Journal Sonntag, 20. September 2026 – Sonnensonntag, Oktoberfest-Auswüchse
Montag, 21. September 2026 um 6:30Gut und wunderbar lang geschlafen. Es wurde sonnig hell.
Neu: Wanderkrätze mit Sockenmuster.
Auch an diesem Sonntag plante ich einen Isarlauf, Routenwahl bestimmt durchs Oktoberfest: Am ersten Sonntag der Intersuff belegt der Trachtenumzug weite Teile der Innenstadt. Dazu gehören, wie ich einmal beim Radlen zu einem Isarlauf lernte, auch Straßen an der Isar, denn dort wird sich für den Umzug aufgestellt. Also wich ich nach Süden aus: Ab Haustür über alten Südfriedhof und Westermühlbach zu Flaucher und nach Maria Einsiedel.
Herrliches Kurzärmel-Wetter, wunderbarer Wind. Ich brauchte ein Viertstündchen, um mich locker zu laufen, aber dann spielte der Körper hervorragend mit.
Strahlender Alter Südfriedhof.
Flaucher – es wurde weiterhin gebadet in der weiterhin extrem niedrigen Isar.
Frühstück um zwei auf dem Balkon: Käse, Marmorkuchen, Zwetschgenkuchen. Das erzeugte eine angenehme Bettschwere, die ich für eine Siesta nutzte.
Den Nachmittag verbrachte ich lesend auf dem Balkon. Jetzt fand ich den Wind nicht mehr so wunderbar: Er kam von Westen (wir erinnern uns an den Erdkunde-Unterricht: Westwindzone), also von der Theresienwiese also vom Oktoberfest. Und brachte Gerüche sowie Geräusche. Dazu ein viertelstündliches LALÜ!
Vermehrt Fahrzeuge, die vor unserem Haus eine Durchfahrt Richtung Theresienwiese vermuteten, zum Beispiel dieses (IM? ERNST?!).
Mely Kiyak, Dieser Garten ausgelesen. Ein eigenwilliges Buch von 2011, das ich der rabiaten Mely Kiyak nicht zugetraut hatte (ich Dummerle): Über das Gärtnern der Benediktinerinnen der Abtei zur heiligen Maria Fulda seit den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs, über viele der beeindruckenden Persönlichkeiten der Nonnen. Der Tonfall ist sehr Lokaljournalismus, ungewohnt für Kiyak, aber perfekt passend für das Thema. Das schönste am Buch fand ich das Nachwort von 2024, in dem Kiyak sehr berührend beschreibt, wie sie zu dieser Geschichte kam und was sie in ihrem Lebensweg bedeutet.
Eine Einheit Yoga, Schwerpunkt Kraft, leider mit einigen Schmerz-Jodlern wegen LWS. Danach griff ich nun doch zu einem der beiden Thermacare-Gürteln, die ich noch in unserem Arzneimittel-Kasten gefunden hatte.
Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Fenchel als Suppe, dazu die zarten Ernteanteil-Zucchini gebraten.
Im Bett die nächste Lektüre: Terry Pratchett, Guards! Guards! – Herr Kaltmamsell hatte es kürzlich gelesen und überzeugend davon geschwärmt.
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Vergangene Woche plauderte ich in der Teeküche mit einer entfernteren Kollegin, die sich als begeisterte Oktoberfest-Teilnehmerin herausstellte, seit Generationen, Großtante dortselbst Bedienung, jedes Jahr mehrere Familientreffen in einem der Bierzelte. Als ich ihr umriss, was Oktoberfest für die Anwohnenden bedeutet, und anwohnen tut man in einem ungefähren Umkreis von zwei Kilometern, war sie völlig überrascht und entgeistert: Seien die Sitten mittlerweile SO verkommen?! Ich lachte über das “mittlerweile”, gab aber zu, dass ich nur die vergangenen 27 Jahre aus eigener Erfahrung kenne, dass diese aber stabil so seien, wie sie zum Beispiel Frau Klugscheißer schildert:
“Everything Goes to Hell”.
Auch diesmal sei betont, dass es unter denselben Anwohnenden glühende Oktoberfest-Fans gibt, die ganz oft hingehen und es lieben. Oktoberfest ist keine Tourismus-Veranstaltung, sondern durch und durch Münchnerisch. Großen Dank deshalb an Herrn Hufner, der ein Romanfragment von Ödön von Horváth aus dem Jahr 1929 über München zitiert und damit belegt, dass die Sitten nicht verkommen sind, sondern genau so typisch.








