Typologie auf der Tanzfläche: Die Herren

Dienstag, 15. Februar 2005 um 8:14

(Aus einem Briefwechsel mit einem Freund. Zunächst meine Systematisierung.)

1. Die Naturbegabungen:
Gehören meist einer älteren Generation an (wie mein Papa), die nie einen Tanzkurs gemacht hat. Für diese Herren ist Tanzen eine angenehme und natürliche Art der Bewegung – wie Spazierengehen. Sie haben Rhythmusgefühl, können sicher und unaufdringlich führen, machen selbst aus den einfachsten Tanzschritten heraus erfreuliche Variationen und Drehungen. Ein Genuss.

2. Die Hyperaktiven:
Sind tanzwillig, das ist ja schon mal was. Können sich durchaus im Takt bewegen. Nur tun sie das mit einer Vehemenz, dass man sich als Dame eher wie ein Turngerät fühlt. Für diese Herren ist Tanzen die Alternative zum Fitness-Studio. Glücklicherweise habe ich schon in jungen Jahren ein Gegenmittel gefunden: Stellung halten. Mit etwas Geschick merkt der Herr gar nicht, dass seine Dame ihren Bewegungsradius auf ein Minimum reduziert hat und tobt seinen Bewegungsdrang um sie herum aus, ohne dass die Dame außer Atem kommt.

3. Die Tanzschüler:
Haben umfassende Tanzausbildung, auch Rhythmusgefühl. Nur dass eine Dritte kaum in den Genuss kommt, mit ihnen zu tanzen: Tanzschüler tanzen nur mit ihrer Partnerin. Kaltmamsell steht ausgehungert und mit sehnsüchtigem Blick am Rand der Tanzfläche.

4. Die a-rhythmischen Binsenschweine*:
Das ist die anstrengendste Sorte, da es kein Gegenmittel gibt. Diese Herren fühlen sich meist gesellschaftlich zum Tanzen verpflichtet, es gibt aber auch in dieser Kategorie begeisterte Tänzer. Die Dame muss ihre ganze Aufmerksamkeit darauf verwenden, die Musik auszublenden und den unhörbaren Takt zu finden, nach der Herr sich bewegt. Genuss ist das keiner.

*Vom alten Griechischlehrer Graßl geprägte Bezeichnung für Schüler, die einen Hexameter ums Verrecken nicht im Versmaß vorlesen konnten.

die Kaltmamsell

3 Kommentare zu “Typologie auf der Tanzfläche: Die Herren”

  1. René Grüneberger meint:

    Ich bekenne mich zu Punkt 3. Die Beschränkung auf die eigene Dame kommt aber daher, daß es sauschwer war, eine geeignete Person zu finden, mit ihr dann noch div. Kurse zu absolvieren bis endlich der Zustand wie unter weiter oben beschrieben: „Die Feder“ erreicht ist. Erst dann macht es beiden wirklich Spaß, finde ich.
    Lösung für Frau Kaltmamsell: Den Herren der Wahl gezielt ansprechen („Damenwahl“), die meisten Tanzpartnerinnen haben dann Verständnis für ein bis zwei Runden. Mehr nicht! Auf gar keinen Fall kann der Herr eine ihm fremde Dame auffordern, das führt sofort zur Katastrophe. Und dann tanzt man zum dritten Mal „Bronze 1″…

  2. kid37 meint:

    Ich frage mich die ganze Zeit und zudem aus aktuellen Bedürfnissen, wo – außer auf diesen Kreuzfahrtschiffen – wird eigentlich noch Standard getanzt?

  3. die Kaltmamsell meint:

    Auf dem Land, kid, und auf Hochzeiten. Auch auf einigen Faschingsbällen. Der kundige Freund hat sein ganzes Leben im finstersten Bayrisch-Schwaben verbracht (Stauden) und tanzt auf Feuerwehr-, Schützenvereins-, Faschingsbällen sowie eben auf Hochzeiten im Verwandten- und Freundeskreis.

    René, ehrlich gestanden erwarte ich gerade von einem geschulten Tänzer, dass er sich auf eine unbekannte Partnerin einstellen kann. Dass er Stück für Stück und Figur für Figur vorsichtig austestet, ob sie mitkann. Er muss ja nicht gleich mit 12-taktigen Figurfolgen anfangen. Aber bereits an der Reaktionen auf das Einleiten einfacher Figuren sollte er doch abschätzen können, ob es auch komplizierter sein darf.

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