14

Wir alle kennen den tragischen Konflikt, die korrekte Aussprache eines bestimmten Wortes oder Namen zu kennen, gleichzeitig aber zu wissen, dass wir bei Anwendung der korrekten Aussprache für ein arrogantes Arschloch gehalten würden. Das kann einem den schönsten Empfang nach Filmpremieren vermiesen.

Faustus nimmt sich des Problems an und löst es am Beispiel von Ayn Rand.

The world is, alas, full of people who fail to navigate successfully the Scylla of incorrectness and the Charybdis of pretension.

die Kaltmamsell

9 Kommentare zu „Bildungsbürde“

  1. zeitgenossen meint:

    Jetzt kann ich endlich mal: Du weisst, dass ich Dich liebe?

  2. zeitgenossen meint:

    Also natürlich hät ich schon vorher 1000 Mal gekonnt, ach verflixt.

  3. leu meint:

    hmm, komm ich nicht draus was ihr hier schreibt, wollte eigentlich zum beitrag loswerden dass ich das oben beschriebene gefühl nicht kenne. im fall

  4. Anke meint:

    Ich mache gern das arrogante Arschloch. Obwohl ich keinen der Menschen damals an meiner Kinokasse zurechtgewiesen habe, wenn sie den Namen eines unserer Säle falsch ausgesprochen haben. Raten Sie mit: Ein Saal hieß Berlin, ein anderer Venedig, und der dritte Saal wurde gerne als Zannes oder Kejns bezeichnet. Na?

  5. Stefan meint:

    In den großen Multiplex-Kinos werden die Säle noch mit Nummern gekennzeichnet :-)

  6. die Kaltmamsell meint:

    Kejns ist seeeehr schön. Ach, die Aussprachen meiner Kindheit. Manche verwende ich bins heute wider besseres Wissen, aus reiner Nostalgie. Schperrips zum Beispiel.

  7. baehr meint:

    und nun muss ich doch die Geschichte auspacken von dem Elternpaar aus einer norddeutschen Kleinstadt, die ihren Sohn vor dreißig Jahren nach dem großen Bonddarsteller Sean Connery benannt haben. Und das spricht sich ja, so dachte auch ich sehr lange, „Ssien“ aus. Und so heißt der Mann bis heute, obwohl er inzwischen natürlich weiß, wie sein Name eigentlich ausgesprochen wird. Aber soll er deswegen plötzlich anders heißen? Seine Eltern ihn anders nennen? Ein Dilemma.

  8. Gonzo meint:

    Ich habe hier im englischsprachigen Ausland immer das gleiche Problem, wenn sich ein deutsches oder franzoesisches Wort in meinen englischen Satzbau schleicht. Soll ich’s so aussprechen, wie ich nun mal weiss, dass es ausgesprochen gehoert, oder soll ich’s erst durch die Native-Speaker-Sprachmuehle drehen? Sehr geholfen hat mir da ein Radiopsychiater aus Seattle, der immer bei nichtenglischen Woertern betonungsmaessig noch einen draufsetzt, so nach dem Motto, ich weiss ja, dass ich ueberheblich klinge, nun regt euch wieder ab….

  9. Hammermatz meint:

    Normalerweise flechte ich Fremdwörter möglichst reibungslos in meine Rede ein, das heißt, ich spreche sie so aus, dass sie lautlich gesehen deutsche Wörter sein könnten: Sprite [Schpreit] wie „eine Tischdecke ausspreiten“, Jeans [Tschiens]. Nichts anderes ist mit den mittlerweile zu Lehnwörtern gewordenen Keksen, Pizzas, Clowns, Couchs, Baguettes, etc. geworden, wovon man die letzten besser Klauns, Kautschs, Bagetts schriebe. Als sprachwissenschaftliche Konstante gilt hier, dass ein Fremdwort, je mehr es gebraucht wird, sich auch umso eher in seiner Aussprache eindeutscht.

    Das ist ein völlig natürlicher sprachlicher Prozess, der übrigens im Ausland überhaupt nicht in Frage gestellt wird: Ein Franzose oder Engländer wird sich gewiss nicht die Mühe machen, Wörter wie „wasserfall, leitmotiv, wasistdas“ (deutsche Fremdwörter im Französischen) bzw. „bratwurst, kindergarten, gemütlichkeit“ (dt. Fremdwörter im Englischen) mit einem authentischen deutschen Akzent zu realisieren!

    Außer dem dass original ausgesprochene Fremdwörter den muttersprachlichen Satzfluss ziemlich ins Stocken bringen können und den Zuhörer unter Umständen von der Satzaussage ablenken, sehe ich ein weiteres Problem bei der lautgetreuen Wiedergabe von Fremdwörtern darin, dass wohl niemand die Phonetik aller Sprachen beherrscht, woraus die deutsche Fremdwörter geschöpft hat. Dieselbe Person, die sich darüber aufregt, dass ich Pussel statt Puzzle [Passel] sage, beherrscht höchstwahrscheinlich selbst nicht die korrekte Aussprache des Namens irgendeines chinesischen Politikers; und wir müssen noch nicht einmal über die Grenzen Europas hinaustreten.

    Es gibt selbstverständlich Situationen, in denen die lautgetreue Wiedergabe eines fremdsprachlichen Ausdrucks hilfreich und sinnvoll ist, z. B.: „Für die Redewendung ‚vom Regen in die Traufe kommen‘ sagt man auf Französisch ‚tomber de Charybde en Scylla'“. Es ist aber selbstüberschätzend und kurzsichtig, die fremdsprachlichen Lautungen von Fremdwörtern als alleingültige Norm anzusehen und die populären, natürlichen Lautungen in einer Anwandlung von Bildungsstolz als unkorrekt zu bekämpfen. Gerade in unserer Zeit der europäischen Einigung, gilt es, von erstickenden Normierungen Abstand zu nehmen und die Fülle der kulturellen und somit auch sprachlichen Erscheinungen zuzulassen.

    Ich möchte auch noch als Anregung zu bedenken geben: Die lateinische Sprache, zusammen mit der griechischen die Trägerin der abendländischen Kultur, hat in den einzelnen europäischen Sprachen ganz eigene lautliche Gestalten angenommen, ohne dass dadurch ihre Brauchbarkeit abgenommen hätte. Nein: dadurch dass sie jeweils ein anderes Kleid anzieht, ist sie erst universal geworden! Kurz: welches Wort sich einen Platz in einer fremden Sprache sichern will oder es gar zum Internationalismus bringen will, muss geschmeidig sein und Sprache an sich wirken lassen.


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