Schuhausziehwohnungen

Donnerstag, 19. Januar 2012 um 11:10

Zieht man bei Ihnen daheim die Schuhe beim Reinkommen aus? Ich habe den Eindruck, dass sich unsere Gesellschaft in Schuhauszieherwohnungen und Nichtschuhauszieherwohnungen unterteilen lässt und dass die Zugehörigkeit zu einer der beiden Gruppen Aufschluss über viele andere Gewohnheiten und Gebräuche gibt. (Ich erinnere mich daran, wie ich den Mitbewohner nach einem Kollegenfest am Vorabend fragte, wie es gewesen sei und ob er sich amüsiert habe. Seine knappe Antwort: „Schuhauszieherwohnung.“)

Strukturierte Abhandlungen über das Thema Schuhe in Wohnungen kenne ich zwar unter dem Aspekt der internationalen Kulturzugehörigkeit: So erhalten Japanreisende aus Europa detaillierte Anweisungen, an welchen Schwellen Schuhwerk abzulegen oder zu wechseln ist. Auch scheint es ein guter Tipp zu sein, in muslimischen Ländern Privatwohnungen nicht in Straßenschuhen zu betreten.

Nirgends aber habe ich bislang eine Untersuchung über das Schuhausziehen in der deutschen Kultur gehört. Dabei vermute ich sogar, dass es sich um ein ausgesprochen deutsches Thema handelt: Ich kenne die Diskussion weder aus England noch aus Frankreich, Spanien oder Italien. Hat das vielleicht mit Modebewusstsein zu tun? Es scheint mir naheliegend, dass eine Kultur, die viel Wert auf schöne persönliche Ausstattung legt, Gäste nicht zum Zerstören des Stylings durch Schuhausziehen zwingt.

Was also macht in Deutschland eine Wohnung zur Schuhauszieherwohnung – oder eben nicht? Hängt das vielleicht von der Gesellschaftsschicht ab? Bei ganz feinen Leuten, Großbürgertum aufwärts, werden Schuhe wohl eher nicht abgelegt. In der Landwirtschaft wiederum aus praktischen Gründen schon: In den Wohnbereich soll nicht der Schmutz des Arbeitsbereichs getragen werden. Und dazwischen? Ist das Schuhausziehen etwas Kleinbürgerliches?

Vielleicht kann man bei den Schuhausziehern sogar abstufen: Wohnungen, in denen das Schuhausziehen für alle und jeden gilt / Wohnungen, in denen Gäste vom Schuhausziehen befreit sind. Erstere erkennt der aufmerksame Beobachter ja meist an dem See aus Schuhen vor der Wohnungstür. Dabei ist mir bewusst, dass es durchaus äußere Gründe für das konsequente Einfordern von Strumpfsockigkeit geben kann: Säuglinge und Kleinkinder, neuer Parkettboden, sonstige Haustiere.

Warum komme ich wohl aus einer Anbehalt-Familie? Mögliche Einflüsse:
– Die großmütterliche polnische Seite: Oma stammte aus einer südpolnischen Handwerkerfamilie, mein Urgroßvater war Kunstschmied. Oma achtete sehr auf gute Manieren bei Tisch und in der Bekleidung.
– Die väterliche spanische Seite: Bettelarme Bauern und Hilfsarbeiter – die hatten ohnehin höchstens ein Paar Schuhe.

Klar sollten wir als Kinder schmutzige Schuhe sofort beim Betreten der Wohnung ablegen. Das taten wir auch und schlüpften in Hausschuhe. Auf keinen Fall aber wäre es in Frage gekommen, Schuhe vor der Wohnungstür im Hausflur des Wohnblocks abzustellen, das hätten meine Eltern als schlampig bezeichnet. Und als grobe Unhöflichkeit hätten meine Eltern es angesehen, von Gästen das Entblößen ihrer Socken zu erwarten.
Doch selbstverständlich war ich schon als Kind zu Besuch bei Freunden und Freundinnen, bei denen die erste Handlung nach Betreten der Wohnung das Abstreifen der Schuhe war (schnell mit dem Ballen von der Ferse geschoben, meist dafür gerügt von deren Eltern). Und bei denen von mir erwartet wurde, dass ich mich strumpfsockig durch die Wohnung bewegte.

Heute handhabe ich es, wenig überraschend, wie meine Eltern: Beim Heimkommen wechsle ich aus Bequemlichkeit in Hausschuhe und verräume meine Straßenschuhe. Doch wenn ich Besuch bekomme, trage ich selbst richtige Schuhe und erwarte von niemandem, dass er seine ablegt (Ausnahme: vermatschte, verdreckte Schuhe).

Ich bin sicher, dass hinter diesem Thema mehr steckt. Wäre das nicht eine nette kleine Hausarbeit für eine angehende Ethnologin?

die Kaltmamsell

82 Kommentare zu “Schuhausziehwohnungen”

  1. padrone meint:

    Ein nicht unwichtiges Thema. Zu Hause haben WIR keine klare Linie. Bei Feiern mit mehreren Gästen: Eindeutig – Schuhe bleiben am Fuß. Als Moritz noch am Boden herumkrabbelte: Eindeutig – Schuhe aus (im Übigen gab es zu dieser Zeit keine gößeren Feiern…). Ich glaube ICH mache eine Tendenz (es bleibt eine Schlangenlinie) abhängig von der Zeit, die ich darüber nachdenke aus. Je länger – je Schuhe aus…. Mein Lieblingsbild dazu: Ein Hund hat sich auf dem Gehsteig erleichtert. Je zentraler, je mehr Zeit vergangen ist – findet sich ein sternförmiger Abtrag. Es ist nicht jeder ein guter Danebentreter. Sind (alle) meine Gäste gute Ausweicher? Hinein in die die guten Stube… arrgh.

  2. isabo meint:

    Ich glaube, es hängt auch vom Bodenbelag ab. Bei Teppichboden würde ich eher erwarten, dass alle die Schuhe ausziehen sollen. (Ich selbst will nie wieder Teppichboden haben.) In England hingegen sind sie ja ohnehin vollkommen hemmungslos mit ihren Teppichböden. Eine Nation, die Teppichboden in Kneipentoiletten verlegt, hat in Sachen Bodenbelag offenbar nicht gerade einen kollektiven Sauberkeitswahn.

    Lustig finde ich, dass Du so anders denkst als ich. Bei dem Satz „Es scheint mir naheliegend, dass eine Kultur, die viel Wert auf schöne persönliche Ausstattung legt, …“ habe ich erwartet, dass er weitergeht mit: „… sich die Wohnung nicht gern durch andererleuts Schuhe verdrecken lässt.“

  3. Hasenkind meint:

    Ich erwarte von meinen Gästen nicht, dass sie ihre Schuhe ausziehen und ehrlich gesagt will ich sie auch nicht in Socken sehen. Und wenn ich irgendwo die Schuhe ausziehen muss, gehe ich genau 1 Mal dahin: das erste und das letzte Mal. Ansonsten mache ich es wie Sie: beim Heimkommen der Wechsel in Hausschuhe, wenn Gäste kommen richtige Schuhe.

  4. bolliskitchen meint:

    Oh mon dieu, das ist eine typisch deutsch spiessige Angewohnheit! Seit ich dort nicht mehr lebe, hat mich keiner gezwungen, auch nicht bei Versailles Parkett, due Schuhe auszuziehen…..

  5. mark793 meint:

    In einer früheren Blogdiskussion zu diesem Thema erklärte mir eine Kommentatorin, die Erwartung, dass die Gäste die Schuhe auszögen oder es zumindest von sich aus anböten, sei eher im Osten verbreitet. Ich würde ergänzen: bei unseren türkischen Nachbarn auch.

  6. hape meint:

    @bolliskitchen

    nö ist es nicht, während es hier ja noch Unterschiede gibt und nicht überall die Schuhe ausgezogen werden, ist das bspw. in Skandinavien so, dass man beim Betreten der Wohnung anderer immer ungefragt sofort die Schuhe auszieht, weil alles andere als unhöflich gelten würde.

  7. Lalipuna meint:

    Es ist – wie fast alles – eine Frage des Anstandes. Als Gastgeber(in) nötigt man niemals seine Gäste die Schuhe auszuziehen, es könnte ja ein welcher dabei sein, der sich derob sehr unwohl fühlen, oder gar ein Loch im Strumpf haben könnte – der Zwang zum Ausziehen der Schuhe würde den Gast blossstellen.

    Andererseits darf man als Gastgeber(in) sehr wohl von seinen Gästen erwarten, dass diese die Wohnung mit sauberen Schuhen betreten, oder diese wenigstens vor dem Betreten der Wohnung säuberlich am Schuhabstreifer zu Reinigen versuchen.

    Das Argument mit (Klein-) Kind, Tieren oder anderen scheint mit allenfalls eine Ausrede zu sein: es bringt das Kind wohl kaum um, wenn es mit ein paar Stäubchen Dreck in Berührung kommen sollte (ein Sandkasten ist wohl dreckiger…). Auch das Argument, dass die Schuhe die Wohnung verdrecken könnten, ist mehr als kleingeistlich: Wer die Gäste nur als Dreckquelle sieht und sich nicht die Mühe machen mag, nach einer Einladung auch wieder zu putzen, der soll doch einfach auf eine Einladung verzichten… Sicherlich könnte durch Schuhe das Parkett verkratzen, der Teppich schaden nehmen oder ähnliches. Dies ist aber eher auf die falsche Wahl des Bodenbelages durch den Einladenden zurückzuführen, und dieser muss sicher dann selber an die Nase fassen… der Leidtragende dieser Fehlinvestition darf ja wohl keinesfalls der Gast sein.

    Bei einer Einladung, die nicht völlig „casual“ sein soll, würde ich natürlich auch von den Gastgebern erwarten, dass sie die Gästen mit Schuhen empfangen. Alles andere wäre auch hier äusserst unhöflich.

    …Vielleicht sollte ich mal wieder den „Knigge“ konsultieren… ;)

  8. feinschmeckerle meint:

    Ich empfinde das Schuhe ausziehen auch als großen Quatsch und trage „echte“ Schuhe, wenn Besuch kommt. Manchmal muss ich Neubesucher sogar vom Schuhe ausziehen abhalten – so sehr scheint sich die Auszieh-Mentalität schon bei einigen Menschen etabliert zu haben.

  9. Melody meint:

    Wir haben eher das Problem, dass unsere Gäste unbedingt den Boden schonen und das Schuhwerk ablegen wollen, während wir das gar nicht erwarten.

  10. mimi meint:

    ein italienischer austauschschüler brachte extra nagelneue hauspantoffel mit: °in österreich sind die so komisch°
    ich schlüpfe gern aus meinen schuhen, je vertrauter die umgebung, desto eher

  11. Sabine meint:

    Ich bin auch für anbehalten, es sei denn, daß wetterbedingt Schnee oder Matsch großflächig verteilt würden. Die mich besuchenden Freunde ziehen aber leider immer ungefragt ihre Schuhe aus und lassen sich durch den Hinweis „bitte lasst die Schuhe an“ auch nicht davon abhalten. *seufz*

  12. Anne meint:

    Wir haben eine Schuhauszieherwohnung, was vor allem am Parkett liegt, das ein bisschen empfindlich ist und der Mann ist da auch ein bisschen empfindlich. Wenn’s nicht komisch wirkt, bitten wir auch Gäste, die Schuhe auszuziehen, das kommt natürlich ein bisschen darauf an.

    Ich lauf aber auch selber gerne ohne Schuhe rum (kann also auch gut passieren, dass ich in fremden Wohnungen in Socken rumlaufe), insofern stört mich das nicht, und die Schuhe stehen alle vor der Tür, weil wir auch gar nicht wüssten, wo wir die in der Wohnung hinstellen sollten.

  13. Chris Kurbjuhn meint:

    Ich wurde durch den Anblick eines an der Wand hängenden Riesenpantoffels voller Gästehausschuhe nachhaltig traumatisiert. Seit diesem Anblick zwinge ich meine Gäste, die Schuhe anzubehalten, notfalls mit vorgehaltener Waffe.

  14. das Miest meint:

    Ich fände es äußerst befremdlich in der Wohnung Schuhe anzuhaben und käme nie und nimmer auf den Gedanken, Gäste in solchen zu begrüßen. Und ja, ich finde es auch normal, in anderen Wohnungen die Schuhe auszuziehen und auf Strümpfen zu gehen, muss aber manchmal angebotene Pantoffeln vehement abwehren.

    Das hat sicher mit Pflege der Böden zu tun, aber auch einfach mit Gemütlichkeit. Und für die Statistik: sozialisiert in eben dieser Form im Westen Deutschlands.

  15. kelef meint:

    hier in österreich ist diese schuhausziehzwang-unsitte auch weit verbreitet. persönlich laufe ich, wenn ich zu hause alleine bin, gerne barfuss oder in socken herum, oder in hausschuhen. wenn ich jemanden lange und gut genug kenne, dann dort auch, wenn ich darf und lange genug dort bleibe. ansonsten bleiben die schuhe an. was überhaupt nicht geht sind diese gästepantoffeln, aus merkwürdigen stoffe und mit schaumgummifutter, in einheitsgrössen. machen sich zu anzug oder einem hübschen kleid besonders, äh, interessant.

    speziell wenn man haustiere hat ist das mit besuch ja so eine sache: ein paar haare nehmen die leute immer mit nach hause. wie kämen die dann auch noch dazu die haare quasi als schutzschicht AUF DEN SOCKEN zu haben? und dann noch ein bröserl katzeklo dazu, wenn es sich ausgeht. und ich bad ja auch den hund nicht nach jedem gassigehen.

    benimmschulungstechnisch geht das so: wohlerzogene gäste haben entsprechendes schuhwerk an den hufen, soll heissen, keine metallabsätze oder sonstwie bodenzerstörerisches. wenn es draussen gatschig/matschig/nass oder was auch immer ist, dann hat der wohlerzogene gast ein paar wohnungskonforme schuhe mit dabei die zur kleidung passen, und die vor dem klingeln vor der tür gewechselt werden. die schmutzigen schuhe/stiefel kommen dann in ein entsprechendes behältnis das unauffällig in der garderobe verschwindet. beim verlassen der gastgeber geht man mit den sauberen schuhen aus der wohnung, und wechselt die fussbekleidung nach der verabschiedung, wiederum vor der tür. für alte und gebrechliche personen oder kinder können insofern ausnahmen gemacht werden, als der schuhwechsel in vorzimmer/diele stattfinden darf um ein niedersetzen zu ermöglichen.

    ist man in einem haus eingeladen, dann wird bei entsprechendem wetter (schneelage, starkregen etc.) der schuhwechsel im vorhaus vollzogen.

    wer mit dem auto anreist, sollte den schuhwechsel schon im auto vollziehen. wer mit dem taxi kommt, hat eigentlich sowieso kein problem. fussabtreter liegen normalerweise vor jeder tür.

    meines wissens gelten diese regeln schon seit ein paar hundert jahren so. die satinschühchen der damen wurden in extra schuhbeutelchen mitgebracht, es gab galoschen um die schuhe entsprechend zu schonen, etc.

    schuhe haben vor der wohnung nichts verloren. das schaut einfach sch… aus, und ein stiegenhaus ist ein stiegenhaus und kein erweiterter schuhschrank.

    wieso ein säugling oder ein kleinkind den gast dazu bringen sollte die schuhe auszuziehen hat sich mir noch nie erschlossen, weil: siehe oben.

    interessanterweise kenne ich das schuhanbehalt-system nach dem obigen muster nicht nur aus der stadt, sondern durchaus auch vom land: kommt man nur schnell vorbei um etwas dringendes zu bereden, bleiben die – meist ja aufwendig verschnürten – schuhe an, und man geht nicht über eine vordefinierte linie, die meist durch entsprechende fleckerlteppiche etc. gekennzeichnet ist, hinaus, sondern bleibt im vorhaus stehen. kommt man auf besuch, hat man entsprechendes schuhwerk an, oder eben extra mit.

    die teppichboden-manie vor einiger zeit hat natürlich ihres dazu beigetragen dass leute auf ihre bodenbeläge aufgepasst haben, heutzutage sind es die kostengünstigen laminate die geschont werden müssen. dazu kommen die besonders bei jugendlichen gerne getragenen sportschuhe, die durch die tiefen profile eine menge rollsplitt in die wohnung bringen können. das würde das mittelschicht-abwärts-phänomen erklären. wer – verzeihen sie mir – geld genug hat der hat auch entsprechende bodenbeläge, die erstens widerstandsfähig und zweitens entsprechend pflegeleicht sind. das sind – und hier laufen genügend tiere und leute mit schuhen an den füssen (oft auch ich) in der wohnung herum – aber grundsätzlich nur ein guter parkett-/stein-/fliesenboden, und ordentliche teppiche. nutzt nix. muss man sich aber auch leisten können.

    „zu besuch“ kommen ist ja auch relativierbar. kommt man nur kurz oder unangemeldet vorbei um etwas zu bringen oder zu holen, geht man ja höflicherweise gar nicht über den vorraum hinaus. ist man angemeldet, hat man sich gefälligst entsprechend zu kleiden.

    ärmere leute wohnten früher meist sehr beengt, da hat sich das leben – speziell in mietshäusern – teilweise überhaupt im treppenhaus abgespielt, weil in den wohnungen zu wenig platz war, und geld für einladungen oder bewirtungen hatte man meist nicht, das problem hat sich also gar nicht wirklich gestellt. betrat man aber eine wohnung, dann stand man oft schon mitten in der küche, die gleichzeitig vorzimmer, wohnzimmer und badezimmer war. viele handwerker hatten arbeitsraum und wohnung nebeneinander oder ineinander übergehend, da ergab sich das schuh-ritual je nach gegebenheiten.

    wenn ich es mir so recht überlege, haben wohl die benimmregeln unabhängig von der gesellschaft eine eigene dynamik entwickelt und sich verselbständigt. erinnert mich an den dicken hals den ich immer bekomme wenn mir ein mann oder ein kind die hand zum gruss entgegenstrecken. wtf? und dann noch beleidigt sein wenn ich die pfote nicht ergreife und jovial schüttle …

    dass in anderen ländern andere sitten herrschen ist klar, aber das erkundet man bevor man in einem dieser länder eine wohnung betritt oder den vorderlauf vor sich hinstreckt und wartet was passiert.

  16. Usul meint:

    Irgendwie ist hier überhaupt noch nie die Möglichkeit angesprochen worden, dass sich Gäste selber Hausschuhe mitbringen? Ist das nur in meinem Umfeld eine Option, die ab und an wahrgenommen wird? Wenn wir bei anderen zu Geburtstagsfeiern fahren, nehmen wir immer im sowieso vorhandenen Tragekorb (Proviant, Geschenk etc.) noch einen Satz Hausschuhe mit. Beim Gastgeber hat man dann maximale Flexibilität: Man kann die mitgebrachten Hausschuhe nutzen, oder wenn gewünscht in den Straßenschuhen bleiben.

    Wir halten es bei uns so, dass Gäste Schuhe anlassen können, aber wir haben auch eine Auswahl Gästepantoffel da. Da wir einige Katzen haben, ist sowieso immer eine kleine Menge „Dreck“ vorhanden, ein paar Katzenstreukrümel, ein paar Haare etc. Vollkommene Sauberkeit ist ein Zustand des Bodens, der ca. 5 Minuten anhält …

    Aber ich kann auch die Fraktion verstehen, die auf ausziehen besteht. Wer kennt es nicht, das herzhafte Knirschen eine 5-Millimeter-Steinchens aus dem Schuhprofil, dass sich unter die Tür geschmuggelt hat und jetzt mit Gewalt durch das Laminat pflügt? Herrlisch…

  17. die Kaltmamsell meint:

    Hm, vielen Dank für all Ihr Material. Noch zeichnet sich aber kein Muster an Herkunft, Gesellschaftsschicht oder Motivation ab.

  18. stattkatze meint:

    Bei solchen Diskussionen muss ich immer sofort an die US-japanische Sitte denken, Katzen ihre Krallen zu ziehen, damit nur der Boden nicht leidet.

    Schuhe sind Teil der Kleidung. Wenn ich zu einem wadenlangen Rock flache Stiefel trage: schön. Wenn ich dazu Socken oder Pantoffeln trage: nicht schön. Für mich hat das also eher etwas mit dem Gesamteindruck zu tun. Nicht mit der Wohnung. Außer, die Wohnung ist sehr klein und man sitzt auf dem Bett zum Kaffeetrinken. Aber dann wäre man vermutlich sowieso eher barfuß.

    Es ist jedenfalls erschreckend, was eine einfache Googlesuche besonders in Frauenforen zu Tage fördert. Sie sollten unbedingt eine Praktikantin auf den Fall ansetzen.

    https://www.google.com/search?aq=f&sourceid=chrome&ie=UTF-8&q=schuhe+ausziehen

  19. stattkatze meint:

    Wieder ich. Ich glaube, an dem hier haben Sie Ihre helle Freude:
    http://www.elitepartner.de/forum/in-fremden-wohnungen-die-schuhe-ausziehen-16163.html

  20. Anne meint:

    Zur Herkunft kann ich nichts sagen, zu einer Gesellschaftsschicht möchte ich mich nicht selber zuordnen.

    Motivation ist in erster Linie eindeutig Schutz des Bodens, geöltes Parkett, wenn da, wie schon mal in einem anderen Kommentar erwähnt wurde, lustige Steinchen in den Sohlen stecken, ist der ziemlich schnell hin. Persönlich ist auch Gemütlichkeit ein Faktor bzw. andere Präferenzen. Ich würde mal behaupten, die Chance, mich barfuß oder mit Hausschuhen im Treppenhaus anzutreffen ist größer als mit Schuhen in der Wohnung. (Im Sommer auch gerne barfuß runter auf den Hof Müll wegbringen.)

    Ich möchte auch nicht die Schuhsohlen meiner Besucher kontrollieren, da ist die einfache Schuhe-Aus-Regel deutlich einfacher. Es gibt sicherlich auch Ausnahmen, wenn’s ein bisschen „offizieller“ ist oder so, aber ehrlich gesagt, sind bei uns hauptsächlich Leute zu Besuch, die wir gut genug kennen, als dass wir uns trauen, sie darum zu bitten.

  21. fragmente meint:

    Am allerschlimmsten finde ich es, die Schuhe bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen ausziehen zu müssen. Es hat etwas demütigendes, lächerliches, im Businessdress in Socken öffentlich rumzustehen. Nacktsein wird hier nicht durch den Grad an Haut definiert, der unbedeckt bleibt, sondern dadurch, was der Rest des Körpers trägt. Barfuß im Sommer, in T-Shirts und Shorts, das ist anders als in Socken und Hosenanzug.

    Zur Weihnachtszeit habe ich einen guten Rat bekommen auf die Frage, wie man rausfinden kann, ob man festlich genug angezogen ist: wenn man Pantoffeln zum festlichen Ensemble anzieht und total bescheuert aussieht, dann ist es festlich genug.
    Daraus leite ich meine These bezüglich der gesellschaftlichen Verteilung des Schuhausziehens ab: in großbürgerlich orientierten Haushalten lässt man die Schuhe an. Zu Anfang des letzten Jahrhunderts wurde sicherlich von Gästen nicht verlangt, Pantoffeln beim Festmahl zu tragen, auch die Dichter in den Salons durften wohl ihr Schuhwerk anbehalten. Die Notwendigkeit des Schuhausziehens war nicht gegeben: der Salon oder das großbürgerliche Wohnzimmer sind beinahe öffentliche Räume, dazu geschaffen, Besuch zu empfangen, und von den privaten Räumen abgetrennt. Wer hingegen wenig Geld hatte, der hatte auch wenig Raum, und das quasi-öffentliche Leben spielte sich wie von Frau Kelef beschrieben im Stiegenhaus ab, während die Wohnung wirklich privat war.
    Auf eine gewisse Weise ist also das Schuhausziehen Abbild davon, wie privat die Beziehung zwischen Gast und Gastgeber ist. Vielleicht stammt daher auch die Abneigung von Liebenden, beim Sex die Socken anzubehalten – das kann man erst wieder machen, wenn man sich des anderen vollkommen sicher ist.

    Ich für meinem Teil muß beim Schuhe ausziehen am Flughafen immer an „Gespräch mit meinen Pantoffeln“ von Hilde Domin denken, in denen die einsamen Pantoffeln vor Angst zittern, ihr Besitzer könnte in das „schuh- und kleiderlose Land“ gegangen sein. Nackt kommen wir auf diese Welt, nackt gehen wir von ihr. Aber noch nicht jetzt, denke ich mir dann, und ziehe die Schuhe wieder an.

  22. Frau Zeitlos meint:

    Straßenschuhe in der Wohnung zu tragen wirkt auf mich immer irgendwie fernsehmäßig. Ich trage zuhause manchmal Pantoffeln oder meistens nur meine Socken (Als Kind sollte ich wegen einer Fußfehlstellung viel barfuß laufen. Das hat sich gehalten). Der Mann macht das meist genauso.

    Das Besuchsverhalten ist vielleicht auch eine Generationenfrage: Wenn Gäste in unserem Alter kommen, ziehen die meistens von alleine sofort in der Diele ihre Schuhe aus. Unaufgefordert. Ich würde nie einen Besucher darum bitten, freue mich aber sehr, wenn mir kein Dreck durch die frischgeputzte Bude getragen wird. Meine Eltern oder andere Verwandtschaft lässt die Schuhe an.

    Wenn ich bei anderen Gleichaltrigen zu Besuch bin, ziehe ich häufig auch die Schuhe direkt im Flur aus, oder frage nach. Besuche ich ältere Verwandschaft, bleiben die Schuhe an – aus Gewohnheit irgendwie.

  23. AnkeD meint:

    Ruhrie, Arbeiterkind, Schuhe ausziehen finde ich total daneben, wenn ich es machen muß, fühle ich mich als störender Fremdkörper, würde es niemals von meinen Besuchern erwarten/fordern.

  24. Kommentator meint:

    Schuhe ziehe ich zuhause aus, das ist schlicht bequem und mein Zuhause-Gefühl (wie die Schlabberklamotten am lotterlebigen Sonntag) – ich bin es so von Kindesbeinen an gewohnt und fühle mich so pudelwohl, und ich mag es auch, den Boden beim Laufen zu spüren. Im Sommer laufe ich zuhause ohne Socken barfuß, auch auf dem Balkon. Hausschuhe sind albern und und häßlich und stören beim Gehen – unnatürliches Gefühl, gibt es bei mir nicht. (Höchstens dicke Socken im Winter, wenn Gäste sehr „fußkalt“ sind – meine Wohnung ist mit sehr angenehmen Holzfußböden und in Bad und Küche mit fußwarmen Belägen ausgestattet.)
    Im Büro trägt man immer Schuhe, das liegt aber auch schlicht an der ungleich größeren Zahl von Menschen, die dauernd rein und raus laufen und an den eigenen weiten Wegen in und auch zwischen den Gebäuden auf dem Firmengelände – barfuß wäre nicht nur nicht sozialadäquat, sondern auch zu gefährlich (Unfallgefahr) und zu dreckig.
    Meine lieben Gäste bei mir zuhause ziehen die Schuhe aus, die fühlen sich so auch wohl, da ist keiner, den das stört oder wundert – das passt einfach.
    Wenn ein Servicetechniker oder ein Hausmeister oder so zuhause mal reinkommen müssen, ist deren Schuhwerk kein Problem, da halte ich das Ausziehen gerade bei kurzen Einsätzen nicht für den Aufwand wert. Die Schuhe müssen halt ordentlich abgeputzt werden vor dem Betreten, und danach muss ich halt manchmal putzen.
    Sozialisiert wurde ich so (die ganze Familie handhabt das so) im westdeutschen Kapitalismus der 60er und 70er Jahre.
    Manchmal gibt es kein klares Bild, Frau Kaltmamsell – jede Jeck is anders.

  25. Nina meint:

    Sie wohnen wohl alle nicht in Berlin.
    Hier ist das Schuheausziehen beim Betreten der eigenen wie fremder Wohnungen keine Frage der Höflichkeit, sondern, aufgrund der flächendeckenden Verunreinigung der Straßen mit Hundekot und menschlichem Schleimauswurf, Notwendigkeit.
    Einzige Ausnahme: große, sehr große Partys, wo sich am nächsten Morgen sowieso niemand mehr erinnern kann, wer nun die Schuhe oder was-auch-immer ausgezogen hat.

  26. percanta meint:

    Ich selbst bin Schuhauszieherin: mache das bei mir zu Hause immer und bei anderen Leuten je nach deren Einstellungen und Anlass und auch ein bisschen nach meiner Kleidung… Stiefel zum Rock behalte ich gerne an, weil ich auch nicht in Perlons rumlaufen will, die Pumps zum Kleid ebenfalls – finde ich bei einem „gesetzten Abendessen“ aber auch eher normal. Kindergeburtstag eher ohne. Und dazwischen nach Gefühl und Aufforderung, mit Tendenz zum Ausziehen.
    Was die anderen bei mir machen, ist im Prinzip ihre Sache. Als das Kind noch ganz klein war, haben sie eh von sich aus die Schuhe ausgezogen, und wenn sie heute fragen, sage ich, dass sie es machen dürfen, wie sie wollen. Für Gäste habe ich aber keine Gäste-Puschen.
    In meiner Kindheit mussten wir die Schuhe ausziehen, wollten das aber auch. Schuhe waren ja unbequem und nicht zum Rumlanern geeignet.
    Mit 8 wollte ich nach der Besichtigung des Schlosses in Kopenhagen einen der dänischen Prinzen heiraten. Denn ich wollte auch ein Haus haben, wo man immer mit riesigen Museumspuschen herumschlittern kann. (Hat aber nicht geklappt mit den Dänen.)

  27. percanta meint:

    PS: Was ich nicht mag, ist Puschenzwang in fremden Wohnungen.

  28. walküre meint:

    Unterschied offizielle Einladung – privates Festl:

    Bei einer Feier mit schriftlicher Einladung, Tischordnung und dergleichen erwarte ich nicht, die Schuhe ausziehen zu müssen, nehme allerdings bei der Wahl meines Schuhwerks ganz sicher Rücksicht auf Eventualitäten, auch wenn ich die Räumlichkeiten noch nie zuvor betreten habe, indem ich Schuhwerk trage, das weder Löcher in Parkettböden hinterlässt (Stilettos !) noch schwarze Streifen auf hellem Untergrund, die sich nur mittels chemischer Tricks – wenn überhaupt – wieder entfernen lassen. Das ist für mich Respekt vor den Gastgebern.
    Bei einem privaten Fest kenne ich meist ohnehin die Gegebenheiten und wähle natürlich auch hier mein Schuhwerk entsprechend aus (siehe oben); hier geht es auch mir so, dass das Ausziehen der Straßenschuhe, falls gewünscht, für mich in etwa die Bedeutung von „mi casa es su casa“ hat. Wenn nicht, macht mir das auch nichts aus; ich kenne solche und solche Haushalte.

    btw: Bei Sommerschuhen und trockenem Wetter stellt sich die Frage nicht recht, bei winterlichem Gatsch und bei Regen freue ich mich, wenn es meine Gäste halten wie ich selber: Im Flur mitgebrachtes leichteres und sauberes Schuhwerk anziehen. Abgesehen von der unausweichlichen Verschmutzung der Wohnräume: Ich selber möchte nicht stundenlang in beheizten Räumlichkeiten in Winterstiefeln oder anderem schweren Schuhwerk vor mich hinschmoren, und solches erwarte ich auch nicht von meinen Gästen.

  29. Anke meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  30. Kelly meint:

    Merkwürdige Parallelwelten. Ich kenne niemanden, bei dem ich meine Schuhe ausziehen müsste. Und käme nie auf die Idee, wenn ich Besuch bekomme, dass dieser seine Schuhe ausziehen oder ich meine Hausschuhe nicht tragen sollte.

  31. Viktoria meint:

    Meine Wohnung ist mein persönlicher Rückzugsort, den nur meine Eltern und ganz wenige ausgewählte Freunde betreten. Mit allen anderen treffe ich mich aushäusig in Restaurants oder Cafés.

    Daher ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, meine Schuhe vor der Wohnungstür auf der Fußmatte auszuziehen und die Schuhe in der Wohnung wegzuräumen. Dasselbe erwarte ich auch von meinen wenigen Hausgästen. Straßendreck hat in meiner Wohnung einfach nichts verloren.

    Da ich den Menschen, die ich in mein Zuhause einlade, sehr nahestehe, sind die Besuchsanlässe immer sehr persönlich und die Gäste fühlen sich bei mir zu Hause. Ähnlich wie ich kämen sie niemals darauf, in ihren eigenen Wohnungen Straßenschuhe zu tragen, also tun sie es auch bei mir nicht. Sie bringen Hausschuhe oder dicke Socken mit, und so halte ich es auch, wenn ich sie besuche.

    Für mich hat das mit Respekt vor den Gewohnheiten anderer und deren Privatsphäre zu tun. Besuche in anderen Wohnungen setzten ein Eindringen in die persönlichsten Räume voraus – und da gelten für mich die dortigen Regeln. Wenn mich jemand in seinen Privatbereich bittet, ist es deshalb selbstverständlich, diese Regeln zu achten und ich erwarte das umgekehrt ebenso.

  32. percanta meint:

    Zur Herkunftsthese: Historisch schlüssig, doch sind wir heute nicht alle multiethnisch und vielschichtig…? Und bei den Mitgliedern meiner verschiedenen Familien beobachte ich herkunftsunabhängig ein ähnliches, dem meinen vergleichbares Schuhausziehverhalten. Die Adeligen wie die Arbeiter. Nur in einem Haus, einem besonders wohlhabenden Bürgerhaus, werden eher Schuhe anbehalten, auch von den Bewohnern – allerdings sind die ja immer, wenn ich da bin, auch Gastgeber und halten es in dem Moment vielleicht wie Sie, haben aber allein daheim doch auch Socken oder – das würde ich eher denken in diesem Fall – ein dezentes Paar guter Hausschuhe an. Man fühlt sich in Socken deplatziert, allerdings fühle mich in diesem picobello sauberen Haushalt auch immer wie ein verlumpter Straßenköter und gucke bei jedem Schritt in meinen aber-doch-bitte-anbehalten-Schuhen ängstlich, ob ich nicht doch schmutze.

  33. madove meint:

    Als jemand, die vor einiger Zeit mehrere Sommerhalbjahre komplett ohne Schuhe verlebt hat, kann ich zu der Ethnologiehausarbeit sicher ein paar interessante Sonderfälle beitragen.
    In Anbehalterwohnungen ergeben sich keine drastischen Unterschiede, aber die Schuhauszieherwohnungen lassen sich nochmal unterteilen in solche, in denen „Strassenfüsse“ kein Problem sind; solche, die einem mehr oder weniger subtil Waschgelegenheiten anbieten, ehe sie einen auf den hellbeigen Teppich lassen und solchen wie der Mutter meines ersten Freundes, die mir, obwohl ich barfuß angereist war, immer Hausschuhe aufzwang, weil sie Angst hatte, ich würde mir auf den Fliesen den Tod holen. Des weiteren kann es einem zumindest in französischen Supermärkten und Museen passieren, daß man Schuhe anziehen muß, um sie betreten zu dürfen.

  34. Nicole von Horst meint:

    Vielleicht dann und wann eine Frage von Erfahrung/Gewöhnung eher als (familiärer) Herkunft. Seit meinem Austauschjahr in Schweden (der Schnee, die dreckige Nässe, sehr unhöflich mit Straßenschuhen im Wohnzimmer zu stehen) ziehe ich mir immer die Schuhe an der Tür aus. Meine Mutter sagt seitdem bei Besuchen häufig, dass ich die Schuhe nicht ausziehen müsse. Es passiert einfach. (Und tu ichs nicht, fühlt sich das falsch an. Gut gelernt. Hmpf.)

  35. iv meint:

    In Privatwohnungen finde ich den Schuhausziehzwang meistens irgendwie peinlich, vor allem wenn er mit Pantoffelzwang verbunden ist – das mag daran liegen, dass mir das als unkultiviertem Arbeiterkind meistens in Lehrerhaushalten begegnet ist.
    (Akzeptabel ist der Pantoffelzwang m.E. nur in diesem, konservatorisch erforderlichen Zusammenhang: http://archiv.ammannundsiebrecht.com/idetail/c3Y9dG91cmlzdGVuJmNwPTEmbWlkPTcxNjA4JmFkZGxpZ2h0Yj03MTYyMCY=
    Da darf man die eigenen Schuhe aber auch anbehalten. Dass dann die Rokokofreunde in surrealen Riesenpuschen herumrutschen, ergibt einen wunderbar surrealen Touch.)

  36. Sabine meint:

    Wie würde man das ganze in einem „Reisegast in Deutschland“-Buch erklären?

    Ich finde Hausschuhe generell grässlich und mag weder Leute, die ihre eigenen mitbringen, noch die, die ihren Gästen müffelnde Filzlatschen aufnötigen. Selbst ziehe ich Schuhe bei anderen aus, frage aber meistens, ob ich das tun soll. Bei Einladungen würde ich es als finsteren Fauxpas empfinden, die Gäste ums Schuheausziehen zu bitten, im Alltag ist es mir aber ganz recht, wenn sie das tun, da man bei uns buchstäblich mit der Tür ins Haus fällt. Kinder ziehen ihre Schuhe bitte gefälligst aus. Ausländer würde ich NIE darum bitten, das würde ich als ungastlich empfinden.

    Und warum ist es spießig, wenn man in Deutschland seine Schuhe auszieht, aber irgendwie elegant, wenn man es in Japan tut?

    Sozialisierung: bildungsstolzes Kleinbildungsbürgertum.

  37. maz meint:

    Vater nahm meinen Bruder und mich, als wir noch klein waren, mal zu seinem Versicherungsvertreter (der, ein Deutscher war und wie ich es später fesstellte, Türken sehr gern über den Tisch zog) mit. Mein Bruder und ich hatten zuvor im Matsch gespielt und da Vater nicht unbedingt so rücksichtsvoll war, wie meine Mutter es wohl gewesen wäre, wäre sie mitgekommen, machte er keine Anstalten, als der Versicherungsmann uns in sein -aus unserer Sicht und vor allem im Vergleich zu unserer armseligen Wohnung- luxuriös eingerichtetes Haus (Klinker-Bungalow war damals für uns Türken so unerreichbar wie jetzt die Jungfräulickeit für Pamela Anderson, die Ehrlichkeit für Herrn Wulff und der Doktortitel für Herrn Guttenberg zusammen) hereinbat, uns die dreckigen Schuhe ausziehen zu lassen (habe ich gesagt, dass ich den liebevollsten Vater der Welt habe, der uns überall mitnahm, sich sehr um uns kümmerte, wenn er von der Arbeit, oft Doppelschichten, kam?). Die Versicherungsmann-Familie hatte einen strahlend weißen Langflorteppich (heißt es so?) im Wohnzimmer. Mein Bruder und ich lachen uns immer noch tot darüber, wie der Teppich damals nach unserem Besuch aussah.
    Heute finde ich es immer lustig, wie die Schwiegermutter meiner Schwester, eine Notaregattin, noch dazu von einer alteingesessenen Familie, abkackt, wenn sie mal einen Höflickeitsbesuch zu Einem der Bayrams bei meinen Eltern abstattet und dort (nein, nicht von meiner Mutter, sie wäre viel zu einfühlsam dazu, sondern von ihrer äußerst dominanten Schwiegertochter) darauf aufmerksam gemacht wird, die Schuhe auszuziehen, wie es halt bei uns so üblich ist.

  38. Angelika meint:

    Also bei mir und vielen anderen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis wurde das Schuhe ausziehen 1986 nach der Tschernobyl-Katastrophe eingeführt! Wir waren entweder zu dem Zeitpunkt schwanger oder hatten schon Kleinkinder und es wurde damals dringend geraten mit den Schuhen nicht in die wohnungen zu gehen, da Kinder ja auf dem Boden rumkrabbeln! Ausserdem fand ich es so lange die kinder klein waren auch aus anderen Hygienegründen (Berlin und seine Hundehaufen und die in die Gegend rotzenden Männer) besser. Heute muss keiner mehr die Schuhe ausziehen, aber wir alle tun es wie selbstverständlich wenn wir uns untereinander nur einfach so besuchen. Bei festlichen Anlässen oder so bleiben die Schuhe an!
    Angelika

  39. die Kaltmamsell meint:

    Es wird tatsächlich immer interessanter, liebe Damen und Herren, es scheint wirklich die von Kelly so benannten Parallelwelten zu geben, berührungslos. Mittlerweile frage ich mich, ob die Herkunft aus verschiedenen solchen zum Beispiel in Partnerschaften zu größeren Differenzen führen kann als unterschiedlicher religiöser Hintergrund.
    Eine Erklärung scheint mir allerdings ferner denn je.

  40. Frau Eff meint:

    Ja, das mit den Parallelwelten kann ich nur bestätigen – und vielleicht auch ein bisschen ergänzen:
    Irgendwie geht es ja bei der Schuhausziehfrage nicht um die Schuhe, sondern um den „Dreck“, den die Besucher an den Schuhen haben (könnten). Wer seine Wohnung so einrichtet, dass das stört + ekelt, was bei normalem, trockenem Wetter an den Straßenschuhen haften bleibt, der hat wohl eine komplett andere Idee von „Wohnung“ als ich. Ich käme auch nie auf die Idee, Parkettboden zu ölen, statt zu versiegeln (ich empfehle dafür immer soliden Schiffslack, super Sache). Ich benutzte auch keine Tischdecke, um den Holztisch zu schonen. Ich blättere auch Bildbände nicht mit Handschuhen durch (gibt es alles). Weil: Ich finde es grundsätzlich schön, wenn Dinge benutzt werden und wenn man das auch sieht. Das gilt auch für Bodenbeläge. Übrigens auch für mein Auto.

  41. Indica meint:

    Berliner Wohnung, West: Schuhe aus, weil mitten in Hundekackgegend (Park vor der Tür!) und heller Teppich in Bereichen. Aber nie, nie, nie bei Feiern oder so. Bei vertrautem Freundesbesuch, na sicher, Schuhe aus und die liebste Freundin rauf aufs Sofa, in Socken.

    Ost-WG: Schuhe an. In allen Gemeinschaftsbereichen. Mit glattem Boden und Putzfee auch kein Problem. Aber in meinem Zimmer lauf ich gern barfuss, deshalb Schlappen an, Straßenschuhe aus. Übrigens auch Park vor der Tür, aber gefühlt weniger Hunde und Tretminen. Feldstudie bei den 4 Mitbewohnern lässt keine Tendenzen erkennen, ob eher mit oder ohne.

    Allerdings habe ich als Besuch im Osten auch das Fürchten gelernt – vor ungeplantem Entblößenmüssen angelöcherter Zehenbereiche in den Socken. Wenn ich hier im wilden Osten wo eingeladen bin, achte ich peinlich auf präsentationsfähige Strümpfe.

  42. Elke meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Made my day

    *******************************************************

  43. Tane meint:

    Im Feedreader gestern vorm Einschlafen gelesen. Im Traum darauf geschah, dass ich zusammen mit den lebendigen Bestandteilen meiner Familie mütterlicherseits (Mutter, Großmutter) mit dem Ziel der Nachmiete auf Wohnungsbesichtigung in Ihrem Domizil auftauchte. Wir zogen ungefragt unsere Schuhe aus. Mutter und Großmutter inspizierten Wohnung und Ihr 16plattiges Cerankochfeld, für das eigens ein extra Raum exisiterte. Ich benahm mich daneben und statt Twitter öffnete mein Smartphone ein Western-Spiel (‚Marschall‘), das sich nicht mehr ausschalten lies und nunmehr lautstark die Partizipianten beschallte. Sie hassten uns alle. Ich konnte es so gut verstehen.

    Was das Schuhe ausziehen angeht: ich finde Großstadt-Dreck in der Wohnung eklig und gehöre somit zur spaß- und risikobefreiten Fraktion.

  44. Ulla meint:

    Privat und allein immer Schuhe aus. Familie zu Besuch auch, ggf. bringen sie Hausschuh mit.
    Gute Freunde tun das ebenfalls und wir bei ihnen (Hausschuh im Gepäck). Sind es offiziellere Anlässe, zwänge ich mich auch in der Wohnung in Straßenschuhe und nötige niemanden die Schuhe auszuziehen.
    Bei Dreckwetter bieten das Schuheausziehen die Besucher oft auch selber an und bekommen nicht müffelden Filzpantoffeln (da wenig gebraucht)!

  45. lihabiboun meint:

    oh liebe Kaltmamsell, da haben Sie aber mal wieder ins Schwarze getroffen mit dem Thema (erinnert mich an die Einkaufszettel Diskussion). Also: wenn man erlebt hat, wie Damen mit Highheels den Linoleumboden zerlöchern, dann denkt man schon deutlich über „Schuhe aus“ nach. Kommt immer drauf an. Aber bitte nicht vor der Wohnungstür stapeln (das erinnert mich dann gleich wieder an die nach-Tschernobyl Zeit).

  46. Rochus meint:

    Auf Deutschland (West) bezogen scheint es mir schon durchaus ein schichtspezifisches Phänomen zu sein (gewachsene Gebräuche anderer Länder / Kulturen mal außenvor gelassen). Selbst gewohnt, in den eigenen Wohnräumen bevorzugt (Leder-)Hausschuhe zu tragen, führte diese Gewohnheit gelegentlich bei Abkömmlingen „besserer“ Schichten (vermögendes Großbürgertum – soweit Vermögen noch vorhanden – und Adel – zwei/drei Beispiele von Grafen sind mir erinnerlich) zu leichtem Stirnrunzeln. In diesen „Schichten“ scheint es verbreitet so zu sein (oder schien es zumindest im letzten Jahrtausend noch), auf keinen Fall etwas anderes als Schuhe zu tragen – und seien es ausgetretene Sportschuhe. Hausschuhe in welcher Form auch immer waren in diesen Fällen ganz inakzeptabel (weil vermutlich zu kleinbürgerlich). Die Gewohnheit blieb übrigens anscheinend auch dann erhalten, wenn es kein Personal mehr gab, das unentwegt den Boden wischt …

  47. dyfa meint:

    Bei uns steht aus nachvollziehbaren Gründen das Schuhregal im Eingangsbereich und Gäste beginnen wie selbstverständlich sich das Schuhwerk von den Füssen zu zerren, auch wenn ich die fehlende Notwendigkeit dieser Aktion explizit hinweise.Inzwischen liegen auch ein paar Gästepantoffeln bereit, weil die Leute dann doch recht flott merken, dass der Boden einigermassen kalt ist. ;-)

  48. Anna Sprosse meint:

    Wenn ich ehrlich sein soll: ich finde es total unangenehm, wenn jemand seine Schuhe anbehält in meiner Wohnung. Und ich bin auch diejenige, die die Gäste liebenswert darauf hinweist, dass die Schuhe doch bitte am Eingang auszuziehen sind. Schande über mich.
    Aaaaaber wahrscheinlich liegt das einfach daran, dass man hier in Schweden immer und überall die Schuhe auszieht, in der Arztpraxis, Schule, etc., oder so komische, blaue Plastiktüten überzieht. Abgesehen davon ist es mit kriechendem Kleinkind auch angenehmer, wenn die Schuhe, somit auch der Schmutz von der Straße, draussen bleiben.
    Hups, jetzt hab ich mich geoutet und ducke mich lieber schon mal vorsorglich.

  49. Tanja meint:

    Interessantes Thema – und bei uns relativ simpel geregelt. Da im Wohnungsflur kein Platz ist stehen sowohl Schuhschrank als auch offenes Regal für Schuhe im Hausflur. In einem 2-Familien-Haus auch kein Thema.
    Für uns selbst ist es völlig selbstverständlich, die Schuhe vor der Türe zu lassen. Bei festlicheren Anlässen ziehen wir durchaus Straßenschuhe an, achten dabei aber darauf dass die Sohlen sauber sind.
    Und unser Besuch darf das nach Lust und Laune machen wie er möchte. Standardantwort wenn sich jemand nicht schlüssig ist: „Würdest du die Schuhe in Deiner Wohnung ohne Bedenken anlassen?“

  50. Jörg meint:

    Meine Gäste behalten ihre Schuhe an, ich selbst ziehe sie zuhause aus und behalte sie bei anderen Leuten an.
    Alles ohne nachzudenken.

  51. kid37 meint:

    Meine Besucher dürfen im Grunde ausziehen, was sie wollen. Zwang gibt es da nicht, und so behalten die meisten ihre Schuhe und den Rest sinnvollerweise auch an. Einzig im Winter, wenn alle mit eis- und schneeverklumpten Klotschen unterwegs sind, legt man die gemeinhin der Höflichkeit halber ab. Umgekehrt ist das ähnlich: Zwanghafte Parkettschoner besuche ich nicht so gerne, da muß man meist auch ein altes Handtuch unterlegen, ehe man sich aufs Sofa setzen darf. Kinder wiederum sollten dort die Schuhe ruhig ausziehen. Auf Socken kann man einfach viel besser durch die Diele fitschen.

  52. die Kaltmamsell meint:

    Es bleibt anregend – eben weil es vermutlich bei beiden Seiten „alles ohne nachzudenken“, Jörg, geschieht. Vielleicht sollte ich ein weiteres Detail anmerken, dass das Schuhanbehalten erst ermöglicht: Matten vor der Wohnungstür. Denn selbstverständlich streife ich darauf meine Schuhe gründlich ab, bevor ich eine Wohnung betrete, und erwarte das auch von anderen.

  53. DasSan meint:

    Meiner Erfahrung nach sind auch zwei Arten Schuhauszieher zu unterscheiden: Vor-der-Tür-Auszieher und In-der-Wohnung-Auszieher.
    Ich selbst bin vollständig unter Schuhausziehern sozialisiert, habe mich aber zumindest zum In-der-Wohnung-Ausziehen vorgearbeitet. Es würde sich für mich befremdlich anfühlen, in meiner oder einer anderen Wohnung die ganze Zeit in Straßenschuhen rumzulaufen.
    Offenbar gibt es da auch regionale Unterschiede. Da wo ich mich normalerweise bewege (Mitteldeutschland) scheint das Ausziehen der Schuhe nämlich flächendeckend üblich zu sein.

  54. Ann meint:

    Ich lebe in Finnland und hier wird ausgezogen, immer.

    Im Winter auch auf der Arbeit. Keine Schmutz, Matsch in der Wohnung/Arbeit/Schule.

    Und dann, dann wird wieder angezogen, nämlich die Schuhe, die sauber sind, die man mitgenommen hat zu der Feier oder zur Arbeit. Ich arbeite in einem Buero mit 25 Kollegen. Die Frauen haben alle mindestens ein paar Schuhe unter ihrem Schreibtisch zu stehen. Einige der Männer tragen Pantoffeln. Wer weder Pantoffeln noch Bueroschuhe trägt, läuft in dicken Wollsocken herum. Zuerst sah das etwas lustig aus, jetzt ist es durchaus normal in ein Meeting zu gehen und in Socken eine Präsentation abzuhalten. Kürzlich ist mir aufgefallen, dass sogar viele finnische Passagiere auf Finnairfluegen auch ihre Schuhe ausziehen.

    In Schweden, so erzählt man sich, soll es ähnlich sein.

  55. montez meint:

    Es ist wenig die Rede davon, dass es auch ein paar ländliche Notwendigkeiten in dieser Frage gibt. Ich lebe in der Stadt (in der Mitte von Kreuzberg) und auf dem Land (in der Mitte von nichts). Wenn also ich und/oder mein Besuch am Bodensee von einem schlammdurchtränkten Waldspaziergang zurückkehre(n), oder aus dem Pferdestall oder schlicht von der Gartenarbeit, wie könnte ich diese verschlammten stinkenden Botten an den Füssen lassen? Im eigenen Haus laufe ich mit Vergnügen auf Socken (auch aus Kindheitsbarfussgründen und wie Ulla), Besuch behält die Schuhe an, wenn er mit dem Auto vorgefahren ist (siehe oben) oder wenn es draussen trocken ist, ansonsten bekommt er ein paar zusätzliche Wollsocken wenn er will. Mit meinen sauberen Ausgehschuhen lauf ich zuhause rum, bis ich keine Lust mehr hab. Woanders verfahre ich auf dem Land genauso.

    In der Stadt werden trotz urbaner Verunreinigungen die Schuhe anbehalten. Zum Ablegen gezwungen werden finde ich befremdlich, ich hab‘ auch Holzboden. Wenn ich allerdings bei guten Freunden zum Tatort auf dem Sofa lümmle, natürlich ohne Schuhe, andersrum ist das genauso. Das ist aber schon fast was Intimes.

  56. Sebastian meint:

    Studie brauchts jetzt wohl keine mehr. Und nachdenken tue ich darüber. erstmals. Also ich: Komme aus großbürgerlichem Haushalt, der oft umzog, sodass die Gewohnheitenbei uns wechselten,Gäste aber immer mit Schuh.

    3Jahre Australien (davon wohl 2 barfuß) und mehrere Japanbesuche (wo ich wohl früher auch mal gelebt habe) haben mich zum Schuhauszieher gemacht, Abstreifen des Alltags und Eintreten in meinen inneren Bereich. Daher ist es für mich auch eine intime Sache, die ich von Gästen nicht verlange – wenn ich einlade, trage ich auch Schuhe. Vielleicht ist das ja sogar ein Distanzsignal, nur im engen Kreis sind wir strumpsockert.

    Bin ich eingeladen, möchte ich am liebsten selbst entscheiden, achte dabei aber drauf wie es Gastgeber und Gäste halten. Gemischt finde ich schlimm, ist wie Fußball barfuß und mit Stollen. Oft ziehe ich die Schuhe aus (der Japaner in mir) und finde es unhöflich, wenn jemand da ein Aufsehen draus macht

  57. Regenbogenkaktus meint:

    Also ich (in Österreich beheimatet) handhabe das so:
    Als Gast ziehe ich eigentlich immer die Schuhe aus, da ich meistens nur bei Leuten zu Gast bin, bei denen man sich gemütlich auf die Couch lümmeln kann, oder sich bei Tisch auch mal auf einen Fuß setzen kann (hab eigentlich nur ich diese Angewohnheit?).
    Als Gastgeberin überlasse ich es meinen Gästen. Gästeschlapfen gibt es bei mir, aber es bleibt jedem selbst überlassen, ob er diese benutzen möchte. Da ich nicht gerade die Ordnungsqueen schlechthin bin, kann man bei mir durchaus auch mal hören: „Lass die Schuhe an, sonst werden deine Socken dreckig!“

  58. Sebastian meint:

    Männo Smartie, war doch noch gar nicht fertig. Also:

    In vertrautem Feld ziehe ich gern aus, bei Fremden ist es erst mal unangenehm. Kann aber auch annähern, wenn es passt. Wenn nicht so, wirds so nicht besser.

    Possierliche Fuß(!)note: In Australien trifft ma viele auch barfuß auf der Straße oder im Supermarkt (mir unangenehm), aber im trägt man Straßenschuh bis an den Beckenrand (sehr unangenehm).

    Toll, was für ein Thema das sein kann.

  59. Till meint:

    In konsequent bildungs- bzw. großbürgerlichem Umfeld in norddeutschen, französischen und englischen Städten großgeworden, war mir die Sitte des ‚Schuheausziehens‘ bis zum Umzug aufs südbayerische Land gänzlich unbekannt. Hier ist diese weit verbreitet – die Kinder in der Volksschule werden in Pantoffeln gezwungen, der freundliche Finanzbeamte trägt Birkenstock bei der Arbeit. Zufällige Gäste muß ich häufig mit dem Hinweis auf unsere Hunde, welche ihre Schuhe ja auch nicht auszögen, von der Sockenschau abhalten. Gewünschte Gäste kämen nicht auf die Idee. Dreck wird völlig überschätzt: Gerade Kleinkinder sollten die Fransen vom Teppich fressen, um ihr Immunsystem vernünftig zu beschäftigen. Und wenn der Boden irgendwann nicht mehr den Ansprüchen genügt, wird er eben abgeschliffen.Teppiche bekommen Patina. Ich besitze keine Hausschuhe. Um Ihre sozio-geographische Frage zu beantworten: Kleinbürgertum und Süddeutschland zieht aus.

  60. montez meint:

    Nix da. Nirgends im badischen Teil meiner weitverzweigten Familie werden Schuhe ausgezogen, an denen nicht kiloweisse Pferdemist oder sonstwas Grossflächiges klebt. Ich kenne das aus meiner Kindheit von zugezogenen norddeutschen Familien (d.h. alles über FfM). Auch die Puschen. Wie schon das Wort sagt. Vielleicht Bayern?

  61. Sebastian meint:

    im Hallenbad

  62. katha meint:

    kann noch ein sozialisierungstechnisch interessantes beispiel nennen: zuhause 1 (kindheit bis 9): schuhe immer aus, alle. zuhause 2 (ab 9 bis 19): schuhe immer an (ich nie, mochte ich nicht), gäste durften nur unter großem protest ausziehen. zuhause 3-8 (meine wohnungen, seit ich ausgezogen bin): bei schlechtwetter ziehen alle aus, bis auf mama (die nur unter protest auszieht), bei schönwetter wird nach laune, tagesverfassung der gäste und sauberkeitszustand der wohnung entschieden. ich selbst ziehe, wenn ich zu gast bin, gerne die schuhe aus, wenn es schlapfen gibt. wenn nicht, nur im sommer. wenn’s sehr dreckig in der gastgeber/innenwohnung ist, bleibe ich lieber in den schuhen, obwohl ich, wenn’s gemütlich ist, die schuhe nicht gerne anhabe. im sommer wiederum zuhause gerne ohne schlapfen ohne schuhe, d. h. barfuß, auch, wenn ich eingeladen bin, was wiederum selbst bei manchen, die einen zum schuhe ausziehen nötigen, befremdlich wirkt, die sandalen fast noch lieber sehen als nackte füße. conclusio: kein system, alles im schuhschlapfenf(l)uss.

  63. philine meint:

    Was für ein Thema! Schuheausziehen bei Freunden oder zu Besuch woanders ist ein absolutes No Go! Wenn ich alleine zuhause bin: Socken, wenn Gäste kommen Schuhe an.
    Im Winter bitte ich die Gäste sich andere Schuhe zum wechseln mit zunehmen, damit ich den Matsch nicht auf dem Parkett habe.
    Es ist ein gesellschaftliches Tabu, zumindest in europäischen Kreisen, von Gästen zu verlangen, etwa mit Seidenstrumpfhosen auf einem Parkettfussboden zu laufen und sich noch im Laufe des Abends eine heftige Laufmasche einzufangen. Auch möchte ich nicht, dass meine Gäste ihre Pantoffeln mitbringen.
    Ein Besuch bei Eduard Meier – Residenzstrasse – lohnt sich, um sich wunderschöne „Hausschuhe“ anzusehen, kaufen wird schwierig sein, da sie sündhaft teuer sind.

    Ich war bei einer Wohnungseinweihungsparty bei einem Nachbarn von mir eingelladen, der von mir verlangte, dass ich die Schuhe ausziehe. Die Party fand ohne mich statt.

  64. mct meint:

    Straßenschuh (lt. Duden): zum Gehen auf der Straße geeigneter Schuh
    Hausschuh (lt. Duden) : bequemer, leichter Schuh, der nur im Haus getragen wird
    Da ich nicht auf einem Marktplatz oder Bahnhof wohne, erwarte ich von meinen Gästen bei betreten meiner Wohnung, daß Sie ihre Straßenschuhe ausziehen (wie ich es als Besuch selbstverständlich auch mache). Für mich ist es ein Zeichen der Höflichkeit und des Respekts. Und bequemer ohne Schuhe ist es allemal.
    Mich würde interessieren wie Orthopäden darüber denken.

  65. anna meint:

    ich lebe inzwischen in italien, wo schuhe ausziehen etwas sehr seltenes ist. auch mein mann trägt viel in der wohnung straßenschuhe – das finde ich nun wirklich befremdlich (die armen füße!!). ich habe ihn jetzt nach jahren dazu bewegen können, mit mir zumindest drüber zu reden und – siehe da – es liegt an dem nicht praktischen hausschu. wir haben inzwischen eine annehmbare lösung gefunden. gäste können tun und lassen was sie wollen. da wir auf dem lande leben, gibt es oftmals sehr verdreckte schuhe, wollen die ausgezogen werden, haben wir pantoffeln in allen größen da. als unser kind noch klein rutschte, war es ein grund öfter sauberzumachen aber nicht, leute aus ihren schuhen zu nötigen. ich ziehe bei andern gerne die schuhe aus, ich mag vor allem im winter gerne eine kurze pause von dem schweren schuhwerk. das empfinde ich aber als höflichkeit mir gegenüber, dass ich das tun kann (ich frage, ob ich mir die schuhe ausziehen darf) und nicht als höflichkeit dem gastgeber gegenüber. ich würde mir allerdings für meine gäste keine straßenschuhe anziehen. ich komme aus westberlin. bei meinen eltern ziehen sich eigentlich alle die schuhe aus, ausgenommen sind natürlich alte leute. das alles geschieht völlig unkommuniziert, kann mich aber auch wirklich nicht an eine ausnahme erinnern. dafür aber an eine schlägerei auf einer sehr großen wg-party mit schueh ausziehzwang, wo eine sehr elegante dame nicht ihre stöckel ausziehen wollte (dame und stöckel waren generell sehr fehl am platz), einer der gastgeber ihr an die schuhe (!) wollte, woraufhin sich der begleiter der nicht besonders dämlich schimpfenden dame mit dem gastgeber anlegte. war ne richtige klopperei mit vielen beteiligten, wir sind dann gegangen, haben uns aber noch die ausläufer vorm haus vom mittelstreifen aus angesehen.. hach..

  66. Talamascka meint:

    Ich habe mir gerade die Zeit genommen, hier auch alle Kommentare durchzulesen und bin echt verwundert, wie stark hier die Unterschiede sind. Ich bin im Osten aufgewachsen, mitten in der Braunkohle, man trug hier keine weißen Socken und ließ auch die Wäsche nicht unnötig lange auf der Leine, weil sie vom Kohlenstaub eingefärbt wurden. Es war selbstverständlich, beim Betreten der Wohnungen oder Häuser die Schuhe vor der Tür zu lassen, ein Automatismus. Bei den meisten Besuchen in Wohnungen anderer Leute wirkt das noch nach, ich ziehe die Schuhe aus. Auch zu Hause in meiner Mietwohnung mit Dielenboden laufe ich in bequemen Latschen oder barfuß. Die meisten Besucher haben einen ähnlichen Automatismus, meine Schwiegermama bitte ich inzwischen, die Schuhe anzubehalten, um den Gebrechen des Alters Rechnung zu tragen, alle anderen dürfen, wie sie wollen und es gewohnt sind. Befremdlich fände ich es, in der Wohnung Schuhe zu tragen, weil Besuch kommt, ich gebe doch keine Empfänge. Gesellschaftlicher Hintergrund: Tochter von Handwerksmeister und Kinderkrankenschwester, selber Dipl.-Ing.-Päd. ;)

  67. richensa meint:

    Holla, das hat gedauert, sich durch die Kommentare zu lesen! Aber spannend…
    Ich habe erst, seitdem ich in Berlin wohne, von dem Schuhe-aus-Leben erfahren. Und in der Tat ist es an sich sinnvoll, bei der Hundekotfrequenz, die Straßenschuhe auszuziehen. In der westfälischen Kleinstadt meiner Kindheit war es vollkommen unbekannt, Schuhe bei fremden oder bekannten Leuten auszuziehen. Natürlich war es bei Matsche-Gummistiefeln etwas anderes.
    Als ich hierher zog und die ersten Privatbesuche erledigte, wurde ich zum Schuheausziehen leicht gedrängt, aber immer in der Wohnung. Meine eingeborenen Gäste haben es bei Besuchen bei mir auch so gemacht, ich überlasse es aber jedem selber, ob er/sie in Strümpfen, mitgebrachten Hauspuschen oder in den Straßenschuhen hier sein wollen. Bei vielen Gästen bleiben auch bei mir die Schuhe an, im Westfälischen lasse ich wie früher die Schuhe an.

  68. richensa meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  69. Dummerjan meint:

    Kontrollwahn!

  70. Anne meint:

    Dass hier mit Begriffen wie Kleinbürgertum oder dem gegenseitigen Vorwurf der Unhöflichkeit hantiert wird, finde ich – ehrlich gesagt – deutlich befremdlich. Aus den Kommentaren entnehme ich (ohne nachgezählt zu haben, wie das Verhältnis ist), dass es sowohl Auszieher wie Anlasser gibt aus unterschiedlichen Regionen und mit unterschiedlichen Motivationen. Muss man da immer gleich davon ausgehen, dass die „andere Fraktion“ irgendwie seltsam ist oder einem was Böses will?

    Meiner Meinung nach kann man es genauso unhöflich finden, den Leuten das Schuheausziehen aufzuzwingen wie, den Wunsch der Gastgeber, dies zu tun, abzulehnen. Oder man sagt sich halt, dass „jede Jeck anders“ ist und arrangiert sich. Aber die Vehemenz, mit der hier manche (viele nicht, das muss auch gesagt haben) ihre Sicht der Dinge verteidigen, verursacht mehr Unbehagen als das „Problem“ (wenn es denn eins ist) selber es je tun könnte.

  71. Bürgersohn meint:

    Ein spannendes Thema, wie man an der Diskussion sieht. Und wie häufig in Deutschland werden unnötig Fronten gebildet und Schubladen gezogen. Bei uns kam das Schuhausziehen, wie bei so vielen hier, über die Kinder. Wenn die Kinder die Schuhe ausziehen, tun das die Eltern häufig automatisch auch. Bei uns und in unserem Freundes- und Bekanntenkreis tun das viele. Insbesondere zum Beispiel, wenn man sich trifft und dann noch gemeinsam Wandern oder Spazieren geht. Ich finde es dann selbstverständlich, wenn die Gastgeber die Schuhe ausziehen, auch meine auszuziehen. Wir haben dann die Laufsocken der Kinder und unsere Schuhe schon im Auto dabei. Gut, ich trage sowieso gerne Hausschuhe. Und wenn ich bei Freunden zu Besuch bin und wir einen gemütlichen Abend machen, bringe ich meine Schläppchen selbstverständlich mit. Wenn man aber zu einem – vielleicht auch festlichen – Essen eingeladen ist, lässt man die Schuhe an. Eine ältere Freundin von mir, Großbürgerin par excellence, bringt sich ihre feinen Schuhe bei schlechterem Wetter mit und wechselt einfach. I
    ch habe über Verwandte auch den Eindruck gewonnen, dass die Ausziehsitte in den neuen Ländern verbreiteter ist, als im alten Westen, aber auch dort, nimmt sie, wie oben berichtet zu, und interessanterweise nicht nur bei sogenannten Kleinbürgern. Adlige Freunde von uns ziehen übrigens immer ihre Schuhe aus und freuen sich, wenn wir uns Hausschuhe mitbringen.
    Ich selber bin von Herkunft und Lebensart dem Großbürgertum zuzuordnen.

  72. Lila meint:

    Oh, schon so viele Antworten. Eigentlich ist schon alles gesagt, aber wann hätte mich das je davon abgehalten, meinen Senf nun auch noch draufzukleistern???

    Ich gehöre eindeutig zur Schule der Schuh-Anbehalter. Wenn ich nach Hause komme, steige ich natürlich auch von den hochhackigen Schuhen oder Stiefeln in bequemere Schuhe um, und genauso tun das alle, die hier zuhause sind. Aber wenn ich irgendwo zu Gast bin, gehören meine Schuhe zum Outfit. So wie ich bei der Arbeit nicht barfuß rumlaufe, so möchte ich bei einer Einladung nicht auf Socken stehen. Oder gar barfuß auf meinen wirklich häßlichen Füßen. (Noch dazu beschert mir Fußkälte sofort beliebte Harnwegs-Katarrhe, danke bestens.)

    Wenn ich bei einer Freundin oder der Schwiegermutter gemütlich auf der Couch hocke oder sie bei mir, können Schuhe abgelegt werden, denn das paßt zur Situation. Aber ich würde nie und nimmer von meinen Gästen erwarten, daß sie sofort aus den Schuhen schlüpfen, wenn sie bei mir reinkommen. Im Gegenteil halte ich oft genug Gäste davon ab, die zwanghaft ihre Schuhe ablegen.

    Für die Sauberkeit meines Fußbodens bin ich zuständig, nicht meine Gäste. Allerdings habe ich strapazierbare Böden aus Keramik, und ich mag auch keine Teppiche. Ich wische sowieso fast täglich durch, und der Boden ist sauber. Wenn Gäste kommen, sind sie willkommen und eingeladen, Dreck zu machen. Ich setz ihnen den Kaffee ja auchn nicht in Einmaltassen vor, um Abwasch zu sparen. Macht dreckig, so viel ihr wollt, Hauptsache, ihr fühlt euch wohl. Ich würde darum niemals einen empfindlichen Bodenbelag wählen, der die Gäste oder auch Hausbewohner zum Filzpantoffel zwingt.

    Wenn ich irgendwo eingeladen bin, wo man mich auffordert, die Schuhe abzulegen, tu ich das. Aber ich merk es mir und meide das Haus nach Möglichkeit. Ich finde es ehrlich gesagt keck, von mir zu erwarten, in Socken oder fremden Pantoffeln rumzulaufen. Meine Füße sind empfindlich, nicht weniger als der Teppich der Hausfrau. Ich empfinde es als ungastlich.

    Wenn draußen Matsch und Modder herrscht oder ich in einen Kuhfladen getreten bin, na gut. Aber normale Straßenschuhe oder Abendschuhe?

    Ich komme aus einem typischen Bildungsbürgerhaushalt, Eltern Professor und Lehrerin, in dem extrem viele Gäste ein und aus gingen. Einen Tag ohne mindestens einen Kaffeegast hat es bei meiner Mutter glaube ich noch nie gegeben. Und meine Mutter, die ein schönes, gepflegtes Haus hat, Porzellan und Tischwäsche immer perfekt auf den Anlaß abstimmt und wunderbar kocht – meine Mutter, die beste GAstgeberin, die ich kenne, hat noch nie jemandem abverlangt, irgendeinen Teil seiner Kleidung abzulegen, den er nicht freiwillig ablegen möchte. Auch bei ihren Freunden und Freundinnen hält man die Schuhe an, es sei denn, man fühlt sich wohler ohne.

    Hier in Israel sind viele Schuh-Ableger, besonders Jüngere. Im Sommer läuft man sowieso in Flipflops oder Sandalen oder Crocs herum, also eigentlich kein großer Unterschied… und trotzdem ist es mir wegen meiner Empfindlichkeit gegen Fußkälte nicht angenehm, auf diesen Schutz vor den auch im Sommer kühlen Fliesen zu verzichten. Und im Winter ist es hier verdammt fußkalt, es zieht unter fast allen Türen durch. Da nehme ich es übel, wenn man mich aus meinen Schuhen prügelt.

    Bei Haushalten mit Kindern im Krabbelalter allerdings mache ich eine Ausnahme. Da kann ich die Empfindlichkeit mancher Mütter nachsehen. Geteilt habe ich sie nicht, meine Kinder sind überall rumgekrabbelt, auch draußen, haben Tannenzapfen in den Mund gesteckt und Ameisen verschluckt. Meine Oma hat immer gesagt, Dreck säubert den Magen, und mein eigenes kindliches Leibgericht am Strand war Sandbanane. Aber in einer Hundekacke-verseuchten Stadt würde ich es wohl auch nicht drauf ankommen lassen.

    In Japan oder Skandinavien, wo die Sitte fester verwurzelt ist, würde ich wohl weniger Probleme mit der Anpassung haben. Aber in Deutschland empfinde ich den Schuh-aus-Zwang als affig, kleinbürgerlich und ungastlich. Jawohl.

  73. die Kaltmamsell meint:

    Zwar finde ich weiterhin interessant, Lila, wie stark die meisten hier kommentierenden entweder der einen oder der anderen Tradition angehören – so stark, dass sie sich die Verhaltensweise der anderen gar nicht vorstellen können (ich zum Beispiel finde die Vorstellung geradezu komisch, Hausschuhe für eine Einladung einzustecken). Doch ergibt sich immer noch kein Muster: Was führt zur Zugehörigkeit zu einer der beiden Traditionen? Immer noch keine Ethnologin hier?

  74. Liisa meint:

    Wieso ist mir diese interessante Diskussion total entgangen, wo ich doch eigentlich immer hier mitlese??? Reichlich verspätet also … aber trotzdem:

    Von zuhause her bin ich so sozialisiert, dass man, wenn zuhause, die Schuhe auszieht und in Hausschuhe wechselt (damit man keinen Dreck in die Wohnung schleppt). Gäste durften selbstverständlich die Schuhe anbehalten (schleppten sie Dreck mit herein, wurde eben hinterher geputzt). Als ich schließlich mein eigenes „zuhause“ hatte, habe ich das im Prinzip beibehalten, allerdings mehr aus Bequemlichkeitsgründen (den ganzen Tag Straßenschuhe an den Füssen ist auch nicht so der Hit!) als aus Sauberkeitsgründen (was in der Stadt aber natürlich – außer vielleicht im Winter – auch problemloser ist, als auf dem Land).

    Als ich im Februar nach Mecklenburg gezogen bin, habe ich relativ früh erfahren, dass man sich hier sofort als Zugezogener (sprich „Wessi“) „outet“, wenn man ein fremdes Haus MIT Schuhen betritt. Hier ist das ein absolutes no go und die Mecklenburger bringen wie selbstverständlich eigene (meist Filz-)Schlappen mit, die BEVOR man eine Wohnung oder ein Haus betritt angezogen werden. Manche – relativ bald nach der Wende – zugezogene Westdeutsche haben sich dasselbe angewöhnt. In manchen Häusern werden auch einfache Filz- oder Leinenschlappen für Gäste bereitgehalten, falls diese keine eigenen Hausschuhe mitbringen. Diese im Fall des Falles abzulehnen gilt als äußerst unhöflich. Zugezogene, die sich nur unter (den mittlerweile recht vielen) Zugezogenen bewegen, behalten ihre Straßenschuhe in den allermeisten Fällen an. Das schleppt hier auf dem Land, vor allem im Herbst und Winter, wenn man im Schlamm oder Schnee versackt allerdings wirklich viel Dreck herein. Soviel zur Lage hier.

    Ich bin zwar keine Ethnologin mit fertigem Abschluß, habe aber einige Jahre Ethnologie studiert und würde von daher sagen, dass zum einen die jeweilige Sozialisierung eine große Rolle spielt, ob man die Schuhe vor dem Betreten einer Wohnung oder eines Hauses auszieht oder nicht. In anderen Kulturkreisen, vor allem in islamischen gelten die Schuhe quasi als „unrein“, denn sie kommen mit dem (vielfältigen) Dreck der Straße in Berührung. Nicht umsonst, zieht man vor dem Betreten einer Moschee die Schuhe aus und gilt es als Ausdruck höchster Verachtung, mit Schuhen nach jemandem zu werfen (man wirft quasi mit Dreck nach Dreck). Ein weiterer Grund warum man dort selbstverständlich die Schuhe auszieht, ist, dass in diesen Kulturen schon vor Jahrtausenden Teppiche eine große Rolle gespielt haben. Selbst in den Zelten der Beduinen und Nomaden wurden häufig Teppiche ausgelegt, die nicht selten einen großen Wert darstellten (manchmal sogar der einzige Reichtum/Luxus war) und die wollte man selbstverständlich nicht abnutzen oder gar verschmutzen. Also wurden Schuhe ausgezogen.
    Ähnliches gilt zum Beispiel auch in Japan, wo die Wohnungen und Häuser häufig mit Tatami-Matten ausgelegt wurden, die zwar relativ leicht auch ausgewechselt werden konnten aber eben auch recht anfällig waren.
    In vielen Kulturen der Welt wird direkt oder sehr nah (z.B. höchstens durch ein Futon oder nur einer dünnen Unterlage getrennt) am Boden geschlafen. Auch in diesen Kulturen wird daher darauf geachtet, den Boden möglichst sauber zu halten – also Schuhe nach Möglichkeit aus.
    In heißeren (und häufig auch ärmeren) Ländern spielen Schuhe sowieso nicht eine so große Rolle. Dort werden häufig, wenn überhaupt, nur Sandalen oder Schlappen getragen, aus denen man vor Betreten einer Hütte, eines Zeltes oder einer Behausung einfach nur schnell herausschlüpft. In vielen Ländern würde niemand geschlossene Schuhe wieder anziehen ohne sie nicht vorher gründlich kontrolliert und ausgeschüttelt zu haben (Skorpion & Co)!
    In Kulturen in denen eher feuchtwarmes Klima vorherrscht, was häufig auch mit giftigen Insekten, Schlangen und Parasiten (z.B. in Pfützen und Gewässern) etc. einher geht, werden die Schuhe eher angelassen.
    In Kulturen mit durchgängig oder teilweise richtig kaltem Klima (z.B. in Sibirien, Mongolei, Himalaya, Finnland, Grönland etc.) sind die Menschen gezwungen dicke Stiefel zu tragen, die – auch aufgrund ebenso dicker Kleidung – nicht so ohne weiteres wieder abgelegt werden können. Wenn man also nur kurz eine Behausung betritt, lässt man dort meist die Stiefel an, bleibt aber möglichst stehen. Bleibt man länger, werden die Stiefel und Schichten der dicken Kleidung abgelegt. Häufig tragen Mitglieder solcher Kulturen in den eigentlichen Stiefel noch mal eine Art Stiefel, z.B. aus Filz, gegerbtem Leder o.ä. D.h. die äußeren eigentlichen Stiefel (verdreckt oder nass) werden ausgezogen, die inneren („sauberen“ und ebenfalls wärmenden) Stiefel aber angelassen.
    In manchen Kulturen gilt es übrigens auch als absolut ungehörig anderen die nackten Füße oder Fußsohlen zu präsentieren – dort herrscht dann also drinnen wie draußen Schuhpflicht oder wenigstens Bedeckung der Füße.

    So, ich hoffe, das gibt ein wenig neues Gedankenfutter zum Thema und es sind nicht alle schon längst bei der Lektüre dieses langen Kommentars eingeschlafen. :)

  75. Winterkatze meint:

    Lustiges Thema und somit gebe ich auch mal meinen Senf dazu. Von meinem Elternhaus her kenne ich es so, dass man in der Wohnung mit Hausschuhen rumläuft und dass Gäste selbstverständlich ihre Schuhe anbehalten. Mir persönlich hat das aber schon als Kind nicht gefallen, da ich viel zu gern barfuß oder in Socken rumlaufe und die Hausschuhe spätestens nach zehn Minuten irgendwo vergesse, weil ich schon wieder rausgeschlüpft bin.

    In meiner eigenen Wohnung laufe ich barfuß oder in Socken rum, damit muss jeder leben, der unsere Wohnung betritt. Unser Besuch darf seine Schuhe gern anbehalten, wird aber darauf hingewiesen, dass Kater Nr. 3 sich dann nicht blicken lassen wird. Der bekommt nämlich Panikattacken, wenn jemand mit Schuhen durch die Wohnung läuft, da die Vorbesitzter da entweder welche geworfen haben oder schlicht ungeschickt waren … Wer die Schuhe gern ausziehen möchte, den Boden aber zu kühl findet, der bekommt auch schon mal ein frischgewaschenes Paar selbstgestrickter Wollsocken in die Hand gedrückt. (Besucher-Hausschuhe finde ich selber zu unappetitlich, um auf diese Idee zu kommen.)

    Bin ich bei anderen Leuten zu Besuch, so hoffe ich darauf, dass ich meine Schuhe ausziehen darf (und habe für den Fall der Fälle ein Paar warme Socken in der Tasche). Wenn ich aber merke, dass das dort nicht normal ist, dann sitze ich eben zähneknirschend mit Schuhen dort rum und versuche trotzdem irgendwie eine bequeme Position zu finden. ;)

  76. die Kaltmamsell meint:

    Die Hintergründe anderer Kulturen, Liisa, kannte ich – deshalb nahm ich sie ja in meiner ursprünglichen Frage aus. Glauben Sie, man kann die verschiedenen Gewohnheiten, die wir in Deutschland kennen und die sich in den Kommentaren zeigen, auf den Einfluss einer dieser Kulturen zurückzuführen sind? Dass es also in Ostdeutschland wahrscheinlicher ist, dass ein Vorfahr mal mit Japanern zu tun hatte und deshalb die deutsche Familie zur heimischen Strumpfsockigkeit neigt?

    Vielleicht hat es ja doch etwas damit zu tun, wie förmliche Anlässe jemand in Privatwohnungen gewohnt ist? Wenn Winterkatze unbedingt in anderer Leute Wohnung die Schuhe ausziehen will, kennen Sie vielleicht keine Privateinladungen, die ein Cocktailkleid oder Ähnliches voraussetzen?

  77. Liisa meint:

    Auch nach einigem Nachdenken, habe ich nicht wirklich eine schlüssige Begründung dafür finden können, warum Ostdeutsche japanische Vorfahren/Urahnen haben sollten/könnten, was ihre Strumpfsockigkeit erklären könnte. ;o)

    Abgesehen davon bin ich gar nicht sooo sicher, dass wir in Deutschland in der Praxis wirklich sooo viele unterschiedliche Gewohnheiten haben. Ich denke mal, die Masse der Bevölkerung zieht in den eigenen vier Wänden die Straßenschuhe aus (und sei es nur, um es bequemer zu haben).

    Ob das Schuheausziehen von Gästen ebenfalls von weiten Teilen der Bevölkerung erwartet wird, ist für mich weniger klar. Ich vermute, dass die meisten ihren Gästen nicht auferlegen, dass sie ihre Schuhe vor der Tür ausziehen müssen, es sei denn, die Beziehung ist auf einem fortgeschritteneren Niveau.

    Hausschuhe haben ja was mit „Häuslichkeit“ zu tun und wer zu Gast kommt ist dann im Grunde „außerhäusig“ (eben nicht bei sich zuhause, sondern bei allem Willkommen sein, doch „fremd“). Es gehört ja schon eine gewisse Vertrautheit (Intimität) dazu, in einer fremden Wohnung bzw. bei anderen Menschen, die Schuhe auszuziehen (es macht in gewisser Weise „verletzlicher“) und enthüllt vielleicht sogar „Geheimnisse“, die sonst von den Schuhen verborgen wurden (Löcher in den Strümpfen, verschwitzte Strümpfe, Fußgeruch, etc. etc.) Wer also die Straßenschuhe aus und die Hausschuhe (oder bereitgehaltene Schlappen oder Wollstrümpfe oder was auch immer, anzieht, wird quasi in den Familienkreis (das häusliche) mit aufgenommen (zumindest für die Zeit des Besuchs). Soviel „Nähe“ ist aber nicht jedem Gast recht. Um niemandem auf die Zehen zu steigen, wird denke ich den Gästen die Wahl gelassen und die meisten entscheiden sich dann wohl eher für das Anlassen der Straßenschuhe.

    Außerdem kommt es ja auch immer noch darauf an, was für eine Art „Besuch“ man da abstattet. Ist es ein Besuch unter Freunden, Bekannten, Nachbarn mit denen man sich gut versteht oder Menschen, mit denen man sich irgendwie „gleichrangig“ empfindet, dann ist man eher geneigt oder willig, die Schuhe auszuziehen und zwangloser, leger „aufzutreten“.
    Handelt es sich aber z.B. um einen Besuch beim Chef und dessen Frau, bei Würdenträgern oder Menschen, die man selbst als „höherrangig“ einordnet, käme man nicht auf die Idee, die Schuhe auszutreten (Ausnahmen bestätigen die Regel ;o) ).

  78. frauziefle meint:

    Vielleicht müssen wir eher im Verhältnis zum Schmutz suchen. Und inwiefern sein Vorhandensein akzeptiert (matschiges Skandinavien und Präsentationen in Socken) oder als sozialer Makel betrachtet wird.

    Auf dem Land hier ist es völlig normal, den Ackerdreck nicht in die Wohnung zu schleppen und die Gummistiefel oder Arbeitsschuhe draußen zu lassen.
    Dafür betritt man aber unter der Woche beim nachmittäglichen Plauschbesuch auch nur die Wohnküche (oder einen Alltagsraum.)
    Anders an Sonntagen, da wird die gute Stube vorbereitet, keiner trägt Arbeitsschuhe – also sitzen alle mit Schuhen an den Füßen um die Kaffeetafel.

    Ganz anders in der Stadt, oder im selbstgebauten Eigenheim mit seiner völlig anderen Raumaufteilung (Einraumetagen, z.B.). Räume, die schmutzig werden dürfen, gibt es da ja gar nicht mehr.
    Ganz streng auch bei solchen Eigenheimbesitzern, die aufgestiegen sind aus dem Bauernhaus: niemals mit Schuhen! Dafür gibt es wohnzimmergroße Windfänge mit mannigfaltigen Schuhparkplätzen.

  79. herzbruch meint:

    da muss ich mit ewiger verspaetung noch beitragen, dass genau dieses kriterium mich einst von der heirat des falschen abhielt. um die hand war schon angehalten, ich hatte nach laengerem druebernachdenken befunden, dass ja nix wirklich dagegen spraeche, man war sich der sache recht sicher. die schwiegereltern in spe waren auf eine grauenhafte weise kleinbuergerlich, leider muss ich es so sagen, dass sie sich ein haeuschen gebaut hatten, das dann keiner benutzen durfte. 100% des parketts war unter flickenteppichen versteckt (ist ja schon recht empfindlich, so ein FUSSboden), und keiner durfte mit schuhen rein. weihnachten hatte ich kurz nicht dran gedacht und kam im feinen zwirn. an der tuere wurden mir von hausherren und mischpoke frotteesocken angeboten, die seien doch gemuetlicher als hohe absaetze. ich verweigerte mich und stoeckelte ueber den ikea-berber, immer gefolgt von argwoehnenden blicken der dame des hauses.

    dann zog ich um, wohnung mit parkett, es war maerz und ich wollte feiern. und dann sagte der mann: „denk dran, den leuten zu sagen, dass sie sich socken mitbringen. wenn es draussen regnet, zerkratzen die das parkett.“ der rest ist geschichte. ich lernte, dass man nie nur den mann heiratet, man heiratet auch mutti, und schwaengern liess ich mich dann von einem anderen (nach fuenfjaehriger enttraumatisierung).

  80. torsten meint:

    Bei uns geht es etwas lockerer zu wenn Gäste bei uns in der Wohnung sind wird es ihnen selber überlassen ob Sie die Schuhe ausziehen oder nicht außer im Winter oder bei optisch wirklich dreckigen Schuhen da frage ich dann auch schon mal höflich ob es möglich ist die Schuhe auszuziehen , die meisten ziehen die schuhe sowie von sich aus schon aus …. Und die Kids von uns und unseren Freunden müsste man schon eher zum Schuhe tragen zwingen in der Wohnung …. Handwerker dürften natürlich ihre Schuhe anlassen und wenn es mal irgedwelche Vertreter bis ins Haus schaffen was äußerst selten ist g. , dann ziehe ich mir sogar Schuhe an , ansonsten laufen wir eigentlich alle auf Socken oder barfuß wenn’s warm ist , ist halt gemütlicher , bequemer .. wir waren auch schon mal in Schweden dort ist es sogar üblich das man in Schulen , Arztpraxen , usw … die Schuhe ausziehen soll, in den Schulen dort läuft jeder vom Schüler bis zum Lehrer in Socken was selbst mich verwunderte …allerdings sind dort fast überall Fußbodenheizungen Mindeststandards …..

  81. Marie meint:

    Wir waren zu einer Wohnungseinweihungs-Party geladen und wurden als erstes an der Türe gebeten, die Schuhe auszuziehen. Ich fand diese Aufforderung von den Gastgebern unmöglich und bin ihr nur soweit gefolgt, dass ich mit meinen Pumps in ein Paar übergroße Puschen gestiegen und übers Parkett gerutscht bin.

    Als ich auf einem gefliesten Teil der Wohnung angekommen war, habe ich mich der hässlichen Schluffen einfach entledigt. Fast alle Gäste standen in chicem Outfit mit lächerlichen Puschen oder auf Socken herum und fühlten sich dabei sichtlich unwohl.
    Einige haben die Aufforderung einfach „überhört“.
    Die Schuhauszieh-Order sorgte jedenfalls für viel Getuschel unter den Gästen, und dabei kamen die Gastgeber nicht gut weg. Es war übrigens das erste Mal in meinem nicht mehr ganz jungen Leben, dass ich aufgefordert wurde, als Gast Schuhe auszuziehen. Dieses Gebaren war mir bisher in meinem Berufs- und Lebensumfeld völlig fremd.
    Ich empfand das Verhalten der Gastgeber als „no go“ und als zutiefst stillos. Wer Angst vor Kratzern auf Parkett hat, kann den Boden mit Teppichen abdecken, statt Gäste in Socken oder Puschen vorzuführen. Offenbar wollte man aber eine Wohnung wie aus der Möbelausstellung präsentieren. Angucken aber nicht benutzen, bitte!

    Wer Gästen so wenig Achtung und Anstand entgegenbringt, sollte seine Einladungen ins Restaurant verlegen oder besser noch keine Feste feiern.

    Alternativ empfehle ich Teile der Wohnung mit Flatterband Abzusperren und „Betreten-nur-mit Puschen-erlaubt“ Schilder aufzustellen oder einen speziellen Raum für Schuhausziehverweigerer freigeben – es böte sich hier der Keller an. Hier hat ja nicht jeder edles Parkett liegen ;-

  82. Trulla meint:

    Bei mir muss niemand die Schuhe ausziehen aber mein heutiges Zuhause ist auch mit Fliesen und Parkett ausgestattet und ….. mit einem Wisch ist alles weg! Und Kratzer gehören zum Parkett. Aber, ich erinnere mich an die erste gemeinsame Ehewohnung, voller Elan mit wenig Geld, aber endlich dem ganz eigenen Geschmack gehorchend, peu a peu eingerichtet und auf einen weichen „weissen“ Teppichboden im Wohnzimmer verfallen. Man richtet sich doch in erster Linie nicht für Gäste sondern für das eigene Wohlgefühl ein. Und dann hat man den Salat. Freundesgruppe kam, Hamburger Schietwetter vom Feinsten, mit Matsch unter den dicken rutschfesten, gerippten Sohlen und obwohl wir in der obersten Etage wohnten und möglicherweise auch unter Missachtung der im EG angeschlagenen Aufforderung der Hausbesitzer „bitte Füsse abtreten“, der Dreck haftete und wurde von einem der Freunde in unserer schönen Wohnlandschaft auf den Boden gebracht. Ich gebe zu, das tat weh. Und ja, der Lack war nach der Putzaktion ab.

    Deshalb bin ich auch in dieser Frage ein wenig gespalten. Es kommt eben auf die Umstände an. Ein gut erzogener Gast würde doch von sich aus, nach einem Blick in eine empfindliche Räumlichkeit anbieten, die Schuhe auszuziehen. Ich selbst handhabe das so, dass ich bei schlechtem Wetter zur Kleidung passende Schuhe mitnehme und die Straßenschuhe zusammen mit Schirm und Mantel in der Garderobe des Gastgebers lasse.

    Absolut unmöglich ist die Forderung nach Hauspuschen zu festlicher Kleidung, da stimme ich @Marie voll und ganz zu.

Kommentar verfassen:

XHTML: Folgende HTML-Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>


Sie möchten gerne einen Kommentar hinterlassen, scheuen aber die Mühe einer Formulierung? Dann nutzen Sie doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein, Sternchen darüber und darunter kennzeichnen den Text als KOMMENTAROMAT-generiert. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen