Journal Donnerstag, 19. Mai 2022 – Kinderwunschwut

Freitag, 20. Mai 2022 um 6:26

Die Nacht wurde nach schlechtem Einschlafen (heftiges Frieren trotz Maienmilde, abgelöst von Glutattacke) zerschnitten von einer brutalen Krampfattacke im rechten Unterschenkel und Fuß, die mich mehrfach laut quer über die Nachbarschaft jaulen ließ. Erst ausdauernde LWS-Dehnung auf dem Teppich (auf dem Rücken liegend Knie anziehen abgewechselt mit Vorbeuge) löste sie. Zefix.

Ich ging in die Arbeit in herrlichem Sonnenschein, kombiniert mit Morgenkühle, trug ein Sommerkleid.

Tag der besonders unangenehmen Glutattacken, pro Stunde mindestens eine. Bis die Hormonmedikamente wirken, werde ich mich noch gedulden müssen. (Jeder einzelne Anfall erzeugt als Gefühl wilden HASSHASSHASSHASSHASS! Der mindestens so erschöpft wie die Glutattacke selbst.)

Mittags Pumpernickel mit Butter, eine riesige Orange.

Auf dem Heimweg nach Feierabend war es heiß, viel zu heiß für die Jahreszeit. Bei der Essensplanung denke ich an kalte Suppen wie Gazpacho oder Okroschka – doch die Zutaten dafür wären hier bezeichnenderweise erst in Monaten reif. Ich suchte Schattenschutz, litt beim Queren der Theresienwiese.

Zu Hause (schön kühl, wir lassen bereits wieder tagsüber die Rollläden runter und schließen alle Fenster außer die zum kühlen Lichthof) erstmal Yoga (anstrengendes Dehnen), dann gab’s zum Abendessen den eben geholten Salat aus Ernteanteil mit Tahini-Dressing, Erdbeeren mit Sahne, Schokolade.

Es waren Gewitter angekündigt, doch es zog lediglich der Himmel zu.

Schon Mittwochabend hatte ich Mareike Fallwickls Roman Die Wut, die bleibt angefangen, um mich herum vielfältig und durchgehend empfohlen. Mal sehen, ob ich über den massiv trennenden Umstand hinweg komme, dass ich noch nie Fortpflanzungssehnsucht verspürte, dass ich einen persönlichen Beitrag zur globalen Überbevölkerung nicht den Bruchteil einer Sekunde in Erwägung zog – und deshalb wohl schon von Kindesalter an all die Beschwernisse und Selbstaufgaben des Mutterlebens registrierte, weil so sind Babys nun mal und so sind Kinder nun mal – “Sie fressen dich mit Haut und Haar” heißt das im Roman -, für die viele Frauen mit Fortpflanzungssehnsucht zumindest teilweise blind zu sein scheinen, doch nur im besten Fall gibt’s zum Ausgleich Glückshormone, Stichwort: “Aber wenn’s dich EINMAL anlacht!”

Bislang, bis zum ersten Drittel des Romans, identifiziere ich auf dieser Basis reflexartig als Ursache des ganzen beschriebenen Unglücks exakt diese Fortpflanzungssehnsucht, die nie hinterfragt wird, deshalb ist diese Ziel meiner Wut. Was falsch sein muss, sonst wäre ich nicht die Einzige mit dieser Analyse. Und der Roman ist sicher nicht als Plädoyer für konsequentere Verhütung geschrieben, wir haben ja eine Protagonistin, die ihre Freundin an der Mutterschaft hat zugrundegehen sehen, selbst bereits nach einem Tag Kinderhüten komplett am Boden ist – ohne dass das im mindesten ihren eigenen Kinderwunsch mindert. Tragisch.

§

Prodesse et delectare ist ja der Sinn meines Bloggens (vor allem mich, bilden Sie sich da nichts ein). Hier erklärt Lars Winkelsdorf in einem Twitter-Thread, “wieso die jetzt in Berlin für ihre Exportpolitik einen ‘Beauftragten’ brauchen und wieso das mit den Ausfuhren aktuell beim Ukraine-Krieg nicht funktioniert”.

§

Kluge Gedanken von Schriftstellerin und Fotografin Taiye Selasi zum Konstrukt “Nation” und zu Herkunft:
“Don’t Ask Where I’m From, Ask Where I’m a Local”.

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https://youtu.be/LYCKzpXEW6E

via Swissmiss

Mein Ergebnis der three Rs, wo bin ich ein Local?
Rituals: München (plus ein wenig Kastilien und Südengland)
Relationsships, “people who shape your emotional experience”: (Auch wenn Selasi Facebook explizit ausnimmt – was nur bedeutet, dass sie anders oder gar nicht online lebt) mein Mann, das Web, meine Eltern, Schwiegereltern, die Bruderfamilie sind Zuhause
Restricions: Europa, Frausein

die Kaltmamsell

47 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 19. Mai 2022 – Kinderwunschwut“

  1. Mareike meint:

    Oh ja – einfach keine Kinder bekommen. Das ist so dermaßen bezwingend logisch, dass ich es mich auch kaum traue, auszusprechen. Damit unterstelle ich ja all den Frauen, die lieber ein Kind nach dem nächsten in die Welt setzen, um dann das Muttersein zu beklagen, dass sie nicht imstande sind, logisch zu denken und zu handeln.

  2. Alexandra meint:

    Hm. Ich wollte immer Kinder und kriegte drei kurz nacheinander.

    Kein Mensch kann einer vorher erklären, wie das wirklich ist. Es hat mich oft aufradiert, mich in völlig ungeahnter Weise viele Male an meine äußersten Grenzen gebracht.

    Hätte ich das vorher gewusst, ich hätte es trotzdem gemacht, obwohl Babies mich bis heute nicht in haltloses Verzücken versetzen, ich finde sie eher uninteressant.

    Da war bei mir auch nie diese Vorstellung vom Postkartenmutterglück, keinerlei “Heititei” jemals. Auch keine Sehnsucht (okay, es hat ja auch immer sofort geklappt, wenn nicht, wer weiß, wie sich das ausgewirkt hätte).

    Heute denke ich, es war mir wohl eingeschrieben und ich hab’s einfach gemacht.

    Meine erwachsenen Kinder finde ich nun völlig spannend. So mal meine Gedanken dazu, sorry.

    Büchern räume ich tatsächlich auch eine entwicklungsfördernde Rolle in meinem Leben ein, indeed.

  3. Alexandra meint:

    P.S.: Ich erinnere mich nicht, mich auch in den krassesten Zeiten je beklagt zu haben. Das waren ja schließlich die Folgen meiner eigenen Entscheidungen. Behaupten habe ich mich wohl müssen, wenn das Außen mal wieder ungefragt RatSchläge austeilte.

  4. Katrin meint:

    Sie sind mit ihrer Kinderwunschwut nicht alleine. Ich sehe das absolut genauso.

  5. Alexandra meint:

    Zu Lars Winkelsdorf: Mich deucht, “Entscheidenmüssen”, Verantwortung, ist ohnehin das Kryptonit vieler, nicht nur der Juristen. In meinem Arbeitsleben passiert mir das mit den so genannten “Entscheidungsträgern” oft: “Unterschrift? Iiiich?!”. Wie in der alten Fruchtzwergewerbung:”Will hier jemand was Gesundes aus Milch?” und dann das Geräusch mehrerer nacheinander zuschlagender Zimmertüren …

  6. Die M. meint:

    Kein Kinderwunsch — vollkommen in Ordnung.
    Kinderwunsch — auch. Zum Verhindern des “Aufgefressenwerdens” infolge eines verwirklichten Kinderwunsches ist meine Erkenntnis: Augen weit, weit aufmachen bei der Partner*innenwahl. (Vieles, das ich in meinem Umfeld sehe, schockt mich sehr, auch wenn es mich nicht überrascht.) Damit steht und fällt vieles bis alles. Was allerdings auch ohne Kinderwunsch zutrifft, falls man in Partnerschaft leben möchte…

  7. Heidi meint:

    Mich stört eigentlich nur, als kinderloser Mensch als nicht vollwertig zu gelten. Dass Leute Passionen haben, für die sie ausufernd schwärmen und nicht nachvollziehen können, dass nicht jeder diese Leidenschaft teilt, gibt es in vielen anderen Gebieten auch. Ich glaube, das macht das Thema so explosiv.

  8. Veneta meint:

    Ich habe zwei Kinder und habe mir vorher keine Gedanken darüber gemacht, оb ja oder nein, das war für uns ein selbstverständlicher Teil des Lebens. Ein großer Vorteil: Man /frau beschäftigt sich danach nicht mehr so sehr mit sich und den eigenen Themen. Hat Vieles für mich erleichtert, geklärt, in Verhältnis gesetzt und Energie für andere Dinge freigemacht. Einfach ist es nie. :)

  9. Veneta meint:

    Ich finde meine kinderlose Freunde total spannend, die sind meist sehr vielfältig engagiert, interessiert und machen viele Dinge, die ich von ihnen abschauen kann. Sie haben ganz andere Lebensmodelle. Und warum sie keine Kinder haben – darüber urteile ich nicht und ist für mich auch letztendlich nicht so wichtig.

  10. Alexandra meint:

    Totally agreed!

  11. Inga meint:

    Ich wollte immer Kinder. Obwohl ich Kinder nicht wirklich mag. Was ich mir erst vor ein paar Jahren eingestanden habe. Heute habe ich akzeptiert, dass es nicht geklappt hat. Ich führe mit meinem Partner nun seit 20 Jahren ein entspanntes Leben und kann nur vermuten: wir wären mit Kind nicht mehr zusammen.

    Und deshalb lächle ich verständnisvoll, wenn ich unsere genervten Nachbarn sehe, die mit ihren 2 Kindern Heile Welt Familie spielen und hinter hervorgehaltener Hand erzählen, dass sie kurz vor der Trennung stehen, ihre Kinder ihnen den letzten Nerv rauben und sie diese “am liebsten über den Gartenzaun hängen würden”.

    Manchmal sind die Erwartungen zu groß, die Meinung über sich selbst so verzerrt, dass sie glauben: Mein Kind wird einfach perfekt sein. Und dann kommt die große Enttäuschung, die dann im Schlechtesten auf die Kinder übertragen wird.

    Sicherlich kommt mir manchmal auch der Gedanke, wie wäre dieser Mensch, unser Kind, geworden. Dann aber bin ich zufrieden, denn wenn ich darüber nachdenke, was für Komplexe ich aus meiner Kindheit mitbekommen habe und zum Glück nicht weitergeben kann ist das doch wirklich eine gute Tat, diesen Menschen nicht in diese Welt gebracht zu haben.

    Ich habe vor ein paar Tagen angefangen die “Vorspeisenplatte” zu lesen. Ich bin froh, diese wunderbare Seite gefunden zu haben und da ich erst in 2005 bin freue ich mich, noch viel zu lesen zu haben.

  12. Susann meint:

    Es tut mir leid, wenn kinderlose Frauen den Eindruck haben, sie würden als “nicht komplett” wahrgenommen, genauso, wie es mir leid tut, wenn kinderlose Frauen nicht verstehen können, dass andere einen Kinderwunsch haben.
    Die einen wollen Kinder, die anderen nicht, und keiner ist deshalb besser oder edler als der andere.

    Ich frage mich nur, wie die Anfangszwanzigerinnen, die ab und an in den Medien verkünden, sich wegen des Klimawandels o.Ä. sterilisieren zu lassen, in 15 Jahren über ihre Entscheidung denken werden. Ich kenne etliche Freundinnen, bei denen ein Kinderwunsch mit 30-40 auftrat und die dann auch sehr froh war, dass er klappte.

  13. Die Toni meint:

    Ich war mit starkem Kinderwunsch mit einem Kinderwunschlosen verheiratet (sein gutes Recht) und es war für mich luftabschnürend quälend. Ich musste mich entscheiden und konnte nicht, 10 lange Jahre.
    Es kam dann aus anderen Gründen letztlich zum Glück ganz anders und in der Folge zu ein paar Jahren deutlich weniger Zeitunglesen, Theater und Kino, Essen gehen usw. und diese Zeit war meist sehr schön. Und jetzt ist diese Zeit schon wieder vorbei und ich habe hier eine 12-jährige und eine 15-jährige, die ich so nett, lustig und liebenswert finde, dass ich täglich froh um ihre Gesellschaft bin.
    Warum erzähle ich das: Ja, ein Kinderwunsch kann so stark sein wie das Bedürfnis nach dem Gegenteil. Und bestensfalls hat mit Kindern einfach alles seine Zeit und die ersten Jahre werden gar nicht so als Einschränkung empfunden, sondern einfach als etwas Anderes. Und jetzt genieße ich auch wieder Kino, Theater und Zeitung.

  14. Die Toni meint:

    Und ich möchte ergänzen, dass in meiner Blase die Eltern gar nicht so viel schimpfen. Vielleicht ist das auch ein wenig ein Klischee.
    Die meisten haben sich wohl einfach gern und sind halt auch mal müde und genervt. Wie wir alle bei der Arbeit ja auch.

  15. Ute meint:

    Es ist doch in Wirklichkeit ein Luxus, dass wir unsere Lebensmodelle so verwirklichen können, wie wir wollen. Die Renten sind bezahlt, dem Gesundheitssystem wird vertraut und die Pflege wird auch vom Staat oder der Privatversicherung übernommen. „Persönlichen“ Nachwuchs braucht es in dieser Hinsicht nicht (mehr), allerdings müssen die Kassen auch irgendwie gefüttert werden. Ich selbst habe drei Zukunfts-Futterautomaten. Ich mag Kinder (nach wie vor), obwohl mein erstes Kind „passierte“ , ich mit dem Muttersein aber gut zurechtkam und knapp danach zwei weitere Kinder bekam. Alles zu einer Zeit, wo mein Mann und ich studierten und dissertierten und lange alleinige Eltern im Freundeskreis blieben. Ein paar Freunde entschieden sich relativ spät noch für Kinder. Viele blieben aber aus den unterschiedlichsten Gründen kinderlos mit teils sehr interessanten, teils alltäglichen Lebensläufen. Was ich bemerke, sie alle haben das Glück (oder Unglück?), viel Zeit für ihre Befindlichkeiten aufzubringen. Leid tun mir all jene Paare, deren Kinderwunsch-Sehnsucht unerfüllt bleibt und ist es nicht auch traurig, dass Kinder aus der gesellschaftlichen Situation heraus wie ein Projekt behandelt werden? Bin jedenfalls neugierig auf das Buch und werde es mir besorgen.

  16. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Ich war/bin Stiefmutter. Reicht völlig an Kindern, aber sollte es je eine überforderte Jung-Familie mit Kindern in der Nähe geben, die noch eine Beute-Oma benötigen … hmmm … ich wäre in Versuchung.

  17. Die M. meint:

    <3

  18. Ruth P. meint:

    Ich bin am überlegen: soll ich meinen Senf dazugeben? Hmm, bin Mutter von drei Kindern, auf die ich mich freute, und haben wollte, wurde früh Witwe, und gsd finanziell vom Staat unterstützt wurde, und zu keinem Moment bereute, Kinder zu haben, und die Zeit mit ihnen genoss. Was mich auch zu dem Punkt bringt wieso man keine Kinder mag, es sind doch Menschen? Und man hat das riesengroße Privileg jeden Tag mit ihnen zusammen sein und helfen sie zu prägen? Ich hab das nie verstanden, die Ablehnung gegen Kinder. Gleichgültigkeit ja, Ablehnung nein.
    Bin immer noch gern zusammen mit meinen ‘Kindern’ und Enkelkindern. Natürlich war es nicht leicht, jeder Tag eine Herausforderung, aber so what? Das gehört einfach dazu.

  19. mareibianke meint:

    Wieso muss man eigentlich wütend sein auf Menschen, die Kinder wollen und haben?

    Leben und leben lassen…

    Die mit Abstand glücklichsten Momente meines Lebens waren die Geburten meiner Kinder. Ja, es war eine Quälerei, aber mit einem Schlag vergessen beim ersten Schrei. Meine ältere Tochter hatte eine schwere Behinderung, meine jüngere Tochter hat mich in ihren Kleinkindertagen an bis dahin nicht gekannte Grenzen gebracht, und doch:
    Beide sind für mich ein Geschenk!

    Das allerdings kann niemand von “außen” wirklich beurteilen.

    Für unsere Kinder haben wir auf vieles verzichtet, das ist eine Tatsache, aber ich kann sagen, das war es wert. Ich habe allerdings auch einen verlässlichen Kindsvater an meiner Seite.

    Wir haben auch mehrere kinderlose Paare in unserem Freundeskreis, die wir deswegen nicht weniger schätzen. Im Gegenteil, sie bringen andere Perspektiven und Impulse in unser Leben.

    Also: was soll Wut an dieser Stelle? Sie vergiftet doch nur das eigene Leben.

  20. Alexandra meint:

    Ich überlege auch die ganze Zeit, ob es das “wütende Wegwünschen” der Kinder bei Überforderung überhaupt gibt? Klar war ich oft an meinen Grenzen und verzweifelt und habe geflucht, aber das ist ja auch das Leben. Wirklich hasserfüllt das Kinderkriegen zu bereuen – so habe ich niemals empfunden. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, dass das überhaupt geht. Zusammenbrechen und sich umbringen, ja – das kann ich glauben, dass es das gibt. Da hat dann aber auch das Umfeld versagt – es braucht nämlich wirklich ein Dorf, um ein Kind großzuziehen. Alles Andere bekomme ich nicht nachvollzogen … oder verstehe ich das Wort “Kinderwunschwut” völlig falsch? Im Übrigen hat mir gerade das Muttersein das Bewerten von verschiedensten Lebensentwürfen gründlich ausgetrieben, zum Glück.

  21. Nina meint:

    „ Wie steht es um die Aufrichtigkeit von Empathie und Interesse, wenn man bestimmte Probleme erst über ähnliche Erfahrungen nachfühlen können muss? Wenn man nicht selbst vor Krieg geflohen ist, nicht selbst trans ist, nicht selbst eine Abtreibung braucht, kann man nicht wissen, wie es sich anfühlt, wie schwer oder was an etwas schwierig ist. Das muss man aber auch nicht. Es nachfühlen zu können, ist nicht notwendig, da andere berichten zu lassen und ihnen aufmerksam zuzuhören, schon ausreichen kann, um empathisch und unterstützend zu sein. Wirklich offen für die Erfahrung von anderen zu sein, heißt ihr mit Respekt zu begegnen, statt zu versuchen, sie mit sich selbst abzugleichen. Offen sein heißt, sich immer wieder aus eigenem Antrieb nach Erfahrungen umzuschauen, denen man nur durch die Erzählungen von anderen begegnen kann.“
    Teresa Bücker, Newsletter Zwischenzeit_en 21.05.2022

  22. Sandra meint:

    Das Wort „Kinderwunschwut“ weiß ich gar nicht einzuordnen. Es passt in meinem Kopf nicht zusammen. In meinem Kopf. In anderen vielleicht schon.

    Rolf Zuckowski fasst es schön zusammen in „Ohne Dich“: https://m.youtube.com/watch?v=cDMsgFQp4yI
    Ohne Schwangerschaft, Geburt und erste Schritte mit eigenem Kind erlebt zu haben, konnte ich mir all das auch nicht vorstellen. Weder die Sonnen-, noch die Schattenseiten.

  23. die Kaltmamsell meint:

    Ich kann aber schon davon ausgehen, dass alle Kommentatorinnen oben den Roman gelesen haben, um den es hier geht? Aus dem das Stichwort “Wut” entnommen ist?

  24. Sebastian meint:

    Glaub ich kaum, und warum auch, wenns selbst die Kaltmamsell noch nicht (aus)gelesen hat. Bis es soweit ist, genieße ich die sehr interessante und gepflegte Diskussion zu ihrem Wort samt Gedanken dazu und freue mich auf ihre Kritik zu den Worten vom Mareike Fallwickl nach Auslesen. Falls Auslesen.

    Weil aus dem Fenster werfen wegen Quatschlesewut ist manchmal auch ein Weg. Und dann braucht’s vielleicht gar keine Worte mehr.

  25. Croco meint:

    Seltsamerweise ist der Kinderwunsch immer nur ein Thema zwischen Frauen. Die Diskussion kann durchaus kontrovers bis verächtlich sein, in beide Richtungen.
    Ich habe es aber noch nie erlebt, dass Männer untereinander intensiv darüber sprechen. Niemand Männliches in meinem erweiterten Freundeskreis hat je gesagt: ich wünsche mir Kinder.

  26. Die Toni meint:

    Lediglich anekdotische Evidenz, ich weiß, aber ich kenne persönlich drei Männer, die sehr – und jahrelang – darunter gelitten haben, keine Kinder zu haben und evtl. auch nie haben zu werden (1x mangels Partnerin, 1x schwul und Ehemann wollte die denkbaren Ersatzlösungen nicht und 1 x hat es einfach jahrelang nicht geklappt). Alle haben eine große Sehnsucht ausgedrückt. Leben ist halt so vielfältig wie unterschiedlich.

  27. Karin meint:

    @croco und toni: mag sein, dass es auch Männer mit ausgeprägtem Kinderwunsch gibt – was ich allerdings noch nie erlebt habe, ist, dass Männer sich rechtfertigen müssen, warum sie kinderlos sind. Da herrscht schon ein deutliches Ungleichgewicht. Als ich noch im gebärfähigen Alter war, wurde mir Kinderlosigkeit gern auch mal als fehlende Qualifikation in meinem (mit Kindern verbundenen) Beruf unterstellt. Ich kenne keinen einzigen männlichen Kollegen, der sich solche Fragen gefallen lassen musste.

  28. Veneta meint:

    In unserem Bekanntenkreis trennt sich gerade ein Mann von seiner Frau nach 12 Jahren mit der Begründung, er habe nie Kinder gewollt und wäre immer unglücklich gewesen. (Hat auch eine Freundin am Start…). Sie haben eine kleine Tochter, 3. Klasse. Das finde ich krass: Selbst das eigene Kind hat nichts bei ihm ausgelöst. Und er hat nie den Mut gehabt, zu sagen, dass er keine Kinder möchte. Was für eine Katastrophe: für alle drei. Sind die gesellschaftlichen Konventionen mit-schuld? Oder die eigene Sprachlosigkeit?

    Zum Gefühl Wut oder auch Hass: dass Menschen die Energie haben, wütend auf andere zu sein, wenn diese ihnen nicht direkt etwas angetan haben, sondern andere Lebensentscheidungen treffen: auch krass. Die Energie habe ich gar nicht, bzw. es scheint mir so unnötig, sie dafür zu verschwenden. Wozu? Was bringt das einem?

    Das Buch habe ich nicht gelesen, ich finde die Diskussion interessant.

  29. Alexandra meint:

    Ich wollt’ ja auch nur sicher gehen, dass ich den Begriff nicht missverstehe. Dass es das geben kann, traue ich mich auch nicht wirklich anzuzweifeln. “Sein lassen” im positiven Sinn kann ich nicht immer perfekt, aber ich strebe es an.

  30. Alexandra meint:

    Ob ich es lesen werde, entscheidet sich für mich gerade erst. Daher auch Begriffsüberprüfung. ;)

  31. Alexandra meint:

    Wenn Frauen so intensiv und offen miteinander darüber sprechen, sind selten Männer dabei. Umgekehrt isses vielleicht genauso?

  32. Alexandra meint:

    Das hängt vielleicht auch mit der weiblichen Sexualität zusammen – diese und die Fruchtbarkeit werden ja teilweise sogar von Gesetzen und mit Argusaugen bewacht. Männlicher Sexualität geht es nie so – abgesehen davon, dass ihre Fruchtbarkeit auch offenbar nicht zwingend endet.

  33. Sebastian meint:

    Was @Karin sagt und sonst auch anekdotisch: Mit Mutter unserer Kinder gelebt seit ich erwachsen geworden bin, da dauernd Kinder drumherum, war weder Kinderwunsch noch -unwunsch ein Thema bei mir und ihr. Es war (mir) einfach klar, dass sie da sein werden und hat dann auch geklappt. Es war eine Freude und nicht einfach, im Zweifel mehr für die Mutter. Was womöglich auch zur Trennung nach 15 Jahren beigetragen hat.

  34. Alexandra meint:

    An Ärger festhalten ist wie Gift trinken und warten, dass der Andere stirbt.

  35. Neeva meint:

    Interessantes Phänomen: Diese Wut, wenn anderen Frauen Entscheidungen treffen, die in Summe dazu führen, dass Gleichberechtigung weiterhin eine Utopie ist.
    Die größte davon ist sicher die Entscheidung Mutter zu werden. Gilt aber auch für selbstverständlich widerstandslos die Erwerbsarbeit reduzieren und anschließend geschockt sein, dass wirtschaftliche Abhängigkeit sich auf die innerfamiliären Machtverhältnisse auswirkt.
    Oder selbstverständlich einen Aufwand für das Aussehen treiben (Kosmetik, Sport, Ernährung), der es anderen Frauen massiv erschwert es mit Duschen, Kämmen, anziehen gut sein zu lassen.
    Ich versuche dann, meine Wut bewusst auf die Propaganda zu richten, die eben diese Geschlechterrolle verbreitet und aufrechterhält.

  36. Nina meint:

    @neeva danke!

  37. Die M. meint:

    Ich denke nicht, dass es die Entscheidungen sind, die Gleichberechtigung unmöglich machen, sondern der Unwillen von Politik und Gesellschaft, strukturell etwas zu verändern. Alles andere sind nur Symptome dieses Unwillens.

  38. Alexandra meint:

    Was mich an “HerStory” sowohl immer wieder erstaunt als auch schwer erschüttert, ist die quasi nicht vorhanden zu sein scheinende Nachhaltigkeit der Erkenntnis und der Ereignisse. Insbesondere beim Generationswechsel.

    Aber Kennzeichen von Entwicklung auf gesamtgesellschaftlicher Breite sind wohl auch Rückschritte, immer und überall.

    Frau Dr. Vanessa Giese erwähnt hier https://fraunessy.vanessagiese.de/2022/04/04/auf-achse/ dieses Buch: https://www.argon-verlag.de/hoerbuch/schutzbach-die-erschoepfung-der-frauen-2008126/

    Für mich mindblowing, obwohl nicht unbeschlagen in der Thematik. Bei Feministinnen der 60er, 70er Jahre indes führt’s nur zu müdem Abwinken: “Ja, immer noch … “.

    Hm.

  39. Die M. meint:

    Ergänzender Vorschlag: “Raus aus der Mental Load Falle” von Patricia Cammarata.

  40. Susann meint:

    Die Vorstellung, dass Frauen wütend sein können auf andere Frauen, weil erstere sich aufgrund der Prioritätensetzung letzterer unter Druck gesetzt fühlen, finde ich befremdlich und unerwachsen. Jede/r hat zuerst einmal die Aufgabe, sich sein oder ihr Leben so einzurichten, wie es für ihn oder sie gut ist – ohne darauf zu achten, wie die eigene Prioritätensetzung auf ideologische Ziele anderer wirkt.

  41. Alexandra meint:

    Ich war auf einer Mädchenschule. Für mich war das Alltag; also fremd ist mir das gar nicht. Und ja, es ist unerwachsen. Wer vom Vater an den Bräutigam übergeben wird, dessen Namen annimmt – wird je erwachsen? Vorgesehen scheint das in diesem Konstrukt nicht. Und das ist noch immer “Tradition”. Wobei das nur das Überreichen von Asche ist – die lebendige Flamme derselben, die doch eigentlich weiter gegeben werden soll, hat sich wohlweislich davongemacht.

  42. Alexandra meint:

    Ja, danke, das war ein anderes Licht. Das ging mir aber auch auf.

  43. Susann meint:

    Ich war auch auf einer reinen Mädchenschule – das war nicht so, dass man daraus a) freundliche Gedanken über weiblichen Umgang mit anderen Frauen hätte ableiten können und b) irgendeine Vorbildwirkung fürs Erwachsenenleben daraus hätte generieren können. Ich habe jeden einzelnen Tag gehasst, nie waren Jungs oder Männer so sch*e zu mir wie Mädchen oder Frauen.

    Nachdem ich keine Hochzeiten erlebt habe, in denen ein Vater irgendwen übergeben hat oder eine gezwungen wurde, den Namen des Mannes anzunehmen, ist das in meinem Leben eher Folklore – wer will, soll das gerne so handhaben, wer nicht, lässt es bleiben. Jedenfalls rechtfertigen Frauenbilder von Anno Dunnemals doch nicht ein Weltbild, in dem man andere Frauen hasst, weil sie sich gerne schick machen, während man selbst lieber in der Jogginghose herumläuft.

  44. Neeva meint:

    Susann, man kann ja wütend über bestimmte Handlungen sein, ohne einen Menschen zu hassen. :-)

    Mein diesbezüglich krassestes Erlebnis waren die beiden Kolleginnen (eine kinderlos, eine mit Teenager), die in der Besprechung vor dem Chef herumtönten, dass die zum zweiten Mal schwangere jüngere Kollegin ja diesmal bestimmt nicht wieder Vollzeit zurückkäme, das ginge ja nicht. Ich sehe ein, dass man den Jüngeren Möglichkeiten neidet, die es in Bayern vor 20 Jahren einfach nicht gab, aber dafür dann diese Möglichkeiten zu sabotieren und damit das Klischee aller Frauen als unzuverlässige Mitarbeiterinnen zu befeuern… Ja, da werde ich dann wütend. Das betrifft dann nämlich ziemlich direkt auch meine beruflichen Chancen. Und ja, natürlich habe ich gegengeredet. Machen wir noch ein Bingo-Kreuz bei Stutenbissigkeit.

  45. Alexandra meint:

    Es muss kein Name mehr übernommen werden, agreed. Zu Zeiten noch meiner Mutter (Heirat 1968) war das aber selbstverständlich. Und ist es in nicht wenigen Ecken der Gesellschaft noch immer, obwohl es inzwischen alle so machen können, wie sie möchten. Ich werte das nicht, ich betrachte nur die Blasen, in denen sich das auch vorläufig nicht einfach ändern wird. Von wegen Unerwachsenheit. Und daher kommt das dann eben auch, das Wüten, dessen Energie woanders besser eingesetzt wäre.

  46. Die M. meint:

    Habe mir noch dieses hier vorgemerkt, aber wahrscheinlich ertrage ich die Lektüre nicht:

    https://www.deutschlandfunkkultur.de/evke-rulffes-die-erfindung-der-hausfrau-eine-schleichende-100.html

  47. Alexandra meint:

    Danke, nehm’ ich auf die Merkliste!

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