Gestern während einer langen Bahnfahrt hatte ich Bayern 3 auf den Kopfhörern. Hatte ich schon ewig nicht mehr gehört, weil ich es weder in meiner Augsburger noch in meiner Münchener Wohnung ordentlich reinkriege. Die Musik ist immer noch komplett nix, wie ich es vom letzten Zuhören in Erinnerung hatte. Aber die professionelle Moderation genieße ich wie bei allen öffentlich-rechtlichen Sendern sehr. Zumal ich am Tag davor beim Kochen den Münchener Sender Radio Charivari eingeschaltet hatte, und dort der Nachrichtensprecher die aktuellen Unglücke mit einem Verve verkündete, das ich sonst nur bei den Sonderangebots-Ansagen im Edeka kenne: “Die Zahl der Todesopfer stieg nach Angaben des Geheimdienstes auf VIERZIG!”
Beim Bayern-3-Hören musste ich dann auch sehr schmunzeln: Deren Adventskalender scheint darin zu bestehen, dass jeden Tag ein anderer Moderator ein Weihnachtslied singt, so richtig mit Musik und ordentlich abgemischt. Finde ich angenehm rührend.
Radiowerbung hingegen ist auf allen Frequenzen gleich erbärmlich. Ich bin versucht, alle Hersteller, Marken und Geschäfte zu boykottieren, die mir ihre Werbung im Radio antun.
Unterm Strich trauere ich immer noch gutem journalistischen Radio hinterher, wie ich es noch Ende der 80er kannte. Bayern 3, Morgentelegramm fällt mir da zum Beispiel ein. Wie da regelmäßig Politiker und Behördenchefs aus dem Bett geholt wurden, um ihnen nach allen Regeln der Kunst auf den Zahn zu fühlen… Ich fürchte, irgendwann steht auf der Vorspeisenplatte ein breit angelegter und detaillierter Jammerer über das deutsche Radio heutzutage an. Unter Berücksichtigung meiner persönlichen Beiteiligung daran.