Journal Mittwoch, 23. September 2026 – Geschichten aus dem Dantebad
Donnerstag, 24. September 2026 um 6:25Ein Traum brachte mich derart auf, dass ich alle Kraft benötigte mich davon zu überzeugen, dass das EIN TRAUM! war.
Nämlich: Am Ende einer Einladung bei uns daheim hatten Gäste Herrn Kaltmamsell und mir ein großes Sportgerät plus eingepacktem Zubehör geschenkt. Ich war in Hektik, weil ich zum Flughafen musste um zu verreisen, nahm ich das Geschenk einfach zusätzlich zu meinem Gepäck mit. Und dann saß ich am Flughafen zwischen fünf großen Gepäckstücken, wusste aber, dass ich nur zwei einchecken durfte, musste den Rest also irgendwie loswerden, als erstes fiel mir mein Vater ein, der es abholen konnte, von Ingolstadt aus war es ja nicht weit, doch vor lauter Aufgebrachtheit (ging weit über Aufgeregtheit hinaus) schaffte ich es nicht mal, auf meinem Handy Apps zu schließen, um an die Telefonier-Funktion ranzukommen, ich wurde immer hektischer und verzweifelter – und wachte davon endlich genug auf, um mich einzufangen: Das ist ein Traum! Du musst keine Lösung finden! Das ist nicht echt!
So heftig emotional war schon lang kein Traum mehr gewesen.
Tatsächlich schaffte ich es auch, noch ein wenig einzuschlafen vor früher gestelltem Wecker, stand aber reichlich durch den Wind auf. Dennoch kam ich gut los für meine Schwimmpläne. Draußen war es wie angekündigt scheißkalt (erste Handschuh-Gedanken), kurz vor sieben sah ich die ersten Atemwölkchen der Saison. Unterwegs erkannte ich einen Mann wieder, der bislang noch jedes Mal mit derselben U-Bahn wie ich zum Westfriedhof fuhr, von dort wie ich zum Dantebad ging – ob er das wohl an jedem Montag, Mittwoch, Freitag tut? Auf meiner Schwimmbahn identifzierte ich niemandem, als den ich ihn vermutet hätte.
Über dem Schwimmbecken lag dicker Dampf, das Wasser war auf Wintertemperatur hochgeheizt. Das empfand ich erstmal als zu warm, dann aber ging es – zumal ich die prophylaktische Ibu vergessen hatte und auf die heilende Wirkung der Wasserwärme setzte.
Die Sonne ging golden auf, bereits sehr herbstlich weit rechts und niedrig, aber zu wolkenlos blauem Himmel, und bestrahlte die erste Ahnung von Herbstlaub. Diesmal brauchte ich keine Pinkelpause, das werde ich alles ins soachwarme Wasser geschwitzt haben. Doch mein Gemüt kam aus dem Mittelgrau nicht recht heraus, die sensationell kitschigen Anblicke links und rechts beim Luftholen kamen nicht richtig bei ihm an.
Wieder schwamm ich neue Rekordzeit, diesmal könnte ich aber nicht beschwören, ob ich mich nicht doch einfach verzählt habe.
Große Liebe für Sammelumkleiden.
Während ich in Unterwäsche (wegen Nachschwitzen) im Spiegelbereich der Sammelumkleide Haare föhnte, hörte ich aus dem Gang bei der Eingangstür: “Oh nein, das geht wirklich kaputt. Ich brauch eine Goldschmiedin.”
Sofort aus dem hinteren Gang: “Ich bin Goldschmiedin.”
Eine Frau in blauem Sport-Bikini und oranger Bademütze ging rüber zum Türgang, ich hörte Beratung zu Löten versus Schmieden (es ging um ein Armkettchen).
Weiterer Female Locker Room Talk: “Die größte Bedrohung für das Patriarchat ist eine Frau, die sich völlig in Ordnung findet.”
Und DANN war da noch die Frau in der Umkleide, die beim Eincremen ihrer Beine melodiös vor sich hin summte.
Für alle Fälle zum Mitschreiben: Der Widerstand wird von Damen-Sammelumkleiden aus organisiert werden. Was Schwimmbewegung und Sonnenschein nicht geschafft hatten, bewirkte jetzt dieses entzückende Menscheln: Mein Gemüt wurde hell, ich freute mich wirklich am Tag.
Homerstraße, hinter mir der Eingang zum Dantebad.
Die U-Bahn-Fahrt in die Arbeit wurde zwischen Hauptbahnhof und Theresienwiese besonders interessant: Reichlich Oktoberfest-Bedienungen, wie ich auf dem Weg in die Arbeit. Allerdings deutlich anders ausgestattet.
In der Arbeit wurde es emsig, ich hatte die seltene Gelegenheit, eine hochgeschaukelte, scheinbar komplexe Angelegenheit durch Bodenständigkeit und einfach Machen über die Ziellinie zu bringen (habe ich mich gerade als “unkompliziert” bezeichnet?).
Drumrum Gewirbel und Querschüsse, erst spät kam ich raus auf meinen Mittagscappuccino – diesen Marsch wollte ich in weiterhin sensationellem Sonnenschein mit lediglich etwas Wärme unbedingt haben. Und er war herrlich.
Zu Mittag gab es Birnen sowie Skyjolei.
Ruhigerer Nachmittag, draußen lachte weiter die Sonne.
Heimweg direkt, also über den Bavariaring – von dem mich Oktoberfest-Sicherheitskräfte scheuchten, weil er hier nur als Zugang zum Oktoberfest fungierte. Aber ich musste nur einen kleinen Umweg laufen.
Daheim holte ich lediglich Herrn Kaltmamsell ab: Wir waren zu einem Abendessen im Weißen Bräuhaus verabredet, das wir seit Jahren auf der Liste haben.
Nämlich deswegen. Das Weiße Bräuhaus ist für seine Innereienküche berühmt, unter anderem wird hier laut einigen Quellen Montag bis Mittwoch gebackenes Kuheuter angeboten. Nach dem musste wir allerdings fragen, es stand nicht auf der Speisekarte. Die ausgesprochen rustikale Kellnerin stritt auch erstmal ab, dass es das gebe, ließ sich aber übereden, in der Küche nachzufragen. Und da hatten wir es. Schmeckte gut, aber wenig besonders (anders als Leber, Niere, Milz, Lunge). Wir hatten noch Platz für einen geteilten Kaiserschmarrn, der sehr deftig und reichlich karamellisiert war.
Nach Hause in nahezu milder Luft.
§
Senta Berger (<3 <3 <3) kürzlich in der Talk-Runde “Kölner Treff” – bezaubernd und mit interessanten Aussagen übers Altwerden.
https://youtu.be/FRfex-ex6j0?si=1GVfWfEcYKm3DMCu



