Journal Dienstag, 17. Februar 2026 – Heimreise und der Raglanmantel am Besitzer plus Umfrage

Mittwoch, 18. Februar 2026 um 6:27

Sehr gut geschlafen bis fünf, dann mit zugeschwollener Nase nicht mehr recht eingeschlafen.

Unser Zug zurück nach München ging erst um halb elf ab Wien Meidling, ich konnte noch bloggen. Packen und Auschecken gingen schnell, es gab Morgen-Cappuccino im Westbahnhof, wo wir auch Brotzeit für die Fahrt besorgten.

Zu den vielen Details, die mir in Wien positiv auffielen, gehörten die viel wenigeren LALÜs als in München. Ja, auch hier machten sich Krankenwagen (aka “die Rettung”) durch Martinshorn vor roten Ampeln an Straßenkreuzungen bemerkbar, aber immer nur ganz kurz und nicht wie in München ganze Straßenzüge lang.

Wir trafen viel zu früh in Meidling ein, zudem zeigte meine App wechselnd lange Verspätung der Abfahrt an. Tatsächlich starteten wir nahezu pünktlich.

Wenn man erstmal akzeptiert, dass dieser Winter nie mehr aufhören wird, geht’s eigentlich.

Ereignisarme Fahrt mit Zeitung- und Internet-Lesen durch Bahnhöfe wie Redl-Zipf – Ortsnamen sind einfach immer für einen Lacher gut, und das auf der ganzen Welt. Auf halber Strecke lag die Verspätung bei gut 20 Minuten, doch beim Blick aus dem Fenster mit erneutem und waagrechten Schneefall dachte ich mal wieder: “Am Steuer eines Autos und auf einer Straße möchte ich gerade noch viel weniger sitzen.” (Was bei mir nicht ganz güldet, weil ich eigentlich nie am Steuer eines Autos sitzen möchte, aber Sie wissen, worauf ich hinaus will.) Zu Mittag aß ich um halb zwei einen Apfel (Geschenk des Hotels) sowie ein Kornspitz mit dick Käse.

Daheim in München schien die Sonne (wie sie es auch unterwegs hin und wieder getan hatte). Und vor der Wohnungstür wartete eine Kiste Orangen – leider nicht wie vereinbart gestern geliefert, sondern bereits am Samstag davor. So konnten wir erst jetzt den Inhalt Frucht für Frucht checken, und ja: ein halbes Dutzend hatte bereits matschige Stellen, Herr Kaltmamsell presste erst mal ein großes Glas Orangensaft aus.

Ein paar Häuslichkeiten, dann bat ich Herrn Kaltmamsell zum Mantel-Modeln – mit verschiedenen seiner Mützen und Hüte.

Was meinen Sie: Welche Kopfbedeckung passt am besten zu dem Mantel?

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Die edlen inneren Werte des Mantels:

Außerdem hat Herr Kaltmamsell (natürlich) den historischen und sprachlichen Wurzeln des Kleidungsstücks hinterherrecherchiert.

Das letzte Tageslicht nutzte ich für eine Bügelrunde. (Nach den vier Tagen Gemeinsamkeit mit Herrn Kaltmamsell und vielen anregenden Gesprächen und Austauschen, in denen ich von dem Vielen profitierte, was ich an ihm mag und schätze, verschwanden wir zu Hause wieder in unsere separaten Welten. Deshalb ist es ja so wichtig, dass wir immer wieder zu zweit solche und ähnliche – Wanderung, Museumsbesuch, Restaurantessen – Unternehmungen unternehmen.)

Nach vier Tagen ohne checkte ich, ob Yoga noch funktionierte: Ja, tat es.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell eine Sensation, die vor einiger Zeit durch mein Internet gegangen war: Paradeiserkraut. Und zwar erst jetzt und damit nach allen, allen anderen, weil wir das nächste Weißkraut im Ernteanteil abwarteten.

Statt Semmelnknödeln gab es bei uns dazu ein leichtes Eiergebäck (knuspriger Biskuit), das wir in der Wiener Bäckerei Ohel gesehen hatten, und das uns als Beilage zu Suppen und Eintöpfen erklärt worden war. Schmeckte ganz hervorragend, kommt auf die Liste der Lagerweißkrautrezepte.

Nachtisch Hamantaschen (gut!) und Schokolade. Seufzende Vorbereitung des ersten Arbeitstags nach Faschingsurlaub.

§

Gisèle Pelicot hat ein Buch geschrieben, ihre Perspektive der Gewalt, die ihr angetan wurde, und des Gerichtsverfahrens, das sie dadurch historisch gemacht hat, dass sie die Öffentlichkeit zuließ. Die New York Times interviewt sie darüber.
“The Interview
‘They All Tried to Break Me’: Gisèle Pelicot Shares Her Story”.

Ich bitte Sie: Lesen Sie dieses Interview mit all seinen Ungeheuerlichkeiten und Abgründen. (Vermutlich am besten wie ich in kleinen Abschnitten.) Die Scham muss die Seite wechseln.
Und was die unglaubliche Resilienz von Gisèle Pelicot angeht: Wie sie selbst gehe ich davon aus, dass es viel damit zu tun hat, dass sie keine eigene Erinnerung an die zahllosen Vergewaltigungen hat. Sie weist meiner Meinung nach zurecht darauf hin, dass es eine ganz andere Belastung ist, wenn man tatsächlich, weil bewusst durch musste.

die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Journal Dienstag, 17. Februar 2026 – Heimreise und der Raglanmantel am Besitzer plus Umfrage“

  1. Bleistifterin meint:

    Sehr schöner Mantel, passt zu jedem Hut – kommt halt auf den Anlass an…. Town oder Country?
    Die Länge ist glaube ich der eigentliche Trick, gut wenn/dass der Herrenausstatter das gleich mitliefert!

  2. Jenny meint:

    Herr Kaltmamsell sieht im neuen Mantel so umwerfend aus wie ich es mir vorgestellt habe. Danke für die Fotos und die Modenschau.

  3. Sr. Verano meint:

    Der Mantel verlangt jedenfalls nach einer Kopfbedeckung – ich schwankte zwischen Fedora und Flat Cap.

    Bei dem Krautrezept wundere ich mich mal wieder über die Mengenangabe statt Gewicht bei den Zwiebeln, sind diese doch oft sehr unterschiedlich groß. Klar, es wird wohl von mittelgroßen Exemplaren ausgegangen, aber wieso nicht auch hier einfach das Gewicht der Zutat angeben? Werd ich jedenfalls trotzdem bald mal ausprobieren – danke!

  4. Beate meint:

    Herr Kaltmamsell schaut sehr fesch aus! Ein guter Kauf …

  5. Croco meint:

    Mir gefallen alle Kopfbedeckungen. Es kommt wohl darauf an, als was er gerade unterwegs sein will.
    1. Alltag
    2. Nick Knatterton
    3. Humphrey Bogart
    4. Pan Tau
    Der neue Mantel macht schon was her.

  6. Pippilotta meint:

    Schöner Mantel, steht Herrn Kaltmamsell tatsächlich ausgesprochen gut!

    Interessant, wie sich alleine durch ein kleines Accessoire wie die Kopfbedeckung das Bild und die Assoziationen verändern lassen, auch wenn sonst alles gleich bleibt: Schiebermütze, Fedora, Melone stehen symbolisch für Berufe, Rollen und gesellschaftliche Stellung und verändern damit den Eindruck, den der Betrachter von der tragenden Person bekommt. Vielleicht habe ich aber auch nur zu viele Edgar-Wallace-Filme gesehen… ;-)

  7. Sabine meint:

    Was Croco sagt :) Liebe Grüße, Sabine

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