Journal Mittwoch, 28. Oktober 2026 – Denk-Gestrüpp und Fotogalerie Grabmäler
Donnerstag, 29. Oktober 2026 um 6:35Vom Wecker aus tiefem Schlaf in tiefe Unwilligkeit gerissen worden. Die Aussicht auf schmerzhaftes Aufstehen half nicht.
Musste halt. Mal wieder.
Auf dem Marschi in die Arbeit Herbst-angemessene Lufttemperatur, jahreszeitlich bedeckter Himmel, nochmal Oktoberbunt.
Seltsamer Arbeitsvormittag. Große Unruhe im Kopf, Gedankenverläufe wie ein Wollknäuel, nachdem eine Katze damit gespielt hat, wie dichtes Schlehenbuschgestrüpp (inklusive dieser bilderreichen Assoziationen ein mögliches Migräne-Symptom). Und dann bestand meine Arbeit auch noch in tausenderlei Kleinscheiß – ich glaube, eine größere Aufgabe, die mich mit Konzentration vereinnahmt hätte, wäre beruhigender gewesen.
Für berufliche Einkäufe nahm ich eine U-Bahn zum Hauptbahnhof. Draußen war es immer noch düsterer geworden, ich hoffte auf den vorhergesagten Regen.
Der prasselte erst, als ich zurück im Büro war, und dann auch nur kurz. Für meine mittägliche Runde um die Blöcke nahm ich zwar einen Schirm mit, benötigte ihn dann bei aller Düsterheit nicht (Talisman-Funktion).
Zu Mittag aß ich eine Banane in perfekter Vorreife sowie Mango mit Sojajoghurt.
Nachmittag mit erneutem Regen. UND! Ich bekam selbst gemachtes Sauerkraut aus Bulgarien geschenkt:
In ganzen Blättern im Glas, dazu Infos für klassische Verwendung in Bulgarien: Krautwickel, Suppe, kleingeschnitten in anderem Gemüse, für Korean Pancakes.
Gestern fand die Bürgerversammlung meines Wahlbezirks statt – und ich war nicht dabei: Als ich die Einladung bekam (dieses Jahr hatte ich vergessen, frühzeitig selbst nach das Datum nachzuschlagen), hatte ich für diesen Feierabend schon vor langer Zeit einen Termin bei meiner Kosmetikerin für Pediküre und Gesichtsbehandlung gebucht. Vor langer Zeit, weil diese Feierabend-Slots natürlich begehrt sind, deshalb auch nicht so einfach zu verschieben.
Statt dessen spazierte ich also zur Kosmetikerin und ließ mich zwei Stunden lang anfassen, freute mich im Gespräch über gute Neuigkeiten.
Daheim wartete Herr Kaltmamsell mit dem Nachtmahl auf mich: Ernteanteil war weggegessen, es gab Spaghetti mit scharfer Tomaten-Oliven-Kapern-Sauce, köstlich. Brotzeitvorbereitung, dann zum Nachtisch Schokolade.
Nach Häuslichkeiten nicht ganz so früh ins Bett zum Lesen. Trude Teiges Roman Als Großmutter im Regen tanzte macht mich einerseits gespannt darauf, wie es weitergeht, erzeugt dabei aber ein schales Gefühl, weil sie ein düsteres Thema schon arg auf Niveau deutscher TV-Mehrteiler inklusive Belehrung verarbeitet. Ich möchte den Empfehlerinnen solcher Bücher immer Ulrike Draesner, Die Verwandelten aufdrängen: SO geht das auch kunstfertig, vielschichtig und gut. (Oder sollte man umgekehrt Leser*innen davor warnen Draesner zu lesen, weil sie für jede oberflächlichere Fiktionalisierung des Stoffs verdorben werden könnten?)
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Auf Mastodon gibt es das Meme #Fotovorschlag mit einem Thema für jeden Tag. Ich freue mich, wenn Accounts in meiner Timeline daran teilnehmen, weil sie großartige Fotos oder Einblicke posten. Selbst bin ich meist allein schon dadurch verhindert, dass ich meine Fotos nicht bei mir habe, also nicht auf meinem Handy speichere.
Doch gestern lautete das Thema “Besondere Grabmale” – und jetzt profitierte ich von den vielen Friedhofsbildern, die ich bereits hier im Blog gezeigt habe: Ich mag Friedhöfe sehr gern, finde sie hochinteressant und freute mich über das Wiedersehen mit meinen eigenen Fotos. (Ich habe nicht den leisesten Schimmer, wie es sich anfühlt, voll Schmerz trauernd am Grab eines geliebten Menschen zu stehen – möglicherweise ändert das dereinst mein Verhältnis zu Friedhöfen grundlegend. Aber bis dahin.) Deshalb hiermit nochmal gezeigt:
2024: Auf dem Alten Südfriedhof in München für einen großen Widerstandskämpfer.
2025: Ehrengrab von Hedy Lamarr auf dem Wiener Zentralfriedhof.
2018: Erich Kästner auf dem Friedhof Bogenhausen.
2015: René Goscinny auf dem jüdischen Friedhof hoch über Nizza.
2017: Die Hausmeistermutter Elisabeth Kiermaier auf dem Alten Südfriedhof in München. Grabinschrift:
“Hier ruhen in Gott
Engelbert Kiermaier
25 Jahre Hausmeister im
kath. Zentralgesellenhaus
*30.10.1862 +17.12.1925
und seine Mutter
Elisabeth Kiermaier
*26.10.1821 +21.2.1906“
2021: Ehrengrab von Johannes Hesters (nein, der lebt nicht mehr) auf dem Münchner Nordfriedhof.
2020: Außenmauer des alten jüdischen Friedhofs in Frankfurt.
2022: Alter Südfriedhof in München während Corona.
2023: Grab von Irish Travellern auf dem Brighton Cemetery.
2018: Rainer Werner Fassbinder auf dem Friedhof Bogenhausen.
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Zugfahrten können das Herz auch wärmen, lesen Sie zum Beispiel aktuell bei Vanessa Giese:
“Noch ein Freibadschwumm, ein Schnittbier und Zug-Erlebnisse”.














