Journal Freitag, Samstag, 23./24. Januar 2015 – In the bleak midwinter

Sonntag, 25. Januar 2015 um 10:04

Auch am Freitag verging das morgendliche Stündchen auf dem Crosstrainer im Flug, weil ich so viel zu denken hatte. Den Impuls, diese Zeit durch Anhören von Podcasts und Musik zu nutzen, habe ich immer wieder – doch ich nehme an, dass die Stunde scheinbaren Leerlaufs fürs Gehirn mir ebenso gut tut wie die Muskelbetätigung und der erhöhte Puls.

Auf dem Fußweg in die Arbeit stand ich an einer roten Ampel, als mich die Frau neben mir ansprach: „Ich muss Ihnen sagen, das sieht super aus.“ Ich freute mich und dankte. Als sie nachsetzte: „Echt mutig!“, war ich allerdings ein bisschen verunsichert.
Sie bezog sich wahrscheinlich hierauf:

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Stelle hiermit die These auf: Wenn man sich vom Ziel „hübsch“ verabschiedet, kommen die wirklich interessanten Styling-Ideen.

Auf dem Heimweg bei Verdi Kalbskoteletts gekauft, gab’s zum Abendbrot mit dem ersten selbst gemachten Waldorf Salad: Halbe Sellerieknolle (geraspelt) und zwei Äpfel (in Stücken) aus Ernteanteil, gehackte Walnüsse, ein paar eingeweichte Rosinen, Idiotenmajonese, etwas Zucker (der die Mischung interessanterweise salzig schmecken ließ). Er schmeckte überdurchschnittlich köstlich, den machen wir wieder.

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Sehr lang geschlafen (halb neun!). Samstagvormittag mit Brotbacken verbracht, dann raus zum, wie mir auffiel, ersten Isarlauf des Jahres. Das englische Wort bleak beschreibt das Draußenlicht treffend: Wenn der Januar vorlügt, der Winter würde niemals aufhören. Ohne Graffiti hätte ich gar keine Farbe gesehen.

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Durch Brotbacken und Lauferei Frühstück erst um 15 Uhr. Dabei auch Vanillekrapfen von der Hofpfisterei, auf der Suche nach einem Vanillekrapfen in München, der an die Benchmark Bäckerei Wolf in Augsburg heranreicht. Der vom Högl hat eine nach meinem Geschmack zu wassrige Füllung, der vom Rischart wird auseinandergeschnitten – wenn ich Bienenstich will, kaufe ich Bienenstich. Leider war der Vanillekrapfen der Hofpfisterei eine Enttäuschung: Füllung wohlschmeckend, aber deutlich zu flüssig, und der Teig schmeckte, als wenn der Krapfen schon gestern gebacken worden wäre. Als nächstes folge ich der Empfehlung zum Käfer.

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Abends auswärtige Essenseinladung.
Sagen Sie: Sind gemalte Augenbrauen wieder Schminkstandard? In den vergangenen Wochen fielen mir mehrfach Frauen auf, die ihre Brauen in einer Art Comicform ausgemalt hatten.

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Aber selbstverständlich kann man Missstände in Israel kritisieren. Und leider ebenso immer noch selbstverständlich ist diese Kritik oft in Wirklichkeit Antisemitismus. (Context, baby.)
Ein Beispiel:

Am 22. Januar 2015 wurde im New Yorker Stadtrat über eine Resolution gesprochen, die in Gedenken an den 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau verabschiedet werden sollte. Aktivisten, die auf dem Balkon der Kammer saßen, unterbrachen jedoch die Sitzung mit lautem Gebrüll und entrollten eine Flagge Palästinas.

Der Stadtrat David Greenfield reagierte mit einer leidenschaftlichen Rede. Hier als YouTube-Video und übersetztes Transkript:
„‚Ich zittere!'“.

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Sehr sympathisch, weil alpenfrei: Skifahren im Harz. Andrea Diener hat ihre Achtklass-Skifreizeitkenntnisse aufgefrischt.
„Weißer Rausch am Wurmberg“.

Wir teilen uns den Waldweg mit Langläufern, Spaziergängern und Familien, die ihre Kinder im Schlitten hinter sich herziehen. Hier können wir ausprobieren, was wir außer Pizza und Pommes noch brauchen, um einen Hang hinunterzukommen. Wir hüpfen, bremsen, wenden, kurven vor uns hin. Ab und zu lassen wir einen Hund vorbei, dann kurven wir wieder. Ich habe Skifahren nicht so entspannt in Erinnerung, was aber vermutlich daran liegt, dass ich im Verbund mit dem Schulumfeld ungefähr gar nichts als entspannt in Erinnerung habe.

Wobei „Schlepplift“ bis heute mein „Reinemachefrau“ ist (selbst als Alpenanrainerin Ski gefahren von 3 bis 18, dann nochmal einen Winter lang 2001/2002). Ich bestand bis zuletzt darauf, mich nur einzeln in solch einem Anker schleppen zu lassen, weil ich als Hälfte der üblichen Doppelbesetzung immer in verkrampfte Panik geriet und regelmäßig aus der Spur plumpste.

§

Weiter anarbeiten gegen Körperstereotypen:
„19 Badass Instagrammers Who Prove Yoga Bodies Come In All Shapes And Sizes“.

die Kaltmamsell

13 Kommentare zu „Journal Freitag, Samstag, 23./24. Januar 2015 – In the bleak midwinter“

  1. Susann meint:

    Ich bin Ihnen wirklich dankbar für die „sport at every size“ specials.
    Ich sehe zwar beim Sport und auch beim Yoga alle möglichen Körpertypen, aber das Bild, das vor meinem inneren Auge entsteht, wenn ich an die Sportart denke, ist unweigerlich das einer jungen, schönen, schlanken, blonden, langhaarigen Frau, die diese Sportart ausübt.
    Diese Specials helfen sehr, sich bewußt zu machen, mit welchen medialen Bildern die eigene Erfahrung ständig überlagert wird.

    (Und diese Yoginis – g’scheit guat.)

  2. Preißndirndl meint:

    In Sachen Krapfen: Empfehle Bienenstichkrapfen vom Ihle (in manchen Rewe-Filialen).

  3. Micha meint:

    Welche Farbe hatte denn Ihr Oberteil?
    Und ich nehme mir heute von hier mit: Farbe und Vielfalt tut gut (aber aufgemalte Augenbrauen nicht mein Geschmack – zu künstlich).

  4. die Kaltmamsell meint:

    Die Vanillekrapfen vom Ihle sind fad, Preißndirndl, mit völlig liebloser Füllung.

  5. Susann meint:

    Kaltmamsell, einmal im Jahr mach ich Krapfen selber. Die gekauften sind durch die Bank grauslich.

  6. creezy meint:

    DANKE für den Yoga-Link!

  7. die Kaltmamsell meint:

    Ich trug dieses Kleid, Micha, für draußen meinen dunkelgrauen Janker.

    Die würde ich sehr gerne mal probieren, Susann: Selbst gemacht kenne ich Krapfen nur zu hart oder zu fettig. (Selbst fehlt mir Fritteuse oder Weiterverwendungsidee für 3 Liter Butterschmalz.)

  8. Ulrike meint:

    Krapfen aller Art für mich nur bei der Bäckerei Hoffmann am Willibaldplatz. Der Vanille ist zum reinknien, locker, luftig, lecker!

  9. New Number 2 meint:

    Ich lache – Ha!
    Offensichtlich bin ich der Einzige, der mit der „Reinemachefrau“ noch was anzufangen weiß. Jaja, denn die Toten tragen halt keine Karos und auch keine gewagten Farbkombinationen wie Madame Kaltmamsell.

  10. Susann meint:

    Liebe Kaltmamsell, Krapfenbacken ist das Russische Roulette unter den Backvorgängen, aber nach ein paar Jahren steigt die Erfolgsquote. Meine Mutter kriegt sie IMMER hin, auch mit einer Uraltfriteuse, die man auf dem Herd erhitzt, bei mir wechseln gute und schlechte Jahre, aber EGAL. Einmal im Jahr…wir machen die Dinger immer in Kokosfett, das kann man dann durchseihen und noch mal verwenden, wenn man den Aufwand nicht scheut
    Bei Interesse erkundige ich mich bei der Meisterin gerne noch mal speziell nach dem Rezept, ich glaub, es ist ein stinknormales Germteigrezept!

  11. Lempel meint:

    Anschlussverwendung für Kokosfett: Kalter Hund!
    Ist in Oberbayern die übliche Füllung eines Krapfen Vanille? Für mich fällt das unter neumodisches Zeug. Ein Krapfen ist nur ein Krapfen, wenn er mit Marmelade gefüllt ist. Der Klassiker ist hier natürlich Hiffenmark (Hagebutte), aber ich mag auch Aprikose sehr gerne.

  12. Maria Hofbauer meint:

    Die Jungs mit dem Smoker find ich spitze. Bei diesen Temperaturen stundenlang neben dem Gerät auszuharren (das keineswegs solche Wärme ausstrahlt wie ein Grill), das nenn ich Hingabe.

  13. Ian North meint:

    sieht spitze aus die schuh-strumpfhose-farbkombination.
    und vielen dank auch fuer den greenfield-video-link.
    eine beindruckende, wichtige, wahre ansprache.


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