Der hinterhergetragene Arsch mancher Akademikerkinder

Freitag, 21. Oktober 2011 um 10:08

Blogs sind bekanntlich zum Aufregen da. Und dafür bot mir heute ein Artikel im SZ-Magazin Gelegenheit: Eine Redakteurin enthüllt darin in launiger Schreibe, dass die meisten Facharbeiten an bayerischen Gymnasien sowieso von Schülermüttern geschrieben werden, so auch die ihres Sohnes. Folgerichtig nennt sie ihren Namen nicht.

Diese Akademieadlige kommt offensichtlich so selten aus ihrer Akademikerinnenburg, dass sie keine Gymnasiasten einkalkuliert, deren Eltern noch nie im Leben eine wissenschaftliche Fußnote gesehen haben, geschweigen denn die Konventionen der Fußnotensetzung erahnen. Gegen Ende ihrer zwei Seiten schafft es Anonyma gerade mal zu schreiben: „Was machen eigentlich Jugendliche, deren Eltern sich nicht auskennen, kein Geld, keine nützlichen Bekannten, keine Zeit haben?“ Womöglich kann sie zurecht davon ausgehen, dass diese nicht die 12. Klasse eines bayerischen Gymnasiums erreichen: Die OECD rügt immer wieder das deutsche Bildungssystem, weil fast nirgends in Europa der Bildungshintergrund der Eltern die Bildungschancen von Schülern so stark determiniert wie hierzulande.1

Die in Teilzeit als Reinigungskraft arbeitende Jale aus Tunesien wird ihren begabten, aber ein wenig schlawinerigen Sohn kaum unterstützen können. (Hier sehe übrigens ich das eigentliche Potenzial für eine schöne Magazingeschichte.) Doch ich befürchte, dass das Weltbild der SZ-Redakteurin keinen Platz für solche Konstellationen bietet.
Dieses Weltbild erinnert mich an die Kolumne einer SZ-Redakteurin, die durchaus identisch mit der anonymen Facharbeitsautorin sein könnte: Vor einigen Jahren, noch tief in G9-Zeiten, echauffierte sie sich über die hohen Anforderungen bayerischer Gymnasien. Ihr Beweis für die übermenschliche Schwierigkeit: Jedes ihrer drei Kinder benötige Nachhilfe, um am Gymnasium bleiben zu können. Für diese akademische Dame war offensichtlich undenkbar, dass ihre Kinder ihren Weg mit einen anderen Schulabschluss als Abitur machen könnten. Sie kam schlicht nicht auf die Idee, die Schwierigkeiten ihres Nachwuchses könnten aus mangelnder Eignung fürs Gymnasium rühren.

Die Überidentifikation vieler Akademikereltern mit ihrem Nachwuchs wird ja regelmäßig beklagt (eine befreundete Grundschullehrerin berichtet Mutterzitate wie: „Wir haben ja jetzt eine Drei in Mathe geschafft.“). Die Autorin des Facharbeitsartikels weist zahlreiche Symptome für diese mangelnde Distanz auf. Noch dazu zu einem eher unangenehmen Menschen. Ihr Sohn „Marc“ ist der Ansicht, nur Streber begönnen ihre Facharbeiten früher als eine Wochen vor Abgabetermin? Er spielt lieber Fußball, geht auf Partys? Das klingt doch sehr nach einem verdünkelten Vollidioten, dessen einzige Chance auf charakterliche Besserung in einem schmerzhaften Fall auf die Schnauze besteht.

Professoren an der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität berichten, dass in ihren Sprechstunden immer häufiger neben dem Studenten oder der Studentin, um die es geht, deren Eltern sitzen. (Und dass sie nach rechtlichen Argumenten suchen, mit denen sie die Eltern aus dem Zimmer komplimentieren können.) Meine Prognose: Genau solch eine Studentenmutter wird Frau „XXXXX XXXXXXXX“.

Offenlegung: Ich bin ein Gastarbeiterkind, das 1986 in Bayern Abitur gemacht hat. Bei meiner Facharbeit für den Leistungskurs Altgriechisch unterstützte mich meine Mutter mit ihren eingerosteten Fertigkeiten im Schreibmaschinenschreiben.

Nachtrag 22.10.: Ich habe den Artikel jetzt auch verlinkt.

  1. Das wäre eine ideale Stelle für den Einsatz des klassischen Leserbriefwehlauts „Armes Deutschland!“ – richtig? []
die Kaltmamsell

71 Kommentare zu „Der hinterhergetragene Arsch mancher Akademikerkinder“

  1. Brigitte Novacek meint:

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    Genau!

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  2. Usul meint:

    Also zu meinen Schulzeiten (15-20 Jahre her) wurde es ja eher als peinlich angesehen, wenn man für seine Aufgaben die Hilfe der Eltern benötigte, war also unter Schülern verpönt. Demzufolge kam das auch nicht vor, oder es wurde gut getarnt, keine Ahnung. In meinem Freundeskreis habe ich zumindest nichts davon mitbekommen.

    Vielleicht auch ein West/Ost-Unterschied?

  3. Kaoskoch meint:

    Danke! Die Erfahrungen der Kollegen an der LMU kann ich von meinem Arbeitsalltag heraus bestätigen. Ich habe mehr mit den Eltern zu tun als mit den Kindern, wobei die Kinder zwischen 1984 und 1991 geboren sind, also eigentlich ihren Kram schon alleine regeln können sollten … Bei 17jährigen Studienanfängern hätte ich ja noch ein gewisses Verständnis für elterlichen Beistand, aber spätestens bei 27jährigen Studenten, die ihre Eltern fast alles regeln lassen, ist die Schublade mit dem Verständnis für alle Fälle leer.

  4. percanta meint:

    Vor zwei oder drei Jahren wurden hier an der Uni ganz offiziell „Elterntage“ eingeführt, wo die Dozenten den frischgebackenen Erstsemester-Eltern die Uni zeigen und in einer größeren Runde ihre Fragen – die Fragen der ELTERN! – beantworten. Geäußert wird da bspw. den Wunsch „meine Tochter wird Lehrerin, sie soll aber lieber Diplom machen als diesen Master“.
    Ungefähr zeitgleich begannen wir im Kollegenkreis, Schilder für unsere Bürotüren zu entwerfen, als Ergänzung für die Angabe der Sprechzeiten: Grundlage war meist das Fußwege ausweisende Schild mit der Mutter, die ihr Kind an der Hand hält, Text meist in der Richtung „Wir müssen leider draußen bleiben.“
    Montag beginnt hier das Semester erstmals mit einer größeren Zahl 17jähriger. Ich bin gespannt.

  5. Kaoskoch meint:

    Helfen die Schilder, percanta? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass weder Kinder noch Eltern lesen können …

  6. Birgit meint:

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    Genau!

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  7. Frau Klugscheisser meint:

    „WIR HABEN EINE DREI IN MATHE“ ich krieg mich nicht mehr! Pluralis majestatis jetzt auch zuhause. Ich war übrigens auch nicht für’s Gymnasium geschaffen. Meine Mutter hat mir ein wenig in Rechtschreibung helfen können. Alles andere war mein Bier. Ich war faul und vergesslich, unkonzentriert und schlampig. Gestern fiel mir eine Urkunde in die Hand. Für gute Leistungen im Schuljahr 85/86. Ich muss mal prüfen lassen, ob es sich dabei nicht um eine Fälschung handelt.

  8. meerfrau meint:

    Ich wollte es erst nicht glauben, nicht Ihnen Frau Kaltmamsell, sondern den Umständen, und habe kurz mal selbst den Artikel gelesen. (Ich drücke mich gerade auch ein bisschen vor meiner Arbeit.) Und kann es immer noch nicht glauben. Das ist ja, das Leben seiner Kinder leben und sie in einem warmen Kokon zu hüllen, der eigentliche Lebenstüchtigkeit erstickt. Und die Eltern mit in die Uni nehmen? Ich habe 95 angefangen zu studieren, und wir hätten uns zu Tode geschämt, wenn Mami oder Papi an unserer Seite in die Sprechstunde getrabt wären. Ich glaube, es fällt schwer die eigenen Kinder fallen zu sehen, aber sie vor allem zu beschützen so lange man kann, verschiebt das Fallen ja nur, irgendwann wird es passieren. Innerlich die großgeschriebene Notiz angepappt: Meine Jungs werden so was schön selber machen oder eben mit den Folgen leben.

  9. adelhaid meint:

    also, zum einen lassen mich solche berichte ja immer in die eine oder andere form von ‚wie hab ich es nur aus meinem slum heraus geschafft – hätte ich nicht lieber im dorf bleiben sollen und 3 kinder kriegen sollen und ein haus mit pestbeule, äh, wintergarten-erker, bauen sollen?‘ verfallen; oder in ein gefühl von ‚jeder, der das gymnasium nicht allein schafft, sollte bitte im dorf bleiben und 3 kinder kriegen und ein haus mit… ABER BITTE NICHT AN DIE UNI KOMMEN!‘
    zum anderen weiß ich auch, dass diese studierenden, die gerne mal mit eltern auftauchen, dies tun, weil sie es halt allein echt nicht packen. die brauchen den beistand der eltern, weil sie sich nämlich selbst in ein plagiat manövriert haben. und dann bekommen sie angst. und an der uni bleiben sie meist eh nicht lang (da möchte man fast dankbar für bologna sein, das einen abschluss nach drei jahren möglich macht).

    eltern, die ihren kindern bis zum abitur so massiv bei der erledigung von arbeiten helfen, sind im prinzip selbst schuld, wenn sie später das geld, welches sie zur unterstützung des nachwuchses während des studiums investieren, eigentlich in den sand setzen, denn zumeist möchten die hasen nämlich lieber wieder zurück ins dorf, drei kinder kriegen und ein haus neben dem der eltern bauen (wegen dem kinderbetreuungsnetzwerk durch oma und opa und so).
    ich möchte diesen schülern gar nicht die eignung fürs gymnasium absprechen. die haben sie vielleicht ja wirklich. aber das ist nur schwer herauszufinden, denn sie dürfen diese eignung ja nicht unter beweis stellen, solange die eltern die hausaufgaben machen.

    und die studienunterstützung sollte vielleicht besser in einen bausparvertrag fließen.

  10. percanta meint:

    Meiner Erfahrung nach war es den meisten Studenten v.a. peinlich, wenn Mami oder Papi neben ihnen saßen und den Stundenplan durchsprechen wollten. Mehr als in meinem Fach waren die Eltern aber in klassischer-braveren Fächern vertreten.

  11. Nicky meint:

    Diese mütterlichen Diskussionen erlebe ich regelmäßig im Coffeeshop nebenan. Man hat den Eindruck, die Mütter gehen selbst wieder in die Schule. Im Spiegel gab es einen unterhaltsamen Artikel zum Thema, vor allem die Pädagogenseite kommt zu Wort.
    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,792682,00.html

    Wenn meine Eltern mich in 13 Schuljahren fünfmal Vokabeln abgefragt haben, dann ist das viel, der Rest klappte wunderbar ohne ihre Hilfe. Sollte das nicht so sein, wenn man auf der richtigen Schule ist?

  12. Croco meint:

    Früher, also in den 70igern und 80igern, haben vielleicht 10 oder 20 % eines Jahrgangs Abitur gemacht. So verschlampt wie sie vielleicht waren, waren sie doch klug genug, sich an der Universität zurechtzufinden und ihren Kram alleine zu bewältigen. Die anderen haben einen anderen ehrbaren Beruf ergriffen, der kein Studium benötigte.
    Jetzt haben fast 50 % das Abitur. Gehen wir mal davon aus, dass die Babynahrung sich nicht so verbessert und sich wesentlich auf die Intelligenz ausgewirkt hat, sind die Jugendlichen ja nicht über diese 30 Jahre so viel klüger geworden.
    Es sind Leute an der Uni, die halt nicht so selbstständig sein wollen und können, wie das früher üblich war bei Studenten.
    So verschulen die Studiengängen und die Flure sind voll mit hilfsbereiten Eltern.
    Dass es das Alter ist, glaube ich nicht.
    In meiner Jugend gab es auch Kurzschuljahre, so dass man nach 12 Jahren das Abitur hatte, ohne wesentliche Einbußen.

    Hier im Bundesland werden die Facharbeiten schon in der Entstehung durch die Lehrer begeleitet. Und in diesen Gesprächen kommt keine Mami mit. Da müssen sie schon selbst erklären, was sie gelesen und gemacht haben. Für den Lehrer ist das sauviel Arbeit, lohnt sich aber.

  13. Micha meint:

    In Zeiten, in denen man „Promenadologie“und „Freizeitwissenschaften“ studieren kann, wundert mich gar nichts mehr…

  14. Chris Kurbjuhn meint:

    Mir aus der Seele gesprochen. Ich bin meinen Eltern mittlerweile für jedes Mal dankbar, an dem sie zu mir „Dieses Problem wirst du allein lösen müssen“ sagten, wenn ich mit irgendeinem Schulproblem ankam, dass ich tatsächlich allein lösen konnte.

  15. Kirsten meint:

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    Made my day

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  16. fragmente meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

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  17. Sanníe meint:

    Natürlich! Alles!

    (Und danke für den „Leserbriefwehlaut“.)

  18. Julia meint:

    Das Dilemma fängt doch schon damit an, dass die Kleinkinder bereits volle Terminkalender haben und von A nach B kutschiert werden zu sämtlichen Nachmittagsaktivitäten, die m.E. zu großen Stücken bestehen, um die Mütter zu beschäftigen, statt das die Kleinen einfach mal sich selbst bespaßen und somit kreativ sein müssen.
    Statt Kinder einfach mal spielen zu lassen und ihre Freundschaften selbst zu schaffen sowie die damit verbundenen Konflikte selbst zu lösen – also soziale Kompetenz zu entwickeln! -, gibt es schon im Kindergarten Eltern, die ihren Finn Leon und ihre Luna Alicia am liebsten per Gesetz in die Völkerballmannschaft klagen würden.
    Eine ganz arme Gesellschaft wächst da heran. Wer mag da noch glauben, dass diese gepamperten Akademikerkinder tatsächlich mal unsere Rente zahlen werden (das Lieblingsargument genau jener Akademikermütter gegenüber gewollt Kinderlosen!).

  19. Beate meint:

    Hallo Kaltmamsell!
    Ich bin eine von den Bösen auf der anderen Seite, eine von denen, die zwölf, vier oder null Punkte hergeben dürfen, eine Gym.lehrerin und W-Seminar-Leiterin (und selber kein Akademiker-Kind). Ich kann Dich beruhigen. Solche „Marcs“ gibt es zwar, aber die meisten sind sehr angenehme, lebenskompetente, junge Menschen. Klar wird die Seminararbeit von manchen auf den allerletzten Drücker geschrieben. Aber die Hälfte „meiner“ 12. Klässler ist jetzt schon fertig. Und das obwohl der Abgabetermin erst der 8.11. ist.
    Die nächste Generation ist also nicht durchwegs vermurkst. ;)

  20. der Mitbewohner meint:

    Werte Frau Kaltmamsell, lassen Sie sich küssen für diesen schönen Titel! Ich freue mich schon auf die Lektüre des SZ-Magazins heute abend.

    (*Leserbriefwehlaut: Man möchte fast sagen: Quo vadis, Deutschland!)

  21. Rheinsberg meint:

    Das wird aber teilweise von Lehrern gezüchtet. Ich galt immer als Rabenmutter, weil ich mich einfach weigerte, die Versäumnisse der Schule auszugleichen oder gar die Arbeit der Kinder zu machen.

  22. Beate meint:

    @Rheinsberg: Geh, so ein Schmarrn.
    Was hat denn die Schule wieder mal versäumt?!
    (Mir kommt da immer die Galle hoch, wenn ich solche Pauschalisierungen höre.)

  23. swuuj meint:

    Ja!Ja!JA!!
    Und: Die armen Mutterkinder. Wie und wann sollen sie selbständig werden???
    Ein Grund mehr, noch mehr Vorsorge für die Rente zu betreiben. Denn in 25-30 Jahren soll aus dieser „Elite“ Spitzenverdiener mit erheblichem Rentenbeitrag resultieren!

  24. schuehsch meint:

    Danke für diesen ernüchternden Blogpost. Leider fügt er sich für mich nur allzu gut in ein bestürzendes Bild ein. In der brand eins las ich einen Text, dass Kinder bei einem Sportfest ALLE eine Medaille bekommen sollten, nicht nur die ersten drei. Kindern wird nicht mehr zugetraut, mit Situationen umzugehen, die sie traurig machen könnten oder auch nur ansatzweise gefährlich sind – ist euch schon mal aufgefallen, dass Kinderspielplätze immer niedriger werden und ganz oft Gummimatten oder oder anderer „sicherer“ Belag unter den Gerüsten angebracht wird? Ich finde das alles sehr traurig und entmündigend. Und ich mag mir gar nicht vorstellen, was das mal für Menschen werden.

    Diese Story passt so gut ins Magazin der Süddeutschen Zeitung wie die Anzeigen von Armani. Das ganze Heft ist kaum noch lesbar.

  25. Sabine meint:

    Ich nehme der Artikelschreiberin die Angst vor der Plagiatsaufdeckung nicht ab. Wenn Sie mich fragen, hat die ihren Namen deswegen ausgeixxxt, weil ihr die Offenbarung ihrer Überidentifikation sowie ihr ausgesprochen ungezogener Sohn dann doch peinlich waren.

    Und es stimmt, die allermeisten Schüler dieses Alters sind angenehme junge Menschen, von denen eine Mehrzahl beachtlichen Fleiß an den Tag legt.

  26. Beate meint:

    Jetzt hört endlich auf, auf die jungen Leute zu schimpfen oder euch lustig zu machen. Die sind zum größten Teil sehr nett, wohlerzogen und wirklich brauchbar.

    „Wir“ vor zwanzig Jahren waren keinen Deut besser.

    Und dass sich die Welt geändert hat. Daran sind nun wirklich nicht die jungen Leute Schuld.

  27. der Mitbewohner meint:

    Um, hier hat doch keiner über die jungen Leute geschimpft, sondern nur über die Umstände, die sie zu dem machen. Und das muss man wohl.

  28. Michael meint:

    Dass diese wohlbehüteten, (Wozu behüten, wenn darunter nur feuchtes Stroh vergammelt…?), vom vollen Terminkalender akut „Burn Out“ gefährdeten Gymnasiasten die Leistungsnachweise „outsourcen“, ist nur eine weitere Folge einer krankhaft leistungs & konkurrenzbasierten bildungspolitischen & gesellschaftlichen Fehlentwicklung…
    Einzig die Eigenkompetenz, (Social Skills auf Neudeutsch), bleibt dabei abgeschlagen auf der Strecke…
    Heraus kommen dann windelweiche „Ja-Sager“, die bestens (ver)formbar sind und die sich dann aufgrund ihres fehlenden, nie trainierten Rückrats auch weitehin bestens manipulieren lassen…
    Das Ergebnis sehen wir dann jeden Tag an den leicht korrumpierbaren Verantwortungsträgern unserer Zeit…
    Liebe Eltern, lasst eure Kids ruhig mal stolpern, „verlaufen“ und sich eine blutige Nase holen. Fangt sie dann auf wenn es soweit ist aber verschafft ihnen keine Rundum-Sorglos-Vollkaskoversicherung fürs Leben…
    Sie werden euch sicher später dafür danken !!!

  29. Sabine meint:

    Ich meine auch, es ist nicht angebracht, über „diese Mütter“ zu schimpfen. Die betreffende Journalistin hat sich ja bereits als Vollidiotin geoutet, über die darf gerne geschimpft werden, aber die allgemein verbreitete Elternschelte (meist ist es bis auf den Alibi-Anwaltsvater doch immer eine Mütterschelte) ist auch recht wohlfeil. Man darf nicht vergessen, dass die Kinder heutzutage ab einem sehr viel frühen Zeitpunkt in der Obhut anderer sind. Oft sind das Systeme, in die die Eltern keinen Einblick haben und denen sie sich irgendwie ausgeliefert fühlen. Das erzeugt Ängste.

    Mir fiel zum Beispiel auf, dass der Mutter gar nicht in den Sinn kam, bei der Lehrerin (oder dem Lehrer?) ihres immerhin minderjährigen Sohnes in der Sache vorstellig zu werden – auch die Kollegstufenbetreuerin wäre vielleicht eine gute Anlaufstelle gewesen. Allein, um sich zu erkundigen, was dem Söhnchen denn blüht, würde er seine Arbeit nicht abgeben. Das System Schule ist für sie augenscheinlich nur Der Feind. Schade eigentlich.

  30. kelef meint:

    es liegt an den eltern, die den kindern helfen wollen einerseits und die es einfacher finden, die aufgaben der kinder zu erledigen als dafür sorge zu tragen dass die kinder ihre aufgaben selber bewältigen können.

    frühkindliche förderung (in kindergarten „lernen“ manche ja schon englisch) führt dann dazu, dass die kinderlein das erste halbe jahr englischunterricht verschlafen (ist ja alles „babyisch“), und dann finden sie den anschluss nicht mehr.

    und die eltern gehen dann nicht hin und sagen, kind, pass im unterricht besser auf und lern, was dir aufgetragen wird: nein, sie gehen sich zu den unterrichtenden beschweren, machen die hausaufgaben der kinder, und beten denen die vokabeln so lange vor bis der herzige nachwuchs gar nicht mehr umhin kann sich die wörter zu merken.

    und natürlich wird „bei bedarf“ nachhilfeunterricht bezahlt. der schaut dann ebenso aus: nachhilfelehrer macht die aufgaben und betet den kindern den unterrichtsstoff zum dreihundertfünfunddreissigsten mal vor.

    aufpassen im unterricht ist obsolet weil nicht cool – man kann ja zu hause fragen, oder den nachhilfelehrer.

    alle haben stress: natürlich auch die kinder. dass man mal was rechtzeitig erledigen kann, oder vielleicht im voraus – ne danke, macht doch keiner.

    so lernen die kinder gleich mehrere dinge gleichzeitig: unselbständig sein, allen anderen die schuld geben – nur nicht sich selbst, die mama wird’s schon richten, stress ist die beste ausrede um zusätzliche vergünstigungen zu erhalten, und den unterschied zwischen lernen und gelehrt werden.

    aber natürlich sind das bildungssystem und die lehrer schuld, keine frage. die eltern meinen es ja nur gut mit dem nachwuchs, und die kinder können sowieso nix dafür.

  31. Beate meint:

    @Michael
    1. Wann hast Du denn selber das letzte Mal mit Gymnasiasten zu tun gehabt?
    2. Warum hast Du eigentlich selber keine Kinder?

  32. der Mitbewohner meint:

    @Beate: Irrelevant. Ad hominem. Das Totschlagargument mit den Kindern hinterlässt keinen guten Eindruck von Lehrern. Und ich bin selber einer.

    @Sabine: Mütterschelte allgemein ist zu billig. Aber Mütter-wie-die-da, die darf man schon schelten. Und da gibt es noch mehr davon. Und die kennen das System, glaube ich, schon sehr gut.

  33. Sabine meint:

    @Mitbewohner: Ich sagte ja, dass man die betreffende Frau-und-all-die-die-wir-als-ebenso-irre-kennen ordentlich schimpfen darf. Oft genug ist es aber nur ein „Die Mütter heutzutage“, das ungefähr so hilfreich ist wie „die Jugend von heute“. Auf dem Gymnasium sind sie, in der Tag, oft schon recht ausgebufft (nur oft nicht ausgebufft genug, um zu wissen, dass ein freundlichen Gespräch, bei dem man auch mal zuhört, erstaunlich zielführend sein kann); dennoch würde ich meinen, dass die Schule als fremdes, böses System empfunden wird.

  34. Michael meint:

    @Beate
    1. Du hast mich da wohl nicht ganz verstehen wollen…
    Nicht DIE Gymnasiasten sind das Problem, sondern (Über)ehrgeizige Eltern, die ihren Kindern die Verantwortung für ihr Tun aus besagten Gründen abnehmen…
    2. Ich habe einen Sohn und ich unterdstütze ihn natürlich, aber er macht seine Erfahrungen weitestgehend selbst und ich habe immer erst dann in den Lenker gegriffen, wenn sich eine echte Gefahr abzeichnete und das honoriert er mit Vertrauen zu mir & Selbstvertrauen in sich…

  35. blackeyed meint:

    danke! ziemlich dasselbe habe ich mir heute beim Frühstück auch gedacht.

    meine Eltern hätten mich ausgelacht/-schimpft (Abi 2002), hätte ich ihnen gesagt, dass eine Woche vor Abgabe noch nichts steht und sie mir helfen sollen. Mal ganz abgesehen davon, dass sie mir nicht hätten helfen können.

    Bei geschätzten 95% meiner Klassenkameraden war es ähnlich.
    Die einzige Ausnahme war eine mit einem übergroßen Selbstvertrauen (nett ausgedrückt…) gesegnete Schülerin, die zu spät abgegeben hat.
    Alle wußten, dass sie einfach nicht fertig geworden ist. In der Woche vor Abgabe hatte sie erst die Einleitung…
    Sie hat sich vor dem Kollegium mit einem kaputten Drucker rausgeredet. Als das nicht durchging, hat sie ihre Eltern (Akademiker) eingeschaltet und die Arbeit wurde noch angenommen.
    Die letzten paar Schulwochen hat der Großteil der Klasse nicht mehr mit ihr geredet.

  36. ubarto meint:

    Die einzige Ersatzhilfeleistung, die meine Mutter bei ihren Kindern geleistet hat, war die Anfertigung einer Häkelmaus für meinen Bruder in der Grundschule. Nachdem diese mit einer 4 minus bewertet wurde hat meine Mutter klugerweise von weiteren solcher Maßnahmen Abstand genommen :-) (abgesehen von Kontrolle der Hausaufgaben, allerdings nur in der Grundschule; und später gelegentlichem Vokabelabfragen auf Wunsch).

    An meiner Schule (auch Abi 2002) gab übrigens durchaus Eltern, die tatsächlich über jedes Detail gewacht haben; ich erinnere mich noch sehr gut an die Wahl der Leistungskurse und was manche da für (vergebliche) Kämpfe mit ihren Eltern ausgefochten haben.

  37. kecks meint:

    meine mutter hat nicht mal das grau gefärbte etwas, das mal eine weiße wollmaus werden sollte, fertig gestrickt. das habe ich ihr damals (bayrische grundschule anno 1988) sehr übel genommen, zumal sie sehr gut strickt und andere mütter sehr wohl hand anlegten. das einzige mangelhaft meiner grundschulzeit war das unrühmliche ergebnis. ich beschloss, handarbeiten vehement abzulehnen.

  38. PatschBella meint:

    Fast noch problematischer finde ich die Auswirkungen auf die Kinder, wenn die Eltern schon nicht aus der Akademikerburg heraus kommen. Ich habe mit netten, intelligenten jungen Menschen studiert – die aber nichts über die Lebenswirklichkeit einer Supermarktkassiererin oder eines Handwerkers wussten. Sie kannten niemanden „aus diesen Kreisen“. Sie stehen dann laut maulend vor der Bäckereitheke und wundern sich, dass es um kurz vor 20:00 Uhr keine fünf Sorten Vokornsemmeln mehr gibt. Von wegen Servicewüste. Eher Servicewüstlinge.

    Obwohl ich aus solidem Mittelstand komme und nur den kleinen Umweg über die Fachoberschule nahm, bin ich bei derlei Dingen immer unfassbar empört.

    Das Praktikum besorgt Papi, die Studentenbude richtet Mami ein. Und das bei ansonsten durchaus kompetenten Studenten, die es mit eigener Arbeit duch ein bayerisches Gymnasium geschafft hatten.

  39. AnkeD meint:

    Gerade heute hat eine Drittklässlerin bei mir bitterlich, untröstlich geweint, sie hat bei einer Mathearbeit eine 3+ erhalten. Die Eltern haben ihr versichert, dass sie in ein Kinderheim kommt, wenn sie kein „Sehr gut“ hat. Das ist die andere Seite des Lesitungsdrucks.

    So oder so, ich möchte heutzutage kein Schüler oder Student sein, der Druck ist sehr hoch, früher war es keine Schande, wenn man kein Abi hatte und nicht studiert hat, heute ist das anders. Deutlich intelligenter sind die jungen Leute aber heute sicher nicht.

  40. Gaga Nielsen meint:

    „Die Autorin XXXXX XXXXX kann leider erst im Jahr 2062, also in 51 Jahren, ihr Inkognito lüften: Bemerkt nämlich jemand innerhalb der nächsten 50 Jahre den Unterschleif und zeigt ihn an, haben alle Beteiligten noch mal 364 Tage Zeit, Beweise zu sichern. Dann erst müsste das Urteil gefällt werden, ob ihrem Sohn das Abitur aberkannt wird.“

    Dafür hat der liebe Gott dann wohl das schöne Wörtchen „dreist“ erfunden. Und die SZ gibt der Dame ein großzügiges Forum. Na wenn das mal nicht nach hinten losgeht. Eigentlich nicht das schlechteste Medium, um schlafende Hunde zu wecken, wenn ich es recht überlege. Die Gewichtung von derlei heimischen Facharbeiten lässt sich durchaus modifizieren. Hat alles nicht der liebe Gott erfunden. Wenn man den Unfug zu Ende phantasiert, mit einem Zeit-Horizont von sagen wir zehn Jahren, kommt irgendwann wohl oder übel der Punkt, wo der ahnungslose Junge zwar ein paar erschummelte und erschlichene und erkaufte Noten, Scheine und Titel hat, aber in der Arbeitswelt wird ihm das auf Dauer nicht viel helfen. Die dann nun auch nicht jünger gewordene Mutti kann ja schlecht für den jungen Mann ins Büro tattern. Aber vielleicht hat sie ja in ihrem eigenen Arbeitsleben genug erwirtschaftet, dass sie ihren Kronprinz auf ewig aushalten kann, an ihrer Mutterbrust nähren.

  41. schiachesuse meint:

    @ percanta: gute Idee (dieses Schild): gefällt mir!!

  42. BIA meint:

    @Mütter: die sind halt verunsichert, man lese mal Nachrichtenmagazine: ohne Abitur/Studium/5 Fremdsprachen und 20 Jahre Praxis mit 23 geht gar nix. Die Panikmache hat einfach Folgen, und welche Mutter würde sich nicht die aller-, allerbeste Laufbahn für ihr Kind wünschen? Und für die meisten Akademikerinnen ist die aller-, allerbeste Laufbahn für ihr Kind eben nicht im Einzelhandel angesiedelt. Dann: das sind oft Frauen mit einem Kind (maximal 2), die dafür ihren Beruf aufgegeben oder stark reduziert haben, und die sich nun völlig und ausschließlich dem Kind (und ihren Yogastunden) widmen. Mir sagte tatsächlich eine Mutter, die ihren Beruf als Obermeisenkaiserin in einer Bank aufgegeben hatte, und ich zitiere hier: „Andere Leute leisten sich halt einen Porsche, aber meine Kinder sind mein Porsche.“ Dies, nachdem sie mir in meiner Sprechstunde 30 min über die Erfolge ihrer Tochter erzählt hat (den Sohn, den ich unterrichtete und der in gröberen Schwierigkeiten steckte, hat sie nicht mal erwähnt).
    Wir hatten auch einen Fall, in dem die Mutter eine Facharbeit schrieb und sich wutentbrannt outete, weil die nur mit einer Drei beurteilt worden war. Kommt also mitunter wohl vor. :-)
    Die meisten Jugendlichen sind aber sehr liebe, sehr angepasste, sehr konservativ-traditionell eingestellte junge Menschen, zum Teil furchtbar unselbständig und ohne recht viel Eigeninitiative, zum Teil aber auch sehr leistungsbereit und selbständig.

  43. Alessa meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

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  44. PatschBella meint:

    Nochmal kurz von wegen ohne Abitur geht nix:

    Ich: Realschule, FOS, Studium, momentan auf Arbeitssuche

    Meine Schwester: Hauptschule, Freiwilliges soziales Jahr, Ausbildung Pflegehelferin, Ausbildung Heilerziehungspflegerin – während der ganzen Zeit gearbeitet und von potentiellen Arbeitgebern geradezu umschwärmt. Wenn es ihr mit der Arbeit reicht, studiert sie laut eigener Aussage noch soziale Arbeit, um z.B. in einem Amt arbeiten zu können.

    Solche oder ähnliche Geschichten kenne ich zu Dutzenden. Herrschaftszeitn, irgendwer muss Leute pflegen, Dinge herstellen und Kaputtes reparieren. Pffft, Abitur.

  45. Sigourney meint:

    Ich habe nie irgendwelche Hilfe erhalten und es auch nicht vermisst.
    Aber es macht mich auch nicht sauer, was jetzt passiert. Ich denke auch, dass diejenigen, die es nur mit Hilfe der Eltern zum Abi schaffen, dann halt später „aussortiert“ werden (Uni).
    Jedenfalls sind meine Karrierechancen nicht schlechter, weil meine Eltern mir nicht helfen konnten.
    Aber sie sind sehr wohl schlechter, weil
    a) meine Eltern keine Beziehungen/Kontakte haben und
    b) mir auch nicht die gesellschaftlichen Umgangsformen vermitteln konnten, die in den „höheren Kreisen“ notwendig wären.
    Die daraus resultierende (gelegentliche) Unsicherheit schadet mir mehr als irgendwelche punktuellen Bildungsdefizite.
    Nur um mal auf einen weiteren Aspekt hinzuweisen.

    Schlimm finde ich das auch nicht, um so stolzer bin ich, es immerhin auf meine derzeitige Position gebracht zu haben. Und breche meist auch offen die Konventionen, sozusagen proaktiv. Wenn man wild tätowiert ist, lenkt das sehr schön von der Benutzung der falschen Gabel ab ;-)
    Aber innerlich wäre es mir schon lieber, wenn ich absichtlich die Falsche nehmen könnte und es nicht aus Unwissenheit täte (und die Gabel ist jetzt nur ein plakatives Beispiel, ich meine eher subtilere Aspekte der Umgangsformen).

  46. kecks meint:

    Das mit dem Habitus ist sicherlich korrekt.

    Übrigens richten die Unis das mit der Unselbstständigkeit eher nicht mehr – Bachelor sei Dank.

  47. ubarto meint:

    @PatschBella: Ganz genau. Man kann auch einen guten Job ohne Abitur haben.
    Mein ältester Bruder war auf Hauptschule und hat den erweiterten Abschluss gemacht, dann eine Maurerlehre, dann auf der Abendschule Fachabi (etwas mühsam, aber geschafft) um dann den Maurermeister zu machen. Er liebt seine Arbeit und macht sie gut – abgesehen davon dass die persönliche Lebenserfüllung für ihn auf diesem Weg sicherlich besser ist, als wenn er sich obwohl nicht dafür geeignet durch Gymnasium und Studium hätte quälen müssen, kann man wirklich nicht sagen, dass er schlecht verdienen würde. Und fragen Sie mal die Baufirmen, wie händeringend solche Kräfte gesucht werden.

  48. Lila meint:

    Als mein Secundus kurz vor dem Abitur stand, rief mich eine seiner Lehrerinnen an und meinte: wenn er nicht endlich seine Arbeit im Fach X einreicht, wird er nur die Bestätigunge bekommen, daß er 12 Jahre gelernt hat, aber nicht die teu´dat bagrut (das Abiturzeugnis). Ich habe Secundus dann gefragt, wieso er diese Arbeit nicht eingereicht hat. Daraufhin hat er mir erklärt, daß er sowieso kein Abi braucht, weil er Feuerwehrmann werden will, und er hält die Schule für Beschiß und die Lehrer für feige Säue und die Arbeit ist erst recht Beschiß. Und er schreibt sie nicht.

    Ich habe einen Moment lang geschwankt, ob ich mich aktiver einbringen sollte als bisher, sprich: die Arbeit (die ich ohne weiteres hätte schreiben können) „mit ihm zusammen“ hätte schreiben sollen. Dann habe ich davon abgesehen.

    Er hat die Arbeit nicht geschrieben und das Abi nicht gemacht.

    Gott sei Dank ist das kein Beinbruch. In Israel kann jeder, der bereit ist, wie ein Maultier zu arbeiten, in ein oder zwei Jahren an der Uni das Abi nachholen (oder bei der Armee). Man kann auch dort das Abi verbessern, wenn man zB in der Schule ein Fach ziemlich vergeigt hat oder sich nicht sicher darin fühlt.

    Dieser Kult ums Abi in Deutschland ist mir suspekt. Aus vielerlei Gründen. Mein Traum war eigentlich, ganz ehrlich und über Jahre hinweg, Hebamme zu werden. Ich glaube, ich wäre eine sehr gute Hebamme geworden. Daß meine Familie mir diesen nicht-akademischen Beruf ausgeredet hat, und das mit Unverständnis, ja Abscheu und Entsetzen, nehme ich ihr eigentlich heute noch übel. Niemand in der Umgebung meiner Eltern sah es auch nur als Möglichkeit, einen nicht-akademischen Beruf zu ergreifen, darin glücklich und erfüllt arbeiten zu können.

    Als Akademikerkind habe ich allerdings davon profitiert, daß bei uns zuhause eine halbwegs kultivierte Atmosphäre herrschte. Als Studentin konnte ich jederzeit darauf rechnen, daß meine Eltern wußten, wovon die Rede ist, wenn ich von meinen Studien und Arbeiten erzählte. Ich habe viele wertvolle Tips, gute Bücher und interessante Ausstellungsbesuche meinen Eltern zu verdanken. Manche Hausarbeit ist nach eingehenden Diskussionen mit meiner Mutter, meiner Tante und meinem Stiefvater entstanden, drei äußerst belesenen und klugen Akademikern. Als Studentin habe ich also sehr davon profitiert, aus einem Haus voller Bücher und Kataloge zu kommen. Manches wußte ich einfach schon.

    Aber in der Schulzeit… die Mühle von Nachhilfeunterricht in den schwachen Fächern, dieses Leben von Mathearbeit zu Mathearbeit, die Szenen und Tränen und den ganzen verdammten Druck, den wir zuhause immer hatten, so wohlmeinend und lieb meine Eltern auch eigentlich waren – das alles habe ich meinen Kindern erspart. Hausaufgaben haben sie fast immer allein gemacht bzw Primus hat sie, genau wie ich, eigentlich nie gemacht. Wenn sie miese Noten haben, sagt mein Mann trocken, „ihr lernt für euch, nicht für mich“, und weitere Predigten gibt es nicht.

    Meiner Mutter sind Abschlüsse und Titel nach wie vor sehr wichtig, vielleicht, weil sie sehr hat kämpfen müssen für ihr Abi. Aber ich werde Secundus nie einen Stein in den Weg legen, wenn er Feuerwehrmann werden will. Und er hat für sein Leben mehr davon, daß er bei Bedarf das Abi nachmachen wird machen müssen, als wenn ich ihm damals die Arbeit über die Rötelfalken geschrieben hätte.

    Ich denke manchmal: wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich mich mit 16 durchgesetzt hätte, wenn ich die Schule, die ich gehaßt habe, geschmissen hätte, und mich an einer Hebammenschule beworben hätte?

  49. iv meint:

    @ lila: das ist sehr interessant, quasi das selbe Problem aus der anderen Perspektive. Ich, katholische Arbeitertochter vom Land, musste mir das Abitur auch hart erarbeiten (und spüre das übrigens heute noch), und am schwierigsten ist tatsächlich das Überwinden des eigenen Herkunftsmilieus.
    In meinem Jahrgang gab es auch jemanden, der mit Absicht die Facharbeit vergeigt hat, um zum Abitur nicht zugelassen zu werden (Lehrerkind nach Odyssee durch diverse Privatgymnasien). Das war wohl seine Art, den Eltern mitzuteilen, dass er lieber etwas Handwerkliches machen wollte.
    Ich erinnere mich, wie verständnislos, geradezu wütend mich sein Verhalten damals gemacht hat (obwohl es mich eigentlich nichts anging): etwas mit Füßen treten, wofür ich so hart gekämpft hatte. Erst Jahre später habe ich begriffen, dass der im Grunde einen sehr ähnlichen Kampf geführt hat wie ich.

    Insgesamt glaube ich auch nicht, dass heutzutage alle Akademikerkinder „den Arsch hinterhergetragen“ bekommen, aber es gibt doch eine starke Tendenz dazu, das als normal zu betrachten. Der von der Kaltmamsell besprochene Artikel belegt es ja. Der Satz ist wirklich der Hammer:
    „Was machen eigentlich Jugendliche, deren Eltern sich nicht auskennen, kein Geld, keine nützlichen Bekannten, keine Zeit haben?“
    Man könnte die natürlich fragen, was sie machen und lieber darüber einen Artikel schreiben.

  50. Sanníe meint:

    Lila, wie schön von Dir zu lesen!

    Bei mir war es umgekehrt, ich habe die Maßstäbe mit meinen guten Noten in der Grundschule selbst gesetzt. Fortan wurde davon ausgegangen, daß ich Abitur machen würde, als erste in der gesamten Familie. Da gab es nie Druck, das zu schaffen. Wenn ich es nicht geschafft hätte, wäre ich eben auf die Realschule gegangen.

    Nicht auf den Kindern von heute rumhacken, die können doch nichts dafür. Die Eltern sind es offenbar, die unter dem Leistungswahn am meisten leiden und sich furchtbar sorgen. Das ist ein ganz schlechtes Zeichen, wenn Erwachsene so aus dem Häuschen geraten, vielleicht sollte man die Propaganda mal überdenken. Meine Freundin, Mutter eines dreijährigen Sohnes, ist so gut wie auf der Putzstellensuche, damit das Kind dann auf eine Privatschule gehen kann. Befeuert übrigens von einer Nchbarin, die Lehrerin an einer staatlichen Schule ist.

    @Mitbewohner
    Das war jetzt aber schon aus dem Leserbrief des OStR a.D. an die ZEIT!

  51. BIA meint:

    Ich hab mir jetzt den Artikel im SZ-Magazin durchgelesen, man möchte der Mutter ja am Liebsten eine Massage schenken. Offensichtlich hat der Knabe ja ein wunderbares Leben: er chillt, geht aus, geht eine rauchen, schreibt auf Facebook – und die Mutter rotiert. Das ging wahrscheinlich die letzten Jahre schon so – der Knabe ließ es ruhig angehen, die Mutter rettet ihm im Zweifelsfall den Arsch; zu glauben, dass diese bequeme Einstellung des Hern Sohnes urplötzlich verschwindet, nur weil das Abi ansteht, ist auch ewas naiv. Ihm wäre wahrscheinlich längerfristig besser damit gedient gewesen, wenn sie ihn in den Klassen 7 bis 11 mal kräftig was verbocken hätte lassen.
    Traurig finde ich im Übrigen, dass die Einstellung, „Interessant, hier kann man was über die Welt erfahren!“ bei vielen völlig einer totalen Zweckorientierung gewichen ist: Egal was es ist, lern es, und zwar so oberflächlich und mit so wenig Aufwand wie möglich, denn DU BRAUCHST ES FÜRS ABITUR!!!! Schade um die wirklich interessanten Themen, mit denen man sich dann nur mehr widerwillig und gezwungenermaßen beschäftigt.

  52. Andre Thiele meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  53. generator meint:

    Lustig wirds, wenn die Eltern dann auch später mit zur Arbeit kommen.

  54. maz meint:

    Πάντα χωρεῖ καὶ οὐδὲν μένει.
    Um es auf Altgriechisch und copy-and-paste-wikipediatisch zu kommentieren.
    (Ach ja, nix Heraklit, nix Platon-einfach nur Strömungsmechanik)

  55. MCBuhl meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Genau!

    *******************************************************

  56. kraeuterzucker meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  57. Dieter meint:

    @Beate, 21. Oktober 2011 um 15:17

    Die Schule hat in meinen Augen versäumt klarzumachen, daß so eine Seminararbeit natürlich alleine angefertigt werden muß und dies auch im offensichtlichen Fall überprüft wird („Marc, das ist interessant, was Du da zu diesem Begriff geschrieben hast. Erklär der Klasse bitte mal diesen Begriff.“). Ansonsten besteht der Fehler darin, daß die Facharbeiten vielleicht etwas groß angelegt sind und weder durchgelesen und angemessen korrigiert und durchgelesen werden können.

    Das ist ein großes Rad, das da gedreht werden muß, das gebe ich zu. Aber das einfach so hinzunehmen erscheint mir die schlechtere Wahl zu sein (solange das nicht doch ein ziemlicher Einzelfall ist).

    An der Schule meiner Frau laufen mMn viele Dinge schief, weil Teile des Kollegiums und der Leitung nicht bereit sind, bestimmte Konflikte auszufechten. Wenn Eltern deutlich klargemacht werden würde, daß sie mit einer überzogenen Anspruchshaltung nicht durchkommen, und daß Schüler Bringpflichten haben, dann würde man sich einen Teil der Probleme ersparen und hätte mehr Zeit für die Kinder, die wirklich Hilfe brauchen, und die Regeln erklärt bekommen müssen, die sie vielleicht bisher einfach noch nicht kennengelernt haben.

    Und ansonsten würde ich, wenn ich so ein Verhältnis zu einem meiner Söhne entwickeln würde, entweder das Kind ausziehen lassen oder selbst ausziehen. Bestimmt mache ich andere Fehler, aber hoffentlich nicht diese.

    Dieter

  58. excellensa meint:

    @kaltmamsell
    Ich habe ihre Frage bei Melancholie Modeste gelesen und kann off topic und ungefragt folgendes anmerken: vor 5 Jahren hatte ich 20-jährige Abiturjahrgangsfeier. Zu meinem Schrecken waren auch aus schlauen, klugen, witzigen Mitschülerinnen Frauen geworden, die im Studium ihre Ehemänner kennenlernten und ihre Lebensaufgabe mit Ende 30 darin sahen, dem Gatten und den Kindern „den Arsch hinterherzutragen“. Eine eigene Berufslaufbahn (außerhalb der Familie) hatte keine von ihnen angestrebt. Ich hörte mit großem Erstaunen, wie sie ihre Tage damit verbrachten, die Karriere des Mannes zu fördern und die (Schul)aufgaben der Kinder zu erledigen. (Wieder)Einstieg in den Beruf? Bloß nicht. Vereinzelt wäre das zu erwarten gewesen, in der Breite hat es mich verblüfft. Nur 2 von ca. 20 ehemaligen Schülerinnen, die studiert hatten, schienen in der Lage, sich selbst zu ernähren. Anders die, die nach dem Abitur eine Berufsausbildung machten, die standen durchaus auf eigenen Beinen und waren definitiv keine Arschhinterherträgerinnen. Wie es bei den anderen zu dem Verlauf gekommen ist, ich weiß es nicht. Ich kann nur feststellen, die meisten Frauen, die studierten, kamen aus Familien, in denen der Vater einen „guten“ Beruf hatte, und die Mutter Hausfrau war. Das war bei diesen Jahrgängen (wir sind zwischen 1965 und 1967 geboren) im „Musterländle“ ja nicht untypisch. Kopf ausgeschaltet und Rolle übernommen? Und die männlichen Mitschüler? Aus denen waren Ingenieure geworden, die genau solche Frauen hatten. Vielleicht haben sich die Frauen ja auch nur dem Gesetz von „Angebot und Nachfrage“ gebeugt.
    Auf die Frage wie die Schulerlebnisse der Arschhinterherträger aussahen, kann ich also nur antworten: ganz normal. Die haben in der Schule ihr Ding gemacht, waren unauffällig, haben mal geschleimt und mal über die Stränge geschlagen, und haben das Abitur noch ohne Mamas und Papas Hilfe geschafft.
    Im Studium traf ich dann auf Kommilitoninnen, denen zum Studienbeginn die Schlüssel für die Eigentumswohnung und für das Golf Cabriolet überreicht worden waren. Wo die herkamen und hingingen, keine Ahnung. Ich habe viel Abstand gehalten.

  59. Maria meint:

    Ich komme auch aus schlichten Verhältnissen, Mutter deutsch, Vater Ausländer, habe 1969 Abi gemacht. Das waren noch die Zeiten, als der Ehrgeiz in Deutschland darin bestand, auch Arbeiterkindern eine gute Bildung zu ermöglichen, und so konnte ich dank Bafög und Ferienjobs studieren. In meiner Schulklasse waren zwei Drittel aus schlichten Verhältnissen, nur ein Drittel aus Akademiker-Familien.
    Das waren noch Zeiten, was?
    Meine Eltern unterstützten mich, wo sie nur konnten, aber definitiv nicht bei den Schularbeiten. Hätte ich auch mehr als ätzend gefunden, so eine Akademikermami zu haben, die schon in der Grundschule bei den Hausaufgaben neben mir sitzt! Nun bin ich selbst promovierte Akademikerin, aber ich bin immer noch der Meinung, es war gut fürs Leben
    – schon mit 11 Jahren regelmäßig Taschengeld selbst zu verdienen
    – für Extras auch als Schülerin schon Ferienjobs zu machen
    – als Studentin in den Semesterferien die rauhe Arbeitswelt in Fabriken kennenzulernen und zu schätzen, was unser Vater an Maloche auf sich nahm, damit wir Kinder eine gute Ausbildung bekamen
    – im Haushalt helfen zu müssen und nicht die viele Schularbeit als Alibi fürs Faulsein zu Hause nehmen zu können
    – früh zu lernen, selbst meine Klamotten zu nähen statt in Boutiquen Papis Geld auszugeben.
    Ach ja: im ersten Semester lernte ich eine Kommilitonin kennen, die aus reichem Fabrikanten- Haushalt stammte. ABER: Neben dem, was ihre Eltern ihr montalich zur Verfügung stellten, und das war nicht mehr als mein Bafög, musste sie sich wie ich alle Extras selbst verdienen. Ihre sehr klugen Eltern waren der Meinung, es sei gut fürs Erwachsenwerden, sich selbst etwas zu erarbeiten.
    Diese Frau und ich sind heute noch, nach mehr als 40 Jahren befreundet.
    Und meine Mutter war immer berufstätig.
    Ich habe wirklich nichts gegen „Nur- Hausfrauen“. Ich finde, jede sollte nach ihrer Fasson selig werden. Wenn ich aber über Jahrzehnte so die Lebensläufe der Kinder um mich herum ansehe, muss ich sagen: Die, denen nicht „der Arsch hinterhergetragen“ wurde, auch nicht von ihren Akademiker- Müttern, sind heute die privat glücklicheren und beruflich erfolgreicheren Menschen.

  60. blinki meint:

    mich hat beim Lesen des Artikels hauptsächlich tiefstes Mitleid mit dem Knaben ereilt. Ich hab damals meine Facharbeit (und auch alles andere immer) auf den letzen Drücker fertig gemacht und ich wäre wahrscheinlich durchgedreht, wenn sich meine Mutter erlaubt hätte, in meinen Unterlagen rumzufummeln und – absoluter Gipfel der Frechheit – schon mal eine ‚Schattenfacharbeit‘ vorformuliert hätte. Solche Eltern sind die Pest.

  61. kecks meint:

    heute in der sprechstunde: „wir haben in der letzten schulaufgabe ja eine vier geschrieben…“ (deutsch, klasse 7, mutter). *aaaargh*

  62. Naekubi meint:

    Vielen Dank für diesen Artikel! Als Arbeiterausländerkind, das es auch zum Abitur und anschließenden Hochschulabschluss geschafft hat, kann ich deinen Ärger gut nachvollziehen.

  63. vilsrip meint:

    Was bisher trotz der großen Zahl an Beiträgen noch unerwähnt geblieben ist, wenn ich nichts übersehen habe: Den Schülern des bayerischen G8 ist seit neun Jahren erzählt worden, wie schwer sie es hätten, und dass die Leistungsanforderungen doch kaum auszuhalten seien. Auch das kann die Einstellung des Schülers zur Leistung beeinflussen. Die Schüler des achtjährigen Gymnasiums haben schon tatsächlich einiges auszuhalten, vor allem in der Oberstufe, aber es hilft ihnen nichts, wenn man ihnen einredet, sie hätten Unmenschliches zu ertragen.
    Ich bin bei der Lektüre des SZ-Magazin-Artikels den Gedanken nicht losgeworden, dass die Lehrkraft, die das W-Seminar leitet, in dem die Seminararbeit anzufertigen war, ihren Kurs nicht sonderlich sinnvoll strukturiert hat. Da gehören bereits in Jahrgangsstufe 11 Kurzvorträge über die Gliederung und die Erfolge bzw. Misserfolge bei der Recherche angesetzt – und wohl auch benotet, um ein Zeichen für die Ernsthaftigkeit dieses Unternehmens zu geben. Dafür ist so ein W-Seminar eigentlich da: Damit die Schüler in einem begleiteten Prozess das wissenschaftliche Arbeiten lernen. Diese „Begleitung“ war im neunjährigen Gymnasium der Initiative der Lehrkraft anheimgestellt und ihrer Bereitschaft, zusätzliche Zeit neben dem Unterricht dafür aufzuwenden.

  64. Sebastian meint:

    Ich glaube, dass es dieses Phänomen gibt, vielleicht auch so massiv wie geschildert, aber ich glaube der Autorin nicht und halte den Artikel für erfunden bzw. zusammengetragen. Das fängt bei den (per Band aufgezeichneten?) Zitaten der so praktischen Lehrerfreundin (Gegenrecherche entfällt) an und hört bei der augenzwinkernden Wurschtigkeit der Mutter gegenüber ihrem mißratenen Marc noch nicht auf. Zu viele Prototypen, zu viele exemplarische Siuationen, die mich an Hera Lind und Moralgeschichten aus dem frühen Readers Digest, Leuchtturm oder von Matthias Horx erinnern („M. meint, dass…“).

    Oder sie hat gedacht, sie schreibt jetzt mal nur als Mutter und nicht wie eine Journalistin. Vielleicht war sie aber auch nur von ihrem revolutionären Anarchistenleben überwältigt.

    Ach ne, ich glaub’s ihr einfach nicht. Und dem SZ-Magazin schon lange nicht mehr.

  65. Sven E. meint:

    Fließt die Seminararbeit in Bayern wirklich mit knapp zehn Prozent in die Abiturnote ein? Ich habe 2007 mein Abitur in Niedersachsen gemacht, also 2006 meine Facharbeit geschrieben und befand mich damals in einer Clique, die die maximal erlaubten Fehlstunden ausreizte, um im Jugendcafé Schach oder Kniffel zu spielen, Zeitung zu lesen und sich zu unterhalten. Die Bedeutung der Facharbeit für das Abitur war banal. Somit peilte jeder eh nur 06 bis 10 Punkte an und schrieb den Text an zwei Abenden.

    Dass der Anteil überfürsorglicher Mütter und Väter zugenommen hat, habe ich gemerkt, als in unserer WG ein Zimmer frei wurde und viele Bewerber zur Besichtigung einen Elternteil mitbrachten. In manchen WGs ist das übrigens ein Ausschlusskriterium. Etwas überspitzt formuliert: http://bit.ly/gpj081011

  66. die Kaltmamsell meint:

    Sven E. – Der hauseigene Oberstudienrat hat recherchiert: Die Punktezahl (bis zu 15) für die Seminararbeit wird verdoppelt und macht dann maximal 30 von möglichen 900 Punkten aus, die man im Abitur erzielen kann (also ca 3 %?). Fußnote: Innerhalb dieser Zählung bekommt man in dem Seminarfach, in dem man die Arbeit schreibt, insgesamt bis zu 60 Punkte, davon über die Seminararbeit bis zu 30.

  67. mariong meint:

    Seitdem ich erlebt habe, das 2 Monate nach der Einschulung die Eltern der Erstklässler auf dem Schulhof (nach dem sie die Kinder wunschgemäß zu Fuß auf dem Schulweg begleitet haben) erbittert über die Haushaufgaben (Ee, 2) diskutieren, die verwendete Anlaut-Tabelle in Frage stellten und sich gegenseitig gestehen, wer im Grunde die Hausaufgaben gemacht hat (sie selbst), damit alles schön ordentlich aussieht, glaub ich alles.

    „normale“ Eltern. Väter, Mütter, angestellte, selbständige, davon Akademiker eher unterrepräsentiert und alle im normalen Grundschulkindelternalter zwischen 40 und Mitte 50.

    Schon auf Babies wird die Zukunftsangst der Eltern und der erbitterte (und genauso erbittert abgestrittene „wir doch nicht“) Wettkampf der Leistungsgesellschaft losgelassen. Man kann sich dem nicht wirklich entziehen ohne komplett zum Außenseiter zu mutieren. Macht man den Versuch, fordert das Kind sein Recht auf Gleichheit ein („aber der xyz geht auch ins Leistungsturnen und die abc darf auch Klavier lernen).

  68. BIA meint:

    Ich kann der Anmerkung von vilsrip nur zustimmen.
    Als ich dem ersten G8-Jahrgang eröffnete, dass den Kursen keine Klassenfahrten nach London genehmigt werden (-> aus finanziellen Gründen), brach sofort eine Flut der Entrüstung über mich herein: „Das dürfen wir nur nicht, weil wir G8 sind!“
    Äh…nein…
    Das war schon ein sehr, sehr weinerlicher Jahrgang, der prinzipiell mit dem G8-Argument kam: „Aber wir können die vier Seiten nicht lesen, weil wir sind G8 und haben soooo viel zu tun!“
    Äh…immer noch nein…
    Aus lauter Schiß kam ihnen das Ministerium auch noch ordentlich entgegen, statt zu sagen: „Jungs und Mädels, ihr seid nicht blöd, das bayerische Abitur ist im Prinzip echt machbar, also strengt euch mal an, dann schafft ihr das schon. Und tut euch nicht ständig selber so leid.“

  69. Philipp meint:

    @ Lila: Manche sind Hebamme ja auch im Nebenberuf, wie z. B. Erykah Badu.

  70. generator meint:

    Noch zweimal was zum Thema:
    – Schönes Lied: „Mein Kind ist geiler als dein Kind“
    Anmerkungen zum mentalen Immunsystem… nicht nur bei Akademikerkindern.

  71. Gaga Nielsen meint:

    Wenn man von dem fürchterlichen Geschrammel absieht, sind doch ein paar recht gelungene Wendungen in dem Liedchen.

    „Mein Kind ist Außenminister von Wien“ ist schon eine recht gut(t)e Zeile in obigem Zusammenhang.

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