Archiv für August 2004

Haltungsschaden

Mittwoch, 25. August 2004

Während einer zehnminütigen Fahrt ungefragt über den Taxifahrer erfahren:

– dass das Geschäft schlecht läuft
– dass er in zwei Tagen in Urlaub nach Spanien flieg, Costa Brava
– obwohl er sich bei dem schlechten Geschäft denkt, dass er die zwei Tage gar nicht erst hier sein müsste
– aber das Geld muss ja reinkommen; oder soll er ausgerechnet im Urlaub zwei Bier weniger trinken?
– dass soeben sein Antrag auf Wohngeld abgelehnt wurde
– genau, weil seine Wohnung zu groß ist – woher ich das weiß? (weil ich eine Freundin im Rollstuhl habe, deren Antrag auch mal aus diesem Grund abgelehnt wurde)
– dass er kürzlich geschieden wurde, aber er und seine Exfrau von der Baugenossenschaft keine zwei kleinen Wohnungen bekamen; da gebe es Wartelisten („wahrscheinlich wieder die Russen“)
– dass er jetzt in der großen Wohnung sitzt und deshalb 124 Euro mehr Miete zahlen muss als seine Frau
– „aber den anderen schieben sie’s hinten rein“
– dass er wenigstens bald Urlaub hat.

Mein böses und vermutlich latent neoliberales Gutverdienerinnen-Hirn denkt: Wieso glaubt jemand, der sich Urlaub an der Costa Brava leisten kann, er habe Anspruch auf Wohngeld?

Umzug

Dienstag, 24. August 2004

Das Blogheinzelmännchen hat sich ganz viel Mühe gegeben, alles so dilettantisch und vorläufig aussehen zu lassen wie bisher, aber in Wirklichkeit wird hier ab sofort mit WordPress gebloggt.

Danke schön

Montag, 23. August 2004

22082004_Ballons

Vielen Dank für die Glückwünsche zum Geburtstag! Und die Hommage! Ich habe mich wirklich gefreut.

Spirit-children

Montag, 23. August 2004

Es war, als wäre dieses Ertragen der äußeren Umstände, mit versteinerter Miene und zusammengebissenen Zähnen, für ihn nichts Ungewöhnliches, sondern seine persönliche, vielleicht einzige Strategie, dem Leben zu begegnen.(Lesebefehl)

Ich glaube, es gibt Menschen, die sind nur aus Versehen da. Auf diese Idee kam ich durch Ben Okris The Famished Road*. Er schreibt darin über „spirit-children“, Kinder, die normalerweise nicht lange am Leben bleiben, weil es sie in die Welt des Nicht-Seins zurückzieht. Nur Menschen mit besonderen Fähigkeiten erkennen sie und können die Eltern warnen. „It is more difficult to love than to die”, sagt der Vater eines dieser Geist-Kinder in The Famished Road.

Für Menschen, die eigentlich in die Welt des Nicht-Sein gehören, wird das Leben immer nur etwas sein, durch was sie halt durchmüssen. Es wäre unfair ihnen vorzuwerfen, dass sie „nie richtig gelebt“ haben. Sie verdienen Mitleid und vielleicht ein klein wenig Bewunderung, dass sie trotzdem durchhalten.

*Lektüre-Empfehlung afrikanische / postkoloniale Literatur. Bekam 1991 den Booker Prize und gehört zu den eigenwilligsten Bücher, die ich kenne – auch wenn sein magic realism nicht neu ist. Am besten anstatt der derzeitigen Mode Tochter der Sahara / Sandblume / Ich war eine Massai etc. lesen.

45

Sonntag, 22. August 2004

Wenn man trotz allem dann vielleicht doch so alt ist, wie man sich fühlt – dann hätte ich gerne die 45 bitte. Ganz eindeutig auf einem anderen Planeten als Jugendliche und junge Eltern, aber noch weit genug von der Rente weg, um nie auf die Idee zu kommen, irgendwelche Vorhaben auf „wenn ich dann mal nicht mehr arbeite“ zu verschieben.

Zudem: Ich sah schon immer älter aus als ich bin. Mit 15 wurde ich bereits für die Frau meines Vaters gehalten. Wenn ich auch nur einmal auf das Nennen meines Alters hören will „Also, ich hätte Sie viel jünger geschätzt!“, dann gibt es nur einen Weg: Ich muss mich älter machen. Und mit meinen vielen weißen Haaren, den schönen Falten vor allem um die Augen (ich bin gerade dabei, die Oberlippenfalten auszubauen, in die dann der Lippenstift zu schön reinfransen kann) und der Kleidergröße 46 müsste ich locker als 45 durchgehen.

Leider habe ich in den letzten Jahren eine Geburtstagsempfindlichkeit entwickelt, die so gar nicht zu meiner früheren Begeisterung passen will, mit der ich rauschende Geburtstagsfeste feierte (zum 27. organisierte ich eine große Stadt-Ralley, oho!). Auch dieses Jahr hieß es auf Anfragen nur: Entfällt. Vielleicht feiere ich ja meinen Fünfzigsten. Nächstes Jahr.

Bewegung!

Freitag, 20. August 2004

Olympics

via Jens

Old Economy ist… (7)

Freitag, 20. August 2004

040819_OE