Archiv für Juni 2010

Nahezu illegal gute Chocolate Chip Cookies

Sonntag, 20. Juni 2010

Nachdem ich sein Foodblog sehr gerne lese und Vertrauen in seine Kompetenz habe, holte ich mir das Backbuch Ready for Dessert – My Best Recipes von David Lebovitz. Ich traute mich das, obwohl der Herr Amerikaner ist: Er lebt in Europa (Paris) und notiert deswegen seine Rezepte nicht nur in den US-üblichen Maßen mit Cups, sondern immer auch in Gramm. Denn obwohl ich ein normiertes Cup-Maß habe, macht mich diese Art der Maßangabe wahnsinnig: Wie soll ich denn eine halbe Cup Butter abmessen, ohne sie zu schmelzen? Mehle und Zucker variieren ziemlich in ihrem Volumen, auch da verlasse ich mich ungern auf ein Hohlmaß, vor allem beim sensiblen Backen. Deswegen musste ich auch kichern, als ich im Vorwort des Buches las, Backen sei vor allem wegen der immer eindeutigen Angaben zu Zutaten einfach: „Eight tablespoons of butter isn‘t really open to interpretation.“ Gerade an dieser Angabe würde ich scheitern: Acht Esslöffel Butter können alles zwischen 80 und 300 Gramm fassen.

Gestern habe ich nun David Lebovitz´ Rezept für Chocolate Chip Cookies ausprobiert, von dem er behauptet, es sei das allerbeste. Der Mann hat recht: Die Dinger sind verboten gut mit ihrem weichen Kern, dem Aroma gerösteter Nüsse und den Unmengen Schokoladestückchen (400 Gramm auf 350 Gramm Mehl). So habe ich sie gemacht.

(Als Nächstes kommt der Ingwer-Schoko-Kuchen dran – nachdem ich mir eine ordentliche 24-cm-Springform besorgt habe, die nicht aus Weißblech besteht und keinen ekligen Metallgeschmack hinterlässt.)

Salman Rushdie, The Satanic Verses

Donnerstag, 17. Juni 2010

The Satanic Verses (1988) von Salman Rushdie ist eines der bekanntesten Werke zeitgenössischer Literatur – und gleichzeitig ein selten gelesenes. Wahrscheinlich ist der Grund für Ersteres auch der Grund für Letzteres: Der Roman brachte Rushdie die Fatwa des Ayatollah Khomeini ein, die Muslime aufforderte, ihn umzubringen. Verleger und Übersetzer wurden nicht nur mit Ermordung bedroht, sondern auch getötet (laut Wikipedia gibt es 38 mit dem Roman verbundene Todesopfer, unter anderem den japanischen Übersetzer). Daraus schließt der Großteil der zur Unterhaltung lesenden Öffentlichkeit, dass es sich um ein komplett unspaßiges Pamphlet gegen den Islam handeln muss – und wer will das schon lesen?

Gehen Sie hin und lesen es: Der Roman ist hochgradig komisch, zudem quietschbunt, völlig wahnwitzig und sehr unterhaltsam. Vielleicht mögen Sie sich diese Folge der britischen Quiz-Show Have I got News for you? aus dem Jahr 1994 ansehen? Zum einen haben Sie dann eine geniale Show gesehen (wenn auch bei YouTube in miserabler Bildqualität), zum anderen ist einer der beiden Rategäste überraschend Salman Rushdie. Wenn sie erlebt haben, wie witzig und schlagfertig der Mann ist, glauben Sie mir vielleicht, was ich Ihnen über seinen berühmtesten Roman erzähle.

Weiter geht es beim Common Reader.

Was die Kammerspiele und Peter Handke mit Susan Sontag und dem Tatort zu tun haben

Mittwoch, 16. Juni 2010

Gestern Abend hat mein Kammerspiel-Abo mich wieder ins Theater gebracht: Das letzte Band / Bis dass der Tag euch scheidet oder Eine Frage des Lichts, der erste Teil von Samuel Beckett, der zweite darauf aufbauend von Peter Handke.

Ich bin immer noch in erster Linie berauscht von Theatererlebnissen, sehe immer noch eine viel größere Verwandtschaft einer Theaterinszenierung mit bildender Kunst als mit Literatur. Die Mittel des Erzählens sind mindestens so wichtig wie die Inhalte, ohnehin untrennbar damit verbunden. Möglicherweise ist damit inzwischen die Forderung Susan Sontags erfüllt, die sie Anfang der Sechzigerjahre erhob: Sie sah die Zeit gekommen für ganz neue Formen des Erzählens, weg von der Inhaltsbezogenheit. Am meisten wünschte sie sich das von Romanen, führte in einem anderen Aufsatz aber als Beispiele die damals aufkommenden Happenings an – die mit Techniken arbeiteten, die heute zur gängigen Inszenierungspraxis gehören.

Kurzer Exkurs: Im Urlaub habe ich Sontags erste und wohl auch berühmteste Essaysammlung Against Interpretation (1966) gelesen. Das titelgebende Einstiegessay von 1964 (hier online) erzürnte mich zunächst: Das stimmte doch alles gar nicht, keineswegs befasst sich die Literaturwissenschaft nur mit den Geschichten, mit den Erzählinhalten, und lässt Techniken wie Formen unberücksichtig. Und sie sucht keineswegs danach, was der Autor damit sagen wollte. Doch dann erwachte ein Verdacht in mir: Vielleicht hat sich ja in der Literaturwissenschaft in den 40 Jahren zwischen Sontags Essay und meinem Literaturstudium in den 90ern viel mehr grundsätzlich bewegt, als mir bislang klar war. 1964… da waren F. R. Leavis und der New Criticism vermutlich noch Standard. Vielleicht aber liegt das Problem auch in der unterschiedlichen Begrifflichkeit: Das englische literary criticism umfasst sowohl Literaturwissenschaft als auch literarisches Feuilleton. Und auch in Deutschland schreiben Feuilletonisten bis heute mit Hingabe darüber, was ein literarisches Werk, ein Autor, in Wirklichkeit und eigentlich erzählen wollten.

Zurück zum gestrigen Abend in den Kammerspielen. Beim Stichwort Handke möchte ich eigentlich immer zusammenzucken und aus Angst vor Langeweile fliehen. Doch inszeniert funktioniert seine Sprache, mit fast magischer Luzidität. So auch gestern. Zumal der von Handke geschriebene Teil der Monolog einer wundervollen Schauspielerin war (hier gibt es links einen Ausschnitt als Filmchen): Nina Kunzendorf, in die ich mich in ihrer Rolle der Krankenpflegerin in Marias letzte Reise umgehend verknallt habe – vielleicht kennen Sie sie auch aus einem der besten Polizeirufe überhaupt, „Der scharlachrote Engel“. Und beim Heraussuchen weiterführender Links stoße ich eben auf die Meldung, dass sie zusammen mit Joachim Król die Frankfurter Tatort-Kommissare Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf beerben soll. Da bin ich aber mal gespannt. (Bitte schreibt gute Drehbücher!)

Nachtrag 18.6.: Wunderschöne Koinzidenz – das Süddeutsche Magazin enthält heute ein „Sagen Sie jetzt nichts“ mit genau dieser Nina Kunzendorf.

Schnappatmung

Dienstag, 15. Juni 2010

Und dann war da der Fitnesstrainer, der

Leute, die er zu dick findet, nicht zum Training annimmt – Gigi sagt, dass man als Fitnesstrainer ein Image zu verlieren hat, da kann man nicht mit jedem durch die Gegend zockeln.

Bitte lasst das „Noch mehr simpatico finde ich allerdings“ der Frau mailandoffice ironisch gemeint sein!

Bericht zum Wochenende

Montag, 14. Juni 2010

Bislang, und dafür bin ich inning dankbar, habe ich das WM-Getöse nicht direkt mitbekommen. Mein Draußen wirkt bislang sowohl visuell als auch auditiv unverändert.

Am Samstag kaufte ich ungestört ein, backte und kochte, saß vormittags auf meinem Balkon und genoss die aufkommende Kühle. Am Sonntagmorgen war das Olympiabad so gut besucht wie an allen anderen Sonntagen. Das Fernsehen bot mir am Samstagabend an, den Film Monpti nachzuholen (eklige Geschichte, völlig klebrig überzogen gespielt), gestern konnte ich dem Mitbewohner zum Füllen seiner Lücke Ich denke oft an Piroschka verhelfen (und die Hälfte der Dialoge mitsprechen, ahäm) – die darin vorkommende 17-Jährige ist viel mehr nach meinem Geschmack.

Quelle dieser Fernsehtipps ist mir übrigens das Getwitter von Else Buschheuer: Die Dame weist fast jeden Tag auf Sehenswertes hin und bringt mich immer wieder dazu, den Kasten anzuschalten.

§

Als das Wort „Vuvuzelas“ (so mein ursprünglicher Verleser, betont auf der zweiten Silbe) in meiner Twitter-Timeline auftauchte, tippte ich zunächst auf einen neuen Kinderbuchklassiker in der Tradition der Wawuschels (an die Inszenierung der Geschichte am Ingolstädter Stadttheater denke ich bis heute mit Begeisterung: In die grüne Haarpracht der Protagonisten waren Glühbirnchen eingebaut!). Bald schloss ich allerdings aus der inhaltlichen Umgebung, dass es sich um etwas Afrikanisches handelte – vielleicht der Nachbarstamm der Sowosamma-Neger? Als zudem klar wurde, dass es heftige Streitereien um die Herrschaften gibt, fürchtete ich einen neuen Bürgerkrieg und sah bereits einen Blauhelmeinsatz in Planung. Mittlerweile ist alles gut: Auch ich weiß nun, dass mit Vuvuzuelas lediglich Fußballfankrach gemacht wird. Und ich schätze mich glücklich, dass ich bislang noch nicht dabei zuhören musste. Dann wiederum:

§

Auf fast einen Happs habe ich gestern das Buch links weggelesen: Domingo Villar, Strand der Ertrunkenen. Ein spanischer Krimi, der in der Provinz Galicien spielt, viel impliziten Lokalkolorit enthält, darunter einige Mahlzeiten, der sauber durchkonstruiert ist und als Nebenthema um das Galicische am Gallego geht – indem es nämlich einen asturischen Assistenten des Protagonisten gibt, der sich ständig darüber aufregt. Die Sprache erschien mir so schlicht, dass ich nun den Vorgängerkrimi dieses Romans auf Spanisch bestellt habe; vielleicht schaffe ich ja nach Jahren mal wieder ein spanisches Buch. Außerdem interessieren mich einige Ausdrücke im Original: Ob ein deutscher Leser begreift, dass das oft erwähnte Schnalzen des Inspektors mit der Zunge immer eine schlichte Verneinung ist? Wie im Deutschen das Kopfschütteln?

§

Meine Twitterliste ist vorsorglich von Fußballfans geflöht, dennoch bestand meine Timeline Sonntagabend zu 95 % aus WM-Tweets. Ich werde mich also zumindest so weit mit dem Terminplan der Fußballweltmeisterschaft befassen müssen, dass ich mich von meinen Arbeitskollegen vor den für Fans wichtigsten Spielen warnen lasse und das Internet gleich ganz ausgeschaltet lasse.

Nochmal zur Erklärung: Fußball ist mir so egal wie manch andere Ereignisse der Weltgeschichte (zum Beispiel die Salzburger Festspiele), die meiste Zeit reagiere ich mit gelassenem Ignorieren. Doch die zweijährlichen Großveranstaltungen Europa- oder Weltmeisterschaften zwingen mich zu einer Befassung mit dem Thema – und auf Zwang reagiere ich mit Unwillen. Diese Unentrinnbarkeit ist es auch beim Oktoberfest und dem vergangenen Kirchentag, die bei mir Grant erzeugt.

§

In der Arbeit hat das Vorstandsbüro sogar ein „Tippspiel“ initiiert (ich habe mittlerweile gelernt, dass es sich nicht um irgendeine Form von Tischfußball handelt, sondern um eine Art Wette). Außerdem ist die Kantine auf Schland dekoriert.

Mal wieder Häuslichkeiten

Sonntag, 13. Juni 2010

Zunächst gab es nach Längerem mal wieder selbst gebackenes Brot, und zwar Joghurtbrot nach Zorra (mit Joghurt statt Quark und ausschließlich Weizenmehl 550). Das Design will einfach nicht professioneller werden (mein altes Problem), aber geschmeckt hat das Brot wieder hervorragend.

Und dann packte ich endlich meinen schönsten Kochbuch-Neuzugang des Jahres 2009 an: Ottolenghi. The cookbook. Nachdem ich von den Speisen im gleichnamigen Londoner Lokal überdurchschnittlich begeistert gewesen war, hatte ich mir das Kochbuch kommen lassen – in ungewöhnlichem Hochformat, mit ausgefallenen, aber überaus appetitlichen Bildern und sehr speziellen Gerichten. Vor allem die Gemüsegerichte machten mich an, also begann ich mit Buschbohnen und Mangetouts mit Haselnüssen und Orange sowie gegrilltem Brokkoli mit Chili und Knoblauch: Beides ganz vorzüglich und schon fest als Vorspeisen für die nächste Dinner Party eingeplant.

(Dazu gab es Erdbeermargarita und das selbst gebackene Brot.)

Meine Zubereitungsvarianten finden sich hier:
Buschbohnen und Mangetouts mit Haselnüssen und Orange
Gegrillter Brokkoli mit Chili und Knoblauch

Begießt den Sommer, solange es ihn gibt

Freitag, 11. Juni 2010

Um der Chronistenpflicht des Bloggens willen: Es ist Sommer in München, und zwar so richtig. Seit vier Tagen wird es tagsüber brutzelheiß, Fußwege lege ich im andalusischen Modus zurück (immer die Schatten der Häuser entlang), der Gegenwind beim Fahrradfahren fühlt sich an wie Luft aus einem Haarfön, nachts reicht eine dünne Decke.

Zu diesem Wetter braucht es das passende Getränk. Abendlicher Sommerstandard ist im Hause Kaltmamsell / Mitbewohner zwar tinto de verano (zu gleichen Teilen billigen, trockenen Rotwein und weiße Limo auf Eis), doch vor ein paar Jahren haben wir die englische Mode Pimm’s mit heimgebracht. Pimm’s heißt sowohl die alkoholische Grundlage des Longdrinks als auch der sich ergebende Longdrink (jaja, korrekt wäre Pimm’s No. 1), und der geht so:

In ein großes Longdrinkglas kommen Eiswürfel, darauf Obst (z.B. zwei Erdbeeren, eine halbe Orangenscheibe, eine halbe Zitronenscheibe, ein paar Pfirsichschnitze), ein ordentliches Stück Salatgurke mit Schale (7 cm langes Viertel), ein Zweig Minze. Dann wird das Glas zu einem Drittel mit Pimm’s gefüllt, zu zwei Dritteln mit Ginger Ale (manche bevorzugen Zitronenlimo).


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