Romane und Filme auf der Theaterbühne

Dienstag, 13. Januar 2009 um 8:53

Verfilmungen historischer Stoffe, Filme „nach einer wahren Begebenheit“, Doku-Spielfilme statt erfundener Geschichten diagnostizierte heute Martina Koben im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung als aktuellen Kinotrend. Der Bezug zur Finanzkrise, den sie zieht, erscheint mir zwar konstruiert: Sollte nicht gerade das Auffliegen von angeblichen Fakten als manipulierende Märchen ein Misstrauen gegenüber Tatsachenbehauptungen schüren statt eine Sehnsucht nach „So war es wirklich“ hervorrufen? Förderten Wirtschaftskrisen bislang nicht eher den Bedarf an eskapistischen Stoffen mit heiler Welt? Doch die Veränderung in der Geschichtenbasis von Kinofilmen ist mir in den vergangenen Jahren ebenfalls aufgefallen. „Die traditionellen Erzähler misstrauen ihrer Erfindungskraft“, so der Untertitel des SZ-Artikels, scheint mir eher eine Erklärung.

Im Theater passiert vielleicht Ähnliches. Die ersten drei Stücke, die ich auf der Basis meines Abos sehe, sind die Dramatisierung eines Filmes (Hass), ein Stück nach einem Roman von 2004 (Schnee) und eines nach einem älteren (Hiob). Das mag schon Zufall sein (weiter geht es mit dem ganz frischen Stück Kaspar Häuser Meer von Felicia Zeller), aber in meinem ersten Leben als Theaterbesucherin, ca. 1973 bis 1988, sah ich ausschließlich für die Bühne geschriebene Geschichten. Auch hier ein Mangel an Vertrauen in Selbsterfundenes?

Nachtrag: Jetzt steht Frau Kobens Artikel auch auf der Website der SZ, allerdings mit anderer Überschrift.
Noch ein Nachtrag: Jetzt funktionieren auch die Links zu den Stücken – die Website der Kammerspiele macht einem Vieles nicht einfach.

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Romane und Filme auf der Theaterbühne“

  1. Chris K. meint:

    Ist wohl eher eine Frage des Marktes. Irgendwann sind Originalstoffe wieder populär, dann werden sie auch geschrieben, zur Zeit gibt es einen Markt für historische Stoffe und deren Adaptionen, also versucht man’s damit.
    Und das deutschsprachige subventionierte Theater hat sich die zeitgenössischen Autoren gründlich vergrault. Wo werden denn Autoren noch “gepflegt”, sprich: wer führt sie regelmäßig auf, wenn sie ein neues Stück geschrieben haben wie es z. B. im angesprochenen Zeitraum Peymann mit Handke und Peymann getan hat? Hinzu kommt, dass seinerzeit erfolgreich uraufgeführte Stücke durchaus von verschiedenen Bühnen nachgespielt wurden. Heutzutage verschwinden selbst “Renner” schnell in der Versenkung, das Nachspielen von Erfolgen ist die seltene Ausnahme. Da wendet sich ein Autor, der von seiner Tätigkeit leben möchte, doch gleich dem Fernsehen zu und schreibt Adaptionen.

  2. Chris K. meint:

    Pardon, sollte natürlich “wie es im angesprochenen Zeitraum Peymann mit Handke und Bernhard gemacht hat” heißen.

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