The Sound of Heimat

Donnerstag, 4. Oktober 2012 um 8:43

„Dieselben Menschen, die feuchte Augen bekommen, wenn ein alter Indio in den Anden zum tausendsten Mal ‚El Condor pasa‘ in seine Panflöte bläst, kriegen Pickel, wenn man sie auf die Melodien ihrer Heimat anspricht.“ Regisseur Arne Birkenstock schickte den jungen neuseeländischen Musiker Hayden Chisholm mit dieser Erfahrung durch Deutschland auf die Suche nach lebendigen Volksliedern. Daraus wurde der sehr schöne Film The Sound of Heimat.

Jeder und jede Deutsche mit ein bisschen Interesse an Menschen und Musik hat im Ausland vermutlich Ähnliches erlebt, wie es im Film Rainer Prüß von Liederjan erzählt: Sie spielten in einer irischen Kneipe irische Lieder – und dann baten die Iren nachvollziehbarerweise: „But now give us a German song“. Liederjan kam über die erste Strophe von „Der Mond ist aufgegangen“ nicht hinaus.

Wir sitzen um Lagerfeuer und singen mit internationalen Pfadfindern „Blowing in the wind“ bis „Country roads“, die Spanier und Engländer packen spanische und englische Sauf- und Trinklieder aus, die Italiener singen italienische Schlager aus den 50ern, die Russen springen zu einem Tänzchen mit selbst gesungener Musik auf. Doch wir Deutschen ziehen peinlich berührte Gesichter. Das hat Gründe, ist aber ein bisschen schade.

Der Film zeigt Beispiele für die ungeheure Vielfalt an Volksliedern Deutschlands, an Liedern, die vor allem zum Singen gedacht sind, nicht zum Zuhören. Gleich am Anfang in Köln wird klar, dass die nicht Jahrhunderte alt sein müssen. Im Kölner Weißen Holunder wird jeden Sonntag gesungen, und auf die Frage, welches Lied sie als das am verbindendste, typischste ansehen, sind sich die Leute einig: „En unserem Veedel“ aus den 1970ern (und sind sich durchaus bewusst, dass es „schon recht sozialromantisch“ sei).

Wir hören und sehen danach unter anderem gerappte Kölsche Lieder, Jodler und Wanderinnen im Allgäu (ich musste sehr an Ilse denken), den Gewandhauschor Leipzig (der beim ersten Versuch, Hayden mit „Morgen muss ich fort von hier“ zu verabschieden, an einem chortypischen Hindernis scheitert), den Antistadl im Bamberg mit Volxmusik, die Wellküren daheim und mit ihren Brüdern beim Tanz (Hayden muss Zwiefachen lernen), die Rockmusikerin Bobo, die bezaubernde Dinge mit Volksliedern anstellt.

Ganz Neues bescherte mir die Begegnung mit Rudi Vodel, einem der letzten Musiker, der noch die alten Lieder des Erzgebirges kennt und spielt, und mit seinem Bandoneon. Dass ich keine der schönen Lieder dieser Gegend kannte, ist kein Zufall: Die SED verbot in der DDR alle als unpassend angesehenen Texte – in denen Aufrührerisches oder Könige vorkamen. Volksmusikgruppen mussten jedes Jahr zur Überprüfung antreten.

Auch nach weiteren Gründen für das schwierige Verhältnis der Deutschen zur Musik ihrer Heimat wird gesucht, auf sehr berührende Weise.

Wenn ich dem Film etwas ankreide, dann die Unehrlichkeit mancher gestellten Szene; ich reagiere bei Dokumentarfilmen zum Beispiel empfindlich darauf, dass so getan wird, als begegneten sich zwei Menschen vor der Kamera eben gerade, wo doch offensichtlich ist, dass sie nach vorheriger Besprechung so tun sollen, als begegneten sie sich eben. Unnötig.

Doch der Film machte mir sehr Lust Volkslieder zu singen, zumal ich früher im Chor viele kennengelernt habe. „Die Gedanken sind frei“ ist gar nicht so schwer, dieses alte Revoluzzerlied kann man doch auch für den Einsatz in internationaler Runde parat haben.
Volkstanz habe ich ja schon vor einigen Jahren mit dem Mitbewohner aufgenommen, und sei es nur ein-, zweimal im Jahr. Jetzt suche ich mal schöne Volkslieder heraus und stelle Booklets mit Texten zusammen – die ich in gemütlicher Runde herausziehen kann.

Schaun Sie sich The Sound of Heimat an, hier stehen die aktuellen Vorführorte.

Und vielleicht mögen Sie gleich mal mit mir das ganz zauberhafte und bockige „Es saß ein klein wild Vögelein“ singen? Hier wird es vorgesungen. (Es stimmt halt doch: Volkslieder halten für jede Lebenssituation etwas bereit.)

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die Kaltmamsell

28 Kommentare zu „The Sound of Heimat

  1. padrone meint:

    9 Uhr. Und mein Tag ist (schon) gerettet. Danke!

  2. Novemberregen meint:

    Ich finde dieses schwierige Verhältnis sehr schade. Bei mir zu Hause wurde früher viel (volkstümliches Liedgut) gesungen, naja, eigentlich singen meine Eltern immer noch dauernd irgendwas oder platzen plötzlich mit einem Gedicht heraus. Besuch ist davon manchmal überfordet, gerade für Kinder ist es aber super, weil sie dann auch mal verstehen, was gesungen wird.

    Was wollte ich sagen? Achja, auf einer Rucksacktour durch Schottland, mit meiner Schwester, haben wir uns unsere abendlichen Getränke mit deutschen Volksliedern eingespielt. Kam immer sehr gut an. Mein Paradestück ist „In einem kühlen Grunde“ – das (angetrunkene) Publikum ist dann manchmal fast zu Tränen gerührt ;-)

  3. Alice meint:

    Ich denke die Mundorgel ist sowas wie ein nationales Liederbuch.

    http://www.mundorgel-verlag.de/mundorgel/

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mundorgel_%28Liederbuch%29

  4. Mel meint:

    Vielen Dank für die Rezension. Auf den Film freue ich mich auch schon sehr. (Der Ohrwurm „Es saß ein klein wild Vögelein“ fand ich schon nach dem Trailer so toll, dass ich mir direkt drei Versionen gekauft habe, unter anderem von der mir bis dahin unbekannten Bobo.)

  5. Indica meint:

    Ich wusste gar nicht wie schön Volkslieder klingen können, bis ich Bobo mit dem Programm ihrer CD bei uns auf der transVOCALE in einem Konzert gehört habe. So klar, so entschlackt und kühl. Die Musik gehört seitdem zu meinen ewigen Lieblingen.

    Ja, der Text von „Die Gedanken sind frei“ und die Geschichte des 19. Jahrhunderts dahinter, das ist und bleibt einfach spannend und wichtig.

    Nach einer anderen Fernsehdoku habe ich mir neulich die Live-Musik von La Brass Banda heruntergeladen. Auch das ist für mich entstaubte Volks-Musik. Keine Ahnung, ob es da noch viele, viele andere oder gar bessere Combos gibt, aber diese Musike erreichte mich in Ostbrandenburg und gefällt mir sehr. Eignet sich übrigens vorzüglich zum Lauthören und Mitsingen im Auto, wo ich insbesondere im Dunkeln auf der Autobahn ordentliche Rumsmusik brauche!

  6. Micha meint:

    Die Kinder unserer Feriengäste können sich (pro Tag) ein Eis ersingen. *Alle meine Entchen* gilt nicht. Leider scheiterts am *Können*. Die Kinder bekommen nach zwei Tagen schlicht keine einzige Strophe eines Liedes mehr zusammen. Ich finde diese Bilanz jeden Sommer aufs Neue erschreckend.

  7. Anke meint:

    Seit einem Jahr bei mir auf schwerer Rotation: „Wenn ich ein Vöglein wär“, wo unter anderem auch der kühle Grund drauf ist, der auch nüchternes Publikum begeistern kann (so schön!).

    http://www.amazon.de/Wenn-ich-ein-V%C3%B6glein-w%C3%A4r/dp/B003US02MK/

    Die „Zeit“ hatte übrigens eine schöne Serie mit Volksliedern:

    http://www.zeit.de/serie/volkslieder

  8. Kai meint:

    Deutsche Musik, ja deutsche Texte waren mir bis Anfang der 90er (also bei mir Anfang 20) zutiefst suspekt. Ich konnte nichts damit anfangen, fand es altbacken oder peinlich (Klaus Lage und Konsorten). „Geheilt“ haben mich zwei Bands: zum einen Blumfeld aus Hamburg und dann der hier:

    Die Erde aka Tobias Gruben – Vater

    Das gab mir auf einmal das Gefühl, das es geht. Das man moderne deutsche Volkslieder singen, vor allem aber auch schreiben kann. Ich halte Tobias Gruben bis heute für eines der größten Talente der deutschen Musik. Nur das Heroin hat dafür gesorgt, dass ihn heute praktisch keiner mehr kennt.

  9. dorothy_jane meint:

    Ich bin 28 Jahre jung und ich bin mit Liedern, die gemeinhin als Volkslied bezeichnet werden, einfach aufgewachsen. Ich komme nicht vom Land oder aus einer bestimmten Region, wo es eine besondere Liedtradition gäbe. Nein, ich hatte das Glück, dass meine Eltern mir Lieder wie „Der Mond ist aufgegangen“, „In einem kühlen Grunde“, „Die Gedanken sind frei“ oder auch „Am Brunnen vor dem Tore“ einfach vorgesungen haben, meistens abends zum einschlafen. Beide haben in ihrer Jugend und auch als erwachsene Menschen immer in irgendwelchen Chören gesungen und haben allein schon deswegen eine Menge an Liederheften und Liederbüchern gehortet.

    Meines Erachtens nach ist allerdings das umfassendste und abwechslungsreichste Liederbuch das Allgemeine Deutsche Kommersbuch, das von fast allen Studentenverbindungen immer noch – mindestens als Basis – regelmäßig genutzt wird. Ich finde diese Tradition des gemeinsamen Liedersingens und der dadurch entstehenden Überlieferung und Erhaltung des Liedguts einach wunderbar. Und ich schätze, die meisten „älteren Herrschaften“ wären erstaunt, wieviele „ihrer“ Lieder noch gesungen werden, gerade auch von jungen Verbindungsstudenten.

  10. kid37 meint:

    Dazu Rainald Grebe: Volkslieder singen.

  11. Stefan meint:

    Ich bin gerade an der Dresdner Kreuzschule vorbeigefahren und dort haben die Kruzianer bei offenen Fenstern deutsche Volkslieder geprobt. Das ist wirklich beeindruckend, das kann keinen Menschen mit musikalischem Empfinden kalt lassen.

    Im Gegensatz dazu steht das, was ich als synthetische Volksmusik bezeichne: Musikantenstadl und ähnlich schauderhafte Produkte.

    Müsste ich den Unterschied auf kulinarischem Gebiet erklären, würde ich folgendes Bild wählen: Auf der einen Seite ein handgemachter und 14 Monate gereifter Laib Pecorino — auf der anderen Seite ein seelenloser Quader Analog»käse« aus der Retorte.

  12. die Kaltmamsell meint:

    Die Zeit-Serie ist ja ganz wunderbar, Anke!

    Rainald Grebe. Natürlich. (Danke, kid, für den Hinweis.)

    Verbindungsstudenten, dorothy_jane, haben natürlich immer Volkslieder gesungen – das mag ein Grund für die Probleme sein, die der Rest der Bevölkerung damit hat.

    In dem Film wird eigentlich alles als Volksmusik mitgenommen, Stefan, was die Leute miteinander singen, auch deutsche Blödellieder neueren Datums. Ich kann mir vorstellen, dass „Da sagt der alte Häuptling der Indianer“, durchaus dazu zählt, vielleicht auch diverse Bierzelt-Hits vom Oktoberfest. (Nicht zu vergessen die mittlerweile etablierte schöne Weise „Oléééééé, olé, olé, oléééééé“.)

  13. minz meint:

    Danke schön, am Sonntag geh ich ins Kino.

  14. Anne meint:

    „Doch wir Deutschen ziehen peinlich berührte Gesichter. Das hat Gründe (…)“
    Einer der Gründe liegt in der nach dem 2. Weltkrieg durch Michael Alt und Th. Adorno geprägten Neu-Konzeption von Musikunterricht an Schulen: „Orientierung am Kunstwerk“ statt „Musische Bildung“. http://de.wikipedia.org/wiki/Didaktik_der_Musik
    (Aber ob Schule einen so großen Einfluss hat? Offenbar hatte das Elternhaus bei einigen Kommentatoren einen größeren.)

  15. Sabine meint:

    Als dringendes Anschauungsmaterial empfehle ich Tomi Ungerers und Anne Diekmanns Großes Liederbuch, das als DIE große künstlerische Auseinandersetzung mit dem missbrauchten und verdrängten deutschen Volksliedgut gelten mag. Die Bilder sind in ihrer Balance zwischen dem Lindenbaumrauschen, der Heimatsehnsucht und dem Ekel vor der gefährlichen Biederkeit einfach großartig.

    Weiterhin ist für die heimische Musikbibliothek noch zu empfehlen das oben erwähnte Kommersbuch, der Zupfgeigenhansel der Wandervogelbewegung und Erks Liederschatz, nur antiquarisch erhältlich. Daraus haben bis vor der Nazizeit alle Leute gesungen, und die Lieder waren so weit bekannt, dass sich überall Mehrheiten ergeben haben, die mitsingen konnten. Natürlich ist über manches die Zeit hinweggegangen, anderem, gerade den Soldatenliedern, haftet ein Leichengeruch an. Dennoch gibt es Lieder, die irgendwie gerettet gehören – zum Beispiel das hinreißende „Kein schön’rer Tod ist in der Welt“ (nur wie?).

    Sehr interessant finde ich das Historisch-Kritische Liederlexikon.

    Was Aufnahmen von Volksliedern angeht, tu ich mir sehr schwer – die Profistimmen, die an dem Zeit-Projekt mitgemacht haben, sind mir oft zu mächtig und kunstvoll; die schnoddernden 70er-Jahre-Versionen mag ich auch nicht. In Bobo habe ich etwas reingehört, aber so ganz überzeugt bin ich nicht. Auch sie will sich nicht einfach fallenlassen, denn dann könnte es ja schmalzig werden. Also vielleicht doch die saftig gesetzten Männer- und Knabenchorversionen? Gerne würde ich die alten Lieder mal von einem Alte-Musik-Ensemble hören, ähnlich wie es in Frankreich Le Poème Harmonique gemacht hat.

    Die eindeutig beste Variante ist eh – selber singen.

  16. die Kaltmamsell meint:

    Ich klicke mich gerade bei YouTube durch die Aufnahmen der Comedian Harmonists und Zeitgenossen, Sabine, die gefallen mir bei den Klassikern.

  17. Sabine meint:

    Das ist natürlich sehr schön, die Comedian Harmonists. Aber Lieder aus dem Zupfgeigenhansel haben die wahrscheinlich nicht aufgenommen, dabei sind da besonders schöne dabei.

    Die Geschichte der Liedkultur in Deutschland ist unglaublich interessant und ich hege immer noch die leise Hoffnung, dass eines Tages ein Musikwissenschaftler mit guter Schreibe daherkommt und das definitive populärwissenschaftliche Werk darüber verfasst. Oder dass sich ein schlauer Romanautor der Jugendmusikbewegung annimmt.

  18. silvia meint:

    Mein Tip: Das große Liederbuch, das gibt es auch über ZVAB antiquarisch, da ist der ganze deutsche Volksliedshatz drin, mit schönen Illustrationen von Tomi Ungerer.

  19. fincafrau meint:

    Sehr verehrte Kaltmamsell,

    Sie sprechen mir so aus dem Herzen. Ich singe gerne und denke noch mit viel Illusion an die schöne Zeit mit meinem Kollegen, Herrn Dr. A. aus Niedersachsen. Wir sangen in der Kaffeepause gerne Shanties und die MTAs haben sich gewundert.
    Aus meiner schwäbischen Heimat mag ich gerne folgende Texte zum besten geben, die ich gerne zur Beruhigung meiner vier Nichten und Neffen im Auto vorsagn:

    1. mei Muadr mag mi ned,
    koi Schätzle han i ned,
    mir isch, als ob i schderbn müsst,
    wass soll i dua`

    2. d Bäure hod Katz verlore,
    woiß ned, wos isch,
    se sucht alle Winkele aus,
    Mulle Mulle wo bisch.

    3. zwische Nachd und Donk,
    gank i zu meim Onk,
    sitzt a Katz im Wenk
    mit verschissne Schenk.

    Das sind die, die mir grade einfallen.
    wenn wir mal wieder in „Minga“ zusammensitzen, gerne mehr.

    Ihre Dokse

  20. ilse meint:

    Ich weiß schon, warum wir Probleme mit Volksliedern haben (es wird in diesem Film ja auch mindestens ein guter Grund gezeigt, warum man nie wieder unschuldig „Alle Vöglein sind schon da“ singen möchte). Aber ich freue mich auf eine Zeit, wenn das „deutsche Volkslied“ seine Unschuld wieder erlangt. Und in der Zwischenzeit kann ich fröhlich jodeln. Ich empfehle wieder einmal die „Zwirbldirn“ und das „Koflgschroa“.

  21. Karan meint:

    Ich glaube nicht, daß es wirklich darum geht, eine „Unschuld“ wiederzuerlangen. Denn das würde ja bedeuten, etwas Geschehenes wäre auslöschbar. Und das sollte es nicht sein noch werden. Jedoch bin ich mir sicher, daß das deutsche Volkslied erinnerns- und singenswert ist. Trotz alledem und alledem.

    Auch die alten Lieder wurden zu irgendeinem Zeitpunkt gedichtet und komponiert., auch wenn man nicht mehr weiß, von wem. Und vieles, was vor noch gar nicht langen Jahren erst geschrieben wurde (z. B. „Heute hier, morgen dort“ von Hannes Wader), ist längst selbst zum Volkslied geworden. Was wiederum (zum Glück!) den guten Franz Josef Degenhardt widerlegt, der noch 1968 dichtete: „Tot sind unsere alten Lieder“ (leider gibt es davon keine verfügbare Aufnahme von ihm, jedoch eine Rezitation eines anderen Künstlers; hier: http://www.youtube.com/watch?v=RZuLyGuekig).

    Warum wird ein Lied zum Volkslied? Weil es berührt. Ich habe schon viele (und nicht nur alte) Menschen weinen sehen bei „im schönsten Wiesengrunde“ …

    Und bin meinen Eltern und Großeltern ewig dankbar für ihre Sangesfreude, der ich es zu verdanken habe, ein reiches Liedgut im Kopf zu haben, was schon zu meiner Jugend, die bereits eine Weile her ist, längst nicht mehr selbstverständlich war.

    Danke für den Link zum Film, auf den ich mich sehr freue, und für die interessanten Links in den Kommentaren!

  22. Modeste meint:

    Lange nicht gesungen, zuletzt zur Schulzeit. Jetzt wieder abends für den F., der sich immer freut und lacht, wenn gesungen wird. Vielleicht wird er sich mal erinnern, wenn er groß ist. Kein schöner Land. Hoch auf dem gelben Wagen. Und was sonst noch so alles da ist. Gar nicht so wenig.

  23. Arne Birkenstock meint:

    Vielen Dank für diesen Artikel und die rege Kommentierung! Das freut mich sehr! Unser Film „SOUND OF HEIMAT“ läuft weiter in den Kinos. Hier findet Ihr die Städte, Uhrzeiten und Kinos, in denen der Film in nächster Zeit läuft: http://www.arnebirkenstock.de/kinotermine_ab_4-10/

  24. Sandi meint:

    Wunderbarer Film, letzte Woche zusammen mit den Toechtern gesehen. Im Anschluss wurde gemeinsam bei einem geschenkten Bier vor dem Zeisekino in Hamburg mit Rainer Pruess und Jan Tegerer gesungen, ich haette stundenlang bleiben koennen. Ich werde diesen Sonntag zur Wiederholungstaeterin, beim erstenmal kullerten so viele Ruehrungstraenchen, dass ich bestimmt das ein oder andere verpasst habe. Rennt dem Mann die Bude ein!

  25. Sebastian meint:

    Genau: Wir saßen mit Australiern zusammen, die alle verschiedenen Ursprungs waren, und jeder sang und sang – nur wir Deutsche, Lehrer, Schauspieler darunter, hatten nichts zu bieten, außer „Die Gedanken sind frei“ – was ich aber angesichts der fröhlichen Trinklieder und traurigen Liebeslieder sehr verkopft fand.

    Irgendwo gibt es einen Kurzfilm, von Naziaufmärschen usw., dazu immer Gesänge, Horst-Wessel-Lied, 1. Strophe Deutschlandlied usw. – und am Ende kam nur eine schwarze Texttafel: „Wo man singt, dort lass‘ dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder“ Ich denke, da liegt schon der Ursprung, warum wir so zögerlich waren zu singen vor Menschen aus dem Rest der Welt, warum wir erst einen Tomi Ungerer brauchten, um wieder zu einem Liederbuch zu greifen und auch heute noch solch ein Filmexperiment, um zu sehen, was bei uns gesungen wird.

    Denn das wird. Nicht gerade in den von Grebe so gerne beackerten Kreisen, also bei uns aufgeklärten Großstädtern, aber hey: der Männerchor in Engelrod, jeden Sonntag in den Kirchen (Das ist doch auch keiner mehr? Na dann…)…samstags in Fußballstadien, bei den Fischerchören, beim Musikantenstadl oder bei der Promnight im Publikum.

    Igittigitt? Vielleicht isses ja auch diese fehlende igittigitt gegenüber dem wie auch immer singenden Volk, weswegen man in Italien, Irland, Neuseeland einfach weitersingt, ob es jetzt perfekt oder originell klingt oder nicht. Ich mach das inzwischen, aber das war auch ein langer Weg, plötzlich in der Kirche einer von den Typen zu sein, nach denen die Leute leicht verstört den Kopf wenden: http://www.rettet-das-mittagessen.de/blog/2008/07/basic-singing/

    Alsdann, ich fänd das toll wenn es durch diesen Film noch mehr werden – und sei es in der Karaoke-Bar. (Nein, jetzt wird nicht noch auf Margot Kässmanns Predigt zum Thema Singen verlinkt, so frei von allem bin ich dann doch noch nicht.)

  26. die Kaltmamsell meint:

    Aber genau damit geht es los, Sebastian: Die Trinklieder und Liebeslieder aus dem Volksgut der anderen finden wir toll, die eigenen deutschen Lieder irgendwie unpassend. Das ist aber unser Kulturgut. Internationales Stereotyp wären ja nicht verkopfte Lieder (und ich finde „Die Gedanken sind frei“ durchaus leidenschaftlich), sondern Märsche.

    Hessische Männerchöre sind ein Kapitel, das in dem Film leider nicht vorkommt – er konnte ja nicht alles abdecken. Sind mir aber durch einen Freund sehr vertraut.

  27. Sabine meint:

    Weihnachten rollt heran! Weihnachtslieder mag fast jeder. Ich erinnere mich mit Wehmut an den kanadischen Freund einer Freundin, der in der Adventszeit immer seine Wohnung öffnete, alle Freunde, Haidhauser Nachbarn und diverse Expats zu einem Festlein mit Glühwein und viel zu viel Essen einlud, wo sich zu späterer Stunde immer ein begeisterter Trupp Liedersänger fand, die a cappella, mit mäßiger Textkenntnis und heißer Inbrunst deutsche, englische und bayerische Weihachtslieder sangen. Leider ging die Beziehung auseinander und der Mann zog nach Kanada zurück, wo er vermutlich jetzt schon seine Adventsparty plant.

    Man muss den Leuten nur Gelegenheit und einen nicht-peinlichen Anlaß geben, dann singen sie wie die Zeiserl.

  28. Preißndirndl meint:

    Es gibt ganz wunderbare und sehr melancholische deutsche Volkslieder, wie zum Beispiel „Ich hab die Nacht geträumet“, das ich liebe und bestimmt schon hundert mal gesungen habe, oder auch „Ick hebbe se nich up de scholen gebracht“. Aber selbst die sind mir bei einem Studienaustausch in Russland nicht mehr eingefallen, komplette Blockade. Wir haben damals das obligatorische „Die Gedanken sind frei“ gesungen und anschließend das Kinderlied „Und die Katze tanzt allein“ – das uns die Russen beibrachten!!!

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