Archiv für Januar 2011

I survived Black Swan

Montag, 31. Januar 2011

Doppelt in die Irre geführt: Erst freute ich mich auf einen Ballettfilm, dann bekam ich gehörig Angst davor, und nun stellte sich heraus, dass er sogar für mich Schisserin anschaubar ist. Black Swan verwendet zwar reichlich Erzähltechnik aus dem Horrorgenre, doch seine Geschichte gehört ganz ins Filmgenre drama (kursiv gesetzt, weil ich das englische Wort meine; im Deutschen gibt es diese Filmkategorie meines Wissens nicht – oder wissen Sie ein eine deutsche Bezeichnung?). Horror-Topoi sind in Black Swan Großaufnahmen von Gesichtern aus verzerrenden Perspektiven, subjektive Wackelkamera, die nur einen unwichtigen Ausschnitt der Umgebung zeigt und orientierungslos macht, zudem Spiegelbilder, die sich von der gespiegelten Person unterscheiden. Doch die eigentliche Geschichte entfaltet sich dadurch, dass ganz aus der personalen Perspektive der Tänzerin Nina erzählt wird – Natalie Portmann legt wirklich eine atemberaubende Vorstellung hin.

Wenn Sie also eine ähnliche Schisserin sind wie ich: Seien Sie beruhigt, den Film können Sie sich ansehen.

Tron: Legacy

Sonntag, 30. Januar 2011

Vor zwei Wochen sah ich mir den ersten Tron zur Auffrischung und Vorbereitung noch mal an: Hat sich nicht gut gehalten. Die Optik ist immer noch einzigartig, wenn auch von der Sorte, die nicht stilbildend wurde. Aber der Rest: Handlung? Welche Handlung? Haarsträubend gestelzte Dialoge, Rumgeier zwischen Kinder- und Nerdfilm.
Und, was ich ganz vergessen hatte: Es wird ja gar nicht mit den Mechanismen und Besonderheiten der Computerwelt gespielt (Ausnahme: das Bit.). Doch Festplatte, Oberfläche, Programmiersprachen – nichts davon ist in der Handlung verwendet. Das einzige Element, aus dem sie sich bedient, sind die damaligen Computerspiele.

Und auch wenn ich die Fortsetzung Tron: Legacy für weniger zeitgebunden und deutlich besser halte: Das hat sich nicht geändert, sogar das Bit ist weggefallen. Die Welt, in der sich selbst der alltäglichste Computeruser heute bewegt, hat keinerlei Spuren in der virtuellen Welt des Films hinterlassen. Allerdings macht gerade das Tron: Legacy zur echten Fortsetzung von Tron. Es handelt sich eben nicht um eine allegorische Darstellung von Computerabläufen.

Wieder epochal und aus der Zeit gefallen ist das Design – das allerdings auch ohne 3D funktioniert hätte. Dass die Grundstruktur des Grid nicht den heutigen Stand der IT und der Computertechnik widerspiegelt, erklärt sich durch den Handlungsrahmen des Films: Flynn ist 1989 im Grid verschwunden, einem abgeschlossenen System. Und so muss das System auf dem technischem Stand von 1989 bleiben. Wir sehen immer noch hauptsächlich simple Computerspiele, zumindest erweitert um eine dritte Bewegungsdimension.

Die Dialoge sind signifikant besser geworden, pathetische Anklänge werden durch feine Ironie entschärft (“You’re messing with my Zen thing, man!”).
Dass ich beim Anblick des Hauptdarstellers Garrett Hedlund ständig an Klaus Augenthaler denken musste (ja mei, auch eine Fußballignorantin hat ihre inneren Bilder), kann ich dem Film sicher nicht vorwerfen; Hedlund macht seine Sache sehr gut.

Doch möglicherweise ist es nicht das Aussehen, das Film so besonders und gut macht, sonders sein Klang. Die Filmmusik von Daft Punk ist so speziell, dass ich sie mir sofort geholt habe. Sie lässt die Synthesizer der 80er, die Computerspiele der Zeit und das gesamte Filmgenre anklingen, ohne platt zu werden. Es steckt viel Koyaanisqatsi drin, aber auch Mozart und New Wave. Dazu kommt ein sehr kreatives Sounddesign. Bewegung, Geschwindigkeit, Zerstörung sehen im Grid nicht nur anders aus als in der Kohlenstoffwelt, sie klingen auch völlig anders.

Für sein Sound Editing ist Tron: Legacy Oscar-nominiert. Zum ersten Mal kann ich nachvollziehen, warum.

Zu meckern habe ich schon auch was. Der Film hat Längen, manche Inhalte hätte ich lieber gezeigt als erzählt bekommen, und der gute alte Tron selbst kommt mir zu wenig vor.

Sind Sie dabei?

Freitag, 28. Januar 2011

Ich habe mir den Montag danach schon mal als Urlaubstag eingetragen und plane wieder, live zu bloggen.

Lieblingstweets der letzten Wochen

Donnerstag, 27. Januar 2011

Kultur und Sprache: Vom Religiösen

Mittwoch, 26. Januar 2011

Es war ein Tweet, der mich zu diesem erleuchtenden Artikel im Guardian gebracht hat. Aber wie so oft habe ich den Link geöffnet, den Artikel selbst aber erst zwei Stunden später gelesen – und jetzt weiß ich nicht mehr, wer ihn getweetet hat.

Marie Dhumières schreibt unter “Bad translation makes fundamentalists of us all” über die Vielzahl von Gottesbezügen in arabischen Sprachen. Und welch falschen Eindruck es erweckt, wenn man die wörtlich nimmt.

I remember absurd conversations around the word [“Inshallah”] when I first arrived in Syria 18 months ago:
“Ok, so I’ll see you tomorrow Inshallah”
“Oh you’re not sure, should I call back later?”
“No it’s fine I’ll see you at 6.30.”
“Ok, see you tomorrow then.”
“Inshallah.”
No, no, it’s not about God’s will, I will see you tomorrow.

The same goes with “Praise be to God” (Alhamdulilah), which can mean “I am fine”, “Cool, the electricity is back” or “Ah, you finally managed to pronounce this word”, and so many other things.

When you come back from a trip people say “Praise God for your safety”, and you should answer “May He keep you safe.” But what it really means is “Welcome back” and “Thanks”. At the end of a meal at someone’s house, you should say “May God always provide you with food”, and they would answer “May He give you health.” But again, it means “Thanks, it was delicious” and “Really? Thank you, you’re adorable.”

Ich musste gleich an die blumigen Alltagsmetaphern im Spanischen denken, die zum Beispiel die Übersetzungen von Lorca-Theaterstücken im Deutschen ungeheuer poetisch erscheinen lassen. Oder, am anderen Ende der Sprachskala, die spanischen Flüche. (Ich erwähnte hier schon mal, dass ich vor allem im Straßenverkehr beim Fluchen reflexhaft ins Spanische falle – es liegt mir in dieser Gemütslage einfach näher.) „Ich scheiß auf die Hostie“ ist ja auch religiös. Und kann durchaus auch besonders große Anerkennung ausdrücken – entsprechend dem bayerischen „Ja leck mi am Oasch!“.
(Einordnen unter „,Wie geht’s?’ muss keine ernsthafte Frage nach dem Befinden sein”.)

Sonntagsbraten für vier Elterns

Montag, 24. Januar 2011

Es war schon Jahre her, dass wir seine und meine Eltern zum Essen eingeladen hatten. Eigentlich schade, denn nicht nur verstehen wir uns alle Sechse sehr gut, nicht nur genießen die vier Stück Eltern es, einander und uns zu sehen – es sind auch verpasste Gelegenheiten, diese lieben Menschen mal rundum zu verwöhnen. Gestern schufen wir endlich eine Gelegenheit und luden sie zu uns nach München zum Sonntagsessen ein. Und weil ich mittlerweile den Eindruck habe, dass der englische Sunday Roast ein deutlich lebendigerer Brauch ist als der deutsche Sonntagsbraten, gab es eben Sunday Roast.

An sich hatte ich vorgehabt, jeden Gang zu fotografieren und zu verbloggen. Doch dann vergaß ich es über dem Spaß mit Gästen und Mahl.

Es ist wirklich nicht so, dass der Mitbewohner und ich diesen vier Herrschaften irgendwas beweisen müssten. Dennoch ertappe ich mich bei einer speziellen Art von Perfektionismus: Sie sollen es halt besonders schön haben. Wein kennenlernen, auf den sie sonst nicht kämen. Überraschende Speisen kosten, von denen sie sofort das Rezept haben wollen. Sich ein paar Stunden fallen lassen und sich um nichts kümmern müssen. Was sie übrigens zu meiner großen Freude schon seit vielen Jahren können: Meine Eltern, auch meine Schwiegereltern, haben das Herumeltern rechtzeitig aufgegeben und begegnen ihrem Nachwuchs auf Augenhöhe. Zwar kann es sein, dass mein Vater darauf hinweist, dass wir in unseren Deckenlampen einen Insektenfriedhof angelegt haben. Oder dass mein Schwiegervater eine weitere Argumentation ausprobiert, um uns zum Erwerb einer Sitzgarnitur fürs Wohnzimmer zu bringen. Doch all das geschieht auf einer spaßigen und herzlichen Ebene, es sind keine Befindlichkeiten involviert – kein Material für launige Meine-Eltern-werden-sich-nie-ändern!-Kolumnen.

Um im englischen Thema zu bleiben, gab es als Aperitiv Pimm’s (für dessen Softdrink-Anteil der Mitbewohner kurz vor Eintreffen der Gäste zum Bahnhof rasen musste – wir hatten Zitronenlimo vergessen). Die Speisenfolge:
Unsichtbarer Salat (Schon wieder den Schnittlauch vergessen. Dafür hatte ich bei meinem Lieblingsobsthändler wirklich frische Datteln entdeckt – die schmecken ja nach richtigem Obst! Doch mit dem Vogerlsalat hatte ich rechte Mühe. Ich hatte ihn extra bei einem bestimmten Händler am Viktualienmarkt gekauft, weil der sandige Feldsalat vom echten Feld im Gegensatz zur abgepackten Styroporware tatsächlich Eigengeschmack hat. Und ich bin durchaus bereits, drei Waschgänge damit zu verbringen, Sand und Erde aus den Röschen zu entfernen. Doch wenn ich 6,50 Euro für zwei Hände voll Salat zahle, rechne ich nicht damit, dass ich eine halbe Stunde mit dem Herauspicken angefaulter Blätter verbringe.)
– Orientalische Rote-Beete-Suppe mit Kokosmilch (Beim nächsten Mal gibt’s Foto und Rezept.)
– Schweinsbraten aus der Schulter mit Pastinaken und gefüllten Bratäpfeln (Rezept von Jamie Oliver)
– Schwarzwälder-Kirsch-Trifle

Dazu servierte ich einen Wein, den ich Freitagabend bei einem Treffen mit einer Freundin im Walter & Benjamin entdeckt hatte:

Alles klappte und schmeckte, es war wirklich schön, diese Runde beisammen zu haben. Mutter, Schwiegermutter und ich verglichen Schlüsselerlebnisse, bei denen wir gelernt hatten, dass Hilflosigkeit Frauen attraktiv macht. Stellten aber umgehend fest, dass wir erstens lieber tot überm Zaun hingen, als uns in diese Richtung zu verbiegen, und zweitens eh nicht auf Männer stehen, die sich von weiblicher Hilflosigkeit angezogen fühlen.

Der Herr Schwieger erzählte, dass die französische Schwägerin mein Blog entdeckt habe und mitlese (ein herzliches Huhu in die Bretagne!), ihm die URL aber nicht verraten habe. Mein Vater wiederum hatte ein Interview-Video mit mir im Web entdeckt und beurteilte es sachkundig.

Für Hintergrundunterhaltung sorgten Kohlmeisen: Sie flogen auf dem sonnenbeschienenen Balkon immer wieder das Schälchen mit Sonnenblumenkernen an oder kletterten auf den Meisenknödeln herum.

Zumindest das Dessert habe ich noch fotografiert. Rezept steht hier.

Keks, alter Keks

Sonntag, 23. Januar 2011

Nachdem meine Ecke des Internets damit bereits einmal ganz durch ist, sollen die ein, zwei Leser, die die vergangenen drei Tage Internet-frei gelebt haben, auch eine Freud’ haben. Ein türkischer Popsong zum Mitsingen für Deutsche.

*… ist der mit Ohrsand? ….*