Journal Sonntag, 30. August 2026 – Nymphendrama am Feigenbäumchen

Montag, 31. August 2026 um 6:23

Geben Sie zu: Die Überschrift ist der Knaller, oder?

Ganz wunderbar und lang geschlafen, ach war das schön.

Der Morgen sonnig und sehr frisch, doch da jetzt jede Gelegenheit die letzte für diesen Sommer sein könnte, setzte ich mich für meinen Morgenkaffee auf den Balkon.

In Socken und Wolljacke war mir auch warm genug.

Ausführliches Bloggen, am Vorabend hatte ich lediglich die Bilder vom Handy überspielt und benamst.

Am Vortag hatte ich an der reifsten Feige des rechten meiner beiden Topffeigenbäumchen (nur das trägt Früchte) mindestens ein Dutzend kleiner schwarzer Insekten entdeckt.

Jetzt machte ich davon Fotos, schickte sie meiner gründaumigen Mutter und fragte sie und mein Mastodon um Rat. Dadurch bekam ich den Tipp, dass es sich um die Nymphen von Baumwanzen handelt, die uns seit einigen Jahren eh ziemlich unangenehm belästigen. Sind wohl sehr widerstandsfähig, auch gegen Pestizide, deshalb der Rat: Töten! Ich legte ein Blatt Küchenkrepp bereit, und ab dann wurden sie bei Sicht zerquetscht (gruslige Erinnerungen an Kartoffelkäfereier-Zerquetschen in meiner Kindheit).

Plan für die Nutzung des schönen, aber nicht heißen Wetters: Laufrunde, ich wollte mal wieder den Hofgarten und den nördlichen Englischen Garten an der Isar sehen.

So oft wie heuer trug ich die kurze Laufhose noch nie (und schere mich wirklich nahezu gar nichts darum, dass man darin die altersgemäße Gewebestruktur meiner Oberschenkel sieht).

Wetter wirklich nahezu perfekt, in der Sonne um die Mittagszeit einen Tick zu warm, doch es ging ein angenehmer Wind. Mein Körper freute sich über die Unternehmung allerdings nicht so sehr wie mein Gemüt: Die ganze Mitte fühlte sich eng geballt wie eine Faust an, Hüften, LWS, Sitzbeinhöcker hielten die Luft an und ließen sie nicht mehr raus.

Da waren sie schon, die Verräterinnen des Sommers: Herbstzeitlose, und nicht zu knapp.

Doch sonst sagten die Farben der Uferauen noch unmissverständlich: Sommer.

Gut 110 Minuten gingen auch mit geballter Hüfte, mind over matter, wenn ich doch nur an Wochenenden dazu komme.

In der Tram nach Hause mehr Sommer: Eisbachschwimmer*innen (wer in Badekleidung ist, muss auf dieser Strecke keine Fahrkarte vorzeigen, manchmal habe ich München schon sehr lieb).

Zu Mittag aß ich gegen zwei selbstgebackenes Brot, einmal mit Butter und Schinken, einmal mit Butter und Tomate. Dann noch eine Textil-Mango.

Gemächlicher Nachmittag mit Siesta und Lesen auf dem Balkon.

Bei der erneuten Nymphenjagd an der Topffeige neben dem Balkontisch passierte Herrn Kaltmamsell ein Ungeschick mit weitreichenden Räum- und Reinigungsfolgen – wie bereits am Vorabend, als ein solches den Beginn unseres Abendessens verzögert hatte. Wieder waren wir beide sehr froh, dass es ihm passiert war und nicht mir, denn der Herr hat die charakterliche Größe, tatsächlich einfach nur zu Räumen und Reinigen, ohne zu zürnen, zu zetern und sich selbst zu beschimpfen – anders als andere Haushaltsangehörige.

Eine Einheit Yoga, meine Hüftregion immer noch geballt.

Herr Kaltmamsell servierte einen weiteren Punkt von der Sommerliste: Okroschka (mit Räuchertofu), sehr, sehr gut.

Nachtisch eine Sensation aus dem Kartoffelkombinat: Wassermelone. Nicht unsere erste, aber ich bin immer noch total geflasht. Weiterer Nachtisch Süßigkeiten.

Wohnungsräumen für den Putzmann-Einsatz am Montag und für meine Arbeitswoche, früh ins Bett zum Lesen.

§

Für mich sehr bewegend:
“Wie die erste Bar Mizwa in Ermreuth nach 110 Jahren gelingt”.

die Kaltmamsell

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