Journal Mittwoch, 30. September 2026 – Zahnkostenüberlegungen

Donnerstag, 1. Oktober 2026 um 6:29

Recht gut geschlafen, doch ich bedauerte sehr, dass ich wegen Lärmbelästigung die herrliche Nachtluft nicht durch ein offenes Fenster hereinlassen konnte.

In recht kalter, aber wunderbar sonniger Morgenluft spazierte ich zu meinem zweiten Termin beim Oralchirurgen.

Als erstes stellte sich heraus: Der Kostenvoranschlag war nicht per Post eingetroffen. Die Mitarbeiterin zeigte sich über diesen Umstand nachvollziehbar vergnatzt: Sie habe ihn bereits am Tag nach dem ersten Beratungstermin abgeschickt, um mir genug Zeit zur Durchsicht vor dem gestrigen Termin zu geben. Ich nehme an, dass mal wieder ein Postbote nicht gesehen hat, dass es Briefkästen zu beiden Seiten der Eingangstür gibt, und bat Frau Dentalchirurgbüro, sich nicht über einen wahrscheinlichen Rückläufer mit der Behauptung, ich wohnte dort nicht, zu wundern.

Die gute Seite daran: Diese Kostenvoranschlag-Erstellerin druckte die Aufstellung jetzt nochmal aus und ging sie grob mit mir durch – sie wusste aus Erfahrung, aus welchen Positionen sich oft Fragen ergeben. Mit veranschlagt war einiges an High-Tech: Wenn ich das richtig verstanden habe (!), wird über zwei verschiedene 3D-Aufnahmeverfahren der Eingriff genau berechnet, Herr Chirurg führt nur noch aus. Eine Aufnahme war bereits vor einer Woche erstellt worden, gestern machte eine weitere Angestellte mit einer kleinen Superfotokamera am Stab ein exaktes 3D-Abbild von Zähnen und Mundinnenraum (und war so freundlich und geduldig, mir viele neugierige Fragen zu beantworten), das sie mir auf dem Bildschirm von allen Seiten zeigte.

Die Summe des Kostenvoranschlags hatte ich so ungefähr erwartet.
“17 Impl. mit extrenen Sinuslift und Aug. DVT. Scan und nav. Bohrschablone/Planung”:
4.236,53 Euro
(Ich vermute den Kostenanteil für das Foyer der Dentalchirurgie hinter den zwei Posten “Zuschlag bei nicht stationärer Durchführung” für 123,73 Euro und 22,50 Euro.)

Diese genauen Beträge halte ich hier aus Chronik-Gründen fest
(-> aufschreiben! alles aufschreiben!), Jane Austen und Frances Burney machten das in ihren Romanen ja auch und lieferten wertvolle zeithistorische Dokumente (nicht dass ich mich mit Burney oder Austen vergleichen wollte). So ein Implantat kostet damit also deutlich mehr als mein Monats-Einkommen.

Zahnzusatzversicherung habe ich ja keine, weil laut meiner Zahnärztin vor 13 Jahren meine besonders guten Zähne keine nötig machen (“Wenn’S jeden Monat fünf Euro ins Sparschwein werfen, ham’S mehr davon.”). Aus Jux rechnete ich mal durch, wie viel ich bei meiner Krankenkassen in diesen 13 Jahren bis heute für eine Zahnzusatzversicherung eingezahlt hätte, die die gesamten Kosten für das obige Implantat übernehmen würde: über 11.000 Euro. Meine Zahnärztin lag also richtig – allerdings hätten die 5 Euro ins Sparschwein nicht gereicht.

Der Herbst ist schon da, er ist nur nicht gleichmäßig verteilt.

Im Büro Emsigkeit, aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie am Hochhaus vorm Bürofenster zwei Krähen einen Falken attackierten.

Spaziergang auf einen Mittagscappuccino im Westend.

Vor mir holte sich eine Oktoberfestbedienung in gebrandetem Arbeitsdirndl auf dem Weg zur Schicht ihren Morgenkaffee Togo.

Mittagessen: Bananen, Birne (überraschend geschmacksfrei), Feigen, Nüsse.

Emsiger Nachmittag, zu Feierabend war ich müde und erschöpft.

Heimweg über Einkäufe im Vollcorner, der restliche Weg wurde anstrengend: Ein LALÜ! am nächsten, beim Ausweichen vor Betrunkenen (einer ließ gerade seine Lederhose herunter) lief ich irgendwann lieber auf der Straße.

Ab daheim wurde es schön: Ich holte Herrn Kaltmamsell zum Abendessen im Honghong ums Eck ab.

Sehr gut und wohltuend. Daheim zum Nachtisch Vanillepudding und Schokolade. Früh ins Bett zum Lesen.

§

Vanessas lesenswerte Analyse:
“Meine 5cent zur politischen Situation – ohne, dass der Name des Kanzlers vorkommt”.

Unter anderem:

Wenn man sich die Wanderungsbewegungen hin zur AfD hinschaut, wird vor allem eines klar: Die rechtradikale Partei gewinnt, weil sie Nichtwähler mobilisiert – Menschen, die sich im Parteiensystem bislang nicht repräsentiert gefühlt haben. Das war bereits vor den diesjährigen Landtagswahlen bekannt. Wir sind beseelt von der offenen Gesellschaft und haben vergessen, dass rechtsradikales Gedankengut tief verwurzelt ist.

Aber Vanessa wäre nicht Vanessa, wenn sie nicht auch ganz handfeste Ideen für eine Verbesserung hätte.

die Kaltmamsell

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