Journal Sonntag, 22. November 2015 – Seniorinnengymnastik

Montag, 23. November 2015 um 6:17

Überraschend lange geschlafen, fast musste ich mich beeilen, um im Sportstudio am Ostbahnhof meine Wunschturnstunde zu erwischen. Zum Hinradeln packte ich mich erstmals richtig winterlich ein, es schneite immer wieder.

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Da ich in den vergangenen Wochen selten Zeit für sportliche Bewegung gefunden hatte, blieb ich auch zur „Rückenfit“-Stunde: Um meine krumme Lendenwirbelsäule von Schmerz verursachenden Sperenzchen abzuhalten, ist Krafttraining wichtiger als die Hüpferei, die mir viel mehr Spaß macht. Also balancierte ich nach Anweisung unelegant auf einem Schaumstoffkissen, wackelte auf einem halb aufgeblasenen Ball herum und eierte strumpfsockig auf Zehenspitzen. Es hat schon Gründe, warum ich diese Stunde sonst auslasse: Während ich mich bei den Bewegungsabläufen des Langhanteltrainings schön und stark fühle, bei praktisch jeder Übung ein piratisches ARRRRRRRR! ausstoßen möchte, komme ich mir bei diesen Übungen immer vor wie eine End-Neunzigerin in Reha. Was eigentlich nur beweist, dass ich genau diese Stunde viel öfter mitturnen sollte.

Durch malerisch wirbelnde Schneeflocken heimgeradelt, Rote-Bete-Salat und Apfelkuchen gefrühstückt.

Einen großen Stapel liegengebliebener Tageszeitungen aufgelesen. Erst den aktuellen Todesanzeigen entnahm ich, dass der ehemalige bayerische Landwirtschaftsminister Simon Nüssel gestorben ist. Ich stutzte: Warum sagt mir der Name etwas? Nach kurzem Nachdenken fiel mir ein: Als 20-jährige Radiovolontärin hatte ich ihn einst interviewt.
Anlass war irgendeine Feierlichkeit an der Landwirtschaftsschule Ingolstadt gewesen, auf der er als Landwirtschaftsminister sprach. Ich nutzte die Gelegenheit, mir ein paar O-Töne von ihm zu holen. Es waren die späten 80er, Simon Nüssel hatte unter anderem über die schwierige Situation der Landwirtschaft gesprochen. Das griff ich auf. Ich hatte vorher recherchiert, dass Nüssel selbst aus der Landwirtschaft kam und fragte ihn, ob er heute jemandem empfehlen könne, Landwirt zu werden. Doch er antwortete nicht auf meine Frage – und ich bilde mir ein, dass ich in erster Linie wegen der Unhöflichkeit irritiert war, nicht aus journalistischen Gründen. Ich fragte nach, erhielt wieder keine Antwort. Da wurde ich wohl ein wenig rüde: „Ja oder nein, Herr Nüssel?“ Und bekam meine Antwort: Nein, das könne er nicht. Diese Antwort schnitt ich dann auch in den lokalnachrichtlichen Beitrag.
(Caveat: Erinnerungen sind unzuverlässig, möglicherweise war ja alles ganz anders.)

Dienstreise nach Braunschweig (ich weiß…) vorbereitet.

die Kaltmamsell

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