Journal Sonntag, 25. Januar 2015 – Schnee, Essen bei Eltern

Montag, 26. Januar 2015 um 6:50

Wieder gut ausgeschlafen.

Den Soundtrack von Imitation Game heruntergeladen – zwischen den vier Mal im Jahr, die ich mir Musik von Amazon hole, hat sich der Prozess jedes Mal verändert, und ich stolpere über neue unerwartete Hürden. Diesmal musste ich mir ein amazon.com-Konto anlegen, um an meine Musik zu kommen – NACH dem Kauf.

Die Musik von Alexandre Desplat war mir an Heilig Abend in der Preview des Films positiv aufgefallen. Kaufen konnte ich sie aber erst nach dem offiziellen Start des Films. Alexandre Desplat ist ganz oben in meiner Liste liebster Filmkomponisten, seit er mich mit Girl with a Pearl Earring umhaute. Dieses Jahr ist er für gleich zwei Soundtrack-Oscars nominiert (Imitation Game und Grand Budapest Hotel), die ich beide sofort haben wollte. Nominiert war er zwar vorher schon sechs Mal, diesmal wird hoffentlich ein Preis rausspringen.

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Nachdem am Samstag instagram von Schneebildern aus Deutschlands Norden dominiert war, hatte der Schnee nun auch München erreicht, schwer und nass.

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Vormittags nahm ich einen Zug zum Elternhaus, in Stapfkleidung.

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Ich reiste mit großem Korb, denn das riesige Brot hatte ich am Vortag für meine Eltern gebacken, außerdem ist derzeit wieder eine spanische Freundin der Familie im Land, der ich Münchner Gin versprochen hatte (sie hatte mir bei der letzten Begegnung erzählt, dass in Spanien Gin Tonic gerade ein großes Revival feiere und dass das ihrer und ihrer Freundinnen Lieblingsdrink sei), außerdem habe ich vor Kurzem wieder einen Schwung Vanilleschoten bei Madavanilla gekauft und brachte meiner Mutter zehn davon, tiefgefroren.

Es gab Zunge in Porreesoße – in meiner Familie wird Rinderzunge praktisch nur so serviert. Mit Kartoffelpüree. So gut schmeckt mir Zunge nirgends sonst.

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Abends den aus dem Internet geladenen The Heat geguckt, auch beim zweiten Mal herzerfrischend.

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Hannah Beitzer schreibt für die Süddeutsche Zeitung, was die Pegida-Bewegung für die bedeutet, die ihr nicht zustimmen:
„Der Rückzug ins Private muss aufhören“.
Und das, wo ich gerne erzähle, wie erleichternd für mich seit vielen Jahren der menschliche Kontakt übers Internet ist: Für ein wenig Rudelwärme muss ich nicht mit der Nachbarin und der Hausmeisterin ratschen, deren menschliche und politische Ansichten mir die Haare zu Berge stehen lassen. Sondern kann mich mit Menschen umgeben, die auf der Basis ähnlicher Prämissen denken und agieren wie ich. Das Ergebnis:

Die Lebens- und Gedankenwelt der Menschen auf der Demonstration ist mir in etwa so fremd, wie ihnen die meiner muslimischen Nachbarn in Berlin sein dürfte.

Bin ich daran möglicherweise selbst schuld?

die Kaltmamsell

7 mal Beifall zu “Journal Sonntag, 25. Januar 2015 – Schnee, Essen bei Eltern”

  1. Nathalie meint:

    Warum frierst Du die Vanille ein? Ich bestelle sie auch immer dort und finde, die Schoten halten sich gut in dem Tütchen, in dem sie geliefert werden.
    LG Nathalie

  2. die Kaltmamsell meint:

    Das war die ausdrückliche Anweisung bei der Lieferung dieses Mal (steht sogar auf der Startseite, mit Ausrufezeichen), Nathalie, und der vertraue ich.

  3. New Number 2 meint:

    Zum Thema „Kontakt nur über das Internet“ kann ich nur Warnungen von mir geben: Man bastelt sich eine falsche Realität in der man nur von Menschen umgeben ist, die der selben Meinung sind.
    Leider gibt es im Internet zu jeder Meinung genügend Personen, die einen dann vermuten lassen, dass die Mehrzahl der Menschen so denken. Unterstützt wird das noch von gezielt auf die entsprechenden Seiten gebrachte Werbung und schonm ist die „My Little World“-Blase fertig (dies gilt für „nette Menschen“ über Halbchaoten bis hin zu allen Radikalen).
    Der Gang in das „echte“ Leben zeigt dann oft, wie sozial verkrüppelt man ist und auf wie vielen Augen blind…

  4. Tim meint:

    Ist ja nicht nur das Internet. Gerade in Großstädten kann man die Quantität, Auswahl und Intensität der sozialen Kontakte gut selbst bestimmen. Dank Dienstleister, von Fitness-Studio, Handwerker, bis zum Restaurant, man ist auf niemanden angewiesen und muss sich niemanden rechtfertigen. Monitärer Austausch statt soziale Verpflichtungen. Für mich auch ein Grund, warum sich so wenig Leute in Vereinen oder Parteien engagieren. Da ist man auf einmal mit Personen konfrontiert, denen man sonst eher aus dem Weg gehen würde. Das Zitat ist ja abgeschnitten. Auch der SZ-Autorin sind ihre muslimischen Nachbarn im Grunde fremd.

    Die Essenz des Artikels sehen ich darin, dass die persönliche Lebenswelt eher von Einkommen, Status und Bildung geprägt ist, als von Überzeugungen. Da kommen wir wieder zum Internet. Das soziale Netz ermöglicht besser als alles andere jemals zuvor (z.B. früher Logen, Salons, Rotarier&Co, usw.) die Atomisierung der Gesellschaft, in es Menschen mit übereinstimmenden Ansichten und Lebensweisen zusammenbringt, gerade auch die, die wegen Bildung und Status aktiv die Entwicklung der Gesellschaft prägen sollten.

  5. Chris Kurbjuhn meint:

    Ohne meinen (mittig zwischen Kreuzberg und Neukölln angesiedelten) Sportverein würde mir etwas fehlen. Die Menschen die ich da treffe, sind komplett anders als diejenigen, mit denen ich beruflich oder via Internet vernetzt bin, da sind ganz andere Themen relevant und da sind die Meinungen und auch die Umgehensweise miteinander gelegentlich sehr anders. Nicht immer so, wie ich mir das vorstelle, nicht immer angenehm, aber so, dass man sich drauf einstellen kann. Ich bin dort gelegentlich gezwungen, Auseinandersetzungen zu führen, denen ich im Internet jederzeit aus dem Weg gehen könnte und vermutlich auch würde. Dass ich es in der sportlichen Gemeinschaft nicht tue bzw. tun kann, ist manchmal anstrengend, aber durchaus bereichernd.
    Und wie macht man bitte die Porree-Sauce?

  6. Nathalie meint:

    Entweder habe ich das immer überlesen oder die „Anweisung“ ist neu. :-)
    Danke für die Info.

  7. Tim meint:

    @Chris
    An sowas dachte ich auch. Ich bin Vorstand in einem Verein in Berlin in dem 90% der sportelnten Kinder und Jugendlichen einen „Migrationshintergrund“ haben. Nicht immer einfach, aber eben auch der Ausgleich zu meinem Job mit den Beraterheinis.

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