Israel, baby! – 9 – mehr Essen

Sonntag, 5. Januar 2014 um 19:58

Wir haben weiter sehr erfolgreich in Tel Aviv gegessen.

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Auf dem Gewürzmarkt in Neve Shalom holte sich der Mitbewohner Fettgebackenes auf die Hand, wunderbar frisch und knusprig, leicht süß.

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Zum ausschließlichen Hummus-Essen radelten wir nach Jaffa ins urige Abu Hassan (auf allen Listen, in allen Reiseführern empfohlen). Winziges Lokal, Neonlicht über Resopaltischen, serviert wird Hummus, Punkt.

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Ja, war gut, auch die rohe Zwiebel und das scharfe grüne Sößchen dazu – aber nichts umwerfend Besonderes.

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Nach so vielen Tagen leichter, mediterraner Gemüseküche kehrten wir zur Abwechslung in einem Restaurant ein, das osteuropäische jüdische Küche anbietet, also aschkenasische. Das Café Batya war an seinem alten Standort eine Institution („founded in 1941 by Batya Yom Tov with recipes from her mother’s kitchen, served mainly bus drivers from the Dan Cooperative’s garage nearby„) und ist auch in seinen jetzigen Räumlichkeiten in der HaHashmonaim Street 95 gut besucht. Weil Shabbat war, wählte der Mitbewohner „Cholent komplet“, also inklusive Rinderbraten und einer Fett-Brösel-Wurscht, ich aß die Gänsekeule (mit Orange recht süß) mit Gemüsen, als Nachtisch teilten wir uns eine Nudelkugel.

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Der nächste Tipp muss ohne Bilder auskommen – ich hatte meine Kamera noch auf den Sonnenuntergang eingestellt, ahem. Odelia in der Ben Yehuda Street serviert herzhafte Hausmannskost (selbst wenn die Fotos technisch gelungen wären, hätte man auf dem Teller nicht viel unterscheiden können) für wenig Geld – aber das Hummus schmeckte mir überdurchschnittlich gut.

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Mehrfach war ich morgens am alten Tel Aviver Hafen an einem Lokal vorbeigejoggt, auf dessen Außentischen das Frühstück gleich mehrstöckig lockte: Café Nimrod. Das sah definitiv gut aus, das wollte ich mit dem Mitbewohner probieren. Das hier ist das „Village Breakfast„, das wir bekamen.

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Neben Omelett mit Kräutern und Zwiebel, unter den Salätchen auch all die klassischen Milchprodukte verarbeitet, die der Israeli gerne isst: Frischkäse, Hüttenkäse, Sauerrahm, Quark (überraschend mild), Joghurt (überraschend sauer und salzig). Auf der Empore frischer Salat, zusätzlich noch ein paar Süßteile und Granola mit Joghurt in Schnapsgläsern.

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Ganz wundervolle Mezze gab es im Haj Kahlil in Jaffa, das bereits David Lebovitz beschwärmt hatte, darunter frischer Fenchel mit schwarzem Kümmel, Avocadostücke mit Schnittlauch, Petersiliensalat, Kräutersalat.

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Wir bestellten sogar ein Hauptgericht: Mit Reis, Hack, Gewürzen und Mandeln gefüllter Lammhals. Köstlich zart, aromatisch duftend – wunderbar. Als Getränk dazu die lemonade, die ich hier sehr zu schätzen gelernt habe.

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Im ältesten Teil von Tel Aviv, im Neve Tsedek, liegt das Restaurant Suzanna. Wir saßen aufs Idyllischste unter einem Baum, die bezaubernde Bedienung erklärte uns alle Gerichte, für die wir uns interessierten, warnte auch vor Details, die vielleicht gewöhnungsbedürftig sein könnten.

Weil ja Winter ist (wir saßen in Hemdsärmeln im Freien – hach!), aßen wir erst mal Suppe. Der Mitbewohner hatte Rote-Rüben-Suppe mit Kubbe (Grießknödel mit Hackfleischfüllung), ich bestellte die silk soup „Harira“ mit Kalbfleisch und Kichererbsen – wundervoll herzhaft und zitronig.

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Ebenfalls sehr gut war mein Blätterteig mit Auberginen und Käse, der Mitbewohner aß mit Begeisterung die Hackfleisch-gefüllten Trockenfrüchte mit Reis (das Orange drauf ist ein Stück Kürbis). Dazu probierte ich einen israelischen Chardonnay Recanati – passte sehr gut, wäre mir so für sich zu holzig gewesen.

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Eigentlich hatten wir nochmal im Benedict spät frühstücken wollen, diesmal im nördlichen Ableger an der Ben Yehuda. Tipp: Halb Tel Aviv hat an einem Shabbat dieselbe Idee. Also holten wir uns Cappuccino an einem Kiosk auf einem Boulevard (WIE DIE SCHICKEN JUNGEN ANWOHNER, BABY!) und sahen uns nach einem Mittagessen um. Das Barbunia in der Ben Yehuda Street 163 war ein echter Glücksgriff: Richtig gute Salätchen (den Karottensalat mit Zitrone, Chiliöl und Koriander werde ich definitiv nachbauen), und saftig gegrillter Fisch (bei mir Forelle, der Mitbewohner hatte Calamares), zuvorkommende Bedienung – Warnung: Sobald ein Salatschälchen leer ist, wird es durch ein volles ersetzt.

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Dr. Shakshuka, ebenfalls in allen Listen und Führern rauf und runter empfohlen, war der kulinarische Rausschmeißer aus Tel Aviv. Wir saßen in einem geräumigen überdachten Innenhof Jaffas und aßen, nun, Shakshuka. Sehr in Ordnung, vor allem da das Ei darin noch flüssig war – mag ich deutlich lieber als fest. Und auch wenn man es ihm nicht ansieht: Das Brot dazu war der Hammer, richtig durchgesäuert und frisch (sonst gibt es eher hefelastige, bröslige Sachen).

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Aber das ist das Bild, das ich mit nach Hause nehme: Hier hat die Erdbeerzeit bereits begonnen.

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die Kaltmamsell

12 Kommentare zu “Israel, baby! – 9 – mehr Essen”

  1. Gaga Nielsen meint:

    Ich hatte schon immer das diffuse Gefühl, dass Tel Aviv ein heiterer, sinnenfroher Ort mit viel Platz für Lebensfreude ist. Bis jetzt spricht kein Blogeintrag dagegen. Außer der kleinen Anmerkung, dass die Schwimmbad-Ticket-Verkäuferin gelächelt hat, was nicht selbstverständlich sei… Kleines Fragezeichen hier. Interessiertes Fragezeichen… Israel ist nicht so sehr weit von Zypern entfernt, es liegt mehr oder weniger gegenüber…. die Zyprioten lachen viel und gerne (ich verbrachte einst dieselbe Jahreszeit in Zypern). Und haben auch keine einfache Geschichte, wenn auch nicht im Entferntesten vergleichbar mit der Geschichte Israels… Macht es heute noch viel aus, wenn man als aus Deutschland kommend identifizierbar ist, im Bezug auf das Gefühl des Willkommenseins? Fragen über Fragen…

  2. Gaga Nielsen meint:

    (Test Test – ob dieser Testkommentar auch erst moderiert werden muss…? „Ihr Kommentar befindet sich in der Warteschleife“ Hat mich bei meinem etwas längeren Kommentar unter diesem Eintrag vorhin verwundert, obgleich keinerlei Spamlinks oder sonstige drin…!)

  3. Elbwiese meint:

    Antrag: würden Sie bitte nach Israel übersiedeln und einfach immer so weiter berichten? Falls dies nicht sofort möglich ist, wäre ich für den Übergang mit der ausführlichen Beschreibung von Nachkoch-Versuchen zufrieden.
    Im Gegenzug möchte ich eine Buchempfehlung dalassen. Ich mag Bücher, die in Israel handeln, ganz besonders schätze ich Meir Shalev. Sollten Sie meiner Empfehlung folgen wollen, rate ich zu „Im Haus der großen Frau“, bei Gefallen danach „Der Junge und die Taube. Oder beide gleichzeitig.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Sehr seltsam, Gaga, dass der Kommentar in die Moderation geraten ist – auch ich habe keine Erklärung.
    Detailbeobachtungen zu Tel Aviv folgen noch, darunter das anfängliche Erstaunen, dass mein ganz normales Alltagslächeln nicht erwidert wurde.

    Danke für die Lesetipps, Elbwiese, sie sind sehr willkommen.

  5. trippmadam meint:

    Lächeln: In „Ein Abendessen mit Persephone“ erzählt die Amerikanerin Patricia Storace, dass sie sich zu Beginn ihres Studienaufenthalts in Griechenland sehr gewundert habe, dass das Verkaufspersonal nie zurückgelächelt habe, wenn sie mit breitem, amerikanischen Lächeln ein Geschäft betreten habe. Sie kam zu dem Schluss, dass man sich ein Lächeln erst verdienen müsse und griechische VerkäuferInnen nur lächelten, wenn man ihnen einen Grund gegeben hatte.

    Von einem ähnlichen Phänomen berichtete mir mein ehemaliger Chef aus Sevilla. Der war sehr verwundert, dass die Kellner dort nicht lächelten. Mir war das gar nicht bewusst, wobei ich die Sevillaner Kellner überwiegend als ausnehmend höfliche, wenn auch äußerst ernste und gesetzte Herren in den mittleren Jahren in Erinnerung hatte. Beim nächsten Besuch in Sevilla habe ich das heimlich überprüft. Es ist wahr, ein Lächeln ist bei Kellnern von altem Sevillaner Schlag rar, die Höflichkeit zeigt sich allein in der Ausdrucksweise.

  6. Julia meint:

    Oh, Harira liebe ich sehr. Ich habe sie mal zubereitet und verbloggt, weil sie wirklich köstlich war. Bei Interesse teile ich gerne den Link – was ich unaufgefordert selbstverständlich nicht tue… Danke für die tollen Reiseberichte, Israel steht m.E. viel zu selten auf der Liste der Urlaubsziele. Gagas Frage, ob man als deutscher Tourist irgendwelche Ressentiments erfährt, stellt sich mir auch.

  7. oachkatz meint:

    Tolle Berichte und Bilder, zum Sehnsüchtigwerden, das gab ein bisschen Sonne in diesem merkwürdig hellgrauen Berliner Winter, dafür nochmal Dankeschön.

  8. Jule meint:

    Ich habe zwischen den Jahren gerade dieses Buch gelesen:
    http://www.dtv.de/buecher/wir_haben_noch_das_ganze_leben_14067.html; es spielt in Tel Aviv während der Zweiten Intifada und der Ich-Erzähler ist Anglist mit Berufsfindungsproblemen. Vielleicht würde Ihnen das gefallen?

  9. die Kaltmamsell meint:

    Auch in Kastilien lächeln Kellner und Barmänner nicht, trippmadam, wissen aber schier vor einem selbst, was man als nächstes bestellt.

  10. walküre meint:

    Ich erlaube mir an dieser Stelle zwei Kochbuchempfehlungen:

    Haya Molcho – Neni. Lust auf fremde Küche

    Katja Sindemann – Mazzesinsel* Kochbuch. Kulinarische Streifzüge durch das jüdische Wien

    * „Mazzesinsel“ war früher umgangssprachlich die Bezeichnung für die Leopoldstadt, den 2. Wiener Gemeindebezirk, in dem viele Menschen jüdischen Glaubens wohnten. (Und in dem auch heute dankenswerterweise wieder jüdischer Lebensalltag stattfindet.)

  11. Sabine meint:

    Wie ich schon auf Twitter nahelegte: Kaum etwas geht über Erdbeeren in Tel Aviv im Winter ;o)

  12. die Kaltmamsell meint:

    Stimmt durchaus, Sabine, sie waren auch aromatisch. Allerdings musste ich mich daran gewöhnen, dass diese Erdbeersorte so knackig ist, dass sie beim Reinbeißen Knurps-Geräusche macht wie ein Apfel.

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