Beifang aus dem Internet

Freitag, 25. Oktober 2013 um 6:17

Stricken! Sarah Kuttner (deren Twitterei folgenswert ist, sonst kenne ich die Dame zugegebenermaßen nicht und weiß nur, dass sie eine öffentliche Figur aus dem Fernsehen ist) schreibt darüber, dass sie strickt. Vieles daran erklärt den zeitgenössischen Impuls vieler Menschen, unmodern gewordene Formen der Handarbeit zu betreiben.

Individualitätsfetischisten, die jetzt die knochigen Fäuste in die Luft recken und skandieren: »Wir wollen, was sonst niemand hat!«, sage ich: Das ist mir egal.

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Anke Gröners Artikel für die Brigitte, die Mutter des deutschen Diätterrors, ist online: Dicksein ist keine Charaktereigenschaft. Muss man leider mantra-artig wiederholen (bitte tun Sie das bei jeder Gelegenheit). Dünnsein natürlich genauso wenig. Können wir bitte einfach Vielfalt feiern?

Hat die Brigitte eigentlich je ihre schändliche Vergangenheit (und zum Teil Gegenwart) als Diättaliban und Diversitätsbekämpferin (z.B. Rubrik “Das waren doch nicht etwa Sie?”) aufgearbeitet? Das aktuelle Dossier “Kampf um die Figur” wäre eine schöne Gelegenheit gewesen, zumal das Blatt doch die Frau aus oberen Bildungsschichten als Leserin im Blick hat.

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Ganz was anderes: Meine Lieblingsaltphilologin Mary Beard macht sich Gedanken über die Funktion von Computern in Museen, wo sie wie geeignet sind und wo eher nicht. “Do Computers belong in Museum Galleries?”

Für mich ist bis heute der beeindruckendste Einsatz von Medien in allen Formen und Arten der im Berliner jüdischen Museum, nämlich für alle Sinne. Plus dem Medienzentrum im Untergeschoß.

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Eine weitere Folge von: Was Sexismus unter anderem anrichtet und weswegen “Doch bloß Spaß gemacht” und “Gar nicht so gemeint” keine akzeptablen Gegenargumente sind. Diesmal reflektiert eine der feministischen Vordenkerinnen Deutschlands (*hüstel* in Richtung traditioneller Medien, denen ums Verrecken niemand andere als Alice Schwarzer einfallen will), Antje Schrupp, darüber, “Wie ich zu einer unfreundlichen Person wurde“.

Nicht, dass ich Angst habe. Ich habe nur keine Lust auf Komplikationen irgendeiner Art. Ich habe keine Lust, irgendwas zu erklären oder gradezurücken.

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Dazu passt ganz gut ein etwas älteres Fundstück: “But Men” illustriert in Bildern, warum “Aber Männer haben auch Probleme” an manchen Stellen unangebracht ist.

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Beifang aus dem Internet“

  1. Schnick Schnack Schnuck meint:

    Stricken, genau! Ich habe mich für diesen Winter in einem Kurs angemeldet. Strickkränzchen mit Kaffee und Kuchen. Ein hoffentlich schönes Hobby für die dunkle Jahreszeit. Für`s Alter behalte ich mir aber desaströsere Leidenschaften, wie Pferdewetten auf der Rennbahn, durchaus noch vor.

  2. Buchfink meint:

    “Diättaliban”, herrlich, das kann nur einer wütenden Seele entweichen.

  3. oachkatz meint:

    Brigitte ist genauso ‘drauf’ wie eh und je, kaum ein Heft in dem nicht irgendwo ein Beitrag zum Thema “Ich bin Frau, ich will (oder sollte wollen) mal wieder ein paar Kilo abnehmen.” Aber sie müssen ja auch sehen, wo sie bleiben, vielelicht gibt es ja unter den Leserinnen oder bei den potentiellen Leserinnen ja doch ein paar überzeugte Dicke, die müssen dann auch mal mit ins Boot geholt werden. Nächste Woche bringen wir dann wieder was zu den kleinen Fettpölsterchen an Hüfte, Bauch, Po und kleinem Zeh. Und natürlich dazu, wie man sie beseitigt.
    Der ganze tief verinnerlichte Diät- und Selbstdisziplinierungsquark tritt dann auch deutlich in der Mehrzahl der Kommentare zutage, die zeigen, dass Leserinnen und Medium ganz gut zusammenpassen. Bereit fürs Feiern der Vielfalt scheint mir hier noch kaum jemand, leider.

  4. tine meint:

    Bei Feiern der Vielfalt kann ich Ihnen nur zustimmen und überlege, inwieweit dieser Gedanke vielleicht auch eine Option wäre im Hinblick auf den Umgang mit von Ihnen nicht so gewünschten Emotionen wie der Wut (auf andere? die etwas anders machen? oder anders sind?), über die ich in Posts vor diesem gelesen habe.

  5. vered meint:

    Wen die Brigitte aufregt, ist selber schuld. Das beste ist: sie nicht mehr lesen!

  6. Susann meint:

    @oachkatz

    Ich war tatsächlich über gut 50% der Kommentare zu Anke Gröners Artikel erschrocken. Massive Borniertheit, die einem da entgegenschlägt – die Idee, dass jede/r Dicke locker dünn sein könnte, wenn sie nur den Burger zur Seite legen würde, aber bloß zu undiszipliniert und faul ist, das zu tun…Anke Gröner hätte genausogut eine Seite lang “blah blah blah” schreiben können, soviel ist von diesem Artikel bei der Hälfte der Leser/innen angekommen. Sagenhaft.

    (Aber um sich zu trösten, kann man dann den Alice-Schwarzer-test zu machen, beworben mit “Steckt vielleicht mehr Alice Schwarzer in Ihnen, als Sie glauben”? OH MEIN GOTT! SCHOCK HORROR! *facepalm Brigitte

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