Journal Donnerstag, 7. Dezember 2017 – Wovon meine Großeltern gelebt haben

Freitag, 8. Dezember 2017 um 6:39

Auf dem Weg in die Arbeit blauer Himmel und davor ein großer Möwenschwarm über der Theresienwiese. Der Tag blieb sonnig.

Ich hatte meinen Turnbeutel dabei, um nach pünktlich abgeschlossener Arbeit zumindest zu meiner wöchentlichen Dosis Krafttraining zu kommen. Doch ich hatte zu viel Arbeit und zudem Dezember, ich kam erst spät raus.

Aber: Zum Abendbrot endlich heimischer Christkindlmarkt am Sendlinger Tor (dieses Jahr durch die U-Bahnhof-Baustelle beschnitten) mit Regensburger spezial und einer Portion Pommes.

§

Mittags sah ich diesen Tweet via @DonnerBella und beantwortete ihn:

Mich erwischte, wie wenig Heroik und Geschichten dahinter stecken (im Gegensatz zu manch anderen Antworten auf die Frage): Meine Großeltern kämpften einfach bloß darum, irgendwie über die Runden zu kommen. Keine Heldentaten, kein gesellschaftliches Engagement. Deshalb hier ein wenig ausführlicher, weil doch gerade diese erbärmlichen, kleinen Leben nie zu Romanen werden.

Polnischer Großvater: Ich habe mich für den Mann entschieden, bei dem meine Mutter groß wurde, den sie „Onkel Hans“ nannte, der unverheiratet mit meiner Großmutter zusammenlebte. Er war nicht ihr biologischer Vater, der hatte die Familie sitzen lassen, als meine Mutter und ihre jüngere Schwester noch ganz klein waren. Ich nannte diesen Onkel Hans Opa; er starb, als ich noch ein Kleinkind war. Mit den wenigen Erinnerungen an ihn verbinde ich positive Gefühle: Opa kaufte mir Süßigkeiten („Nini, gehma zum Kreidl?“ hat er mich laut meiner Mutter gefragt) und hatte einen Hund, einen weißen Spitz-Mischling namens Lulu (viel mehr deutsche 50er geht vermutlich nicht vong Hund her).

Laut den Erzählungen meiner Mutter war er nach dem Krieg Schwarzmarkthändler; mindestens einmal wurde er wohl erwischt, und die Polizei stand vor der Tür. Dass meine Oma für ihn vor Gericht lügen musste, warf sie ihm laut meiner Mutter regelmäßig bei Streiten vor. Weil er einen Arm im Krieg gelassen hatte als polnischer Soldat, bekam er Behindertenrente – davon lebte er wohl nach Ende der Schwarzmärkte.

Polnische Großmutter: Bevor die Deutschen sie aus dem südpolnischen Klimontów zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppten, hatte sie eine Schneiderinnenlehre begonnen. Nach dem Krieg lebte sie von der Unterstützung der US-Besatzer, dann von Gelegenheitsarbeiten. Wovon sie am öftesten und mit am meisten Liebe erzählte: Ein Jahr war sie in Ingolstadt in der städtischen Gärtnerei angestellt, das scheint ihr sehr gefallen zu haben. Alle anderen Arbeiten machte sie halt, um Geld zu verdienen. Die Fertigkeiten als Schneiderin nutzte für eigene und die Kleidung ihrer Kinder; meiner Mutter gab sie zudem einiges Schneiderwissen weiter. Die längste Zeit als meine Oma arbeitete sie in der Fabrik, nämlich bei Telefunken an der Stanze. Sie arbeitete Akkord („Akkord de is de Mord!“) und klagte über den Lärm, den Kapo und wies immer wieder darauf hin, ihre Arbeit mache sie „kaputt“.

Spanischer Großvater: An ihn habe ich kaum Erinnerungen von wenigen Spanienurlauben, er starb, als ich acht war. Aus den Erzählungen meines Vaters weiß ich, dass er sich als Tagelöhner in Madrid über Wasser hielt, mal als Beifahrer im Lastwagen, wo er dem Fahrer beim Be- und Entladen half, mal auf dem Bau. Jedes Mal, wenn ich morgens die wartenden Tagelöhner im südlichen Bahnhofsviertel sehe, denke ich an ihn. (Und stelle fest, dass ich sehr wenige Details über seinen Alltag weiß, ich muss meinen Vater nach mehr fragen.)

Spanische Großmutter: Weil der Verdienst ihres Mannes auch im Madrid der 40er und 50er keine Familie ernährte (mein Vater hat einen Bruder und eine Schwester), ging sie Putzen. Wie ihre Schwester war meine Yaya ums Ende des Bürgerkrieges als junges Mädchen ohne jegliche Schulbildung aus der kargen Sierra nördlich von Madrid in die Stadt gekommen, um als Dienstmädchen zu arbeiten. Sie war sehr sparsam (bis knickert, was sich im Alter absurd verstärkte), und dadurch und durch die finanzielle Unterstützung ihrer Kinder (sprich: meines Gastarbeiter-Vaters) konnte sie sich als Rentnerin sogar eine eigene kleine Wohnung in einer der Madrider Trabantenstädte leisten. (Auch hier muss ich meinen Vater mal nach Details fragen.)

Uiuiui, beim Aufschreiben schnürt es mir die Kehle zu vor schlechtem Gewissen und vor Scham. Ich hatte es so viel einfacher als diese Vorfahren, mir wurden Begabung und im Grunde jede Möglichkeit und Chance hinterher getragen, im Gegensatz zu ihnen lebe ich in Freiheit und Wohlstand – doch ich habe nichts daraus gemacht. (Gibt es survivor guilt auch bei Armutsabkömmlingen?)

Mögen Sie mir (in Ihren Blogs oder hier in den Kommentaren) erzählen, wovon Ihre Großeltern gelebt haben?

die Kaltmamsell

66 mal Beifall zu “Journal Donnerstag, 7. Dezember 2017 – Wovon meine Großeltern gelebt haben”

  1. Texas-Jim meint:

    Die Geschichten Ihrer Großeltern sind beeindruckend. Ich merke mir das mal für meine vor. (Übrigens freue ich mich, daß ich sogar schon einiges darüber weiß.)

  2. die_pe meint:

    väterlicherseits am Ende des 2.WK aus Westpreussen geflüchtet:
    Großvater Knecht/Analphabet
    Großmutter Landwirtin
    finanzierten sich und die Familie durch Aushilfstätigkeiten und Unterstützung durch die Kinder.

    mütterlicherseits:
    Großvater Eisenbahnarbeiter
    Großmutter – Hilfsarbeiterin in einer Gärtnerei

  3. Anne meint:

    Eine schöne Inspiration zu familiären Erkundungen. Danke für Ihre Geschichte. Hier ist meine: Großvater mütterlicherseits: aus Pommern, Pastor, seine Frau Tanzlehrerin im Sommer an der Ostsee für Touristen, dann Pastorinnenfrau. Großvater väterlicherseits Bäcker, im Krieg als Zwangsarbeiter in einer polnischen Knopffabrik an der Ruhr verstorben, die Frau gelernte Putzmacherin, Verkäuferin im Spielzeugladen, dann versucht, die Bäckerei durch Unbillen in Krieg und Nachkriegszeit allein zu halten, später chronisch (aus meiner Sicht aufgrund all der schwierigen Erlebnisse und Belastungen psychosomatisch) erkrankte alleinerziehende Hausfrau und Mutter.

  4. jongleurin meint:

    Welch schöner Anstoß! Da meine Mutter sich mit ihren Eltern überworfen hat, weiß ich nicht viel über sie. Ich nehme das hier zum Anlass einer Recherche!

  5. Sewwi meint:

    Ja, auch von mir ein Danke für den Schubser!
    Ich werde die vor etlicher Zeit begonnenen und dann wieder versandeten Gespräche mit meinen Eltern über deren Eltern und (in meinem Fall besonders interessant) Großeltern wieder forciert in Angriff nehmen.
    Ich finde, es ist so wichtig zu wissen, woher man kommt. Das erklärt bestimmt Einiges im jetzigen Leben.

  6. MonikaZH meint:

    Danke für Ihre Erinnerungen und das Anschubsen meiner.

    Väterlicherseits: Grossvater Chirurg am Krankenhaus Königsberg, nach der – sehr späten, nach Erzählungen müssen es die allerletzten Kriegstage gewesen sein – Flucht und Irrungen und Wirrungen schlussendlich Niederlassung als Landarzt in Norddeutschland. Er war gerne Arzt, Landarzt, und trauerte seiner Karriere als Chirurg nicht hinterher so weit ich weiss.

    die „junge Omi“: gelernte Gymnastiklehrerin, hat den Beruf aber nie ausgeübt so weit ich weiss. Die Flucht – sie wurde vom Grossvater vorausgeschickt, mit damals bereits 4 Kleinkindern und Dienstmädchen – war abenteuerlich, sie kamen bei Verwandten in der Nähe von Bayreuth unter. Das war wohl keine schöne Zeit. Später, wieder vereint mit dem Mann, war sie „Frau Doktor“, führte die Administration und Buchhaltung der Praxis und zog (immer mit Dienstmädchen) insgesamt 6 Kinder gross.

    Mütterlicherseits: an den Grossvater habe ich keine Erinnerung, er starb als ich etwa 3 Jahre alt war. Er war bei einem Aufzughersteller in Luzern beschäftigt, aber was er da genau tat weiss ich nicht. Jedenfalls Arbeiter, kein white collar. – Muss meine Mutter mal befragen.

    „unsere Omi“: was sie gelernt hat – wenn sie überhaupt etwas lernen durfte – weiss ich nicht. Sie hat als Kindermädchen bei reichen Leuten gearbeitet (hochgeachtet und geliebt) bis sie, sehr spät, meinen Grossvater kennenlernte, heiratete und mit über 40 ihr einziges Kind – meine Mutter – zur Welt brachte. Später hatte sie einen Milchladen in Luzern. Noch viel später, sie war schon pensioniert, lebte sie zeitweise bei uns und zog uns drei Geschwister gross damit meine Eltern ihr Hotel führen konnten. Ich erinnere mich daran wie sie die gesamte Hotelwäsche schmiss, bügelte und mangelte – sie hat viel gearbeitet in ihrem Leben.

  7. Joe meint:

    Grosseltern 1: Vater: Fotograf und Lebenskünstler – Mutter: Hatte nach der Flucht einen Zeitungsstand im Bahnhof

    Grosseltern 2: Vater Holzfäller und Wehrmachtssoldat – Mutter: Nach der Flucht Reinigungskraft bei der Deutschen Bahn

  8. ingrid meint:

    vorerst die frage:
    was hätten sie aus ihrem leben machen sollen/wollen?

    mein großvater väterlicherseits war sudetendeutscher. er hatte eine kleine fabrik und war bezirksfeuerwehrkommandant. nach dem krieg wurde die familie vertrieben. flucht auf einem pferdewagen. meine großmutter brach sich in diesen tagen die hüfte. unterkommen bei verwandten in wien. die großmutter war wienerin. den sozialen abstieg hat mein großvater nie verkraftet.
    die tschechische muttergroßmutter war taub. ich habe sie sehr gemocht. eine herzensgütige frau, die ihr kleines leben mit hasen und hühnern lebte. wenn ich als kind zu besuch kam, wurde ein hase geschlachtet. als sie jung war, war sie das schönste mädchen im tschechischen dorf und mein großvater, der sudetendeutscher war, musste hart um sie kämpfen. dieser großvater starb früh an blutvergiftung. die großmutter hatte eine kleine rente. als der stadtteil, wo sie ihr häuschen mit hasen und hühnern hatte, abgerissen wurde, kam sie in ein altersheim. wo sie sich ganz platonisch nochmals in einen anderen heimbewohner verliebte.

    ja, uns geht es gut.

  9. loosy meint:

    Großvater mütterlicherseits: Sollte die Weinhandlung seines Vaters übernehmen, interessierte sich aber mehr für Bücher. Begann mit einer Leihbücherei im Handwagen, den er über die Dörfer zog und eröffnete dann mit 21 im Jahr der Weltwirtschaftskrise seine eigene Buchhandlung mit Antiquariat. Sie wird seit inzwischen seit über 40 Jahren von meiner Tante geführt. Zwei Jahre will sie noch durchhalten, bis zum 90. Jubiläum. Dann geht sie in Rente und der Laden wird geschlossen.

    Großmutter mütterlicherseits: Ging als Bauerstochter wie damals üblich auf einem größeren Gutshof in die Lehre und lernte Hauswirtschaft. Irgendwann trennte sie sich von ihrem Verlobten und heiratete bald darauf meinen Großvater. Sie wurde die Stiefmutter seiner drei ältesten Kinder und gebar ihm fünf weitere, führte den Haushalt, kümmerte sich um den Garten und führte abends die Bücher des Ladens, erst für ihren Mann und später für ihre Tochter.

    Großvater väterlicherseits: Die Schulausbildung des Arbeiterkinds wurde durch die Teilnahme an den letzten Monaten des 2. Weltkriegs unterbrochen, aber nach dem Krieg machte er Abitur, studierte Chemie, promovierte und brachte es bis zum Professor und Sektionsleiter.

    Großmutter mütterlicherseits: War ebenfalls Arbeiterkind und machte nach acht Jahren Volksschule eine Hauswirtschaftslehre auf einem Bauernhof. Dann begann die neue Zeit und ihr Vater bestand darauf, dass sie auf die Arbeiter- und Bauernfakultät ging. Sie erwarb die Hochschulreife, studierte marxistisch-leninistische Volkswirtschaftslehre und brachte es bis zur Hochschuldozentin. Außerdem repräsentierte sie als Professorengattin, tippte sämtliche wissenschaftlichen Arbeiten ihres Mannes, führte ihm den Haushalt und zog drei Kinder groß. Im Gegensatz zur Großmutter mütterlicherseits hatte sie allerdings in der Familie die Hosen an.

  10. Joriste meint:

    Vielen Dank für Ihre Berichte und die Einladung, hier Ihre Kommentare vollschreiben zu dürfen.

    Meine Oma Marta mütterlicherseits, am heutigen 8.12. war ihr Geburtstag, hat immer als Hilfe schwer gearbeitet: zuerst in einer Metzgerei mit angeschlossenem Hotel im nahen Städtchen, später im Kreiskrankenhaus auf Station, als Stationshilfen noch Teil des Teams waren.
    Vom Vater meiner Mutter ist leider wenig bekannt, außer dem Namen, er war als Sodat gegen Ende des Krieges der Freund meiner Oma, als diese zum Arbeitsdienst aus dem Odenwald im Schwarzwald war.

    Mein Opa Wilhelm von Papas Seite war Postler, aus einer Familie von Eisenbahnern. Allerdings hat er seine Jugend-und junge Erwachsenenzeit im Krieg und später in russischer Kriegsgefangenschaft (bis ’55) verbracht, und die Reintegration als Mittvierziger ins (Berufs)leben ist nicht besonders geglückt, sodass er früh berentet wurde und im Haushalt mit Garten tätig war. Ich fand das toll, er war immer sehr geschäftig, besonders gern erinnere ich mich an unsere Unternehmungen mit seinem grasgrünen Käfer (zum Friedhof, Geernetetes und Verarbeitetes an gebrechliche Verwandte verteilen, aber auch Zirkusbesuche).
    Seine Frau, meine Omaria war „beim Landratsamt“ Sekretärin, und hat, nach dem sie spät noch Zwillinge bekommen hat und die kranken Eltern/Schwiegerelten versorgte, nicht mehr lohnabhängig gearbeitet.

    Auch hier wenig Glamour, Leben voller Arbeit und Traumata.

  11. Kathi meint:

    Ja, oft vergessen wir im Alltag mit all unseren großen und kleinen Sorgen wie gut es uns doch im Gesamten so geht. Uns ist zumindest immer warm und wir sind satt. Alleine dafür muss man schon unendlich dankbar sein.
    Mein Opa (ich würde niemals Großvater sagen ;-)) war gelernter Hufschmied, nach der russischen Gefangenschaft arbeitete er als Bergmann. Leider starb er mit nur 56 Jahren an Lungenkrebs. Meine Oma hatte mal ein Ausbildung als Hauswirtschafterin in einer Kurklinik gemacht. Danach wie in der Zeit vermutlich üblich geheiratet und 5 Kinder großgezogen.
    Sie lebte nach seinem Tod glaub ich überwiegend von Opas Witwenrente, eine zeitlang besserte sie sie mit Putzjobs in der Verwandtschaft auf. Ein Großteil der Lebensmittelversorgung beruhte in der ländlichen Gegend auf Eigenanbau vor allem von Obst und Gemüse. Die Versorgung von Haus und Garten, dass war ihr Tagwerk.

  12. iv meint:

    Danke! Die Tatsache, dass die Geschichten solcher so genannten „kleinen Leute“ meistens nicht in Romanen enden, war eigentlich der Ausgangspunkt meines eigenen literarischen Projekts: Wie ist es, die Enkelin und Tochter von „niemandem“ zu sein?
    Während vor allem manche männlichen Schreibende ganze Karrieren darauf basieren, der Sohn einer bestimmten bürgerlichen Konsenskultur (oder sogar von jemand ganz bestimmtem) zu sein.

    Einer an meinem „Sound“ zunächst sehr interessierten renommierten literarischen Agentur war aber das mit der „Tochter von Niemand“ zu wenig Prämisse. U. a. aufgrund solcher Erfahrungen ist dem Projekt immer der andere Beruf dazwischengekommen.
    Das führt zu dem zweiten Satz Deines Textes, an dem ich hängen geblieben bin, der mit dem „nichts geschafft haben“ – den Gedanken kenne ich auch gut, er alterniert bei mir mit Impostor-Syndrom. Ich glaube aber, unsere Herausforderungen sind einfach andere, und die Vergleichbarkeit ganz schlecht gegeben, wegen der Beschleunigung, die die letzten drei Generationen erlebt haben. Und das mit Wohlstand und Freiheit, das ist in der Tat ein Riesenprivileg, hat ja aber auch so seine Tücken.
    Ich schreib am Wochenende mal was über meine Großeltern.

  13. Pazzerella meint:

    Meine Oma väterlicherseits, Karoline (eigentlich Dragica, aber das habe ich erst nach ihrem Tod erfahren) war Slowenin. Sie heiratete einen Gottscheer und wurde gegen Kriegsende mit ihm und ihren drei Kindern vertrieben. Sie wollte Lehrerin werden, war in ihrem zweiten Leben im Ruhrgebiet dann Hausfrau. Mein Opa, Toussaint, der in Slowenien Bauer und Winzer gewesen war, arbeitete bei der Ruhrchemie.
    Meine Oma Antonia war Sudetendeutsche, „in der Heimat“ hatte sie als Schneiderin gearbeitet, später im Ruhrgebiet/Niederrhein nähte sie dann noch für die beiden Töchter und EnkelInnen, die eigentlich alle lieber gekaufte Sachen gehabt hätten (und jetzt so gerne selber nähen können würden). Was ihr Mann, Heribert, halb Sudetendeutscher, halb Tscheche, vor der Vertreibung gemacht hat, weiß ich nicht, nachher arbeitete er im Bergbau und verstarb relativ früh an Lungenkrebs.
    Der wichtigste Satz, den mir meine Oma Karoline aus ihrem mühevollen Leben an der Seite eines wohl ungeliebten Mannes mit Hang zum Tyrannentum mitgegeben hat, ist: Du MUSST gar nichts. Dafür bin ich ihr wirklich sehr dankbar.
    Vielen Dank fürs Nachfragen und herzliche Grüße aus Rom

  14. Sabine meint:

    Liebe Frau Kaltmamsell, da kann ich ganz mitfühlen: Ich habe meinen Beruf studiert und fühle mich dabei doch manchmal weit hinter meinen Fähigkeiten, weiß aber gleichzeitig gar nicht, was genau sie sind oder wie sie gar einzusetzen wären. Ist das Interesse an einem speziellen Thema und dem dazu angelesen Wissen schon eine Fähigkeit? Zumindest mal keine, die in dessen eigentlichem Geschäftsumfeld auch nur irgend etwas zählt ohne entsprechenden Abschluss.

    Aber zu den Großeltern, weil ich das auch total spannend finde und jeden Kommentar mit Interesse gelesen habe:
    Großmutter mütterlicherseits war als junges Mädchen in der Schweiz, um dort den Haushalt einer Familie zu führen, wartete den ganzen Krieg auf meinen Großvater, wurde dadurch relativ spät das erste Mal Mutter, fühtre den Bauernhof.
    Mein Großvater mütterlicherseits verlor im Krieg seinen rechten, dominanten Arm, sodass auch meine Großmutter und mein Onkel und viele Knechte den Hof zu schaffen hatten.
    Meine andere Großmutter wurde mit meinem einjährigen Vater aus Ungarn vertrieben. Arbeitete hier im Wald bis mein Großvater zurück kam, was erst 1953 geschah. Er war, soweit ich weiß, gelernter Friseur, war aber auch Metzger, Gärtner, Maurer, Tapezierer und arbeitete in einer Gießerei.
    Meine Oma väterlicherseits lebt noch, wird im Januar 95 und wohnt seit einem Beckenbruch letztes Jahr in einem Altersheim, wo sie sich zum Glück sehr wohl fühlt und viele Freundschaften pflegt.

  15. Madame Graphisme meint:

    Oma mütterlicherseits wollte Kindergärtnerin werden, durfte das aber nicht, weil sie Sozialistin war und die Nazis sie deshalb nicht in einen Erziehungsberuf ließen. Nach dem Krieg waren die selben Bürokraten an der Macht geblieben und sie musste bei der Sunlicht am Band arbeiten, was sie nie gern tat.
    Opa mütterlicherseits war Pilot, militärischerweise. Doof nur, dass er für die Nazis flog, obwohl er kein Deutscher war. Da er meine Oma eh unverheiratet und schwanger sitzen ließ … good riddance!
    Vater-Vater hatte die familieneigene Bäckerei. Vater-Mutter war dort im Verkauf.

  16. Ilse meint:

    Survivor guilt dafür dass es dir gut geht? Geht’s noch? Wir stehen doch alle auf den Schultern von unfassbar hart arbeitenden Menschen, die alle nur dafür arbeiteten, dass es der Brut mal besser geht. DANKE!!

  17. Ume meint:

    Grossmutter 1: gelernte Sekretärin, dann Lehrersfrau und mit der Aufzucht von 6 Kindern beschäftigt.
    Grossvater 1: Grundschullehrer

    Grossmutter 2: gelernte Kinderpflegerin, dann Pfarrersfrau
    Grossvater 2: Pfarrer

  18. Berit meint:

    Na da wissen Sie schon sehr viel mehr als ich. Meine Mutter hatte sich mit der Familie väterlicherseits überworfen, von meinem Opa weiß ich, dass er Glasbläser war und bis zum Ende Rassist. Kein Verlust.

    Die restlichen Großeltern sind alle verstorben als ich so 2 war, von daher habe ich so gut wie keine Informationen über sie und auch keine Erinnerungen. Ich weiß, dass mein Opa mütterlicherseits bei den Russen in Kriegsgefangenschaft war, ihm es aber dort gut ging, weil er Faggott spielte und dann dort im Orchester beschäftigt war. Über die Frauen weiß ich eigentlich gar nichts.

    Und bitte fühlen sie sich nicht schuldig. Die Aufgabe der Eltern sollte es immer sein, dass es ihrem Nachwuchs besser geht. Solange sie diese Arbeit anerkennen und dieses Geschenk dankbar annehmen, haben sie dafür genug getan. Dann heíßt es nur weitergeben und weiter aufbauen :)

  19. Ulla meint:

    1. Väterlicher Seite, Großvater Friseur mit 2 Geschäften im Ostteil von Berlin.Im Krieg ausgebombt. Großmutter mit im Geschäft tätig. Seltene Besuche in Berlin.
    Wir lebten in Hessen.
    2. Mütterlicher Seite, Großvater Kaufmann mit eigenem Lebensmittelgeschäft in Hessen. Großmutter Hausfrau mit 4 Kindern ( 2 Buben im Krieg gefallen),früh verstorben, habe sie nicht mehr kennengelernt.

  20. Feathers McGraw meint:

    Ach da schreibe ich auch mal, obwohl ich gar nicht so viel weiss. Da muss ich auch nochmal ordentlich recherchieren

    1. Väterliche Seite:
    Opa: Ausbilder bei der Preussischen Armee, gestorben 1962 als er bei einem Strassenraub wegen 20 Mark mit einem Messer erstochen wurde. (Da war er schon Rentner, er war glaube ich Jahrgang 1891)
    Mutter: (hatte 11 Kinder) Hausfrau (Jahrgang 1897, gestorben 1983)
    Es gibt auch noch die Geschichte dass die beiden ursprünglich auch noch einen Krämerladen in Königsberg hatten, aber durch überhebliche Großzügigkeit Pleite gegangen sind

    2. Mütterliche Seite
    Opa: (Jahrgang 1910, gestorben 1995, das einzige Großelter dass ich persönlich bewusst kennengelernt habe) Schuhmacher/Schuhgeschäft, im Krieg Sanitäter an der Russlandfront, auch noch irgendwas gewähltes in der Lokalverwaltung und Tuba gespielt in jeglichen Kapellen. Ausserdem hatten sie auch einen Bauernhof auf dem Hopfen angebaut wurde (all dies in der Hallertau)
    Mutter: Recht jung (1964, so um die 40 zu dem Zeitpunkt) an Schlaganfall gestorben, war aber meines Wissens auch nur Hausfrau. Ob sie was gelernt hat weiss ich gar nicht. Das muss ich auch mal recherchieren. Ich weiss aber immerhin dass sie zumindest zeitweise bei feinen Leuten als Köchin gearbeitet hat. Durch sie habe ich das Dr. Oetker Koch-und Backbuch aus dem Jahr 1890, das schon auseinanderfällt und in den Rezepten immer Ausweichanweisungen für „teure Zeiten“: hat. z.B. „in teuren Zeiten genügen 2, auch 1 Ei“

  21. fxf meint:

    Die unspektakulären Lebensläufe der meisten Vorfahren sind doch nur vordergründig ohne „Flair“; meist hatten sie gar nicht die Möglichkeit des Aufstiegs, zumindest nicht in der Generation der Großeltern bzw. der Urgroßeltern. In meinem Stammbaum wimmelt es auch nur so von Kleinhäuslern, Gütlern, Tagelöhnern und Lohnkutschern. Die Urgroßeltern-Generation ging vom Land in die Stadt, und erst die Großeltern-Generation lernte Berufe und bekam die Möglichkeit, nach oben zu kommen.

    Der väterliche Großvater (*1895) hat ursprünglich vor dem 1.WK Bäcker gelernt, war als solcher auch noch auf der Walz, bis der Krieg ihn einforderte und er vor Verdun schwer verwundet wurde. Er arbeitete dann kurz bei der Krankenversicherung, wechselte in den 20ern zum Arbeitsamt und wurde – als christlicher Gewerkschaftler und Politiker – Vorsitzender des Betriebsrates. Nach der Machtergreifung wurde er sofort entlassen, musste als Handlungsreisender/Vertreter arbeiten, wurde dann kurz vor Kriegsausbruch als Mitglied einer Widerstandsgruppe verhaftet und verbrachte viereinhalb Jahre in Haft. Nach dem Krieg baute er eine Werbefirma auf und war in diversen Sozialverbänden und in der Kommunalpolitik tätig. Er starb leider kurz nach meiner Geburt. Die Großmutter (*1902) war laut Heiratsurkunde Zigarettenarbeiterin, blieb nach der Heirat sicher mit den drei Kindern zuhause und starb sehr früh an einer Lungenkrankheit.

    Der mütterliche Großvater (*1916) war nicht mit meiner Großmutter verheiratet; er war Hafner, musste gleich 1939 in den Krieg und fiel im Herbst 1943 in der Ukraine. Meine Mutter hat nur ganz wenig Erinnerung an ihn. Die Großmutter (*1912) arbeitete in der Gastronomie, war in diversen Hotels beschäftigt, unter anderem in Hotel Regina als Buffetdame und – Kaltmamsell. ;-) Auch sie starb kurz nach meiner Geburt – ich habe also alle Großeltern nicht selbst kennengelernt.

    Ich stehe voller Bewunderung und Mitgefühl vor ihren teilweise harten Lebensläufen (und denen, die Du und andere hier geschildert haben), aber die einzige Verpflichtung, die ich sehe, ist, anzuerkennen, dass jedes Leben anders verläuft und in unausweichliche Kontexte und Zwänge eingebunden ist. Also kein Anlass für Schuldgefühle.

  22. jongleurin meint:

    Ich bin klüger geworden. Ich habe aber auch eine Familiengeschichte! Ich staune immer wieder. Alles Verrückte und Narzissten, ich bin die einzig Normale. Aber das geht etwas über die Berufe hinaus, die sehen gar nicht so schlimm aus:

    Großvater mütterlichseits: Ingenieur und Werksleiter bei BASF.
    Großmutter mütterlichseits: Hausfrau und nach der Scheidung Inhaberin eines Teppichladens.

    Großvater väterlichseits: der war so rege, ich durchblicke es nicht ganz. U.a. Wehrmachtsoffizier, FDP-Geschäftsführer in Schleswig-Holstein, hat den BND mit aufgebaut, am Ende Lobbyist in Bonn. Ganz schlimm, sagt mein Alt-68er-Vater.
    Großmutter väterlichseits: gelernte Hauswirtschafterin, Guts-Tochter, nach der Flucht und der Scheidung Verkäuferin.
    Stiefopa väterlichseits: Wehrmachts-Fusssoldat, danach zivil tätig an der Bundeswehrhochschule als Geschichtslehrer.

    Ich staune, auch bei den Beiträgen über dem meinigen, wie wenige Möglichkeiten es schon immer für Frauen gab. Meine Vorfahren sind ja eher dem bürgerlichen Milieu zuzuordnen, die Männer in Karrieren und irre interessanten Berufen, und die Damen: Hausfrauen oder im Laden.

    Mein Gott, bin ich froh über das Heute. Vielen Dank, liebe Frauenbewegung!

  23. kecks meint:

    ich mache das regelmäßig im sozialkundeunterricht der oberstufe: berufswünsche der schüler abfragen (arzt, anwalt, lehrer, journalist, tanztherapeutin…), dann schüler erfragen lassen, was die eigenen großeltern und urgroßeltern beruflich gemacht haben und das alles vergleichen. nicht nur bildet sich der strukturwandel sehr schön ab (vom primären und sekundären zum tertiären als dominierendem sektor), sondern vor allem relativiert es die eigene erfahrung/haltung.

    eigene großeltern: großmutter eins war aus oberschlesien nach bayern geflüchtet und arbeitete „im büro“ (sekretärin irgendwo in der öffentlichen verwaltung), stammt vom bauernhof, schulbildung inklusive klasse 8, sehr begabt, aber als mädchen und dann der krieg… der großvater dazu war verwaltungsbeamter, in derselben dienststelle. ich weiß gar nichts über seinen werdegang, nur, dass er – glaube ich – auch aus dem osten stammte, und nicht mal da bin ich mir sicher; muss meine mutter befragen gehen.

    die anderen großeltern waren weiblicherseits lehrerin, männlicherseits studierter landwirt. hier weiß ich weniger, da die großmutter früh starb, als ich noch ein kleinkind war, und ihr mann sich mit seinem sohn (meinem vater) überworfen hat bzw. eher umgekehrt. dieser großvater war ein überzeugter nationalsozialist, bis zuletzt. hatte dann alzheimer, alles sehr schwierig.

    alles sehr spannend hier, gerne gelesen!

  24. togibu meint:

    Viel weiß ich nicht, es sind alle schon lange verstorben:

    Väterlicherseits:
    Opa betrieb im nördlichen Oberallgäu eine kleine Käserei. Er starb schon ca. 1955, also vor meiner Geburt in 1959, und hat wohl nicht mehr erlebt, wie diese Käserei unter meinem Onkel um diese Zeit pleite ging, wie auch alle anderen kleinen Käsereien im Allgäu um diese Zeit.
    Oma war wohl Hausfrau und damit beschäftigt, ihre 9 Kinder großzuziehen. Sie hat wohl sehr darunter gelitten, dass ihre beiden ältesten Jungs (von Vieren)im Krieg gefallen sind. Trotzdem lebte sie noch bis 1975. Ich erinnere mich an eine freundliche alte Frau, die mir bei jedem Besuch eine der schönen alten Fünfmarkmünzen schenkte, was für mich viel Geld war!

    Mütterlicherseits:
    Opa war Dachdecker im Allgäu, hat Verdun überlebt, ist allerdings bereits 1935 bei einem Sturz vom Dach umgekommen.
    Oma stammte aus einem kleinen Dorf ca. 10 km entfernt von einem Bauernhof, musste diesen allerdings verlassen, als ein uneheliches Kind kam, arbeitete daraufhin in meinem Heimatdorf als Bedienung, wo sie meinen Opa kennenlernte und nach dem Krieg heiratete, weil ein Kind (meine Mutter) unterwegs war. Sie lebte noch bis 1962. Bei einem Sturz erlitt sie einen Oberschenkelhalsbruch, was damals einem Todesurteil gleichkam, da man sie nur ins Krankenhaus legte, wo sie sich alsbald eine Lungenentzündung zuzog, an der sie verstarb. Dies ist auch meine älteste zeitlich bestimmbare Erinnerung, wie meine Mutter und ich als dreijähriger diese alte Frau im Krankenhaus besucht haben, und meine Mutter ihr aus einer Schnabeltasse Tee zu trinken gab. Dieses Bild habe ich noch immer vor Augen!

    Dass meine Oma vor meiner Mutter noch einen Sohn hatte (und ich somit nicht einen, sondern zwei Onkel mütterlicherseits), habe ich erst als erwachsener Mensch erfahren, und ihn kennengerlernt.

    Da inzwischen meine Eltern nebst sämtlichen Onkels und Tanten verstorben sind, kann ich niemand mehr dazu befragen. Von den väterlichen Ahnen gibt es inzwischen nicht einmal mehr ein Grab.

    Interessant ist auch, dass sowohl meine Oma, als auch meine Mutter, und später meine ältere Schwester uneheliche Kinder hatten, obwohl das sogar noch bei meiner Schwester in 1969 als erhebliche Schande empfunden wurde – kann so was in den Genen liegen?

  25. togibu meint:

    Ergänzung:
    Die mütterliche Oma musste wie gesagt ihren Heimatort verlassen, aber das Kind blieb da, und wurde von den Urgroßeltern als eigenes Kind auf deren Bauernhof aufgezogen. Ich halte es für durchaus möglich, dass ihr Mann nie erfahren hat, dass seine Ehefrau einen unehelichen Sohn hatte – „in die Ehe brachte“ kann man bei dieser Konstellation ja nicht sagen.

  26. caterina meint:

    Ich weiß nur wenig über meine Großeltern und kann auch niemanden mehr fragen.
    Mein Großvater väterlicherseits war Kostgängerkind (als Sohn eines sächsischen Scheidergesellen, den es ins Tirolische verschlug, der eine katholische Großbauerntochter heiratete, die daraufhin natürlich enterbt wurde, er arbeitete dann als Küster (?) in der evangelischen Kirche in Innsbruck und ist wohl früh verstorben), machte eine Lehre bei einem Optiker/Thermometermacher/u.ä. und hat sich hochgelernt bis zum Schwachstromtechniker bei der k.u.k. Staatsbahn, hat u.a. die Arlbergbahn elektrifiziert (ich hab gehört, dass man noch um die Jahrtausendwende mit den Plänen meines Großvaters gearbeitet hat!!!) und die Fleimstalbahn in Südtirol. Dort hat er meine Großmutter kennengelernt – Tochter einer Großfamilie, die Metzger, Wirte und/oder Weinbauern waren. Illegaler Grenzübertritt am Brenner nach der Abtrennung Südtirols, Heirat, 1 Sohn, Hausfrau. Sie war die zweite Frau meines Großvaters, der um 1937/38 verstorben ist. Sie hat noch bis 1956/57 gelebt – wohl von der Beamtenpension ihres Mannes. Mein Großvater hat Zither gespielt, war Mitglied einer Sängervereinigung, hat die Musikkapellen im Arlberggebiet betreut, war Gründungsmitglied des Skiclub Arlberg und muss ein sehr fröhlicher, beliebter Mensch gewesen sein. Meine Großmutter hat es nie verwunden, dass sie die Heimat verlassen hat. (Ich bin Jahrgang 1955, habe also diese Großelternseite nicht wirklich kennengelernt)
    Die Großmutter mütterlicherseits war Bauerntochter, hat auf dem Hof ihrer Eltern/ihrer Geschwister mitgeholfen, hat drei Kinder und ein Ziehkind großgezogen und war eine wunderbar warmherzige Frau. Gestorben ist sie an einem Schlaganfall, sie wurde nicht ins Krankenhaus gebracht, weil der Hausarzt meinte „sie stirbt sowieso innerhalb der nächsten zwei, drei Tage“. Sie hat noch vier Jahre halbseitig gelähmt im Pflegeheim gelebt. Mein Großvater war ein zaundürrer, ungemein starker, menschenoffener Mensch, hat im Salzbergwerk gearbeitet und nach Schließung der Saline als Bauhilfsarbeiter. Er war viel im Wald und hat ungeheuer schöne Geschichten erzählen können. Dieses Großelternpaar habe ich heiß geliebt, sie waren meine „Gewerkschaft“….

  27. Norman meint:

    Gegenfrage: Wann wäre denn dann Ihre „Bestimmung“ erfüllt? Bundeskanzlerin, Starfighter-Pilotin, …?

  28. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Ich kann sogar etwas über einen meiner Urgroßväter sagen. Ich habe ihn noch kennen gelernt, er starb als ich 15 war.
    Für mich war er immer der Feuerwehrmann. Er leitete die Betriebsfeuerwehr bei Schott & Genossen in Jena. Eigentlich hat er in der Verpackung gearbeitet, aber die Feuerwehr war sein Leben. Er hat mir, der kleinen Urenkelin davon immer erzählt wenn wir Zwei gewandert sind, entweder rund um Jena oder aber hier im Berliner Südosten. Er war toll, liebevoll, immer für mich da und immer äußerst bescheiden.
    Ich, nicht meine Oma (seine Tochter) oder meine Mutter (seine Enkelin) bekam die Uhr seiner Frau geschenkt und meine kleine Schwester (10 Jahre jünger als ich, da war er dann wirklich schon alt) wurde genauso verhätschelt.
    Ich vermisse ihn noch immer, mein nicht vorhandener Sohn hätte seinen Namen bekommen.

  29. Oecherin meint:

    Großvater 1: Nähmaschinenschrauber in eigener kleiner Werkstatt
    Großmutter 1: Bäckerin im elterlichen Betrieb, bis sie mit Ende 20 heiratete.

    Großvater 2: Polizist, Bauer auf gepachtetem Hof, Fahrer und Hausmeister
    Großmutter 2: Sekretärin, bis sie mit 25 heiratete

  30. Hauptschulblues meint:

    Hauptschulblues schreibt darüber in seinem Blog, weil es ihm zuviel für einen Kommentar scheint: https://hauptschulblues.wordpress.com/2017/12/08/ur-und-grosseltern/

  31. RsL meint:

    Wie, „nichts daraus gemacht“?
    Ich erlaube mir mal ein wenig Provokation: Welche Heldentaten sind Sie der Welt oder sich selber denn noch schuldig?

  32. Liisa meint:

    Großmutter väterlicherseits arbeitete während des Kriegs als angelernte Pflegehelferin in einem Lazarett in Berlin. Ob sie jemals einen Beruf „gelernt“ und ausgeübt hat, weiß ich nicht, noch wie sie sich und ihren kleinen Jungen während der Kriegsjahre über Wasser hielt, bis sie meinen Großvater traf und geheiratet wurde.

    Großvater väterlicherseits hat auf Ingenieur studiert aber nie als solcher gearbeitet. Erst Soldat im Krieg gewesen, nach der Heimkehr arbeitete er in der Stadtverwaltung und scheint irgendwie die Berliner Müllabfuhr mit koordiniert zu haben. Er hat bis ins hohe Alter immer mal wieder sein Bedauern kundgetan, dass er nach dem Studium nicht als Ingenieur hat arbeiten können. So blieb es bei viel „Hobby“-Schrauberei (er baute Radios) und dem jährlichen Besuch der IFA (von wo er immer mit leuchtenden Augen heimkehrte)

    Großmutter mütterlicherseits: keine Ahnung, ob sie je einen Beruf gelernt und darin gearbeitet hat. Sie heiratete sehr früh, bekam drei Töchter. Kurz nach der Geburt von Tochter Nr. 3 (meine Mutter) starb ihr der Mann weg und sie stand mit drei kleinen Kindern da. Sie lebten auf dem Land auf einem Bauernhof und wurden da glaube ich mit durchgefüttert, d.h. sie wird ihren Anteil an der anfallenden Landarbeit, etc. wohl geleistet haben. Sie starb später auf der Flucht vor den Russen gen Westen.

    Großvater mütterlicherseits: keine Ahnung

    Das Gefühl der Scham und des schlechten Gewissens kenne ich nur allzu gut und ich habe bis heute keinen brauchbaren Weg gefunden, wie damit umgehen.

  33. Frau Brüllen meint:

    Bitteschön, mit Bildern!

  34. Iris meint:

    Bei einer Freundin von mir ist es auch so, dass sie, ihre leibliche Mutter und Oma allesamt unehelich waren…

  35. Iris meint:

    Von meiner einen Oma habe ich noch Bilder aus ihrer Kindheit, auf die ich sehr stolz bin. Sie stammte aus einer Schreinereifamilie und war daher vorbestimmt für meinen Opa, der alles mit Steinen machte. Er war Steinmetz und hat Häuser gebaut, Steine importiert aus Italien und irgendwann hatte eine Essigfabrik, die dann nach dem Krieg verstaatlicht wurde. Dass Oma und Opa charakterlich überhaupt nicht zusammenpassten, hat niemanden interessiert. Dieser Oma bin ich am ähnlichsten, aber ich habe sie nie kennengelernt.

    Meine andere Oma habe ich heiß und innig geliebt. Sie hat nie etwas gelernt und war die Frau eines Eisenbahnbeamten, der kein Mitglied der kommunistischen Partei werden wollte und deshalb als Wärter weitab an einem kleinen Bahnhof versetzt wurde. Er starb früh und hinterließ meine Oma mit einem spät geborenen Sohn. Sie bekam wohl keine oder kaum Witwenrente und hat ihn dann durchgebracht mit Gelegenheitsarbeiten und den Erträgen aus dem großen Garten. Es gab immer ein Schwein und Hühner. Dies alles war in Ungarn. Bis kurz vor ihrem Tod war sie Kassiererin in einer Apotheke.

  36. Hauptschulblues meint:

    Hauptschulblues findet es wunderbar zu lesen, wie die Wurzeln der Deutschen sich über ganz Europa (und darüber hinaus) verzweigen.

  37. Susann meint:

    Bei uns erwiesen sich die Großmütter als zäher und langlebiger als die Großväter, darum weiß ich über letztere nur wenig.

    Großvater und Großmutter 1: aus Böhmen/Sudentenland.
    Beide vom Bauernhof, der Großvater war Maurer und in den 50er Jahren schaffte es das Ehepaar, sich ein Haus zu leisten und zu bauen – darauf waren sie zeitlebens stolz. Er war ein starker Raucher und starb in den 70ern an Lungenkrebs, so dass ich ihn nie kennengelernt habe und wenig über ihn weiß.
    Die Großmutter war das jüngste von 7 Kindern und wurde mit 11 in den Dienst geschickt. Sie war eine sehr gute Schülerin und wollte Schneiderin werden, aber finanziell war das wohl nicht drin. So arbeitete sie in diversen Fabriken und wurde dann in den 40ern als Luftwaffenhelferin zwangsverpflichtet und nach Norwegen geschickt. Dort hatte sie, meinte sie, die schönste Zeit ihres Lebens. Nach dem Krieg wurden sie von den Engländern interniert und dann nach Hause geschickt – sie schlug sich durch ins Sudentenland, und dann wurde die ganze Familie vertrieben. Erst nach Bayern, aber die Bayern „wollten sie nicht“, dann nach Österreich, wo sie als Köchin arbeitete und noch in Heimarbeit in der Schmuckindustrie. Sie war eine wunderbare Frau, voller Witz, Lebensfreude, Energie und Schwung bis ins hohe Alter, ich habe sie sehr geliebt.

    Großvater und Großmutter väterlicherseits, aka „die Nazigroßeltern“:
    Die Eltern der Großmutter stammten aus Mähren, siedelten aber intelligenterweise schon in den 20ern weiter westwärts, wo sie sich einen großen Bauernhof kaufen konnten und angesehene Großbauern waren. Es gab mehrere Söhne und vier weithin wegen ihrer Schönheit gerühmte Töchter mit einem Dünkel, der seinesgleichen suchte. Es galt, „gut“ zu heiraten, und die Großmutter meinte, mit einem feschen Lehrer einen guten Griff getan zu haben.
    Er holte sich aber im Krieg an der Ostfront TBC, und war nach der Kriegsgefangenschaft nur mehr sporadisch in der Familie, meistens in Lungehheilstätten und starb dann an den Spätfolgen seines Kriegseinsatzes in den 50ern oder 60ern. Sie hatten drei Kinder, eines starb als Säugling, eines starb als Kind und war wohl behindert, mein Vater überlebte als einziger mit einer erwartungsgemäß stark ausgeprägten depressiven Neigung. Die hatte die Großmutter übrigens auch, und wen wundert’s.

  38. arboretum meint:

    Meine schlesische Großmutter war sehr sportlich und nahm als Jugendliche auch an Wettkämpfen teil. Das war damals schon noch ungewöhnlich, dass sie ohne Eltern nur mit ihren Turnkameraden verreisen durfte. Sie besuchte nach dem Lyzeum die Preußische Hochschule für Leibesübungen in Spandau und wollte anschließend auch noch an die Kunstakademie, um Kunst zu studieren. Doch dann wurde ihre Vater sehr krank und ihre Mutter holte sie nach Hause zurück. Dort unterrichtete sie in Turnvereinen, denn es fehlte ihr ja das zweite Fach für den Schuldienst. Kurz vor dem Tod ihres Vaters verlobte sie sich und bekam nach der Heirat fünf Kinder. Nach der Flucht arbeitete sie in Franken in einer Gärtnerei, anderthalb Jahre später zog die wiedervereinte Familie nach Hessen. Meine Großmutter arbeitete viel ehrenamtlich, sie nähte beispielsweise im Diakonissenheim und half jahrelang einer Familie mit Vierlingen, wo sie ebenfalls einmal die Woche hinging, um zu bügeln, zu nähen und die Kinder zu hüten und zu bespaßen. Meine Großmutter hatte viel Phantasie, konnte malen und basteln und sich ganz toll mit Kindern beschäftigen.

    Mein preußischer Großvater aus Berlin war promovierte Jurist und Richter (wie schon sein Vater und später einer seiner Söhne – dessen Sohn ist zur Abwechslung Anwalt und hat nicht promoviert). Während des Studiums in Breslau lernte er einen Medizinstudenten kennen, es war der ältere Bruder meiner Großmutter. Meinem Großvater, der aus einer sehr wohlhabenden, aber etwas förmlichen Familie stammte, gefiel das lebhafte und ungezwungenere Familienleben im Elternhaus meiner Großmutter. Mein Großvater und seine zwei Geschwister hatten eine englische Nurse und eine französische Gouvernante und siezten meines Wissens ihre Eltern. Bei meiner Großmutter gab es auch Personal, aber es ging anders zu. Mein Großvater war als Richter nicht in der NSDAP und wich deshalb vor Kriegsbeginn in den Freistaat Danzig aus. Als Soldat fuhr er LKWs, 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenenschaft. In Bayern wollten sie keinen Protestanten als Richter, lieber nahmen sie alte Nazis. Daher zog die Familie nach Hessen.

    Mein Großvater väterlicherseits stammte aus einer Familie von Kaufleuten und war Schmuck- und Uhrengroßhändler. Als er Teenager war, zog sein Vater – ein Uhrengroßhändler – mit der Familie nach Leipzig. Mein Großvater spielte Handball, bei einem Auswärtsspiel kamen die Spieler in den Familien der gegnerischen Mannschaft unter, so lernte er meine Großmutter kennen, deren einer Bruder ebenfalls Handballer war. Als Familienvater wurde mein Großvater mitsamt seinem Auto bereits zu Kriegsbeginn eingezogen, um in Frankreich einen Hauptmann herumzukutschieren. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wurde er – ohne Auto – an die Ostfront versetzt, dort machten sie ihn zum Zahlmeister. Er starb keine vier Monate vor Kriegsende bei einem Massaker.

    Meine Großmutter väterlicherseits wäre vermutlich auch gern aufs Lyzeum gegangen, aber für sie und ihre Schwester war nach der Volksschule Schluss. Alle vier Geschwister erlernten aber einen Beruf, sie wurde Damenschneiderin (der Vater war ebenfalls Schneider und selbstständig). Nach der Heirat war sie Hausfrau und Mutter von drei Kindern, hat aber in den Jahren, als mein Großvater als vermisst galt und später als Witwe nie wieder eine bezahlte Arbeit angenommen. Mein Großvater hätte seine beiden Söhne vermutlich auf die Handelschule schicken wollen, meine Großmutter aber wollte, dass ihre Kinder Abitur machen und studieren.

  39. Mrs. Bittersweet meint:

    Danke für’s Teilen all der wunderbaren Lebenseinblicke.

    Inspiriert mich sehr und werde das Thema demnächst mal aufgreifen :)

  40. stattkatze meint:

    Liebe Ines: All unser Leben ist Scham. Im Vergleich zu den anderen. Immer. –

    Von Großvätern und Großmüttern. – https://stattkatze.de/2017/12/08/then/

  41. Christine meint:

    Mütterlicherseits:
    Opa Theo – Altes münsterländisches Bauerngeschlecht. Weil dort immer nur der älteste Sohn erbt, gibt es dort große Höfe und man konnte von der Landwirtschaft immer gut leben. Da sein Vater erblindet war und seine Brüder im Krieg gefallen (Onkel Bernhard, dem ich sehr ähnlich sein soll – so meine Oma), durfte er auf dem Hof bleiben, was den Neid des Dorfes auf sich zog. Laut meiner Mutter ein sehr toleranter, humorvoller und kluger Mann.
    Oma Maria – Ich habe ihren Namen geerbt. Als junge Frau nacheinander bei verschiedenen Verwandten als Kindermädchen. Spät das erste mal Mutter geworden und sehr sehr sehr streng katholisch. So sehr, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass sie fünf mal Sex hatte. Wäre wohl gern Nonne geworden und hätte ihren jüngsten Son gerne als Pfarrer gesehen.

    Väterlicherseits:
    Opa Josef – Kam aus einer bürgerlichen Familie und als Volksschullehrer nach Oberschlesien. Diente in beiden Weltkriegen und hat hernach aber einen Persilschein bekommen. Später als Lehrer in Gelsenkirchen. Verstarb früh an den gesundheitlichen Folgen des Krieges. Konnte Geige spielen – mehr weiß ich nicht über ihn.
    Oma Martha – Gehörte zu den besseren Leuten in dem Dorf in Oberschlesien, in das mein Opa versetzt worden ist. Hat es mit fünf Kindern aber bis nach Gelsenkirchen geschafft, wo Verwandtschaft war und aus allen Kindern ist etwas geworden. Starb zwei Jahre nach meiner Geburt mit Mitte sechzig, als sie gesehen hatte, dass mein Vater sie auch nicht mehr braucht, weil er meine Mutter hat.

  42. Joël meint:

    Meine Großväter habe ich nie gekannt. Beide verstraben sehr früh.
    Jedoch habe ich schon mal im Blog über meine Großmütter geschrieben.
    http://joel.lu/2008/01/23/damals-3/
    http://joel.lu/2010/04/04/therese/

  43. Mhs meint:

    Bei uns zeigt sich wie sozialer Aufstieg damals funktionierte: Großvater mütterlicherseits ( Jg 1888) war ein schlaues Kerlchen, das von seiner Bahnwärter-Familie mit Hilfe der katholischen Kirche es zum Pfarrer bringen sollte. Aber er wurde Apotheker. Zum Horror der weitverzweigten Familie optierte und militierte er offen ab 1920 für den Anschluss Oberschlesiens an Polen! Das brachte ihm bald eine eigene Apotheke und eine junge, blonde Frau ein, die meines Wissens keine weitere Berufsausbildung hatte, wohl aber im elterlichen Betrieb (der Uropa war Bierverleger und Drogist) mittätig war. Er, ein lebens- und reiselustiger Mensch, starb kurz nach Ausbruch des 2. WK, seine Frau musste die Apotheke als kriegswichtig weiterführen. Wo sie wohl zeitweilig schon vorher mitgearbeitet hat, wenn sie nicht versuchte, die gute Gesellschaft vor Ort zu repräsentieren. In den letzten Kriegstagen floh sie ihren Töchtern folgend nach Ütersen, wo schon ihre Mutter und jüngere Schwester bei einem Bruder Unterschlupf gefunden hatten. Dieser sah sich mit Mutter und Schwester überlastet und wies den „Apothekern“ die Tür. Meine Mutter und ihre Schwester, damals im Abiturientenalter, begruben ihre Mutter im Dezember 1948 und versuchten so etwas wie eine Berufsausbildung hinzubekommen. Die älteste arbeitet als Arzthelferin, später als Sekretärin, die andere ( meine Mutter) fand in Gronau eine Textillabostelle, die sie mit Heirat aufgab und Mutter und Hausfrau wurde. Obwohl sie ihrem Vater sehr ähnlich war, ist sie zeitlebens eine ähnliche Hausschnecke wie ihre Mutter gewesen.
    Die väterlichen Großeltern kamen vom Land in die Stadt: beim Opa war man bis dahin „*Beruf* und Landwirt“; er selbst war gelernter Maurer, der dann eine Baufirma aufbaute, die er durch Kaiserzeit, polnischen Staat, Nazi-Annektion und Sozialismus hatte bis er 1954 starb. Seine Frau kam aus einer großen Landgaststätte mit Landwirtschaft, ging früh „in Dienst“ und heiratete knapp 16jährig 1904 ihren Julius, der bei seinem Tod noch der Gemeinde als leuchtendes Beispiele eines guten Menschen vorgehalten wurde. Sie hat in guten wie in schlechten Tagen sein Haus, seinen Betrieb und seine Familie geführt und zusammengehalten. Dort war der Sammelpunkt bei Kriegsende für alle, die in Reichweite warten. Und von dort sind fast alle bis auf die Oma, die nach knapp 30 Jahren Wittum fast 96jährig starb, auch gegen Westen aufgebrochen. Um dort die Segnungen des Kapitalismus zu genießen und ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.

  44. Karin meint:

    Großeltern mütterlicherseits: er im 19. Jahrhundert geboren, traf den Kaiser Wilhelm mal persönlich, war Herrenmaßschneider in der Winsstr. Prenzlauerberg, Berlin.
    Sie: war Dienstmädchen, wesentlich jünger als er. Opa August und Oma Lotte.

    Großeltern väterlicherseits. Er war Unperson, Säufer, wurde mir mal als Emil vorgestellt, schlug, ging fremd. Ich hab deswegen eine mir völlig unbekannte Tante, die im selben Jahr 1952 und im selben Monat wie ich geboren ist. Ich kenne sie nicht. Jetzt erfahre ich durch einen noch lebenden Bruder meines Vaters, dass der Großvater auch mutig war und während der Bombenangriffe mehrmals als Blockwart die Bewohner aus den Wohnungen geholt und in Luftschutzkeller gebracht hat. Sie: polnischer Ursprung, hieß Pelagia Kaczmarek.Fleißig, 7 Kinder geboren. Arbeitete in einer Wurstfabrik, starb noch nicht 60jährig nach einem Treppensturz.

  45. Kristin meint:

    Eine schöne Idee:

    Opa väterlicherseits aus dem Schwabenländle: Klavierbauer, spielte 7 Musikinstrumente, verkaufte nach der Gefangenschaft bei den amerikanischen Alliierten Küchengeräte. Überzeugter Nazionalsozialist bis zu seinem frühen Tod. Er galt als herrschsüchtig und egoistisch, hat meinem Vater aber Abitur und Studium erlaubt, finanzieren konnte er es nicht.
    Mutter väterlicherseits: kenne ich nur im Gemüsegarten hinter dem Haus, mit Kittelschürze bekleidet. Keine Ahnung, ob sie je eine Ausbildung gemacht hat oder ob sie überhaupt lesen und schreiben konnte. Beide haben meine Mutter gehasst … ihren Ältesten (meinen Vater) vergöttert.

    Opa mütterlicherseits: Hesse, Schreinermeister und nach dem Krieg durch viel Fleiß und Beharrlichkeit zu Geld und Ansehen gekommen, dabei auf dem Boden geblieben und mit wunderbarem schwarzen Humor gesegnet … ich habe ihn sehr geliebt. Er war kurz vor Kriegsende mit einem verwundeten Kameraden mit einem geklauten Motorrad von der französischen Front desertiert und musste sich verstecken. In Frankfurt ausgebombt und mit Säugling (meiner Mutter) war es keine einfache Zeit. Im Alter war er ein schwerer Pflegefall, darunter haben wir sehr gelitten – er war ein toller Mann!
    Oma mütterlicherseits: aus Cuxhaven, Großfamilie, gelernte Kinderkrankenschwester und im Krieg in einem Lazarett tätig. Danach nie wieder gearbeitet, sie war ein Mensch ohne Freude und Spaß. Gemocht hatte ich sie, aber ein inniges Verhältnis hatten wir nie. Sie hat meine Mutter in ihrer Kindheit sehr drangsaliert und gegängelt, meine Mutter durfte kein Abitur machen und ist an ihrem 21. Geburtstag regelrecht in die Ehe mit meinem Vater „geflohen“ (dennoch hielt sie bis zum Tode meines Vaters).

  46. Bette meint:

    Das ist ja schön!
    Über meine Vorfahren hab ich auch schon mal ein bisschen was aufgeschrieben – im Nachhinein tut es mir Leid, wie wenig ich doch als Kind/Jugendliche nachgefragt habe.
    Großvater mütterlicherseits (*1915): Ingenieur bei Siemens (als Wehrpflichtiger bei der Legion Condor und im 2. Weltkrieg im Flak-Einsatz, nur dank eines verletzten Fingers vom Handballspielen nicht nach Stalingrad geschickt worden..)
    Großmutter mütterlicherseits (*1923) Sekretärin bei Siemens, später Hausfrau und Avon-Vertreterin
    Großvater väterlicherseits (*1916): Polizist (laut meiner Mutter immer mit Cognac-Flasche in der Schreibtischschublade. Für mich am beeindruckendsten waren der „Schultersteckschuss“ und der „Hodenstreifschuss“, die er (angeblich?) bei der Verbrecherjagd abgegeben hatte), im Krieg u.a. in Griechenland, wovon er nur erzählte, sie hätten die Oliven vom Baum gegessen; nach der Pensionierung eine Weile verantwortlich für den Sicherheitsdienst des Hofbräuhauses (wo er auch Stammgast mit eigenem Krug war).
    Großmutter mütterlicherseits (*1921): Fleischereifachverkäuferin (und wohl der Grund, warum vegetarische Ernährung für mich nicht geht, es gab immer viel Fleisch und Wurst bei uns)

  47. Anonym meint:

    Großeltern1: Großvater (*1903) war Landwirt und einige Zeit im Dorf politisch aktiv, Großmutter (*1905) war im Haus und in der Landwirtschaft. Er war ziemlich streng und dominant, aber meist freundlich und in der Lage, sich auch über Kleinigkeiten zu freuen. Sie war ewig unzufrieden und zunehmend verbittert und verstand es, ihre Umgebung zu tyrannisieren.

    Großeltern2: Großvater (*1893) war Maurer und Nebenerwerbslandwirt (mehr zur Eigenversorgung), Großmutter (*1900) war Hausfrau und führte die Landwirtschaft, während er am Bau war. Meine Großmutter starb vor meiner Geburt, sie muss eine sehr harte Person gewesen sein. Mein Großvater starb, als ich 5 war – er war eine Seele von einem Menschen und er hat mir auf dem Heimweg vom Kindergarten die erste rote Rose meines Lebens geschenkt, von einer dunkelroten Kletterrose, an der wir jeden Tag vorbeikamen. Eines Tages griff er nach oben, brach eine Rose ab, entfernte die Dornen und gab sie mir. Das ist jetzt mehr als 40 Jahre her, aber keine Rose war je schöner.

  48. inaPö meint:

    Mein Urgroßvater Kurt arbeitete unter Carl Zeiss als Feinmechaniker, bei meiner Oma hingen viele sehr detailliert und fein gearbeitete Bilder aus Metall, er hat Schwarzweißfotos handcoloriert, ich hab die Nadeldose meiner Oma geerbt die er auch selbstgemacht hat, er war sehr kreativ und hatte neben dem Haus eine kleine Werkstatt. Meine Urgroßeltern, Kurt und Grete, starben 78 und 79, ich (Jahrgang 71) habe sie bei einigen Besuchen in Jena kennengelernt als sehr nette, sehr alte und zarte Personen. Einziges Kind war meine Oma Lotti (eigentlich Charlotte), Jahrgang 20, meinen Opa Otto, Jahrgang 14, lernte sie in Jena kennen, er war dort als Soldat stationiert. Oma ist Schneiderin, Opa Müller, beide machten ihre Meister, bei Lotti muss das im Krieg gewesen sein, sie erzählte immer, dass sie damals noch Lehrgeld bezahlen musste. Geheiratet wurde im März 1943 (im Fronturlaub), im August kam mein Vater in Jena zur Welt. Im selben Sommer wurde mein Opa in Norditalien schwer verwundet und Lotti fuhr hochschwanger mit dem Zug quer durch die Republik zu ihm ins Lazarett nach München weil es hieß das sei nötig wenn sie ihn noch einmal lebend sehen wolle. Er überlebte es (seine drei Brüder fielen im Krieg, ich habe eine winzige Familie), sie lebten in der Heimat meines Opas in Niedersachsen zwischen Peine und Hildesheim. Er arbeitet als Müller, sie bauten eine Mühle, bekamen einen Sohn, meinen Vater (Klaus), nebenbei hatten sie Schweine, Hühner, Ziegen (mit dem Ziegenkarren fuhr mein Vater als Junge das Mehl im Dorf aus), Hasen, zwei Hunde (einen Dackel, Hexe, und einen Schäferhund, Wolf) und einen Garten. Mein Vater war als junger Mann sehr krank, verbrachte viel Zeit im Krankenhaus und lernte dort meine Mutter kennen, die ihn als Krankenschwester versorgte. Die Mühle wurde 2-3 Jahre vor meiner Geburt abgerissen; zur gleichen Zeit bauten meine Großeltern zusammen mit meinen Eltern mein Elternhaus und zogen dort gemeinsam ein. Danach arbeitete Opa bis zur Rente als Kranfahrer bei einer Baufirma. Oma Lotti machte Änderungen für ein Bekleidungsgeschäft im Nachbardorf aber nie Vollzeit, eher sporadisch. Sowohl meine als auch die Kleidung meines kleinen Bruders war mindestens bis zum Ende der Grundschule komplett von meiner Oma genäht und gestrickt; wir hatten immer modische Kleidung und eine tolle Auswahl, ich erinnere mich an einen roten Lackanorak mit Patches. Bis ins hohe Alter (sie starb 2007, Opa 5 Jahre früher) durfte ich mir aus aktuellen Strickzeitungen die dollsten Muster aussuchen und Oma strickte es innerhalb der nächsten paar Wochen. Selbst als ich ein riesiges Loch in eine Strickjacke mit kompliziertem Zopfmuster riss, zog sie es mit einem dünnen Faden wieder zusammen, Oma kenne ich auf dem Sofa nur mit Nadeln in der Hand. Oma trug -außer zum Sport- nur Röcke und Kleider, die sie sich alle selbst nähte, sie legte viel Wert auf ein gepflegtes Aussehen. Leider hab ich weder ihr Talent noch die Geduld geerbt. Ich kenne beide auch als Rentner, wir verbrachten gern Zeit mit ihnen, duften sonnabends nach dem Baden zum Fernsehen (die Waltons, Rauchende Colts…) immer Würmer essen. Zu meiner Mutter war meine Oma immer kaltherzig, wir tranken zwar sonnabends und sonntags zusammen Kaffee (abwechselnd unten und oben, seitdem hasse ich Dorfklatsch), feierten Weihnachten Ostern, Geburtstage zusammen als wäre nix, ansonsten sprach sie kaum mit ihr, wartete lieber bis mein Vater abends von der Arbeit kam wenn sie etwas besprechen wollte, sie besorgte ihr keine Geschenke…, als ich das als junge Erwachsene registrierte (meine Mutter weinend in der Küche erwischte -dort war sie sicher, sie machte ja alles alleine-), zerbrach ein wenig meine heile Familienwelt, ich habe bis heute Angst, mich zu sehr aufzuopfern und über den Tisch ziehen zu lassen. Meine Mutter hat aus Christenpflicht (*ürkx*) und weil sie ausgebildete Krankenschwester und langjährige Gemeindeschwester war, beide bis zu ihrem Tod gepflegt. Das Verhältnis wurde dadurch nicht besser. Opa wurschtelte nachdem er in Rente war immer auf dem Grundstück rum (er trug selbst im Sommer lange weiße Unterhosen, die immer ein Stück aus der Hose hingen), wenn wir spielten war er immer in der Nähe, er war für alles draußen zuständig, Oma für den Haushalt, bei meinen Eltern war es dann genauso (wir haben das Schema durchbrochen). Mein Opa ging einmal die Woche zum Skat (um Pfennige), meine Oma zur Damen-, später Seniorengymnastik (die meine Mutter leitete), ansonsten trafen sie sich zu Geburtstagen mit 3 anderen Paaren aus dem Dorf, aßen und tranken gemeinsam (u.a. sehr viel Schnaps). Ich erinnere mich auch noch daran, dass Opa sonnabends zum Fußballkucken in die Kneipe ging und ich ihn als kleines Mädchen dort manchmal abholte und dann eine Fanta bekam. Sonnabendvormittags fegte er die Gosse und manchmal kam Otto, einer seine Freunde, mit dem Boxer Timmi vorbei und Opa holte zwei Bier aus dem Keller und sie sprachen Platt miteinander. Ich habs ein bisschen verstanden, weil ich mich gern um sie rumdrückte, sprechen konnte ich es aber nicht. Als er einige Jahre vor seinem Tod körperlich und geistig nachließ, wurde er immer unwirscher, reparierte Heiles kaputt, es passte ihm nicht, nachzulassen. Sie waren beide nicht besonders herzlich aber immer für uns da. Opa hat uns 1-2 Marschlieder vorgesungen, über den Krieg wurde nie gesprochen, abgewunken, wenn ich Fragen stellen wollte. Ich glaube ich trage bis heute die Kriegstraumata meiner gesamten Familie in mir.
    Mein anderer Opa, Fritz (eigentlich Friedrich), Jahrgang 13, ist in Wien geboren und aufgewachsen und wäre in Heiligenkreuz als Mönch ins Kloster eingetreten, wenn er nicht eingezogen worden wäre. Weil er es als Soldat nicht aushielt, desertierte er und wurde von der Familie meiner Großmutter in der Nähe von Hildesheim versteckt. Dort kam er in Kontakt mit meiner Großmutter, Annemarie, die ich nie kennenlernte, sie starb mit um die 50 ein paar Jahre vor meiner Geburt nach langer Krankheit. Meine Mutter pflegte sie, hatte gerade als Krankenschwester ausgelernt, kümmerte sich zusätzlich noch um ihre 3 Jahre jüngere Schwester, die auch Krankenschwester lernte, der ältere Bruder durfte aufs Gymnasium und später studieren, für die Mädchen war das Geld nicht da. Ich glaube übrigens auch, dass meine Mutter sich (aus der harten Situation zuhause) in die Ehe geflüchtet hat und bin etwas traurig, dass es dann so in die Traufe ging; ohne Kraft oder die Vorstellung, das ändern zu können oder dürfen. Opa arbeite als Ungelernter (kann eigentlich nicht sein, da muss ich noch mal nachfragen…) in der Wäscherei eines Onkels (?) meiner Großmutter, wurde dort als Familienmitglied aber weder gut behandelt noch bezahlt. Er durfte dankbar sein. Nachdem er mit 50 verwitwete, versorgte er sich zunächst selbst, war sehr selbständig, suchte sich schließlich über die Kirchenzeitung eine neue Frau, die ich als Oma Trude kenne (eigentlich Gertrud), eine seltsame, etwas giftige Frau ohne Humor. Meine Mutter und meine Tante hätten auch eine andere Frau aus den Zuschriften ausgesucht, aber (O-Ton) nach ihnen ging es „leider“ nicht. Ich weiß nicht, ob meine leibliche Oma etwas gelernt hat, hörte immer nur von ihrer Krankheit (kann aber nicht sagen, was sie hatte). Oma Trude hatte als Haushälterin eines Pfarrers gearbeitet bevor sie Opa Fritz kennenlernte, danach arbeitete sie nicht mehr. Auch diese beiden habe ich nur als alte Leute in Erinnerung. Opa hatte zweimal Silberhochzeit. Nachdem kurz nach der zweiten Oma Trude gestorben war, dachten meine Mutter und ihre Schwester, dass er sich auch diesmal so gut selbst versorgen würde, hatten aber nicht darüber nachgedacht, dass er inzwischen Mitte/Ende 70 war, es klappte dann einige Jahre mit Essen auf Rädern, meine Mutter machte ihm die Wäsche, meine Tante half beim Putzen, besuchte ihn etwas häufiger, sie ist alleinstehend und wohnte in seiner Nähe. Wir fuhren als Familie immer sonntags zu ihnen, lebten etwa eine halbe Autostunde entfernt. Mein Bruder und ich durften uns eine Dose Fanta teilen, die grünen Gläser habe ich mir zur Erinnerung an ihn mitgenommen. Als er ins Altersheim kam, besuchte ihn meine Mutter mindestens zweimal die Woche, meine Tante wurde irgendwann zu so etwas wie seiner dritten Frau, wenn sie nicht mindestens zweimal am Tag kam, wurde er ungehalten. Irgendwie konkurrierten die Töchter um ihn, beide mit schlechtem Gewissen, worüber auch immer (meine Mutter entschuldigte sich damit, dass sie ja so weit fahren musste… was Hilles Schuld war weiß ich nicht, ich erlebe sie als Opfer seit ich sie kenne…), ich glaube es sind nur wenige Opas so gut besucht und betreut worden wie Opa Fritz es war. Ich bin inzwischen aus der Kirche ausgetreten, weil ich diese ständige Schuldzuweisungsscheiße ablehne und nur ganz schwer ertrage. Meine Tante hab ich als junges Mädchen angebetet, inzwischen haben wir nur sporadisch Kontakt weil sie mir immer wieder einen reindreht und ich es nur schwer aushalte (sie aber eben meine Patentante ist… *herjee*), mit meinen Eltern habe ich ein freundliches aber nicht enges Verhältnis, habe mich (so zwischen 30 und 40) sehr stark abgenabelt und versöhne mich innerlich so langsam wieder mit meiner Mutter, ich werde milder, verstehe sie immer besser, es wird immer entspannter (wer hätte das gedacht). Mein Opa war zeitlebens sehr lieb, sehr bescheiden, immer etwas weltfremd und sehr gläubig, ging jeden Tag in die Kirche und als er in seinen 90ern ins Altenheim kam, war er selig, mit alten Pfarrern, die er aus den Gottesdiensten kannte, an einem Tisch zu sitzen. Er starb mit 98 und hatte die letzten Jahre auch keine rechte Lust mehr. Im Alter sind seine Ohren und Hände immer größer (riesengroß!) geworden und er immer dünner. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er außer Gott noch Hobbies hatte, er freute sich immer, wenn wir ihn besuchten; vermutlich war er viel zu erschöpft nach der Arbeit. Ich erinnere mich auch nicht an Freunde. Auch er hat nie über den Krieg gesprochen.

  49. inaPö meint:

    x

  50. crazycook meint:

    Beide Großeltern der väter- und mütterlichen Seite waren schon vor meiner Geburt verstorben. Die schweigende Generation (beide Weltkriege erlebt) hat nichts erzählt, auch nichts über ihr Leben. Meinen Vater habe ich auch nicht erlebt. Die Biografie meiner Frau ähnelt meiner, eine Familiengeschichte die bei vielen älteren Heimat-Vertriebenen vorkommt.

  51. Jessica meint:

    Interessante Geschichten, was für eine schöne Idee:

    Oma mütterlicherseits (Jahrgang 1929): Lichtpauserin bei Siemens, Kindermädchen in der Familie eines US-Kommandanten, hätte mit dieser nach Abzug in die USA gehen können, hatte aber bereits meinen Opa kennengelernt. Ab Heirat Hausfrau und Mutter, sie wäre gerne berufstätig geblieben, aber als Lehrersfrau gehörte sich das auf dem Land nicht… Sie hat sich dann ins Ehrenamt gestürzt und später auch noch mich großgezogen.

    Opa mütterlicherseits (Jahrgang 1928): Besuchte unter den Nazis als begabter Junge aus ärmlichen Verhältnissen eine Lehrerbildungsanstalt, allerdings nicht lange, da die Ausbildung durch Kriegseinsatz und Vertreibung aus Schlesien unterbrochen wurde, arbeitete dann als Waldarbeiter, bis er die Ausbildung an einer bayerischen Lehrerbildungsanstalt zum Volksschullehrer wieder aufnahm (unter Druck seiner älteren Brüder, er wollte nicht Lehrer werden) und abschloß. Später Schulleiter an einer Grundschule und sehr zufrieden in seinem Beruf als Lehrer.

    Oma väterlicherseits: Ich glaube, dass sie nicht gearbeitet hat, wenn dann höchstens Hilfsarbeiten. Als ich geboren wurde, war sie eigentlich noch im arbeitsfähigen Alter hat aber nicht gearbeitet und anstatt dessen sich aufopferungsvoll um ihre behinderte Nichte gekümmert, die bei ihr lebte.

    Opa väterlichseits: Über ihn weiß ich gar nichts, mein Vater ist unehelich geboren und hatte keinen Kontakt zu ihm.

  52. Mrs. Bittersweet meint:

    Hallo,
    ich verlinke meine Erinnerungen Teil 1 mal hier:

    https://bittersweetsinfonie.blogspot.de/2017/12/meine-groeltern-mutterlicherseits.html

    Isa

  53. Carom meint:

    Wenn ich die Vierjährigen in der Kita sehe und von den Karrieren höre, die die Eltern sich für den Nachwuchs erträumen, denke ich auch immer: Die meisten dieser Kinder werden einen völlig mittelmäßigen Schulabschluss und eine absolut durchschnittliche Berufsausbildung absolvieren und ein absolut durchschnittliches Leben leben. Die allermeisten.

    Genau wie ihre Eltern.

  54. Brigitte Diek meint:

    Großvater väterlicherseits: Bahnarbeiter und Torfstecher im nördlichen Emsland, Großmutter: Hausmädchen, dann Hausfrau.
    Großvater mütterlicherseits: holländischer Bauer auf 10 Hektar (40 Morgen, das wurde mir als Kind von ihm so immer gesagt)! in der Grafschaft Bentheim und Holzschuhmacher; das war nach dem Krieg gut, da kam etwas Bargeld herein,weil für Schuhe waren im Dorf fast alle zu arm.
    Großmutter: Hausmädchen, dann Hausfrau.
    Die väterlichen Großeltern mit ihren 10 Kindern haben wohl so manches mal gehungert, konnten aber gut und gerne feiern; den mütterlichen Großeltern mit 6 Kindernging es finanziell etwas besser, aber ich habe sie nie ausgelassen erlebt.

  55. avalon meint:

    Der Vater meiner Mutter hat in Solingen bei einem Messerhersteller im Marketing (zuletzt als Marketingdirektor) gearbeitet, seine Frau war Hausfrau. Meine Mutter war Einzelkind.
    Der Vater meines Vaters hatte in Hamburg-Waltershof eine eigene Gärtnerei, seine Frau hat dort mitgearbeitet. Mein Vater hatte zwei Geschwister.

  56. rosa meint:

    Sehr gerne gelesen, alles!

    Meine Großeltern mütterlicherseits sind in der nordostniedersächsischen Pampa großgeworden (Jahrgänge ca. 1912 und 1920) und haben geheiratet, als meine Großmutter ungefähr 18 war. Sie war auf einem Bauernhof großgeworden und musste immer mit anpacken. Die Familie war aber nicht arm- im Sommer kamen schlesische „Rübenmädchen“ zum Aushelfen, und in den 20ern schaffte ihr Vater die erste Waschmaschine des Dorfes an, was die Arbeitslast der Frauen auf dem Hof ganz deutlich verringerte. Sie hat nach der Volksschule noch eine Haushaltungsschule besucht – und einen Haushalt führen tat sie auch ihr Leben lang. Mein Großvater hat Schlosser gelernt, war im Krieg (1944 wurde meine Mutter geboren) und hat danach als findiger Tüftler einen Landmaschinenbau aufgebaut. Mit dem verdienten sie gutes Geld bis er Anfang der 70er pleite ging und nichts mehr vom Besitz blieb. Ihnen blieb später eine kleine Rente, aber sie waren genügsam, ich habe nicht in Erinnerung, dass sie verbittert waren.

    Die Großeltern väterlicherseits sind in Warschau und Lodz geboren (ungefähr 1910 und 1914). Er kam aus ärmeren Verhältnissen – Vater Buchhalter, aber früh an der spanischen Grippe gestorben – sie aus dem Bürgertum. Kennengelernt haben sie sich beim Studium an der deutschsprachigen Uni in Warschau – er Theologie, sie Mathematik. Beide beendeten das Studium aus mir unbekannten Gründen nicht. Sie hat meines Wissens nie für Lohn gearbeitet – hatte wohl auch zeitlebens mit Depressionen zu kämpfen. Er arbeitete als Hauslehrer für Adlige, u.a. auch auf Landgütern in Russland, war dann Soldat. Heirat im Krieg, 1942 kam mein Vater in Lodz zur Welt. 1945 Flucht meiner Großmutter mit meinem Vater gen Westen. Sie landeten auf der schwäbischen Alb, da dorthin schon Verwandte geflohen waren. Nach 1-2 Jahren Rückkehr meines Großvaters aus der Gefangenschaft, der Arbeit als Buchhalter bei Bosch fand und dort auch den Rest seines Berufslebens blieb. Später dank dieser Arbeit ordentliche Rente – im Rentenalter konnten sie sich ein Haus mit Garten finanzieren.

  57. Thomas S. meint:

    Vater der Mutter: Angehender Architekt, der seine Ausbildung von einem Tag zum anderen abbrechen musste, als sein älterer Bruder im 1. WK „fiel“. Musste dann an seiner Stelle die elterliche Schreinerei übernehmen und hat diese Arbeit Zeit seines Lebens gehasst. Im zweiten Weltkrieg Soldat, was er (obwohl Hitler freundlich gesonnen) noch mehr hasste. Knapp der Kriegsgefangenschaft entgangen. Hatte später immer eine illegale Waffe im Nachttisch (was wir Kinder natürlich cool fanden). Vor wem (oder wessen Rache?) er sich fürchtete, habe ich nie heraus bekommen.
    Mutter der Mutter: hat sich um das Zuhause und die Landwirtschaft gekümmert, starb überarbeitet und zu früh an Herzversagen.

    Vater des Vaters: Eisenbahner, musste als solcher nicht in den Krieg (was als großes Glück empfunden wurde), Nazigegner, starb relativ früh am Schlaganfall.
    Mutter des Vaters: Einzelkind (was damals sehr ungewöhnlich war) und starke Persönlichkeit, hat sich um das Zuhause und die Landwirtschaft gekümmert, blieb bis ins hohe Alter rüstig und lebensfroh.

  58. Katharina meint:

    Triggerwarnung: Scheußliche Familiengeschichte ahead. Bitte Vorsicht.

    Meine Großeltern mütterlicherseits (beide * 1900) hatten im nördlichen Sudetenland, fast an der Grenze zu Deutschland, ein Kolonialwarengeschäft. Mein Großvater übernahm es als jüngerer Sohn, als sein älterer Bruder im 1. WK gefallen war. Meine Großmutter stammte aus einer Bäckersfamilie und hat nach der Hochzeit den Geschäftshaushalt geschmissen und die Angestellten befehligt. Beide waren, wie ihre Freunde und Verwandten, lebenslustige Leute, die häufig Ausflüge machten und auf keinem Faschingsfest fehlten. Meine Mutter (*1931) erinnerte sich, dass ihre Eltern, schon für den Faschingsball verkleidet, Gute Nacht sagten: Großvater trug Großmutters Sachen und umgekehrt. Nach meiner Mutter bekamen sie 6, 10 und 12 Jahre später noch drei Kinder, waren also ungewöhnlich alte Eltern. Reich waren sie nicht, aber wohlhabend. Bei Kriegsende wurde mein Großvater von Nachbarn fürchterlich zusammengeschlagen. Was meiner Großmutter und meiner 14jährigen Mutter passierte, darüber hat meine Mutter nie gesprochen. Es waren weitere scheußliche Dinge im Ort in Gange. Meine Großeltern beschlossen zu sterben und meine Mutter wurde als Älteste gefragt, ob sie einverstanden sei, dass alle miteinander Gift nehmen. Ich habe diese Geschichte erst mit über 30 erfahren. Meine Mutter hörte, wie die Eltern im Nebenzimmer das Vaterunser beteten, während sie bei den Geschwistern war und selbst auf der Schwelle des Todes stand, wie sie sagte. Ich weiß ncht, warum sie nicht im selben Raum waren, aber ich kann mir ihren Schock und den Ausnahmezustand sowieso nicht vorstellen. Dann wurden die Kinder gerettet, weil ein Onkel, der Arzt war, ihnen die Mägen auspumpte. Meine Großeltern waren tot und meine Mutter wurde drei Monate später mit ihren Geschwistern „rausgeschmissen“, wie sie es zeitlebens nannte. Sie wurde Krankenschwester.
    Meine Großeltern väterlicherseits waren Finanzbeamter und Hausfrau. Meine Großmutter brachte sich um, als mein Vater 14 war. Mein Großvater hatte in der Kleinstadt, in der sie lebten, ein dicke Lippe gegen die Nazis riskiert und war versetzt worden, konnte die Familie aber nicht gleich mitnehmen. Mein Vater erzählte, dass meine Großmutter wegen der Haltung meines Großvaters von jemandem bedroht wurde und daraufhin in Panik Selbstmord beging.
    Meinen Großvater habe ich nicht in Erinnerung, er starb 1966 als ich 2 war.
    Mein Vater arbeitete – obwohl er sich mit seinem Vater zerstritt und enterbt wurde – beim Finanzamt.

    Beim Durchlesen der anderen Geschichten fand ich sehr interessant, wie ähnlich die Lebenswege teilweise sind (die unehelichen Kinder, die in jeder Generation zur Welt kommen beispielsweise. Auch ich kenne eine solche Familie) und ich denke darüber nach, wie frei wir beim Treffen unserer Entscheidungen eigentlich sind. Du kannst wollen was du tust, aber du kannst nicht wollen was du willst. Von wem war das noch? Kant?
    Mich entlastet dieser Gedanke. Natürlich habe ich mich mein Leben lang mit den unerledigten Emotionen und dem Trauma meiner Eltern und Großeltern herumgeschlagen. Und auch ich leide immer wieder unter dem Gedanken, „nichts geschafft“ zu haben. Inzwischen sehe ich die Gefühle, die damit verbunden sind, aber eher wie eine kleine Krankheit, die mich immer wieder mal anfliegt. Ich habe ziemlich viel geschafft. Vor allem, mich doch ziemlich aus den Fängen der Familiengeschichte zu befreien. Meine Tochter soll es schließlich mal besser haben ;)

  59. Wiesel meint:

    Bisschen verspätet, aber auch von mir eine Großelterngeschichte:
    https://wordpress.com/post/wieselblog.wordpress.com/16858

  60. Iris meint:

    Der Link funktioniert leider nicht…

  61. Wiesel meint:

    Ich hoffe, der funktioniert jetzt:
    https://wieselblog.wordpress.com/2017/12/11/bulldog-und-lumpi/

  62. Vinni meint:

    Etwas spät hab ich noch was dazu geschrieben:

    https://rabensturm.livejournal.com/193564.html

  63. Canzonett meint:

    Mutterseite:
    Großmutter – geprüfte Hauswirtschafterin
    Großvater – Molkereifacharbeiter

    Vaterseite:
    Großmutter – ungelernt
    Großvater – Chemiker

  64. Modeste meint:

    Als Großvater habilitiert hatte, hätte er einen Ariernachweis gebraucht, den er – da familiär zu spät konvertiert – wohl nicht bekommen hätte. Ins Ausland ausgewichen, dort an einem Lyzeum als Lateinlehrer gearbeitet und es gehasst, dann unmittelbar nach dem Krieg endlich der Lehrstuhl. Für die FDP Kommunalpolitik betrieben, drei Kinder, knorrig, streng, aber immer das, was man damals liberal nannte. Ich mochte ihn.

    Großmutter hätte gern studiert, hat statt dessen aber mit 19 geheiratet und allen Enkelinnen später energisch vom Ehestand abgeraten.

    Von meinen anderen Großeltern weiß ich so gut wie nichts. Er war Jurist.

  65. Herr Kaltmamsell meint:

    Großvater mütterlicherseits: Gelernter Kaufmann, dann Prokurist, unter und nach den Nazis Bürgermeister in einem kleinen Dorf. Danach bei der der Bahn, auch etwas Kaufmännisches.
    Großmutter mütterlicherseits: Sekundarstufe I für höhere Töchter, nach ein paar Jahren Arbeit Hausfrau.

    Großvater väterlicherseits: Gelernter Werkzeugmacher bei Messerschmidt bzw. der Vorläuferfirma.
    Großmutter väterlicherseits: Ein wenig gekocht in einem Mädchenheim, danach Hausfrau.

  66. Anke meint:

    Ich habe in meinem Blog etwas ausführlicher geantwortet: http://ankegroener.de/blog/?p=28281

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