Als Arbeiterkind an der Uni

Freitag, 28. Juni 2013 um 14:46

Der FU Berlin ist es ein Anliegen, dass die Minderheit der Studierenden, die aus Arbeiterfamilien kommt, die gleichen Aufstiegsschancen wie Studierende aus Akademikerfamilien hat. Das begrüße ich. Dummerweise ist ein Ergebnis eine „didaktische Empfehlung„, die total in die Hose ging (wie wir Arbeiterkinder so sagen). Laut SZ-Berichterstattung1 (das Original ist bereits von der Website der FU verschwunden) hieß es darin:

Mangelnde finanzielle oder ideelle Unterstützung durch das Elternhaus, Vorbehalte gegenüber dem beruflichen Nutzen eines Studiums und Schwierigkeiten mit Konkurrenzdruck unter Studentinnen und Studenten können das Studium gravierend beeinträchtigen.
(…)
Besser fördern und integrieren können Sie diese Studentinnen und Studenten, indem Sie versuchen, Studentinnen und Studenten die Angst vor Redebeiträgen zu nehmen, sie zu Diskussionen ermutigen und jeden Redebeitrag – unabhängig von der Qualität – wertschätzen.

Zudem mögen Dozentinnen „akademische Fach- und Fremdwörter unaufgefordert definieren“.

Auf Telepolis hat bereits Arbeiterkind Dr. Dr. Peter Riedlberger heftig den Kopf geschüttelt. Vielleicht wäre es tatsächlich eine gute Idee gewesen, sich erst mal mit realen Studierenden aus Arbeiterfamilien zu unterhalten. Im Gegensatz zu Riedelberger spürte ich seinerzeit nämlich vor allem am Anfang meiner Studienzeit durchaus einen Unterschied zwischen mir, meinen Freunden und Freundinnen aus Arbeiterfamilien und den Freunden und Freundinnen aus Bildungsfamilien:
– Ich wusste vor dem Studium nicht, dass es außer Vorlesungen in Hörsälen auch noch andere Lehrveranstaltungen gibt.
– Ich wusste vor dem Studium nicht, dass es neben Professoren noch anderes Lehrpersonal gibt. (Studium und Uni kannte ich ja nur aus dem Fernsehen. Entsprechende Szenen spielen dort immer in Hörsälen und mit Professoren.)
– Ich wusste nicht, dass man mit exzellenten Noten so bald wie möglich Stipendien beantragen sollte.

Aber:
– Mit Fremdwörtern kam ich zurecht, vielen Dank auch (pssst: kleines Latinum, großes Graecum).
– Als Diskutantin war ich bereits in der Grundschule anerkannt bis gefürchtet; das mag ein Grund gewesen sein, warum ich neun Klassen lang zur Klassensprecherin gewählt wurde.
– Klar war das Geld knapp, wie bei fast allen Kommilitonen und Kommilitoninnen. Wir gingen halt nebenher arbeiten.
– Wenn jemand Leistungsdruck und hohe Erwartungen kannte, dann ich: Ich hatte all die Möglichkeiten, die meinen Eltern verwehrt worden waren. DARAUS HATTE ICH JA WOHL GEFÄLLIGST WAS ZU MACHEN! (Das war Innere Stimme.)

Soweit ich mitbekomme, gibt es heute an Unis viele Veranstaltungen, die bereits Gymnasiasten an die Hochschulwelt heranführen. Super! (Allerdings müssen Gymnasiallehrer ihre Schüler darüber informieren und bestenfalls selbst hinschleppen.)

Arbeiterkinder fördert man an der Uni, indem man ihre tatsächlichen Leistungen anerkennt, und zwar nicht „unabhängig von Qualität“ (!) (!!), sondern unabhängig von persönlichem Auftreten inklusive Dialekt/Akzent/Aussehen. Man lässt sich ja hoffentlich auch nicht von geschliffenen Manieren, Siegelring, Mama in Staatskanzlei beeinflussen – ODER?

  1. Bitte trotz Unterstützung des Leistungsschutzrechts nicht für Link und Zitat abmahnen! []
die Kaltmamsell

21 Kommentare zu “Als Arbeiterkind an der Uni”

  1. gerriet meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Genau!

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  2. die Smileykiste meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Genau!

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  3. Helga meint:

    Und ich war immer davon ausgegangen, dass man an der Uni das erste Mal tatsächlich unabhängig vom Elternhaus ist – weil Eltern nicht mehr durch ihr Auftreten in der Sprechstunde eventuell eine Dozentenmeinung beeinflussen. Und der Bildungsstand ist ja mit dem Abitur gleich, unabhängig vom Bildungsstand der Eltern.

  4. Sammelmappe meint:

    Sind wir schon so weit gekommen? Leben die Nicht-Akademikerfamilien schon auf einem anderen Planeten, dass sie so fremd sind?

    Oder gibt es schon eine Kultur der Herablassung? Im Stil: Widmen wir uns doch heute mal den Arbeiterkinder.

  5. die Kaltmamsell meint:

    Diese Zeiten, Helga, sind eindeutig vorbei:
    http://adelhaid.wordpress.com/2013/06/21/sommercountdown-2013-8-9/

  6. Helena meint:

    Es gibt ja mittlerweile den http://arbeiterkind.de/ Verein, der helfen kann.

  7. Xaver Unsinn meint:

    Ich empfinde die Klassifizierung „Arbeiterkind“ nur als diskriminierend. So eine arrogante Sichtweise auf das Leben ist mir fremd.

  8. concuore meint:

    Und vor allem ist die Uni häufig ein viel zu später Ansatz. Meine „Arbeiterkind“-Herkunft habe ich eher in Grundschule und Gymnasium gemerkt als an der Uni. Mag aber auch an 2 Jahren Zivi dazwischen gelegen haben, die haben bei mir die Perspektiven deutlich verschoben

    @Helga: Der _Aus_bildungsstand ist vielleicht gleich, der Rest noch lange nicht.

  9. Susann meint:

    Bissi paternalistisch, der Ansatz: der Pöbel kommt halt mit gehobenem Wortschatz nicht zurecht und erstarrt zu sehr vor Ehrgeiz in den Heiligen Hallen der Alma Mater. Lasst uns ihm doch die Angst etwas nehmen…

    Gegenteil von gut = gut gemeint

  10. mariong meint:

    finanzielle unterstützung wäre auch schon mal was, schon an der grundschule sind viele familien an der grenze der überforderung, was den kauf von büchern, den eingeforderten markenschreib-und malstiften, klassenfahrten, sportkleidung usw. angeht. das wird ja immer teurer. wer diesen weg bis zur uni schafft, ist ja quasi schon über die hürden gesprungen.

  11. Thomas meint:

    Als halb ‚Bildungsferner‘ äh, also vonna Herkunft her, find ich den Begiff definitiv nochmal bisschen schlimmer. Die Logik geht manchmal arg Richtung: Bildung = Geld via Berufsstand der Eltern.
    Jedenfalls hab ich die Seiten als PDF anzubieten. Gerade noch gespeichert wider den Zorn meiner Alma Zweit-Mater.

  12. Croco meint:

    Es kommt durchaus darauf auf an, wie die Schule auf die Uni vorbereitet.
    Gibt es Touren zu den zahlreich angebotenen Tagen der offenen Tür? Gibt es Erzählungen der Lehrer aus ihrer eigenen Studienzeit? Und damit meine ich nicht die Saufereien sondern die Hausarbeiten, Praktika, Vorlesungen und Exkursionen.
    In meiner eigenen Schulzeit, die nun schon sehr lange her ist, gab es Eltern aus allen Bereichen, Handwerker, Kaufleute, Landwirte, Lehrer und auch Arbeiter.
    Als Kinder war das nicht wichtig, als was die Eltern arbeiteten. Für das Studium war es eher von Vorteil, dass die Eltern wenig verdienten: Höchstsatz Bafög.
    Ein einziger Lehrer erwähnte ab und an, dass unser Klügster, der mittlerweile Uniprofessor ist, einen Hlifsarbeiter zum Vater habe. Was den Lehrer in unseren Augen völlig deklassierte, nicht den Mitschüler.
    An der Uni zeigte es sich, ob jemand schick wohnte und alle Bücher kaufen konnte, oder eben nicht. An den Leistungen im Studium änderte das nichts.
    Und an den Arbeitsstellen danach auch nicht.
    Am Biss schon, der war da, eindeutig. Genau wie Sie es sagen, Frau Kaltmamsell.
    Ich glaube, damals hätten wir einem Prof, der für die doofen Aufsteigerkinder alles nochmal in einfachen Sätzen erklärt, ganz solidarisch den Kopf abgerissen.

  13. maz meint:

    Hehe, wer das beschissene Gymnasium überlebt hat, als Arbeiterkind, hat wohl ziemlich dickes Fell und wird auch nicht auf den Mund gefallen sein.
    Was ich lustig finde ist das Gönnerhafte. Eigentlich will man sagen: „Lass das arme dumme Arbeiterkind auch mal reden. Weit wird es eh nicht bringen. Wir wollen aber nicht so sein…“
    Was halt so ein Salonweltverbesserer aus gutem Hause mit ungeheurem Sinn für Sozialromantik von uns Gesocks so denkt und hält.

  14. dorothee meint:

    Wenn schon Leitfaden, würde ich mir als Dozentin wünschen, dass es mehr Beratung zu praktischeren Fragen gäbe. Zum Beispiel: Ausgaben in welcher Höhe sind für Bücher pro Semester zumutbar? Und: gibt’s an der jeweiligen Uni z.B. sowas wie Büchergeld in Härtefällen? Ich arbeite in der Literaturwissenschaft, und da ist es in Seminaren wichtig, dass jeder seinen eigenen Text hat – und zwar am besten in der gleichen Ausgabe. Und es macht natürlich einen großen Unterschied, ob man eine Billigausgabe mit lauter Druckfehlern oder eine anständig editierte Version mit Fußnoten und Vorwort auswählt. Aber ist der Unterschied groß genug, darauf zu bestehen, dass alle die teurere Ausgabe kaufen? Die einzelnen Bücher sind nicht so furchtbar schlimm teuer – zwischen 8 und 12 Euro – aber das kann sich läppern. Finde ich immer schwierig abzuwägen. Any thoughts?

  15. percanta meint:

    Das Hauptproblem am obigen Zitat scheint mir doch zu sein, dass Probleme diagnostiziert werden (die vielleicht stimmen) und dann Lösungen vorgeschlagen werden, die mit den formulierten Problemen ungefähr nichts zu tun haben. „Vorbehalte gegenüber dem beruflichen Nutzen eines Studiums“ führen doch vermutlich v.a. dazu, dass die Betroffenen gar nicht erst an die Uni kommen – da hilft auch „Förderung von Redebeiträgen“ nichts.
    Ich habe übrigens keine Ahnung, welchen beruflichen Hintergrund die Eltern meiner Studierenden haben, und Vorurteile gegenüber manchen Vornamen wurden mit inzwischen durch exzellente Leistungen meist (manchmal tappe ich wieder in diese Falle, ich gebe es zu; aber wenigstens merke ich es) sehr schnell abgewöhnt.
    Besonders freue ich mich übrigens (das ist dann vielleicht die Umkehrung eines anderen Vorurteils) über Migrantenkinder, die eine Fremdsprache studieren, die nicht ihre Muttersprache ist – also zum Beispiel die inzwischen zahlreichen Türken, die Spanisch auf Lehramt studieren. DAS fördert vielleicht wirklich mal die Durchlässigkeit, wenn türkische Spanisch (oder Latein oder Französisch)-Lehrer an den Schulen sind.
    Übrigens gibt es auch unter den Dozenten inzwischen viele mit nicht akademischen Elternhäusern.

    Was ich übrigens als jemand aus teilakademischem Elternhaus (was ist da mit Mischehen?) sagen kann: Das mit den Stipendien wissen auch die 1,0er-Studis mit promovierten Eltern nicht unbedingt. Oder sie trauen sich nicht. Leistung muss ja selbstverständlich sein, wie sollte ich mir anmaßen, dafür auch noch was zu verlangen und mich mit einer Initiativbewerbung über meine Kommilitonen zu erheben. Als wär ich was Besseres. Nee nee. Die Chance vertun also durchaus nicht nur Arbeiterkinder.

    @Dorothee: Balance-Akt. Erfahrungsgemäß kaufen sie sehr wenig Lehrbücher (die in anderen Fächern auch DEUTLICH teurer sind), und für die 3-5 Literaturveranstaltungen im ganzen Studium verlange ich auch, dass die Texte angeschafft werden. (Eine Faustregel in meinem Studium war mal: Kaufen Sie Primärliteratur! Sekundärliteratur können Sie auch leihen und die Halbwertzeit ist geringer…) Aber mit Einschränkungen: Wenn es nur eine teure gebundene Ausgabe gibt, lese ich vielleicht doch was anderes. Wenn wir 3 Texte im Seminar lesen, darf nur einer etwas teurer sein. Unvermeidbar teure und schwer zu beschaffende Texte (Fremdsprache) stelle ich ausnahmsweise auch mal als Kopiervorlage zur Verfügung. (Die liegen dann aber deutlich über den von Dir genannten 8-12 Euro, es geht da eher um 40 Euro. Am billigsten manchmal (selten) Reclam, aus dem Ausland zu beschaffende kritische Ausgaben oder Ausgaben guter Verlage gehen auch als Taschenbuch schnell in höhere Preiskategorien und sonst auch antiquarisch nicht gut zu bekommen.) Wenn es verschiedene Ausgaben gibt, gebe ich eine gewünschte an (die ist dann Referenz-Ausgabe), wenn nun aber schon eine vorliegt oder nur eine andere ausleihbar ist oder eben doch die billigere gewünscht ist, müssen sie sich eben flexibel auf Seitenzahlen etc. einstellen, ggf. für Kapitel ein Register zur schnelleren Orientierung machen, und Extras wie Vorwort des Herausgebers o.ä., falls so etwas auch behandelt wird, separat von Kollegen beschaffen. Auch das gehört zum selbständig werden dazu – mit abweichenden Seitenzahlen oder gar Textversionen umgehen können.

  16. Thomas J. meint:

    Ich hatte gedacht, diese Diskussion sei im 21. Jahrhundert ad acta gelegt. Aber wie man liest, leider nicht und auch beim Blick in den Kölner Stadtanzeiger kam mir diese Woche wieder die Wut (http://www.ksta.de/campus/sozialbericht-studieren-in-koeln-besonders-teuer,15189650,23527728.html, klicke in Bilderstrecke „Wie studiert es sich in Köln“ auf Foto von „Lisa“, erste blonde Frau). Zitat: „Die Vorteile als Akademikerkind fangen vielleicht schon direkt bei der Erziehung an, was einem so mitgegeben wird.“

  17. Steffi meint:

    Das klingt zwarr auf den ersten Blicktatsächlich schrecklich gönnerhaft, aber man darf auch nicht vergessen, dass es in dem Bereich durchaus Forschungsergebnisse gibt und die haben eine doch etwas größere Beweiskraft als private Anekdoten (d.h. n=1). Ich muss hier aber auch eingestehen, dass meiner Erinnerung nach der Übergang zur Hochschule, wie percanta erwähnte, wesentlich ausschlaggebender war. Schwierig finde ich dagegen die genaue Klassifikation: meine Eltern sind beide zwar auf dem Papier promovierte Akademiker, allerdings nicht nur die Ersten in ihrer Generation (der Rest väterlicherseits ausnahmslos tot/verarmt/arbeitslos) sondern mein Vater lebt soweit ich zurückdenken kann in Schulden, Privatinsolvenz und mittlerweile Langzeitarbeitslosigkeit. Meine Mutter verdient mit 50 zum ersten Mal ein echtes Mittelschichtsgehalt, weshalb ich zu Unizeiten auch den vollen Bafögsatz bekommen habe. Migrationshintergrund/Flüchtlingsgeschichte auch vorhanden, also gab es weder soziale Netzwerke noch Hochschulkenntnisse von denen ich profitiert hätte :D. Aber Grenzfälle gibt es natürlich immer, je nachdem, wieviele Dimensionen man in die Einteilung miteinbezieht (ein methodisches Problem..). Etwas altbacken finde ich allerdings oft die Nebenjob-Diskussion. In meinem Umfeld haben ALLE nebenher gearbeitet, ein „karriererelevanter“ Nebenjob gehört sich mittlerweile genauso wie mehrere Praktika. Der einzige Unterschied war meiner Erfahrung nach, dass die „Akademikerkinder“ wesentlich strategischer bei der Wahl vorgingen und eben nicht kellnerten, Pizzas auslieferten oder in den Semesterferien am Fließband standen. Ansonsten nahm ich häufig eher eine grundsätzliche Gelassenheit im Umgang mit dem Unileben war (nicht jede Literaturangabe wurde dogmatisch in die private Pflichtliteraturliste überführt, weniger Scham über hingeschmierte Hausarbeiten, ungezwungenerer Umgangston mit Dozenten etc). Komplett vorurteilsfrei ist allerdings sowieso kein Dozent (und überhaupt niemand), das halte nicht nur ich für sozialpsychologisch mittlerweile mehr als gut belegt. Nicht nur aus diesem Grund sind individuelle Lösungen („seid doch mal offener!“) weniger zielführend , als organisationsspezifische Reformen, die den Spielraum für Diskriminierung minimieren. Beispielsweise war es stets sehr faszinierend zu beobachten, wie sehr sich die studentischen Hilfskräfte, die nach dem persönlichen Eindruck in Seminaren „ausgewählt“ wurden, von denen, die Bewerbungsverfahren durchliefen unterscheiden -das übrigens aus der Perspektive von jemandem, der bei der Ausschreibung eine Ablehnung kassierte und kurz darauf über ein Seminar exakt diese Hiwistelle erhielt. War meinerseits auch intendiert, ich habe einfach probeweise den typischen „Hiwi-Kandidaten“-Habitus imitiert und war vom Resultat selbst etwas überrascht… Gibt es eigentlich wirklich noch Studierende, die Probleme mit der Literaturbeschaffung haben? Einen Großteil bekommt man in meinem Fach über den Uni-Zugang bequem von zuhause als ebook…

  18. Tim meint:

    Verallgemeinern bringt nicht weiter, und Erfahrungen, gemacht vor 20 oder gar 30 Jahren, treffen die heutige Hochschul-Situation nur sehr bedingt. So z.B. wenn es um den beruflichen Nutzen eines Studiums geht: Früher galt, dass Studenten aus „bildungsfernen“ Elternhäusern eher berufsorientierte Fächer wählen, bei jungen Männern oft Ingenieurwissenschaften, gerne auch in der Fachhochschule. Jedoch auch dies hat sich durch die BA/MA-Reform und die Aufweichung der klaren Trennung von Uni und FH gewandelt.

    Grundsätzlich würde ich gerne mal eine Definition von „Akademikerfamilie“ hören. Vater Dipl-Ing. (FH), Mutter Bankangestellte?, Vater Anwalt mit prekären Einkommen, Mutter alleinerziehend und nach Germanistik-Studium Kindererziehung und nun Yoga-Kurse gebend? In den Kommentaren könnte man den Eindruck bekommen, erst wenn Opa/Oma auch ein Unistudium genossen haben, wird aus einer Familie eine „Akademikerfamilie“.

    In einer Gesellschaft mit 20%+ Hochschulabsolventen an der Erwerbsbevölkerung (als ich mein Studum begannt waren es 8%) sind die Bildungskarieren nicht gradlinig. Wie man den Anspruch, jedem das der Begabung und Interesse beste zukommen zu lassen, erfüllen kann, muss man anders diskutieren und nicht in eine Klassendiskussion verfallen.

  19. Andreas Kemper meint:

    Hi
    zunächst mal: Die Diskriminierungen an Hochschulen sind heute nicht geringer geworden. Im Gegenteil. Der Bachelor-Master-Übergang hat eine neue Schwelle geschaffen, die Arbeiter*innenkinder ausselektiert. Bei Hiwi-Stellen und Stipendien werden Arbeiter*innenkinder benachteiligt. Während der Wohnraumsuche werden oftmals „Elternbürgschaften“ gefordert. Der straff modularisierte Studiengang erschwert es, neben dem Studium zu arbeiten. Es gibt viele Benachteiligungen, die sich dann in den statistischen Diskriminierungen zeigen. Wo diese Benachteiligungen konkret liegen und wie sie bekämpft werden können, dass können nur die Betroffenen selbst aufzeigen. Am Besten über entsprechende Selbstorganisierungen. Jedenfalls zeigt die 20. Sozialerhebung des DSW, dass Arbeiter*innenkinder nach wie vor benachteiligt werden. Es wird sich erst dann was ändern, wenn die Arbeiter*innenkinder selber aktiv werden, wenn sie sprechen, statt dass immer nur über sie gesprochen wird.

  20. Anja meint:

    Toller Artikel, ich kann das gleiche nur bestätigen. Ist aber in den Jahren die ich nun an der Goethe-Uni bin besser geworden. Es gibt nun mal leider immer die, die denken das die Uni nur etwas für wohlhabende Familien ist…. Lg. Anja

  21. Jonathan meint:

    Haha, Latinum und Graecum, sieh‘ mal einer an! Leider nuetzt das heute nichts mehr, da wir eine technische Gesellschaft geworden sind. Man studiert also Physik oder Maschinenbau, oder irgendein anderes MINT-Fach. Nur so funktioniert’s! Alles andere ist fuer Dummbeutel, die sich wichtig machen wollen. Philosophie, Literatur, Sprachen, Kunst und der ganze Rotz hat uns nichts mehr zu sagen.

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