Weiter kulinarisch

Mittwoch, 14. April 2010 um 14:14

Und dann war er zum Glück doch noch in München und hat vorgelesen, der Große Paulsen (norddeutsche Ausgabe des Großen Pauly, kennen Sie eh).1

Es war mir ein Fest, Stevan wiederzusehen, dazu noch seine Liebste. Die Räume der Buchhandlung Moths waren voll, die einführenden Wort der Dame in einem Kleid ganz aus silbergrauen Fischschuppen gingen auf den exotischen Umstand ein, dass hier ein Blogger las und zahlreiche Blogger im Publikum saßen.

Herr Paul las, wie es nur Herr Paul kann: He do the police in different voices.
Meine Lieblingsgeschichte „Sommersprossen“ war auch dabei. Da ich das Buch Monsieur, der Hummer und ich schon gelesen hatte und sehr gemocht, fühlte ich mich ein bisschen wie Co-Gastgeberin und sah mich immer wieder prüfend um, ob die Geschichten auch ankamen. Taten sie, deutlich.

Beim Eintrittspreis von 12 Euro hatte ich durchaus geschluckt – entweder, so dachte ich, ist das Buch inbegriffen oder der Autor zieht sich zumindest aus. Wie hätte ich auch wissen sollen, dass es für das Geld den ganzen Abend über Wein und Wasser gab sowie Kleinigkeiten zu essen herumstehen würden? Aus dieser Unkenntnis hatte ich auch zwischen Arbeit und Lesung schnell zwei Wurstbrote verschlungen, deshalb keinen Hunger oder auch nur Appetit.

Vor der Lesung sprach mich eine schöne Frau an: „Sind Sie die Kaltmamsell?“ Sie sei seit Langem Leserin der Vorspeisenplatte – nein, sie kommentiere nicht (ich hatte wissen wollen, ob ich sie vielleicht umgekehrt aus Kommentaren kennen könnte). In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich sehr einfach als die Frau hinter diesem Blog erkennbar war: Sowohl das Kleid, das ich trug, als auch die Brille waren hier schon als Fotos zu sehen.

Noch ein wenig Blogger-Namedropping:
Ich traf (unverabredet) und unterhielt mich mit
- Ilse (eine erste Begegnung in Person)
- Helga Birnstiel
- Frau Klugscheisser
- Frau Cucina Casalinga
- Frau Einfachguad
- Frau Schnuppensuppe

Am nächsten Morgen, also heute, schrieb die FAZ die ersten drei Feuilletonseiten über Blogger. Dass das deutsche Bloggertum deckungsgleich sei mit der „digitalen Boheme“, die (wohl von der FAZ) dareingesteckten Erwartungen nicht erfüllt habe, sich vor allem mit sich selbst beschäftige (siehe Namedropping im obigen Absatz), man davon nun doch nicht leben könne und es zu einem Stillstand gekommen sei. Hoffen wir, dass sich die FAZ weiterhin auf die Blogs konzentriert, die diese Schlüsse ermöglichen und uns weites Feld vergnügter Weiterblogger in Ruhe lässt. Ok.?2

(Drei Seiten im FAZ-Feuilleton! Damit sind zum Beispiel meine Erwartungen in die Auswirkungen des deutschen Bloggens meilenweit übertroffen. Ich fühle mich gerade ungeheuer überschätzt.)

  1. Der, wie ich eben erst beim Verlinken lernte, 1996 vom Neuen Pauly abgelöst wurde. Bloggen bildet. []
  2. “‘Bloggen ist ein Lebensentwurf’, sagt Jörg Wittkewitz.” – Echt? []
die Kaltmamsell

10 mal Beifall zu “Weiter kulinarisch”

  1. Sebastian Dickhaut meint:

    Ach Mensch. Was wäre ich gerne dabei gewesen. Schon um die foodbloggende Männerquote zu erhöhen.

  2. Helga meint:

    Das mit dem Erkennen ist so eine Sache – wenn man weiß, dass einem bekannte Menschen gegenüber stehen, erkennt man sie auch. Ob man sie einfach so im Vorbeigehen erkennen würde? – Ich glaube kaum.

  3. croco meint:

    Och, die FAZ hat die Blogger entdeckt? Na sowas….
    Reichlich spät.
    Und dass man davon nicht leben kann, ist ja auch nicht gerade überraschend.
    Das die Bloggerei eine ungeahnte Freiheit in diesem Medium bietet,
    hat er, so glaube ich, nicht erkannt.
    Und Facebok damit zu vergleichen, sagt mir nur, dass er weder bloggt noch facebookt.
    JungeJunge, der muss noch viel lernen.
    Immerhin twittert er. http://twitter.com/majacus
    (am 4. Februar hat er sich ein Buch über Blogs geliehen:-))

  4. ilse meint:

    Das hat richtig Spaß gemacht, dieses introspektive Blogathon gestern abend. Einziger Fehler war vielleicht das Wurstbrot!

  5. lihabiboun meint:

    Liebe Kaltmamsell
    die schöne Frau hat sich über das Kompliment gefreut, danke. Aber ganz so einfach ist das ja alles nicht, von wegen, Kleid und Brille schon als Foto im Blog gewesen … ich denke vielmehr, es ist die PERSÖNLICHKEIT, die da durchleuchtet – und ich hab wirklich schon viele Sachen von Ihnen gelesen. Also so täglich, meine ich. Meist mit großer Zustimmung. Und jetzt werde ich mutig und kommentiere auch. Nämlich.

  6. Remington meint:

    Bin ich froh, dass ich da raus bin.

  7. die Kaltmamsell meint:

    Herzlich willkommen, lihabiboun!

    Aber ich sehe Sie doch ganz deutlich, Remington.

  8. Hande meint:

    und der majacus kann nicht mal ein link setzen, sieht man bei twitter. Erklärt auch warum FAZ nie links rein tut, wenn sie vom etwas im web sprechen… und der will uns blogs erklären.

  9. Herr Paulsen meint:

    Danke für die schönen Worte und das Geleit in München! Und danke für den Hinweis auf die FAZ Geschichte! Einen schönen Gegenentwurf zum Feuilleton-Gelärme habe ich bei Andrea Diener gefunden:

    http://gig.antville.org/stories/1988603/

  10. creezy meint:

    Die FAZ hat die Blogger nicht wirklich entdeckt, sie musste es tun, re:publica-Auftakt. Da kommt dann doch keine Zeitung mehr daran vorbei.

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