Lyssa und Gabe videobloggen Bundeskanzlerin Merkel

Samstag, 15. Juli 2006 um 9:11

Endlich ist es online! Was erst wie ein wilder Scherz klang („Ja, und dann soll ich ja nächste Woche Angela Merkel etwas übers Videobloggen erzählen.“) ist nicht nur tatsächlich passiert, sondern – vermutlich nach endlosen Freigabeschlaufen – online zu sehen. Applaus für Lyssa und Gabe!

Vlogging with German chancellor Angela Merkel

via Jens

die Kaltmamsell

13 Kommentare zu „Lyssa und Gabe videobloggen Bundeskanzlerin Merkel“

  1. Oweh meint:

    Das muss man mir erklären:

    Ich sehe ein paar Minuten Kazlerinnen-Homestory (Oh, sie ißt Gemüse lieber als Obst!), übel geschnitten und mit einem Blinden an der Kamera (Oder ist das cinema vérité?). Vor ein paar Jahren wäre so etwas im Offenen Kanal in irgendeinem Fernsehkabelnetz gelaufen. Und jetzt – nur weil es irgendwie ein Videoblogcast ist, soll es wahnsinnig aufregend sein. Amateurqualität ist es immer noch. (Jaja, süß, dass Frau »Reporterin« immer noch aufgeregt ist und das alles gar nicht glauben kann)

    Ok, es ist die Kanzlerin, aber ein besseres Werbevideo hätte sie sich nicht wünschen können. Das ist Fankultur. Allein der Satz nach dem Abspann lässt mich jeden Opelblogger als Bastion der Glaubwürdigkeit erscheinen. *ironischlächel*

    Wie so oft in der digitalen Welt: Die Möglichkeit etwas zu tun (hui, ich habe eine Kamera und Internetanschluß…), wird mit der Fähigkeit etwas zu tun (…dann bin ich doch auch Journalist, oder?) vollständig verwechselt.

    Oder hab ich hier was übersehen? Dann möge man es mir erklären, wie gesagt. (Nichts gegen Frau Lyssa persönlich, die ich nicht kenne)

  2. die Kaltmamsell meint:

    Herr Oweh: Sie sind mit dem Konzept des Videobloggens vertraut? Sie wissen also, dass das soviel mit professionellen TV-Produktionen zu tun hat wie Lyssas Blog mit Heise? Dass das Amateurhafte definitorisch dazu gehört?
    Warum unterstellen Sie den Machern üble Absichten? Können Sie sich nicht vom Charme des Filmchens unterhalten lassen? Dann empfehle ich Ihnen: Nicht angucken.

    Tut mir leid, wie die Unterstellung von Lüge und Heuchelei NICHT persönlich sein kann, verstehe ich nicht.

  3. stefanolix meint:

    Welche Gründe könnte es denn haben, dass die Bundeskanzlerin ein solches Interview gibt? Ich denke, das ist einfach ein Teil der politischen PR-Arbeit des Bundeskanzleramts. Und es bleibt auch ein Teil der PR-Arbeit, wenn ein etwas ungewöhnliches Medium genutzt wird. Alle bisherigen Bundeskanzler, die ich bewusst miterlebt habe, haben doch zu ihrer Zeit ähnliche Möglichkeiten genutzt. Damals stellte die „offizielle“ Presse persönliche Fragen und machte etwas persönlichere Aufnahmen, heute fragt eine Bloggerin. Ich ordne es für mich ganz neutral als moderne PR-Arbeit ein, ohne damit einem der Beteiligten zu nahe treten zu wollen.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Na, kann eine Bundeskanzlerin irgendwas in der Öffentlichkeit tun, das keinen Einfluss auf ihr Bild in der Öffentlichkeit hat? Klar ist das PR. Und?

  5. Oweh meint:

    Dochdoch, mit dem Konzept des Videobloggens bin ich wohl vertraut. Es ist nichts Großes (das macht für mich den Charme aus). Es ist eine Art hipper Familienfilm für Egomanen. Und es gibt durchaus Dinge, die ich schätze. Ich mag z.B. sehr gerne Herrn Mahoni zugucken und -hören, wie er frisch aus dem Bett einem erzählt, wie seine Welt so ist.

    Wenn ich allerdings eine Kamera benutze, um anderen etwas zu zeigen, sollte ich die Grundregeln dieses Werkzeugs kennen. So wie wir uns hier alle bemühen, ohne Rechtschreibfehler zu schreiben. Das hat – jetzt wieder beim Video – nichts mit teurer Ausrüstung zu tun, sondern mit der Ernsthaftigkeit, mit dem man sich – aus Respekt vor seinem Publikum, schließlich veröffentlicht man es bescheidenerweise weltweit – mit seinem Medium beschäftigt. Das kann, darf und soll man auch als Amateur, finde ich.

    Wenn man sich – als Medienmensch! – unreflektiert vor einen PR Karren (und ich setze mal PR = Werbung) spannen lässt und mit einem „echten“ Reportermikro mit Schildchen wedelt, dann ist es aber doch der Versuch, das Amateurhafte hinter sich zu lassen. Oder nicht?

    Und wenn der Charme der Bloggerei im freiwilligen Verzicht auf Qualität und Bedacht besteht (nirgendwo habe ich Lüge und Heuchelei unterstellt, nur eine – wohl vom hip finden des Mediums ausgelöste – Unaufmerksamkeit) und die Kritikfähigkeit der Szene im Ratschlag gipfelt, es doch dann nicht anzugucken, hab ich immer noch etwas nicht verstanden.

    Und ganz entgegen ihrem sehr enttäuschenden Ratschlag, Frau Kaltmamsell, werde ich weiterhin alles ansehen, was mich interessiert. Und es auch hinterfragen, wenn ich Lust habe und das Bedürfnis verspüre, aber meine Überlegungen vielleicht nicht mehr am erstbesten Platz loswerden.

    In diesem Sinne…

  6. Huflaikhan meint:

    Ich finde die Sache auch etwas: zweifelhaft. Aber ich verstehe nicht den Vorwurf von Oweh mit den „üblen“ Schnitten. Ich kann auch nicht bestätigen, dass sich dieses Video für sich reklamiert, dass da ein Ballhaus hinter der Kamera steht. Aber das technische Problem, wo soll das denn im Detail liegen, Oweh?

    Ich fand unter anderem die Globus-Geschichte ja: irgendwie merkwürdig. Musste an den Großen Dikatator von Chaplin denken. Vielmehr denke ich, dass solche Sachen nie funktionieren können. Homestory? Weiß nicht. Funktion und Person sind ab einem bestimmten Punkt nicht mehr zur Übereinstimmung und Einsicht zu bringen. Den Weg halte ich auch für nicht förderlich. Das ist mir, wie der Film selbst, zu amerikanisch vom Geiste ihrer Sicht dessen, was Öffentlichkeit sei. Früher hätte man das einfach aber durchaus treffend als „ideologisch“ abgetan.

    „Vermenschlichung“ ist ein großes Ziel von Machtpolitik. Da würde Erschütterung zur leeren Geste. Das deutsche Fernsehen macht es ganz gut seit den letzten 23 Jahren vor. Da gäbe es noch viel zu sagen.

  7. stefanolix meint:

    @Oweh: PR ist wesentlich mehr als Werbung. Das kann man an dem Film und seiner Vorgeschichte auch gut erkennen. Zur PR gehören unter anderem auch Vernetzung, gute private Kontakte und Lobbyarbeit.

    Ich kannte von Lyssa bisher nur einige Geschichten aus ihrem Blog und einen kurzen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Mit Politik hatte ich sie danach überhaupt nicht in Verbindung gebracht. Ich wüsste auch nicht, wo ich sie politisch einordnen sollte. Aber vielleicht kaufe ich mir mal eine WAZ, wenn sie dort den ersten Leitartikel schreibt ;-)

  8. stefanolix meint:

    @Huflaikhan
    In der Hinwendung zu einem „neuen Medium“ kann man auch ein Stück symbolische Politik sehen. Vielleicht werden die Podcasts der Kanzlerin in Zukunft nicht mehr aussehen wie eine Neujahrsansprache. Aber im Kern kommt es doch auf die reale Politik an. Ich weiß nicht, ob der Beitrag für beide Seiten (Kanzlerin und Bloggerin) die gewünschte Wirkung erzielen wird. Bloggerinnen und Blogger sind ja mehrheitlich recht wach und kritisch eingestellt.

  9. Huflaikhan meint:

    Hi stefanolix, ja, symbolische Politik. Aber was solls. Ich vermute auch, dieses Video zielt weniger auf den deutschsprachigen Raum und die deutschpsrachige Bevölkerung sondern nach USA (Sprache, Untertitel, Tonfall). Und für die scheint mir so eine Filmgestaltung auch geeignet. Da ist die Politik der Kanzlerin ziemlich schnuppe. So sehr, stelle ich mir vor, wie, ob George W. Bush weiße Tennissocken in Flipflops trage oder nicht, für mich.

  10. stefanolix meint:

    Soweit ich das verstanden habe, gibt es zwei Versionen. Die englischsprachige wurde aber aus technischen Gründen eher fertig. Die andere Version soll noch veröffentlicht werden [oder ist schon veröffentlicht?].

  11. Sanníe meint:

    Ich lach mich scheckig. Eine Journalistin, der PR vorgeworfen wird, wenn sie die Bundeskanzlerin interviewt. Das ist wirklich unfaßbar.

  12. Jörg meint:

    Journalistsich war es ja nicht, nach Aussage von Lyssa: http://www.basicthinking.de/blog/2006/07/15/videobloggerin-no-1-angie-lyssa/#comment-64100

    Was war es dann? Eine win-win-Situation?

  13. Axel Janssen meint:

    Ich find die Massivität, mit denen eine bestimmte Gruppe von Bloggern angebliche „Amateurhaftigkeit“, „Formlosigkeit“ und „Beta-Haftigkeit“ für sich beansprucht, inzwischen bedenklich.
    Gibt es überhaupt so etwas wie Formlosigkeit? Oder folgen nicht eher Blogs, Podcasts und sowas ihrer eigenen Form. Und wenn Leute den Gehalt kritisieren, erhalten sie immer als Antwort, dass sie die Formlosigkeit nicht verstanden haben. Dies ist auch eine Möglichkeit, um sich vor Kritik zu immunisieren. AWenn etwas keine äußere Form hat, können wir es gar nicht sehen.
    Und bitte: Ein veröffentlichten Interview mit einer Politikerin hat natürlich immer auch politische Aspekte. Da zu antworten, dass es in dem Interview nicht um politischen Journalismus ging, halte ich für einfach Unsinn. Alles was Frau Merkel öffentlicht tut oder läßt ist politisch.

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