Journal Samstag, 17. Oktober 2026 – 1000-Teile-Puzzle-Oktoberfarben
Sonntag, 18. Oktober 2026 um 8:03Unruhige Nacht, benommenes Aufstehen. Milchkaffee und Ibu 400 richteten das aber schnell.
Wir finden und töten weiterhin Mehlmotten und ihren Nachwuchs in der Wohnung, auch abseits der Küche. Herr Kaltmamsell hat mittlerweile ein kleines Vermögen in schicke Mepal-Plastikdosen investiert, kaufte gestern für weitere Vorräte nach.
Für meinen Isarlauf hatte ich mir etwas Neues ausgedacht, das nur zur Hälfte klappte. Die U-Bahn-Verbindung nach Thalkirchen ist ja jetzt nach Oktoberfest-Magie wieder wegen Bauarbeiten unterbrochen, meine Idee war: Von daheim aus bis Pullach laufen, von dort mit der S-Bahn zurückfahren. Was klappte: Von Haustür über gewohnte Wege an der Isar bis zum S-Bahnhof Pullach lief ich (mit zahlreichen Foto-Stopps) gut 90 Minuten (Selbstbeschränkung, weil ich auch am Sonntag laufen will), das machte selbst unter düsterem Himmel richtig Spaß. Was dann nicht so toll war: 20 Minuten Warten auf S-Bahn, 30 Minuten Fahrt bis – wegen Bauarbeiten Stammstrecke – Endstation Hauptbahnhof, zusätzliche 15 Minuten Fußweg nach Hause. Auf diese Relation Joggen-Heimfahrt werde ich wohl nicht oft Lust haben.
Doch der Körper spielte hervorragend mit, die Ibu mag geholfen haben (anfängliches Zwicken an der linken Kniescheibe durch Quadrizeps-Dehnen wegbekommen), und der Oktober ist gerade in seiner 1000-Teile-Puzzlemotiv-Phase.
Die Flosslände für den Winter abgelassen.
#ÖPNVStarren
Daheim war ich dann doch irgendwann, meine Frühstückssemmeln hatte ich in einer Pullacher Bäckerei während der Wartezeit auf die S-Bahn besorgt. Frühstück noch vor zwei: Trauben, Feigen, Körnersemmeln, eine davon mit einer letzten sensationellen gelben Tomate aus Ernteanteil.
Und dann raffte ich mich zum Backen auf! Das interessanteste Rezept ist ja immer das zuletzt entdeckte, und das war von David Lebovitz: Miso walnut chocolate chip cookies. Las sich am Donnerstag beim Entdecken abgefahren und machbar, ich setzte die Zutaten umgehend auf die Einkaufsliste. Miso, das wusste ich, hat Herr Kaltmamsell eh immer im Haus, allerdings, so lernte ich am Freitag, immer nur eine Farbe, und die ist derzeit braun. Er überzeugte mich, dass auch dunkles Miso für das Rezept taugte, riet allerdings zu einer geringeren Menge.
Die Walnüsse hatte ich schon vor dem Isarlauf mit Miso karamelisiert, jetzt machte ich den Rest. Und stieß dabei auf ein Zeichen der Zeit und ein ganz neues Risiko beim Backen: Ich war auf 80-Gramm-Tafeln Schokolade reingefallen. Im Vollcorner hatte ich zu meiner üblichen 70-Prozent-Backschokolade von Vivani gegriffen und nicht gemerkt, dass diese nicht mehr 100 Gramm schwer sind. Also ab sofort KEINERLEI gewohnte Standard-Größe mehr voraussetzen, merke ich mir für den Zutatenkauf für die Weihnachtsbäckerei. Ich möchte hier @daszeiserl zitieren: “80g Schokotafeln sind ehrlich wahr der Untergang des Abendlandes.”
(“Drei Stücke, Obelix.”)
Nachmittag mit Bloglesungsvorbereitung und Zeitunglesen, draußen versuchte es ein wenig zu regnen.
Eine halbe Stunde Pilates, bevor ich die Drinks des Abends rührte. Herr Kaltmamsell hatte sich Manhattans gewünscht, ich verrechnete mich bei den beiden Wermut-Zugaben – gab es halt doppelte Manhattans.
Aber dann sonst keinen Alkohol mehr. Hicks.
Basis des Nachtmahls war der Mangold aus Ernteanteil, den Herr Kaltmamsell mit Belugalinsen als Spaghgettigericht servierte, sehr gut.
Zum Nachtisch jeder einen der Riesen-Cookies: Waren auch mit 15 Gramm weniger Schokolade wegen Schummel-Tafeln sehr gut geworden, allerdings schmeckte ich nicht viel Unterschied durch das Miso (im Vergleich zu den eh schon sensationellen Chocolate Chip Cookies von David Lebovitz).
Im Bett begann ich die nächste Lektüre, auf die ich durch einen Hinweis in This Is How You Lose the Time War gestoßen war: Naomi Mitchison, Travel Light, veröffentlicht 1952.
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Donnerstagabend hatte ich Siri Hustvedt, What I Loved ausgelesen und bin sehr beeindruckt von dem Roman. Nur: Eigentlich habe ich gelernt und bin stolz darauf, meine Reader Response nachvollziehbar erklären zu können; in diesem Fall fühle ich mich hilflos. Ich weiß nicht recht zu sagen, warum ich dieses Werk so außerordentlich gut finde. Mich beeindruckte, dass Hustvedt aus der Ich-Perspektive eines Mannes schreibt, durchwegs glaubwürdig. Wie ich alle Figuren der Handlung glaubwürdig finde: Seine Frau Erica, das befreundete Paar Bill und Violet.
Ich begleitete diese Menschen durch einige Jahrzehnte ihres Lebens in New York, durch ihre Elternschaft, durch ihre Berufe, die alle mit der einen oder anderen Form des Kunstschaffens zu tun haben. Besonders beeindruckten mich die Beschreibungen vieler, vieler fiktiver Kunstwerke, dazu die der Kunstwelt, in der sie rezipiert werden. Ich lebte beim Lesen Alltag mit und ihre Randfiguren, Körperlichkeit, Trauer und andere tiefen Gefühle. Das tat ich in den Romanen von Sigrid Nunez auch, und doch sind sie völlig anders. Obwohl die Werke beider Frauen verbindet, dass ihre sprachlichen Mittel im Hintergrund bleiben.
Dann gebe ich mein Scheitern bei der Vermittlung meiner Begeisterung halt zu. Wenn Sie sich für Menschen interessieren und für Kunst, hohes literarisches Handwerk mögen – dann ist dieser Roman vielleicht etwas für Sie.
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Leben in hohem Alter – taz-Autorin Laura Catoni recherchiert, wie Menschen ohne Kinder oder sonstige nahe Angehörigen das machen.
“Gemeinschaft im Alter
Was kommt vor dem Tod?”.
















