Archiv für Oktober 2006

Ausgejunkert

Dienstag, 31. Oktober 2006

Jahrhundertelang, rechtfertigten die deutschen Arbeiterführer ihr Tun, hätten die Bürger und Junker ihre Hände in den Schoß gelegt. Nun sei die Zeit gekommen, den Spieß einmal umzudrehen, die Arbeit radikal zu verschieben, diejenigen zwölf Stunden am Tag in die Büros zu scheuchen, die derlei auch einmal getan hätten.

Die Entwicklung der Arbeitsverteilung in Zentraleuropa im Lauf der vergangenen Jahrhunderte, höchst trefflich erzählt von der vorgeblich bis ins Mark unpolitischen Frau Modeste.

Na, wieder mal geschäftlich unterwegs?

Montag, 30. Oktober 2006

(Ist mir doch egal, wenn’s steinalt ist, ich krieg mich vor Kichern nicht ein.)

Sportlerleid

Sonntag, 29. Oktober 2006

Eigentlich in diesem Fall tatsächlich Sportlerinnenleid. Nachdem ich in diesem Blog zu meinen verschiedenen Leibesertüchtigungs-Wehwehchen immer gute Ratschläge bekommen habe, traue ich mich, ein wirklich heikles Thema anzusprechen: Das Pieseln beim Joggen.

Da ich während meiner eineinhalb bis zwei Stunden Lauferei ausgiebig schwitze (danke Papa: Auf die Veranlagung, bereits beim Heben einer Schaufel in Schweißströme auszubrechen, hätte ich bei der Erbgutverteilung gerne verzichtet. Ich glaube, ich bin die Einzige, die meine Muckibude selbst im Februar nach einer halben Stunde Stemmen und Schieben mit nassem Shirt verlässt.), trinke ich vor dem Laufen reichlich, meist so einen halben bis dreiviertel Liter Wasser. Eine Konsequenz ist fast immer, dass sich nach einiger Zeit (gewöhnlich 15 bis 30 Minuten nach Laufbeginn) meine Blase mit Druck meldet. Und jetzt wird’s weiblich: Männer verschwinden in dieser Lage kurz hinterm Baum, habe ich mehrfach beobachtet. Das ist uns Frauen anatomisch verwehrt.

Im Sommer gab es entlang der Isar ein, zwei Stellen mit genügend dichtem Baum- und Buschbewuchs (ich werde den Teufel tun, sie zu verraten), dass ich mich nach reichlich Rechts- und Linksgeschau, ob auch sicher kein Jogger oder Radler, keine Spaziergängerin oder Hundbesitzerin in der Nähe ist, zum Pieseln hineinwagte. Jetzt, da der Blickschutz aus Blättern dem Herbst zur Beute gefallen ist, kann ich nicht mal diese spärlichen Gelegenheiten nutzen. So bin ich heute eineinhalb Stunden mit unangenehmem Blasendruck gelaufen (glücklicherweise steigt er nicht sehr, ich schwitze wohl genug aus). Eine Zeit lang hoffte ich, ich könnte auf dem letzten Stück das Klo am Biergarten Chinesischer Turm nutzen, doch heute ist es kühl und bewölkt, und ohne Biergartenbetrieb offensichtlich kein Klobetrieb. Der markerschütternde Seufzer, der heute durch den Englischen Garten blies, war ich, nachdem ich die Klotür versperrt vorgefunden hatte. Ich musste den Blasendruck also weiter aushalten, während ich zur U-Bahn lief (heute fuhr meine Tram wegen einer Baustelle nicht; übers Jahr liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ich nach meinen gewohnten Laufzeiten mit der Linie 17 nach Hause komme, nicht über 70 Prozent).

Also, liebe laufende Leserinnen, sagt mir doch: Wie handhabt ihr das Pieseln?

Ein weiterer geklauter Sommertag

Samstag, 28. Oktober 2006

Zwar freue ich mich über das schöne Wetter, mit Fortgang im Kalender fühle ich allerdings sowas wie ein schlechtes Gewissen. Ich beruhige es damit, dass der Oktober 2006 halt im August stattgefunden hat (wir erinnern uns? um die 10 Grad und Regen?), und wir derzeit lediglich diesen August nachholen.

So war ich heute mit einer Freundin kurzärmlig Wandern um Glonn herum, trotz anders lautender Vorhersage bei Sonnenschein und 20 Grad. Um Glonn herum deswegen, weil wir gestern zum Abendessen im Schweinsbräu waren, dem Gasthaus, das zu den Hermannsdorfer Werkstätten gehört: Als Mongtratzerl (hdt. Magenneckerei, franz. amuse bouche) gab es eine Kürbismousse mit eingelegtem Kürbis, als Vorspeise gebratene Gänseinnereien mit Kürbis, als Fischgang Jakobsmuscheln und Gambas gebraten mit hauchdünnen Selleriescheiben (eine Kombination, die ich sicher mal nachkochen werde, weil sie gar so gut passt), als Fleischgang eine dünne Scheibe Ochsen-Ribeye-Steak (perfekt auf den Punkt) mit Blattspinat und Schwammerln, zum Nachtisch getränkte Schokokuchenscheiben mit pochierter Birne und Granatapfelkernen. Alles rundum köstlich in wundervoller Umgebung.

Die Wanderung war mit 16 Kilometern angegeben, doch wir waren uns einig, dass das erheblich weniger gewesen sein mussten: Selbst mit einem unbeabsichtigen Umweg, der nochmal etwa 20 Prozent Weg draufschlug, und inklusive einer ausgiebigen Pause im Biergarten einer Reiterhof-Wirtschaft, mit Anhalten und Gucken bei allen Kühen, Vögeln, Schmetterlingen, Waldarbeitern, Obstbäumen und tollen Aussichten waren wie lediglich fünf Stunden unterwegs.

Für Bilder hier lang:
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Verabredung im Hilton

Donnerstag, 26. Oktober 2006

Zauberer sind uncool, oder? Nicht dass ich mir einbilde, ich hätte es mitbekommen, wenn sie cool geworden wären. Selbst würde ich mich auch gar nicht mit Zauberern beschäftigen, wenn ich nicht einen Herrn in der näheren Bekanntschaft hätte, der nicht nur selbst diplomierter Zauberer ist (als hauptberuflicher Mathe- und Physiklehrer – was wäre ich gern mal Mäuschen im Klassenzimmer), sondern mich hin und wieder auch in Zaubershows berühmter Kollegen mitnimmt. Das geht so: Dieser Herr, ein breitnackiger Niederbayern mit Nickelbrille, erzählt mir von der Veranstaltung, schon ganz hibbelig vor Aufregung, und fragt mich dann, ob ich mitwill. Ein gedehnter oder gar fragender Blick hilft dann als Antwort gar nicht, „Des is fei toll! Ehrlich!“ und seine vor kindlicher Begeisterung leuchtenden Augen müssen zur Überzeugung reichen.

Live ist Zauberei wirklich faszinierend (gehen’S mir weg mit amerikanischen Zauberern im Fernsehen; ein kluger Mann hat mal gesagt: „Ein Zauberer im Fernsehen ist wie ein Bauchredner im Radio.“), das wusste ich spätestens, seit ich mal einen Close-up-Zauberer auf einer Firmenfeier erlebte: Der Mann zeigte auf Tuchfühlung unbegreifliche Kartentricks und verteilte den Schmuck der Umstehenden neu, ohne dass sie etwas gemerkt hätten.

Fast schon abgefahren war die Veranstaltung im Hilton-Hotel im Englischen Garten: 19.30 Uhr Abendessenbuffet, um 21 Uhr „Round Table Magic“ von Jörg Alexander (den man in magischen Zirkeln wohl sehr kennt). Am Abendessen (mei, Kettenhotel halt) faszinierte mich die Hintergrundmusik: Stellen Sie sich vor, sie würden einen Film in einem edlen Hotelrestaurant spielen lassen – welche generische Hintergrundmusik würden sie wählen? Genau. Ich wette, in Dubai klänge es nicht anders.

Zur eigentlichen Show wurden wir in den angrenzenden Wintergarten geführt. „Round Table Magic“ ist im Grunde auch Close-up, nur mit mehr Zuschauern: An einem großen Tisch sitzen schon mal zehn, hinter ihnen steht eine zweite Stuhlreihe, wieder dahinter auf einem Podest nochmal eine. Insgesamt guckten also etwa 35 Leute zu, wie Jörg Alexander gefällig plaudernd am Tisch eine Stunde lang Dinge tat. Karten spielten dabei die größte Rolle, aber auch geliehene Ringe und eigene Schnürsenkel, Sternzeichen,Telefonnummern, Münzen. Unabdingbarer Bestandteil der Show auch das ältere Paar hinter mir, das regelmäßig stichelte „das soll er mal ohne Tuch machen“ oder „pah, das gibt’s doch gar nicht“. Der Rest guckte mit großen Kinderaugen, der näher bekannte Herr saß neben mir und feixte vor Begeisterung durchgehend und im Kreis. Das machen wir wieder.

Die wirklich bohrenden Fragen

Mittwoch, 25. Oktober 2006

Sie kennen vielleicht folgendes Herbstlied:
Bunt sind schohon die Wälder,
gelb die Stohoppelfelder
und der Heherbst beginnt.

Diese melancholische Weise singt mein Hirn immer, wenn ich herbstbunte Bäume sehe. Nur: Ich habe noch nie gelbe Stoppelfelder und bunte Bäume zeitgleich erlebt. In Bayern wird das Getreide viele Wochen vor der Sichtung des ersten bunten Blattes geerntet. Wenn die Bäume erbunten, sind die Stoppelfelder entweder braun im Prozess der Kompostierung oder bereits wieder frisch ergrünt mit der nächsten Pflanzgeneration (Stickstoffpflanzen). Und so frage ich mich: Kommt das Lied aus einer Gegend, in der beide Ereignisse zusammenfallen? Oder hat sich der Ernte- / Pflanzzyklus in der Landwirtschaft seit Erdichtung des Liedes um Monate verschoben?

Ähnliche Fragen bei Lisa und Croco.

Pausenclown

Dienstag, 24. Oktober 2006

Schaun’S doch mal bei Wulffmorgenthaler vorbei:

Für England

Für Nerds

Für Sprüchmacher

Für Triathleten

Für Essgestörte