Israel, baby! – 6 – Vögel und Fahrräder

Sonntag, 29. Dezember 2013 um 18:49

Zum einen begeistert mich weiterhin die hiesige Vogelwelt.

131227_16_Palmensaenger

Da sind weiterhin meine Palmensänger, die wohl tatsächlich common myna sind, also Hirtenmainas, auch wenn die einheimische vered zweifelt. Die Website Birds of Israel gibt Tel Aviv explizit als den Ort an, wo man sie am häufigsten findet.

131227_15_Wiedehopf

Über die Wiedehopfe kann ich mich bei jeder Sichtung begeistern, für mich sind sie sehr exotisch (beide Bilder oben aufgenommen vom Mitbewohner – aber nicht mal er hat einen Wiedehopf mit aufgestelltem Kamm erwischt).

Heute begegnete ich zwei mir unbekannten.

131229_15_Strandlauf

Dieser Krähen-große Vogel leuchtete mich auf meinem Morgenlauf mit seinen glänzend türkisen Federn an, die ganz ausgezeichnet zum braunen Restgefieder und Schnabel passten (ein Motelone-Vogel?).

Außerdem war dann noch dieser hier in eleganter Einbeinpose:

131229_21_Vogel

Heute Abend klicke ich mich auf der Suche nach den beiden mal durch Birds of Israel. Treffer: Der obere heißt laut Wikipedia zu deutsch Braunliest und ist eine Eisvogelart, der untere ist ein Spornkiebitz.

§

131227_09_Leihräder

Zum anderen möchte ich hiermit vom hiesigen Leihradlsystem Tel-O-Fun schwärmen. An derzeit 170 Standorten in ganz Tel Aviv gibt es Stationen mit markant grünen Leihrädern und Leih-Terminals. An den Automaten kann man sich als Besucherin per Kreditkarte einen Tages- oder Wochenpass kaufen (Wochenpass für derzeit 70 Schekel = 14 Euro). Mit diesem Wochenpass lässt man sich über den Automaten eines der angesperrten Fahrräder entsperren und radelt los – die ersten 30 Minuten sind von der Grundgebühr abgedeckt, danach kostet die Nutzung halbstundenweise. In der Nähe des Zielorts sperrt man das Rad wieder an einer Station an. Das System an sich ist perfekt (Tel Aviver registrieren sich für ein Jahr und bekommen dann einen grünen Plastikdongel zugeschickt, mit dem sie sich ein Fahrrad entsperren), hat allerdings wie jedes System Detailtücken: Schon zwei Mal mussten wir mit leeren Händen zur nächsten Station gehen, weil keines der vorhandenen Fahrräder sich ordnungsgemäß entsperrte – Fehlermeldung.

Der Mitbewohner und ich nutzen die Räder täglich. Heute waren wir die bislang längste Strecke unterwegs, nämlich zum Diasporamuseum. Das sie derart weit draußen hingestellt haben, als wollten sie alle Besucher dazu zwingen, den Auszug aus dem gelobten Land am eigenen Leib zu spüren. (Melodramatische Übertreibung, das Museum liegt halt nordöstlich des Stadtkerns auf dem Campus der Campusuniversität, und im Grunde hatte ich gar nichts dagegen, bei dieser Gelegenheit die hiesige Uni zu sehen. Mit Instituten unter anderem für „exact sciences“ – ich hätte als Studentin mein Fach Literaturwissenschaft vermutlich trotzig „vage sciences“ genannt.)

Die permanente Ausstellung zur Geschichte der Juden in den vergangenen 2300 Jahren auf drei Ebenen gefiel mir gut. Zwar muss auch sie sich in meinen ganz persönlichen Augen mit der Benchmark jüdisches Museum in Berlin messen und kommt bei Weitem nicht hin. Doch aus den verschiedenen Wanderungsgeschichten über die halbe Welt zog ich einige neue Informationen, sehr beeindruckend fand ich auch den Raum mit Modellen berühmter Synagogen quer durch die Jahrtausende und über den Erdball. Was halt völlig fehlte, waren Originalexponate, für ein Museum etwas seltsam. Dafür gab es einige Erklärfilme, zum Teil mit Originalaufnahmen.

die Kaltmamsell

14 Kommentare zu “Israel, baby! – 6 – Vögel und Fahrräder”

  1. Carom meint:

    Die Leihfahrräder, die Poller und die an den Pollern angebrachten Sperrhaken sind ausweislich Ihres Fotos mit dem System der in Hamburg allenthalben entleihbaren „Stadträder“ identisch (bis auf die Farbe, in Hamburg sind die Dinger rot).
    Ich bin aber vor allem wegen der von Ihnen beschriebenen Fehlermeldung von einer gewissen Übereinstimmung (selber Lieferant in Tel-Aviv und in Hamburg?!) überzeugt – auch in Hamburg gibt es solche Probleme, regelmäßig. Man läuft dann halt, die Lösung funktioniert international… ;)
    (Zum Teil sind auch einfach die Räder vom letzten Nutzer als defekt gemeldet und dadurch für weitere Nutzer gesperrt, und manche Defekte, zum Beispiel an der Schaltung, sieht der oberflächliche Betrachter nicht.)

  2. Gaga Nielsen meint:

    (ist das mit den Fahrrädern nicht zufällig dasselbe wie in Berlin in Grün?)

  3. die Kaltmamsell meint:

    Das System in Hamburg, Carom,sieht ähnlich aus, allerdings braucht man in Tel Aviv deutlich weniger Angaben zum Starten und das Rad ist sofort entriegelt – ohne zusätzliche Code-Eingabe am Rad selbst. Das System der Deutschen Bahn, Gaga, kenne ich als viel komplizierter.

  4. schmerles meint:

    Danke, dass Sie mich hier her lockten, mal wieder. Die gegend habe ich mir schon lange vorgemerkt, aber es wird noch dauern

  5. Gaga Nielsen meint:

    Ich habe es noch nie ausprobiert, sehe nur seit Jahren alle Nase lang diese Räder in Mitte, und dass es immer mehr werden, und wohl noch mehr werden sollen. Das Hamburger Stadtrad-Dingens ist auch auf der D-Bahn-Seite verlinkt. Und in München und diversen anderen Städten ist wohl noch diese Vorstufe ohne feste Standorte, wo man anrufen muss. Alles in Entwicklung, offensichtlich. Das Angebot in Tel Aviv scheint auffallend preisgünstig zu sein, zumal die Stadt ja sonst kein Schnäppchen-Angebot zu sein scheint.

    Was mich bei Tel Aviv noch interessieren würde: ich habe immer durch Fernsehen und wenige Auge-in-Auge-Begegnungen den Eindruck gewonnen, dass unter den Israelis extrem viele gutaussehende Menschen zu finden sind. Sehr aparte Typen. Schöne dunkle Augen, tolle Locken, schöner sinnlicher Mund… O.k. – ist natürlich Geschmackssache…! Aber wie ist so der Eindruck von den Bewohner/innen? Und sieht man viele Frauen mit Perücken? Oder ist das so geschickt gemacht, dass man es nicht sieht, wenn man es nicht weiß? Ich habe mal eine Doku gesehen, wo es ausführlich um den religiösen Hintergrund ging, warum modebewusste (jüdisch) gläubige Israelinnen nach der Heirat Perücke tragen (statt Kopftuch… damit nur der Ehemann den echten Haarschopf sehen kann).

  6. Gaga Nielsen meint:

    P.S.
    hier ein bißchen mehr background zu der Perücken-Sache.

  7. die Kaltmamsell meint:

    Im Straßenbild, Gaga, scheint mir der Durchschnitt nur wenig dunkler als in München – die Einwanderer kommen halt aus allen Gegenden der Welt. Perücken (Scheitel) fallen mir gar keine auf, eher kunstvoll gewickelte Kopftücher (können orthodoxe Jüdinnen sein oder Drusinnen). Witzig finde ich, dass sich die Mode der Beutelmützen hineinmischt: Manche alte Jüdinnen tragen eine Vorform als Kopfbedeckung, bei jungen Frauen ist es oft die Berliner Hipstervariation. Aus der jahrelangen Lektüre von Lilas Blog (leider derzeit geschlossen) weiß ich ja schon eine Menge über die hiesigen Gepflogenheiten und ihre Hintergründe, und so halte ich gezielt Ausschau.

  8. Swom meint:

    Erfinder des Leihradsystems war Ende des letzten Jahrhunderts die Münchner Firma Call a Bike, die bald von der Deutschen Bahn übernommen wurde. (Aus den Farben Silber und Orange wurde dann Silber und Rot, später wohl Weiß und Rot.) Dieses System wirkte international inspirierend. München ist eine Metropole im Süden Deutschlands, deren gelegentlichen Besuch ich übrigens nur empfehlen kann.

  9. Sarah meint:

    So aehnliche Leihraeder gibt es in London auch (in blau) und mir gefaellt vor allem der inoffizielle Name: Boris-Bikes, nach dem derzeitigen Buergermeister Boris Johnson…

  10. Tanja meint:

    Auf mündliche, eindringliche Empfehlung von blogk.ch bin ich endlich wieder hier gelandet und dazugekommen, alle die vielseitigen Israel-Beiträge zu lesen. Vielen Dank und liebe Grüsse auch an den Mitbewohner.

  11. die Kaltmamsell meint:

    Meinen Sie DAS Call a bike, Swom?
    https://www.vorspeisenplatte.de/speisen/2011/09/ruf-ein-rad.htm

  12. Swom meint:

    Oh, da kennen Sie die Geschichte ja. Meine Erinnerung will mir nur vormachen, dass ich die Räder schon 1999 gesehen hätte. Wahrscheinlich war ich einfach ein paar Monate später noch einmal in München. Ähnlich präzise ist meine Erinnerung an die internationalen Presseberichte. Hier ist allerdings ein Testbericht von Gideon Levy in Haaretz zur Einführung des Tel Aviver Systems im Frühjahr 2011. Es wird dort nur (oder immerhin) von einem „terrific, German-made bicycle“ gesprochen. http://www.haaretz.com/weekend/week-s-end/tel-aviv-on-bikes-1.357578

  13. adelhaid meint:

    manchmal hilft es, wenn eine weitere person (der mitbewohner?) das gewünschte rad gerade hält. die kabel am schließbolzen sind mitunter etwas brüchig, und melden daher das rad als defekt oder nichtexistent.
    es ist wohl auch eine gute idee, das vorderrad in der schiene am boden stehen zu haben. aber ich persönlich glaube, dass auch das nur den richtigen winkel für das schließkabel unterstützt.

  14. Christian meint:

    Der „gemeine Myna“ ist übrigens auch in Indien sehr häufig. Ich würde mal sagen in Neu Delhi ist er der häufigste Vogel – ähnlich dreist übrigens wie hierzuland die Spatzen.

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