Archiv für Februar 2007

Die Oscarverleihung und ich

Dienstag, 20. Februar 2007

War ja schon mal nicht schlecht: auf die Gerneralprobe der Oscarverleihung geraten, über den zirkusmanegen-ähnlich verhangenen Bühnenzugang zum Kodak-Theatre (mir wollte einfach nicht einfallen, wie der vorherige Veranstaltungsort geheißen hatte). Ich musste mich einfach nur mit den Angestellten reintreiben lassen, und weil ich das lange schwarze Schlauchkleid trug, ärmellos mit Stehkragen, fiel ich unter den abendlich festlich gekleideten Schauspielerinnen nicht auf.

Da konnte ich doch zur eigentlichen Oscarverleihung ebenfalls einfliegen, schnell mal mit PanAm München-Oscars und zurück. Wenn ich es schaffte, gleich im Anschluss an die Verleihung den nächsten Flieger heim zu erwischen, müsste ich wegen des Zeitunterschieds auch noch die Live-Übertragung im heimischen Wohnzimmer mitverfolgen können – und mich am End selbst im Fernsehen sehen! Aber war das nicht paradox? Nee, mit der Zeitverschiebung ging das schon.

So einfach es war, in die Generalprobe zu kommen, so schwierig wurde das Einschleichen in die eigentliche Show: Der Bühnenzugang sah zwar ähnlich aus, doch diesmal passten die Angestellten sehr auf, wer da durchging. Der palmengesäumte Parkplatz vor dem Bühneneingang, nur mit einer Straße vom Strand getrennt, sah ohnehin eher nach Almería aus als wie ich mir Hollywood vorgestellt hatte.

Und überhaupt: Was war das da gerade für ein komplett bescheuerter Traum so kurz vorm Weckerklingeln?

Selbstakzeptanz versus Selbstkontrolle

Montag, 19. Februar 2007

Ist es antifeminstisch, wenn eine Frau sich von massivem Übergewicht befreit? India Knight schreibt im Guardian über sich selbst:

Two years ago, I was a size 22. I was obese – morbidly, no less. It was absolutely horrible in every single respect. Having subsequently lost five stone*, I’m really quite hard pushed to see how regaining control of your life, and not wishing your thighs to rub together when you walk, instantly turns you into a simpering air-head. One of the things about being fat – and I’m talking about being stones overweight, not about “needing” to shrink from a size six to a size two – is that, after a certain point, it makes you invisible. It’s hard to understand how this might be considered any kind of achievement, feminist or otherwise.

via feminsting

Wer sich schrecklich in ihrer äußeren Form fühlt, kann etwas gegen das Gefühl tun oder gegen die Form. Will heißen: Sie kann daran arbeiten, sich so zu akzeptieren, wie sie ist, oder sie kann die Form verändern. Das verdammt Schwierige ist zu beurteilen, in welchem Einzelfall welche Alternative ratsam ist. Viel einfacher ist es, pauschale Urteile in die eine oder andere Richtung zu fällen; in diese Falle tappe ich regelmäßig.
(Deswegen sollte ich endlich aufhören, meiner Mutter dafür zu grollen, dass sie sich ihre wundervolle Hakennase wegoperieren ließ. Ich habe es ja genausowenig geschafft, mich in Kleidergröße 46 zu akzeptieren.)

* Nachtrag: Körpergewicht misst der Brite verwirrenderweise in stone, fünf davon entsprechen knapp 32 Kilo.

Karriere-Indikator

Montag, 19. Februar 2007

Ob jemand sein Karriereziel erreicht hat, lässt sich häufig an einem erkennen: Er beginnt, so richtig er selbst zu sein. Das muss nicht, kann aber heißen, dass er plötzlich die Sau rauslässt und den Schlamper, Grantler oder Eigentbrötler gibt, der er in Wahrheit immer war.

Alexandra Borchardt in der heutigen Süddeutschen Zeitung, Kolumne “Der Chef und sein Bauch”, S. 17.

Das würde SO viel erklären.

Familienalbum – 22: Rettet die deutsche Hexe

Sonntag, 18. Februar 2007

fasching_1977.jpg

Das hier sind mein kleiner Bruder und ich, startklar für den Kinderfasching 1977. Wir gingen beide in von Muttern geschneiderten Kostümen als Hexen – so sahen die nämlich bis vor einigen Jahren in unserem Kulturkreis aus. Unsere Hexen, das nur zur Erinnerung, waren geprägt von den Märchen, wie sie die Grimms oder Herr Bechstein aufgeschreiben hatten: Alte, gebeugte böse Frauen mit warzigen Hakennasen, zerrissenen und schmutzigen Kleidern, Kopftuch, die am Stock gingen, in einsamen Hütten im Wald wohnten, einen Sack bei sich hatten, in den sie möglicherweise kleine Kinder steckten. Nur so funktionierte ja Ottfried Preußlers wundervolle Geschichte Die kleine Hexe, in der eine ebensolche aus dem Hexen-Stereotyp ausbricht.

Der weltweite Siegeszug der Harry-Potter-Romane (von denen ich auch literarisch sehr viel halte) hat nun diesen Hexenmythos mit einem ganz anderen überlagert: Die Hexen, die sich im derzeitigen Fasching tummeln, sind englisch / amerikanisch. Sie tragen lange schwarze Gewänder und hohe, spitze schwarze Hüte mit breitem Rand, wohnen in Schlössern oder Burgen – ganz sicher niemand, vor dem sich Kinder fürchten. Ob die nächste Generation das Märchen “Hänsel und Gretel” überhaupt nachvollziehen kann?

Mit Feen, schätze ich, passiert im Moment Ähnliches: Aus unseren großen, schönen Feen mit schleierbesetzten Hauben, die sich mit segensreichen Zaubersprüchen (oder Flüchen) über Kinderwiegen beugen, werden gerade englische fairies, also libellengroße, glitzernde Flügelwesen.

Wir verstehen uns

Samstag, 17. Februar 2007

„Ich glaube, mit Sport geht’s mir wie dir mit Kindern: Es ist mir ein Rätsel, wie jemand sich das freiwillig antun kann.“
Mitbewohner, nachdem er zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren aus eigenem Antrieb beim Schwimmen war.

Die neue Genügsamkeit

Freitag, 16. Februar 2007

Erleichtert sein, dass der omnipräsente Til Schweiger im SZ-Magazin wenigstens vollständig bekleidet ist.

Momentaufnahme Vorlieben

Donnerstag, 15. Februar 2007

Immer noch versuche ich zu ergründen, warum ich so ausgesprochen selten Musik hören will. Denn ich mag Musik sehr gerne. Doch es gibt nur sehr selten Augenblicke, in denen ich sie will.
Etwas zu mögen heißt vielleicht nicht unbedingt, einen ständigen Bedarf danach zu verspüren.

Feuerwerke sind ein weiteres Beispiel. Ich mag Feuerwerke nicht nur: Ich liebe sie. Für das größte Fest meines Lebens habe ich ein solches fest eingeplant. Doch das heißt noch lange nicht, dass ich jedem erstbesten Feuerwerk hinterher laufe. Es muss schon riesig und besonders sein, über einem Fluss in einer warmen Sommernacht. Oder über einer mittelalterlichen Stadt in Zentralspanien, mit richtig kreativen Einfällen.

Ich mag auch:
Bungalows im Stil der 60er, oder zumindest Flachdach-Eigenheime; auf jeden Fall müssen sie aussehen, als könnte jederzeit Grace Kelly durch eine der riesigen Glas-Schiebetüren auf die Terasse treten.
Meinen Tee pro Riesentasse mit zwei Stück Süßstoff. Schwarztee (billig) gerne auch zusätzlich mit Milch.


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