Maximilian Buddenbohm, Marmelade im Zonenrandgebiet

Samstag, 24. März 2012 um 8:37

Drei Bloggerbücher fast direkt hintereinander – die Ernte ist dieses Jahr reich. Als nächstes freue ich mich auf Let’s pretend this never happened von Jenny Lawson (aka The Bloggess) und Advanced Style von Ari Seth Cohen. Mittlerweile habe ich eine eigene Ecke in unserer Bibliothek eröffnet.

Kurzgeschichtenzyklus würde ich formal nennen, was Buddenbohm mit Marmelade im Zonenrandgebiet veröffentlicht hat. Die einzelnen Geschichten tragen zwar dieselbe erzählerische Handschrift, sind aber durchaus unterschiedlich. Zusammen ergeben sie das Bild einer Zeit, bestimmter Gegenden, bestimmter Personen – vor allem natürlich desselben Ich-Erzählers (ich halte störrisch an der Trennung von Autor und Erzähler fest, auch wenn die Geschichten erklärterweise autobiographisch sind; solange nicht „eine Autobiopgrahie, alles echt ehrlich so passiert“, möchte ich dem Autor zugestehen, die Vergangenheit zugunsten einer besseren Geschichte umgeformt zu haben, wenn nicht sogar selbst ganz anders zu sein). „Geschichten übers Erwachsenwerden“ ist ein treffender Untertitel: Das Spüren der Selbständigkeit, die leise Ratlosigkeit über all die Wahlmöglichkeiten, das Schwimmen in neuen und überraschenden Gefühlen – über den Kapiteln hängt eine hoffnungsvolle Melancholie. Aus den Beschreibungen sprechen Beobachtungsgabe und Reflexion, und dass Buddenbohm dafür eine reiche Sprache zur Verfügung steht, wissen wir aus seinem Blog. Ich lebte beim Lesen gerne dieses Erwachsenwerden mit. Mir fehlte nur eine Geschichte: Dass aus dem Tagedieb im Antiquariat ein Karrieremann mit Magengeschwür geworden war, kam mir sehr plötzlich vor. Andererseits: Sinnlosigkeit kann ein machtvoller Karrieretreiber sein.

Anders als bei Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein kannte ich diese Geschichten nicht aus Buddenbohms Blog; vielleicht resulierte daraus eine andere Sorgfalt beim Lesen, die ich auch dem Lektorat des Buches unterstelle: Während ich mir für die Geschichten aus des Erzählers Strandjugend ein deutlich aufmerksameres Lektorat gewünscht hätte, hatte ich in dieser Hinsicht an Marmelade im Zonenrandgebiet nichts auszusetzen (na gut: einmal). Das mag aber auch daran liegen, dass witziges Schreiben gefährlicher ist, und auf Witze und Pointen ist Marmelade im Zonenrandgebiet nicht aus.

Empfehlung!

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Maximilian Buddenbohm, Marmelade im Zonenrandgebiet

  1. Petra_s meint:

    Danke für die Empfehlung.
    Ich trage es bereits in der Tasche umher und freu mich nach erstem Anlesen schon darauf.
    Einzig das aktuelle Buch – eine jüdische Familiengeschichte – hindert mich noch. Die will langsam gelesen werden.

  2. Stefanie meint:

    Mir fiel neulich auf, dass Sie Jennifer Egans “A Visit from the Goon Squad” links in der Leiste als “Ich lese gerade” angaben und hatte auf einen kurze Besprechung gehofft. Hat’s nicht gefallen oder ist es noch nicht beendet?

  3. die Kaltmamsell meint:

    Hat mir sehr gut gefallen, Stefanie – es blieb lediglich der Schreibimpuls für eine Besprechung aus. Einzeln funktionierende Geschichten, die sich unchronologisch um ein Set an Personen drehen – handwerklich ausgezeichnet gemacht, einige Geschichten wagen sich sogar in die Zukunft. Ich habe es sehr gerne gelesen.

  4. Modeste meint:

    Letzteres werde ich auch demnächt lesen, es muss nur der Goosen noch durchgestanden werden.

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