Anderes Kochen im Fernsehen

Mittwoch, 30. November 2005 um 10:24

Gestern habe ich erstmals Jamie Oliver in Bewegung gesehen, weil ein RTL-Sender seine Serie über die Verbesserung des englischen Schulessens ausstrahlt: „Jamie’s School Dinners“. `tschuldigung, aber in einer Dokumentation die Leute von Schauspielern synchronisieren zu lassen, finde ich nicht nur unredlich – ich kriege echte, physische Gänsehaut davon. Hätte es ein Voice-Over der Übersetzung nicht auch getan?

Das Projekt selbst ist hochinteressant, der Herr Oliver bleibt mir aber in Kochbuchform am liebsten. Was das Fernsehen wirklich lohnte, war der Anblick der derben, lauten Kantinen-Chefköchin Nora in der Restaurantküche des edlen Fifteen: Totaler Clash der Kulturen, etepetete Feinchenkoch (ein Kollege Olivers) trifft auf Working-Class-Bulldozer, gestreiftes Modekäppchen gegen weißes Haarnetz, Messerakrobat gegen zwei in die Hüfte gestemmte Fäuste. Und was die Frau einen Spaß hatte! Wie sie guckte und naschte und lachte und trompetete! Das guck ich weiter, dienstags um 21.15 Uhr auf RTL II.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Anderes Kochen im Fernsehen“

  1. Noga meint:

    Die Sendung habe ich leider verpaßt, aber vor ein paar Tagen kam ein Kurzbeitrag in der Abendschau. Das Projekt ist auch in Berlin in einigen Schulen auf Probe eingeführt worden.

    Die interviewten Kinder haben sich sehr begeistert geäußert, wobei es am „Film-Tag“ Spaghetti bolognese gab und die Frage wäre, wie repräsentativ das ist, denn bei Spaghetti bolognese kann man eigentlich keine Fehler machen.

    Der Anteil der verwendeten biologischen Lebensmittel liegt bei mindestens 10 %. Es wird nur Rindfleisch verwendet. Pro Tag und Kind kostet das Essen zwischen 2,00 und 2,40 Euro – wobei ich nicht ganz verstanden habe, was den Unterschied ausmacht. Ich denke, es liegt an der Größe der Schule bzw. der Menge der bestellten Essensportionen. Damit ist es auf jeden Fall billiger als ein Döner.

    Nach einer mehrwöchigen Versuchsphase werden die Kinder dann entscheiden, ob es auf Dauer dabei bleiben soll.

  2. zonebattler meint:

    »Feed me better« ist in der Tat ein löbliches Projekt: Ich bin gerade in einem Seminar mit 9 jungen Leuten (17-22), und was vom Tage übrig bleibt, sind ein gutes Dutzend Chips- und Schokoriegel-Türen, halbvolle Pizza-Kartons und kaum angerührte Pommes-mit-Majo-und-Ketchup-Pappteller. Zuzüglich einer Bananenschale und eines Apfelbutzens von mir. So ein Projekt wie das angesprochene täte sicher nicht nur Britannien gut…

    Zum aktuellen Boom der ganzen Fernseh-Kochereien empfehle ich wärmstens den Spiegel-Artikel »Das riecht ja wieder wunderbar«, zu finden unter

    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,387002,00.html

    Mahlzeit,
    zonebattler

  3. Lu meint:

    ich habe auch sehr konzentriert zugeschaut, gestern abend, die schlechte synchronisation ausblendend, irgendwie.
    das war das erste mal, das ich jamie oliver an seine grenzen stossen sah. mies gelaunt, maulig und uninspiert. da gab es menschen, die des star-kochs speisen nicht wollte, er war fassungslos :I
    ich guck weiter, ich finde das projekt an sich nämlich phantastisch, und ich will wissen, wie es ausgeht. so.
    ( und die laute nora wurde in arthurs händen ja weich wie butter :)

  4. Anke meint:

    Ich hätte Nora gerne aufs Maul gehauen, so sehr ging sie mir auf den Keks mit ihrem „Das machen wir so, weil wir das schon immer so gemacht haben“. Aber wie sie zum Schluss vom Kochen im 15 ganz berauscht war, da war sie mir auf einmal sehr, sehr sympathisch. Lustig zu sehen, dass man selbst Köchen anscheinend noch Lust aufs Kochen machen kann.

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